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Kommerzielle Tanzstile unterrichten – Tanz & Pädagogik erforschen (Band 2)

Beiträge des Kollegs für kommerzielle Tanzstile und -pädagogik

von Verein arriOla (Autor)

Sammelband 2015 227 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Hannah Kabelka, Leitung KKTP

AkzepTANZ: Die Integrationswirkung des kommerziellen Tanz­stils Hip Hop auf Jugendliche mit Migrationshintergrund
Julia Bichl

Theoretische und basispraktische Grundlagen des Akrobati­kunterrichts in Kindertanzstudios
Judith Draskovits

Die Kommerzialisierung des Tanzbegriffs HipHop durch die Me­dien - Vom Socialdance zum Bühnentanz
Anna Illenberger

Tanz trotz Hörbeeinträchtigung. Die positiven Auswirkungen von Tanz und Möglichkeiten der Optimierung tänzerischer Fer­tigkeiten für Hörgeschädigte
Maria Mandl

Die Macht des Kopfes im Tanz - Selbstmotivation als Selbsthil­fe. „Wie lässt sich die tänzerische Leistung mittels der intrinsi­schen Motivation steigern“
Eva Martin

Tanz im Spitzensport. Positive Auswirkungen von Tanztraining auf den Körper eines Leistungssportlers am Beispiel eines pro­fessionellen Amercian Football Spielers
Katharina Steiner

Der Kreative Kindertanz, ein Beispiel für ganzheitliche Be­wegungserziehung, als Alternative zu „versporteten“ Bewe­gungsangeboten
Sari Wallisch

„Voice & Dance“ — Die Stimme als Stütze des Tanzes. Wie kann die Stimme den Kindertanzkurs unterstützen?
Jessica Wurzer

Literaturverzeichnis (inkl. Abbildungen und Tabellen)

Begriffsregister

Vorwort

Das KKTP, Österreichs erstes Kolleg für kommerzielle Tanzstile und -pädagogik, soll nicht nur anhand von vielen praktischen und theoretischen Einheiten Anleitungen zum Einsatz von kommerziellen Stilen in der tanzpädagogischen Arbeit bieten, sondern diese auch im Rahmen von fundierten Abschlussarbeiten erforschen. Wenn in Folge von Tanz und Tanzen gesprochen wird, so versuchen wir alle beschriebenen Charakterisierungen und mit dem Tanzbegriff gerade das große Spektrum mit all seinen verschiedenen Möglichkeiten mitzu­denken. Die Bandbreite, innerhalb der das Thema Tanz behandelt werden kann und soll, zeigen die Abschlussarbeiten der Absolventinnen des KKTP. Die seit 2014 vom Verein arriOla herausgegeben Reihe Kommerzielle Tanzstile unterrichten - Tanz & Pädagogik erforschen setzt sich zum Ziel, diese Arbeiten und deren Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugäng­lich und den kommerziellen Tanz auch in seiner Theorie, seinen Funktionen und Möglichkei­ten damit weithin sichtbar zu machen.

Ziel des KKTP in der Praxis ist die Ausbildung von TanzlehrerInnen auf pädagogischer, tän­zerischer und choreographischer Ebene, wodurch sie dann befähigt sind, SchülerInnen vom Kinder- bis zum Erwachsenenalter ein vielfältiges Unterrichtsspektrum an kommerziellen Tanz­stilen zu bieten.1 Das Curriculum enthält eine didaktische und methodische Ausbildung für alle Altersbereiche, legt dabei sein Hauptaugenmerk aber speziell auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Auch die theoretisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Tanz per se, insbesondere aber mit kommerziellem Tanz, ist wesentlicher Teil der Ausbildung.

Die in diesem Sammelband veröffentlichten Arbeiten stammen alle von Absolventen des Kolleg-Abschlussjahrgangs 2015.

Einleitung

Über viele Jahre hinweg haben die Menschen sich Gedanken über eine Definition von Tanz gemacht. Was ist Tanz? Was tun wir, wenn wir tanzen? Warum tanzen wir? Und was kann Tanz bewirken?

Folgt man beispielsweise der Beschreibung des Universalduden, kann Tanz einmal als

„[geordnete] Abfolge von Körperbewegungen, die nach einem durch Musik oder eine andere akustische Äußerung (wie Schlagen, Stampfen o. Ä.) hervorgebrachten Rhythmus ausgeführt wird“ verstanden werden.1

Der ungarische Tanztheoretiker Rudolf von Laban vertritt außerdem die Ansicht, dass Tanz eine Brücke zwischen der Psyche des Menschen und seiner Umwelt schafft. Er macht hier auf eine interessante Unterscheidung zwischen Tanz und Sport im allgemeinen aufmerksam, indem beim Tanz der Prozess der Bewegungsaktion selbst in den Vordergrund rücke, wäh­rend bei anderen Aktivitäten, wie im Sport oder auch bei der Arbeit, unsere Aufmerksamkeit zumeist auf das praktische Resultat unserer Aktionen gerichtet sei.2 3 Laban räumt aber auch ein, dass nicht jedes „oft Janzen’ genanntes Umherspringen und Herumhüpfen die eben beschriebene einigende und harmonisierende Wirkung hat.“4 So mag es beispielsweise in vie­lerlei Showtanzstilen und vor allem im professionellen Tanzbereich oftmals vorkommen, dass vermehrtdas Endresultatzum Hauptaugenmerk wird.

Viele Charakteristika. Vielfältigkeit.

Ausgehend von dieser Vielfalt an Definitionsversuchen wird in den vorliegenden Arbeiten nun genau diese Vielfalt an Möglichkeiten und Wirkungen von und durch Tanz aufgearbei­tet.

Dass Tanz vielleicht nicht nur Sport ist, sondern auch in seiner ganzheitlichen Form betrach­tet werden soll, greift Sari Wallisch in ihrer Arbeit „Der Kreative Kindertanz, ein Beispiel für ganz­heitliche Bewegungserziehung, als Alternative zu ,versporteten’ Bewegungsangeboten“5 auf. Sie diskutiert die Veränderungen der aktuellen Lebensbedingungen, spricht von einer „Ver- sportung“ der Kindheit und zeigt den Kreativen Kindertanz als facettenreiche ,Sportart‘ einer ganzheitlichen Bewegungserziehung auf.

Auf einer ganz anderen Ebene befasst sich Katharina Steiner in ihrer Arbeit „Tanz im Spit­zensport“ ebenfalls mit der Thematik Tanz vs. Sport. Ihrem Interesse gilt es aufzuzeigen, inwie­ fern sich Tanz als Sportart auch ergänzend zum üblichen Training eines Spitzensportlers einer anderen Sportart positiv auswirken kann. Am Beispiel eines professionellen American Football Spielers untersucht sie somit die Auswirkungen von Tanztraining auf dessen körperliche Fähig­keiten.6

Die Autorinnen der vorliegenden Arbeiten beleuchten die Vielfalt von Tanz außerdem auch in dessen Wirkungsmöglichkeiten für unterschiedliche Menschen. Tanz ermöglicht es, für unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Bedürfnisse einen individuellen Nutzen zu bringen. So befasst sich Maria Mandl in ihrer Arbeit „Tanz trotz Hörbeeinträchtigung“ mit den positiven Auswirkungen von Tanz und den Möglichkeiten der Optimierung tänzerischer Fähig­keiten für Menschen mit Hörbeeinträchtigung.7 Auch Julia Bichl behandelt in „AkzepTANZ: Die Integrationswirkung des kommerziellen Tanzstils Hip Hop auf Jugendliche mit Mitgrations­hintergrund“ ein aktuelles und wichtiges Thema unserer Zeit. Sie wählt für ihre Forschung an einer Neuen Mittelschule in Wien Tanz als Mittel für die positive interkulturelle Begegnung von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund.8

Es wäre einschränkend den Begriff Tanz sowie die damit verbundenen Vorstellungen und Konzepte, als etwas Feststehendes oder Abgeschlossenes anzusehen. Die Auszubildenden am KKTP werden stets bekräftigt, vorhandenes Wissen über Tanz zu verstehen und zu teilen, neue Ansätze zu prüfen und eigene Ideen weiterzuverfolgen. Erste Ideen für neue Konzepte in Verbindung mit Tanz wurden im Rahmen der Abschlussarbeit von Jessica Wurzer und Judith Draskovits ausgearbeitet.

„Voice & Dance“ nennt sich das Projekt von Jessica Wurzer, bei dem die Stimme als Stütze des Tanzes eingesetzt wird. Methodisch und didaktisch konzipiert, führt sie eine Untersuchung mit einer Kindertanzgruppe im Alter von sieben bis neun Jahren im arriOla Tanzstudio durch und erforscht die unterstützende Wirkung der Kombination von Tanz und Stimme.9

Auch Judith Draskovits bringt in ihrer Arbeit „Theoretische und basispraktische Grundlagen des Akrobatikunterrichts in Kindertanzstudios“ neue Anregungen zur optimalen Gestaltung und Integration des Akrobatikunterrichts in einem tänzerischen Setting. Inwiefern auch Kinder­tanzstudios von diesem umfangreicheren Angebot profitieren können und welche Grundfer­tigkeiten durch die Tanztrainer vermittelt werden können und sollten, bearbeitet sie ausführ­lich in ihrem Konzept der Kombination von Tanz und Akrobatik.10

Auch lange bestehende Begriffe und Bedeutungen im Tanzbereich sind von gesellschaftli­chen Veränderungen nicht auszunehmen. Die gesamte HipHop Kultur und insbesondere der eigentlich noch junge Tanzstil HipHop sind stets in Bewegung und eine einheitliche Meinung ist wissenschaftlich belegt nur schwer auszumachen. Anna Illenberger hat sich in ihrer Arbeit „Die Kommerzialisierung des Tanzbegriffs HipHop durch die Medien“ auf eine Reise von den Socialdances bis zum heutigen Bühnentanz HipHop begeben. Anhand von bestehender Li­teratur über HipHop, sowie medientheoretisch fundiert, erforscht sie, wie sich der Tanzbegriff HipHop Über die Zeit verändert hat, welche Rolle die Medien im Hinblick der Kommerzialisie­rung spielen und was der Begriff heute für die breite Masse bedeuten mag.11 12

Abschließend zeigt die Arbeit von Eva Martin auch, wie wichtig jeder Mensch selbst in der beschriebenen .Vielfalt von Tanz' ist. „Die Macht des Kopfes im Tanz - Selbstmotivation als Selbsthilfe“ ist eine spannende Forschung über die Selbstmotivation bei Tänzerinnen, für welche das Ergebnis mit Leistung in Verbindung steht. Anhand verschiedener Motivationsthe­orien und eines Selbstversuchs untersucht sie die Steigerung der tänzerischen Leistung durch die intrinsische Motivation.11

Die Bandbreite, innerhalb der das Thema Tanz behandelt werden kann und in den Ab­schlussarbeiten der Absolventinnen des Kolleg für kommerzielle Tanzstile und -pädagogik (KKTP) von 2015 behandelt wird, reicht also weit über den universellen Zugang zu Tanz rein als Bewegungsform oder Sportart hinaus. Mit verschiedenen Zugängen zum Thema sowie in der Diskussion alter und neuer Konzepte lassen die Autorinnen der Beiträge im vorliegenden Sammelband das breite Spektrum von Tanz in seinen unterschiedlichen Facetten, Funktionen und Aufgaben deutlich werden.

AkzepTANZ: Die Integrationswirkung des kommerziellen Tanzstils Hip Hop auf Jugendliche mit Migrationshintergrund

Einleitung

Kulturelle Vielfalt prägt unsere Gesellschaft so stark wie nie zuvor. Aufgrund wachsender Globalisierungsprozesse und Migrationsbewegungen lebten 2014 rund 1,7 Millionen (20,4%) Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich (Statistik Austria).1

Diese vorherrschende Multikulturalität birgt nicht nur viele Chancen, sondern führt auch zu vielen Herausforderungen und Konsequenzen für Gesellschaft, Bildung und Erziehung. An­stelle von Ablehnung, Befremdung und kulturellen Differenzen sollen sich die Menschen un­terschiedlicher Kulturen Respekt, Wertschätzung und Akzeptanz entgegenbringen können. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Vermittlung eines positiven Umgangs mit dem „Fremden“. Doch wie kann Befremdung bereichernd erfahren und dadurch die multikultu­relle Integration gefördert werden?

Wie der Titel der vorliegenden Abschlussarbeit „AkzepTANZ: Die Integrationswirkung des kommerziellen Tanzstils Hip Hop für Jugendliche mit Migrationshintergrund“ verrät, wird der TANZ als Mittel für die positive interkulturelle Begegnung gewählt.

Ausgangspunkt dafür ist die Tatsache, dass in fast allen Kulturen der Erde getanzt wird und Tanz demnach

„(...) als interkultureller Dialog von Personen ganz unterschiedlicher nationaler oder kultureller und biographischer Herkunft zu begreifen ist: Als Auseinandersetzung, als Prozess der Kommunikation und Interaktion, in der die Aktiven ganz unterschiedliche Vorerfahrungen, Auffassungen und Präfe­renzen von Tanz einbringen.“13 14

Das Ziel der nachfolgenden Forschungsarbeit besteht folglich darin, die soeben beschriebe­nen Herausforderungen unserer multikulturellen Gesellschaft aus der Perspektive der Tanz­pädagogik zu beleuchten. Es soll die Wirkung des Tanzes - im Speziellen des kommerziellen Tanzstils Hip Hop - als Mittel zur Akzeptanz fremder Kulturen und der dahingehenden mul­tikulturellen Integration analysiert werden, wobei folgende Forschungsfrage beantwortet wird:

Inwiefern wird die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch gemeinsame Tanzstunden des kommerziellen Stils Hip Hop beeinflusst?

Zur Beantwortung dieser Frage beschränkt sich die Vorgangs- und Forschungsweise im ers- ten Teil der Arbeit zunächst auf die hermeneutische Methode, die dazu dient, relevante Quellen und Texte zu analysieren und in Bezug zueinander zu setzen.

Zunächst müssen die Begriffe „Integration“, „Migrationshintergrund“ und „Tanz“ definiert werden, wobei bei dem letztgenannten Terminus vor allem auf den kommerziellen Tanzstil Hip Hop eingegangen wird. Darauf folgt die Analyse des Integrationspofenf/a/s von Tanz. Dabei werden im Sinne der Hermeneutik die Aspekte der kulturellen Identität, des interkulturellen Lernens sowie des sozialen Lernens und deren Zusammenhang mit der Integration Jugendli­cher mit Migrationshintergrund herausgearbeitet. Diese theoretische Auseinandersetzung bil­det wiederum die Grundlage für die darauffolgende empirische Analyse, im Rahmen derer die tatsächliche Integrationsw/rkung von Tanz auf Kinder mit Migrationshintergrund ermittelt werden soll. Die Forschung wird an einer Neuen Mittelschule in Wien durchgeführt und setzt sich grundsätzlich aus zwei Untersuchungen zusammen, wobei zunächst der reguläre Unter­richt beobachtet wird. Durch die anschließende Planung, Durchführung und Beobachtung von Hip Hop-Unterrichtsstunden werden die zuvor erbrachten theoretischen Überlegungen in der Praxis angewendet, wodurch eine Brücke zwischen Theorie und praktischem pädagogi­schem Handeln geschlagen werden soll. Um dabei eine aussagekräftige und wissenschaft­liche Beantwortung der Forschungsfrage zu erzielen, bedarf es einer genauen Erläuterung der Rahmenbedingungen, der Vorgehensweise und der Methode sowie der Zielgruppe und der Beobachtungskriterien. In einem abschließenden Resümee werden sowohl die theoreti­schen als auch die praktischen Erkenntnisse als vorläufiges (Zwischen)Ergebnis reflektiert und mit einem kritischen Ausblick auf die zukünftige Integrationsarbeit mittels kommerziellem Tanz abgeschlossen.

1. Begriffsbestimmungen

Bevor eine umfassende Beantwortung der Forschungsfrage erfolgen kann, müssen zunächst die wichtigsten verwendeten Begriffe geklärt werden. Erst dadurch kann eine zielgerichtete und erfolgreiche Analysearbeit erfolgen.

1.1 Tanz

Wie bereits in den einleitenden Worten erwähnt, ist der Tanz eine elementare, repräsentative und tief verwurzelte Bewegungsform fast aller Kulturen der Welt und zudem eine sehr persönliche und individuelle Ausdrucksform des Menschen. Dies führt zu einer großen Bandbreite an möglichen Definitionen für den Begriff „Tanz“. Im Hinblick auf meine Forschungsarbeit und gleichzeitig als Begründung dafür, warum eben der Tanz als geeignetes Bewegungsmedium für die Förderung des interkulturellen Kontakts und der Integration gewählt wurde, wird „Tanz“ folgenderweise definiert:

„Der Tanz hat eine jeweils kulturspezifische Ästhetik und Ausprägung, er ist eine kulturspezifische „Sprache“, die mit eigenen und typischen Codes und Symboliken sowie bevorzugten Wahrneh­mungsweisen des Menschen, die für bestimmte historische Epochen, Kulturkreise oder Gesellschaf­ten gelten. Tanz ist aber gleichzeitig auch ein universal-verbindendes Medium mit allgemein ver­ständlichen Archetypen, d.h. mit transkulturellen Eigenschaften.“15

Eben diese kulturübergreifenden Eigenschaften wie Musik, Rhythmus und Körper und die daraus resultierende Bewegung des Körpers in musikalisch-rhythmischer Übereinstimmung führt dazu, dass beim Tanzen miteinander nonverbal kommuniziert wird und diese Form von Bewegung dadurch als identitätsstiftende Ausdrucksform für die Angehörigen einer be­stimmten (Sub)Kultur, Altersklasse, eines Geschlechts oder einer ethnischen Gruppe dienen kann.16

Im folgenden Abschnitt soll die Frage geklärt werden, warum aus der großen Fülle von Volks­tänzen und Tanzarten eben der kommerzielle Tanzstil Hip Hop für die Integrationsarbeit aus­gewählt wurde und wie dieser in Bezug auf das sehr komplexe Feld des „Hip Hop Tanzes“ definiert wird.

1.1.1 Der kommerzielle Tanzstil Hip Hop

Wie bereits in den einführenden Worten kurz erwähnt wurde, ist die heutige Gesellschaft wesentlich von Globalisierungs- und Migrationsprozessen geprägt. Die verschwimmenden Ländergrenzen fördern die Multikulturalität und führen unter anderem dazu, dass vor allem junge Menschen nicht nur in einem Kulturkreis, sondern unter dem Einfluss vieler verschiede­ner Kulturen aufwachsen. Demnach entsteht der Anspruch auf eine „gemeinsame Kultur“ oder besser gesagt auf eine Schnittstelle für die verschiedenen Kulturen, die als Identifika­tionsmöglichkeit und Plattform dient, auf der sich Jugendliche während ihrer Pubertät dar­stellen und ausdrücken können.17

In diesem Zusammenhang bestätigt Lowinski, dass Jugendliche Kleidungs-, Musik-, und Tanzstile dazu nutzen, um sich in Übereinstimmung bzw. in Abgrenzung zu anderen darzustel­len.18 Im Rahmen der vorliegenden Forschungsarbeit wurde die Hip Hop-Kultur als eben diese gemeinsame Darstellungs- und Identifikationsplattform gewählt:

„Hip Hop bezeichnet eine breite kulturelle Bewegung mit eigener Philosophie, Ästhetik, Bewegung sowie eigenen Werten, Motiven, Mode, Sprachgebrauch, Tanz und sozialen Interaktionsmustern.“19

Eine mögliche Begründung dafür, warum in dieser Arbeit gerade Hip Hop als Mittel zur Integ- ration Jugendlicher mit Migrationshintergrund ausgewählt wurde und als „Brücke“ zwischen den Kulturen fungieren soll, liegt in seiner Entstehungsgeschichte bzw. in seinen gesellschaft­lichen Hintergründen. Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, wird nun nicht auf die gesamte Geschichte, sondern nur auf die für die Forschung relevanten Aspekte der Geschichte eingegangen:

Die Hip Hop-Kultur, zu der die vier Elemente DJing, MCIng (Rap), Writing (Graffiti) und B-Boying zählen, entstand Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre in der Bronx New York Citys, wobei die Atmosphäre dieser Zeit in den USA von sozialer Ungerechtigkeit, Intoleranz, Rassis­mus, Gewalt, Gangs und Bürgerrechtsbewegungen geprägt war.20 Die damals in den Bronx lebenden Mitglieder der Hip Hop-Kultur waren vor allem Angehörige nicht weißer Bevölke­rungsschichten, zu denen insgesamt fünf verschiedene schwarze Kulturen zu zählen sind: Zum einen emigrierten in den 60ern viele Schwarze aus Puerto Rico und Jamaica nach New York City, wie etwa der als einer der Pioniere des Hip Hop geltende DJ Kool Herc. Zum anderen lebten auch dunkelhäutige Nordamerikanerinnen, CubanerInnen und Menschen aus Bar­bados in der Bronx.21 Es muss demnach besonders hervorgehoben werden, dass schon in den Anfängen der Hip Hop-Bewegung demnach verschiedenste kulturelle Minderheiten in den „ghettos“ zusammenlebten und Hip Hop als gemeinsame Ausdrucksform nutzten:

“HipHop is a positive thing that brings people together from all nations, all cultures, all kinds of reli­gion, backgrounds, all races into one music thing, dance thing. It doesn't matter what language you speak.”22 23

Sie verstanden sich als „One Nation under a Groove“ und schufen sich mit Hip Hop einen Ausgleich bzw. Ausweg aus ihrer Lebenssituation. Sie kämpften gemeinsam um Respekt für ihre ethnische Zugehörigkeit und für die eigene Persönlichkeit.11 Entscheidend dafür war die Hip Hop-Musik, die die Chance bot, beispielsweise soziale Ungerechtigkeit, Intoleranz und Gewalt auszudrücken. Ebenso geschichtlich bedeutsam sind die Texte, die die Lebenswelt einer unterdrückten Gruppe schildern oder eine Analyse bestimmter politischer und sozialer Verhältnisse beinhalten.24

Für die Auseinandersetzung mit diesen Themen im Hip Hop-Tanz organisierten sich die Tän­zerInnen in so genannten „crews“, die die Sicherheit der loyalen Gruppe boten. Rivalisie­rende crews trugen ihre Konflikte und Rivalitäten weniger gewaltvoll und stattdessen tänze­risch aus. In öffentlichen Konkurrenzkämpfen, den so genannten „battles“, formierten sich die Hip Hop-TänzerInnen zu einem Kreis, den die KontrahentInnen nacheinander betraten und dabei versuchten, die tänzerischen Höchstleistungen der Gegner zu überbieten.25 Im Sinne von „Fight with creativity not with weapons“ wurden Drogenverzicht, Gleichberechtigung und ein friedvolles Miteinander zum moralischen Inhalt der Hip Hop-Bewegung.26

Besonderen Stellenwert hatten die battles im B-Boying, der ursprünglichen Form des Tanz­stils Hip Hop. Das „b“ steht für „break“, da die TänzerInnen am meisten aus sich heraus gingen, wenn der DJ die verlängerten Break-Parts spielte, weshalb B-Boying auch unter dem Terminus „breakdancing“ bekannt ist. Dieser Stil zeichnet sich besonders durch bodennahe, akroba­tische und meist sehr anspruchsvolle Bewegungen und Drehfiguren, etwa auf Rücken, Kopf, Schultern, Händen und Knien aus.27

Mit zunehmender Club Kultur hat sich ein weniger „artistischer“ Tanzstil in „aufrechter“ bzw. „stehender“ Position entwickelt, der als „Hip Hop“ bezeichnet wird.28 Charakteristisch dafür sind einfache Tanzschritte, die etwa durch die Nachahmung von Alltagssituationen entstan­den sind und bei den Mitgliedern der Hip Hop-Szene als allgemein bekannt gelten. Diese wurden/werden gemeinsam in der Gruppe etwa in den Clubs oder auf Blockpartys getanzt, weshalb sie „social dances“ bzw. „party dances“ genannt werden. Als Beispiel sind etwa „happy feet“, „the cabbage patch“ oder „smurf“ zu nennen.29

Dieser ursprüngliche Hip Hop-Club Stil hat sich in weiterer Folge unter anderem durch den Einfluss der Medien weiterentwickelt und kam mit anderen Stilen in Kontakt. Durch die US-ame­rikanische TV-Sendung „Soul Train“ verwischten sich etwa Hip Hop aus der Ostküste mit den Funk Stilen, zu denen etwa „locking“ zählt und die sich an der Westküste entwickelten.

Dieser Einfluss der Medien setzt sich bis heute durch TV, Musikvideos, youtube, und die Un­terhaltungsindustrie fort, wodurch sich der Stil Hip Hop „(...) zu jener modernen kommerziellen Form von Hip Hop-Tanz entwickelt, die das Konglomerat verschiedenster Tanzstile und -tech­niken darstellt.“30

Im Bewusstsein darüber, dass eine große Diskussion darüber herrscht, ob diese neue Form des Hip Hop noch immer den Titel „Hip Hop“ tragen darf, eine vollständige Klärung der Kom­merzialisierung des Hip Hop Tanzes aber den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen wür­de (siehe dazu den Artikel „Die Kommerzialisierung des Tanzbegriffs HipHop durch die Medi­en“), dient zur Begriffsbestimmung des Begriffs „kommerziell“ folgendes Zitat:

“Basically, commercial refers to dancing done in concerts, live shows, music videos, movies, indus­trials, and, obviously, commercials. There are many different styles of dance that can be worked into the commercial category, such as hip hop, jazz, locking, popping, breakdancing, krumping, and more.”31

An dieser Stelle sei noch einmal angemerkt, dass die Kommerzialisierung unter anderem ein Grund dafür ist, dass der Musik- und Tanzstil Hip Hop dadurch einerseits von der ursprüngli­chen Form abweicht, aber andererseits so populär geworden ist. Der Bekanntheitsgrad ist wiederum ein wichtiger Grund dafür, warum sich vor allem Jugendliche damit Identifizieren können.

Demnach wurde vor allem für den empirischen Teil der Arbeit nicht die ursprüngliche Form des B-Boying ausgewählt, da die Akrobatik dieses Bodentanzes zusätzlich tänzerische Vor­erfahrung, Muskelkraft und intensives Training erfordert. Stattdessen liegt der Fokus auf den bereits erwähnten „social dances“, die in eine möglichst leicht verständliche Choreographie eingebaut werden, in Verbindung mit aktueller, kommerzieller „Hip Hop-Musik“.

Im Bewusstsein darüber, dass der Tanzbegriff Hip Hop vielfach diskutiert wird, wurde für die nachfolgende Forschungsarbeit und vor allem im Hinblick auf den empirischen Teil folgende wohlgemerkt eher offene Begriffsbestimmung gewählt:

„Hip Hop Tanz umfasst demzufolge eine Vielfalt an Stil(richtung)en wie auch diverse Möglichkeiten der Aus- bzw. Durchführung. Der Grad der internen Vernetzung bzw. der Grad der wechselseitigen Einbindung der verschiedenen Stile und Tanztechniken, sowie die Art der tänzerischen Realisierung bleiben letztendlich jedem Tänzer selbst überlassen.“32

Schlussendlich ist diese Definition zwar für das Verständnis der vorliegenden Arbeit essentiell, doch noch wichtiger ist es, die Lernenden bzw. im Speziellen die Jugendlichen für diesen Tanzstil zu begeistern und ihnen so gut wie möglich die Philosophie und das Gefühl für diese Bewegungsform weiterzugeben, damit Hip Hop „(...) unter künstlerischen und sozialpäd­agogischen Aspekten eine adäquate Basis für einen interkulturellen Dialog zwischen den beteiligten zumeist jugendlichen Akteuren herstellen kann.“33

1.2 Migrationshintergrund

„Migration wird in Anlehnung an die einschlägige Migrationsforschung als Tatsache aller heteroge­nen Nationen der Welt verstanden.“34

Somit kann die Zu-und Abwanderung auch als Antriebskraft für die Zunahme gesellschaft­licher Heterogenität verstanden werden, was aktuelle demografische Studien bestätigen: Wie in den einleitenden Worten bereits erwähnt, lebten im Jahr 2014 etwa 1,7 Millionen (20,4%) Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich, also um 19% mehr als im Jahr 2008. Allein in Wien haben 0,711 Millionen Personen, also mehr als ein Drittel der Bevölke­rung, einen Migrationshintergrund. Die häufigsten Herkunftsländer sind laut Statistik Austria EU- oder EWR-Staaten, Nachfolgestaaten Jugoslawiens und die Türkei.35

Großer Diskussions- und Klärungsbedarf herrscht allerdings darüber, was der Begriff „Migra­tionshintergrund“ eigentlich bedeutet. Es ist wichtig, diesen Terminus sehr differenziert und reflektiert zu verwenden, da „Migrationshintergrund“, „Mlgrantlnnen“ und „Ausländerinnen“ oftmals fälschlicherweise als gleichbedeutend und stereotyp verwendet werden.

Stattdessen wird der Begriff „Migrationshintergrund“ in dieser Arbeit als wertfrei und neutral betrachtet und bedeutet, dass beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Zudem muss je­doch zwischen Zuwanderern der ersten Generation (Personen, die selbst im Ausland geboren wurden) und der zweiten Generation (Kinder von zugewanderten Personen, die aber selbst im Inland zur Welt gekommen sind) unterschieden werden. Für den empirisch praktischen Teil wird vor allem die letztgenannte Personengruppe von Bedeutung sein, wovon etwa 460 200 Menschen in Österreich leben.36

Dabei ist zu beachten, dass diese nicht selbst migriert sind, doch der biografische Bezug zur Migrationsbewegung über Generationen fortwirken und in der Öffentlichkeit leider noch immer zu Benachteiligungen in Bildung, Sozialleben und Beruf führen kann.

1.3 Integration

Der Bereich der Migration wird in den aktuellen politischen, pädagogischen und kulturellen Diskursen eng mit dem Begriff der „Integration“ verknüpft. Dieser ist — unter anderem auf­grund der hohen Medienpräsenz — als äußerst vielschichtig und mehrdeutig zu verstehen. Demnach gibt es keine allgemein gültige Definition dafür, was Integration bedeutet. Ganz im Gegenteil liegen diesem Terminus laut Aslan je nach politischen Positionen, kulturellen Zu­gehörigkeiten und unterschiedlichen Interessen verschiedene Bedeutungen zugrunde.37 In­folgedessen muss sowohl die soziologische als auch kulturelle Perspektive eingenommen und verschiedene Integrationsmodelle miteinander verglichen werden, um anschließend eine für diese Arbeit gültige Definition des Begriffs „Integration“ festzulegen.

Laut der etymologischen Analyse leitet er sich vom lateinischen „integer“ bzw. „integra­re“ ab, was laut Duden „heil/unversehrt machen, wiederherstellen, ergänzen“ bedeutet.38 Wurde vor einigen Jahrzenten damit zunächst allein die gesellschaftliche Eingliederung von Menschen mit Behinderung gemeint, wird der Terminus heute auf andere gesellschaftliche Randgruppen — im Fall der vorliegenden Arbeit speziell auf Jugendliche mit Migrationshin­tergrund — erweitert gebraucht.39 Damit ist jedoch nicht nur ein einseitiger Prozess, bei dem sich die kulturelle Minderheit an die Mehrheitsgesellschaft anpasst, gemeint. Es geht nicht darum, dass Menschen mit anderen nationalen, kulturellen, religiösen und sprachlichen Hin­tergründen ihre eigene Identität aufgeben und stattdessen die Normen bzw. Werte im Ein­wanderungsland komplett annehmen. Stattdessen wird mit dem Begriff Integration im Zuge der vorliegenden Arbeit

„(...) die Einbindung einzelner Personen in eine größere soziale Gruppe bzw. in die Gesellschaft als Ganzes angesprochen, und zwar vor allem unter der Perspektive, wie dadurch gesellschaftliches Zusammenleben auf Dauer gestellt und kultiviert wird.“40

Dies kann nur dann gelingen, wenn Integration als beidseitiger Prozess verstanden wird, bei dem die kulturelle Minderheit Integrationswillen zeigt und zudem die Mehrheitsgesellschaft mit ihrer Kultur bereichert. Gleichzeitig zeigen die Mitglieder des Gastlandes Aufnahmebe­reitschaft und schätzen den neuen kulturellen Einfluss:

„Das Ziel ist eine „echte“ Integration, die völlige Gleichberechtigung auf allen Ebenen bietet, das heißt auch echte Chancengleichheit einschließt.“41

Demnach wird im Rahmen der vorliegenden Arbeit nach Grubich die Integration als Weg zur Inklusion verstanden.42 Das oberste Ziel ist eine heterogene Gesellschaft, in der multikul­turelle, soziale und körperliche Diversität akzeptiert und als positiv anerkannt wird und somit Segregation, Exklusion und Diskriminierung erst gar nicht stattfinden.

Die somit festgelegte Integration steht im Rahmen dieser Forschung allerdings in engem Zusammenhang zur Bewegung, wobei Mutz zwischen der Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in den Sport und Integration durch den Sport unterscheidet.43 Über­trägt man dieses Konzept auf den Tanz, so spielt für die nachfolgenden Ausführungen und vor allem für den empirischen Forschungsteil nur die Integration durch Tanz (Hip Hop) eine we­sentliche Rolle. Es wird also vorausgesetzt, dass die Teilnehmenden bereits Zugang zu einem Tanzkurs haben, zur Teilnahme „verpflichtet“ oder auf andere Weise zum Tanz herangeführt werden.

2. Hermeneutische Forschung: Das Integrationspotential von Tanz

Nach den vorausgegangenen Begriffsbestimmungen werden nun die Potentiale von Tanz als Mittel zur Integration beleuchtet. Damit soll theoretisch analysiert werden, warum eben die spezifsche Bewegungsform des Tanzes helfen kann, Jugendliche mit Migrationshinter­grund besser in die Gesellschaft zu integrieren. Im Mittelpunkt stehen vier wichtige Aspek- te der Integration und wie diese durch Tanz bzw. den Tanzstil Hip Hop gefördert werden können. Aufbauend auf die Analyse von Tanz als nonverbales Ausdrucksmittel wird also beleuchtet, welcher Zusammenhang zwischen Tanz und kultureller Identität, sozialem und interkulturellem Lernen besteht.

2.1 Tanz als nonverbales Ausdrucksmittel

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integrationsarbeit ist eine er­folgreiche interkulturelle Verständigung. In einer multikulturellen Gesellschaft wie unserer, in der Menschen mit verschiedensten Muttersprachen zusammenleben, kann es jedoch zu ethnisch-kulturellen Kommunikationsproblemen und -grenzen kommen. Damit die Kontakt­aufnahme zwischen Personen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln gelingt, muss ein geeignetes Mittel der Verständigung gefunden werden.

Es bedarf demnach einer universal verständlichen Kommunikationsform, wozu uns in erster Linie unser Körper dienen kann:

„Soziale - ethnische wie politische - Minderheiten und Subkulturen lassen erkennen, dass diese insbesondere den Körper und die nonverbale Kommunikation als Mitteilungs- und Ausdrucksform einsetzen.“44

Nonverbale Verständigung passiert demnach dann, wenn nur mithilfe des Körpers Informa­tionen ausgetauscht werden.

In der aktuellen Forschungsliteratur wird vor allem der Sport als geeignetes Medium für eine erfolgreiche und positive interkulturelle Verständigung angeführt, weil er über eine einfache sowie leicht verständliche Symbolik verfüge und international verbreitet sei.45

Überträgt man diese Hypothese auf den Tanz und speziell auf den kommerziellen Stil Hip Hop, so ist folgendes Zitat von erheblicher Bedeutung:

„Dance is the way man speaks in movement.”46

Die primäre Kommunikationsform der TänzerInnen ist demnach nicht das Wort, sondern die Bewegung. Dabei stehen jedoch viel mehr Ausdrucksmöglichkeiten als im Sport zu Verfü­gung, wobei vor allem die Illustratoren, die Emotionsexpression und die so genannten Emb­leme anzuführen sind:

Tanz ist untrennbar mit Musik und somit meist auch mit den musikalisch vertonten Texten, auch lyrics genannt, verbunden. „Illustratoren sind mimische und gestische Verhaltensweisen, die in enger Beziehung zum Gesprochenen - bzw. im Fall von Hip Hop-Tanz in enger Bezie- hung zur Musik und den lyrics - stehen.“47 Diese Ausdrucksform ist somit zwar nonverbal, doch ergibt sie ohne die Rede bzw. den Text keinen Sinn, was jedoch nicht als Hindernis, sondern als Chance für die interkulturelle Integration gesehen werden soll. Tanz ermöglicht den Jugend­lichen, die oftmals unterschiedliche Muttersprachen sprechen, eine „gemeinsame Sprache“ zu verwenden, indem sich alle gleichermaßen mit Hip Hop identifizieren.

Beim Tanzen ist es aber nicht nur möglich, die Stimmung der Musik, sondern die eigenen inneren Gefühle auszudrücken und weiterzugeben. In diesem Zusammenhang ist die Emo­tionsexpression zu nennen, mit der der nonverbale Ausdruck von Affekten, Emotionen und Stimmungen mithilfe von Mimik, Gestik, Körperhaltung und Stimme gemeint ist. Im Tanz und somit auch im kommerziellen Stil Hip Hop kommuniziert der/die Tänzerin auf der emotional-ex­pressiven Ebene. Ausschlaggebend für eine funktionierende emotional-expressive Kommuni­kation ist, dass viele emotionale Gefühlszustände und der dazugehörige Ausdruck universal erlebt, anerkannt und verstanden werden können. Pavicic zählt in ihrer „Interkulturellen Studie der Hip Hop Kultur“ dazu vor allem Freude, Wut und Aggression, wenn auch der Auslöser und die Intensität von sowie der Umgang mit Emotionen von soziokulturellen und lebensbiografi­schen Einflüssen abhängen und somit individuell sind. Dabei muss besonders beachtet wer­den, dass auch die Ausdrucksregeln für Emotionen je nach Kulturkreis und sozialem Umfeld unterschiedliche sein können.48

Dies bietet jedoch wiederum eine große Chance für Jugendliche ohne bzw. mit Migra­tionshintergrund, die sowohl körperlich als auch verbal beispielsweise sehr schnell aggressiv handeln. Diese können beim Tanzen und speziell im Stil Hip Hop ihre möglicherweise aggres­siven Gefühle ausdrücken ohne dabei jemanden zu verletzen. Zudem erhalten sie auch die Möglichkeit, um einen neuen bzw. besseren Umgang mit Emotionen zu erlernen.

Ein weiterer wichtiger Expressionstyp im Tanz sind Embleme, eindeutig verständliche Ver­haltensweisen bzw. Bewegungen, die semantisch einem Wort oder einer Phrase entspre­chen. Zu diesen zählen die „mimetischen Gesten“, mithilfe derer Formen, Vorgänge oder ein bestimmtes Erscheinungsbild nachgeahmt werden. Ein typisches Beispiel für diese Klasse der Embleme ist die pantomimische Darstellung des Bedürfnisses nach Essen und Trinken.

Eine weitere Kategorie der Embleme sind die „symbolischen Gesten“, die zwar eine relativ klare, aber wohlgemerkt auch eine regional variierende Bedeutung tragen können. Während das Händeschütteln eine geläufige symbolische Geste des west- bis mitteleuropäischen Kul­turkreises ist, weist die Ringgeste (Daumen und Zeigefinger formen einen Kreis) unterschiedli­che Bedeutungen auf. Während sie im europäischen Raum hauptsächlich als Zeichen für „gut, ok“ gilt, bedeutet sie in Frankreich „null, wertlos“ oder im japanischen Kulturkreis „Geld“. Diese unterschiedliche Kodifizierung gestischer Zeichen ist ein deutliches Indiz dafür, dass non­verbale Kommunikation teils auf kulturellen Vereinbarungen beruht und kulturspezifisch erlernt wird, wodurch wiederum Missverständnisse zwischen den Kommunikationsteilnehmern ent­stehen können.49

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die zuvor erläuterten Expressionsarten der nonverbalen Kommunikation im Feld des kommerziellen Hip Hop-Tanzes zu finden sind. Zum einen kann die jeweilige Stimmung der Musik und der vertonte Text anhand von Mimik und Gestik ausgedrückt werden. Zum anderen werden die eigenen inneren Emotionen in tänze­rische Bewegung gekleidet und so dem Kommunikationspartner bzw. dem Publikum mitge­teilt. Nicht zuletzt werden im Hip Hop-Tanz mimetische und symbolische Gesten vorgefunden, wenn etwa bestimmte Vorgänge und Bedürfnisse mit dem Körper dargestellt werden.

Tanz ist somit ohne Zweifel eine Art der nonverbalen Kommunikation, wobei der kom­merzielle Stil Hip Hop als eine eigene Sprache mit bestimmten Regeln und besonderen Aus­drucksmöglichkeiten bezeichnet werden kann.50 Werden diese beherrscht, so ist Hip Hop eine gemeinsame Sprache für alle Tänzerinnen und kann somit die Basis für eine erfolgreiche Inte­gration darstellen.

2.2 Tanz und soziales Lernen

Kulturelle Identität wird, wie bereits erwähnt, dadurch gefördert, dass sich das Individuum zu einem spezifischen Umfeld zugehörig fühlt, wozu Tanz einen wichtigen Beitrag leisten kann. Durch das Miteinander-Tanzen in Gruppen und Ensembles befinden sich die Teilnehmerin­nen in einem sozialen Netzwerk, das eine gemeinsame Leidenschaft mithilfe von Rhythmus, Bewegung und Emotion teilt. Im Fall der vorliegenden Arbeit soll der kommerzielle Tanzstil Hip Hop die Brücke zwischen den teilnehmenden Personen schaffen. Er verbindet sowohl die bereits erwähnte gemeinsame nonverbale Sprache als auch die Musik, die durch die Kommerzialisierung leicht zugänglich, bekannt und großteils beliebt ist.

So groß die kulturellen Unterschiede der TänzerInnen auch möglicherweise sind, jedes Mit­glied ist zudem ein einzigartiges, wichtiges Element der Gruppe. Gleichzeitig soll sich jeder um einen einheitlichen Gruppenrhythmus und um Synchronität bemühen, denn nur gemeinsam kann die Performance gelingen. In diesem Zusammenhang verstärkt die Choreographie an sich als gemeinsam erarbeitetes Produkt das Gemeinschaftsgefühl - vor allem dann, wenn dieser Tanz am Ende einem Publikum präsentiert werden kann.51

So wird ein Gefühl von Geborgenheit, Rückhalt und Unterstützung innerhalb der Grup­pe erfahren und soziale Werte wie Solidarität, Vertrauen, Toleranz und Empathie vermittelt. Solidarität soll verhindern, eine Verhaltensweise anzunehmen, bei der die eigene Kultur zum Maßstab für unreflektierte Wertungen über andere Kulturen wird. Toleranz bezieht sich auf die Offenheit gegenüber der kulturellen Vielfalt und Empathie ist essentiell für das Verständnis und die Rücksichtnahme auf die Situation der jeweils anderen Gruppe - egal ob kulturelle Minderheit oder Mehrheit. „Tanzen vermittelt Gemeinschaft und das Individuum gewinnt so­ziale Identität in der Erfahrung des Miteinanders.“52

Das Tanzen in der Gruppe kann somit einen wichtigen Beitrag zum sozialen Lernen leisten als auch das Selbstbewusstsein stärken. Diese Erfahrung, ein geschätztes Gruppenmitglied zu sein, ist für junge Menschen und besonders für Jugendliche mit Migrationshintergrund essen­tiell. Viele müssen in der identitätsstiftenden Phase der Pubertät mit erhöhter Sensibilität und Verletzlichkeit umgehen lernen. Jugendliche mit Migrationshintergrund werden zudem mög­licherweise mit dem Wechsel von einer oder mehreren vertrauten Kultur/en in eine fremde und teilweise nicht nachvollziehbare kulturelle Gesellschaft konfrontiert. In solchen Situatio­nen Ist die Kontakt-, Kooperations- und Konfliktfähigkeit Voraussetzung für gelingende Bezie­hungen von Menschen verschiedener Kulturen untereinander, was wiederum durch gezielt eingesetzte Übungen im Hip Hop-Unterricht geschult werden kann.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Tanzen soziale Erfahrungen ermöglicht, die in weiterer Folge für das interkulturelle Lernen von Bedeutung sind.

2.3 Tanz und interkulturelles Lernen

An diesem Punkt der Arbeit geht es nun um den letzten und wohl wichtigsten Lernaspekt für eine gelingende Integration, der eng in Zusammenhang mit dem sozialen Lernen steht: Das interkulturelle Lernen. Bevor über dessen Ziele und Zusammenhänge mit Tanz gesprochen werden kann, muss der Begriff „Interkulturalität“ im Vergleich zur „Multikulturalität“ genauer bestimmt werden: In einer multikulturellen Gesellschaft herrschen, wie weiter oben schon erwähnt, lediglich unterschiedliche Kulturen nebeneinander vor. Bei der Interkulturalität ist hingegen das Miteinander von sehr großer Bedeutung, wobei eine prinzipielle Gleichbe­rechtigung unterschiedlicher Kulturen und kultureller Perspektiven in der gesellschaftlichen Heterogenität vorherrschen soll.53

Weiters wird in der folgenden Arbeit interkulturelles Lernen folgendermaßen verstanden:

„Interkulturelles Lernen findet statt, wenn eine Person bestrebt ist, im Umgang mit Menschen einer anderen Kultur deren spezifisches Orientierungssystem der Wahrnehmung, des Denkens, Wertens und Handelns zu verstehen, in das eigenkulturelle Orientierungssystem zu integrieren und auf ihr Denken und Handeln im fremdkulturellen Handlungsfeld anzuwenden. Interkulturelles Lernen be­dingt neben dem Verstehen fremdkultureller Orientierungssysteme eine Reflexion des eigenkultu­rellen Orientierungssystems.“54

Die für die Integration relevanten Ziele des interkulturellen Lernens sind etwa die Begegnung mit dem Fremden, die Anerkennung und Wertschätzung für Differentes, das Erkennen trans­kultureller Elemente, die Erfahrung der Zugehörigkeit, Konfliktfähigkeit und die gleichberech­tigte Partizipation aller Beteiligten.55 Kulturen erscheinen uns fremd, wenn wir sie nicht einord­nen oder verstehen können. Doch nur durch die Begegnung mit dem Fremden haben wir die Chance, uns mit ihm auseinanderzusetzen, es zu verstehen und Vertrauen zu gewinnen.56 Der Tanz soll dazu dienen, sich positiv mit dem Fremden auseinanderzusetzen, was folgendes Zitat verdeutlicht: „Die Thematisierung von Fremdheit könnte gerade im Tanzen fruchtbare Dialoge anregen und nachfolgend zu erwünschten Ergebnissen führen.“57

In der aktuellen Forschungsliteratur werden sowohl Volkstänze als auch das Erlernen von unbekannten Bewegungsformen als Möglichkeiten genannt. Hip Hop kann zum interkulturel­len Lernen und im Speziellen zur Auseinandersetzung mit dem Fremden dienen, wenn dieser Tanzstil selbst eine unbekannte Bewegungsform für die beteiligten Jugendlichen ist. Es kann anfangs verunsichern und Überwindung kosten überhaupt zu tanzen und im Speziellen den Stil Hip Hop auszuprobieren, aber es soll gleichzeitig zu einer Annäherung an das Fremde füh­ren. Dadurch lernen die TänzerInnen, positiv mit Befremdung umzugehen und können diese Fähigkeit möglicherweise auch in der Begegnung mit fremden Kulturen anwenden.

3. Empirische Forschung in der Schule: Die Integrationswirkung von Tanz

Als nächster Schritt der methodischen Vorgangsweise folgt nun der empirisch-praktische Teil. Aufbauend auf die vorausgegangene Analyse des Integrationspofenf/a/s von Tanz (Hip Hop) auf Jugendliche mit Migrationshintergrund werden die Ergebnisse nun auf die Praxis übertragen und somit versucht, die Integrationsw/rkung zu ermitteln. Es wird geprüft, inwie­fern die theoretisch-hermeneutisch erforschten Integrationseffekte des Tanzes tatsächlich in der Unterrichtspraxis zutreffen.

3.1 Rahmenbedingungen, Vorgangsweise und Methode

Die Forschung wurde im Rahmen der Turnstunden mit den Mädchen der 2. Klasse (6. Schul­stufe) der Neuen Mittelschule (NMS) Dr. Skala Straße 1210 Wien durchgeführt. Diese bietet sowohl den Schwerpunkt Sport mit zwei zusätzlichen Sportstunden pro Woche und einem vermehrten Angebot spezifischer Sportarten als auch den Schwerpunkt Musik mit Bläser­klassen und einer jährlichen Musicalaufführung. Der Forschungszeitraum umfasste etwa ein Monat (15. April - 06. Mai 2015), wobei dieser bewusst kurz gewählt wurde, da eine längere und intensivere praktische Untersuchung den Rahmen der vorliegenden Arbeit gesprengt hätte. Die Untersuchungen wurden grundsätzlich in zwei ineinandergreifenden bzw. aufein­anderfolgenden Teilen durchgeführt.

Der erste Teil umfasste fünf Hospitationsstunden im regulären Unterricht der 2. Klasse, wobei die Methode der Beobachtung zur Anwendung kam. Diese wurde offen, unbeteiligt, direkt und qualitativ durchgeführt. Die beobachtende Person, bei der es sich um die Verfasserin die­ser Arbeit handelt, ergab sich zwar den Schülerinnen als Beobachterin zu erkennen, verfolgte den Unterricht aber nur passiv. Das Geschehen wurde unmittelbar und mithilfe von Notizen erfasst. Obwohl kein Aufzeichnungsgerät als Hilfsmittel zur Verfügung stand, wurde dennoch versucht, die Vorgänge nicht selektiv sondern möglichst vollständig wahrzunehmen. Um Er­kenntnisse über das soziale, kulturelle, sprachliche, emotionale und körperliche Verhalten der Schülerinnen zu gewinnen, dienten gewisse Beobachtungskriterien, die im gleichnamigen Unterkapitel vorgestellt werden. Die gesammelten Ergebnisse sind wiederum eine wichtige Grundlage für den weiteren Verlauf der Forschung.

Zudem wurde der Zielgruppe ein Fragebogen (siehe Anhang S. 35) ausgeteilt, um mehr über die kulturellen Hintergründe der Gruppenmitglieder zu erfahren, wobei die Ergebnisse im Unterkapitel „Zielgruppe“ nachzulesen sind.

Im zweiten Teil wurden in Abstimmung auf die gesammelten Beobachtungen fünf Hip Hop-Tanzstunden geplant. Die didaktischen und methodischen Überlegungen beruhten dabei auf den Erkenntnissen aus der theoretischen Analyse des Integrationspotentials von Tanz. Um die Methode der Beobachtung beibehalten zu können und die Ergebnisse besser vergleichbar zu machen, wurden die Hip Hop-Tanzstunden im Rahmen des regulären Turn­unterrichts von einer externen Tanztrainerin abgehalten. Die Jugendlichen mussten im Fall dieser empirischen Forschung verbindlich am gemeinsamen Tanzen teilnehmen. Dies hatte zur Folge, dass im Hinblick auf die Forschungsfrage nicht die Integration in den Tanzunterricht, sondern die Integration durch Tanz im Vordergrund stand und möglichst viele Jugendliche erreicht werden konnten.

3.2 Zielgruppe

Die Zielgruppe der empirischen Untersuchung stellten insgesamt 21 Mädchen der 2. Klassen der NMS Dr. Skala Straße dar. Um Informationen über die kulturelle und sprachliche Hetero­genität der Gruppe zu erfahren, wurden die SchülerInnen anhand eines anonymen Frage­bogens über ihr Alter, ihr Geburtsland, das Geburtsland ihrer Eltern, ihre Muttersprache/n und ihr Religionsbekenntnis befragt. Die Auswertung erzielte folgende Ergebnisse:

Das Durchschnittsalter der Zielgruppe betrug 12,2 Jahre. Sieben von 21 Schülerinnen ha­ben keinen Migrationshintergrund, indem - wie bereits in den Begriffsbestimmungen beschrie­ben - beide Elternteile und sie selbst in Österreich geboren sind. 14 Schülerinnen, also 66,6%, zählen zu Personen mit Migrationshintergrund. Davon gehören — gemäß der im theoretischen Teil dargelegten Begriffsbestimmungen — vier Mädchen zu den Zuwanderern erster Genera­tion, da sowohl ihre Eltern als auch sie selbst im Ausland geboren wurden. Die restlichen zehn Schülerinnen sind den Zuwanderern zweiter Generation zuzuordnen, da sie die Kinder von Zuwanderern sind, aber selbst in Österreich geboren wurden.

In Bezug auf die Kulturen der Gruppenmitglieder wurde festgestellt, dass drei Schülerinnen serbische Wurzeln haben und die Eltern von jeweils zwei Mädchen in Ägypten und in der Türkei geboren wurden. Alle anderen gehören entweder dem österreichischen, ungarischen, bundesdeutschen, armenischen, polnischen, lettischen, philippinischen oder slowakischen Kulturkreis an.

Interessant ist auch die sprachliche Heterogenität der Zielgruppe, da neun Jugendliche Deutsch als ihre einzige Muttersprache und nur zwei Schülerinnen sowohl Deutsch als auch eine andere Sprache (Polnisch, Slowakisch) angaben. Im Gegenzug zählten zehn Personen nicht Deutsch, sondern Türkisch, Russisch/Lettisch, Serbisch, Tagalog, Arabisch oder Arme­nisch als ihre Muttersprache/n auf.

Die Auswertung des Fragebogens bestätigt also, dass es sich bei der Zielgruppe um eine kulturell und sprachlich überwiegend heterogene Zielgruppe handelt, die sich dadurch für eine empirische Untersuchung der sozialen Integration von Jugendlichen mit Migrationshin­tergrund durch den kommerziellen Tanzstil Hip Hop eignet.

3.3 Beobachtungs- und Analysekriterien

Unterricht kann auf vielfältige Art und Weise beobachtet und analysiert werden. Eine kom­plett vollständige Aufzeichnung aller Unterrichtsgeschehnisse, die sich meist flüchtig und augenblicklich ereignen, ist nur schwer möglich. Um dennoch wissenschaftlich gültige Er­gebnisse zu erhalten und den Unterricht gezielt wahrnehmen zu können, müssen Beobach- tungs- und Analysekriterien festgelegt werden.

Im Fall der vorliegenden Arbeit zielen diese darauf ab, positive als auch negative Ver­änderungen der sozialen Integration analysieren zu können. Die Beobachtungen wurden möglichst zeitnah und unverfälscht von der außenstehenden Person aufgezeichnet. Die Be­obachtungskriterien wurden auf das Verhalten der Lehrperson/der Tanztrainerin und auf das Verhalten der SchülerInnen beschränkt und werden in folgende Kategorien bzw. Fragen ein­geteilt:

3.3.1 Das Verhalten der Schülerinnen

Das Verhalten der Schülerinnen wurde nach ganz bestimmten Aspekten beleuchtet, die unter anderem auch mit der theoretischen Forschung in Verbindung stehen.

So wurden die sozialen Fähigkeiten beobachtet, die Auskunft über die soziale Kompetenz und den Stand/Fortschritt des sozialen Lernens geben sollten. Im Vordergrund stand die Be­antwortung der Fragen, ob/wie die Schülerinnen

- sich berühren lassen und berühren?
- unterschiedliche Partner oder Kleingruppen wählen?
- miteinander interagieren und kommunizieren?
- sich gegenseitig zuhören und helfen?
- aufeinander achten?
- Probleme/Konflikte selbstständig lösen?

Eine weiteres Beobachtungskriterium waren die interkulturellen Fähigkeiten, die wiederum in Zusammenhang mit dem interkulturellen Lernen stehen. Als Leitfaden für die Hospitation galten die Fragen, ob/wie die Schülerinnen

- dem „Fremden“ begegnen?
- kulturelle Vielfalt schätzen?
- Vertrauen zueinander aufbauen?

3.4 Untersuchung 1: Der reguläre Unterricht

Wie bereits erwähnt, umfasst der erste Teil der empirischen Forschung die Hospitation im re­gulären Unterricht. Insgesamt reichte die Beobachtung von fünf Unterrichtsstunden aus, um genügend aussagekräftige Ergebnisse zu den einzelnen bereits erläuterten Beobachtungs­kriterien zu sammeln ohne den Rahmen der Arbeit zu sprengen. Es wurde nicht nur in einem Unterrichtsgegenstand, sondern in den Fächern Mathematik, Physik und Sport hospitiert, da der fachliche Inhalt des Unterrichts für die Beantwortung der Forschungsfrage nicht relevant ist, sondern die sozialen sowie interkulturellen Fähigkeiten der Zielgruppe und das Verhalten der Lehrperson im Vordergrund stehen.

Im Abschnitt „Beobachtung und Interpretation“ werden nur jene Beobachtungen ange­führt, die für die Beantwortung der Forschungsfrage am wichtigsten sind bzw. etwas darüber aussagen, ob/wie die Schülerinnen mit Migrationshintergrund in die Klassengemeinschaft in­tegriert sind.

Um die Wissenschaftlichkeit dieser Untersuchung sicherzustellen, muss zwischen Beobach­tungen und deren Interpretation strikt unterschieden werden.

3.4.1 Inhalte und Ziele

Soeben wurde angeführt, dass die fachlichen Inhalte des regulären Unterrichts Mathematik, Physik und Sport für das Forschungsziel dieser Arbeit vernachlässigt werden können. Ebenso bestehen die Ziele in erster Linie darin, den SchülerInnen Fachwissen der einzelnen Gegen­stände zu vermitteln und nicht die sozialen und interkulturellen Fähigkeiten bewusst mit be­stimmten Übungen zu fördern.

3.4.2 Beobachtungen und Interpretation

Für die Beantwortung der Forschungsfrage und den weiteren Verlauf der Arbeit waren fol­genden Beobachtungen entsprechend der festgelegten Beobachtungskriterien interessant:

1) Soziale Fähigkeiten

Beobachtung: Für das Völkerball-Spiel im Turnunterricht (15. April) sollen selbstständig zwei Mannschaften gebildet werden. Neun Minuten lang wird lautstark diskutiert und geschrien bis schließlich die Lehrerin eingreift und zwei Gruppen einteilt. Vor allem drei Schülerinnen sind mit der Zusammensetzung der Gruppe nicht zufrieden und beschweren sich. Interpretation: Es scheitert an der Strategie zur Konfliktlösung. Die Schülerinnen sind nicht In der Lage, das Problem in „normalem“ Umgangston zu regeln, Kompromisse zu Anden und zwei Gruppen zu bilden.

Beobachtung: Beim Völkerball-Spiel im Turnunterricht kommt es zu körperlichen Auseinan­dersetzungen zwischen drei Mädchen (rempeln sich gegenseitig) darüber, wer den Ball be­kommt. Die Lehrerin ermahnt die Schülerinnen mit den Worten „Wir streiten nicht, sondern spielen!“

Interpretation: Es herrscht eine angespannte Situation und die Schülerinnen sind nicht in der Lage, den Konflikt verbal und ruhig zu lösen. Die Schülerinnen treten zwar in Körperkontakt zueinander, tun dies aber nicht wertschätzend oder positiv. Die sozialen Fähigkeiten sind entweder zu wenig ausgeprägt oder können in diesem Moment nicht richtig eingesetzt wer­den.

Beobachtung: Wiederum beim Völkerball-Spiel wird eine Schülerin abgeschossen, geht aber nicht aus dem Feld hinaus. Daraufhin schreit sie eine andere Schülerin vom hinteren Spiel­feld auf Deutsch aber mit einem fremdsprachlichen Akzent: „Heeey, du abgeschossen!“ Interpretation: Der entstandene Konflikt wird diesmal nicht körperlich, sondern verbal und emotional ausgetragen. Der Umgangston der Kommunikation ist nicht wertschätzend.

2) Interkulturelle Fähigkeiten

Beobachtung: Im Physik-Unterricht liest eine Schülerin aus dem Buch laut vor, wobei ein leichter fremdsprachlicher Akzent zu hören ist und einige Fehler bei der Aussprache ge­macht werden. Eine andere Schülerin entgegnet laut und lacht dabei: „Ur ausländisch, wie du liest“.

Interpretation: Die kulturelle Vielfalt bzw. die Tatsache, dass Schüler in dieser Klasse eine andere Muttersprache als Deutsch sprechen, wird nicht respektiert, sondern führt zu Diskri­minierung.

3.5 Untersuchung 2: Der Hip Hop-Tanzunterricht

Nach der Analyse der interkulturellen sowie sozialen Voraussetzungen der Schülerinnen im Rahmen der Untersuchung 1 folgen nun die Vorstellung und Analyse des Hip Hop-Tanzun­terrichts. Wie bereits erwähnt, wurden insgesamt fünf Hip Hop-Tanzstunden in einer Einzel­stunde (22.05.2015) und zwei Doppelstunden (29.05.2015, 06.05.2015) im Turnsaal der NMS abgehalten. Die Schülerinnen wurden im Vorfeld über die Vorgangweise der Forschung in­formiert, nicht aber über die genauen Ziele und Beobachtungskriterien, um eine mögliche Verfälschung der Ergebnisse zu vermeiden.

Die im Vorfeld erstellten Stundenplanungen hängen direkt mit den theoretischen Erkennt­nissen über das Integrationspotential von Tanz zusammen, was im Unterkapitel „Inhalte und Ziele“ ersichtlich ist. Der didaktische und methodische Aufbau der Stunden wurde bewusst auf die einzelnen Aspekte der sozialen Integration abgestimmt. Die Tanztrainerin wurde dem­nach im Vorfeld über die Zielgruppe, Inhalte und Ziele des Projekts informiert und befolgte die Stundenplanungen großteils. Dennoch wurde Wert darauf gelegt, diese für spontane Ent­wicklungen des Unterrichts zu öffnen, um auf das Bedürfnis der Teilnehmerinnen eingehen zu können.

Im Unterkapitel „Beobachtungen und Interpretation“ werden - wie auch in Untersuchung 1 - die beobachteten Geschehnisse zuerst beschreibend festgehalten und anschließend interpretiert. Dabei muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass in diesem Teil der Arbeit nur die Sequenzen analysiert werden, die für die Beantwortung der Forschungsfrage relevant sind.

3.5.1 Inhalte und Ziele

Wie bereits erwähnt, hängen die Methodik und Didaktik der Hip Hop-Tanzstunden eng mit den theoretischen Erkenntnissen bezüglich des Integrationspotentials von Tanz zusammen. Somit verfolgt jeder der im Folgenden angeführten Teile/Inhalte den Zweck, das Integrati­onspotential von Tanz in der Praxis zu verwirklichen und dadurch die tatsächliche Integrati­onswirkung zu analysieren.

Alle Tanzstunden sind grundsätzlich aus folgenden Abschnitten aufgebaut: Beginn, Warm up, Stretching, Choreographie und Verabschiedung, wobei freie Elemente dazwischen als Abwechslung dienen und zugleich den Unterricht abrunden (siehe Anhang: Stundenpla­nungen S. 35-37). Im Nachfolgenden werden nun die Inhalte der einzelnen Stundenelemen­te sowie die dazugehörigen didaktisch-methodischen Überlegungen genauer ausgeführt. Natürlich zielen alle Abschnitte darauf ab, die Ausdauer, die Bewegungsfähigkeit, Koordi­nation und die Motorik zu verbessern, doch wird im Folgenden auf die Ziele in Bezug auf Integration eingegangen.

1) Beginn:

Inhalt: Am Beginn jeder Einheit werden die Schülerinnen kurz im Kreis begrüßt und über den Ablauf der Hip Hop-Tanzeinheit informiert. Besonders hervorzuheben ist die allererste Stunde, da diese mit der Vorstellung der Trainerin und jeder einzelnen Schülerin beginnt. Dabei stellt sich jede von ihnen mit Namen vor und berichtet, ob sie bereits tänzerische Vorerfahrungen hat oder nicht. Außerdem werden die Schülerinnen gefragt, was sie unter Hip Hop eigent­lich verstehen bzw. was sie mit diesem Tanzstil verbinden. Anschließend erzählt die Trainerin, was mit dem Begriff „Hip Hop“ gemeint wird und erläutert kurz die Entstehungsgeschichte und auch vor allem die gesellschaftlichen Hintergründe, die in dieser Arbeit im Rahmen der Begriffsdefinition des kommerziellen Tanzstils Hip Hop erläutert wurden.

Ziele: Eine gute Beziehung zwischen Lehrperson und Schülerinnen ist essentiell für einen er­folgreichen Lernprozess. Demnach dient vor allem der Beginn der ersten Tanzeinheit dazu, „das Eis zu brechen“, das Vertrauen der Schülerinnen zu gewinnen sowie Informationen über die Tanzerfahrung und die Erwartungshaltung zu erhalten. Es soll von Beginn an an einem positiven Gruppengefühl gearbeitet werden und so ein wichtiger Grundstein für den weiteren positiven Verlauf der Tanzstunden gelegt werden. In Bezug auf Hip Hop als Stil müs­sen die Schülerinnen über dessen Hintergründe informiert werden, um die einzelnen Übun­gen anschließend besser bzw. leichter verstehen und nachvollziehen zu können.

2) Warm up und Partner-Stretchina:

Inhalt: Das Warm up, zu Deutsch „aufwärmen“, dient in erster Linie dazu, Körper und Geist auf die nachfolgende Anstrengung vorzubereiten und Verletzungen vorzubeugen, indem einzelne Körperpartien (Kopf, Schultern, Brustkorb, Hüfte, Beine) isoliert bewegt werden. Der genaue Bewegungsablauf ist für die Beantwortung der Forschungsfrage nicht relevant und wird daher nicht berücksichtigt. Stattdessen muss darauf hingewiesen werden, dass im Rah­men des Warm ups bereits das für den Tanzstil Hip Hop charakteristische „bouncen“ geübt wird. Zudem klärt die Trainerin die Gruppe über die Entstehung und Bedeutung der „social dances“ auf, die bereits im Kapitel 2.1.1 „Der kommerzielle Tanzstil Hip Hop“ erwähnt wur­den und auch in der Choreographie vorkommen. Aus der großen Anzahl dieser besonderen Schritte wurden der „happy feet“, da er wohl zu den bekanntesten zählt, und der „smurf“ ausgewählt. Grund für die Auswahl des letztgenannten „social dance“ ist die sehr einpräg­same Entstehungsgeschichte und die vergleichsweise „einfache“ Ausführung.

Beim nachfolgenden Stretching ist für die Beantwortung der Forschungsfrage nur jener Teil relevant, der in Partnerarbeit durchgeführt wird. Im Detail finden sich immer zwei Tänzerinnen zu einer Gruppe zusammen, die anschließend drei Dehnungsübungen (siehe Anhang: Stun­denplanung 1 S. 35) gemeinsam am Boden vollziehen, die zuvor von der Trainerin vorgezeigt und erklärt wurden. Wichtig ist, dass sich immer jene Schülerinnen in Gruppen zusammenfin­den, die im Schulalltag eher weniger in Kontakt sind.

Ziele: Das Warm up zielt einerseits darauf ab, durch das „bouncen“ ein Gefühl für diesen Tanzstil zu gewinnen. Andererseits soll für die Schülerinnen erfahrbar werden, dass „social dances“ wichtige Elemente der Hip Hop-Kultur sind und gemeinsam in der Gruppe getanzt werden und es keine Rolle spielt, welcher Kultur, Religion oder welcher Sprachfamilie die Tänzerinnen angehören. Unter dem Motto „One Nation under a Groove“ soll Hip Hop die Brücke zwischen den Kulturen schlagen und zu einer gemeinsamen Identifikationsplattform werden.

Für das Stretching wurde die Sozialform der Partnerarbeit gewählt, da dadurch einerseits das soziale Lernen unterstützt wird und andererseits gegenseitige Berührungen zugelassen werden sollen. Außerdem besteht die Chance, soziale Gruppenhierachien aufzubrechen, indem in der ersten Einheit noch die Gruppen von der Trainerin eingeteilt werden und sich die Schülerinnen in der letzten Tanzeinheit selbst neue Partner suchen müssen.

3) Choreographie:

Inhalt: In diesem Abschnitt der Stunde wird die Hip Hop-Choreographie/der Tanz erlernt bzw. in weiteren Einheiten geübt, erweitert und einander in Gruppen vorgetanzt. Um die Schüle­rinnen noch mehr motivieren zu können, wurden sie im Vorhinein nach ihren Musikwünschen befragt. Als Ergebnis wurde der aus den Charts bekannte Song „I need your love“ von Cal­vin Harris und Ellie Goulding ausgewählt. Auch wenn dieses Lied nicht unbedingt als „typisch Hip Hop“ gilt, so sei - wie auch schon in der Begriffsbestimmung - darauf hingewiesen, dass es durch die Kommerzialisierung zu einer weiten Dehnung des „Hip Hop“ kam. Dadurch be­gannen sich aber auch immer mehr Menschen mit diesem Stil zu identifizieren, was für dieses Forschungsprojekt besonders wichtig ist.

In weiterer Folge setzt sich die Choreographie für dieses Lied aus „einfachen“ Schrittfolgen, die auch für Personen mit wenig bis keiner Tanzerfahrung geeignet sind, und den bereits er­wähnten „social dances“ zusammen.

Es wurde zudem besonderer Wert darauf gelegt, dass die Schritte mit dem Liedtext zu­sammenhängen, indem ein Teil der lyrics direkt in Bewegung umgesetzt und mit dem Körper dargestellt wird. In Bezug auf das Kapitel 3.1 „Tanz als nonverbales Ausdrucksmittel“ bedeutet dies, dass sowohl Illustratoren als auch Embleme Teil der Choreographie sind, wie zum Beispiel:

- „I need“: Beide Handflächen liegen aufeinander, alswürde man um etwas bitten.
- „love“: Beide Hände werden auf die linke Brust (-> Herz) gelegt.
- „your time“: Es wird mit dem rechten Zeigefinger auf das linke Handgelenk gezeigt.
- „you make it right“: Daumen nach oben strecken
- „I feel so high“: Die Schülerinnen stehen auf Zehenspitzen und strecken Körper und Arme weit nach oben.
- „with you“: Es wird mit dem gestreckten rechten Arm auf das (imaginäre) Publikum gezeigt.
- „hold me in your arms“: Die Tänzerinnen umarmen sich selbst.

Ziele: In Bezug auf die Integration ist die Choreographie deshalb so wichtig, weil es ein wich­tiges Produkt der Hip Hop-Tanzstunde darstellt, an dem alle Schülerinnen gemeinsam arbei­ten. Wie bereits in Kapitel 3.2 „Tanz und soziales Lernen“ erwähnt wurde, soll somit das Zu­sammengehörigkeitsgefühl der Gruppe gestärkt werden. Besonders deutlich wird dies in der letzten Einheit, wenn die Schülerinnen in drei Gruppen eingeteilt werden und sich gegensei­tig vortanzen. Das Publikum soll dabei Motivation, Begeisterung und Unterstützung spenden.

Die Gemeinschaft wird jedoch auch dadurch gestärkt, indem die bereits im Warm up ge­übten „social dances“ nun in der Choreographie zusammen getanzt werden und die Schüle­rinnen dadurch ein Stück weit den ursprünglichen Hip Hop-Stil und einen ganz kleinen Teil der Philosophie als Gruppe erleben können. Zusätzlich zielen die zuvor angeführten Illustratoren und Embleme darauf ab, Tanz als nonverbales Ausdrucksmittel zu erfahren. Die Schülerinnen sollen erkennen, dass sie mit dem Körper kommunizieren und somit Informationen auch an Menschen, die eine andere Sprache sprechen, weitergeben können.

4) Freie Elemente:

Unter den freien Elementen sind tänzerische Übungen zu verstehen. Sie dienen nicht nur der Auflockerung der Tanzstunde, sondern bieten vor allem die Möglichkeit, beispielswei­se die Bewegungskreativität, den Ausdruck oder die Improvisationsfähigkeit zu fördern. Im Rahmen dieser Forschungsarbeit dienen die freien Elemente besonders dazu, das soziale und interkulturelle Lernen zu fördern und Tanz/Bewegung gezielt als Kommunikationsmittel einzusetzen.

a) „Emotionen“

Inhalt: Dieses freie Element baut didaktisch auf die Hip Hop-Choreographie auf, indem der gelernte Tanz mit verschiedenen Emotionen getanzt wird. Dazu wird den Schülerinnen zu­nächst ein bestimmtes Lied vorgespielt, das eine bestimmte Emotion charakterisiert, die die Gruppe erkennen soll. Nachdem der Musik der richtige Gefühlszustand zugeordnet wurde, wird die Choreographie in der jeweiligen Emotion noch einmal in der ursprünglichen Tan­zaufstellung getanzt. Dieser Vorgang wird mit insgesamt drei Empfindungen - verliebt, trau­rig und wütend - wiederholt.

Die darauf aufbauende Erweiterung der Übung besteht darin, dass die Sozialform von der ursprünglichen Aufstellung in zwei gegenüberstehende Reihen geändert wird, sodass sich immer zwei Schülerinnen gegenüberstehen. Die gelernte Choreographie wird erneut nachei­nander mit denselben Emotionen getanzt, wobei dies nun in direkter Interaktion und Kommu­nikation mittels Bewegung passieren soll.

Ziele: Das oberste Ziel dieses freien Elements besteht darin, Tanz als nonverbales Kommuni­kationsmittel (siehe Kapitel 3.1) zu erfahren. Den Schülerinnen soll zuerst bewusst werden, dass Musik ganz unterschiedliche Emotionen und Gefühle vermitteln kann und diese je­doch trotzdem meist universal erlebt werden können, egal welcher Kultur man angehört oder welche Sprache man spricht. In weiterer Folge wird erlebt, wie eng Musik und Tanz/ Bewegung in Zusammenhang stehen. Im Sinne der „Emotionsexpression“, die im herme­neutischen Forschungsteil genauer erläutert wurde, sollen die Schülerinnen beim Tanzen miteinander „sprechen“ und interagieren, indem sie die jeweiligen Emotionen nur mit ihrem Körper ausdrücken. Diese Übung dient somit dazu, Tanz und im Speziellen Hip Hop als kultu­rübergreifende Sprache zu erleben und so die Gruppengemeinschaft zu stärken.

b) „Freestyle: Hip Hop Circle"

Inhalt: Die Gruppe bildet einen großen Kreis in der Mitte des Raumes und wird zu Beginn über den Stellenwert von „battles" im Tanzstil Hip Hop bzw. B-Boying aufgeklärt. Anschließend werden in diesem „circle" mehrere Aufgaben bewältigt. Zunächst sollen immer eine Schü­lerin oder zwei Schülerinnen in den Kreis gehen und sich dort frei bewegen.

Die nächste Aufgabe besteht darin, dass Bewegungen im Kreis „weitergegeben" werden, indem sich eine Tänzerin so lange frei bewegt, wie sie möchte und anschließend auf ihre linke Nachbarin zeigt und diese dann mit dem „freestyle" weitermacht.

Im nächsten Schritt zeigt eine Schülerin eine Bewegung oder Pose im Kreis vor und die an­deren versuchen diese zu imitieren.

Schlussendlich müssen die Tänzerinnen, ähnlich dem Wortspiel „Ich packe meinen Koffer", eine längere Bewegungsabfolge selbst Choreographieren. Die Trainerin gibt die erste Bewe­gung vor und die nachfolgende Schülerin wiederholt diese und fügt weitere hinzu. Die Übung ist zu Ende, wenn jedes Gruppenmitglied eine Pose/Bewegung angereiht hat.

Ziele: Im Rahmen dieses freien Elements lernt die Tanzgruppe nicht nur sich frei zu bewegen und das eigene Bewegungsrepertoire zu erweitern, sondern vor allem ein wichtiges Element der Hip Hop-Kultur kennen. Jede Schülerin soll sich als ein wichtiger Teil dieser sehen, indem jede mindestens einmal im Mittelpunkt steht. Im Sinne des sozialen und interkulturellen Ler­nens ist es allerdings wichtig, dass dabei die anderen Gruppenmitglieder unterstützen und Anerkennung schenken.

c) „Tanz der Kulturen"

Inhalt: Der „Tanz der Kulturen" steht in Verbindung zum interkulturellen Lernen. Der Gruppe wird Musik aus Frankreich, China und Österreich vorgespielt, wobei das jeweilige Land erst erraten werden muss. Nachdem dies gelungen ist, sollen die Schülerinnen so zum jeweiligen Lied tanzen, wie sie glauben, dass es für das Land/die Kultur typisch ist.

Ziele: Das Ziel liegt darin, die interkulturellen Fähigkeiten der Schülerinnen zu fördern. Zu­nächst sollen die Schülerinnen einmal überhaupt über Bewegungsformen fremder Kulturen und der vertrauten Kultur nachgedacht werden. Die Anleitung dieser Übung erfordert al­lerdings besonderes pädagogisches Einfühlungsvermögen, da zunächst Vorurteile bewusst erzeugt werden und es folglich möglicherweise zu Auseinandersetzungen kommen kann. Doch soll die Gruppe eben dadurch auf ihre stereotype Denkweise aufmerksam gemacht und Vorurteile dadurch überwunden werden. Damit diese Strategie fruchtet, muss eine Re­flexion bzw. ein Gruppengespräch nach der Übung folgen, damit die Erfahrungen aufgear­beitet werden können.

d) „Moleküle"

Inhalt: Bei diesem freien Element geht es darum, dass die Tänzerinnen „Atome" sind, die sich je nach Anweisung der Trainerin zu „Molekülen" anordnen. Beispielsweise müssen vier Personen gemeinsam eine Gabel, zwei Personen einen Baum oder fünf Personen einen Son­ne darstellen. Am Ende der Übung bekommt die gesamte Gruppe die Aufgabe, dass alle zusammen sich zu einer Brücke anordnen sollen. Es bleibt den Schülerinnen selbst überlas­sen, wie sie die einzelnen vorgegebenen Figuren verkörpern, doch müssen sich die Atome immer wieder nur mit neuen Atomen verbinden.

Ziele: Die Ziele dieses freien Elements stehen wiederum in engem Bezug zum sozialen Lernen. Es wird einerseits die Konfliktfähigkeit und Kompromissbereitschaft geschult, da die Aufgabe immer als Gruppe gelöst werden muss. Zudem besteht die Chance, mögliche Berührungs­ängste abzubauen und mit Mitschülerinnen in engen körperlichen Kontakt zu treten, die möglicherweise nicht zu den engsten Freundinnen gehören. In Bezug auf das interkulturelle Lernen würde dies bedeuten, dass gelernt wird, positiv mit „Fremdheit“ umzugehen.

3.5.2 Beobachtungen und Interpretation

Im nachfolgenden Abschnitt werden aus der Fülle der Beobachtungen nur die für die Be­antwortung der Forschungsfrage relevantesten Erkenntnisse angeführt. Wie bei der Metho­de der Beobachtung üblich, muss zwischen den beobachteten Geschehnissen und deren Interpretation, also der Bedeutung der Geschehnisse für die vorliegende Arbeit, unterschie­den werden.

1) Beginn:

Beobachtungen: Die Tanztrainerin stellt sich in der ersten Tanzstunde vor, erfährt die ein­zelnen Namen der Schülerinnen und spricht mit ihnen darüber, was sie unter Hip Hop ver­stehen, worauf folgende Antworten gegeben werden: „Geil“, „Freiheit“, „Art von Tanzen“. Weiters vermittelt sie der Gruppe einige wichtige Eckpunkte der Hip Hop-Kultur und geht vor allem darauf ein, dass Hip Hop nicht nur ein Tanzstil, sondern eine Lebenseinstellung ist und in der New Yorker Bronx Menschen mit unterschiedlichsten Kulturen miteinander Hip Hop getanzt haben.

Interpretation: Durch das kurze Gespräch am Beginn erfährt die Trainerin, was die Schüle­rinnen bereits über Hip Hop wissen und kann nun darauf aufbauen. Für eine erfolgreiche Integrationsarbeit durch gemeinsame Hip Hop-Tanzstunden ist es essentiell, dass die Schü­lerinnen von Beginn an mit der kulturverbindenden Philosophie vertraut werden. Diese muss wohlgemerkt erst durch die tänzerische Praxis erlebt und verinnerlicht werden.

2) Warm up und Partner-Stretching:

Beobachtungen: Als in der ersten Hip Hop-Tanzheit die Gruppen für das Partner-Stretching von der Trainerin eingeteilt wurden, reagierten einige Schülerinnen nicht erfreut. Im Spezi­ellen werden eine Schülerin mit Migrationshintergrund und eine Schülerin ohne Migrations­hintergrund beobachtet, als diese ein Paar bilden sollen. Beide „verdrehen“ zunächst ihre Augen, warten kurz ab und zögern, sich zu berühren, beginnen dann aber doch mit dem Partner-Stretching. In den weiteren Tanzstunden werden keine derartigen Reaktionen mehr beobachtet. Die Gruppeneinteilung durch die Trainerin und auch die eigenständige Part­nerfindung in der letzten Einheit erfolgt problemlos.

Interpretation: Die anfänglichen Schwierigkeiten mit Körperberührungen und der Zusam­menarbeit mit einer Person, der im Schulalltag evt. eher aus dem Weg gegangen wird, konnten durch die Wiederholung der Übung überwunden werden. Die Schülerinnen muss­ten sich sozusagen mit dem „Fremden“ auseinandersetzen und einen positiven Umgang lernen. Die positiven Beobachtungen in der letzten Einheit bestätigen, dass es gelang, Grup­penhierarchien aufzubrechen und so einen wichtigen Beitrag zum positiven Miteinander unterschiedlicher Kulturen zu leisten.

3) Choreographie:

Beobachtungen: Die Trainerin fragt die Gruppe, was „I need your love“ auf Deutsch über­setzt heißt und wie dieser Satz mit dem Körper dargestellt werden könnte. Nach einigen Wortmeldungen und Vorschlägen einigt sich die Gruppe auf die im Kapitel 4.5.1 dargeleg­ten Bewegungen.

Interpretation: Die Schülerinnen erfahren bewusst, dass sie nicht nur mit verbaler Sprache, sondern auch mit dem Körper kommunizieren können und bestimmte Bewegungen all­gemein verständlich sind, egal welcher Kultur man angehört oder welche Sprache man spricht. Auch wenn manche symbolische Gesten möglicherweise mehrere Bedeutungen haben können, so waren die in dieser Choreographie ausgewählten Illustratoren und Emb­leme für alle klar verständlich. Außerdem erleichterte es den Tänzerinnen, sich die Schrittab­folgen zu merken.

4) Freie Elemente:

q) „Emotionen“

Beobachtungen: Den Liedern werden zu Beginn keine eindeutigen Emotionen zugordnet. Die Wortmeldungen für das erste Lied, das das Gefühl „verliebt“ vermitteln soll, sind „trau­rig“, „spannend“, „fröhlich“ und „verliebt“. Als eben diese Emotion beim Tanzen der Cho­reographie mitbedacht wird, sind die Bewegungen vieler Schülerinnen weicher, geschwun­gener, größer und einige Schülerinnen lächeln. Auch die anderen Emotionen verbessern die Bewegungsqualität und den Ausdruck bei manchen Teilnehmerinnen.

Die Änderung der Sozialform, sodass sich immer zwei Schülerinnen gegenüberstehen, führt zu einer weiteren Verbesserung.

Interpretation: Die im Kapitel „Tanz und nonverbales Ausdrucksmittel“ angeführte Hypothe­se, dass eine Vielzahl an Emotionen universal erlebt wird, stimmt nur bedingt. Dennoch ge­lang es den meisten Schülerinnen, Emotionen und somit nonverbale Kommunikation beim Tanzen bewusst einzusetzen. Besonders positive Ergebnisse wurden erzielt, als die Schülerin­nen mit einer Partnerin in Kontakt traten und durch Hip Hop-Tanz miteinander kommunizie­ren konnten.

b) „Freestyle: Hip Hop Circle"

Beobachtungen: Die Schülerinnen stehen im Kreis, doch keine traut sich, im Kreis allein oder mit der Trainerin gemeinsam frei zu tanzen. Daraufhin bricht diese die Übung ab, denn als Vorübung soll sich nun jede Schülerin einen Platz im Raum suchen und mit geschlossenen Augen tanzen. Zunächst tanzen die meisten für sich allein, öffnen nach und nach die Augen und formieren sich zu kleinen Gruppen. In manchen von ihnen halten sich die Schülerinnen an den Händen führen gemeinsam dieselbe Bewegung aus (z.B. Armwelle). Die Gruppen formieren sich langsam und ohne jegliche Anweisungen durch die Trainerin zum Kreis zu­rück. Nur drei Jugendliche mit Migrationshintergrund - darunter eine Schülerin, die der Un­tersuchung 1 zufolge nicht besonders gut in die Klasse integriert zu sein scheint - stehen am Rand des Turnsaals und bewegen sich kaum. Nach einem kurzen Zeichen der Trainerin wer­den diese drei Mädchen von einigen ihrer Mitschülerinnen in den Kreis geholt und somit in das Geschehen integriert. Jetzt fassen zwei Schülerinnen Mut und tanzen im Kreis, wodurch auch andere Schülerinnen motiviert werden. Schlussendlich tanzt die GESAMTE Tanzgruppe innerhalb des Kreises, klatscht gemeinsam im Takt und führt zusammen den Schritt „Step Touch" im selben Rhythmus aus. Die Trainerin steht während des Geschehens außerhalb, beobachtet und gibt KEINE Bewegungsaufgaben. Nach einer kurzen Trinkpause bitten die Schülerinnen, noch einmal frei tanzen zu dürfen und möchten dazu das Lied „Wiggle" von Jason Derulo hören.

Schülerin 1 zur Trainerin: „Gibt's ,wiggle wiggle?"
Trainerin zur Schülerin 1: „Ja, das Lied kann ich spielen."
Schülerin 2 zur Trainerin: „Wir machen ,wiggle wiggle‘, ok?"
Schülerin 1 zur Schülerin 2: „Ja, sie macht eh jetzt ,wiggle wiggle“'
Schülerin 2: „Cool"

Interpretation: Diese Übung ist eines der interessantesten und aussagekräftigsten freien Ele­mente des gesamten Forschungsprojekts, weil sich eine besonders positive Dynamik und Energie entwickelte. Es gilt als Beweis dafür, dass gemeinsame Tanzstunden und im beson­deren Hip Hop-freestyle-Übungen einen positiven Beitrag zur Integration leisten, kulturver­bindend wirken, das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und das soziale/interkulturelle Lernen unterstützen. Zudem ist der angeführte Dialog beispielgebend dafür, dass sich die Jugendlichen vor allem mit der kommerziellen und populären Form des Hip Hop identifizie­ren und als gemeinsame, verbindende Plattform sehen.

c) „Tanz der Kulturen"

Beobachtungen: Die Trainerin fragt bei der Erklärung der Übung unter anderem: „Wie glaubt ihr, dass Menschen aus China tanzen?" Einige Schülerinnen zeigen zunächst auf das Mädchen mit philippinischen Wurzeln, aber sagen gleich darauf: „Ah, du bist ja gar keine Chinesin". Das Mädchen wirkt daraufhin traurig bzw. gekränkt und verdeckt ihr Gesicht mit den Händen. Die Trainerin entgegnet: „Alles ist gut. Wir wissen, dass deine Eltern nicht aus China, sondern aus den Philippinen kommen." Die betroffene Schülerin beruhigt sich, doch tanzt anschließend nur mit Widerwillen mit.

Im Anschluss an die Übung holt die Trainerin die gesamte Gruppe nochmals in den Kreis und erklärt. „Oft haben wir eine Vorstellung von einem Land/einer Kultur, die aber in Wirk­lichkeit gar nicht zutrifft. Wir leben alle in Österreich und sind so unterschiedlich, doch das Hip Hop-Tanzen verbindet uns. Wir sind eine Gemeinschaft, egal woher wir oder unserer Eltern kommen." Anschließend dürfen alle Schülerinnen zum Song „Rapper's Delight" von „The Su- garhill Gang" im Hip Hop „circle" frei tanzen.

Interpretation: Dieses Element erfordert viel Einfühlungsvermögen von der Trainerin, da sich manche Schülerinnen mit einer anderen kulturellen Herkunft leicht gekränkt fühlen können. Es muss im Anschluss der Übung unbedingt über Vorurteile und ihre Folgen reflektiert werden. Den Schülerinnen muss klar werden, dass jede Kultur für sich Anerkennung und Wertschät­zung verdient und Hip Hop schlussendlich der Tanzstil ist, der die Gruppe verbindet. Deswe­gen wurde die Übung kurzfristig abgeändert und mit gemeinsamem „freestyle" beendet.

d) „Moleküle"

Beobachtungen: In Bezug auf das soziale Verhalten wird beobachtet, dass die Schülerinnen sich viel zügiger als in den vorangegangenen Übungen zu den jeweiligen Kleingruppen zu­sammenfinden. Es kommt zu keinen offensichtlichen Kommunikationsproblemen oder Strei­tigkeiten, wie die Figur dargestellt wird. Die vielfältigsten Ergebnisse entstehen beim Gegen­stand „Gabel", da dieser von jeder der fünf Gruppen unterschiedlich verkörpert wird. Auch in Bezug auf Körperkontakt werden keine offensichtlichen Probleme, Auseinandersetzungen oder Verweigerungen beobachtet.

Bei der Aufgabe, gemeinsam eine Brücke zu bilden, macht nach einer kurzen Diskussion ein Mädchen am Boden eine Brücke, wie sie auch aus der statischen Bodenakrobatik be­kannt ist. Daraufhin tun dies auch alle anderen Schülerinnen und bilden so eine große zusam­menhängende, längliche Brücke am Boden quer durch den Raum.

Interpretation: Das positive Ergebnis kann damit begründet werden, dass dieses freie Ele­ment bewusst als letzte Übung der letzten Tanzeinheit gewählt wurde und die dafür notwen­digen sozialen Kompetenzen bereits zuvor geübt worden waren.

[...]


1 Vgl. URL: http://www.kktp.at (Zugriff am 28.09.2015).

2 Duden - deutsches Universalwörterbuch 2007, S. 1661

3 Laban 2001, S.125

4 Ebd., S.126

5 Vgl. den Beitrag von Sari Wallisch im vorliegenden Band, S.179-194.

6 Vgl. den Beitrag von Katharina Steinerim vorliegenden Band, S.153—178.

7 Vgl. den Beitrag von Maria Mandl im vorliegenden Band, S.103—128.

8 Vgl. den Beitrag von Julia Bichl im vorliegenden Band, S.13—44.

9 Vgl. den Beitrag von Jessica Wurzerim vorliegenden Band, S.195—216.

10 Vgl. den Beitrag von Judith Draskovits im vorliegenden Band, S.45—74.

11 Vgl. den Beitrag von Anna illenbergerim vorliegenden Band, S.75-102.

12 Vgl. den Beitrag von Eva Martin im vorliegenden Band, S.129-152

13 Vgl. Statistik Austria - Ergebnisse im Überblick: Migrationshintergrund. URL: http://www.statistik.at/web_de/statis- tiken/bevoelkerung/bevoelkerungsstruktur/bevoelkerung_nach_migrationshintergrund (21.04.2015).

14 Fleischle-Braun 2005, S.61.

15 Fleischle-Braun 2005, S.60.

16 Vgl. Pavicic 2007, S.56.

17 Vgl. McGurl 2002, S.84.

18 Vgl. Lowinksi 2007, S.100.

19 Klein, Gabriele/MAire, Friedrich (Hrsg.) 2003, S.30.

20 Vgl. Pavicic 2007, S.63-65.

21 Vgl. Thomson 1996, S.213.

22 Rode 2002, S.97.

23 Vgl. ebd., S.157.

24 Vgl. ebd., S.63.

25 Vgl. ebd., S.147-149.

26 Vgl. Pavicic 2007, S.98.

27 Vgl. Rode 2002, S.121-123.

28 Vgl. Pavicic 2007, S.86-87.

29 COSMOSUKR: Hip Hop Old School Dictionary. URL: https://www.youtube.com/watch?v=SqB6zWQaWV0 (Zugriff 21.04.2015)

30 Pavi cic 2007, S.102.

31 URL: http://www.wetpaint.com/2011-05-10-so-you-think-you-can-dance-101-what-is-commercial-style (Zugriff 21.04.2015)

32 Pavicic 2007, S.104.

33 Fleischle-Braun 2005, S.64.

34 Huh 2010, S.26.

35 Vgl. URL: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/bevoelkerungsstruktur/bevoelkerung_nach- migrationshintergrund/ (Zugriff 21.04.2015)

36 Vgl. ebd.

37 Vgl. Aslan 2015, S.17.

38 Vgl. Duden 42014, S.407.

39 Vgl. Lenzen 62001, S.749

40 Mutz 2012, S.27.

41 Seifert 1979, S.7.

42 Vgl. Grubich o.J., S.15.

43 Vgl. Mutz 2012, S.19.

44 McGurl 2002, S.51.

45 Vgl. Bröskamp 1994, S.6.

46 Dean 1966, S.63. zit. n. Pavicic 2007, S.53.

47 Pavicic 2007, S.43.

48 Vgl. ebd., S.46.

49 Vgl. Pavicic 2007, S.45-46.

50 Vgl. ebd., S.52.

51 Vgl. Eisler-Stehrenberger 2007, S.54.

52 Fleischle-Braun 2002, S.11.

53 Vgl. Huh 2010, S.25.

54 Auernheimer 42005, S.82.

55 Vgl. Giess-Stüber 2001, S.183.

56 Vgl. Fleischle Braun 2002, S.29.

57 Cabrera-Rivas 1999, S.109.

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Titel: Kommerzielle Tanzstile unterrichten – Tanz & Pädagogik erforschen (Band 2)