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Wilde und Unzivilisierte? Der Umgang der spanischen Conquistadores mit den indianischen Ureinwohnern und die Sichtweise auf die Eroberten am Beispiel von Hernán Cortés

Bachelorarbeit 2011 34 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Allgemeines / Vergleiche

Leseprobe

Gliederung

1) Einleitung

2) Hernán Cortès Weg nach Amerika

3) Die Eroberung Mexikos bei Cortés

4) Wie stellt Cortés die Indios dar?
4.1. Das Konzept des „Bellum Iustum“
4.2. Wie stellt Cortes die Indios dar?

5) Fazit

6) Bibliographie

1. Einleitung

„Die Spanier haben jedes Recht, die Barbaren der Neuen Welt und den umliegenden Inseln zu beherrschen; sie sind den Spaniern in Klugheit, Einfallsreichtum, Tugend und Menschlichkeit so unterlegen, wie ein Kind einem Erwachsenen oder die Frauen den Männern, es gibt so viele Unterschiede zwischen ihnen wie zwischen wilden und grausamen und barmherzigen Personen, zwischen den ungeheuer unmäßigen und den gemäßigt auftretenden, und ich wage zu sagen zwischen Affen und Menschen. (Juan Ginés de Sepulveda)1

„Auf solche conquistas werden sie gewiß (wenn man es ihnen erlaubte) abermals ausziehen; derartige conquistas (die man unternimmt, indem man jene friedlichen, demütigen, sanften und niemanden kränkenden Indios unterwirft) sind aber in sich ungerecht, tyrannisch und durch jedes natürliche, göttliche und menschliche Gesetz verurteilt, verabscheut und verdammt;[...]“(Bartholomé de Las Casas)2

Diese Zitate von Juan Ginés de Sepulveda, einem der schärfsten Verfechter der Rechtmäßigkeit der spanischen Eroberung Mexikos, und Bartholomé de Las Casas, dem stärksten Verteidiger der Indios und einem scharfen Ankläger der Brutalität der Spanischen Conquista, zeigen deutlich, dass es im Spanien des 16. Jahrhunderts zwei unterschiedliche Bilder der Indios gab. Von den meisten Autoren, wie eben Sepulveda, wurden sie als niedere Menschen betrachtet, nicht fähig zu wirklicher Intelligenz; Hernán Cortés bezeichnet sie in seinen Aufzeichnungen als „[...]Barbaren[...] und so weit entfernt von der Erkenntnis Gottes und vom Verkehr mit anderen zivilisierten Völkern [...]“3. Die Spanier hätten jedes Recht, so argutmentiert Sepulveda, die Indios zu beherrschen und zu zivilisieren sowie sie zum Christentum zu konvertieren, auch unter der Anwendung von Zwang. Die Gegenposition dazu nimmt der Dominikanermönch Bartholomé de Las Casas ein. Er sieht die Indianer als friedfertige Menschen, und fordert eine bessere Behandlung für sie.

Die Verbreitung des Christentums durch den Einsatz von Gewalt und Zwang lehnt er strikt ab. Die Forschung sieht in Las Casas einen „Vorkämpfer für die Menschenrechte der Indios“4, wie Thomas Eggensperger und Ulrich Engel, in ihrem Buch „Bartholomé de las Casas. Dominikaner - Bischof - Verteidiger der Indios“ beschreiben. Cortés hingegen sind solche Gedanken fremd. Wie sich sein Indianerbild zusammensetzt, wie er die Indios sieht und behandelt, soll Thema dieser Arbeit sein. Dazu soll zunächst ein Überblick verschafft werden, der den Weg von Cortés nach Amerika darstellt. Danach wird die Eroberung Mexikos aus der Sicht des Hernán Cortés, der seinen Feldzug in Briefen an den spanischen König Karl V. schildert, dargestellt. Diese Berichte vermitteln zwar „kein in unserem Sinn getreues Bild der Wirklichkeit“5, wie Eberhard Straub in seinem Buch „Das Bellum Iustum des Hernán Cortés in Mexiko“ beschreibt, da Cortés sich selber glorifiziert und natürlich seine Entscheidungen zu rechtfertigen versucht. Sie beschreiben die Eroberung Mexikos aus Cortés‘ Sicht, und sind daher wichtig für seine Sicht auf die Indianer und die Ereignisse. Seine Erzählungen sollen mit denen seines Sekretärs Francisco López de Gómara an den Stellen, wo die Erzählungen des Cortés Lücken aufweisen, abgeglichen werden. Durch die Ergänzungen Gómaras soll deutlich werden, dass das Indianerbild des Cortés in seinen Briefen hauptsächlich durch politische Motive bestimmt wird. Um zu zeigen, dass die Indios für Cortés nur ein Mittel zum eigentlichen Zweck sind und er sie nach seinen Vorstellungen manipuliert und gegeneinander ausspielt, wird danach das Bild des gerechten Krieges bei Cortés kurz dargestellt werden. Um zu beweisen, dass es Cortés nur darauf ankommt, sich vor seinem König zu rechtfertigen und alle Schuld von sich zu weisen, wird danach die Einschätzung von Las Casas zum Thema des gerechten Krieges gezeigt werden.

2. Hernán Cortés Weg nach Amerika

Hernán Cortés wurde im Jahre 1485 in der kleinen Stadt Medellín in der Provinz Extremadura geboren.6 Seine Eltern, Martin Cortés de Monroy und Catalina Pizarro Altamirano, waren beide „Hidalgos“, gehörten also dem niederen spanischen Adel an und waren wenig wohlhabend.7 Cortés wuchs unter schwierigen Bedinungen auf, denn seine Heimatprovinz Extremadura gilt bis heute als eine der unwirtlichsten Gegenden Spaniens, und bereits die Römer bezeichneten sie als „Terra extrema et dura“8. Hernán Cortés war ein intelligenter Junge und seine Eltern setzten ihre Hoffnungen darauf dass er eines Tages Anwalt werden würde. Sie schickten ihn zu diesem Zweck an die berühmte Universität von Salamanca zum Jura-Studium.9 Allerdings brach er sein Studium bereits nach zwei Jahren ab und kehrte in seine Heimatstadt zurück, was bei seinen Eltern auf wenig Freude stieß, wie Jon White beschreibt:

„Seine Rückkehr verärgerte seine Eltern gewaltig, sie waren wütend dass er sein Studium abgebrochen hatte. Sie hatten für ihn eine Karriere als Anwalt vorgesehen, da diese am meisten Geld und Anerkennung versprach, da er sehr intelligent und clever in seinen Aktionen war.“10

Der Grund für den Studienabbruch ist nicht bekannt. White vermutet, dass Cortés eine bessere Chance auf Ruhm und Reichtum darin sah, als Soldat dem König zu dienen, als sein Dasein als Anwalt zu fristen.11 Dass er allerdings nach Amerika gehen würde war nicht von Anfang an klar; Cortés hätte sich auch mit Gonzalo Fernández de Córdoba nach Neapel einschiffen können um dort für den König Krieg zu führen. Er entschied sich aber dagegen und wollte stattdessen mit Nicólas de Ovando nach Amerika segeln. De Ovando war ein Bekannter seines Vaters und ihm war eine gute Stelle in den Kolonien beinahe sicher.

Des weiteren lockten ihn die Gerüchte über die sagenhaften Goldschätze, die es in den neuen Kolonien angeblich zu holen gab. Bevor er sich allerdings auf die Reise begeben konnte, wurde Cortés seine Liebe zu Frauen beinahe zum Verhängnis. Sein Sekretär, Francisco López de Gómara, beschreibt den Vorfall folgendermaßen:

„Während Ovando seine Abfahrt vorbereitete und seine Flotte bereitmachte, ging Cortés eines Nachts zu einem Haus und stattete einer Frau einen Besuch ab, und als er sich auf der schlecht zementierten Mauer des Gartens fortbewegte, gab diese nach und er fiel. Der Krach der zusammenstürzenden Mauer und der Rüstung sowie des Schildes, weckten den Ehemann und dieser rannte bewaffnet hinaus um Cortes zu töten, wurde aber in letzter Minute von seiner Schwiegermutter zurückgehalten.“12

Cortés kam zwar mit dem Leben davon, brach sich jedoch bei dem Sturz das Bein, und da ihn kurz darauf auch noch das Fieber befiel, konnte er die Reise mit Ovando nicht antreten, sondern musste noch zwei Jahre in Spanien verbringen bis sich eine neue Gelegenheit ergab.13 Als er schließlich die spanische Kolonie La Hispaniola nach einer turbulenten Reise erreichte, erfuhr Cortés, dass sich Ovando bereits auf eine Reise begeben hatte. Nachdem Ovando zurückgekehrt war, gab er Cortés den versprochenen Posten, den dieser einige Jahre ausfüllte. Im Jahre 1511 begleitete Cortés Diego Velázquez nach Kuba, wo dieser den Gouverneursposten innehatte. Auf Kuba wurde Cortés aufgrund seiner Tüchtigkeit zu Velázquez‘ Sekretär und erhielt eine Encomienda14. Er züchtete in den nächsten Jahren vor allem Rinder, Schafe und Esel und durch die Arbeit seiner Indios in den Minen kam er auch zu einigem Gold und einem gewissen Maß an Reichtum.15

Mit Diego Velázquez, unterhielt Cortés zunächst ein glänzendes Verhältnis, welches sich allerdings verschlechterte als die beiden in Streit gerieten, da Cortés sich weigerte, Catalina Xuárez zu heiraten, der er die Ehe versprochen hatte.

Velázquez ließ Cortés sogar für kurze Zeit ins Gefängnis werden, aus dem dieser aber entkommen konnte. Schließlich heiratete Cortés Catalina Xuárez und versöhnte sich mit Velázquez.

Dieser sandte in den folgenden Jahren immer wieder Expeditionen von Kuba in Richtung Yucatan aus, unter ihnen auch die von Juan de Grijalva und Pedro de Alvarado, von dem später noch die Rede sein wird.

Im Gegensatz zu Francisco Hernández de Córdoba, der eine der ersten Expeditionen anführte, von den Einheimischen aber attackiert und verjagt wurde, gelang es Grijalva, mit den Indios Tauschhandel zu führen und sie zu Untertanen des spanischen Königs zu machen.16

Obwohl die Tauschgegenstände der Indios nur einen geringen Goldwert hatten, lösten die durch Alvarado überbrachten Berichte der Expedition auf Kuba Hoffnungen auf größere Reichtümer aus, die folgendermaßen beschrieben werden:

„[...],um so mehr Hoffnung weckte die Mitteilung, „gegen Sonnenuntergang gebe es ein Land, wo sich Gold in großer Menge finde, dabei wiederholten sie immer wieder die Worte Culúa und Mexiko.“[...]

Alvarado erzählte nachher, daß Velázquez ihn unaufhörlich umarmt und geküßt habe und daß die Freudenfeste und Ritterspiele acht Tage gedauert hätten.[...], aber auch nicht an Bewunderung, da die Expedition Grijalvas dem sagenhaften Goldland ohne Zweifel recht nahe gekommen war.“17

Nachdem die Expedition Grijalvas den Hunger nach Gold nun noch stärker angefacht hatte, begann Velázquez mit den Vorbereitungen für eine dritte Expedition, diesmal unter der Führung von Hernán Cortés. Hatte dieser sich bisher stets im Hintergrund gehalten, so beteiligte er sich nun mit einem bedeutenden Betrag an den Kosten der Expedition.18

Jon White beschreibt die Beweggründe für Cortés plötzliches Engagement wie folgt:

„Dies war Cortés Chance und er erkannte sie. Diego Colón könnte jede Expedition von Kuba stoppen, oder es könnten sich ihm ein Dutzend anderer Hindernisse in den Weg stellen. Es war jetzt oder nie. Jahrelang hatte er anderen Männern dabei zugeschaut, wie sie sich auf hoffnungsvolle Reisen zum Festland begeben hatten. Er war nicht gewillt gewesen, als Befehlsempfänger mitzugehen, er wollte warten bis er die Chance hatte, seine eigene entrada anzuführen. [...] Mit jeder nachfolgenden Expedition wurden die Chancen auf einen erfolgreichen Ausgang größer und größer. Grijalva’s Gold besiegelte seinen Entschluss. Am 23. Oktober 1518 unterschrieb er einen Vertrag mit Velázquez welcher die Kosten und Ziele der Expedition festlegte.“19

Cortés steckte nun alle seine Energie und sein Geld in die Vorbereitungen, um sicherzustellen, dass seine Männer besser ausgerüstet und erfolgreicher sein würden als die, die mit Grijalva gesegelt waren.

Er wurde nun auch zu großer Eile getrieben, denn Velázquez neigte inzwischen immer mehr dazu, ihm das Kommando wieder zu entziehen. Teils wurde Cortés von Feinden bei Hof schlecht gemacht, teilweise war er auch selber daran schuld, da er sich immer großspuriger verhielt.20 Um seiner Entlassung zuvorzukommen, setzte Cortés eilig die Segel und verließ den Hafen von Santiago.

Er landete in Trinidad, wo er die Anwerbung von Soldaten fortsetzen, sowie weiteren Proviant und Waffen einkaufen ließ.21 Des weiteren ließ Cortés auch 16 Pferde mit an Bord nehmen. Eine Maßnahme, die sich als enorm wichtig für das Überleben und den Erfolg der Eroberung herausstellen sollte, da die Azteken zuvor noch nie Pferde gesehen hatten und diese so zu einer psychologischen Waffe wurden, deren Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Dass Cortés auf den teuren Pferden bestand, ist ein deutliches Indiz dafür, dass er plante, ins Landesinnere vorzustoßen, denn dabei waren die Pferde ein unverzichtbares Mittel. Am 10. Februar des Jahres 1519 lief Cortés mit neun seiner Schiffe aus. Pedro de Alvarado und Diego de Ordás waren bereits mit jeweils einem Schiff vorausgesegelt und sollten sich an einem vereinbarten Treffpunkt wieder mit dem Rest vereinen, was Ordás auch tat, während Alvarado allerdings nicht erschien.22 Er war direkt nach Cozumel weitergesegelt, wo er bereits an Land ging und Gefangene machte, sowie Waren erbeutete.

Cortés, der bald danach eintraf, ließ jedoch die gestohlenen Sachen wieder an die Gefangenen zurückgeben und gab den Befehl, „ihnen nicht das geringste Leid zuzufügen.“23 Durch seinen Dolmetscher erfuhr er von zwei Spaniern, die angeblich als Gefangene bei Indios im Landesinneren lebten. Er ließ unverzüglich Schiffe aussenden mit Briefen an die Gefangenen, um sie dazu zu überreden, sich an der Eroberung zu beteiligen. Und während der eine, Geronimo de Aguilar24 sich auch dazu bereit erklärte und sich als äußerst wichtig erweisen sollte, so antwortete der andere, dass er sowohl eine Familie bei den Indios habe, als auch unter ihren Kriegern eine hohe Stellung einnehme und deshalb lieber dort bliebe.25 Nach dem erneuten Auslaufen der Flotte erreichte man schließlich die Mündung des Flusses Tabasco, den bereits Grijalva befahren hatte.

Nachdem Cortés die Einheimischen besiegt hatte, nahm er das Land in aller Form in Besitz.26 Es gelang ihm, mit den Indios Frieden zu schließen, und eine Abgesandschaft von vierzig Kaziken überbrachte den Spaniern viele Geschenke aus Gold, sowie, als besonderes Geschenk, zwanzig Indianerinnen. Von diesen sollte besonders eine von großem Wert für den Feldzug werden. Der Name, bei dem Cortés sie ihn seinen Briefen nennt, ist Doña Marina, ihr christlicher Taufname. Sie war eine Kazikentochter aus dem Herrschaftsgebiet der Azteken, deren Mutter sich nach dem Tod des Vaters mit einem anderen Kaziken wieder verheiratet hatte. Als ihre Mutter einen Sohn gebar, musste Marina nach Tabasco gehen, um den Weg zur Herrschaft für den Stiefbruder frei zu machen.

Für die Spanier sollte sich das als Glücksfall erweisen, denn Marina sprach aztekisch und lernte auch bald spanisch. Fortan fungierte sie als Dolmetscherin und war für den Feldzug von höchstem Wert, da sie im Verbund mit Geronimo de Aguilar die Verständigung mit den Azteken ermöglichte.

Die nächste Station des Feldzuges war San Juan de Ulúa, wo Cortés zum ersten Mal auf Vasallen des Aztekenherrschers Moctezuma II. traf. Den beiden Statthaltern, die in das spanische Lager kamen, erklärte Cortés, er wolle ihren Herrscher aufsuchen. Er gab ihnen auch Geschenke an Moctezuma mit, die auf den ersten Blick einen recht kümmerlichen Eindruck machen mussten:

„einen Armsessel, eine Purpurmütze mit einer Goldmünze daran und andere Kleinigkeiten, darunter auch den Sturmhelm eines Soldaten, der die Aufmerksamkeit des Gesandten erregt hatte, wozu der Feldhauptmann den Wunsch äußerte, der Aztekenherrscher möge diesen Helm mit Goldkörnern gefüllt zurücksenden, damit man die Reinheit des Goldes mit dem heimischen vergleichen könne.“27

Besonders der Helm schien Moctezuma aber in Erstaunen zu versetzen, denn er glich der Kopfbedeckung eines seiner Götzen sehr, und so zweifelte der Aztektenherrscher nicht daran, dass die Spanier ins Land gekommen waren, um eine alte Propheizeiung zu erfüllen, von der später bei den Schilderungen des Cortés noch die Rede sein wird. Aufgrund dessen waren auch die Geschenke die Moctezuma den Spaniern zukommen ließ um einiges reichhaltiger als die der Spanier an ihn:

„Hundert Lastträger trugen Geschenke, die nach langen Zeremonien vor Cortés ausgebreitet wurden. „Das erste war eine Scheibe von der Größe eines Wagenrades, die die Sonne darstellte, ganz aus feinem Golde und von der schönsten Arbeit, ein Kunstwerk, das nach Aussage derer, die es gewogen haben, über zwanzigtausend Goldpiaster Wert gehabt haben soll.

Das zweite eine Scheibe, größer noch als die erste, schwer von Silber, von großem Wert und den Mond darstellend, mit vielen Strahlen und Figuren darauf, das dritte war die Sturmhaube, ganz mit gediegenen Goldkörnern gefüllt.“28

Die Geschenke, eigentlich dazu gedacht, Cortés davon abzuhalten weiter in Richtung der Aztekenhauptstadt Tenochtitlán zu ziehen, bewirkten allerdings das Gegenteil, denn Cortés erkannte nun erst, dass vor ihm ein unschätzbar reiches Land lag, und er war keinesfalls gewillt, einfach kehrt zu machen.

Er ließ die Gesandten zu Moctezuma zurückschicken und ihm ausrichten, er könne nicht kehrt machen, da sein Kaiser ihm den Auftrag erteilt hätte, neue Länder jenseits des Meeres zu erobern, und er es sehr ungnädig aufnehmen würde, wenn er zu ihm zurückkehren würde, ohne sein Ziel erreicht zu haben.29 Cortés hielt nach einem geeigneten Platz für eine Stadtgründung, denn er brauchte eine Basis für seine Unternehmungen. Außerdem würde ihn die Gründung einer Stadt von Diego Velázquez unabhängig machen, und er wäre nur noch dem König unterstellt. Er fand diese Stelle in einer Bucht in der Nähe von Quiauitzlan und gründete dort die Siedlung Villa rica de la Vera Cruz, oder Veracruz. Cortés ließ nun in demokratischer Weise Wahlen abhalten. Die Gesamtheit der Soldaten wählte die Alkalden, Ratsherren, Richter und Sekretäre der Stadt, sowie einen Kolonieverwaltungsrat.30 Cortés selber wurde zum Generalkapitän und Oberrichter berufen.

Cortés war von nun an nicht mehr der Abtrünnige, der die Befehle des Velázquez, ihn abzusetzen, missachtet hatte. Er war vielmehr ein gehorsamer Diener des Königs.31 Auch um Unterstützung brauchte Cortés sich nicht lange zu sorgen, denn die von den Azteken unterdrückten Stämme der Totonaken waren nach anfänglichem Widerstand und Scharmützeln dazu bereit, ein Bündnis mit den Spaniern einzugehen, um sich von der Herrschaft der Azteken zu befreien. Auch die Tlaxcalteken wurden später zu wichtigen Verbündeten der Spanier, wie noch zu sehen sein wird. Cortés bewies besonders bei der Schaffung des Bündnisses mit den Totonaken, dass er über großes Geschick verfügte und gut Parteien gegeneinander ausspielen konnte, wie im Folgenden deutlich wird:

„[...] traf plötzlich die Nachricht ein, daß soeben fünf mexikanische Steuerbeamte angelangt seien. [...] Als Cortés bald darauf den Kaziken zu sich rief, erfuhr er, daß die Steuereintreiber Moteczumas als Sühne für die den Spaniern erwiesene Gastfreundschaft zwanzig totonakische Männer und Frauen gefordert hätten, um sie ihrem Gott Uitzilopochtli zu opfern. Cortés forderte den vor Angst zitternden Kaziken nun auf, die fünf Steuerbeamten festzunehmen, [...]. [...], aber Cortés nahm die Gefangenen in seine Obhut.

In der folgenden Nacht wurden zwei von ihnen freigelassen und nach Mexiko zurückgeschickt. Cortés spielte dem Kaziken seine Überraschung über die Flucht der zwei Mexikaner vor und ließ die übrigen drei in Ketten legen und auf ein Schiff bringen.

Dort aber wurden ihnen die Fesseln abgenommen mit der Ankündigung, daß sie bald schon nach Mexiko zurückkehren könnten. So hatte Cortés es mit List und Gewandtheit erreicht, daß er die Totonaken zum Aufruhr angestiftet und damit von seiner Hilfe abhängig gemacht hatte, während er dem fernen Herrscher der Azteken seine Neutralität beweisen konnte.“32

Nachdem Cortés nun seine Streitmacht vergrößert hatte, widmete er sich zunächst dem Ausbau und der Befestigung von Veracruz, bevor er sich weiter in das Reich der Azteken vorwagte.

Auch an den König wurde ein Bericht gesandt, in dem alles bisher Unternommene geschildert wurde. In dem Bericht bat Cortés den König ebenfalls um die Bestätigung seiner Stellung als Generalkapitän und Oberrichter von Veracruz. Cortés aber wollte nicht auf die Antwort Karls V. warten, er begab sich schon sehr bald auf den Feldzug gegen die Azteken, von dem nun berichtet wird und als dessen Grundlage die Briefe von Cortés an Karl V. dienen sollen.

[...]


1 “The Spaniards are perfectly right to govern these barbarians of the New World and adjacent islands; they are in prudence, ingenuity, virtue, and humanity as inferior to the Spaniards as children are to adults and women are to men, there being as much difference between them as that between wild and cruel and very merciful persons, the prodigiously intemperate and the continent and tempered, and I daresay from apes to men. Restall, Matthew: Seven Myths of the Spanish Conquest, Oxford 2003, S. 131.

2 De Las Casas, Bartholomé; Michael Sievernich (Hrsg.): Kurzgefaßter Bericht von der Verwüstung der Westindischen Länder, Frankfurt am Main 2006, S.12.

3 Cortés, Hernán;Homann, Hermann(hrsg.): Die Eroberung Mexikos. Eigenhändige Berichte an Kaiser Karl V. 1520-1524, 3. bearb. Aufl., Stuttgart 1984, S.97.

4 Eggensperger, Thomas; Engel, Ulrich: Bartholomé de las Casas. Dominikaner - Bischof - Verteidiger der Indios, Mainz 1991, S.117.

5 Straub, Eberhard: Das Bellum Iustum des Hernán Cortés in Mexico, Köln 1976, S.209.

6 White, Jon Manchip: Cortés and the Downfall of the Aztec Empire. A Study in a Conflict of Cultures, London 1971, S.19.

7 Matis, Herbert: Hernán Cortés. Eroberer und Kolonisator (Persönlichkeit und Geschichte, Bd. 45), Göttingen u.a. 1967, S.12f.

8 White, Jon: Cortés, London 1971, S.28.

9 White, Jon: Cortés, London 1971, S.32.

10 “His return vexed his parents exceedingly, they being annoyed with him for having abandoned his studies. They had destined him for the law, the richest and most honourable career of all, because he was very intelligent and clever in everything he did.” White, Jon: Cortés, London 1971, S.33.

11 White, Jon: Cortés, London 1971, S.33f.

12 “But, while Ovando was arranging his departure and the fleet was being readied, Cortés went to a house one night to visit a woman and, as he was walking along the badly cemented wall of the garden, it gave way with him. At the noise made by the falling wall and the arms and shield, a young housband, jealous of his wife, ran out and, seeing Cortés lying near the door, tried to kill him, but was prevented from doing so by his old mother-in-law.” De Gómara, Francisco López: Cortés. The Life of the Conqueror by His Secretary, übers. u. bearb. von Lesley Byrd Simpson, Berkeley 1964, S.8.

13 Cortés, Hernán;Homann, Hermann(hrsg.): Die Eroberung Mexikos. Eigenhändige Berichte an Kaiser Karl V. 1520-1524, 3. bearb. Aufl., Stuttgart 1984, S.16.

14 Cortés,Hernán, Homann (Hrsg.): Die Eroberung Mexikos, Stuttgart 1984, S. 17. Das Encomienda-System beinhaltete die Zuteilung von Land und Indianischen Arbeitskräften an spanische Siedler, die eigentlich dazu verpflichtet waren, diese zu schützen und zu missionieren. In Wirklichkeit war das System aber Sklaverei, da die Indios quasi das Eigentum der Siedler waren und von diesen oft zu Tode geschunden wurden.

15 Gómara, Francisco: Cortés, Berkeley 1964, S.11.

16 White, Jon: Cortés, London 1971, S.54f.

17 Cortés,Hernán; Homann (Hrsg.): Die Eroberung Mexikos, Stuttgart 1984, S.24

18 White, Jon: Cortés, London 1971, S.56.

19 “This was Cortés’ chance, and he realized it. Diego Colón might put a stop to expeditions from Cuba, or a dozen other conclusive obstacles might arise. It was now or never. For several years he had watched other men set off on the hopeful voyage to the mainland. He had not been willing to serve in a subordinate capacity; he had waited until he was in a position to be head of his own entrada. […] With each successive voyage the chances of a triumphant outcome appeared increasingly favourable. Grijalva’s gold clinched it. On October 23, 1518, he signed an agreement with Velázquez in which the costs and objectives of the voyage were specified.” White, Jon: Cortés, London 1971, S.56.

20 Cortés,Hernán; Homann (Hrsg.): Die Eroberung Mexikos, Stuttgart 1984, S.26.

21 Cortés,Hernán; Homann (Hrsg.): Die Eroberung Mexikos, Stuttgart 1984, S.26.

22 Cortés,Hernán; Homann (Hrsg.): Die Eroberung Mexikos, Stuttgart 1984, S.28.

23 Cortés,Hernán; Homann (Hrsg.): Die Eroberung Mexikos, Stuttgart 1984, S.29.

24 Acht Jahre zuvor war Aguilar nach einem Schiffsbruch bei den Indios gestrandet und hatte als einziger überlebt, während die meisten seiner Kameraden den indianischen Göttern geopfert wurden oder infolge der Gefangenschaft umkamen.

25 Cortés,Hernán; Homann (Hrsg.): Die Eroberung Mexikos, Stuttgart 1984, S.29.

26 Cortés,Hernán; Homann (Hrsg.): Die Eroberung Mexikos, Stuttgart 1984, S.31.

27 Cortés,Hernán; Homann (Hrsg.): Die Eroberung Mexikos, Stuttgart 1984, S.33.

28 Cortés,Hernán; Homann (Hrsg.): Die Eroberung Mexikos, Stuttgart 1984, S.33.

29 Cortés,Hernán; Homann (Hrsg.): Die Eroberung Mexikos, Stuttgart 1984,, S.34.

30 Cortés,Hernán; Homann (Hrsg.): Die Eroberung Mexikos, Stuttgart 1984, S.34f.

31 Cortés,Hernán; Homann (Hrsg.): Die Eroberung Mexikos, Stuttgart 1984, S.35.

32 Cortés,Hernán; Homann (Hrsg.): Die Eroberung Mexikos, Stuttgart 1984, S.37.

Details

Seiten
34
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668072398
ISBN (Buch)
9783668072404
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v308930
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
Schlagworte
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