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Wie kann Entstehung ökonomischer Blasen verhindert werden? Entwurf eines Steuerkonzepts

Hausarbeit 2012 21 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Minskys Theorie finanzieller Instabilität

3.Die US amerikanische Immobilienblase
3.1 Ökonomische Kennzahlen
3.2 Entstehung der Immobilienblase
3.3 Das Platzen der Immobilienblase

4.Die Idee einer Vermögenspreisblasensteuer
4.1 Die differenzierte, haltezeitabhängige Finanztransferabgabe
4.1.1 Bedingungen an eine Finanztransferabgabe
4.1.2 Das Konzept der differenzierten, haltezeitabhängigen Transferabgabe
4.1.3 Mögliche Wirkung der differenzierten, haltezeitabhängigen Finanztransferabgabe

5.Fazit

Abbildungsverzeichnis

Quellenverzeichnis

Fachliteratur

Working Paper

Onlinequellen

1. Einleitung

Am 28.September.2012 verkündeten die ersten deutschen Tageszeitungen, was sich spätestens nach dem Verzicht Sigmar Gabriels bereits angedeutet hatte: Peer Steinbrück wird als SPD Spitzenkandidat in das Wahljahr 2013 starten1.

Allerdings hatte es der ehemalige Finanzminister bereits einige Tage zuvor auf die Titelseiten der deutschen Presselandschaft geschafft. Steinbrück hatte ein Thema auf die Agenda gesetzt, welches seit der vergangenen Finanz- und Wirtschaftskrise zwar immer wieder diskutiert worden war, speziell innerhalb der schwarz-gelben Regierungskoalition jedoch nur wenig Beachtung fand: Die Regulierung des Finanz- und Bankensektors.

Konkret umfasst das 25 seitige Arbeitspapier Steinbrücks keine wirklich neuartigen Vorschläge. Vielmehr bündelt es einige bereits länger existente Ansätze2:

- Die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking
- Der Aufbau eines ESM-Rettungsschirmes durch die systemrelevanten Banken selbst und die Unterstellung dieser unter die Aufsicht der EZB
- Eine stärkere Regulierung des Börsenhandels, in Bezug auf ungedeckte Leerverkäufe, Hochfrequenzhandel und Rohstoffe
- Die Regulierung von Managergehältern, die in Zukunft mit dem Risiko der getätigten Transaktionen negativ korrelieren sollen

Steinbrück präsentiert dabei eine mögliche Variante, wie der internationale Finanz- und Bankensektor in Zukunft reguliert werden könnte. In dieser Arbeit möchte ich jedoch ein weiteres Element untersuchen, welches von ihm konkret nicht erwähnt wurde.

Die vergangene Finanz- und Wirtschaftskrise hat gezeigt, welche Gefahr von spekulativ aufgeblähtem Wachstum (sog. „ökonomischen Blasen“) ausgehen kann und dass dieses durch einen zu schwach regulierten Finanzmarkt begünstigt wurde. Neben den Aspekten, die Steinbrück in seinem Arbeitspapier aufgreift, gibt es ebenfalls seit geraumer Zeit eine Diskussion über Sinn- und Nutzen einer Steuer auf Finanztransaktionen.

Wie eine solche Steuer aussehen könnte und welche systemischen Risiken sie unterbinden müsste, möchte ich in dieser Arbeit hinterfragen. Dabei enthält meine Ausarbeitung drei Elemente, die ich versuche miteinander zu verknüpfen:

- Eine theoretische Erklärung zur Entstehung ökonomischer Blasen
- Eine Beispiel ökonomischer Blasen, unterstützt durch empirische Befunde
- Ein mögliches Steuerkonzept zur Bekämpfung spekulativer Blasen

2. Minskys Theorie finanzieller Instabilität

Wie in der Volkswirtschaftslehre üblich, existieren auch bei der Erklärung ökonomischer Blasen verschiedene, zum Teil miteinander konkurrierende Ansätze. Da die Abweichungen innerhalb der Literatur nicht selten auf politische oder ideologische Differenzen zurückzuführen sind, habe ich mich dafür entschieden, nur einen Erklärungsansatz in den Mittelpunkt meiner Ausführungen zu stellen. Die Entscheidung für Minskys Theorie „Finanziellen Instabilität“3 fiel mir aus zwei Gründen relativ leicht. Zum einen erlebt Minsky wie viele Postkeynesianer zurzeit eine unerwartete Renaissance in Forschung und Lehre4. Zum andere lässt sich sein Ansatz in vielen Punkten anschaulich auf die Praxis übertragen.

Unabhängig von der ökonomischen Schule wird der Ablauf einer ökonomischen Blase bei den meisten Autoren ähnlich dargestellt5. Zunächst kommt es über einen längeren Zeitraum zum Preisanstieg für bestimmte Güter oder Vermögenswerte. Dabei beginnt der Preisanstieg langsam, wird immer stärker und führt anschließend zu exponentiellem Wachstum. Ein negativer Schock führt dann häufig zu einem abrupten Preisverfall und somit zum Platzen der Blase, von dem sich der betroffene Markt häufig nur langfristig erholt. Dieser Verlauf wird häufig auch als „Boom-Bust-Zyklus“6 bezeichnet.

Hyman P. Minsky konzentriert sich dabei zusätzlich auf die Finanzierungsstrukturen von Haushalten, Unternehmen und Banken und unterscheidet drei verschiedene Arten der Finanzierung7:

- Die sichere Finanzierung
- Die spekulative Finanzierung
- Die Ponzifinanzierung

Die sichere Finanzierung stellt dabei das geringste Risiko dar. Sie umfasst Akteure, die mit ihren Einnahmen sowohl die aufgenommenen Kredite als auch die laufenden Zinsen tilgen können. Sie bleiben von der direkten Entwicklung an den Finanzmärkten häufig unberührt.

Bei der spekulativen Finanzierung befinden sich die Marktteilnehmer in einer Situation, in der sie mit ihrem Einkommen zwar die laufenden Zinsen tilgen, die Kredite selbst jedoch nicht mehr begleichen können. Sie sind auf eine hohe Liquidität an den Finanzmärkten angewiesen, um immer wieder neue Kredite aufnehmen- bzw. die bestehenden Kredite verlängern zu können.

Bei der Ponzifinanzierung können weder die Kredite, noch die Zinsen mit den laufenden Einnahmen beglichen werden. Aus diesem Grund sind Ponzifinanzierer darauf angewiesen, dass die Preise ihrer Assets dauerhaft steigen, um durch diesen Gewinn alle anfallenden Kosten tilgen zu können. Diese Art der Finanzierung ist damit hoch spekulativ und unterliegt dem Risiko ausbleibender Preissteigerungen. Die Finanzierungsstruktur der Marktteilnehmer nimmt somit großen Einfluss auf die Stabilität eines Wirtschaftssystems. Je höher der Anteil spekulativer- oder Ponzifinanzierer desto größer das Risiko eines Preisverfalls mit tiefgreifenden ökonomischen Folgen.

Kommt es in Folge eines wie zu Beginn beschriebenen wirtschaftlichen Aufschwungs, steigen gleichzeitig auch die Gewinnerwartungen. Viele Marktteilnehmer werden so dazu veranlasst, sich zu verschulden, um mit Hilfe von Krediten auf weitere Preissteigerungen von Immobilien, Aktien, Währungen usw. zu spekulieren8. Treten diese Wertsteigerungen dann tatsächlich ein, entfacht dies häufig eine Euphorie und Dynamik, die die Angst vor einer möglichen Rezession mit fallenden Preisen verdrängt9.

Kommt es nun zu einem Schock, wird ein folgenschwerer Prozess in Gang gesetzt: Die Ponzifinanzierer (besonders Haushalte und Banken) gehen in kürzester Zeit insolvent und hinterlassen offene Forderungen (z.B. in Form von nicht beglichenen Bankkrediten). Die Banken reagieren ihrerseits auf den vermehrten Forderungsausfall und schränken ihre Kreditvergabe auf ein Minimum ein. Dies wiederum bringt große Probleme für die Marktteilnehmer mit sich, die auf eine spekulative Finanzierung vertraut haben, da die Banken ihnen keine Liquidität mehr zur Verfügung stellen und somit auch bestehende Kredite, wie es eigentlich nötig wäre, nicht verlängern. Diese Einschränkung der Kreditvergabe der Banken hat automatisch Folgen für den realwirtschaftlichen Sektor, da ausreichend Liquidität die Grundlage für Investitionen und somit steigende Beschäftigung darstellt10.

Eine besondere Bedeutung haben für Minsky außerdem die bereits erwähnten Schocks, die eine spekulative Blase zum Platzen bringen können. Der ökonomische Mainstream und besonders die Neoklassik kennen lediglich sog. Externe Schocks in Form von Kriegen oder anderen Katastrophen11. Minsky erweitert diesen Ansatz. Seiner Meinung nach sei es durchaus möglich, dass ein instabiles Finanzsystem auch von innen heraus, also durch die eigenen Marktteilnehmer, eine Krise entfachen könne und dafür keinen externen Schock benötige. Als Beispiel hierfür nennt er u.a. technologischen Fortschritt, in dessen Zuge zuvor hochgehandelte Produkte oder Dienstleistungen plötzlich an Wert verlören und es am Markt für diese Produkte zu abrupten Preiseinbrüchen kommen könne12.

3. Die US amerikanische Immobilienblase

Nachdem ich im zurückliegenden Kapitel Minskys Theorie „Finanzieller Instabilität“ als einen Erklärungsansatz für das Entstehen spekulativer Blasen dargestellt habe, möchte ich nun überprüfen, inwieweit sich diese auf die Realität übertragen lässt. Als Beispiel thematisiere ich an dieser Stelle die US-amerikanische Immobilienblase, deren Platzen in den Jahren 2007-2008 in eine Finanz- und Wirtschaftskrise13 mündete. Dieses Kapitel stellt den Versuch dar, empirische Befunde mit theoretischen Aspekten zu verknüpfen.

Ökonomische Kennzahlen

Zu Beginn dieses Kapitels möchte ich kurz einige für den weiteren Verlauf der Untersuchung wichtige ökonomische Kennzahlen darstellen, die ich an verschiedenen Stellen wieder aufgreifen werde. Dies soll dazu dienen, die Ausgangslage der USA vor der Krise besser nachzuvollziehen. Folgende Größen werde ich dabei genauer betrachten:

- Das Bruttoinlandsprodukt (BIP)
- Die Konsum und Sparquote der privaten Haushalte
- Die Entwicklung der Immobilienpreise

Die USA sind auch nach der vergangenen Krise weiter unangefochten die größte Volkswirtschaft der Welt. Das amerikanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag im Jahr 2011 bei ca. 15,1 Billionen US Dollar14. Abbildung eins zeigt, dass die USA ihre Wirtschaftsleistung seit 1990 jährlich steigern konnten. Bereits zwischen 1990 und 1999 wuchs das BIP um ca. 38% um zwischen 2000 und 2008 noch einmal um 45% zuzulegen15.

Abb.1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Darstellung zeigt auch, dass die Wirtschaftsleistung im Jahr 2009, also unmittelbar nach Platzen der Immobilienblase, erstmals einen Rückgang verzeichnet, sich jedoch im Jahr 2010 bereits wieder erholten konnte. Auf keinen Fall sollte man jedoch die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Krise unterschätzen. So stiegen die amerikanischen Staatsschulden zwischen 2007 und 2010 um ca. 51,9% von 9,421 Billionen auf 14,312 Billionen US-Dollar an16. Noch drastischer waren die Folgen für die Arbeitslosenquote, die im Jahr 2007 einen Tiefststand von 4,62% erreicht hatte. Bis 2010 stieg sie auf 9,63%, was einem Anstieg von ca. 108,4% entspricht17.

[...]


1 http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kommentar-zum-spd-kanzlerkandidaten-steinbrueck-fuer-die-wahl-2013-a-858498.html

2 http://www.ftd.de/politik/deutschland/:spd-plan-was-steinbrueck-mit-banken-und-boerse-vor-hat/70095908.html

3 „J. M. Keynes. Finanzierungsprozesse, Investition und Instabilität des Kapitalismus“, Minsky (1990), S.217

4 Nachdem die Finanzmärkte in den vergangenen beiden Jahrzehnten konsequent liberalisiert wurden, offenbarte die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise strukturelle Schwächen, auf die von den Autoren alternativer Wirtschaftspolitik lange Zeit hingewiesen wurde.

5 http://www.ecb.int/press/key/date/2011/html/sp110503.de.html

6 http://www.efv.admin.ch/d/downloads/publikationen/arbeiten_oekonomenteam/workingpapers (...)

7 „J. M. Keynes. Finanzierungsprozesse, Investition und Instabilität des Kapitalismus“, Minsky (1990), S.218

8 „J. M. Keynes. Finanzierungsprozesse, Investition und Instabilität des Kapitalismus“, Minsky (1990), S.106

9 Häufig sinkt die Zahl sicherer, zu Gunsten spekulativer Finanzierung.

10 Außerdem zeigte die japanischen Krise die Gefahren einer Deflation berücksichtigt werden.

11 „J. M. Keynes. Finanzierungsprozesse, Investition und Instabilität des Kapitalismus“, Minsky (1990), S.84

12 http://www.efv.admin.ch/d/downloads/publikationen/arbeiten_oekonomenteam/workingpapers (...)

13 Auch: Subprime- oder Finanzmarktkrise

14 Auf den Plätzen zwei und drei folgen China und Japan mit 7,3 bzw. 5,9 Billionen US-Dollar.

15 http://epub.sub.uni-hamburg.de/epub/volltexte/2011/7326/pdf/WHL_Schrift_Nr_25.pdf

16 http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1975/umfrage/staatsverschuldung-der-usa/

17 http://de.statista.com/statistik/daten/studie/17332/umfrage/arbeitslosenquote-in-den-usa/

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668072534
ISBN (Buch)
9783668072541
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v308835
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Fachbereich Sozialökonomie
Note
1,3
Schlagworte
Finanztransaktionssteuer Finanzmarktregulierung Blasen Immobilienkrise Bankenkrise Bankenregulierung

Autor

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