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Zusammenhänge zwischen der kognitiven Entwicklungen eines Kindes und der Eigenaktivität im Schulleben

von Duygu Gecer (Autor)

Hausarbeit 2012 14 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Jean Piaget

Grundlagen der Lehre Jean Piagets

Die Stufen der kognitiven Entwicklung nach Jean Piaget

Kritikpunkte an Piagets Modell zur kognitiven Entwicklung

Der offene Unterricht

Merkmale

Ziele des offenen Unterrichts

Die kognitiven Fähigkeiten eines Kindes verknüpft mit dem Grundgedanken der Montessori-Pädagogik

Einteilung der Entwicklungsphasen

Achtung vor dem Kind

Die sensiblen Phasen

Die Stellung des Lehrers in der Montessori-Schule

Das Montessori-Material

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„… jedes Mal, wenn wir einem Kind etwas frühzeitig beibringen, das er später für sich selbst hätte entdecken können, wird diesem Kind die Chance genommen, es selbst zu erfinden und es infolgedessen vollkommen zu verstehen.“[1]

Unsere Pädagogik ist von Jean Piaget und seinen Stadien der kognitiven Entwicklung des Menschen geprägt. Die folgende wissenschaftliche Arbeit soll nun den Zusammenhang zwischen der kognitiven Entwicklung eines Kindes mit der Eigenaktivität im Schulleben herausarbeiten. Der Blick richtet sich hierbei auf die offene Unterrichtsform und die Frage nach ihrer Sinnigkeit im Schulalltag. Hierfür möchte ich im ersten Schritt das Modell des Piagets vorstellen und dann den offenen Unterricht.

Jean Piaget

Jean Piaget war im Rahmen seiner Arbeit an psychoanalytischen bzw. psychologischen Instituten an der Entwicklung und Einführung einer Testreihe zu Verständnisprozessen bei Kindern beteiligt. Als seine erste Tochter geboren wurde, begann er das Verhalten und insbesondere das Denken der Kinder genau zu beobachten. Seine Einsicht hielt er in Protokollen fest. Damit legte er den Grundstein zu einer mehr als 50-jährigen Forschungs- und Lehrtätigkeit zur geistigen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.[2]

Grundlagen der Lehre Jean Piagets

Die Grundlagen der Lehre beschreibt Piaget mit dem Wechselspiel zwischen Assimilation und Akkommodation. Dieser Prozess wird Adaptation genannt.

Die kognitive Entwicklung des Menschen wird dadurch angestoßen, dass das innere Gleichgewicht gestört wird. Es liegt in der Natur des Menschen nun nach einem neuem Gleichgewicht zu streben, diesen Prozess fasst Piaget unter dem Begriff „Aquilibration“ zusammen. Dieses Gleichgewicht kann entweder durch die Assimilation oder durch die Akkommodation zurückgewonnen werden. Diese Begriffe sollen nun anhand eines Beispiels näher erläutert werden:

Ein Kind sieht einen Hund und nimmt die Merkmale „groß “, „leckt am Ohr“, „wedelt mit dem Schwanz“ wahr und folgert daraus seine eigene Handlungen wie z.B. „hingehen“ oder „streicheln“. Nun sieht dieses Kind einen anderen Hund, der zwar anders als die ihm bekannten Hunde aussieht aber in den wesentlichen Merkmalen mit diesem Hund übereinstimmt. Dieser Hund wird in das kognitive Schema assimiliert. Nun kommt ein dritter Hund dazu, er sieht ganz anders aus als die bisher bekannten und unterscheidet sich in einer wesentlichen Eigenschaft: Er ist klein und bissig. Das kognitive Schema wird nun angepasst, die Akkommodation. Dieses Kind hat zu seinem bestehenden Schemata nun neue Merkmale hinzugefügt und weiß jetzt, dass ein Hund „groß oder klein“ und „beißen“ kann und akkommodiert dies auf sein Verhalten, welches nun einerseits „hingehen und streicheln“ oder „weglaufen“ sein kann.

Die Stufen der kognitiven Entwicklung nach Jean Piaget

Der Schwerpunkt des Modells von Jean Piaget liegt auf der kognitiven Entwicklung des Menschen und umfasst die Altersspanne von 0 – 14 Jahren. Die Grundlagen seiner Arbeit sind experimentelle Spielversuche und Interviews mit Kindern.

Die kognitive Entwicklung des Menschen wurde von Piaget in vier Stadien unterteilt. Am Ende jedes Stadiums ist eine strukturelle Änderung des Denkens erkennbar. Die einzelnen Stadien fließen ineinander und sind aufeinander aufgebaut, d.h. das keines der Stadien übersprungen werden kann.

1. Sensomotorische Stufe ( Geburt bis 2 Jahre)

Die sensomotorische Stufe beginnt mit der Geburt und endet circa mit dem 2. Lebensjahr. Sie ist entscheidend und prägend für die Entwicklung des Kindes. Piaget wählt den Begriff der Sensomotorik, da er einerseits die Sinneserfahrung und andererseits das sichtbare Verhalten (die Bewegung) des Säuglings in diesem Stadium hervorheben möchte. Der Säugling lernt sich selbst von der Umwelt zu unterscheiden. Er überwindet hierbei den physikalischen Egozentrismus („ich“ - „nicht-ich“). Außerdem sucht er Stimulation und strebt nach der Wiederholung interessanter Ergebnisse, die sogenannte Kreisreaktion in der eine Spontanaktivität zu einem angenehmen Ergebnis führt, welches dann gezielt wiederholt wird.

2. Präoperationale Stufe (2-7 Jahre)

Auf die sensomotorische Stufe folgt dann die präoperationale Stufe, welches dann noch einmal in die egozentrische Phase ( 2-4 Jahre) und in die intuitive Phase ( 4-7 Jahre ) unterteilt ist. In diesem Stadium hat das Kind den Entwicklungsstand erreicht, um Operationen, d.h. logische gedankliche Prozesse, vornehmen zu können. In der egozentrischen Phase ist das Kind noch unfähig die Perspektive anderer einzunehmen (Egozentrismus) und klassifiziert Dinge nur nach einer Haupteigenschaft (Zentrierung). Ab dem vierten Lebensjahr beginnt das Kind in Klassen und Relationen zu denken und mit Zahlen zu operieren. Diese Operationen sind aber noch rein anschaulich, d.h. an die Wahrnehmung gebunden.

3. Stufe der konkreten Operationen (7-11 Jahre)

Die dritte Stufe des Modells soll nun ausführlich dargelegt werden, da sie für die Fragestellung entscheidend ist.

Das Kind beherrscht in konkreten Situationen logische Operationen wie Umkehrbarkeit, Klassifikationen ( e.g. die Teilklasse „Mädchen“ und die Teilklasse „Jungen“ ergeben zusammen die Klasse „Kinder“), und das Herstellen von Rangordnungen (e.g. klein, kleiner, am kleinsten). Es wird deutlich, dass das Kind nach und nach verschiedene Perspektiven einnehmen kann. Das Kind lernt in dieser Stufe die Reversibilität bzw. reversibles Denken (Umkehrbarkeit von Gedanken) und kann somit die „Invarianz der Menge“ begreifen.

Jean Piaget hat zum Thema Invarianz der Menge einen „Umschüttversuch“ gemacht. Bei diesem Versuch wurden Kindern zwei unterschiedliche Gefäße (hoch und schmal; breit und niedrig) gezeigt und eine Flüssigkeit von einem in das andere Gefäß und wieder zurück geschüttet. In der präoperationalen Stufe würde das Kind auf die Frage: „In welchen Gefäß ist nun mehr drin?“ eins der beiden nennen. Es versteht also noch nicht, dass sich die Menge durch den Prozess des Umschüttens nicht verändert. Ein Kind das in der konkret-operationalen Stufe ist gelingt es sich den Prozess vor Augen zu führen und so zu erkennen, dass stets derselbe Inhalt von Glas zu Glas transportiert wird und es keine Veränderung der Flüssigkeit gibt.

Die Kinder machen sich frei von einer Unmittelbarkeit der Anschauung.

In dieser Stufe können Schulkinder dann auch begreifen, dass die Subtraktion die Umkehrung der Addition ist. Dies ist auch der Grund dafür, dass in der Grundschule konkrete Gegenstände gezählt werden. So können die Kinder ihren gedanklichen Egozentrismus überwinden, d.h. sie können Empathie aufbauen und sich in andere Perspektiven versetzen.

4. Stufe der formalen Operationen (11-14 Jahre)

Die letzte Stufe, die von Jean Piaget benannt wurde, ist die Stufe der formalen Operationen. Das Kind lernt in dieser Stufe das Metadenken, d.h. es kann über das Denken nachdenken. Außerdem entwickeln sie unterschiedliche Wege des Denkens und zwar einerseits das induktive Denke, d.h. das sie aus Begebenheiten und/oder Erfahrungen Folgerungen ziehen und somit Theorien entwickeln anderseits gibt es das deduktive Denken, d.h. mit dem Blick auf einen bestimmten Sachverhalt wird zunächst eine Theorie entwickelt die dann auf die Umwelt bezogen werden kann bzw. an ihr überprüft wird.

Alle Kinder lernen in der Stufe der formalen Operationen das abstrakte Denken, diese Entwicklung geschieht von Kind zu Kind anders.[3]

Kritikpunkte an Piagets Modell zur kognitiven Entwicklung

An dieser Stelle meiner wissenschaftlichen Arbeit möchte ich auch auf die Kritikpunkte, an das Entwicklungsmodell des Piagets, eingehen.

Menschen entwickeln sich in verschiedenen Entwicklungsbereichen unterschiedlich schnell und befinden sich somit nicht in allen Bereichen in einer Stufe, die sogenannte intraindividuelle Variabilität. Außerdem sind Menschen einer Altersstufe zu unterschiedlich, als dass sie einer gemeinsamen Entwicklungsstufe zugeordnet werden können, die sogenannte interindividuelle Variabilität.

Kognitive Leistungen hängen auch stark vom Vorwissen und der Intelligenz, sowie von kulturellen, historischen und sozialen Bedingungen ab.

Es stellt sich ferner die Frage, ob (bei allen Menschen) die Entwicklung nach der 4. Stufe vollständig abgeschlossen ist.

[...]


[1] Zitat: Jean Piaget: http://www.leben-ohne-schule.de/zitate.html

[2] http://www.personenlexikon.net/d/jean-piaget/jean-piaget.htm

[3] http://www.uni-due.de/edit/lp/kognitiv/piaget.htm

Details

Seiten
14
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668116313
ISBN (Buch)
9783668116320
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v308828
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,7
Schlagworte
Grundschule Pädagogik Didaktik Piaget

Autor

  • Duygu Gecer (Autor)

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