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Praxisbericht mit Unterrichtsentwurf in einer Gewerbeschule für Gastronomie

Thema Unterrichtsstunde: Abgrenzung von GmbH, KG und OHG

Praktikumsbericht (Schule) 2015 41 Seiten

AdA Gastronomie / Hotellerie / Tourismus

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Gewerbeschule für Nahrung und Gastronomie
2.1 Beschreibung der Schule
2.2 Beschreibung der Abteilung

3. Der Unterrichtsentwurf
3.1 Bedienungsfeldfaktoren
3.1.1 Die Schüler
3.1.2 Der Praktikant
3.2 Entscheidungsfeldfaktoren
3.2.1 Stellung der Lektion im Unterricht
3.3 Inhalts- und Zielentscheidungen
3.3.1 Sachanalyse
3.3.1.1 Offene Handelsgesellschaft
3.3.1.2 Gesellschaft mit beschränkter Haftung
3.3.1.3 Aktiengesellschaft
3.3.2 Stoffauswahl / Inhaltsentscheidungen
3.3.3 Situations- / Lebensweltbezug
3.3.4 Lernziel
3.4 Methodische Entscheidungen
3.4.1 Stoffanordnung
3.4.2 Methodik
3.4.3 Sozialformen
3.4.4 Medien
3.4.5 Lehr- Lernzielkontrolle
3.5 Verlaufsplanung
3.6 Kritische Stellungnahmen zur Durchführung des Unterrichtsversuchs
3.7 Anlagen
3.7.1 OHP - Folie zu den Unternehmen und ihren Rechtsformen
3.7.2 Arbeitsblätter zur OHG, GmbH und AG
3.7.3 Beispielhafte Auszüge aus dem Rechtsformen- „Wer wird Millionär“

4. Erkundungsabsicht / Forschungsfrage
4.1 Ziel
4.2 Analyse
4.2.1 Vorstellung des Beobachtungsbogens
4.2.2 Auswertung der Beobachtungsbögen
4.3 Erörterung der Ergebnisse
4.4 Reflexion der Ergebnisse

5. Kritische Stellungnahme zum Unterrichtspraktikum

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Moduls „Schulische Praxisstudien“ absolvierte ich mein erstes Schulpraktikum an einer Gewerbeschule für Nahrung und Gastronomie.. Vom 23. Februar bis zum 20. März 2015 beinhaltete das Praktikum mindestens 75 Hospitations- und Assistenzstunden sowie drei bis fünf eigene Unterrichtsversuche à 45 Minuten. Der Schwerpunkt des Praktikums lag darin, den schulischen Alltag eines Lehrers kennenzulernen und auch erste Unterrichtsentwürfe zu entwickeln und diese in eigenen Unterrichtsstunden anzuwenden. Darüber hinaus sollte anhand einer Forschungsfrage ein bestimmtes Verhalten von Lehrern und Schülern beobachtet und dokumentiert werden.

Mein persönliches Ziel ist es, erstmalig aus der Sicht des Lehrers heraus nicht nur einen Einblick in die Arbeit dieses Berufes, sondern auch in die täglichen Probleme und Herausforderungen die dieser mit sich bringt, zu bekommen. Dieser Rollentausch soll mich darin bestärken, die richtige Berufswahl getroffen zu haben und auch für das weitere Studium motivieren.

In dem folgenden Bericht werde ich zunächst die Gewerbeschule mit allen ihren Angeboten und auch Abteilungen beschreiben. Im Anschluss daran wird einer meiner Unterrichtsversuche wiedergegeben, die in ihm verwendeten Methoden und Sozialformen durchleuchtet und hiernach die Unterrichtsstunde kritisch betrachtet. Es folgt die Vorstellung meiner Erkundungsabsicht, die daraufhin ausgewertet und anschließend ebenfalls kritisch betrachtet wird. Den Schluss dieses Berichts bildet meine Stellungnahme zum gesamten Schulpraktikum.

2. Gewerbeschule für Nahrung und Gastronomie

2.1 Beschreibung der Schule

Vor mehr als 200 Jahren entwickelte sich das berufliche Schulwesen in Xxxxx. Die „Sonntagsschule“ und die „freie Zeichenschule“ waren die Vorläufer der 1841 von der „Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit“ gegründeten „Gewerbeschule“. Auf freiwilliger Basis (die Schulpflicht wurde erst 1909 eingeführt) wurde damals mit 40 Schülerinnen und Schülern[1] begonnen. 1925 wurde das heutige Gebäude an der Parade bezogen. Da es jedoch von Anfang an zu klein war (innerhalb kürzester Zeit gab es mehr als 3000 Schüler), wurden einige Nebenstellen zum Beispiel (z.B.) als Werkstätten genutzt. Mit dem Boom der Wiederaufbaujahre wurde die Schule an der Parade endgültig zu klein, sodass im Jahre 1966 gegenüber der alten Schule das neu errichtete Gebäude in der Dankwartsgrube bezogen wurde. Aus der „Gewerbeschule Xxxxx“, einer Berufsschule für Handwerk und Industrie wurden zwei selbstständige Gewerbeschulen. Es entstanden die „Gewerbeschule I“ in der neuen Schule und die „Gewerbeschule II“ in den alten Gebäuden an der Parade.

Nicht einmal 20 Jahre später wurde aufgrund immer weiter steigender Schülerzahlen die Gründung der Gewerbeschule III notwendig. Gab es 1983 noch eine provisorische Lösung ohne ein eigenes Schulgebäude, so wurde im Jahre 1991 das neue Gebäude für die Gewerbeschule III in der Xxxxxxxxxxxxxxx- Straße eingeweiht.

Knapp ein Jahr später gab es nach langem politischem Ringen um den Standort in Schleswig-Holstein eine weitere Neugründung. 1992 wurde die Hotelfachschule eröffnet.

Nach vielen Modernisierungen und Umbauten und der Zusammenlegung der Gewerbeschulen I und III zur "Xxxxxxxxxx -Schule" im Jahre 2005 besteht die heutige Gewerbeschule für Nahrung und Gastronomie aus dem Hauptgebäude an der Parade, einem Nebengebäude in der Schildstraße und aus der Xxxxxxxxxxxx-Hotelfachschule in der Xxxxxxxx-Straße. Ca. 2000 Schüler werden hier von 70 Lehrerinnen und Lehrern[2] unterrichtet.

Die Basis und das Zentrum der Gewerbeschule bildet die klassische Berufsschule. An dieser wird während der Berufsausbildung das theoretische Wissen im Rahmen des Dualen Systems vermittelt. Zum Angebot der Schule gehören die Ausbildungsberufe des Nahrungsgewerbes wie z.B. Bäcker, Fleischer und Konditoren, Ausbildungsberufe des Gastgewerbes wie z.B. Koch, Hotel- und Restaurantfachmann und Systemgastronom und Ausbildungsberufe der Naturwissenschaften wie z.B. Biologie- und Chemielaborant.

Weitere Angebote sind die Berufsvorbereitung in Vollzeit, während der sich in der Berufsorientierung befindliche Schüler im ausbildungsvorbereitenden Jahr (AVJ) ihre zukünftigen Berufe kennenlernen und zudem einen dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Abschluss erlangen können.

Dem vorgelagert sind seit neuestem die AVJ-DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache). Mit diesem neuen Berufsschulzweig reagiert die Schule auf die große Anzahl an Schülern, die nicht in Deutschland aufgewachsen, aber hier leben und somit schulpflichtig sind, und nur geringe deutschsprachige Kenntnisse besitzen. Die Ausbildungsziele sind vordergründlich der Spracherwerb und die Vorbereitung für die nahrungs- und gastgewerblichen Berufe. Darüber hinaus erhalten die Schüler Unterstützung beim Zurechtfinden in der zunächst noch fremden Gemeinschaft und erhalten Hilfe bei individuellen lebenswichtigen Fragen wie z.B. Behördengängen. Die Klassenlehrer werden dabei in ihrer Integrationsarbeit von Sozialpädagogen unterstützt.

Aufbauend auf das ausbildungsvorbereitende Jahr ist die Berufsfachschule (BFS), die zusätzlich zum Unterricht in den Werkstätten des Gast- und Nahrungsgewerbes durch Praktika Einblicke in die Berufe des Gast- oder Nahrungsgewerbes gewährt. Nach dann insgesamt zwei Jahren kann ein mittlerer Bildungsabschluss erlangt werden.

Ebenfalls möglich ist der Erwerb der Fachhochschulreife. Nach einem Jahr an der Fachoberschule (FOS) besteht diese Möglichkeit für Schüler, die eine abgeschlossene Berufsausbildung und den mittleren Abschluss vorweisen können. Darauf aufbauend kann ein zweites Jahr an der Berufsoberschule (BOS) mit der Hochschulreife abgeschlossen werden.

Ein in Deutschland einzigartiges Angebot gibt es an der Hotelfachschule. Schüler, die über eine Ausbildung im gastronomischen Bereich inklusive mindestens zweier Jahre Berufserfahrung verfügen, können an dieser Schule nicht nur nach zwei Jahren den Betriebswirt für ihren Berufszweig und zusätzlich die Fachhochschulreife erlangen, sondern zudem nach dem ersten Jahr ihre Meisterprüfung ablegen. Der Fokus der Hotelfachschule liegt auf der Qualifikation für Führungspositionen. Dazu werden die Schüler in den Fächern der Betriebswirtschaft, Rechnungswesen, Datenverarbeitung, Pädagogik und auch in Sprachen unterrichtet.

Dabei kommt den Sprachen nicht nur an der Hotelfachschule, sondern in allen gastronomischen Ausbildungsberufen eine hohe Bedeutung zu. Denn Internationalität gehört hier zum Tagesgeschäft. Ob Englisch, Französisch, Spanisch oder in Zukunft auch skandinavische Sprachen, die Vermittlung von Fremdsprachen ist ein wesentlicher Bestandteil des Lernangebots. Dazu gehört auch die Möglichkeit, sich an Schüleraustauschen zu beteiligen. Dafür pflegt die Gewerbeschule internationale Kontakte in Frankreich, Spanien und sogar in Guadeloupe.

Bei all der fachlichen Kompetenz, die bei solch einem breit gefächertem Angebot vonnöten ist, hat die Gewerbeschule in Xxxxx Leitsätze entwickelt, deren Einhaltung der Schulleitung und dem ganzen Kollegium sehr am Herzen liegt. So ist es ihnen wichtig, dass die Lehrer über eine Berufsausbildung sowie Praxiserfahrung verfügen und in der Regel (i.d.R.) genau jene Berufsgruppen praxisorientiert unterrichten, in denen sie ihre Ausbildung absolviert haben. Eine fortwährende Weiterbildung und auch die Erprobung unterschiedlicher pädagogischer Ansätze sind ebenfalls Aufgaben, denen sich die Lehrer verpflichtet fühlen. Des Weiteren sind der verantwortungsvolle, freundliche und wertschätzende Umgang miteinander, mit den Schülern, ihren Eltern und auch den Ausbildern genauso hervorzuheben, wie auch eine Förderung der Teamentwicklung anhand schulinterner Fortbildungen und verschiedenster Veranstaltungen außerhalb der Schule.

2.2 Beschreibung der Abteilung

Während meines Praktikums habe ich meine praktischen Studien nahezu in allen Abteilungen der Gewerbeschule absolviert. Dies liegt vor allem daran, dass es für meine Forschungsfrage (Wie reagiert der Lehrkörper auf „Nicht-Beteiligung“ der Schüler im Anschluss an eine Frage an die Klasse?) wichtig war, möglichst viele unterschiedliche Schüler- und Lehrertypen kennenzulernen. Dabei habe ich bewusst Abstand davon genommen, mich, wie vorhergesehen, ausschließlich auf wirtschaftliche Fächer zu konzentrieren.

Zu Beginn meines Praktikums habe ich hauptsächlich die Klassen der Hotelfachschule, zugehörig zur Abteilung VI: „Fachschule/BGJ“ (Berufsgrundbildungsjahr), besucht. Dies hatte den Vorteil, dass Fächer wie Rechnungswesen, Wirtschaftsmathematik oder Wirtschaftsrecht genau den Inhalten meines Studiums entsprachen. Ich durfte aber recht schnell feststellen, dass diese Klassen sehr engagiert waren und somit kaum Material für meine Forschungsfrage lieferten.

Daraufhin beschloss ich, auch auf Anraten des Schulleiters Herrn Xxxxxx, Klassen in anderen Abteilungen der Gewerbeschule zu besuchen. Dazu gehörte vor allem die FOS 14-2 aus der Abteilung IV: „FOS/BOS/Systemgastronomie“, die ihrer Fachhochschulreife entgegenstrebte. Hier hospitierte ich in Fächern wie BWL, Marketing und Mathematik und durfte zu Thema „Angebot und Nachfrage“ meine erste eigene Unterrichtsstunde geben.

Darüber hinaus besuchte ich Köche und Bäckereifachverkäufer der Abteilungen II: „Gastgewerbe“ und III: „Nahrungsgewerbe“, da diese Klassen mitunter als schwierig galten und daher viel Material für meine Forschungsfrage versprachen. Sehr interessant waren auch die Besuche des Deutschunterrichts in den bereits kurz beschriebenen AVJ-DaZ-Klassen. Zu beobachten, wie die Lehrer mit den verschiedenen Kulturen und Mentalitäten der Schüler aus den unterschiedlichsten Ländern umgingen, war sehr lehrreich.

Einen weiteren Schwerpunkt legte ich bei den Systemgastronomen der Klasse Syst 12, ebenfalls aus der Abteilung II: „Gastgewerbe“. Diese, im weiteren Verlauf des Berichts näher beschriebene Klasse, stand kurz vor ihrer Abschlussprüfung. Viele Lehrer begannen hier bereits mit der Wiederholung wichtiger, prüfungsrelevanter Themen, sodass es mir möglich war, relativ frei ein Thema auszuwählen und zu unterrichten. Eine große Herausforderung bestand in dieser Klasse aus einem sehr heterogenen Leistungsniveau. Herauszufinden, ob ich im Rahmen meines Unterrichts in der Lage bin, diese Herausforderung zu bewältigen, war mir, auch im Hinblick auf meine weitere berufliche Zukunft, sehr wichtig.

3. Der Unterrichtsentwurf

Der im Folgenden beschriebene Unterrichtsentwurf wurde von mir für Dienstag den 17. März 2015, die dritte Stunde (11:40 - 13:10), in der Klasse Syst12 (Fachmann für Systemgastronomie im dritten Lehrjahr) erstellt. In dieser Stunde wurde, laut Stundenplan, normalerweise Rechnungswesen unterrichtet. Da jedoch die im Lehrplan vorgeschriebenen Inhalte bereits durchgenommen wurden und sich die Klasse in der Prüfungsvorbereitung befand, entschieden der verantwortliche Lehrer, Herr Xxxxxx, und ich uns dafür, dass ich eine Wiederholungsstunde zum prüfungsrelevanten Thema „Unternehmensformen“ durchführte.

3.1 Bedienungsfeldfaktoren

3.1.1 Die Schüler

Die Klasse Syst12 setzt sich aus insgesamt elf Schülerinnen und sechs Schülern im Alter von 18 - 30 Jahren zusammen. Von diesen Schülern haben zwei Schülerinnen und zwei Schüler einen Migrationshintergrund. Alle vier sind aber in Deutschland aufgewachsen und haben keine Probleme mit der deutschen Sprache. Neun Schüler der Klasse haben einen Hauptschulabschluss, der Rest verfügt über einen mittleren Bildungsabschluss.

Die Klasse ist im letzten Lehrjahr mit den Schülern der alten Syst-12-FG zusammengelegt worden. Das bedeutet, dass zwei Schüler und drei Schülerinnen aus dem zweijährigen Ausbildungsberuf Fachkraft im Gastgewerbe Schwerpunkt Systemgastronomie nach bestandener Prüfung nun das dritte Lehrjahr gemeinsam mit den Schülern besuchen, die von Anfang an im Ausbildungsberuf Fachmann für Systemgastronomie gelernt haben. Nach dem dritten Lehrjahr gehen dann alle gemeinsam in die Abschlussprüfung.

Das Leistungsniveau in der Klasse ist sehr heterogen. Es gibt vier Schülerinnen und einen Schüler, die in der Regel sehr schnell und zielorientiert lernen und arbeiten. Gerade diese Schüler haben ein hohes Interesse daran, etwas zu lernen und fühlen sich oft gestört bzw. gehemmt durch zwei eher träge Schüler, die seit gut einem Jahr weit unter ihren Möglichkeiten am Unterrichtsgeschehen teilnehmen. Dann gibt es eine Schülerin und einen Schüler, die nur mit großen Schwierigkeiten und viel Unterstützung dem Unterricht folgen können. Die Klasse ist also klassisch dreigeteilt. Ein Drittel kommt sehr gut mit, ein Drittel könnte mehr leisten, will oder kann aber nicht sofort und ein Drittel ist etwas überfordert, bemüht sich aber den Anschluss zu halten. Die Klassengemeinschaft kann man als vorbildlich bezeichnen. Es herrscht zwar manchmal ein ruppiger Umgangston zwischen einzelnen Schülern und Schülerinnen, im Zweifelsfall hält die Klasse aber bedingungslos zusammen und unterstützt sich gegenseitig bei der Bewältigung von Aufgaben. Hier sind insbesondere die stärkeren Schüler hervorzuheben, die regelmäßig völlig freiwillig und unaufgefordert die schwächeren in der Klasse unterstützen. Auch der Umgang mit Herrn Xxxxxx ist sehr herzlich und freundschaftlich. Nach den drei Jahren, die Herr Xxxxxx diese Klasse unterrichtet, hat sich ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zwischen ihm und der Klasse entwickelt. Lehrer und Schüler wissen genau, dass sie sich zu 100 Prozent aufeinander verlassen können. Die Lernatmosphäre hat sich dabei, mit der immer näher rückenden Abschlussprüfung, zunehmend positiv entwickelt, sodass man den Eindruck gewinnt, als wenn eine große Gemeinschaft das gemeinsame Ziel verfolgt, die Prüfung mit Erfolg zu bestehen.

3.1.2 Der Praktikant

Zur Zeit des Praktikums absolvierte ich das dritte Semester des Bachelors der Wirtschaftspädagogik mit dem Nebenfach Mathematik. Wenn man davon absieht, dass ich während meiner ca. zehnjährigen Berufszeit als Koch immer auch mit Auszubildenden zu hatte und unter anderem in meiner Position als Küchenchef auch für deren Ausbildung verantwortlich war, besitze ich keinerlei Vorerfahrungen im Unterrichten von Schülern. Vor der dokumentierten Unterrichtsstunde hatte ich allerdings die Möglichkeit, in der Klasse FOS 14-2 im Fach BWL zu unterrichten, sodass ich meine anfängliche Aufregung ablegen konnte und mit Zuversicht in den Unterricht mit den Systemgastronomen der Klasse Syst12 ging. Diese Klasse durfte ich zudem auch schon in der Woche davor kennenlernen, als ich bei ihnen im Fach Rechnungswesen hospitierte.

Vorkenntnisse den Unterrichtsinhalt betreffend kann ich aus den Fächern des Studiums wie Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, Grundkurs Recht der Wirtschaft oder Marketing und auch aus meiner Zeit an der Hotelfachschule Xxxxx, an der ich in ähnlichen Fächern unterrichtet wurde, vorweisen. Daher war mir die Thematik der Unternehmensformen vertraut.

3.2 Entscheidungsfeldfaktoren

3.2.1 Stellung der Lektion im Unterricht

Das Thema Unternehmensformen ist nach dem Rahmenlehrplan für den Fachmann für Systemgastronomie Bestandteil des Lernfelds 3.1 Systemorganisation im 3. Ausbildungsjahr. Die Fächer des Bereichs Wirtschafts- und Betriebslehre sind im dritten Ausbildungsjahr inhaltlich mit den Fächern Produktentwicklung und -pflege und Betriebsführung verknüpft und tragen zur Sicherung der kaufmännischen Grundbildung bei.

Die Schüler hatten in Rahmen des Betriebswirtschaftsunterrichts und auch in anderen Fächern, wie z.B. Marketing, bereits Berührungen mit diesem Thema. Mein Unterrichtsversuch, für den mir eine Unterrichtseinheit à 90 Minuten zur Verfügung gestellt wurde, stellt eine reine Wiederholung zur Prüfungsvorbereitung dar und ist nicht mit dem regulären Unterricht verknüpft.

Ziel meiner Unterrichtseinheit ist es, dass die Schüler ihr bereits erlerntes Wissen noch einmal auffrischen und in der Lage sind, Personen- und Kapitalgesellschaften voneinander abzugrenzen und die verschiedenen Voraussetzungen zur Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) , einer Aktiengesellschaft (AG) oder einer Offenen Handelsgesellschaft (OHG) kennen.

3.3 Inhalts- und Zielentscheidungen

3.3.1 Sachanalyse

Nach Alfons Kraft[3] gibt es drei begriffswesentliche Merkmale einer Unternehmensgesellschaft: Es handelt sich um eine privatrechtlich gegründete Personenvereinigung zur Verfolgung eines gemeinsamen Zweckes. Bei der Gründung gibt es nicht nur eine optimale Möglichkeit der Rechtsformwahl. Jede Rechtsform der Unternehmen hat Vor- und Nachteile in persönlicher, finanzieller, rechtlicher und steuerlicher Hinsicht. Unterschieden wird bei den Rechtsformen der Unternehmen zwischen der Einzelunternehmung, den Personengesellschaften, Kapitalgesellschaften, den "Mischformen" sowie den sonstigen Rechtsformen. In der vorliegenden Lehrprobe werden jedoch nur die Personengesellschaften (in diesem Fall exemplarisch die OHG) und die Kapitalgesellschaften (GmbH und AG) behandelt.

3.3.1.1 Offene Handelsgesellschaft

Zur Gründung einer OHG sind mindestens zwei Kaufleute vonnöten. Dabei kann es sich sowohl um natürliche als auch um juristische Personen handeln. Ein Gesellschaftsvertrag ist aufzusetzen, wobei nur dann eine Schriftform vorgegeben ist, falls etwas vom Handelsgesetzbuch (HGB) abweichendes verfasst wurde. Der Eintrag ins Handelsregister ist Pflicht. Ein Mindestkapital zur Gründung ist im Unterschied zu den Kapitalgesellschaften nicht notwendig. In der Regel wird im Gesellschaftsvertrag vereinbart, in welcher Höhe und Form die Gesellschafter eine Kapitaleinlage leisten. Für Schulden der Gesellschaft haftet jeder Gesellschafter neben seinem Gesellschaftsvermögen auch mit seinem Privatvermögen und zwar in unbeschränkter Höhe und zudem auch solidarisch, was bedeutet, dass jeder einzelne Gesellschafter auch alleine für alle Schulden einstehen können muss, falls andere Gesellschafter zahlungsunfähig sind. Alle Gesellschafter sind zur Führung der Geschäfte berechtigt und verpflichtet. Grundsätzlich ist jeder Gesellschafter ermächtigt, die Gesellschaft nach außen alleine zu vertreten. Allerdings steht jedem Gesellschafter auch ein Widerspruchsrecht zu, bei dessen Ausübung das Geschäft unterbleiben muss. Wird die Gewinnverteilung zwischen den Gesellschaftern nicht individuell im Gesellschaftsvertrag geregelt, kommt die gesetzliche Vorgabe des HGB zum Tragen. Demnach erhält zunächst jeder Gesellschafter vom Gewinn der OHG vorab einen Betrag von vier Prozent auf seinen Kapitalanteil gutgeschrieben. Der Restbetrag wird nach Köpfen verteilt. Auch die Verteilung der Verluste erfolgt nach Köpfen.

3.3.1.2 Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Zur Gründung einer GmbH ist mindestens eine Person notwendig. Auch hier kann es sich sowohl um natürliche als auch um juristische Personen handeln. Die Gesellschafter vereinbaren einen Gesellschaftsvertrag, der mindestens Firma, Sitz und Gesellschaftsgegenstand der GmbH, die Höhe des Stammkapitals und Übernahme der Stammeinlagen durch die Gesellschafter enthalten muss. Eine GmbH entsteht erst mit der Eintragung in das Handelsregister. Dazu ist der Gesellschaftsvertrag notariell zu beurkunden. Das Stammkapital muss insgesamt mindestens 25.000 € betragen und kann aus Bar- aber auch aus Sacheinlagen bestehen. Zur Eintragung in das Handelsregister muss jeder Gesellschafter mindestens 25% seiner versprochenen Stammeinlage eingezahlt haben und die Summe der eingezahlten Stammeinlagen der Gesellschafter muss zudem mindestens die Hälfte des Mindeststammkapitals von 25.000 € betragen. Anders als bei der OHG haftet die GmbH gegenüber Gläubigern nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen. Verletzt der Geschäftsführer jedoch seine Sorgfaltspflicht, haftet er mit seinem persönlichen Vermögen. Die Gesellschafter selbst haften grundsätzlich nicht für die Verbindlichkeiten der GmbH. Die Geschäftsführung kann entweder der Gründer selbst übernehmen oder ein von ihm eingesetzter Geschäftsführer. Der Geschäftsführer vertritt die GmbH gerichtlich und außergerichtlich. Sind mehrere Geschäftsführer bestellt, sind sie alle nur gemeinschaftlich zur Vertretung der Gesellschaft befugt, sofern nicht der Gesellschaftsvertrag etwas anderes bestimmt. Die Verteilung des Gewinns erfolgt nach dem Verhältnis der Geschäftsanteile, außer im Gesellschaftsvertrag wurde ein anderer Maßstab der Verteilung festgesetzt. Ein Teil des Gewinns kann auch in der GmbH einbehalten werden. Tritt ein Verlust auf, muss dieser von der GmbH selber aufgefangen werden. Eine Verteilung des Verlustes auf die Gesellschafter erfolgt nicht.

3.3.1.3 Aktiengesellschaft

Eine AG kann ebenfalls durch eine oder mehrere Personen gegründet werden. Die Gründer stellen den Gesellschaftsvertrag, die Satzung, auf. Diese muss notariell beglaubigt werden. Die AG entsteht erst mit der Eintragung in das Handelsregister und solange sie noch nicht existiert, haften die Gründungsgesellschafter für Verbindlichkeiten persönlich. Das Grundkapital einer AG muss mindestens 50.000 € betragen und bei der Gründung bereits zur Verfügung stehen und auch dauerhaft erhalten bleiben. Für Verbindlichkeiten der Gesellschaft gegenüber Gläubigern haftet nur das Gesellschaftsvermögen. Das private Vermögen der einzelnen Aktionäre, die hinter der Gesellschaft stehen, haftet nicht. Dies gibt den Aktionären die Sicherheit, dass sich das wirtschaftliche Risiko ihrer Investition auf die gehaltenen Aktien beschränkt. Die Geschäftsführungsbefugnis steht nicht den Gesellschaftern, also den Aktionären zu. Jede AG hat einen Vorstand, der die Gesellschaft leitet. Er kann sowohl aus einer als auch aus mehreren Personen bestehen. Der Vorstand führt die Geschäfte der Gesellschaft und vertritt sie nach außen. Weitere Organe einer AG sind die Hauptversammlung und der Aufsichtsrat. Sie führen eine Kontrollfunktion aus. Der Aufsichtsrat wählt, überwacht und löst den Vorstand gegebenenfalls (ggf.) auf. Die Bestellung des Aufsichtsrats erfolgt grundsätzlich durch die Hauptversammlung. Aus ihrem Gewinn muss die AG zunächst eine gesetzliche Rücklage bilden. Darüber hinaus kann sie ggf. weitere Teile des Gewinns einbehalten und Gewinnrücklagen bilden. Der verbleibende Rest wird an die Aktionäre als Dividende ausgeschüttet. Die Gewinnbeteiligung des Aktionärs richtet sich nach seinem Anteil an der AG bzw. am Grundkapital. Wenn die AG Verluste macht, verlieren die Aktien an Wert. Im schlimmsten Fall kann der Aktionär den gesamten Aktienwert verlieren.

[...]


[1] Im Folgenden wird das generische Maskulinum „Schüler“ geschlechtsneutral und wertungsfrei für Schülerinnen und Schüler verwendet.

[2] Auch hier wird der Einfachheit halber mit dem generischen Maskulinum „Lehrer“ fortgefahren. Bei den folgenden Berufsgruppen ebenso.

[3] Kraft 2000

Details

Seiten
41
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668074903
ISBN (Buch)
9783668074910
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v308758
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,3
Schlagworte
Praktikumsbericht schulische Praxisstudien Unterrichtsversuch Didaktik Methodik Unterrichtseinheit Unterrichtsvorbereitung

Autor

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Titel: Praxisbericht mit Unterrichtsentwurf in einer Gewerbeschule für Gastronomie