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Über die Kunst, Reichtum zu erlangen. Die Chrematistik bei Aristoteles

Hausarbeit 2014 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Antike Gemeinschaften
2.1 Der Haushalt (Oikos)
2.2 Das Dorf (Demos)
2.3 Der staatliche Verband (Polis)

3 Oikonomia (Führung des Haushaltes)

4 Chrematistiké (Kunst des Besitzerwerbes)
4.1 Entstehung der Chrematistiké
4.2 Naturgemäße Erwerbskunst
4.3 Naturwidrige Erwerbskunst
4.4 Geldverleih gegen Zinsen

5 Bedrohung des Staates durch die naturwidrige Chrematistik

6 Maßnahmen gegen die Bedrohung durch die widernatürliche Chrematistik

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Chrematistiké[1], der so genannten Fertigkeit, Besitz zu beschaffen. Ziel ist es, die Chrematistik zu beschreiben und ihre positiven und negativen Seiten aufzuzeigen. Aristoteles gliedert diese Form der Erwerbskunst in drei Teile. In die natürliche Erwerbskunst, die der Erwirtschaftung essentieller Güter und der Ermöglichung eines vollkommenen Lebens dient und daher Teil der Führung eines Haushalts ist. In die naturwidrige Erwerbskunst, die sich dem Streben nach Reichtum ohne Grenzen widmet und die er daher die gewinnsüchtige Erwerbskunst nennt. Und drittens in den Geldverleih gegen Zins. Diesen Teil der Erwerbskunst kritisiert Aristoteles am meisten, da hier der Gewinn aus dem Geld selber entsteht und nicht mehr aus der ursprünglichen Aufgabe des Geldes, nämlich der Erleichterung des Warenumschlages.

Basisliteratur ist das Buch „Politik“ übersetzt und mit einer Einleitung sowie Anmerkungen herausgegeben von Eckart Schütrumpf. Maßgeblich für diese Hausarbeit sind die Kapitel 8-11 des ersten Buches in denen Aristoteles naturgemäße und naturwidrige Erwerbsformen behandelt.

Um die Ausführungen über die Chrematistik nachvollziehen zu können, wird zu Beginn dieser Hausarbeit ein kurzer Überblick über Aristoteles’ Einteilung der antiken Gemeinschaft in Haus, Dorf und staatlichem Verband gegeben. Denn die Erwerbskunst entwickelte sich mit dem Drang der Menschen, Gemeinschaften zu bilden.

Darauf folgt eine kurze Erläuterung der Oikonomia, der Führung des Haushalts. Diese bildet den natürlichen Ursprung der Chrematistik, wird aber von Aristoteles stark von der Chrematistik abgegrenzt. Unter der Führung eines Haushalts versteht er die Erwirtschaftung lebensnotwendiger Güter im Verbund mit der Natur. Ihre Ziele sind die Fortpflanzung, die Selbsterhaltung und Autarkie.

Anschließend beginnt dann der Schwerpunkt dieser Arbeit mit der Entstehung der Chrematistik, ihrer Einteilung in die drei unterschiedlichen Formen. Abschließend werden die daraus resultierenden Gefahren für den Staat und Aristoteles’ Maßnahmen, dem entgegenzuwirken, erläutert.

2 Antike Gemeinschaften

2.1 Der Haushalt (Oikos)

Der Haushalt besteht aus dem männlichen Oberhaupt, seiner Gattin, deren Kindern, den Großeltern, den Sklaven und sogar den Haustieren und den Grundstücken. „Und in diesem Raum entwickelt sich die Oikonomia (die Führung des Haushalts)" (Hénaff 2009, S. S. 127). Diese Hausgemeinschaft ist geprägt durch drei grundlegende Herrschaftsverhältnisse: erstens das zwischen Mann und Frau, zweitens das Verhältnis zwischen Eltern und Kind und drittens das zwischen Hausherrn und Sklaven. An der Spitze des Haushalts steht der Mann, der despotisch über alle anderen Mitglieder herrscht. Denn "[…]; jeder Haushalt wird ja von dem ältesten nach Art eines Königs geleitet; " (Aristoteles und Schütrumpf 2012, S. 1252b). Begründet wird dies von Aristoteles unter anderem auch damit, dass das Männliche von Natur aus das Bessere ist, das Weibliche hingegen das Geringerwertige und daher zu Recht beherrscht wird. (Aristoteles und Schütrumpf 2012, S. 1252b) Der Hauptzweck dieser Gemeinschaft ist die Fortpflanzung, eine zweite, wesentliche Aufgabe die Lebenserhaltung.

2.2 Das Dorf (Demos)

Das Dorf sieht Aristoteles als eine Erweiterung des Hauses. Es besteht aus mehreren Haushalten, aber nicht nur, um die Deckung der Dinge des täglichen Bedarfs zu sichern. Es wird vielmehr auch ein besseres Leben angestrebt, welches durch diesen Zusammenschluss erreicht werden soll. Da es den Menschen danach drängt, mit anderen Verbindungen einzugehen und Gesellschaften zu bilden, ist das Dorf die logische Folgerung aus diesem Drang.

"Von Natur lebt also in allen ein Drang nach einer solchen Gemeinschaft." (Aristoteles und Schütrumpf 2012, S. 1253a) Und nur in der Gemeinschaft wird der Mensch zum Besten aller Lebewesen.

2.3 Der staatliche Verband (Polis)

Ein staatlicher Verband ist die aus mehreren Dörfern gebildete vollendete Gemeinschaft. Er bildet sich in einem natürlichen Prozess, da die Einzelnen in der Gemeinschaft besser ihre Ziele erreichen und durchsetzen können. Laut Aristoteles ist hier die Grenze erreicht worden, an der die vollständige Autarkie besteht. (Aristoteles und Schütrumpf 2012, S. 1252b) Der Staat ist Ausgangspunkt und Ziel aller menschlichen Gemeinschaften. Des Weiteren lässt sich nur in einer Gemeinschaft das Streben nach dem höchsten Gut, der Glückseligkeit, erreichen. Daraus geht hervor, dass der Staat zu den Dingen zu zählen ist, die von Natur aus sind und dass der Mensch von Natur ein Lebewesen ist, das zum staatlichen Verband gehört. Jedoch ist derjenige, welcher aufgrund seiner Natur und nicht durch eine Schicksalsfügung außerhalb des staatlichen Verbandes steht, entweder minderwertig oder übermenschlich. (Aristoteles und Schütrumpf 2012, S. 1253a)

Andererseits besteht aber das Ganze laut Aristoteles stets vor dem einzelnen Teil. Und so muss auch der Staat, als größte Gemeinschaft, vor allen anderen bestehen.

3 Oikonomia (Führung des Haushaltes)

In Übereinstimmung mit der Natur ist der Haushalt zur Befriedigung der Alltagsbedürfnisse, Fortpflanzung und Selbsterhaltung, gebildet. (Aristoteles und Schütrumpf 2012, S. 1252b) Ein Teil des Haushaltes ist auch der Besitz und die Fähigkeit, Besitz zu erwerben, ist folglich ein Teil der Führung des Haushaltes. Denn ohne die notwendigen Mittel kann der Mensch einerseits nicht überleben, aber auch kein vollkommenes Leben führen. (Aristoteles und Schütrumpf 2012, S. 1253b) Als Teil des Besitzes ist hierbei der Sklave das Mittel zum Zweck, der letztlich der Produktion von Gütern dient. Als „lebendes Werkzeug“ muss er dem Leiter des Haushalts bei der erfolgreichen Erledigung seiner Aufgabe zur Verfügung stehen. "In dieser Weise ist auch der Besitz ein Werkzeug zum Leben […] und der Sklave ist ein belebtes Stück Besitz, […]." (Aristoteles und Schütrumpf 2012, S. 1253b)

Ein weiteres Ziel dieser Gemeinschaft ist das Streben nach Autarkie, die die Voraussetzung ihrer Freiheit ist. Autarkie ist gegeben, wenn die Gemeinschaft so viel besitzt, wie sie für ihren Lebensunterhalt benötigt. An dieser Stelle wird das erste Mal ein Punkt erreicht, an dem Aristoteles vor einem maßlosen Streben nach Besitz warnt, denn „[…] nicht im Mangel, sondern im Überfluss des Besitzes liege die größte Gefahr für die Natürlichkeit der Familie." (Höffe 2011, S. S. 35–36)

Beim Erwerb dieser lebensnotwendigen Güter haben es die Familienmitglieder grundsätzlich mit der Natur zu tun. Hier liegt die Grundlage der Autarkie, die zuweilen auf eine einzelne Form des Erwerbs, etwa Viehzucht oder Ackerbau, zurückgeht, zuweilen aber auch auf mehrere, wenn nämlich eine einzelne Lebensform nicht ausreicht, um die Autarkie der Familie sicherzustellen. (Höffe 2011, S. S. 35–36) Laut Aristoteles ist hier der wahre, der gute Reichtum zu finden. Der gute Reichtum liegt in der Autarkie der Familie. Er ist verbunden mit dem Besitz, der aus einem Landgut bestehen kann, das man bebaut, oder mit jeder anderen Gesamtheit der der Produktion dienenden Werkzeuge. Dazu gehören außerdem auch Ländereien, Herden, landwirtschaftliche Erzeugnisse, verschiedenartige Werkzeuge, aber auch Sklaven und schließlich Geld. "Für Aristoteles ist der Reichtum naturgemäß, weil es in der Natur des Menschen liegt, für seinen Lebensunterhalt zu sorgen und zu diesem Zweck die erforderlichen Mittel - einen Besitz - zu haben; jeder Reichtum, der sich von diesem Besitz lösen würde, verlöre seine Natürlichkeit." (Hénaff 2009, S. S. 131–132)

"Es leuchtet ein, dass die Kunst der Haushaltsführung nicht mit der Beschaffungskunst identisch ist; denn diese hat die Aufgabe, die Mittel bereitzustellen, jene andere dagegen, sie zu gebrauchen. Denn welche Kunst, wenn nicht die der Führung eines Haushalts, sollte die Mittel im Haus gebrauchen? " (Aristoteles und Schütrumpf 2012, S. 1256a) Ob aber die Beschaffungskunst einen Teil der Führung eines Haushalts bildet oder eine besondere Art von Kenntnis ist, und ob die Kunst des Besitzerwerbs identisch mit der Führung des Haushalts oder ein bestimmter Teil von ihr oder ihr untergeordnet ist, wird im folgenden Kapitel erläutert werden.

Koslowski sagt dazu, dass die Ökonomik sich zur Chrematistik wandeln kann, wenn diejenigen, die nach dem vollkommenen Leben, das Lust durchaus einschließt, streben, maßlos in ihrem Genussstreben werden und deshalb ihren Besitz zur Erfüllung ihrer Begierden maßlos zu mehren trachten. (Koslowski 1993, S. S. 58–59)

4 Chrematistiké (Kunst des Besitzerwerbes)

"Es gibt aber noch einen Bereich, der manchen als die Führung eines Haushalts selber gilt, anderen dagegen als deren wichtigster Teil, ich meine die so genannte Fähigkeit, sich Besitz zu schaffen." (Aristoteles und Schütrumpf 2012, S. 1253b)

Die Chrematistik ist die Kunst des Besitzerwerbs. Aristoteles unterteilt diesen Erwerb in drei Erwerbsweisen. Zum einen die naturgemäße, die Güter gewinnt, die aus Früchten und Tierprodukten besteht und der Erfüllung der naturgemäßen Autarkie dient. Zum zweiten die naturwidrige Erwerbskunst, bei der nicht mehr die Beschaffung lebensnotwendiger Güter im Vordergrund steht, sondern deren Ziel es ist, Reichtum in Form von Geld zu erlangen. Als drittes der Geldverleih gegen Zinsen, der von Aristoteles am stärksten kritisiert wird und den er als am meisten wider der Natur bezeichnet.

[...]


[1] Der Einfachheit halber wird im weiteren Text das deutsche Wort „Chrematistik“ verwendet.

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668070110
ISBN (Buch)
9783668070127
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v308752
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,0
Schlagworte
Aristoteles Politik von Aristoteles Chrematistik Oikonomia Chrematistiké Erwerbskunst der Griechen

Autor

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Titel: Über die Kunst, Reichtum zu erlangen. Die Chrematistik bei Aristoteles