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Die Beziehungen zwischen Österreich und Israel bis zur Gegenwart

Seminararbeit 2000 13 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Allgemeines / Vergleiche

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1 Die Jahre bis 1955

2 1955-1970

3 Die Ära Kreisky
3.1 Die Schönauaffäre
3.2 Der Libanonkrieg

4 1983-2000

5 Die Bildung der österreichischen Bundesregierung Februar 2000

6 Österreichische Juden in Israel

7 Anmerkungen

1 Die Jahre bis 1955

Die Geschichte der Beziehungen zwischen Österreich und Israel könnte man mit dem Hauptwerk des bekanntsten österreichischen Zionisten Theodor Herzl „Der Judenstaat“, beginnen lassen in welchem er einen zukünftigen Lebensraum für das jüdische Volk beschreibt.

Die ersten österreichischen Juden wandern bereits im 19. Jahrhundert in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina aus. Ab 1935 existiert in Jerusa- lem ein eigener Auswanderungsverein für österreichische Juden „Hitachdut Olej Austria“. 1938 wandern in Folge des Anschlusses Österreichs tausende weitere Juden nach Palästina aus. Das Problem der österreichischen Juden, das sie am Anfang im Mandatsgebiet haben, besteht vor allem darin, dass sie im Gegensatz zu den deutschen Juden über keine eigene Lobby verfügen.

Das Judentum in der Zeit führt einen Dreifrontenkrieg gegen Briten, Araber und den Nationalsozialismus. Besonders österreichische Juden setzten sich zwischen 1938 und 1945 für die Wiedererstellung eines freien und unabhängi- gen Österreichs ein. Von Palästina aus wird auch die Rückkehr von Juden nach Österreich vielfach organisiert, obwohl den rückkehrwilligen Juden von den zionistischen, die einen eigenen Staat Israel anstreben, Verrat vorgewor- fen wird.

1948 wird der Staat Israel ausgerufen der sofort in kriegerischen Auseinan- dersetzungen mit seinen arabischen Nachbarn verwickelt wird. Israel kann sich behaupten und beginnt von nun an selbstbewusste Außenpolitik zu ma- chen. Der junge Staat setzt sich für die Wiedergutmachung der in Holocaust unter Mitleidenschaft gezogenen oder getöteten Juden ein und versucht Nazi- verbrecher auf der ganzen Welt zu jagen und dingfest zu machen. Erstmals wird auch Kritik an der mangelten Zahlungsbereitschaft und Kooperation des wiederhergestellten Österreichs geübt. Dieses sendet 1950 seinen ersten Ge- neralkonsul (Karl Hartl) nach Tel Aviv, Israel sendet daraufhin im selben Jahr Arie Eshel nach Wien, der aber nur den Status eines Konsuls hat. Erst 1955 wertet Israel sein Konsulat in ein Generalkonsulat, unmittelbar danach in eine Botschaft auf.

1949 werden die sterblichen Überreste Theodor Herzls vom Wiener Zentralfriedhof nach Israel überführt.

1952 kommt es zur Anerkennung des Staates Israel durch Österreich. Rege Pilgerfahrten von Österreichern in das „Heilige Land“ finden ab nun statt. In Israel wird negativ bemerkt, dass die österreichischen Touristen sich zwar für die kulturellen Denkmäler und heiligen Städten nicht aber für den Staat Israel interessieren. Das ändert sich sehr bald da die Erfolge der Israelis gegen die Araber in Österreich bewundert werden und beinahe ein philosemitisches Fremdbild über die Israelis entsteht.

1955 erhält Österreich den Staatsvertrag der auch den Punkt des „Opferstatus“ Österreichs enthält. Dieser war bereits in der Moskauer Deklaration erwähnt worden und wird auch von Israel akzeptiert.

1957 beschließt der österreichische Nationalrat das erste Gesetz über die Rückstellung erblosen Vermögens, das insbesondere die Rückstellungen von Vermögen regeln soll, dass in der Nazizeit enteignet worden ist.

1962 wird das Gesetz novelliert.

Israel tritt zwar bereits selbstbewusst in der Weltöffentlichkeit auf und kritisiert die damals noch unzureichende Zahlungsbereitschaft Österreichs, hat aber in gesamtjüdischen Fragen kein Mitspracherecht, da es noch finanziell vom „World Jewish Congress“ abhängig ist und dieser dafür das alleinige Sprachrohr für das Judentum in aller Welt in Anspruch nimmt.

So muss sich Israel auch im Bezug auf Österreich noch im Hintergrund hal- ten.

2 1955-1970

In den Jahren der Regierung unter Bundeskanzler Josef Klaus (1966-1970) versucht Österreich seine Beziehungen mit Israel und dem Judentum in der ganzen Welt zu normalisieren. Zu dem Zeitpunkt erleben die Beziehungen zwischen beiden Ländern ihren positiven Höhepunkt.

Es wird zwar noch immer leise Kritik an Österreichs Wiedergutmachungspolitik geübt insgesamt aber sind die Beziehungen sehr entspannt. Mehrmals kommt es bereits zu Fußballfreundschaftsspielen zwischen den beiden National- mannschaften, die die österreichisch-israelische Freundschaft stärken sollen. Bereits vor der Regierung Klaus wird 1963 die „Österreichisch-Israelische Gesellschaft“ gegründet, deren Hauptaufgabe es ebenfalls ist, die Beziehungen zwischen Österreich und Israel zu verbessern.

Am 5.6.1967 beginnt der „Sechstagekrieg“, in dem die israelische Luftwaffe die ägyptischen, jordanischen und syrischen Streitkräfte dezimiert. Der Staat kann sein Territorium um 30% vergrößern und geht als klarer Sieger aus dem Krieg hervor. Bis 1976 bleibt die Sinai Halbinsel durch die israelische Armee besetzt.

Dem Krieg waren Militärmanöver der drei arabischen Staaten an Israels Grenze voraus- gegangen die Israel als aggressiver Akt verstanden hatte und dementsprechend reagierte.

In Österreich kommt es zur einer wahren Israeleuphorie, besonders rechte (sogar rechtsextreme) und konservative Zeitungen und Zeitschriften ergreifen Partei für Israel. Großdemonstrationen für das Land sind die Folge und selbst die österreichischen Kommunisten, die in Israel immer einen Feind der Sowjetunion gesehen haben, sind für Israel und beteiligen sich an Demonstrationen. Oft wird der Kampf Israels gegen die Araber mit dem Kampf der österreichischen Südtiroler gegen Italien verglichen.

3 Die Ära Kreisky

Seit Ende der 50er Jahre ist der Sozialdemokrat Bruno Kreisky in die Aus- wanderungsbewegungen von Juden nach Israel involviert. Er selbst hält Dis- tanz zur diesen Organisationen versucht aber doch auswanderungswilligen Juden zu helfen.

1970 wird Bruno Kreisky Bundeskanzler und hat nach den Neuwahlen 1971 die absolute Mehrheit. Bruno Kreisky, der auch vize-Vorsitzender der „Sozia- listischen Internationale“(SI) ist, nimmt als solcher starken Anteil am Nahost- friedensprozess.

Er fährt in mehreren sogenannten „Fact Finding Missions“ im Rahmen der SI in die Krisenregion und versucht sich mit dem Problem vertraut zu machen. Österreich wurde schon davor von ihm zum wichtigsten Auswanderungsland für osteuropäische und sowjetische Juden aufgewertet.

3.1 Die Schönauaffäre

Die Juden, die über Österreich nach Israel auswandern, werden im Transitlager Schönau untergebracht, das von der „Jewish Agency“ betreut wird und in welches Österreich keinen Einfluss nehmen darf.

Die Auswanderung wird vor allem von der israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir forciert, die diese Menschen für den Aufbau von Staat und Militär dringend benötigt.

Daher wünscht sie auch keine Einmischung in die Auswanderung von außen, da auf diese Weise Juden auch andere Reiseziele wählen könnten.

Am 28. September 1973 nehmen Palästinensische Terroristen, die einer ext- remen Splittergruppe der PLO angehören, drei jüdische Auswanderer an der österreichisch-tschechoslowakischen Grenze bei Marchegg gefangen und for- dern ein Fluchtflugzeug. Kreisky schaltet darauf hin arabische Diplomaten ein und verhandelt mit den Geiselnehmern. Schließlich bietet er die Schließung Schönaus an, im Tausch für die drei Juden, die Terroristen akzeptieren.

In Israel sowie in der gesamten westlichen Welt kommt es vor den österreichischen Botschaften zu Massenkundgebungen gegen die Entscheidung Bruno Kreiskys, da man glaubt, dass er die jüdische Auswanderung tatsächlich unterbunden hätte. Gleichzeitig erhält er dutzende Dankes- und Lobesbriefe von den verschiedensten arabischen Staaten, die Österreich als „Mutigen Verbündeten gegen den Zionismus1 “ betrachten.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783668070493
ISBN (Buch)
9783668070509
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v308678
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Politikwissenschaft
Note
2
Schlagworte
beziehungen österreich israel gegenwart

Autor

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Titel: Die Beziehungen zwischen Österreich und Israel bis zur Gegenwart