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"L’infinito". Theoretische Konzeption und lyrische Gestaltung des Unendlichen bei Leopardi

Eine Literaturanalyse

Hausarbeit 2013 18 Seiten

Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
2.1 Biographie und Werke
2.1.1 Das Leben von Giacomo Leopardi
2.1.2 Die Werke Leopardis
2.2 Theoretische Konzeption des Unendlichen
2.2.1 La teoria del piacere
2.2.2 Leopardi und die deutsche Romantik
2.3 Lyrische Gestaltung des Unendlichen
2.3.1 Die Idilli im Allgemeinen
2.3.2 L’infinito

III. Fazit

IV. Bibliographie

I. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beabsichtigt, die wesentlichen Merkmale der theoretischen und lyrischen Konzeption des Unendlichen bei dem italienischen Dichter Giacomo Leopardi des ‚Ottocento’ zu analysieren und aus literarischer Sicht kritisch zu kommentieren. Hauptgegenstände der Analyse, die als textnahe Untersuchungen im Mittelpunkt des Interesses dieser Arbeit stehen sollen, sind die Teoria del piacere und das Gedicht L’infinito.

Da das Ziel und die Methode der Arbeit darin bestehen, nach einer kurzen Biographie- und Werkeinführung eine möglichst umfassende Vorstellung des Unendlichkeitsmotivs zu liefern und ausgehend von den zwei oben genannten konkreten Einzelbespielen auf generelle, typische Charakteristika der Unendlichkeit zu schließen, wird weitgehend auf Sekundärliteratur zurückgegriffen. Zu dem Thema gibt es Literatur aus unterschiedlichen Jahrhunderten, die die Präsenz und vor allem die Wichtigkeit Leopardis in der italienischen, aber auch europäischen, Literatur bestätigen.

Die Wahl des Themas ist motiviert durch das Interesse an Leopardis Werken. Es ist bewundernswert, dass ein so junger Dichter solche komplexe und aussagekräftige Texte erstellen konnte. Die wichtige Rolle der Natur, die für das Textverständnis von großer Bedeutung ist, ist ein ausschlaggebender Faktor in der Analyse seiner Werke.

Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Das einleitende Kapitel (2.1) führt in die Biographie und die Werke Leopardis ein, indem es wichtige Aspekte seines Lebens skizziert sowie wichtige Werke aufführt und einige kurz beschreibt. Der daran anschließende Teil (2.2) behandelt die theoretische Konzeption des Unendlichen. Hier wird zunächst die Teoria del piacere untersucht und dann eine Zusammenfassung zur deutschen Romantik gegeben. Die Teoria del piacere (2.2.1) bietet hierbei eine Einführung in Leopardis Denken und dichterisches Handeln, die das Verständnis der nächsten Kapitel unterstützt. Da sich viele romantische Elemente in Leopardis Werken wiederspiegeln, werden im Punkt (2.2.2) wichtige Aspekte der deutschen Romantik in Bezug auf den Dichter genannt. Das folgende Kapitel (2.3) richtet sein Augenmerk auf die lyrische Gestaltung des Unendlichen. Zunächst werden die literarischen Werke Idilli im Allgemeinen erläutert. Anschließend wird eine Analyse des Gedichts L’infinito dargestellt. Das Kapitel zu den Idilli (2.3.1) gibt allgemeine Informationen um einen besseren Einblick in das Gedicht L’infinito (2.3.2) zu erlangen. Ein Fazit mit einem Ausblick auf eine Zusammenfassung sowie einer Beurteilung der Untersuchungsergebnisse schließen die Arbeit ab.

II. Hauptteil

2.1 Biographie und Werke

2.1.1 Das Leben von Giacomo Leopardi

Giacomo Leopardi wurde am 29. Juni 1798 in Recanati als ältestes von fünf Kinder des Grafen Monaldo Leopardi und seiner Frau Adelaide Antici geboren. Schon 1809, im Alter von 11 Jahren, befasste sich Leopardi mit der Philologie und der Literatur und schrieb erste literarische Werke. Er eignete sich ab dem Jahr 1813, in der Privatbibliothek seines Vaters, selbst philologisches Wissen an. Zu seinem autodidaktischen Studium gehörten außerdem das Erlernen der lateinischen, französischen, spanischen, griechischen und hebräischen Sprache sowie Übersetzungen griechischer und lateinischer Texte. Wegen des schlechten Gesundheitszustandes, seine Sehkraft hatte sich verschlechtert, musste Leopardi 1819 seine Studien monatelang unterbrechen.[1] In Recanati entwickelte Leopardi ein pessimistisches Weltbild, welches zeigt, wie langweilig und sinnlos er das Leben fand.[2] Wegen einer Krise und dem gescheiterten Fluchtversuch aus seiner Heimat, hatte Leopardi Selbstmordgedanken und träumte immer mehr von der Natur und dem Unendlichen. 1822 erwies sich die Fahrt nach Rom als eine bittere Enttäuschung und bestätigte somit noch mehr Leopardis Annahme der Nichtigkeit vom Leben.[3] Drei Jahre später gelang es ihm, mit Hilfe von Freunden, Recanati erneut zu verlassen. Nach weiteren Reisen musste Leopardi allerdings 1828 wegen seiner Gesundheit und wegen Geldmangel zurück in seine Heimat. Seine Gesundheit verschlechterte sich aber weiterhin[4] und so beschrieb der Dichter sein Aufenthalt in Recanati als „sedici mesi di notte orribile“.[5] Von 1830 bis 1832 reiste er unter anderem nach Florenz und Rom, bis er sich 1833 aufgrund seines Augenleidens zusammen mit Ranieri in Neapel niedergelassen hatte. Dort starb er am 14. Juni 1937 im Alter von 39 Jahren.[6]

2.1.2 Die Werke Leopardis

Wie oben bereits erwähnt, erstellte Leopardi schon im jungen Alter literarische Texte. Seine großen Werke schrieb er jedoch ab dem Jahr 1816, von denen in dieser Arbeit nur einige bekannte und die analysierten aufgelistet werden. 1817 begann er mit der Niederschrift des Zibaldone. Diese Art Tagebuch, die philosophische Gedanken und Interpretationen zeitgenössischer Texte enthält, beendete er 1832.[7] Der nach Cesare Segre genannte Zibaldone dei pensieri beinhaltet auch La teoria del piacere, die 1820 verfasst wurde. Hierbei handelt es sich um eine philosophische Reflexion über den menschlichen Zustand.[8] In diesem Eintrag fing Leopardi an, sich mit dem Unendlichkeitsmotiv auseinander zu setzen. Ein Jahr später schrieb er den Discorso di un italiano intorno alla poesia romantica, in dem er sich gegen die deutsche Romantik äußerte. L’infinito entstand zwischen dem Frühling und dem Herbst des Jahres 1819 und handelt von der Unendlichkeit der Natur. 1824 fing Giacomo Leopardi mit Aufzeichnung der Operette morali an, die 1827 und 1832 jeweils um zwei Titel erweitert wurden.[9] Den Canto notturno di un pastore errante dall’Asia verfasste er in der Zeit vom 22. Oktober 1829 bis zum 9. April 1930 in Recanati. Auch dieses Gedicht handelt von der Unendlichkeit der Natur, jedoch im negativen Sinne. 1833 schrieb der Dichter A se stesso, ein Gedicht über den kosmischen Pessimismus Leopardis.[10]

2.2 Theoretische Konzeption des Unendlichen

2.2.1 La teoria del piacere

Leopardi verfasste nach seiner Krise von 1819 die Teoria del piacere zwischen dem 12. und 13. Juli 1820.[11] In diesem Kapitel wird sowohl der Eintrag aus dem Zibaldone [165-183][12] analysiert als auch die dazu gehörige deutsche Übersetzung.[13] Diese philosophische Reflexion handelt von dem unendlichen menschlichen Begehren nach Lebensfreude. Leopardi selbst schreibt in seinem Zibaldone:

Il vivente […] non cessa mai di amarsi. […] Dunque nessun piacere possibile è proporzionato ed uguale alla misura dell’amore che il vivente porta a se stesso. Quindi nessun piacere può soddisfare il vivente. […] Dunque ogni vivente, per ciò stesso che vive […] non può essere attualmente felice (ZIB [646-648]).

Damit zeigt Leopardi, dass jeder Lebende sich selbst bis ins Unendliche liebt und deshalb auch ein grenzenloses Begehren nach Lebensfreude hat. Das Glücksstreben der Lebenden ist die direkte Konsequenz der Selbstliebe. Dieses Begehren ist angeboren und kennt deshalb weder in der Dauer, noch in der Ausdehnung Grenzen. Die menschliche Seele begehrt und strebt grenzenlos nach Lebensfreude oder nach dem Glück, welche im Grunde genommen eins sind. Solange der Mensch lebt und sich selbst liebt, kann dieses Begehren nicht befriedigt werden, sondern nur nach dem Tod.[14] Im Zibaldone beschreibt es Leopardi wie folgt: „Questo desiderio e questa tendenza non ha limiti, perch’è ingenita o congenita coll’esistenza“ (ZIB [165]). Keine Befriedigung der Wirklichkeit würde ausreichen, denn sie ist anders als das Begehren und „l’amor proprio“, weder ewig noch unendlich. Somit löst dies bei dem Menschen nur ein noch größeres Begehren nach Lebensfreude aus. Sollte der Mensch aber diese Lebensfreude spüren, so würde die Befriedigung, wegen der Gewohnheit und dem grenzenlosen Verlangen, nur von kurzer Dauer sein. Die Seele des Menschen ist gierig und wünscht sich bzw. hofft auf eine grenzenlose Befriedigung, kann diese allerdings nicht erhalten. Diesen Aspekt bestätigen auch Leopardis Gedanken im Zibaldone: „Non c’è maggior piacere (né maggior felicità) nella vita, che il non sentirla“ (ZIB [3895]). Der Mensch ist demnach prädestiniert unglücklich zu sein.

Des Weiteren begehrt der Mensch Leopardi nach, nicht nur eine oder verschiedene Lebensfreuden, sondern strebt nach der einen, echten unendlichen Lebensfreude. Die echte unendliche Lebensfreude existiert jedoch nicht, denn von Natur aus hat alles eine Grenze und hält nicht ewig. Die Menschen sind also dem Unglück geweiht, da sie das grenzenlose Verlangen nach Glück, das von Natur aus angeboren ist, nicht befriedigen können.[15]

Auch die Imagination spielt in Leopardis Teoria del piacere eine wichtige Rolle. Der Dichter beschreibt es auf diese Weise: „Indipendentemente dal desiderio del piacere, esiste nell’uomo una facoltà immaginativa, la quale può concepire le cose che non sono, e in un modo in cui le cose reali non sono“ (ZIB [167]). Durch diese Fähigkeit kann der Mensch sich imaginäre Freuden vorstellen, die in der Zahl, in der Dauer und in der Ausdehnung unendlich sind.

[...]


[1] Vgl. Endrulat, Helmut/ Schwalb, Gero Alfred (Hrsg.) (1990): Giacomo Leopardi: Canti e frammenti / Gesänge und Fragmente. Stuttgart: Reclam: S. 291-293.

[2] Vgl. Schnurbus, Claudia (2002): Leopardis L'Infinito. München: GRIN Verlag GmbH. http://www.grin.com/de/e-book/8659/leopardis-l-infinito.

[3] Vgl. Petronio, Giuseppe (1993): Geschichte der italienischen Literatur – Band 2: Vom Barock bis zur Romantik. Tübingen: Francke Verlag: S. 342.

[4] Vgl. Endrulat/ Schwalb, 1990: S. 293f.

[5] Leopardi, Giacomo (1989): Tutte le opere. Volume I., sesta edizione. Con introduzione e a cura di Walter Binni con la collaborazione di Enrico Ghidetti. Firenze: Sansoni: S. 1347.

[6] Vgl. Endrulat/ Schwalb, 1990: S. 294 - 296.

[7] Vgl. Kapp, Volker (Hrsg.) (1992): Italienische Literaturgeschichte. Stuttgart: Metzler: S. 275.

[8] Vgl. Segre, Cesare/ Martignoni, Clelia (1994): Testi nella storia. Guida ai classici. Volume 5. Foscolo, Manzoni, Leopardi. A cura di Renato Marchi e Donatella Martinelli. Milano: Edizioni Scolastiche Bruno Mondadori: S. 384f.

[9] Vgl. Endrulat/ Schwalb, 1990: S. 293.

[10] Vgl. Leopardi, Giacomo (2012): I Canti. A cura di L. Felici. Rom: Grandi Tascabili Economici Newton Compton: S. XLIII.

[11] Vgl. Segre/ Martignoni, 1994: S. 384.

[12] Vgl. Leopardi, Giacomo (1989): Tutte le opere. Volume II., sesta edizione. Con introduzione e a cura di Walter Binni con la collaborazione di Enrico Ghidetti. Firenze: Sansoni: S. 79-86 (im weiteren Verlauf werden die Einträge aus dem Zibaldone mit der Abkürzung ZIB belegt).

[13] Vgl. Leopardi, Giacomo (1985): Das Gedankenbuch. Aufzeichnungen eines Skeptikers. Ausw. U. Übers. von Hanno Helbling. Mit e. Nachw. von Alice Vollenweider. München: Winkler: S. 68-86.

[14] Vgl. Tellini, Gino (2001): Leopardi. Roma: Salerno S. 101f.

[15] Vgl. Kapp, 1992: S. 275.

Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668068285
ISBN (Buch)
9783668068292
Dateigröße
726 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v308636
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – Romanisitik
Note
1,7
Schlagworte
Leopardi Giacomo infinito unendlich

Autor

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