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Frauen in Führungspositionen. Anspruch und Wirklichkeit, Möglichkeiten und Grenzen

von Laura-Maxine Sonnleitner (Autor) India Kim Skubel (Autor)

Seminararbeit 2014 31 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Entwicklung der Frauenrolle
2.1 Kriegsende und Neuanfang: Die ersten Schritte der Emanzipation
2.2 Einführung des Gleichberechtigungsgesetzes
2.3 1950’er Jahre-Rückentwicklung der Frauenrolle mit Beginn des Wirtschaftswunders
2.4 1969’er Jahre - Wiederaufleben der Emanzipationswelle
2.5 1970’er Jahre – Anfänge der Frauenbewegungen
2.6 1980’er Jahre – Entstehung einer moralischen Wende
2.1990’er Jahre – Rückkehr zur Gleichberechtigung

3 Vorstellung und Auswertung des Fragebogens
3.1Vorstellung des Fragebogens
3.2 Auswertung des Fragebogens
3.2.1 Frage 1
3.2.2 Frage 2
3.2.3 Frage 3
3.2.4 Frage 4
3.2.5 Frage 5
3.2.6 Frage 6
3.2.7 Frage 7
3.2.8 Frage 8

4 Situation Heute

5 Unternehmenskulturelle Gründe für Karrierebrüche von Frauen und Lösungsansätze

5.1Idealtypische Kulturmuster

6 Warum Diversity?
6.1 Mögliche Wettbewerbsvorteile

7 Frauenquote

8 Weitere Maßnahmen der Frauenförderung/Gleichstellung

9 Das Phänomen „Gläserne Decke“

10 Beantwortung der Leitfrage

11 Anhänge

12 Literaturverzeichnis
12.1 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst ist, trotz Bundesgleichstellungsgesetz und trotz juristischer Gleichberechtigung, unverändert niedrig. Obwohl Frauen durchschnittlich höhere Bildungsabschlüsse, Berufsqualifikationen und Führungskompetenzen aufweisen, sind sie in den Führungspositionen der deutschen Wirtschaft und vor allem im Top-Management (Vorstand, Aufsichtsräte), deutlich unterrepräsentiert.1

Als „Frau in Führungsposition“ wird hier eine Person mit Personal- und Sachverantwortung verstanden, die aufgrund ihrer (relativ hohen) hierarchischen Stellung Einfluss auf das gesamte Unternehmen oder seine wichtigsten Teilbereiche hat.2

Um für mehr Stabilität und Wachstum zu sorgen, werden vor allem heutzutage, in Zeiten der Finanzkrise, mehr starke, motivierte und qualifizierte Führungskräfte benötigt. Wirtschaftsforscher sind dabei seit langem der Meinung, dass vor allem ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in Führungspositionen ein solches Wachstum positiv beeinflussen könnte.3

Vor diesem Hintergrund ist es Zielsetzung der vorliegenden Arbeit, aufbauend auf theoretischen Erklärungsansätzen und empirischen Ergebnissen zu beantworten, was Frauen vom Aufstieg abhält und ob Frauen in Deutschland wirklich so emanzipiert in Deutschland sind, wie es auf den ersten Blick erscheint. Dabei werden auf historische, normative, rechtliche, soziale, unternehmenskulturelle Aspekte eingegangen, Möglichkeiten und Grenzen abgewogen und anschließend einer kritischen Würdigung unterzogen.

2 Entwicklung der Frauenrolle

Um die gegenwärtig herrschende Situation der Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen zu verstehen und zu erklären, ist es notwendig die politische, ökonomische und gesellschaftliche Entwicklung der Frauenrolle des letzten Jahrhunderts aufzuführen. Blickt man auf die Geschichte der weiblichen Emanzipation des letzten Jahrhunderts zurück, kristallisiert sich stark heraus, dass „der Kampf des weiblichen Geschlechts um die Gleichstellung von Mann und Frau nur schrittweise von Erfolg gekrönt war.“4 Seit jeher ist es Frauen aufgrund ihrer traditionell untergeordneten Stellung in der Gesellschaft stets und lediglich begrenzt möglich, etwas gegen die starke, männliche Präsenz zu bewirken.

2.1 Kriegsende und Neuanfang: Die ersten Schritte der Emanzipation

Bereits während des Krieges hatten deutsche Familien zunehmend die Rolle des Familienoberhauptes übernommen und gelernt, sich den Herausforderungen des Alltags zu stellen.5 Auch nach Ende des Krieges, etwa durch den Wiederaufbau der zerstörten Städte und weil viele Männer im Krieg gefallen oder in Gefangenschaft geraten waren, wurde den deutschen Frauen auch als so genannten „Trümmerfrauen“ eine entscheidende Rolle auf dem Arbeitsmarkt zuteil. Die Rekrutierung der Frauen in Folge dessen, wurde mit großer Skepsis entgegengesehen, da bis dato die Berufswelt fast ausschließlich von Männern dominiert und die Frauenerwerbstätigkeit sehr stark herabgewertet wurde.

2.2 Einführung des Gleichberechtigungsgesetzes

Unterstützt durch verschiedene Frauenbewegungen und mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland (BRD) wurde 1949 ein neues Grundgesetz erarbeitet: Der Grundsatz der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Frau als „eigenständige Geschäftsperson“ gesehen – vorher unterstand die Frau der Bevormundung ihres Ehemannes in öffentlichen sowie privaten Angelegenheiten.6

2.3 1950’er Jahre - Rückentwicklung der Frauenrolle mit Beginn des Wirtschaftswunders

Trotzdem es zunächst nach einem kontinuierlich steigenden Erfolg in der Entwicklung der Emanzipation der Frau aussah und trotz Erarbeitung eines Gleichheitsgesetzes, kam es 1950 mit dem Beginn des Wirtschaftswunders zu einem Entwicklungsstopp und erneut zu einer geschlechterspezifischen Arbeitsteilung. Mit der Rückkehr der Männer aus dem Krieg, traten die Frauen wieder zunehmend in ihre traditionelle Rolle und konzentrierten sich auf Heim und Familie. Erwerbstätige Frauen, wurden in dieser Zeit gesellschaftlich abgewertet und galten als „nicht richtige“ Frauen, denen der materielle Wohlstand wichtiger war, als das Wohlergehen ihrer Kinder und ihrer Familie.7 Die Frauenerwerbsquote sank im Jahr 1950 auf ein historisches Tief von 44,4%, hingegen erreichte die Erwerbsquote der Männer im Jahr 1950 ein historisches Hoch von 93,5%.8

2.4 1969’er Jahre - Wiederaufleben der Emanzipationswelle

In den 1960’er Jahren wurde es Frauen erstmals in Form der Teilzeitbeschäftigung möglich, Familie und Beruf zu vereinen und somit einen weiteren Schritt zur Unabhängigkeit einschlagen. Unterstützt wurde dieser Weg der Unabhängigkeit mit der Einführung der „Pille“, mit der die Frau nun erstmals selbst entscheiden konnte, wann und ob sie Kinder bekommen wolle. Somit veränderte sich die Rolle der Frau prägnant. Entgegen dieser neuen Emanzipationswelle, wurde mit der zunehmenden wirtschaftlichen Anspannung das „Dreiphasenmodell“ für Frauen propagiert, das die doppelte Rolle der Frau in der Gesellschaft widerspiegelt, da es die familiären Aufgaben der Frau vor die eigenen beruflichen Ziele stellt.9

2.5 1970’er Jahre – Anfänge der Frauenbewegungen

Zu dieser Zeit entwickelte sich erstmals ein „frauenpolitisches Bewusstsein“, was zu einer starken Thematisierung der Erwerbstätigen Frau und zur Gründung erster feministisch geprägter Verbände führte. Im Jahr 1977 trennte sich auch der Staat endgültig von dem Ideal der „Hausfrauenehe“, indem sie als obligatorische Eheform in § 1356 BGB rechtlich abgeschafft. Nicht zuletzt durch internationalen Druck war die Hausfrauenehe weder ökonomisch noch gesellschaftlich als Ideal aufrechtzuerhalten.10

2.6 1980’er Jahre – Entstehung einer moralischen Wende

Trotzdem in den 1970’er Jahren eine gesellschaftliche und auch politische Wendung in der Diskriminierung von Frauen im Berufsleben stattfand, gab es in den 1980’er Jahren einen mentalen Rückschritt. Die Anzahl der Männer, die eine Hausfrauenehe, in der sie die Frauen ausschließlich auf die Kindererziehung konzentrierten, befürworteten stieg zurück auf 70%.11 Diese sogenannte „moralische Wende“ in der Gesellschaft führte weg von der Fokussierung von frauenpolitischen Themen und hin zu familienpolitischen Themen.

2.7 1990’er Jahre – Rückkehr zur Gleichberechtigung

In dieser Zeit wurde erstmals gesetzlich festgelegt, dass eine Stellenbeschreibung Männer sowie Frauen gleichermaßen ansprechen müsse und somit keine Diskriminierung in der Ausschreibung von Arbeitsstellen stattfinden dürfe. Ein weiterer Schritt in Richtung der „Wiederentdeckung der Gleichstellung“ war die Erweiterung des Gleichstellungsgesetzes 1994.12 In diesem Zug führte der Staat gezielte Frauenförderungsmaßnahmen für öffentliche Institutionen ein. Beispielsweise wurde ein sogenannter „Frauenbeauftragter“ eingeführt, der besonders das Interesse erwerbstätiger Frauen vertreten sollte.

Zu der heutigen Situation werden wird im späteren Verlauf der Hausarbeit eingegangen.

3 Vorstellung und Auswertung des Fragebogens

3.1 Vorstellung des Fragebogens

Als ersten Einstieg um den Studierenden der Leuphana Universität einen ersten groben Überblick über die breit gefächerte Thematik von „Frauen in Führungspositionen“ zu geben und eine bessere Identifikation mit dem Thema zu ermöglichen, wurde ein zweiseitiger Fragebogen (siehe Anhang Abbildung 1 und 2, S. 26) entwickelt, dessen Beantwortung etwa fünf bis sieben Minuten in Anspruch nimmt. Dazu wurden insgesamt 50 Studierende, männliche sowie weibliche aus jeglichen Fachrichtungen auf dem Campus befragt. Der Fragebogen besteht gleichermaßen aus offenen und geschlossenen Fragen. Ziel des Fragebogens ist aufzeigen, wie es um das Wissen rund um das Thema „Frauen in Führungspositionen“ bei den Studierenden der Leuphana Universität Lüneburg steht.

3.2 Auswertung des Fragebogens

3.2.1 Frage 1: Denken Sie, dass der Anteil von Frauen und Männern in Führungspositionen gleich verteilt ist? Wenn nein, nennen Sie stichpunktartig Gründe, weshalb der Anteil nicht gleichverteilt sein könnte.

In Deutschland herrscht zurzeit eine deutliche Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen. Auf die Gründe der ungleichen Verteilung werden wir im Verlauf der Hausarbeit noch spezifisch eingehen. Mit der ersten Frage sollte zunächst festgestellt werden, ob die Studierenden über die oben erwähnte Unterrepräsentanz bescheid wissen. Bei der Beantwortung der ersten Frage des Fragebogens waren alle Studierende der gleichen Meinung, nämlich, dass der Anteil von Frauen und Männern in Führungspositionen ungleich verteilt ist.

Als Grund für die ungleiche Verteilung haben die Studierenden verschiedene Gründe angeben, die in der folgenden Graphik dargestellt sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung 1: Gründe für die ungleiche Verteilung von Frauen und Männern in Führungspositionen

3.2.2 Frage 2: Was denken Sie, wie hoch der Anteil der Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft ist? (in %)

Als nächstes wurden die Studierenden aufgefordert zu schätzen, wie hoch der Anteil der Frauen in Führungspositionen ihrer Meinung nach sei. Hier zeigt sich eine große Spannweite der Schätzungen, die von 4% bis hin zu 40% reicht, was man deutlich in der folgenden Abbildung erkennen kann.

[...]


1 Vgl. Alle 2011, S. 1.

2 Vgl. Müller 2002, S. 7f.

3 Vgl. Alle 2011, S 1.

4 Behrends 2007, S. 1.

5 Vgl. Kolinsky 1993, S. 24.

6 Vgl. Weber 2002, S. 148.

7 Vgl. Maier 1993, S. 274.

8 Vgl. Cornelissen 1993, S. 53.

9 Vgl. Cordes 1996, S. 47.

10 Vgl. Maier 1993, S. 275.

11 Statistisches Bundesamt 2006. S. 518 ff.

12 Helwig 1997, Abschnitt Privatwirtschaft.

Details

Seiten
31
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668062061
ISBN (Buch)
9783668062078
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v308177
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,3
Schlagworte
BWL Unternehmensführung Business Ethics Frauen in Führungspositionen Führungspositionen Frauenrolle

Autoren

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