Lade Inhalt...

Der Wendenkreuzzug 1147. Die Motive Heinrichs des Löwen und Albrechts des Bären

Hausarbeit 2015 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Forschungsliteratur

3. Die Ausgangslage

4. Der Aufruf zum Wendenkreuzzug

5. Die Heeresführer des Wendenkreuzzugs und ihre Motive zum Feldzug gegen die Heiden
5.1 Albrecht der Bär
5.2 Heinrich der Löwe

6. Der Verlauf des Wendenkreuzzugs

7. Folgen und Bewertung des Kreuzzuges

8. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Das Verhältnis von Religion und Gewalt gehört spätestens seit dem 11. September 2001 zu den Themen, die nicht allein in den Medien, sondern auch in der Wissenschaft des 21. Jahrhunderts größere Aufmerksamkeit gefunden haben.“1

Das der Glaube durch Gewalt repräsentiert wird oder dieser Glaube anders Gläubigen gewaltsam aufgezwungen wird, ist jedoch keines Wegs erst ein Phänomen der Neuzeit.

Bereits im Mittelalter kann man beobachten, dass in Deutschland Kreuzzüge durchgeführt wurden, um den christlichen Glauben im Land zu verbreiten. „Der Kreuzzug ist die besondere Form des Heiligen Krieges, die das christliche Abendland hervorgebracht hat.“2

Dabei gerieten besonders die Wenden, die ab dem 7. Jahrhundert große Teile Nord- und Ostdeutschlands bewohnten und in der neueren Literatur auch oft als Elbslawen bezeichnet werden, in den Fokus der Deutschen, die eine absolute Christianisierung der wendischen Gebiete vorsahen.

Die folgende Hausarbeit befasst sich mit dem Wendenkreuzzug, der im Spätsommer 1147 über die Elbe nach Osten ging. Als Motive für den Wendenkreuzzug werden in den Quellen und der Literatur der Versuch einer Missionarisierung und teilweise auch der Machtausbau der sächsischen Fürsten genannt. Diese Motive möchte ich in meiner Arbeit kritisch durchleuchten und tiefgründiger auf die speziellen Motive der Initiatoren und Heeresführer, Albrecht den Bären und Heinrich den Löwen, eingehen.

Um eine genauere Analyse vornehmen zu können, bedarf es einiger Vorinformationen zum Wendenkreuzzug von 1147. Im ersten Teil meiner Arbeit möchte ich daher auf die Ausgangslage und folgend auf den Aufruf zum Wendenkreuzzug 1147 eingehen.

Im Hauptteil stelle ich dessen Hauptakteure vor und diskutiere ihre jeweiligen Motive.

Um in meiner Arbeit eine umfassende Betrachtung des Kreuzzugs gegen die Slawen, mit dem Fokus auf Albrecht und Heinrich, zu bekommen, werde ich im Weiteren kurz auf den Verlauf des Kreuzzuges eingehen und zum Schluss den Erfolg des Wendenkreuzzuges, der in der Literatur sehr konträr dargestellt wird, und dessen Folgen für Albrecht und Heinrich erläutern.

2. Forschungsliteratur

Im Vergleich zu dem Orientkreuzzug befassen sich nur wenige Quellen mit dem Wendenkreuzzug von 1147. Die wichtigste Quelle für die Erforschung des Wendenkreuzzuges ist die Slavenchronik von Helmold von Bosau, der zu dieser Zeit Pfarrer in Bosau am Plöner See war.3 Das erste Buch der Slavenchronik, das hier in Betracht kommt, ist zwischen 1163 und 1167 entstanden. Auch kann thematisch die von Papst Eugen III verfasste Bulle, in der er die Ziele des Kreuzzugs für die sächsischen Fürsten zusammenfasst, als Quelle herangezogen werden. Doch diese eher geringe Anzahl von Quellen, kann ein Indiz dafür sein, dass der heilige Kreuzzug in den Orient bei Zeitgenossen als wichtiger erachtet wurde als der Kreuzzug gegen die Wenden im eigenen Land und dadurch mehr Beachtung bekam.

In der Sekundärliteratur wird der Wendenkreuzzug jedoch umfangreich beschrieben und analysiert. Dafür hat Hans-Dietrich Kahl auch eine Erklärung: „Jener merkwürdiger Kreuzzug (…) hat in der Forschung immer wieder verständliches Interesse gefunden: Nicht nur, daß er die Beziehungen zwischen den Deutschen und den wendischen Slaven der Zeit (…) auf wesentliche neue Grundlage stellt, er zeigt in Vorgeschichte und Verlauf ein wechselvolles Ringen derart unterschiedlicher Tendenzen und Kräfte, daß er in vieler Hinsicht den Schlüsselereignissen seines Jahrhunderts zugerechnet werden muß.“4

Jan-Christoph Hermanns Überblicksdarstellung: „Der Wendenkreuzzug von 1147“ (2011), dient besonders zur Einordnung in den ideengeschichten Kontext und gibt die Entwicklung der deutsch-wendischen Beziehung wieder. Um die Motive der Beteiligten des Wendenkreuzzuges zu ermitteln, diente mir im Allgemeinen Hermann Kamps Ausführung von 2013. Mit Hilfe der Literatur von Partenheimer und Gaethke über Albrecht den Bären beziehungsweise Heinrich den Löwen konnten Kamps Aussagen ergänzt und erläutert werden.

Zusammenfassend ist die Quellenlage zum Wendenkreuzzug 1147 eher gering und meist auch noch nicht aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt. Durch immer wieder neue Forschungsschwerpunkte zum Kreuzzug gegen die Heiden und die Beziehung zwischen Deutschen und Slawen im Mittelalter ist die Sekundärliteratur jedoch sehr umfangreich und keineswegs veraltet.

3. Die Ausgangslage

Als Gründe für die Auseinandersetzung zwischen Wenden und Deutschen werden Verwirklichungen von Ideologie, religiöse Beweggründe, aber auch politische Gründe wie zum Beispiel Machterweiterungen, Kolonialisierung oder Herrschaftsansprüche angegeben.5 Es gab bereits seit der Zeit Ottos I, seit etwa 948, an den Nord- und Ostgrenzen des Deutschen Reichs Klöster und es kam vielerorts auch zu christlichen Eroberungen im Gebiet der Elbslawen. Schon im 11. Jahrhundert wurde das Heidentum in diesen Gebieten zum Rückzug gedrängt, ihre Stammesfürsten nahmen zum Teil den christlichen Glauben an und orientierten sich bei der Suche nach Vorbildern oder Wertevorstellungen gen Westen oder nach Rom.6 Bei der Bevölkerung konnte sich der christliche Glaube jedoch noch nicht durchsetzen und so blieb der Großteil der Slawen im heidnischen Glauben verwurzelt.7 Daher wurde 1107 beziehungsweise 1108, der Gedanke laut, das Gebiet der Wenden zu übernehmen. Als Grund dafür wird das Christentum genannt, das vor Überfällen der heidnischen Völker nicht mehr sicher war.8 Man wollte das heidnische Volk nicht bekehren, sondern zur totalen Unterwerfung zwingen. Einen ersten Aufruf zum Zug gegen die heidnischen Slawen gab es bereits im Jahr 1108. „Als Absender erscheinen Erzbischof Adelgot von Magdeburg mit seinen Suffraganbischöfen sowie eine Reihe weltlicher Großer, als Empfänger werden verschiedene geistliche und weltliche Herren in Sachsen, Franken und Lothringen abgeredet. Auf die Salutation folgt eine kurze Petition mit der Aufforderung, die von den Heiden bedrückte Kirche im Slawenland wiederherzustellen.“9 Doch „die ersten Versuche eines kirchlichen Aufbaues im Wendenland waren daran gescheitert, daß sie weder an einer starken herzoglichen Gewalt in Sachsen Unterstützung fanden noch im Slawenland selbst von Anfang an notwendigen Rückhalt besaßen.“10 Durch zahlreiche Übergriffe von andersgläubigen Völkern auf Christen und deren Territorien, kam erst gut 40 Jahre später der Gedanke eines Wendenkreuzzuges wieder auf. Initiiert wurde der Wendenkreuzzug im Zusammenhang mit der Kreuzzugbewegung ins christliche Abendland. An der Jahreswende 1144/45 wurde die Grafschaft Edessa, die 1098 als erster Kreuzfahrerstaat entstand, durch den Emir Zengi von Mossul und Aleppo besetzt. Nach langem Zögern, sah sich Papst Eugen III durch den Hilferuf der christlichen Herrschaft des Orients verpflichtete, 1154 zum Kreuzzug in den Orient aufrufen.11 „Ende Dezember 1146 war es dem einflussreichsten Theologen der Zeit, Bernhard von Clairvaux, gelungen, den deutschen Herrscher zu überreden, neben Ludwig VII. von Frankreich den zweiten Kreuzzug zur Wiedergewinnung Edessas anzuführen.“12

4. Der Aufruf zum Wendenkreuzzug

Vor dem Aufbruch des allgemeinen Kreuzheers berief Konrad III im März 1147 einen Reichstag nach Frankfurt, um für die Zeit seiner Abwesenheit im Heiligen Land entscheidende Anordnungen zu treffen. Eben zur Reglung der Reichsangelegenheiten hatten sich zahlreiche geistliche und weltliche Fürsten aus allen Teilen Deutschlands eingefunden.13 Auf dieser Zusammenkunft waren „die maßgeblichen weltlichen Machthaber jedenfalls für Ostsachsen, für die dem Wendengebiet unmittelbar benachbarten Landstriche“14 anwesend. Unter ihnen der „junge Sachsenherzog, Heinrich der Löwe, und sein wichtiger Lehnsmann, Graf Adolf II. von Schaumburg und Holstein, ebenso wie Markgraf Albrecht der Bär mit seinen Söhnen Otto und Hermann.“15 Die Idee eines Kreuzzuges in den Orient fand bei den sächsischen Fürsten jedoch wenig Gegenliebe. Sie erklärten, dass sie „an ihren Grenzen genug Heiden haben, gegen die sie das Kreuz nehmen könnten, so daß es nicht erforderlich sei, erst ins Heilige Land zu ziehen.“16 Tatsächlich drohe aber keinerlei Gefahr von den Elb- und Ostseeslawen. In den letzten Jahren mussten diese schwere Verluste hinnehmen und standen größtenteils unter einem christlichen Herrscher oder hatten freundschaftliche Beziehungen in den Westen.17 Bernhard von Clairvaux entwickelte trotzdem die Idee zu einem Parallelunternehmen gegen die noch heidnischen Stämme östlich der Elbe. Der Kreuzzug gegen die heidnischen Slaven bedeutete die Verwirklichung des Aufrufs von 1108.“18 Bernhard verfasste im März 1147 einen Aufruf zum Wendenkreuzzug, in dem er die Auslöschung des gesamten Wendenvolkes bestimmte. Dem Rundschreiben Bernhards von Clairvaux folgte die Bulle Papst Eugens III vom 11. April 1157.19 Der Aufruf Bernhards und die Bulle Eugens III. haben die weitgehende Übereinstimmung von Wenden- und Jerusalemkreuzzug gezeigt. Bernhards Aufruf zum Wendenkreuzzug geht nun in der Tat in der Schärfe der Formulierung weit über den Aufruf von 1108 hinaus. „Er bestätigt den Fürsten, daß sie an den Heiden Rache nehmen und sie auf christlichem Boden ausrotten sollten. (…) Er betont den großen Gewinn, den die Fülle der göttlichen Gnaden damit den Kreuzfahrern verheiße.“20 Der Abt von Clairvaux deklariert den Wendenkreuzzug wie den Orientkreuzzug als Verteidigungskrieg; also als `gerechten Krieg´, schließlich ging es um den Rückgewinn von gewaltsam Weggenommenem. Er sah in den Heiden vermutlich den Samen des Bösen, den das Christentum schon allzulange ertragen musste. „In offenbar guter Kenntnis der tatsächlichen politischen Interessen dieser ostdeutschen Herren verbietet er ausdrücklich ein Bündnis mit den Heiden, weder um Geld noch um Tribut, bis mit Hilfe Gottes entweder der Irrglaube selber oder das Volk vernichtet sei. In der Alternative ´Tod oder Bekehrung´ kommt hier der Gedanke der Zwangsmission unverhüllt zum Ausdruck.“21

5. Die Heeresführer des Wendenkreuzzugs und ihre Motive zum Feldzug gegen die Heiden

Die Begeisterung für den Orientkreuzzug, die vor allem durch die Kreuzzugpropaganda Bernhards von Clairvaux entfacht wurde, verbreitete sich in ganz Europa. In Sachsen verbreitete sich jedoch der Gedanke, dass der bewaffnete Kampf gegen die Elbslawen nicht minder verdienstvoll sei, als der Zug ins Heilige Land.

Die bedeutendsten weltlichen Kreuzfahrer waren die Kontrahenten Albrecht der Bär und Heinrich der Löwe „die oft, zum Zweck gegenseitiger Kontrolle, gleichzeitig, parallel agierten.“22 Innerhalb des Hochadels ist festzustellen, dass es welfisch und staufisch gesinnte Teilnehmer gab. Die welfisch-antistaufisch Gesinnten sammelten sich um Heinrich den Löwen, allen voran Konrad von Zähringen und die staufisch Orientierten gruppierten sich um Albrecht den Bären.23 Es ist bemerkenswert, wie die im Bereich der Elbe begüterten Herren fast ausnahmslos das Kreuz gegen die Slawen nahmen. Die Heerfahrt schien somit stark politische orientiert, denn trotz aller religiösen Stimmungen konnten diese Fürsten territoriale Gesichtspunkte keineswegs abstreiten.24

Schon lange vor dem Wendenkreuzzug 1147 rangen Heinrich der Löwe, vorher noch sein Vater Heinrich der Stolze, und Albrecht der Bär um die Herzogswürde in Sachsen.25 Das Verhältnis zwischen dem erfahrenen Herrscher Albrecht und dem jungen machtbewussten Heinrich war durch eine stetige Rivalität geprägt, die auch im Wendenkreuzzug eine wichtige Rolle spielt.

[...]


1 Kamp, Hermann; Kroker, Martin (Hrsg.): Schwertmission. Gewalt und Christianisierung im Mittelalter, Paderborn 2013, S. 9.

2 Erdmann, Carl: Die Entstehung des Kreuzzuggedankens. In: Historische Zeitschrift, Bd. 153 (1936), Nr. 3, S. 579-583.

3 Vgl.: Herrmann, Jan- Christoph: Der Wendenkreuzzug von 1147, Frankfurt am Main 2011, S. 122.

4 Kahl, Hans- Dietrich: Wie kam es 1147 zum „Wendenkreuzzug“? In: Grothusen, Klaus- Detlev; Zernack, Klaus (Hrsg.): Europa Slavica- Europa Orientalis. Festschrift für Herbert Ludat zum 70. Geburtstag, Bd.100, Berlin 1980, S. 286-296.

5 Vgl.: Kahl, S. 288.

6 Vgl.: Bartlett, Robert: Die Geburt Europas aus dem Geist der Gewalt. Eroberung, Kolonisierung und kultureller Wandel von 950 bis 1350, München 1996, S. 18.

7 Vgl.: Lotter, Friedrich: die Konzeption des Wendenkreuzzugs. Ideengeschichtliche, kirchenrechtliche und historisch-politische Voraussetzungen der Missionierung und Elb- und Ostseeslawen um die Mitte des 12. Jahrhunderts, Sigmaringen 1977, S. 59.

8 Vgl.: Kahl, S. 288.

9 Beumann, Helmut: Kreuzzugsgedanke und Ostpolitik im hohen Mittelalter. In.: Beumann, Helmut (Hrsg.): Heidenmission und Kreuzzuggedanke in der deutschen Ostpolitik des Mittelalters, Darmstadt 1962, S. 120-145.

10 Jordan, Karl: Die Bistumsgründungen Heinrichs des Löwen. Untersuchungen zur Geschichte der ostdeutschen Kolonisation, Leipzig 1939, S. 74.

11 Vgl.: Herrmann, S. 35.

12 Partenheimer, Lutz: Albrecht der Bär : Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt, 2. durchges. und um ein Ortsreg. erg. Aufl., Köln 2003, S. 102.

13 Bründing- Naujoks, Margret: Das Imperium Christianum und die deutschen Ostkriege vom zehnten bis zum zwölften Jahrhundert. In: Beumann, Helmut (Hrsg.): Heidenmission und Kreuzzuggedanke in der deutschen Ostpolitik des Mittelalters, Darmstadt 1963, S. 65-110.

14 Kahl, S. 287.

15 ebd.

16 Beumann, S.138.

17 Vgl.: Kahl, S. 287.

18 Bünding- Naujoks, S. 94.

19 Vgl.: ebd., S. 98

20 Herrmann, S. 35.

21 Beumann, S 139.

22 Herrmann, S. 158.

23 Vgl.: ebd.

24 Vgl.: Bünding- Naujoks, S. 102.

25 Vgl.: Bosau, Helmold von: Slawenchronik, neu übertr. Und erl. Von Heinz Stoob (=Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr von Stein- Gedächtnisausgabe Band 19, Darmstadt 1963, S. 207.

Details

Seiten
17
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668065390
ISBN (Buch)
9783668065406
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v308094
Note
Schlagworte
wendenkreuzzug motive heinrichs löwen albrechts bären

Autor

Zurück

Titel: Der Wendenkreuzzug 1147. Die Motive Heinrichs des Löwen und Albrechts des Bären