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Von Schultüte bis Abischerz. Bräuche zu Einschulung und Schulabschluss und ihre Bedeutung

von Vera Lehmann (Autor)

Hausarbeit 2012 11 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist ein Brauch?

3. Schuleingangsbräuche
3.1 Die Schultüte
3.2 Der Schulranzen
3.3 Die Einschulungszeremonie

4. Die Schulausgangsbräuche
4.1 Die Entwicklung der Schulausgangsbräuche
4.2 Die Bräuche der heutigen Abiturienten

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Jedes Jahr aufs Neue werden viele Kinder in Deutschland in die Schule eingeschult und beginnen somit einen neuen Lebensabschnitt als Schulkind. Dieser besondere Tag wird mit verschiedenen Riten und Bräuchen umrahmt. Es gibt Familien, in denen die Einschulung keine große Beachtung findet. In den meisten Familien jedoch wird aus diesem Tag ein großes Fest gemacht.

In der folgenden Hausarbeit möchte ich mich mit den Bräuchen rund um den Schuleingang und auch der Schulentlassung, die für die meisten Schüler ein Tag der „Erlösung“ ist, befassen. Im Gegensatz zur Einschulung sind die Bräuche der Schulentlassung eher neu moderner Art und lassen sich in den Quellen nur abgewandelt oder meist gar nicht finden. Daher richte ich mein Hauptaugenmerk auf den Schuleintritt - dessen Entwicklung und heutigen Stellenwert, nehme jedoch im letzteren Teil auch Bezug auf die Schulentlassungsbräuche. Dabei habe ich mir, unter Berücksichtigung des gesellschaftlichen und historischen Kontext, die Frage gestellt wie die Schuleintritts-und Schulentlassungsbräuche entstanden und sich im Laufe der Jahre entwickelten? Erst einmal möchte ich aber die Frage klären, was überhaupt ein Brauch ist und wieso wir diesen auch heute noch feiern?

2. Was ist ein Brauch?

Im Zusammenleben von Menschen spielen Bräuche eine wichtige Rolle1

Ein Brauch ist ein gemeinschaftsbezogenes Handeln, dass einen dynamischen Charakter besitzt, wobei aber die Handlung nicht immer dem Außenstehenden sofort ihren Sinn und ihre Funktion offenbart. Solchen Handlungen kann man sich schlecht entziehen, da Bräuche meist einen lebensläufigen oder jährlichen Charakter haben ,wie zum Beispiel Hochzeit und Bestattung oder das Osterfest und Weihnachten. Der Volkswissenschaftler Paul Geiger sagte dazu: „Da das Wesen des Volkes durch Gemeinschaft und Tradition bestimmt ist, lässt sich Brauch definieren als eine Art zu handeln, die durch Überlieferung in der Gemeinschaft von Menschen als richtig und verpflichtend empfunden wird.2 Alle Bräuche unterliegen einem festgeschriebenem zeitlichen Plan und typische Symboliken oder Requisiten. Auch das Schenken von verschiedenen materialistischen Dingen gilt als solch ein Symbol. Zur damaligen Zeit verlieh Brauchtum ein ausgeprägtes Rechtsbewusstsein und starke innere Sicherheit. Es regelte das Verhältnis zum Übernatürlichen und bestimmte das Zusammenleben mit Verwandten, Freunden und Nachbarn. Es machte das Leben „ganz einfacher und schöner“.3 Viele Bräuche sind bereits völlig in Vergessenheit geraten oder haben ihre Funktion verloren.4 „Aber die Grundlage allen Brauchtums ist immer der Glaube an die Sache, sei es bei kirchlichen oder magischen Bräuchen. Die Formel behält ihre Bedeutung, auch wenn man ihren Sinn nicht mehr versteht.“5

3. Schuleingangsbräuche

Schon im 11. Jahrhundert erwähnte der französische Abt Guibert von Nogent in seiner Lebensbeschreibung den Tag, an dem ihn seine Mutter zur Schule führte, den Tag der Einschulung. Zu damaliger Zeit wurden die Kinder am Gregoriustag, den 12. März eingeschult.6 Namensgeber dieses Tages ist Papst Gregor der Große (590-605), der Patron der Schüler. Vom 16. Jahrhundert an sah man den Gregoriustag lange Zeit als ein Schülerfesttag mit karnevalistischem Anklang an. Die Schüler verkleideten sich dabei entsprechend ihrem angestrebten Berufen.7

Seit dem 14. und 15, Jahrhundert mehren sich die Belege und Quellenbefunde, dass die Kinder wirklich am Gregoriustag eingeschult wurden. Die ersten deutschen Belege für einen Schuleingangsbrauch fand man in der lateinischen Stadtschule von Nordhausen. Hier heißt es im Jahr 1394: „ Erstlich gibt man am Feste S. Gregorii, wenn die Knaben[ in die Schule] gebracht werden, sechs Denarii für das Alphabebet, Brot und Heringe [für den Lehrer], nach Belieben der Eltern, und damit ist der Knabe befreit vom Schulgeld an den Rektor bis Michaelis.“8

Aus diesem Tag des Schulbeginns am Gregoriustag entwickelte sich allmählich eine festliche Begehung. Der Termin für den Schuleingang wird heute, je nach Schuljahresbeginn, beliebig verschoben und weist keinerlei Bezug zum damaligen Gregoriustag auf.

Die Eintrittsbräuche in die Schule haben sich, über die Generationen hinweg im deutschsprachigen Raum vergleichsweise wenig verändert. ( Siehe Anhang, Abb. 1)

Ganz typische Bräuche zur Einschulung waren und sind immer noch das Verschenken einer Schultüte und den Erhalt des ersten Schulranzens. Ein weiterer Brauch ist es, das erste Klassenfoto am Tag der Einschulung zu machen. In der östlichen Bundesrepublik wird die Einschulung schon oft im Kindergarten mit dem Zuckertütenfest gefeiert. Schuleingangszeremonien und Feste zur Einschulung, wie wir sie heute kennen, wurden erst nach 1950 gefeiert.

[...]


1 Müns, Heike: Von Brautkrone bis Erntekranz. Jahres- und Lebensbräuche im Mecklenburg- Vorpommern; Ein Handbuch, 1. Aufl., Rostock: Hirnstorff 2002, S. 9.

2 Geiger, Paul: Deutsches Volkstum in Sitte und Brauch, Berlin : de Gruyter 1936, S. 24.

3 Lehmann, Hedi: Volksbrauch im Jahreslauf, 1. Aufl., München: Heimeran Verlag 1964, S. 6.

4 Müns, S. 9.

5 Ebenda

6 Petzoldt, Leander: Volkstümliche Feste. Ein Führer zu Volksfesten, Märkten und Messen in Deutschland. München: Verlag C.H. Beck 1983, S.146.

7 Brandt, Lothar/ Hilzheimer, Achim/ Wagner, Hans Joachim: Sitten und Bräuche in Deutschland. Winterbräuche, Berlin: Die Linde 1998, S. 114.

8 Petzoldt, Volkstümliche Feste (Anm. 6), S. 146.

Details

Seiten
11
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668063563
ISBN (Buch)
9783668063570
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v308093
Note
2,0
Schlagworte
Schule Bräuche Schuleingang Schulsausgang Einschulung Abschluss

Autor

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    Vera Lehmann (Autor)

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