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Barocklyrik. Grobplanung einer Unterrichtseinheit

Hausarbeit 2012 26 Seiten

Germanistik - Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Tod und Vergänglichkeit: Vanitas als barockes Lebensgefühl
2.1 Andreas Gryphius:„Thränen des Vaterlandes“
2.2 Andreas Gryphius:„Alles ist eitel“
2.3 Simon Dach: „Letzte Rede“

3 Lebenslust und Lebensgier: Carpe diem!
3.1 Martin Opitz:"Ach Liebste, lass uns eilen"

4 Kompetenzen der Unterrichtseinheit

5 Sicherung
5.1 Form der Sicherung
5.2 Beispielaufgabe

6 Anhang

1 Einstieg in die Unterrichtseinheit

Die Unterrichtseinheit „Barocklyrik“ soll die Schülerinnen und Schüler der Sekundar- stufe I zur selbstständigen (analytischen) Aufschlüsselung und Interpretation baro- cker Gedichte hinführen.

Um einen Einstieg zu gewährleisten, der sowohl Motivation schafft als auch Vor- kenntnisse und Vorerfahrungen in Erinnerung ruft, wurde ein lehrerzentrierter an- schaulicher Unterrichtseinstieg gewählt. Dazu erstellt die Lehrkraft zu Unterrichtsbe- ginn an der Tafel gemeinsam mit den SuS eine Mindmap zum Thema „Barock“. Da- bei sind Erwähnungen aus jeglichen Bereichen (Kunst, Musik, Literatur, etc.) mög- lich. Somit wurde ein gewisser Grad an Informationen preisgegeben, den es im Fol- genden zu erhöhen gilt.

Dazu zeigt der Lehrer eine OH-Folie mit mehreren Abbildungen zum Thema Barock (barocke Prachtbauten, Malereien, Kleidung zur damaligen Zeit, etc.). Die SuS su- chen sich jeweils eine für sie interessante Darstellung heraus und beschreiben sie. Es folgen Ergänzungen durch die Mitschüler bzw. die Lehrkraft selbst. Die wichtigs- ten Feststellungen werden an der linken Tafelseite unter dem Titel „Barock -eine Epoche mit zwei Gesichtern“ festgehalten. Es folgen als Kontrast Abbildungen von der Kehrseite dieser Epoche (Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges, Totenschä- del, Stillleben mit dem Vanitas-Motiv1, etc.) die wiederum beschrieben und ggf. an

der Tafel festgehalten werden. Aufgrund dieser Vorlage überlegen die SuS, wie die zeitlich fast parallelen Phänomene auf die Menschen des 17. Jahrhunderts gewirkt haben müssen und was dies wiederum für die Literatur der damaligen Zeit bedeuten könnte. Es wird an der Tafel als Fazit festgehalten, dass die gesamte Epoche von einer gewissen Antithetik durchdrungen ist, die sich auch im Zeichen der Literatur widerspiegeln mag. Nun werden die wichtigsten Autoren des Barocks durch den Lehrkörper in Kürze (mit Hilfe eines Steckbriefs bzw. weniger Stichpunkte) und bild- lich unterlegt vorgestellt: Andreas Gryphius, Martin Opitz, Christian Hofmann von Hofmannswaldau, Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen und Paul Fleming. Hierfür scheint eine PowerPoint-Präsentation am besten geeignet. Um die Schüler auf die folgenden Stunden einzustimmen, wird durch den Lehrkörper verkündet, dass man sich zukünftig mit den wichtigsten Motiven und Gedanken jener 1 Das Vanitas-Motiv wird jedoch an dieser Stelle noch nicht explizit benannt.

Zeit auf verschiedene Weisen auseinanderzusetzen gedenkt. Dabei werde der Schwerpunkt auf Gedichten liegen.

2 Tod und Vergänglichkeit: Vanitas als barockes Lebensgefühl

2.1 Andreas Gryphius:Thränen des Vaterlandes

2.1.1 Textauswahl

Thränen des Vaterlandes

Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr den ganz verheeret! Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun

Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Karthaun

Hat aller Schweiß, und Fleiß, und Vorrat auf gezehret.

Die Türme stehn in Glut, die Kirch’ ist umgekehret.

Das Rahthaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun, Die Jungfern sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun, Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

Hier durch die Schanz und Stadt, rinnt allzeit frisches Blut. Dreimal sind schon sechs jahr, als unser Ströme Flut,

Von Leichen fast verstopfft, sich langsam fort gedrungen,

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod, Was grimmer den die Pest, und Glut und Hungersnot, Das auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.

(1636, Andreas Gryphius)

2.1.2 Sachanalyse zum Gedicht Thränen des Vaterlandes

Aufbau:

Sonett in 14 Versen

umarmender Reim in den Quartetten, Schweifreim in den Terzetten männliche wie weibliche Kadenzen

Metrum: 6-hebiger Jambus (Alexandriner)

Inhalt :

lyrisches Ich berichtet von den Schrecken des Krieges

Personifikation in der Überschrift weist auf Leiden der Bevölkerung hin

Strophe 1: - Exclamatio (V.1) verdeutlicht Bestürzung des lyrischen Ichs; Le- ser wie Gesellschaft werden mit einbezogen(„wir“)

Asyndeton(V. 2-3) benennt Kriegswerkzeuge als Gründe für flächendecken- des Elend; Intensivierung durch Hyperbel („das vom Blut fette Schwert“ ) Strophe 2: in gesteigerter Form werden Auswirkungen des Krieges aufgezählt; Aspekt des Vanitas-Gedankens tritt zutage

geistliche Institution als Militärstützpunkt missbraucht und entweiht („die Kirch ist umgekehret“) - Verlust der Kirche als Rückzuggebiet; Gottvertrauen der Bevölkerung erschüttert führt den ursprünglich aus Glaubensgründen be- gonnenen Krieg ad absurdum

Strophe 3: Dauer und Allgegenwärtigkeit des Kriegstreibens wird unterstri- chen( „rinnt allzeit frisches Blut. Dreimal sind schon sechs Jahr…“); Frage, wie lang dieser Zustand noch anhalten soll, wird aufgeworfen

Symbolik der drei Sechsen impliziert Bezug zum Antichristen

Strophe 4: bisher genannte Schrecken werden relativiert durch die für das lyri- sche ich verheerendste Konsequenz der Kriegssituation („das auch der See- len Schatz so vielen abgezwungen.“) christlicher Glaube/ moralische Integ- rität des Einzelnen wichtiger als alles Vergängliche auf Erden

schlussendlich angedeutete Hoffnungslosigkeit, dass sich diese Güter in Zei- ten des Krieges schwer bewahren lassen und die seelischen Strapazen auch nach dem Tod andauern (memento mori!)

2.1.3 Aufgabe und Lernzielformulierung

Aufgabe:

Diskutiert die im Text beschriebenen Auswirkungen des Krieges.

Welche Grundstimmung wird hier erzeugt? Welche mögliche Folge ist nach Meinung des lyrischen Ichs die schlimmste?

Bezieht auch den ausgeteilten Informationsbogen über den dreißigjährigen Krieg in

Eure Überlegungen mit ein.

Lernziel:

Die Schüler sollen Einsicht in Historizität und damit gleichzeitig in die historische Be- dingtheit der eigenen Position gewinnen.

2.2 Andreas Gryphius:„Alles ist eitel“

2.2.1 Textauswahl

Es ist alles eitel2

Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden, Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;

Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiese sein,

Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.

Was itzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden. Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein; Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.

Itzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.

Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn? Ach, was ist alles dies, was wir vor köstlich achten,

2 Gryphius, Andreas: Es ist alles eitel. In: Blickfeld Deutsch. Oberstufe. Hrsg. von Peter Mettenleiter u. Stephan Knöbl. Paderborn: Schöningh Verlag im Westermann Schulbuchverlag 2003, S. 134.

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind, Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind’t.

Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.

(1663, Andreas Gryphius)

2.2.2 Sachanalyse zum GedichtEs ist alles eitel

Aufbau:

Sonett, d.h. ein 14-versiges Gedicht mit vier Strophen, die aus zwei Vierzeilern

(= Quartetten) und zwei Dreizeilern (= Terzetten) bestehen

Reimschema:

Quartette: umarmender Reim (abba , abba) Terzette: Schweifreim ( ccd, eed)

Versmaß und Rhythmik: Alexandriner, d.h. ein 12- bis 13-silbiger jambischer Vers (6-hebige Jamben) mit einer festen Mittelzäsur nach der dritten Hebung bzw. sechsten Silbe, der einen streng gebundenen Rhythmus bewirkt:

[ v - / v - / v - // v - / v - / v - / v ] Vers 1 (13-silbig) [ v - / v - / v - // v - / v - / v - ] Vers 2 (12-silbig)

- jeder Vers beginnt mit einer unbetonten Silbe/ einer Senkung [v]

- endet ein Vers mit einer unbetonten Silbe/ einer Senkung [v], so haben wir eine weibliche Kadenz am Ende des Verses vorliegen -> Bsp.: Erden (V. 1), Herden (V. 4)

- endet ein Vers mit einer betonten Silbe/ einer Hebung [-], so haben wir eine männliche Kadenz am Ende des Verses vorliegen -> Bsp.: ein (V. 2), sein (V.

3)

-der Rhythmus der Kadenzen spiegelt das Reimschema wider:

abba = wmmw (w = weibliche Kadenz; m = männliche Ka- denz)

ccd = mmw

eed = mmw

[...]

Details

Seiten
26
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668067707
ISBN (Buch)
9783668067714
Dateigröße
847 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v308082
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
Note
2,3
Schlagworte
Unterrichtsentwurf Lyrik Barock Gryphius vanitas Thränen des Vaterlandes Alles ist eitel Interpretation Analyse Simon Dach Letzte Rede Martin Opitz Ach Liebste lass uns eilen Carpe diem Barocklyrik dreißigjähriger krieg memento mori Kompetenz Lernziel Der Graf Die Ärzte Vergänglichkeit Sachanalyse Sonett

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