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Verkehrung der Aufklärung. Die Frage der Schuld in Heinrich Leopold Wagners "Die Kindermörderin"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 25 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Naivität und Patriarchat
2.1 Die Schuld der Mutter
2.2 Die Schuld des Vaters

3 Stände und Aufklärung
3.1 Die Schuld Hasenpoths
3.3 Die Schuld des Magisters
3.2 Die Schuld Marthans

4 Effekte fragmentarischer Aufklärung
4.1 Die Schuld Gröningsecks
4.2 Die Schuld Evchens

5 Synopsis: Historischer Hintergrund und Wagners Verarbeitung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Mit der Motivik des Kindsmords1 wurde sich bereits in antiker Literatur befasst; neben der wohl bekanntesten Figur der Medea lässt beispielsweise Ovid in seinen Metamorphosen mehrfach Kinder durch ihre (vorzugsweise) Mütter zu Tode kommen2. Diesen gemeinsam ist jedoch gewöhnlich blinder Zorn, der häufig durch Hera oder Dionysos herbeigeführt wurde. Ein psychologisches Moment wird gewöhnlich nicht reflektiert. Im literarischen Zeitalter des Sturm und Drang wurde dieses Thema wieder vermehrt aufgegriffen3, wobei sich hier, der Epoche entsprechend, tiefergehend mit den Begleitumständen befasst wurde, die zum Mord an den Kindern führten.

Auch in Wagners Werk steht die Aufarbeitung dieses Moments im Vordergrund4 und soll im Folgenden aufgearbeitet werden, indem untersucht wird, welche Umstände die Protagonistin dazu veranlassten, ihr Neugeborenes zu töten. Hierfür wird die Handlung jedes zentralen Charakters einzeln untersucht sowie dessen daraus resultierenden Einfluss auf die finalen Ereignisse. Der Begriff der Schuld jedes einzelnen Protagonisten soll hier eine zentrale Rolle einnehmen, wobei am Schluss der vorliegenden Arbeit eine historische Betrachtungsweise vorgenommen und mit den zuvor gesammelten Erkenntnissen zusammengeführt werden soll5.

Die Frage nach der Schuld soll dabei nicht vorranging juristisch geklärt werden; vielmehr soll gezeigt werden, welche gesellschaftlichen Faktoren innerhalb des Dramas zur Katastrophe führen und welche moralische Wertung von gesellschaftlichen Normen und Verhaltenskodizes vorgenommen wird. Ein Schwerpunkt in der Beobachtung soll hierbei der Verkehrung aufklärerischer Werte in ihr Gegenteil zukommen sowie der literarische Kritik dieses Phänomens.

2 Naivität und Patriarchat

Im Sinne des Bürgerlichen Trauerspiels siedelt Wagner seine Protagonisten im bürgerlichen Milieu an, deren Selbstbewusstsein einerseits derart erstarkt ist, dass sie sich vom Adel bewusst abgrenzen wollen, andererseits aber mit dessen Umgangsformen überfordert sind und ihre gesellschaftliche Emanzipation nicht zu behaupten wissen. Exemplarisch stehen hierfür Mutter und Vater Humbrecht, deren Rolle im Folgenden einer tiefergehenden Betrachtung unterzogen wird.

2.1 Die Schuld der Mutter

Evchens Mutter ist es, die -unwissentlich- ihre Tochter mit in das Bordell nimmt und Gröningsecks Vorhaben eine Plattform bietet. Ohne jeden Widerstand lässt sie sich von Gröningsecks fadenscheinigen Ausflüchten überzeugen; sie gibt stattdessen offen zu, dass Gröningsecks Charme ausgeliefert ist6, reflektiert dies jedoch in keiner Weise kritisch. Dass ihrer Tochter diese Gesellschaft (auch mangels Erfahrung) keineswegs behagt, bleibt ihr dabei weitestgehend verborgen; vielmehr bestärkt sie Gröningseck darin, sich an Evchen heranzuspielen, da ihr selbst seine Avancen durchaus angenehm sind und sie daraus schließt, dass auch Evchen daran Gefallen finden müsse. Zusätzlich scheint Mutter Humbrecht davon auszugehen, dass dies in derlei gesellschaftlichen Kreisen, in denen sie sich nur allzu gern bewegen möchte, dazugehöre.

Dass Evchen ihre Mutter nach der Vergewaltigung dann als Kupplerin bezeichnet, kommt nicht von ungefähr, immerhin hat sie das Verhalten von Gröningseck nicht nur geduldet, sondern vielmehr befördert. Mutter Humbrecht sehnt sich nach Gröningsecks Aufmerksamkeit, lässt sich dabei bereits mit lächerlicher Ignoranz abspeisen7 und ergreift schließlich schon beinahe selbst die Initiative, indem sie zunehmend offensiv seine Nähe sucht8. In ihrem Eifer agiert Mutter Humbrecht im Bordell gewöhnlich gegen Evchen und tritt in Konkurrenz zu ihr. Dadurch ist sie nicht der Rückhalt, den ihre Tochter benötigt, sondern ein weiterer Unsicherheitsfaktor in der so ungewohnten Situation, der die bevorstehende Vergewaltigung begünstigt. Da Mutter Humbrecht stetig Ereignisse im Leben ihrer Tochter auf das ihre projiziert9, muss Evchen Ersatzhandlungen für ihre Mutter ausführen, die jener gleichzeitig Möglichkeiten eröffnen sollen, die diese selbst nie hatte.

Als sie schließlich doch leichten Zweifel an Gröningsecks Absichten hegt10, hat Frau Humbrecht bereits in ausreichender Weise dazu beigetragen, sich auch von Evchens naiven Argumenten widerstandslos überzeugen zu lassen und erklärt schließlich, immer nur im Sinne ihrer Tochter zu handeln. Den vermeintlichen Charme Gröningsecks fehlinterpretiert sie ebenso zielsicher wie den des Etablissements, in dem sie sich nach dem Ball befinden: Zwar äußert sie zunächst leise Skepsis, dass es sich um ein „honettes“11 Haus handle; da sie jedoch gern glauben möchte, sich weiterhin in guter Gesellschaft zu befinden, ist Frau Humbrecht leicht davon zu überzeugen. Dies wird weiterhin deutlich, als sie Gröningsecks Argumente für den Ball offenlegt, denn immerhin habe es sich um den letzten standesgemäßen Zeitpunkt gehandelt, um eben jenen zu besuchen12.

Auch nach der Vergewaltigung ihrer Tochter ist Mutter Humbrecht nicht in der Lage, Gefühlsregungen bei Evchen richtig und vor allem im Sinne ihrer Tochter zu deuten: Während der Magister erkennt, dass seine Nichte ausgiebig geweint haben muss13, lässt sie ihre Tochter nicht einmal zu Wort kommen, sondern begründet ihre geröteten Augen schlicht mit Übermüdung und mangelnder Gewohnheit Evchens. Dieser wird damit sogleich die Möglichkeit genommen, das Geschehene zu offenbaren und auch im weiteren Verlauf vernichtet Mutter Humbrecht mit deutlichen Worten einen weiteren Erklärungsversuch ihrer Tochter14. Dass jene keinen (oder teilweise einfach einen falschen Blick) für Evchens Reaktionen hat, ist u.a. durch den andauernden Kleinkrieg mit ihrem Ehemann zu erklären: Dessen rigide bürgerliche Einstellung steht den Wünschen und Ansprüchen seiner Frau entgegen; diese Differenzen werden durch das Verhalten ihre Tochter verkörpert. Auch als Evchen in den Armen ihres Vaters ängstlich zittert15, erkennt dies Mutter Humbrecht nur deshalb, weil sie es sogleich gegen ihren Mann verwenden kann.

Schließlich weiß Evchen, dass sie sich ihrer Mutter nicht anvertrauen kann, da diese keine Hilfe, sondern eine zusätzliche Belastung bedeuten würde. Als die Melancholie ihrer Tochter zunimmt, bemerkt Mutter Humbrecht Evchens Schwermut durchaus, schafft es aber nicht, auf diesen adäquat zu reagieren und kann lediglich mit der Bitte um Unterlassung desselben sowie einer Bedrohung durch den Vater reagieren16. Ihr mangelndes Einfühlungsvermögen erhöht die massiven Probleme ihrer Tochter zusätzlich, was diese ihrer Mutter gegenüber auch durchaus artikuliert17, jedoch kann Frau Humbrecht in ihrer eigenen Hilflosigkeit und Überforderung nur mit weiteren Vorwürfen reagieren18. Als ihre Tochter schließlich dem elterlichen Hause entflieht, ist Mutter Humbrecht zunächst von ihrer Unschuld als Mutter überzeugt19. Sie macht dem Magister so erbitterte Vorwürfe auf seine Vermutung, Evchen könne schwanger sein, dass sogar ihr Mann als schlichtende Instanz einschreiten muss. Diese Überzeugung schwindet erst, als der Fiskal, dem sie nicht ohne Ehrfurcht begegnet20, die tatsächlichen Umstände des für Evchen so fatalen Abends schildert. Schließlich geht sie wortlos weil fassungslos von der Bühne ab21 und kehrt auf diese nicht mehr zurück: Überliefert ist, dass sie aus Gram zugrunde gegangen ist; es darf vermutet werden, dass die Erkenntnis über ihre eigene Schuld eminent dazu beigetragen hat.

Die restriktiven Gesellschaftsansprüche ihrer eigenen Jugend machen sich bei Evchens Mutter bemerkbar: Einerseits ist sie leicht verführbar und hat einen naiven Umgang in ihr unbekannten Situationen und Lokalitäten. Andererseits will sie durch ihre Tochter Versäumnisse ihrer Jugend nachholen und lässt sich allzu leicht vom Glanz der ihr ungewohnten Welt vereinnahmen und blenden22. Darüber hinaus hofft sie, ihre Tochter in einen besseren Stand zu verheiraten, womit nicht nur Evchen, sondern auch sie selbst eine Aufwertung (gesellschaftlich wie persönlich) erleben würde und Ballabende wie dieser keine Ausnahme in ihren tristen Alltag bedeuten würden. Dabei agiert die Frau Humbrecht zunächst gewöhnlich gegen Evchen, schließlich an ihr vorbei; ihre andauernde Passivität gipfelt am Abend des Balls in ihrer Ohnmacht. Diese ausschließlich inaktive Haltung wurde jedoch stets von ihr verlangt, besonders durch ihren Ehemann. Zwar hat sie den Willen, sich von dieser ihr zugestandenen Rolle zu emanzipieren, jedoch verfügt sie vor allem nicht über die intellektuellen Mittel, dies erfolgreich zu vollführen.

2.2 Die Schuld des Vaters

Martin Humbrechts erster Auftritt folgt unmittelbar auf Evchens Vergewaltigung: Während die Mutter ihrem Mann vorwirft, die gemeinsame Tochter zu sehr zu behüten, empfindet der Vater sich damit im Recht23. Seine grobe und wenig einfühlende Art veranlassen ihn in seiner Scheu vor einer gleichberechtigten Diskussion dazu, seine Argumente wiederholt mit Spott24 und Schmähung25 hervorzubringen. Damit macht er gleichfalls deutlich, wie wenig Wert er auf ihre und andere Ansichten generell legt26: Auch rationale Argumente wehrt er auf diese Weise ab, sodass eine Lernprozess gar nicht erst einsetzen kann (resp. soll). Stattdessen beharrt Humbrecht auf seinen eigenen Erfahrungen27, die sich aufgrund seiner Verweigerung gegen vermeintlich nicht standesgemäße Meinungen zu einem Dogma entwickelt haben28.

Die Ehre seines Standes definiert er u.a. explizit darüber, sich von den Gepflogenheiten anderer strickt ferngehalten zu haben29 und dennoch (oder deshalb) allein durch sein Handwerk zu seinem Ehre gelangt zu sein30 ; auf seine Errungenschaften ist er stolz, mit diesen gleichzeitig aber auch zufrieden. Diesen Stolz verteidigt er blind und prinzipientreu31. Ein seinem Beispiel entsprechendes Verhalten verlangt er auch von Frau und Tochter. Dass diese ihm zuwider gehandelt haben, missbilligt er mit drastischen Worten, erfasst aber unwissentlich, dass er mit seinem Habitus das Schicksal seiner Tochter prophezeit und gleichzeitig initiiert.

[...]


1 Kindsmord wurde vorrangig als solcher behandelt, wenn das unehelich geborene Kind unmittelbar nach der Geburt durch die Mutter getötet wurde; jedoch kann das Kind auch durchaus bereits einige Monate alt, die Mutter verheiratet oder die Tat von einem Mann verübt worden sein (vgl. v. Dülmen, R. Frauen vor Gericht. Kindsmord in der frühen Neuzeit. Frankfurt a. M. 1991, S.9).

2 Beispielsweise Procne, das Schicksal des Pentheus oder Athamas.

3 „Das Thema Kindsmord hatte Hochkonjunktur, und wer als Dichter etwas auf sich hielt, schrieb darüber […]“ (s. Alefeld, Y-P. Von der Liebe und anderen schrecklichen Geschichten. Festschrift Hans-Georg Pott. Bielefeld 2007, S.166).

4 Peters macht darauf aufmerksam, dass Zeitgenossen Wagners sich eher auf die Rolle des Verführers fokussiert, während er selbst die Protagonisten reflektiert (vgl. Peters, K. Der Kindsmord als schöne Kunst betrachtet. Eine motivgeschichtliche Untersuchung der Literatur des 18. Jahrhunderts. Würzburg 2001, S.63).

5 Die Frage, ob es sich beim Zeugungsakt um eine Verführung oder Vergewaltigung von Evchen handelt, ist rezeptionsgeschichtlich durchaus umstritten. Unabhängig von dieser Tatsache wird innerhalb der textlichen Analyse von einer Vergewaltigung Evchens ausgegangen. Die sprachliche Darstellung des ersten Aktes lässt dies meiner Meinung nach zu; auch die neure Forschung vertritt im Großteil diese Deutung, während die zeitgenössische Interpretation dies durchaus gegenteilig sah (vgl. Alefeld, S.174 sowie Peters, S.67).

6 „man muß ihm gut seyn, nicht ob man will […]“ (s. Wagner, H. Die Kindermörderin. Hrsg. von Fechner, J-U. Stuttgart 2010. (im Folgenden als Wagner zitiert). S.7).

7 „Ne denn! wenns nur ihnen gut genug ist […]“ (s. Wagner, S.10).

8 „[…] bückt sie sich vorwärts an des Lieutenants Brust, […] sie drückt ihm die Hand, und küßt sie. “ (s. ebd.).

9 „Denk doch! und ich war nächst an vier und zwanzig, als ich meinen Humbrecht kriegte […]“(s. Wagner, S.11).

10 „[…] sie wollen mir, glaub ich ein Räuschchen anhängen, nein, nein! da wird nichts draus. – Na denn; meinem lieben Mann zu Ehren; ich geb mir die Ehr – (will aufstehn.) “. (s. Wagner, S.11).

11 S. Wagner, S.6.

12 Vgl. Wagner, S.20.

13 Vgl. Wagner, S.27.

14 Diesen würgt sie buchstäblich mit harschen Worten ab: „Kindskopf! […] – Evchen. Nein, nicht lang: und doch länger als – Fr. Humbrecht. Bald werd ich wild: – soll ich dir jedes Wort aus dem Hals heraushaspeln? […] (s. Wagner, S.28).

15 Vgl. Wagner, S.31.

16 Vgl. Wagner, S.46.

17 „[…] Soll ich aber die Wahrheit gestehn, Mutter, so hat der Ungestüm, mit dem sie mir die Ursache meines Kummers, […] bald in den Augen lesen, bald mit Drohen, bald mit Liebkosen herauspressen wollten, sehr viel dazu beigetragen, meine Melancholie oder Kopfhängerey, wie sies nennt, zu vermehren. […]“ (s. Wagner, S.47).

18 Vgl. Wagner, S. 46.

19ich hab das Meinige gethan – so gut wie du immer!“ (s. Wagner, S.66).

20 „Still, Martin! der Herr Fiskal! –“ (s. ebd.).

21 Fr. Humbrecht (schlägt die Händ über dem Kopf zusammen, will reden, verstummt, und geht ab.) (s. Wagner, S.69).

22 Vgl. Kaarsberg Wallach, M. Emilia und ihre Schwestern. Das seltsame Verschwinden der Mutter und die geopferte Tochter. In: Mütter – Töchter – Frauen. Weiblichkeit in der Literatur. Hrsg. Von Kraft, H. und Liebs, E. Stuttgart und Weimer 1993.S. 53 ff.

23 Die Paradoxie ihres Gespräches ist den Eltern natürlich nicht bewusst, pointiert jedoch, welche Schuld beide Elternteile am unmittelbar zuvor Geschehenen tragen.

24 „Du hast Recht, Frau! - hast immer Recht!“ (s. Wagner, S.19. wiederholend), „ (ihr nachäffend.) […] wenn! wenn! – (mit geballten Fäusten) Himmel, wie wollt ich mit euch umspringen! […]“ (s. Wagner, S.22) u.a.

25 „[…] so halts Maul“ (s. Wagner, S.19). Diese sehr direkte Art steht der zuvor durch Gröningseck gepflegten im starken Kontrast gegenüber und macht einerseits Frau Humbrechts Empfänglichkeit für sowie Unerfahrenheit mit jener verständlich; andererseits wird hier in mehrerlei Hinsicht der Unterscheid zwischen Aristokratie und Bürgertum stilisiert.

26 An der Meinung des zurate gezogenen Magisters zweifelt Humbrecht ebenfalls, bevor dieser sich zu der Sache überhaupt geäußert hat (vgl. Wagner, S.20 f.).

27 „ich glaub nur was ich weiß“ (s. Wagner, S.22).

28 Alefeld merkt an, Wagners Werk sei u.a. „eine Verhaltenslehre zur Vermeidung von Zügellosigkeit“ (vgl. Alefeld, S.165). Dies kann nicht nur auf die sexuelle Zügellosigkeit bezogen werden, sondern auch die Wut von Vater Humbrecht, der chronische Probleme hat, eben diese zu kontrollieren; hätte er diese Fähigkeit, würde das Drama womöglich nicht derart eskalieren.

29 Vater Humbrecht regiert über sein (familiäres) Volk wie ein König (vgl. Weber, B. Die Kindermörderin im deutschen Schrifttum von 1770-1895. Bonn 1974. S.81 f. sowie Haupt, J. „Die Kindermörderin“. Ein bürgerliches Trauerspiel vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. In: Orbis Litterarum 32/1977. Kopenhagen 1970, S.285-301. S.287) Damit agiert er im Grunde ebenso wie der von ihm verabscheute Stand und erreicht das Gegenteil seines Anspruchs; selbstverständlich wird das von ihm nicht reflektiert.

30 „Es gehört sich aber nicht für Bürgersleut […]“ sowie „[…] ich hab auch einen Stand, und jeder bleib bey dem Seinigen […]“ und „[…] aber Handwerksweiber, Bürgerstöchter sollen die Nas davon lassen […]“ u.a. (s. Wagner, S.20 ff.).

31 Humbrecht reagiet auf potentielle Vorwürfe, ohne dass diese überhaupt vorgebracht werden können und verteidigt Keuschheit seiner Tochter ohne konkreten Vorwurf (vgl. Wagner, S.58 f.), wobei seine Verteidigungsstrategie daraus besteht, die Kirche verderbe (junge) Menschen (vgl. Wagner, S.59).

Details

Seiten
25
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668061743
ISBN (Buch)
9783668061750
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v308075
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
Note
1,7
Schlagworte
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Titel: Verkehrung der Aufklärung. Die Frage der Schuld in Heinrich Leopold Wagners "Die Kindermörderin"