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Interkulturelle Pädagogik als Resultat dynamischer Migrationsprozesse? Interkulturelle Konzeptionsentwicklung für pädagogische Einrichtungen

Bachelorarbeit 2015 70 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Abbildungsverzeichnis

2 Einleitung

3 Migration und kulturelle Vielfalt
3.1 Ursachen bzw. Formen von Migration
3.2 Bewusstsein für eine kulturelle Vielfalt in einer Gesellschaft
3.3 Was ist Kultur? Definitionen und Modelle zum Kulturbegriff
3.4 Gefahr einer gesellschaftlichen und politischen Ausgrenzung durch prekäre Fremdbilder
3.5 Idee der Transkulturalität nach Wolfgang Welsch

4 Interkulturelle Pädagogik
4.1 Zur Entstehung einer interkulturellen Pädagogik
4.2 Pädagogische Arbeit als Wegbereiter zum interkulturellen Bewusstsein?
4.3 Bedeutung von Modellen und Ansätzen für ein interkulturelles Lernen
4.4 Interkulturelle Modelle und Ansätze
4.4.1 Bildungs- und Orientierungsprogramme
4.4.2 Staatliche Europa-Schule Berlin
4.4.3 Anti-Bias-Approach

5 Zusammenfassung

6 Schluss

7 Literaturverzeichnis

1 Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kulturzwiebel nach Hofstede

2 Einleitung

Laut dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes von 2013 rund 16,5 Millionen Menschen mit einem Migrationshintergrund in Deutschland, was einem Anteil von 20,5 % der Gesamtbevölkerung entspricht1. Die Pluralisierung der kulturellen Lebenseinflüsse und Lebenswelten nimmt in Mehrheitsgesellschaften immer mehr zu, weshalb diese immer schneller verschwinden2. Vielfalt der Kulturen stellt in Einwanderungsgesellschaften, wie auch Deutschland eine ist, einen wichtigen Teil dar, der auch aus dem beruflichen Alltag von pädagogischem Fachpersonal nicht mehr wegzudenken ist. Im Alltag werden sie zunehmend mit kulturell heterogenen Gruppenkonstellationen konfrontiert, weshalb von ihnen gefordert wird, auf unterschiedlichen Ebenen mit einer Vielfalt im Kontakt mit Familien aber auch mit Kolleginnen und Kollegen umzugehen3.

Doch kann sich die alltägliche Begegnung mit kulturell fremden Lebensbedingungen in Mehrheitsgesellschaften für viele als problematisch darstellen. Was ich in dieser Arbeit mit hervorheben möchte, ist, dass diese fremd erscheinenden Bedingungen überschattet werden von Diskriminierungen und anderen schwer wahrnehmbaren Formen von passiver Gewalt, die sich sowohl hinter Dominanz- und Machtstrukturen als auch hinter Normativitätsvorstellungen einer dominierenden Gesellschaftsstruktur verbergen4. Schnell werden dadurch Vorurteile gebildet, die im schlimmsten Fall zu einer rassistisch motivierten Abgrenzung und Stereotypisierung führen können, Peter Nick spricht hierbei von einer konstruierten „strukturellen Fremdheit“5. Institutionen und Strukturen des elementaren Bereiches spiegeln die Realität der Gesellschaft wider, weshalb immer mehr interkulturelle Handlungskompetenzen gefragt sind6. Da Kinder in besonderer Weise von Ausgrenzung und Marginalisierung bedroht sind, gewinnen diese Kompetenzen für die Arbeit mit interkulturellen Konzeptionen immer mehr an Bedeutung und sind mittlerweile sehr oft sogar Voraussetzung7.

Selbstreflexion und Selbstthematisierung ist dabei ein wichtiger Teil interkultureller Bildung und Erziehung. Das Bewusstwerden, dass Vielfalt existiert, geht mit der Begegnung mit dem Fremden einher und regt zur Auseinandersetzung mit dem Eigenen an8. Als erste außerfamiliale Bildungsstation stehen Kindertageseinrichtungen deshalb mit im Fokus, früh ein Bewusstsein für kulturelle Vielfalt zu entwickeln9. Hierbei kommt es nicht nur darauf an zu betrachten, wie Kinder mit und ohne Migrationshintergrund am besten lernen können, miteinander umzugehen, sondern wie jedem Kind die gleichen Chancen geboten werden kann, Teilhabe an der Gesellschaft zu erlangen10. Um diese Chancen elementar zu verbessern, nehmen insbesondere Schulen als die Institution, mit der Kinder am häufigsten in Berührung kommen, einen wichtigen Stellenwert ein, vor allem wenn es sich um die Untersuchung des Interaktionsprozesses zwischen Kindern aus Migrantenfamilien und „[…] den auf sie bezogenen Institutionen […]“11 handelt.

Insbesondere Großstädte arbeiten mit Kindertageseinrichtungen und Schulen immer häufiger an Ansätzen und Konzeptionen, die die vielfältigen kulturellen Hintergründe thematisieren12. Da die Begegnung mit dem Fremden in unserer Gesellschaft alltäglich geworden ist und wir ständig auf unterschiedlichen Ebenen mit Ungewohntem in Berührung kommen, ist der Umgang mit dieser Thematik „[…] eine Herausforderung, der wir uns in unseren heutigen Gesellschaft mehr denn je stellen müssen“13. Doch geht es hierbei weit mehr als nur um die bloße pädagogische Wahrnehmung von Unterschiedlichkeiten. Nach Margarete Blank-Mathieu geht es vielmehr darum, dass Kinder mit Migrationshintergrund sich ihrer Wurzeln wertgeschätzt fühlen können und ihr Selbstwertgefühl bestärkt wird, indem die Mehrheitsgesellschaft „Fremdes als Interessantes, Lernenswertes und Erstrebenswertes […]“ betrachtet14, auch nicht darum Migrantenkinder zu integrieren und ihre Defizite auszumerzen, sondern alle Kinder so auf ihr späteres Leben vorzubereiten, dass sie ein Weltbild entwickeln, das sich daran ausrichtet kulturelle Vielfalt als Bereicherung für eine Gesellschaft anzusehen15. Wie bereits aufgeführt wurde, ist es wichtig zu erkennen, dass es bei der Idee des interkulturellen Lernens insbesondere darum gehen muss „[…] Denkperspektiven, Wertvorstellungen, Verhaltensweisen der von anderen Kulturen geprägten Menschen kennen zu lernen, eigene zu reflektieren und gegebenenfalls Elemente anderer Kulturen in die eigene kulturelle Identität zu integrieren. Für interkulturelles Lernen ist die direkte Konfrontation und Interaktion ein unverzichtbares Element […]"16.

Ob und inwieweit diese Ansichten für ein interkulturelles Lernen in den heutigen Konzepten und Ansätzen berücksichtigt werden und welche Rollen die Pädagogen und Pädagoginnen dabei einnehmen, ein interkulturelles Bewusstsein bei Kindern auszubilden, sind zentrale Fragen, mit denen ich mich in dieser Abschlussarbeit im Detail beschäftigen möchte.

Bevor ich mich jedoch mit der Erörterung der genannten Kernfragen befasse, beabsichtige ich einige grundlegende Problematiken, die die Thematiken der interkulturellen Bildung und Erziehung seit ihrer Etablierung während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute beeinflussen, anzusprechen. Hierbei lässt sich unter anderem konstatieren, dass sich eine uns bekannte Arbeitsmigration nur als Teil von geschichtlich weitzurückreichenden, globalen Migrationsbewegungen herausstellt, die heutzutage mit weltweiten wirtschaftlichen Zusammenschlüssen und kommunikativen Verbindungen einhergehen, aber nach Dr. Annette Treibel trotzdem individuell unterschiedlich motiviert sein können.

Welche Umstände und Ursachen Menschen zur Migration veranlassen beziehungsweise wie dieser Begriff heutzutage definiert wird, möchte ich im ersten Teil meiner Arbeit ausführen. Dies soll zur Bildung eines Leitgedankens zu Beginn dieser Arbeit führen, mit der Intention den Migrationsprozess als wichtigen Punkt zur Entwicklung von Mehrheits- zu multikulturellen Gesellschaften anzusehen. Vorweg möchte ich jedoch andeuten, dass ich darauf verzichten werde eine ausführliche, geschichtliche Entwicklung des Migrationsprozesses darzulegen, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen und die wesenhafte Thematik dieser ignorieren würde. Es wird lediglich eine kurze geschichtliche Einführung zu diesem Unterpunkt gegeben, der dazu dient Migration beziehungsweise Wanderung von Individuen nicht als Phänomen neuerer Zeiten anzusehen.

Des Weiteren und daran anknüpfend möchte ich mit der Thematik der kulturellen Vielfalt fortfahren und ihre Bedeutung für die Gesellschaft verdeutlichen. Hierzu soll die Entwicklung des Kulturbegriffes veranschaulicht werden, indem einige kulturanthropologische Ansätze und Definitionen präsentiert werden. So definiert zum Beispiel Alexander Thomas Kultur als ein gesellschaftliches Orientierungssystem, dass „[…] aus spezifischen Symbolen (z.B. Sprache, Gestik, Mimik, Kleidung, Begrüßungsritualen) gebildet wird und in der jeweiligen Gesellschaft, Organisation tradiert […]“17. Ergänzend zum gesellschaftlichen Orientierungssystem spricht Samuel P. Huntington von “Clash of Cultures“18, was auf die Gefahr aufmerksam macht, wenn mehrere Kulturen aufeinandertreffen.

Diese direkte Konfrontation und Auseinandersetzung mit fremden Kulturen können sich aufgrund eines selbstkonstruierten Fremdheitsbildes als problematisch herausstellen. Pädagogische Organisations- und Handlungsformen sind der Ansicht von Dr. Paul Mecheril nach mit weitreichenden Konsequenzen behaftet, die mit sogenannten „Phänomenen der Migration“ verknüpft sind und zugleich den politisch gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema Vielfalt negativ beeinflussen, da Migration problematisiert wird. Diese Erscheinungen werden konstruiert, indem insbesondere politische Entscheidungsträger sich weigern gesellschaftliche, individuelle und soziale Wirklichkeiten zu realisieren und eine Migrationsrealität anzuerkennen, womit sich nach Mecheril auch die Bildungsinstitutionen in Deutschland schwertun19. Sie beinhalten z.B. Problemzuschreibungen, die sich nicht nur auf gesellschaftliche Funktionsebenen beziehen (Ausnutzen der wohlfahrtstaatlichen Sicherungssysteme), sondern diese mit der Migrationsthematik begründen. Gemeint ist damit, dass z.B. ein hoher Migrantenanteil in Schulen oder im allgemeinen Lernumfeld teilweise als Problem verstanden wird, da sich dadurch der Leistungsdurchschnitt in den Schulen negativ verändere20.

Trotz einer teilweisen politischen und gesellschaftlichen Problematisierung von Migration ist es nach Ansicht von Mecheril von großer Bedeutung ein Bewusstsein dahingehend zu entwickeln, dass Institutionen anhand von unterschiedlichen Konzeptionen und Angeboten die Intention verfolgen müssen, ein interkulturelles Bewusstsein innerhalb einer individuellen bzw. heterogenen Gesellschaft zu fördern. Ein Ansatz, den ich deshalb ganz besonders akzentuieren möchte und ihn deshalb als einzelnen Punkt aufführe, ist der Ansatz der „Transkulturalität“ nach Wolfgang Welsch. Dieser hebt hervor, dass alle bisherigen Begriffsdefinitionen und Ansätze zum Kulturverständnis aus gesellschaftlicher, politischer und vor allem bildungspolitischer Sicht teilweise homogenisierend beziehungsweise an eine bestimmte Volksgruppe gebunden und separatistisch sind und letztlich zu kultureller Abgrenzung führen21.

3 Migration und kulturelle Vielfalt

3.1 Ursachen bzw. Formen von Migration

Aus unterschiedlichen Anlässen und auf der ganzen Welt sind gegenwärtig so viele Menschen in Bewegung wie nie zuvor. Diese sogenannte Wanderung (oder Migration aus dem lat. migrare) ist jedoch kein neues Phänomen, sondern bildet seit jeher ein zentrales Element der Anpassung des Menschen an Umweltbedingungen und gesellschaftliche Herausforderungen. Einzelne Individuen, Gruppen oder ganze Stämme haben zu allen Zeiten ihre Herkunftsgebiete verlassen, um sich in anderen Regionen niederzulassen. Bereits vor rund 100 000 bis 120 000 Jahren verließ der Homo-sapiens erstmals den afrikanischen Kontinent und verbreitete sich von der Halbinsel Sinai und der arabischen Halbinsel aus über die Welt auf der Suche nach anderen hominiden Lebensformen wie dem Homo-erectus. Auch im Kollektiv waren ihre Lebensbedingungen an ihre Umwelt geknüpft. War es dort nicht sicher beziehungsweise wurde ihre Existenz von Krankheit, Hunger oder Verfolgung bedroht, so zogen sie weiter. Wanderte ihre Jagdbeute reichten ihre pflanzlichen Nahrungsgrundlagen nicht mehr aus, um einen längeren Aufenthalt zu sichern, konnten sie auch ihre Lageplätze nicht länger nutzen und zogen ebenfalls weiter. Ohne Bewegung war ihr Überleben also nicht sicher22.

Auch geplante Ansiedlungen und sogenannte Anwerbungen von Arbeitskräften sind keine Neuerfindungen moderner Gesellschaften. So gehörten zum Beispiel bereits wandernde Handwerksgesellen und andere Fachkräfte, wie italienische Fliesenleger, die in ganz Europa im Rahmen des Zünftesystems von einer Baustelle zur nächsten zogen, zum Charakteristikum des Mittelalters. Auch Friedrich Wilhelm der Erste glich die durch die Pest dezimierte Bevölkerung Litauens durch insgesamt 15 000 aus Salzburg vertriebene Protestanten aus und erreichte damit eine forcierte Einwanderungsbewegung23.

Im Zuge des Industrialisierungsprozesses des 19. Jahrhunderts, der Technisierung, der Entwicklung neuer Arbeitsmärkte und der Verstädterung größerer Teile der Welt zu Nationalstaaten verstärkten sich diese Wanderungen und erreichten sowohl quantitativ als auch qualitativ neue Dimensionen, die sich auch und insbesondere im Globalisierungsprozess des 20. und 21. Jahrhunderts widerspiegeln24. Denn heutzutage ziehen mehr und mehr Menschen in immer kleineren Abständen und über größere Distanzen hinweg in jeden Winkel der Erde, wobei globale Unternehmen, globale Arbeits- und Ausbildungsmärkte unter anderem eine große Rolle für global mobile Akteure spielen. Doch auch Krisen, Markt- und Politikversagen treiben die Migration von Menschen voran, die mit Erwartungen, Wünschen und Forderungen beladen sind25. Dynamiken der Migration stellen nicht mehr nur Resultate von globalen Ungleichstrukturen dar, sondern werden zum Ausdruck und Antrieb von diversen kulturellen, sozialen, politischen und ökonomischen Verhältnissen, die die Ursachen, Formen und Folgen von Migration neu kontextualisieren26. Diese sind Teil komplexer Wanderungsprozesse und beschäftigen nach Aussage von Dr. Annette Treibel nicht nur die wandernden Menschen, sondern auch die Gesellschaften und Regionen, zwischen denen diese sich bewegen. Aufgrund dieser Erkenntnis geht diese Thematik heutzutage auch durch zahlreiche wissenschaftliche Bereiche, sozusagen interdisziplinär27, die ich im Folgenden einzeln benennen möchte.

So beschäftigen sich zum Beispiel die Wirtschaftswissenschaften mit den ökonomischen Ursachen und Folgen von internationalen Wanderungsströmen und mit den volkswirtschaftlichen Vor- und Nachteilen bezüglich der Beschäftigung von ausländischen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen. Diesbezüglich werden Fragen des Aufenthalts-, Staatsbürgerschafts-, aber auch Flüchtlingsrechts sowie Rechtsorientierungen im internationalen Vergleich durch die Rechtwissenschaften diskutiert. In der Demographie steht Migration im Kontext von Untersuchungen zur Bevölkerungsentwicklung. In diesem Zusammenhang wurden Studien vorgelegt, die unter anderem den sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Verlauf von Wanderungen beschreiben (z.B. Wanderung polnischer Bevölkerungsgruppen in das Ruhrgebiet oder Einwanderung in die USA), womit sich auch und insbesondere die Geschichtswissenschaft beschäftigt. Geht es um den Bereich der gesellschaftlichen und politischen Folgen für Zuwanderungsländer oder um die individuellen Folgen für Zugewanderte, so beschäftigen sich zum einen die politikwissenschaftlichen Wissenschaftsdiziplinen mit dem ausländerrechtlichen und politischen Umgang sowie der Partizipation mit und von zugewanderten Minoritäten. Hierbei stehen wichtige Untersuchungen zur Staatsbürgerschaft, aber auch Einwanderungs- und Asylpolitiken im europäischen Vergleich ganz besonders im Mittelpunkt. Zum anderen untersuchen kulturanthropologische-und ethnographische Wissenschaftsbereiche den gesellschaftlichen Umgang mit Minderheiten und wie sie ihre neue soziale und fremde Umgebung wahrnehmen und sich bestimmte Verhaltensstile aneignen. Darüber hinaus thematisiert die Soziologie, wie sich die Aufnahmegesellschaft aufgrund von Wanderungsereignissen verändert und die einheimische Bevölkerung diese Thematik handhabt. Diese beidseitig verlaufende Identitätsentwicklung, aber auch persönlichkeitsbedingte Ursachen von Migration werden insbesondere durch die Psychologie und Sozialpsychologie thematisiert, die daraus Weiterbildungskonzepte für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der sozialen Arbeit entwickeln. Geht es jedoch um die Erziehungs- und Bildungssituation der sogenannten zweiten beziehungsweise der nachfolgenden Generation(en), so steht die Erziehungswissenschaft ganz besonders im Mittelpunkt, wenn es um die Verknüpfung von Theorie und Praxis bezüglich einer interkulturellen Bildung und Erziehung geht28.

Menschen, die dem Wanderungsprozess beiwohnen, lassen in der Regel soziale, politische und moralische Vorstellungen beziehungsweise normative Erwartungen mit einfließen. Diejenigen, die sich entschließen freiwillig zu wandern, setzen sich einem hohen Erwartungsdruck aus, was bedeutet, dass sich die Wanderung für den eigenen Herkunftskontext lohnen muss. Werden Menschen aber zur Wanderung gezwungen, so befinden sie sich heutzutage in einem globalen System von Flüchtlingshilfe und Politikstrategien. Durch Zuwanderung sind auch aufnehmende Gesellschaften an neue soziale und politische Konstellationen gebunden, woran sie sich anpassen müssen29. Denn Migranten und Migrantinnen „[…]sind eine Herausforderung an das Selbstverständnis ihrer Modernität“30. Für das Verhältnis zwischen Zugewanderten und der Aufnahmegesellschaft ist es hierbei von Bedeutung, zu begreifen, dass Migration mehr als nur als eine räumliche Mobilität verstanden wird. So definieren zum Beispiel Elias und Scotson (1990) den Begriff Migration als den Prozess des individuellen Wechsels der Gruppenzugehörigkeit, der sich nicht nur auf die Bewegung in einem Raum bezieht, sondern auch die Verhältnisse und ihre Veränderungen in einer neuen Gesellschaft betrachtet31. Auch für Ronzani (1980) bedeutete die Wanderung von Menschen, „[…] dass Individuen aus einem Gesellschaftssystem in ein anderes überwechseln, wodurch direkt oder indirekt in beiden Systemen interne und externe Beziehungs- und Strukturveränderungen induziert werden“32.

Somit ist also festzustellen, dass sich der Prozess der Migration in besondere Weise auf eine soziale Komponente bezieht. Laut Norbert Wenning (1995) bedeutet Leben und Handeln in modernen Gesellschaften „[…]von dieser Gesellschaft mit ihrer sozialen, sprachlichen, kulturellen und ethnischen Vielfalt, die auch durch Migration beeinflusst wird, auszugehen und sich auf ein Leben in dieser Gesellschaft, in der existierenden Pluralität, einzustellen“33.

Einheitliche Definitionen jedoch, die den Prozess der Wanderung beschreiben, erweisen sich der Auffassung von Annette Treibel nach als äußerst schwierig zu finden. So ist dies deshalb so problematisch, weil heutzutage der Prozess der Migration nach verschiedenen Kriterien bzw. Formen unterschieden wird. Signifikant dafür ist zum Beispiel der Aspekt der Dauerhaftigkeit (permanent oder begrenzt) oder der zurückgelegten Entfernung beziehungsweise der Kontrast zwischen Herkunfts- und Zielregion. Nach Jackson (1969) ist jedoch der Aspekt der erlebten Veränderungen der Individuen, die eine Migration mit sich bringt, für alle Definitionen allgemein gültig, unabhängig welche Typologien entwickelt wurden, um den Begriff der Migration zu konkretisieren34.

Diese Typen werden nach Annette Treibel in vier Betrachtungsweisen unterteilt: den räumlichen und zeitlichen Aspekt, den Aspekt des Umfanges der Migration und den Aspekt der Wanderungsentscheidung beziehungsweise den der Wanderungsursache. Beim Aspekt der räumlichen Wanderung, also die Zielrichtung beziehungsweise die zurückgelegte Distanz, unterscheidet sie zwischen der Binnenwanderung bzw. internen Wanderung, das heißt vom Land in die Stadt und umgekehrt, und der externen beziehungsweise internationalen Wanderung35.

Wird Migration aus zeitlicher Sicht betrachtet, so wählt sie, wie oben angedeutet, zwischen begrenzter oder temporärer, etwa durch Saisonarbeit, und dauerhafter beziehungsweise permanenter Wanderung (Aus- und Einwanderung bzw. Niederlassung) aus, wobei hier Übergänge zu erkennen seien, die am Beispiel des Anwerbestopps in den 1970er Jahren zur Zeiten des Wirtschaftsbooms der Nachkriegssituation Deutschlands in den 1950er Jahren deutlich geworden seien36. Hierbei blieben die temporär angeworbenen Arbeitnehmer aus Ländern wie Griechenland, Spanien, Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und Jugoslawien trotz der Aufhebung des Anwerbeverfahrens in Deutschland und begannen verstärkt Familienangehörige nachzuholen37.

Daran anknüpfend unterscheidet Annette Treibel unter dem Aspekt des Umfanges der Migration zwischen Einzel- beziehungsweise Individualwanderung, Gruppen- oder Kollektivwanderung und Massenwanderung, wobei diese Aspekte ineinander übergehen können. Einzelne Wanderer oder Wanderinnen können so Teil einer ganzen Gruppe sein, die nach und nach ihrer Heimatländer verlassen, um sich in der Zielregion den früher gewanderten Verwandten und Bekannten wieder anzuschließen. Nach Annette Treibel sind diese Formen der Wanderungsentscheidungen jedoch in der „[…] heutigen Wanderungsrealität nicht mehr angemessen […]“38. Diese werden heutzutage nur noch in zwei Hauptursachen unterschieden: In eine freiwillige Wanderungsentscheidung (Arbeitsmigration) und in eine erzwungene Wanderungsentscheidung (Flucht und Vertreibung), die sich aber immer mehr mischen werden39. Dies ist zum einen der Tatsache geschuldet, dass in der gegenwärtigen Weltwirtschaftsordnung die sozioökonomische und politische Ungleichheit immer größere Ausmaße annimmt und deshalb immer mehr Menschen gezwungen werden ihre Herkunftsländer zu verlassen. Andererseits äußern sich individuelle erwerbs- oder familienbedingte, politische, aber auch biographische Wanderungsmotive für einen dauerhaft werdenden Aufenthalt beziehungsweise Wechsel in eine neue Region oder Gesellschaft immer eindeutiger und klarer40.

Diese Eindeutigkeiten lassen sich unter anderem in einem Modell festhalten, dass Everett S. Lee in seinem Aufsatz „Eine Theorie der Wanderung“ (aus dem engl. Original: „A Theory of Migration“) aufführt41. Dieses sogenannte „Push - Pull - Modell“ impliziert das Zusammenwirken unterschiedlicher Einflüsse, die die Ursachen von Wanderungen konkretisieren. Demnach gibt es Einflüsse der “Vertreibung“ (push) und “Anziehung“ (pull), die Individuen zur Migration veranlassen. Ökonomisch betrachtet bildet ein zentraler Einfluss natürlich die Situation auf dem Bildungs- bzw. Arbeitsmarkt, der in den Heimatregionen der wandernden Menschen unzureichend und in den Zielregionen deutlich attraktiver ist. So existieren zum einen Unterschiede bezüglich der Beschäftigungssituation, wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit beziehungsweise das Fehlen von Arbeitsangeboten, aber auch eingeschränkte Zugänge zu Bildungsmöglichkeiten in der Herkunftsregion. Demgegenüber stehen zum anderen ein solideres Bildungssystem, eine geringere oder keine Arbeitslosigkeit beziehungsweise Unterbeschäftigung und höhere Löhne in der zu erwandernden Zielregion. Dies führt wiederum zu einer besseren Einkommenssituation im Vergleich zur Herkunftsregion42. Aber auch die wirtschaftlichen Veränderungen der Einwanderungsländer, die nach Petersen (1972) unter anderem mit der Verlagerung von industriellen Zentren einhergehen, lösen einen wirksamen pull-Faktor aus, der den Bedarf nach Arbeitskräften in den Aufnahmeländern signalisiert43. Ein weiterer Faktor, den Annette Treibel im Zusammenhang mit dem „Push - Pull - Modell“ nennt, sind die Informationsmöglichkeiten, die mit persönlichen Beziehungen zwischen den Menschen, die bereits gewandert sind, und denen, die es in Erwägung ziehen, einhergehen. Diese Beziehungen dienen als wichtige Informationskanäle über mögliche Zielregionen, die entscheidend zum Wanderungsentschluss beitragen44. Für Rosemarie Feithen stehen die Migrationsentscheidungen von Menschen jedoch nicht allein und ausschließlich im Zusammenhang mit ökonomischen Faktoren und Informationsmöglichkeiten, sondern insbesondere in Relation mit dem individuellen Wunsch nach beruflicher und sozialer Statusverbesserung45. Auch für Shmuel Noah Eisenstadt (1954), und dies wird hierbei von Annette Treibel aufgeführt, findet Migration in der Regel dann statt, „[…] wenn eine Gesellschaft nicht in der Lage ist, die Erwartungen ihrer Mitglieder zu erfüllen. Die erste Stufe der Migrationsbewegung ist die Motivation (initial motivation), die in den Lebensbedingungen der Herkunftsgesellschaft begründet ist“46.

Ist zum einen die physische Existenz potentieller Wanderer oder Wanderinnen bedroht oder kann durch die Herkunftsgesellschaft nicht mehr gesichert werden, so macht sich nach Aussage von Eisenstadt Frustration und Unzufriedenheit breit, was den Anlass zur Wanderung bestärkt, beifolgend, und so drei weitere gesellschaftliche Hauptbereiche genannt werden, wenn institutionelle Strukturen eines wirtschaftlichen und politischen Systems die ökonomischen Ziele nicht mehr gewährleisten können47 ; obendrein, wenn eine mangelnde Identifikation und gemeinschaftliche Übereinstimmung mit den Werten oder Mitgliedern der Gesellschaft stattfindet beziehungsweise wenn unterschiedliche politisch-ideologische Auffassungen ignoriert werden; ergänzend dazu, wenn insbesondere individuelle Lebensvorstellungen nicht verwirklicht werden können48. Wird an diesen Punkten angeknüpft, ist also festzuhalten, dass eine anfängliche Motivation zum Wandern sich in bestimmte Bereiche abgrenzen muss. Gehen wir davon aus, dass wandernde Menschen die Bereitschaft mitbringen Veränderungen zu akzeptieren, so bestimmt ihre Motivation das Bild, das sie sich vom neuen Land machen. Ist die Wanderung zum Beispiel primär ökonomisch motiviert, so wenden sich die wandernden Menschen vornehmlich den ökonomischen Möglichkeiten der Zielregion zu49.

Am Ende dieses Kapitels soll noch einmal festgehalten werden, dass der Entschluss zu wandern von einem ganzen Bündel von Faktoren abhängt, die auf unterschiedliche Beweggründe und Konstellationen zurückzuführen sind. Die Überwindung des nach Hansen „[…] natürlichen Zustandes der…Sesshaftigkeit […]“ wird hierbei weniger von den tatsächlichen Faktoren am Herkunfts- und Bestimmungsort beeinflusst als vielmehr von der individuellen Wahrnehmung beziehungsweise Empfindung dieser Faktoren. Dennoch spielen im Wanderungsprozess nicht nur die Wandernden selbst eine große Rolle, sondern auch die beiden Gesellschaften, da sie im Fokus der Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Wandels stehen, der mit historischen Ereignissen und Prozessen einhergeht und bis heute andauert50.

Dies schließt das Bewusstsein über die historisch weit zurückreichende und allgegenwärtige Normalität von Ortsveränderungen und Migration mit ein, aber auch die Erkenntnis, dass Wanderung nicht nur „[…] Leben und Fortschritt […]“51 bedeutet, sondern eine Vielfalt neuer sozialer Beziehungen mit sich bringt. Nach Hansen (1996) sind weitere Wanderungen sogar von Nöten, da sie, aufgrund von demographischen und ökonomischen Veränderungen, gegenwärtige gesellschaftliche Situationen aufrechterhalten (Arbeitsmarktsituation, soziale Sicherungssysteme etc.)52.

Die Zunahme von globaler menschlicher Mobilität löst jedoch immer häufiger Spannungsfelder zwischen den Individuen, den Kräften des Marktes und den Nationalstaaten aus. So reicht das politische Programm im Umgang mit dieser wachsenden Mobilität, trotz wachsender Thematisierungen durch wissenschaftliche Disziplinen, von Konfrontation und Abwehr über Regelungsversuche bis hin zu effektvollen beziehungsweise langandauernden Lösungsstrategien. Die herkömmlichen politischen Instrumente erweisen sich zunehmend als ungenügend, da sie immer weniger in der Lage sind, angemessen auf Herausforderungen zu reagieren53.

So wird Migration aus nationalstaatlicher Sicht immer noch als Bedrohung angesehen. Sie verändere nicht nur die Zusammensetzung der Bevölkerung, sondern dränge staatliche Systeme an den Rand des politisch Machbaren und wird deshalb zu einem sozial-politischen Problem stilisiert. Vielfaltsentwicklungen, die durch Migration ausgelöst werden, werden zum Teil problematisiert, da sie die Sicherheit und Ordnung einer Gesellschaft bedrohen. So werden zum Beispiel wachsende Terrorismus- und Drogenhandelsentwicklungen in der EU auf die Migrationsbewegung zurückgeführt (siehe High Level Working Group, 1999). Diese Problematisierung ist nach Aussage von Franck Düvell politisch motiviert und löst „[…] moralische Panik und Alarmismus […]“ innerhalb der Gesellschaft aus, die wiederum politische Prozesse antreibt, wie zum Beispiel Migrationsbeschränkungen54. Jener Diskurs, der Migration und Vielfalt als ein Problem, als Abweichung von der Norm und als erklärungsbedürftige Erscheinung ansieht, ist laut Franck Düvell heute „[…] der dominante, der Mehrheitsdiskurs […]“55. Nach Hansen (1996) verblasst dabei das Bild von der „offenen Gesellschaft“, da sie heutzutage nicht mehr realistisch erscheint. Zwar brechen sogenannte moderne Gesellschaften einerseits soziale, konfessionelle und landestypische Unterschiede zwischen Gruppen von Mitgliedern auf, tendieren jedoch im selben Zug dazu, neue Abstufungen entlang anderer Gruppengrenzen zu produzieren56. Damit dies vermieden werden kann, ist es nach Hansen umso bedeutender, das Bild der sogenannten modernen und offenen Gesellschaft umzugestalten. Hierbei soll diese dafür sensibilisiert werden, dass „Ethnische Homogenität, Einsprachigkeit und kulturelle Homogenität […]“ keine realen Merkmale moderner Staaten sind, sondern dass jenseits aller Sollvorstellungen eine „Ethnische Vielfalt, Mehrsprachigkeit und kulturelle Pluralität […]“die Realität moderner Staaten darstellen muss57. Mit dieser möchte ich mich im nächsten Abschnitt meiner Arbeit näher befassen.

3.2 Bewusstsein für eine kulturelle Vielfalt in einer Gesellschaft

Kulturelle und soziale Vielfalt prägen den Alltag in unserer modernen Gesellschaft und sind zu einem zentralen Thema von aktuellen Kulturpolitiken geworden. Hervorgerufen werden sie, wie oben aufgeführt, durch räumliche Mobilität, diskontinuierliche Erwerbsbiografien, die Pluralisierung von kultureller und religiöser Praxis oder Veränderungen von Familienstrukturen und Traditionen. Kulturelle Unterschiede zeigen sich hierbei in unserer globalisierten Welt immer häufiger, weshalb der Dialog- und Austauschprozess unter diesen Kulturen umso wichtiger erscheint, da er nicht nur „[…] zur Belebung der Gesellschaft maßgeblich beiträgt […]“58, sondern den gesellschaftlichen Umgang miteinander bereichert und mannigfaltige Entwicklungen vorantreibt59.

Dementsprechend formulierte die UNESCO Generalkonferenz in Paris, und das möchte ich an dieser Stelle ganz besonders hervorheben, in ihrer „Allgemeinen Erklärung zur kulturellen Vielfalt“ unter der dem Punkt „Identität, Vielfalt und Pluralismus“ im Jahr 2001, dass im Prozess der räumlichen und zeitlichen Veränderung unserer Welt, Kultur verschiedene Formen annimmt und kulturelle Vielfalt „[…] als Quelle des Austauschs der Erneuerung und der Kreativität […]“60 dient und für die Menschheit ebenso wichtig ist, „[…] wie die biologische Vielfalt für die Natur. Aus dieser Sicht stellt sie das gemeinsame Erbe der Menschheit dar und sollte zum Nutzen gegenwärtiger und künftiger Generationen anerkannt und bekräftigt werden“61.

Allem voran bildet das Verständnis um die Natürlichkeit von kultureller Vielfalt ein zentrales Anliegen. Dem steht die Position gegenüber, dass Vielfalt der Kulturen sich nicht nur auf eine Mannigfaltigkeit bezieht, in der die Kulturen von Gruppen zum Ausdruck kommen und innerhalb von Gesellschaften sowie zwischen ihnen weitergegeben werden, sondern dass schon viel früher, im Sinne der heutigen Globalisierung, ein kultureller Austausch im Kontext einer komplexen, internationalen Interaktion stattfand62. Dieser begleitet und fördert die Tendenz zu multiplen kulturellen Zugehörigkeiten und einer ansteigenden Komplexität kultureller Identitäten. Somit verschwindet also die Verbindung zwischen einem kulturellen Phänomen und seiner ausschließlich geographischen Verortung, da Ereignisse, Erfahrungen und Einflüsse, wie der Austausch von Informationen, Überzeugungen und Glaubensorientierungen, die sich in weiter Ferne abspielen, immer näher in unsere unmittelbare Umgebung rücken63.

Die daraus resultierende Zunahme von kulturellen Kontakten führt nach Dorothea Kolland zu der Erkenntnis, dass es umso wichtiger erscheint Vielfalt aber auch Verschiedenheiten von Kulturen in einer Gesellschaft kennen zu lernen. Nach ihrer Meinung macht „[…] das Umgehen, das Abwägen, das Akzeptieren […], das sich Verändern […]“ den Reichtum und den Zugewinn von kultureller Vielfalt aus. Dieser kann für die Gesellschaft jedoch nur als solcher erachtet werden, wenn hierbei die unterschiedlichen Identitäten, Werte, Erfahrungen, Traditionen und Lebenseinstellungen erkannt und zueinander in Bezug gesetzt werden64.

Jedes Individuum eignet sich dadurch eine kulturelle Identität an, die im Umgang mit kulturellen Veränderungen auf wirksame Weise Strategien entwickelt, indem sie nicht nur globale Prozesse berücksichtigt, sondern gegenüber neuen Einflüssen empfänglich ist. Diese besondere Dynamik ist deshalb von Nöten, damit die verschiedenen Gruppen und Individuen so miteinander in Berührung kommen, dass sie sich nicht hinter in sich verschlossenen Identitäten zurückziehen müssen, sondern eventuelle Unterschiede eher als einen Anreiz erkennen, sich zu entwickeln, zu verändern und daran zu wachsen65.

„Kulturelle Vielfalt erweitert die Freiheitsspielräume jedes Einzelnen; sie ist eine der Wurzeln von Entwicklung, wobei diese nicht allein im Sinne des wirtschaftlichen Wachstums gefasst werden darf, sondern als Weg zu einer erfüllteren intellektuellen, emotionalen, moralischen und geistigen Existenz“66.

Trotz der vorherrschenden Ansicht, dass Vielfalt die geistige, intellektuelle, materielle und emotionale Gesamtheit einer Gesellschaft bildet und Wertesysteme, Lebensformen, Traditionen und Glaubensrichtungen darin mit einschließt, besteht nach wie vor im allgemeinen kulturpolitischen Diskurs die Gefahr, dass soziale Gruppen aufgrund ihrer Hintergründe als partikuläre Kulturen eingeordnet werden67. Viele Gesellschaften stehen, laut dem UNESCO - Weltbericht von 2009, vor der Schwierigkeit, einen kulturellen gesellschaftlichen Wandel als einen sich global verändernden Prozess anzuerkennen. Diese Dynamik wird teilweise als expansionistisch eingestuft und verleitet eher dazu, einen ideologisch motivierten Kampf der Kulturen zu führen als kulturellen Unterschieden eine positive Bedeutung zu verleihen68. Laut der allgemeinen Erklärung der deutschen UNESCO-Kommission zur kulturellen Vielfalt von 2001 ist es deshalb von besonderer Bedeutung, dass internationale Staatengemeinschaften darauf bedacht sein müssen Interaktion zwischen Gesellschaften so herzustellen, dass die Bereitschaft zum harmonischen Zusammenleben „[…] von Menschen und Gruppen mit zugleich mehrfachen, vielfältigen und dynamischen kulturellen Identitäten […]“69 sichergestellt werden kann.

[...]


1 vgl. DESTATIS Fachserie 1 2013, S. 39f.

2 vgl. Zühlke 2012, S. 3

3 vgl. Otto/ Schröder/ Gernhardt 2013, S. 6

4 vgl. Zühlke 2012, S. 3f.

5 Nick 2003, S. 153

6 vgl. Zühlke 2012, S. 4

7 vgl. ebd.

8 vgl. Zühlke 2012, S. 4

9 vgl. Otto/ Schröder/ Gernhardt 2013, S. 6f,

10 vgl. ebd.

11 Sauer/ Held 2009, S.7

12 vgl. Blank-Mathieu 2007, o.a.

13 Blank-Mathieu 2007, o.a.

14 ebd.

15 vgl. Blank-Mathieu 2007, o.a.

16 Johann/ Michely/ Springer 1998, S. 14f.

17 Thomas 2003, S. 22

18 Huntington 2002, S. 18

19 vgl. Mecheril 2004, S. 7ff.

20 vgl. Mecheril 2004, S. 10

21 vgl. Hauenschild 2005, S. 2

22 vgl. Oltmer 2012, S. 8f.

23 vgl. Treibel 2011, S. 11

24 vgl. Treibel 2011, S. 11f.

25 vgl. Düvell 2006, S. 1f.

26 vgl. Kraler 2007, S. 10f.

27 vgl. Treibel 2011, S. 17

28 vgl. Treibel 2011, S. 18f.

29 vgl. Treibel 2011, S. 16

30 ebd.

31 vgl. Treibel 2011, S. 19

32 Ronzani 1980, S. 17, zitiert nach Treibel 2011, S. 19

33 Wenning 1995, S. 339f. zitiert nach Hansen 1996, S. 49

34 vgl. Treibel 2011, S. 19

35 vgl. Treibel 2011, S. 20

36 vgl. Kohlmeier 2005, S. 17f.

37 vgl. ebd.

38 Treibel 2011, S. 21

39 vgl. Treibel 2011, S. 20f.

40 vgl. ebd.

41 vgl. Treibel 2011, S. 20f.

42 vgl. Treibel 2011, S. 39f.

43 vgl. Treibel 2011, S. 41

44 vgl. ebd.

45 vgl. Treibel 2011, S. 41

46 Treibel 2011, S. 42

47 vgl. Treibel 2011, S. 42f.

48 vgl. ebd.

49 vgl. Treibel 2011, S. 43

50 vgl. Treibel 2011, S. 43ff.

51 Ravenstein 1972, S. 86

52 vgl. Hansen 1996, S. 49

53 vgl. Düvell 2006, S. 2

54 vgl. Düvell 2006, S. 3

55 ebd.

56 vgl. Hansen 1996, S. 50

57 vgl. Hansen 1996, S. 39f.

58 Trunk 2011, S.9

59 vgl. Trunk 2011, S. 8f.

60 UNESCO-Generalkonferenz 2001, Art. 1

61 ebd.

62 vgl. Trunk 2011, S. 9

63 vgl. Deutsche UNESCO-Kommission 2009 Teil 1, S. 6f.

64 vgl. Trunk 2011, S. 9f.

65 vgl. Deutsche UNESCO-Kommission 2009 Teil 1, S. 4ff.

66 Aus: „Allgemeine Erklärung zur kulturellen Vielfalt“ ,UNESCO-Generalkonferenz 2001, Art. 3, S. 2

67 vgl. Trunk 2011, S. 10

68 vgl. Deutsche UNESCO-Kommission 2009 Teil 1, S. 4

69 UNESCO-Generalkonferenz 2001, Art. 2, S. 2

Details

Seiten
70
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668063587
ISBN (Buch)
9783668063594
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307976
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,0
Schlagworte
interkulturelle pädagogik resultat migrationsprozesse konzeptionsentwicklung einrichtungen

Autor

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Titel: Interkulturelle Pädagogik als Resultat dynamischer Migrationsprozesse? Interkulturelle Konzeptionsentwicklung für pädagogische Einrichtungen