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Gemeinwesenarbeit. Eine Darstellung verschiedener Ansätze am Projekt "Soziale Stadt Pliensauvorstadt"

Seminararbeit 2015 21 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Was bedeutet Gemeinwesenarbeit?

2. Die Geschichte der Gemeinwesenarbeit

3. Entwicklungsansätze der Gemeinwesenarbeit
3.1 Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip
3.2 Quartiersmanagement

4. Unterschiedliche Dimensionen der Gemeinwesenarbeit
4.1 Die territoriale Gemeinwesenarbeit
4.2 Die funktionale Gemeinwesenarbeit
4.3 Die Kategorien der Gemeinwesenarbeit

5. Verschiedene Konzepte der Gemeinwesenarbeit
5.1 Die Wohlfahrtsstaatliche Gemeinwesenarbeit
5.2 Die integrative Gemeinwesenarbeit
5.3 Die aggressive Gemeinwesenarbeit
5.4 Die Katalytische Gemeinwesenarbeit

6. Verschiedene Elemente der Gemeinwesenarbeit
6.1 Die Phrasierung eines Hilfeprozesses
6.2 Die Rolle der Gemeinwesenarbeiter
6.3Techniken und Verfahren

7. Das Projekt „Soziale Stadt Pliensauvorstadt“
7.1 Die Ausgangslage Pliensauvorstadt
7.2 Problemlage
7.3 Einstieg in den Planungsprozess
7.4 Lösungsansatz
7.5 Maßnahmen
7.6 Das Integrierte Handlungskonzept
7.7 Quartiersmanagement
7.8 Resümee des Projekts

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik der Gemeinwesenarbeit als eine der drei zentralen Methoden in dem Anwendungsbereich der Sozialen Arbeit. Gemeinwesenarbeit ist heutzutage mit einer Vielzahl an schwächeren Milieus verschiedener Städte in ganz Deutschland eine wichtige Methode Flächenübergreifend Verbesserungsprozesse durchzuführen. Auch in der Stadt Esslingen am Neckar in Baden-Württemberg ist die Gemeinwesenarbeit ein zentrales politisches Thema. So existieren verschiedene Projekte unter dem Thema Gemeinwesenarbeit. Da ich selbst einmal in der Pliensauvorstadt, einem Stadtteil von Esslingen gelebt habe, hat genau ein Projekt auf der Internetseite der Stadt Esslingen mein Interesse besonders geweckt. Das Projekt „Soziale Stadt Pliensauvorstadt“ welches als ein Projekt der Gemeinwesenarbeit der Stadt Esslingen am Neckar im Jahr 2002 begann und 2009 beendet wurde. Auf Grund dessen soll nun am Ende dieser Arbeit das Projekt „Soziale Stadt Pliensauvorstadt“ als Projekt der Gemeinwesenarbeit vorgestellt werde.

Zunächst folgt eine Darstellung der Bedeutung des Terminus der Gemeinwesenarbeit. Durch die Erläuterung der geschichtlichen Hintergründe, sowie zentralen Ansätzen und Methoden der Gemeinwesenarbeit soll geklärt werden, was Gemeinwesenarbeit eigentlich alles bedeutet. Des weiteren stellt sich die Frage, in welchem Bereich sich die Gemeinwesenarbeit anwenden lässt und was ein Gemeinwesenarbeiter für verschiedene Funktionen zu erfüllen hat. Schlussendlich soll der Frage nachgegangen werden, wie Gemeinwesenarbeit in der Stadt Esslingen am Neckar ausgeführt wird anhand des Projekts „Soziale Stadt Pliensauvorstadt“.

1. Was bedeutet Gemeinwesenarbeit?

Gemeinwesenarbeit ist eine der drei zentralen Methoden der Sozialen Arbeit, wie soziale Einzelfallhilfe und Gruppenarbeit. Die Gemeinwesenarbeit arbeitet im Gegensatz zu den anderen beiden Methoden nicht direkt Klientenzentriert, sondern betrachtet immer ganzheitliche Räume einer Gesellschaft also Beispielsweise einen Stadtteil. Nach Ross bezeichnet „Der Begriff Gemeinwesenarbeit..einen Prozess, in dessen Verlauf ein Gemeinwesen seine Bedürfnisse und Ziele feststellt, sie ordnet oder in eine Rangfolge bringt, Vertrauen und den Willen entwickelt, etwas dafür zu tun, innere und äußere Quellen mobilisiert, um die Bedürfnisse zu befriedigen, dass es also in dieser Richtung aktiv wird und dadurch die Haltung von Kooperation und Zusammenarbeit und ihr tätiges Praktizieren fördert“[1].

Durch die Gemeinwesenarbeit in einem Stadtteil, werden die Ressourcen der Bürger, wie auch des Stadtteils, weitgehend mobilisiert, um eine Veränderung der Lebensverhältnisse in dem jeweiligen Stadtteils herbeizuführen. Durch die Beseitigung von Defiziten ergeben sich so neune Handlungsspielräume der Bürger.[2] Gemeinwesenarbeit lässt sich einerseits als Handlungsfeld in der Sozialen Arbeit wiederfinden und andererseits als ein Prinzip der Arbeit sozialer Interventionen beschreiben.[3] Gemeinwesenarbeit als Handlungsfeld in der Sozialen Arbeit kennzeichnet sich durch eine Vielzahl an Projekten unterschiedlicher Träger. Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip kann als Denkweise und Art der Handlung in allen Bereichen der Sozialen Arbeit wiedergefunden werden unter anderem als Handlungsleitende Intervention. Nach Oelschläger zeichnet sich Gemeinwesenarbeit dadurch aus, dass sie soziale Probleme in einem Kontext von Raum, Zeit, gesellschaftlichen, sowie historischen Dimensionen erkennt, eine Erklärung dafür besitzt und die sozialen Probleme verändert. Zur Bearbeitung sozialer Probleme werden verschiedene Theorien aus unterschiedlichen Bereichen der Wissenschaft als Grundlage der Arbeit verwendet. Zusätzlich wird eine detaillierte Analyse benötigt. Dieser Prozess sieht eine Stadtteilanalyse vor, welche die geschichtlichen Hintergründe des Stadtteils und die sozialen Probleme umfasst. Folglich ergibt sich eine Aufteilung in methodische Bereiche der Sozialen Arbeit, der Sozialforschung, wie auch politischen Handelns als Strategie des professionellen Handelns, die als methodenintegrierte Grundlage der Gemeinwesenarbeit dienen.[4]

Nun folgt eine Darstellung der geschichtlichen Hintergründe, sowie zentrale Ansätze und Methoden der Gemeinwesenarbeit.

2. Die Geschichte der Gemeinwesenarbeit

Die Wurzeln der Gemeinwesenarbeit lassen sich in der Settelemtbewegung, die Mitte des 19. Jahrhunderts in England stattfand wiederfinden. Im Zuge der Industrialisierung bildeten sich unterschiedliche Klassen innerhalb der Gesellschaft.[5] Dadurch verschlechterten sich auch die Lebensverhältnisse der neuen Unterschicht, der Arbeiterklasse. Dieser Zustand in Verbindung mit Protesten der Arbeiterklasse erregte aussehen in den anderen Schichten der Gesellschaft. Folglich ergab sich die sogenannte „Universitäts-Ausdehnungsbewegung“. Diese Bewegung bestand aus jungen Professoren, die Bildung auch für die Arbeiterklasse ermöglichen wollten. In der praktischen Umsetzung bedeutete dies, dass Professoren der jüngeren Genration öffentliche Lehrveranstaltungen abhielten, an welchen Erwachsene aus bildungsferneren Schichten teilnehmen konnten. Auch Kinder aus der Arbeiterklasse lagen im Fokus der neunen Bildungsarbeit dieser Bewegung.[6]

Ein weiterer Versuch Hilfesetting statdtteil- und sozialraumorientiert zu installieren entstand durch die Gründung des ersten Settelments in London, die sogenannte „Toynbee Hall“ im Jahr 1875 durch dessen gleichnamigen Erfinder Toynbee. Dieser zog als Settler in ein Armenviertel und lehrte dort, organisierten Angebote in Form der Hilfe zur Selbsthilfe durch gemeinschaftliches Arbeiten. Diese Form des Settelments verbreitet sich in England und machte auch international auf sich aufmerksam. Im Jahr 1889 entstand ein Pendant zur „Toybee Hall“ in Chicago namens „Hull House“. Die Gründerin des „Hull House“ Jane Addams ließ sich durch „Toybee Hall“ inspirieren, konzentrierte sich jedoch überwiegend auf die Arbeit mit Migranten.[7]

In Europa und auch im damaligen deutschen Reich wurde der Settelmet Bewegung aus Großbritannien jedoch eher weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Im früheren deutschen Reich gründetet sich das „Hamburger Volksheim“ im Jahr 1911, sowie die „Soziale Arbeitsgemeinschaft berlin-Ost (SAG)“. Durch die Bildung der „SAG“ sollte eine Vereinigung der unterschiedlichen Klassen innerhalb der deutschen Gesellschaft stattfinden. Dadurch erfolgte ein Zusammenschluss weiter entstandener Arbeitsgemeinschaften und Volksheime der SAG Settler zu der „Deutschen Vereinigung der Nachbarschaftssiedlungen“. Erste Grundbausteine der heutigen Gemeinwesenarbeit lassen sich in den Regelungen der SAG wiederfinden. Dazu zählen unter anderem Zentren der Gemeinden, die Mobilisierung der Nachbarschaft und Quartiersorientierung.[8]

Des Weiteren lässt sich ein Zusammenhang feststellen zwischen der geschichtlichen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland und der Gemeinwesenarbeit. Zunächst erfolgte die Schließung der Mehrzahl an Volksheimen veranlasst durch das damalig herrschende NS- Regime.[9]

Durch das Einsetzen des Settelmentgedanken in den Besatzungszonen, wurde der Gedanke der Bewegung durch amerikanische und englische Wohlfahrtsorganisationen weitergeführt.[10]

Allerdings etablierte sich die Gemeinwesenarbeit erst im Jahr 1960 in Deutschland als fachliche Methode, die sich neben Einzelfallhilfe und Gruppenarbeit in dem Anwendungsbereich der Sozialen Arbeit eingliederte. Durch verschiedene gemeinwesenorientierte Projekte der Studentenbewegung Ende der 60er Jahre erhielt die Gemeinwesenarbeit neue Einflüsse in ihrer bisherigen Entwicklung.[11] Daraus resultierte, dass die Gemeinwesensarbeit sich alternativ zur Einzelfallhilfe etablierte und sich von diesem Zeitpunkt an eigenständig organisieren ließ.[12] Weitere Prägungen erfuhr die Gemeinwesenarbeit im Rahmen schriftlicher Veröffentlichungen von Ross und Alisky.[13]

Die 80er Jahren bedeuteten vorerst das Ende der Gemeinwesenarbeit als dritte Methode. Die Handlungsansätze der Gemeinewesenarbeit boten jedoch einen Raum für eine Neuorientierung in diesem Bereich der Sozialen Arbeit.[14]

3. Entwicklungsansätze der Gemeinwesenarbeit

Im Folgenden sollen nun die verschiedenen Handlungsansätze der Gemeinwesenarbeit nach ihrem Ende als dritte Methode dargestellt werden.

3.1 Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip

Das die Gemeinwesenarbeit nun mehr als Arbeitsprinzip als eine Methode angesehen wird, sind als Folgen des gesellschaftlichen Wandels, wie auch einer Reihe an sozialen Bewegungen zu betrachten. Das Arbeitsprinzip als neue Form der Gemeinwesenarbeit soll das professionelle handeln der Sozialarbeiter im Bereich der Gemeinwesenarbeit gewährleisten. Außerdem liegt der Fokus auf der Verbindung von Theorie und Praxis als Arbeitsprinzip der Gemeinwesenarbeit.[15]

3.2 Quartiersmanagement

Das Quartiermanagement entwickelte sich Ende der 90er Jahre als eine Antwort auf die wirtschaftlichen aber auch sozialen Veränderungen dieser Zeit. Das Quartiermanagement sieht einen Stadtteil immer in seiner Ganzheitlichkeit und ist gewillt alle Beteiligten Akteure mit einzubeziehen in den Prozess der Veränderung. Im Fokus steht nicht direkt das soziale an sich, sondern das Mobilisieren der Ressourcen und die Aktivierung der Bürger sich an einem Veränderungsprozess zu beteiligen.[16]

4. Unterschiedliche Dimensionen der Gemeinwesenarbeit

Da sich die Gemeinwesenarbeit nicht um den Einzelfall, sondern auf größere Netzwerke von Menschen bezieht, lassen sich diese in unterschiedliche Dimensionen einteilen.[17] Diese bestehen aus den territorialen, den kategorialen und den funktionale Aktionsräume.[18]

[...]


[1] Ross 1968, S. 58 in; Galuske, 2013, S. 105

[2] Vgl. Oelschlägel 2001, S.653-659

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. Oelschläger, 2001, S. 656

[5] Vgl. Rothschuh/Spitzenberger, 2010, S.77f; Oelschlägel 2005, S. 655

[6] Vgl. ebd. S.78; S. 655

[7] Vgl. ebd.

[8] Vgl. Oelschlägel, 2005, S.655f

[9] Vgl. Ebd.

[10] Vgl. May, 2011, S. 1518f; Rothschuh/Spitzenberger, 2010, S.80; Oelschlägel, 2005, S.656

[11] Vgl. Galuske/Müller, 2012, S.600; Oelschlägel 2005, S.656f

[12] Vgl. Oelschlägel, 2005, S.656

[13] Vgl. Rothschuh/Soitzenberger, 2010, S.80

[14] Vgl. Oelschlägel, 2005, S.657

[15] Vgl. Meinhold 1982, in; Galuske 2013, S.114

[16] Vgl. Holubec o. J. c

[17] Vgl. Galuske, 2007, S.101

[18] Vgl. Galuske, 2013, S.105

Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668069596
ISBN (Buch)
9783668069602
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307874
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
Gemeinwesenarbeit Soziale Arbeit Soziale Stadt Pliensauvorstadt

Autor

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Titel: Gemeinwesenarbeit. Eine Darstellung verschiedener Ansätze am Projekt "Soziale Stadt Pliensauvorstadt"