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Wie argumentiere ich richtig? Eine Einführung in die Argumentationstypen, -kompetenzen und -rahmen

Mündlicher Sprachgebrauch in der Schule

Referat (Ausarbeitung) 2013 17 Seiten

Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Argumentieren
1. Argumentation im engeren und weiteren Sinne
2. Sonderfall „argumentatives Selbstgespräch“
3. Sonderfall „Die Rede“
4. Zwischenfazit

III. Argumentationskompetenzen
1. Argumentationsrahmen
2. Der zeitliche Rahmen
3. Der Gesprächspartner
4. Der Gesprächsgegenstand bzw. an dem themenspezifischen Diskurs

IV. Argumenttypen

V. Argumentationsstrkturen

VI. Bezug zum Lehrplan

VII. Jugend debattiert

VIII. Fazit

Litetraturverzeichnis

Internetquelle

I. Einleitung

Im Seminar mündlicher Sprachgebrauch des sprachdidaktischen Vertiefungsmoduls haben wir uns intensiv mit den verschiedenen Arten der Kommunikation auseinander gesetzt. Unter anderem war die Gesprächsführung sowie das Argumentieren ein Bestandteil des Seminars.

In diesem Rahmen wurde von mir das Referat über das Argumentieren erstellt und vorgetragen, dessen Ausarbeitung diese Hausarbeit beinhaltet.

Gewaltfreie Kommunikation ist in unserer zivilisierten Gesellschaft, in der Wertepluralismus und Meinungsfreiheit herrscht, eine unerlässliche Kompetenz. (Interessens-)Konflikte gewaltfrei und argumentativ lösen zu können, ist nicht nur im öffentlichen Bereich der Gesellschaft, sondern auch im privaten, eine essenziell wichtige Kompetenz. Die Fähigkeit seine Gedanken überzeugend Formulieren zu können, ist der erste Schritt zur selbstbestimmten und selbstbeherrschten Realität des Erwachsenwerdens.

Nicht zuletzt deshalb hat die Deutschdidaktik das Argumentieren bzw. den Kompetenzerwerb des argumentativen Austauschs im Focus[1].

Im Focus dieser Arbeit liegt das mündliche Argumentieren im schulischen Kontext. Einführend in diese Explikation wird eine kurze Begriffsanalyse erfolgen, um anschließend unterschiedliche Argumenttypen zu nennen und zu erläutern.

Der theoretische Teil erörtert den Begriff des Argumentes sowie der Argumentation. Diese Analyse dient als Basis für die Umsetzung der Didaktik im Unterricht. Weiterhin wird ein Bundesweiter Wettbewerb vorgestellt.

Der abschließende Teil dieser Hausarbeit beinhaltet eine kurze Stellungnahme über die Bedeutung des Kompetenzerwerbs der Argumentation im Deutschunterricht.

II. Argumentieren

Die Bedeutung des Argumentationsbegriffs lässt sich sprachgeschichtlich von den lateinischen Worten argumentari (Beweisführung, Begründung) und argumentum (Beweis, Beweismittel) herleiten. Der Begriff Argumentation bezeichnet also einen Vorgang des Begründens und Beweisens. Es bestehen zwei mögliche Formen, nach denen eine solche Begründung bzw. Beweisführung ablaufen kann. Eine Möglichkeit besteht in dem Aufstellen einer These, die es dann zu begründen gilt. In einem solchen Fall kann die Begründung über das Aufzählen einzelner Prämissen, welche zu einer einleuchtenden Konklusion geführt und mit Beispielen belegt werden erfolgen. Die alternative Form des Argumentierens besteht darin als Erstes einige Prämissen aufzuzählen, die dann konkludierend zu einer These übergeführt werden, welche abschließend durch Beispiele zu belegen ist. Eine Argumentation weist also grundsätzlich immer drei Schritte auf: Aufstellen einer These, in der These enthaltene Einzelaussagen aufzählen und konkludierend aufzeigen, warum aus diesen die aufgestellte These folgt, abschließendes Belegen der These durch Beispiele. Das Ziel einer Argumentation ist es, von der Akzeptabilität der aufgestellten These zu überzeugen. Wichtig hervorzuheben ist, dass es in einer Argumentation keine richtigen bzw. falschen Argumente geben kann, sondern ausschließlich akzeptable oder inakzeptable[2].

Das tägliche Leben konfrontiert uns oft vor großen und kleinen Meinungsverschiedenheiten und Interessenskollisionen bzw. –konflikten. Diese zu meistern, unser gegenüber zu überzeugen, wenigstens einen Teil unseres Willens zu bekommen oder uns auch überzeugen zu lassen und unsere Meinung zu ändern ist eine Fähigkeit, die erst mal erlernt werden muss, auf dem Weg zum erwachsen werden.

Die argumentative Auseinandersetzung bzw. Konfliktlösung ist einer der vielen Möglichkeiten zur Durchsetzung der eigenen Interessen und Meinungen. Im Folgenden werden wir die Alternativen kurz beschreiben und die Vor- und Nachteile gegenüber der argumentativen Handlungsweise aufzeigen.

- Gewalt und Kraftakt zur Überzeugung

In diesem Fall kann man mit einem Kraftakt seinen Willen mit Gewalt durchsetzen. Der Nachteil ist, dass es hierfür einer körperlichen Überlegenheit bedarf. Des Weiteren ist der Widerstand nicht ausgeräumt, sondern lediglich gebrochen. Sollten sich die Kraftverhältnisse verändern, so kann sich das schnell zum Nachteil für den Protagonisten bilden. Es ist also eine kurzfristige Lösung. Diese Alternative ist also nicht nur aus moralischer Sicht unangebracht, sondern auch aus taktischer Sicht unbrauchbar[3].

- Befehl und Drohung

Die Willensdurchsetzung basiert auf der Überlegenheit desjenigen, der seinen Willen durchsetzen will. Dieser kann durch entsprechende Druckmittel seiner Überlegenheit nutzen, um negative Konsequenzen herbeizuführen. Auch hier wird der Widerstand des Antagonisten nicht gemindert oder beseitigt, sondern gewaltsam unterdrückt. Diese Art der Überzeugung verliert allerdings seine Wirkung, sobald die Überlegenheit vorüber ist oder die Konsequenzen erfüllt sind[4].

- Verhandeln und Versprechen

Diese Alternative ist bereits enger mit der argumentativen Variante verknüpft. Hier wird der Willen durch Tausch von Machtmittel oder Vorteilen durchgesetzt. Jedoch hat diese Art der Willensdurchsetzung ebenso wie die oben genannten Varianten den Nachteil, dass man von seinem Standpunkt abweichen und Zugeständnisse machen muss[5].

Wie hier kurz skizziert, zeigen die oben genannten Alternativen erhebliche Schwächen auf. Insbesondere ist die Dauerhaftigkeit fraglich. Das primär verfolgte Ziel kann nicht mit Sicherheit und auf Dauer erreicht werden. Also stellt sich die Frage, wie man gewaltfrei, ohne Manipulation und mit möglichst geringer Selbstaufgabe seine Interessen verfolgen kann.

1. Argumentation im engeren und weiteren Sinne

Es gibt zwei Auffassungen des Argumentationsverständnisses. Der enger gefasste Begriff geht davon aus, dass der Protagonist mit einer fertigen und festen Meinung in ein Gespräch hineingeht. Das Ziel hierbei ist, durch allgemeingültige Werte, Überzeugungen und Tatsachen, einen Konsens, basierend auf der Vernunft, zu erzielen[6]. Das erweiterte Verständnis des Argumentationsbegriffs schließt den engeren Sinn ein und erweitert diese um die Sichtweise der jeweiligen Gesprächspartner. Der Auslöser einer Diskussion muss nicht immer eine Meinungsverschiedenheit, sondern auch eine offene Frage sein, die zur Diskussion anregen kann. Die Meinungsänderung ist laut des erweiterten Verständnisses nicht nur die Vernunft, sondern die eigene Perspektivenvielfalt, die es den Gesprächspartnern erlaubt, eine andere Meinung zu akzeptieren und zu respektieren geschuldet. Also nicht die Meinung zu ändern, sondern lediglich eine andere Meinung zuzulassen[7].

2. Sonderfall „argumentatives Selbstgespräch“

Wenn man davon ausgeht, dass das Argumentieren eine kommunikative Handlung ist, dann stellt sich weiterhin die Frage, wie viele Personen an einer solchen Kommunikation beteiligt sein müssen. Bzw. ist beim Argumentieren das Vorhandensein von mindestens 2 Personen immer notwendig? In der Regel schon. Hat man jedoch erst einmal gelernt, das Für und Wider einer vermeintlichen Tatsache zu suchen und abzuwägen, dann ist es unumgänglich auch seine eigenen Meinungen und Gedanken abzuwägen[8].

3. Sonderfall „Die Rede“

Auch hierbei handelt es sich nicht um eine Kommunikation zwischen 2 Personen, die direkt im Gespräch miteinander agieren. In einer Rede geht es hauptsächlich um die Überzeugungskraft der Argumente für das Gesagte und deshalb können die Grundlagen der Argumentation auch für die Rede von Nutzen sein. Jedoch kann man im Gegensatz zu einer Diskussion oder einem Gespräch nicht unmittelbar auf sein Gegenüber und dessen Fragen, mit Zweifel und Widerstand reagieren. In einer Rede müssen die Einwände und Fragen antizipiert werden. Das erfordert eine große Empathiefähigkeit für die Zuschauerschaft.

4. Zwischenfazit

Auf dem Weg zu einer guten argumentativen Auseinandersetzung kann man, wie vorliegen dargestellt, oft stolpern. Jedoch gibt es zahlreiche Lösungsvorschläge zur Überwindung dieser, die viele Kompetenzen erfordern.

III.Argumentationskompetenzen

Für eine gute Argumentation ist das beherrschen einiger Grundkompetenzen von wesentlicher Bedeutung. Die wahrscheinlich wichtigste Kompetenz ist Einfühlungsvermögen in ein Gesprächssetting[9]. Dieses erforderliche Einfühlen in die Situation sollte sich an vier Punkten orientieren:

1. Argumentationsrahmen

Für eine gelungene Argumentation ist es wichtig sich zu verdeutlichen; unter welchen Umständen sie stattfindet. Handelt es sich beispielsweise um eine politische Diskussion oder um eine wissenschaftliche Debatte, sind andere Argumentationsstrategien zu wählen als beispielsweise in lockerer Runde bei einem Spielabend unter Freunden.

2. Der zeitliche Rahmen

Es ist für die Auswahl der Argumentationsstrategie von wesentlicher Bedeutung, wie groß das für die Ausführung der Argumentation zur Verfügung stehende Zeitfenster ist.

3. Der Gesprächspartner

Die Auswahl der Argumente sowie die Form ihrer Ausführung sollte an die Gesprächsgegenüber angepasst werden. Gilt es einen Vorgesetzten oder gar den eigenen Chef zu überzeugen, sind ein anderes Vokabular und eine andere Art der Ausführung erforderlich, als wenn Freunde oder Arbeitskollegen überzeugt werden sollen.

4. Der Gesprächsgegenstand bzw. an dem themenspezifischen Diskurs

Die Typen der Argumente, die vorgebracht werden sollen, sind nach dem gegebenen Gesprächsgegenstand auszuwählen. In einem affektiven Themenkontext sind beispielsweise andere Argumente angebracht als in einer Diskussion im wissenschaftlichen Diskurs.

Neben dem Einfühlungsvermögen in die Gesprächssituation ist auch Empathie für die Argumentationsgegner, eine notwendige Voraussetzung für eine gelungene Argumentation. Durch Empathisches einfühlen in das Gesprächsgegenüber, seine emotionale Verfassung, seine Lebenswelt, seine Interessen und seinen Kenntnisstand zum Diskussionsthema, fällt es leichter geeignete Argumente zu finden, die das Gegenüber erreichen und überzeugen. Des Weiteren ist eine fundierte Sachkompetenz bezüglich des Diskussionsthemas für eine gute Argumentation erforderlich. Denn für das Formulieren überzeugender rationaler Argumente ist eine fundierte fachliche Kompetenz Voraussetzung. Sind diese Punkte gegeben, kann mittels kommunikativer Kompetenz (Eloquenz, Interesse an der Meinung des Gegenübers sowie Kongruenz von sprachlichem Inhalt, Mimik und Gestik) und strategischer Kompetenz (logisch stringente, transparente und nachvollziehbare Argumentationsstruktur und das Anbringen von lebensweltlichen sowie einleuchtenden Beispielen) eine gute Argumentation hervorgebracht werden.

[...]


[1] Winkler (2003), S. 17 f.

[2] Abraham (2008), S. 127

[3] Hermann, Hoppmann, Stölugen, Taraman (2011), S. 13 f.

[4] Ebd., S. 14 f.

[5] Ebd. S. 15. f.

[6] Vgl. Grundler, Vogt (2009), S. 489

[7] Ebd., S. 488

[8] Hermann, Hoppmann, Stölugen, Taraman (2011), S. 16

[9] Wagner (2006), S. 754

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668061309
ISBN (Buch)
9783668061316
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307844
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
12 Punkte
Schlagworte
eine einführung argumentationstypen mündlicher sprachgebrauch schule

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