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Women HarassMap. Frauenrechte und Soziale Medien im Arabischen Frühling

Seminararbeit 2014 13 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Stellung der Frau in Ägypten

3. Frauenbewegungen im Kontext des Arabischen Frühlings
3.1 Kurze Skizzierung des Verlauf des Arabischen Frühling in Ägypten
3.2 Rolle von Social Media im Ägyptischen Frühling
3.3 Wie erging es den Frauen?

4. Women HarassMap
4.1 Daten und Fakten
4.2 The Map – die Karte
4.3 Community Mobilization
4.4 Ziel der Initiative

5. Übertragbarkeit des Modells in andere Länder

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„It is a time of change in the world, with dictators toppling and new opportunities arising, but any revolution that doesn’t create equality for women will be incomplete. The time has come to realize the full potential of half the world’s population. “

Christiane Amanpour, The Unfinished Revolution (2012)

Als der internetbegeisterte junge Ägypter Khalid Said am 06.Juni 2010 von zwei Polizisten brutal ermordet wird, weil er der Welt zeigen will in welch korrupten Polizeistaat er lebt, wird er zur Symbolfigur der ägyptischen Revolte. In Khalids Heimatstadt Alexandria und der Hauptstadt Kairo ziehen tausende Menschen aus Protest gegen die erschütternde Tat auf die Straßen (vgl. Flade, 2011). Unter den vielen Demonstranten befinden sich auch zahlreiche Frauen, die gemeinsam Seite an Seite mit den männlichen Ägyptern protestieren, dieses kann – wie in der Medienöffentlichkeit dargestellt – als Novum gewertet werden.

Ziel ihrer gemeinsamen Proteste ist es auf ihre defizitäre gesellschaftliche und politische Lage aufmerksam zu machen und dadurch die praktische Verwirklichung von Demokratie und Gleichheitsrechten zu fordern. Im Rahmen dieser Bewegung entspringt mit entsprechender (social) medialer Unterstützung das Projekt HarassMap, durch welches Frauen des ganzen Landes auf virtuellen Karten Orte von Misshandlung und Unterdrückung anonym preisgeben und auf diese Weise den lange verschwiegenen körperlichen und seelischen Missbrauch von Frauen nicht nur der digitalen Weltöffentlichkeit sichtbar machen sondern auch die Möglichkeit zu ersten wirkungsvollen Gegenmaßnahmen bestehen kann.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der sozialen Medien in Bezug auf die Geschehnisse des ägyptischen Frühlings unter besonderer Berücksichtigung der Frauenrechte. Es soll herausgefunden werden ob und inwieweit soziale Medien, wie Facebook oder Youtube, einen Einfluss auf die Gleichberechtigung bzw. Frauenrechte im besagten Staatsgebiet haben. Konkret wird hierzu das Projekt HarassMap in diesem Rahmen bevorzugt analysiert.

Nach einer Einführung über das Frauenbild in Ägypten folgt ein Überblick über die Geschehnisse des ägyptischen Frühlings und der Rolle der sozialen Medien. Im nachfolgenden konzentriert sich die Arbeit insbesondere auf die Stellung der Frau während des ägyptischen Frühlings in Zusammenhang mit sozialen Medien, durch eine Analyse des Projekts HarassMap.

2. Die Stellung der Frau in Ägypten

Laut einer Studie der britischen Thomson Reuters Stiftung ist Ägypten das Land in der arabischen Welt mit den schlechtesten Lebensbedingungen für Frauen (vgl. Thomson Reuters Stiftung, 2013). Themen der Studie sind Gewalt gegen Frauen, Rechte im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt, Stellung der Frau in der Familie und der Gesellschaft sowie Akzeptanz von Frauen in Politik und Wirtschaft.

Die Befragung von 336 Experten in 22 arabischen Ländern ermittelte für Ägypten nahezu in allen Themenkategorien schlechte Werte, insbesondere Genitalverstümmelungen bei 91 % aller erwachsenen Frauen in Ägypten (vgl. Unicef, 2013), sexuelle Belästigung an 99,3 % aller Frauen im Laufe ihres Lebens (vgl. Human Rights Watch, 2012), sowie die schlechte rechtlichen Stellung führen zu diesem Ergebnis.

37% aller erwachsenen Frauen können nicht lesen und schreiben und sind dadurch auf dem sowieso problematischen Arbeitsmarkt stark benachteiligt.

Dabei ist gerade Tätigkeit in Universitäten die Einzige ist, der eine Frau in Ägypten nachgehen kann.

Schuld an diesen Zuständen ist „die giftige Mischung aus Tradition und Religion, die das Mubarak Regime hinterlassen hat“ so Mona Eltahawy, eine bekannte ägyptische Frauenrechtlerin und Bloggerin (vgl. Putz, 2013). Die bestehenden Gesetze und auch neue Gestaltungsbemühungen der Verfassung weisen religiöse Bezüge auf. Diese, so Nawal al-Saadawi, die bekannteste Feministin Ägyptens, seien immer, ob Christentum oder Islam, patriarchale Systeme und dienen schlicht dem Zweck Frauen zu kontrollieren und für die Interessen der Männer auszunutzen (vgl. Abé, 2012). Ähnliche Ansichten vertritt auch die Journalistin und Aktivistin Lamees Dhaif aus Bahrain (vgl. HerVoice, 2013, 03:41).

Ausgehend von diesen Erkenntnissen ist es nachvollziehbar wieso in den ersten Reihen der Proteste des ägyptischen Frühlings vorallem auch viele Frauen zu sehen waren. Interessant scheint hierbei jedoch der Verlauf der Revolution und mögliche Erfolge oder Konsequenzen, die sie mit ihren Forderungen erreicht haben.

3. Frauenbewegungen im Kontext des Arabischen Frühlings

Der politische Umbruch im bevölkerungsreichsten arabischen Land war die Folge der Proteste zahlreicher junger Ägypter und Ägypterinnen gegen das repressive und korrupte Regime des ehemaligen Staatspräsidenten Husni Mubarak. Schon früher hatte es Protestbewegungen gegen diesen Staatsapparat gegeben, jedoch wurden diese durch brutale Polizeigewalt und kosmetische Reformen erfolgreich abgewehrt (vgl. Roll, 2011).

Es stellt sich die Frage, welche Besonderheiten die Revolution des ägyptischen Frühlings mit sich brachte, so dass der Sturz von Mubarak innerhalb von nur weniger Wochen gelingen konnte.

3.1 Kurze Skizzierung des Verlauf des Arabischen Frühling in Ägypten

Als Beginn der Revolution in Ägypten kann die Ermordung des Internetaktivisten Khalid Said gesehen werden. Infolgedessen gingen zahlreiche betroffene Ägypter auf die Straßen und demonstrierten gegen eben diesen Staatsapparat, der verantwortlich zu machen ist für die Ermordung Khalids.

Diese betroffenen Ägypter zeichnen sich durch ihren geringen Altersdurchschnitt – etwas zwei Drittel der ägyptischen Bevölkerung ist jünger als 35 Jahre – aus, sowie der Perspektivlosigkeit - mehr als die Hälfte dieser jungen Ägypter hat nach offiziellen Angaben keine Arbeit (vgl. Roll, 2011).

Die Verbreitung von Mobilfunk, Satellitenfernsehen sowie Internet bot zudem ein Instrument zur Organisation, sowie als Sprachrohr zur Verbreitung der Geschehnisse in die restliche Welt, worauf im nachfolgenden Kapitel 3.2 näher eingegangen wird.

Diese Protestwelle, angeführt von Teilen der ägyptischen Mittelschichtjugend und unterstützt von der Arbeiterschaft, traf auf eine Regierung, die sich in einem Konflikt zwischen Wirtschaft und Militär befand und über dessen Zukunft Uneinigkeit herrschte (vgl. Roll, 2011).

Aufgrund der gewaltsamen Vorgehensweise der Polizei- und Sicherheitskräfte eskalierte, war Mubarak gezwungen am 11. Februar 2011 zurückzutreten.

3.2 Rolle von Social Media im Ägyptischen Frühling

Immer wieder findet man im Kontext des Arabischen Frühlings den Ausdruck „Facebook-Revolution“ (vgl. 3Sat, Apolte/Möller, Hofmann). Es ist jedoch fraglich ob und inwieweit diese Begrifflichkeit auf den Arabischen Frühling, insbesondere auf den ägyptischen Frühling ein zutreffender Ausdruck ist und welche Rolle den Medien, speziell den sozialen Medien zukommt.

Für einen solchen Begriff sprechen die zahlreichen Blogs, die über die Ereignisse auf dem Tahrir-Platz stattfanden, berichteten, sowie Facebook-Seiten. Ebenfalls Plattformen wie Youtube und Twitter wurden von jungen Ägyptern genutzt um Informationen über die Massenproteste in die Welt zu schicken.

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Details

Seiten
13
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668063686
ISBN (Buch)
9783668063693
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307821
Institution / Hochschule
Universität Passau – Medien und Kommunikation
Note
1,7
Schlagworte
Gleichgeschlechtliche Behandlung Ägypten Social Media Protestkommunikaton Arabischer Frühling Frauenrechte

Autor

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Titel: Women HarassMap. Frauenrechte und Soziale Medien im Arabischen Frühling