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Analyse der globalen Wertigkeit von Währungen im Hinblick auf die reale Kaufkraft

Ansätze für eine alternative Währung

Bachelorarbeit 2015 56 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Definition Geld
1.2 Geldarten
1.3 Geldmenge

2. Bretton-Woods Abkommen

3. Geldschöpfung
3.1 Geldschöpfung sachgemäß
3.2 Geldschöpfung ohne Wertschöpfung

4. Krisen der Geschichte

5. Der US-Dollar als Leitwährung
5.1 US-Dollar im Dilemma
5.2 Kaufkraft des US-Dollar

6. Lösungsansatz einer digitalen Währung
6.1 Supranationale Währung
6.2 Gütertausch
6.3 Zins und Zinseszins
6.4 Stabilität
6.5 Applikation
6.6 Weitere Alternative

7. Motivation zur Einführung des WeCash

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Geldarten

Abb. 2: Geldmenge

Abb. 3: Gegenüberstellung der Pläne von Keynes und White

Abb. 4: Schaubild Geldschöpfung

Abb. 5: US-Immobilienpreise

Abb. 6: Pendel Schaubild

Abb. 7: Japans Geldbasis im Vergleich zur Inflationsrate

Abb. 8: Geldmengenwachstum

Abb. 9: Resultat durch Ausdehnung der Geldmenge

Abb. 10 : Zeitstrahl Krisen

Abb. 11: Wachstumsarten

Abb. 12: Geld- und Warenkreislauf zwischen USA und Gläubigerländer

Abb. 13: Kaufkraft des US-Dollars

Abb. 14: Kaufkraft des Dollar in Relation zum Ölpreis

Abb. 15: Consumer Price Index USA (1913-2014)

Abb. 16: Gütertausch

Abb. 17: Vorderseite Freier Schilling

Abb. 18: Rückseite Freier Schilling

Abb. 19: Stabilität

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Geld, das letztes Rätsel der Nationalökonomie.“1

Mit diesem Zitat bringt Hajo Riese deutlich zum Ausdruck wie faszinierend und verstörend zugleich Geld sich dem allgemeinen Verständnis über dessen Funktion entzieht. Geld, als eine der genialsten Erfindungen des Menschen, das Spezialisierung, Arbeitsteilung und den modernen Handel in der heutigen Form erst ermöglichte, diente anfänglich dem Menschen als ein nützliches Werkzeug. Über die Jahre hat es sich jedoch weiterentwickelt, so dass es beginnt den Menschen zu beherrschen.

Aus den folgenden Sprichworten, die tagtäglich in unserem Gebrauch sind, lässt sich beispielsweise ableiten wie wichtig und was für einen hohen Stellenwert Geld in der Gesellschaft hat: ‚Geld stinkt nicht‘, ‚Zeit ist Geld‘, ‚Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts‘, ‚Geld regiert die Welt’. Insbesondere die letzte Redewendung zeugt von der Macht, die Geld in der Welt zu besitzen scheint.

Doch was ist eigentlich Geld und was sind seine Eigenschaften bzw. Funktionen? Inwieweit begünstigt die heutige Funktionsweise des Geldes die Entstehung von Krisen? Die zahlreichen Krisen in der Vergangenheit sowie die aktuelle Finanzkrise lassen Zweifel an der optimalen Funktionserfüllung des Geldsystems aufkommen. In diesem Zusammenhang beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Frage, ob diese Zweifel berechtigt sind und welche möglichen Alternativen diesem System gegenüberstehen.

Die Arbeit soll nicht als Kritik an dem Konstrukt ‚Geld‘ verstanden werden, sondern vielmehr seine Potenziale aufzeigen, wenn es mit alternativen Eigenschaften ausgestattet wird. Denn ohne Geld in seinen Funktionen als Wertaufbewahrungsmittel, Recheneinheit und Wertmaßstab ist gegenwärtiges globales Wirtschaften und Handeln nicht möglich.

Insofern ist das Ziel dieser Arbeit „das letzte Rätsel der Nationalökonomie“2 zu beleuchten. Um die aufgeführten Fragestellungen zu untersuchen werden im ersten Teil der Arbeit theoretische und historische Grundlagen zur Definition, Abgrenzung und Entstehung des Geldbegriffs und seiner Eigenschaften sowie Funktionsweisen geschaffen. Im zweiten Teil werden daraus mögliche Lösungsansätze abgeleitet.

Zunächst werden im nächsten Kapitel die historischen monetär relevanten Zusammenhänge während des zweiten Weltkrieges erläutert. Dabei wird detailliert auf die Ereignisse der Konferenz von Bretton Woods Stellung genommen.

Im dritten Kapitel wird auf die Geldschöpfung und die Rolle des Bankwesens während des Prozesses eingegangen. Anknüpfend an die sachgemäße Geldschöpfung wird die unsachgemäße Geldschöpfung in Relation mit der aktuellen Finanzkrise gesetzt.

Dieser theoretischen Einführung folgt eine historische Aufzählung der bemerkenswertesten Wirtschaftskrisen im vierten Kapitel zurück bis ins 13. Jahrhundert. Dabei wird nicht nur der Krisenverlauf, sondern auch dessen Entstehung analysiert.

Das fünfte Kapitel beleuchtet die Aufgabe des US-Dollar in seiner Doppelfunktion als National- und Weltleitwährung. Dabei werden anhand des Triffin-Dilemmas die irreparablen Konstruktionsfehler des Systems erörtert.

Im sechsten Kapitel werden die vorher erläuterten Systemfehler aufgegriffen und dafür Lösungsansätze beschrieben. Im weiteren Verlauf des Kapitels wird grob auf eine mögliche technische Umsetzung mittels Smartphone Applikation eingegangen.

Das Kapitel Motivation zur Einführung von WeCash behandelt die Vorteile und die Argumente für eine Implementierung des vorher beschriebenen Systems.

Das Fazit resümiert abschließend die wesentlichen Ergebnisse und zieht Schlussfolgerungen im Hinblick auf die anfangs aufgeworfene Fragestellung.

1.1 Definition Geld

„Das Geld, indem es die Eigenschaft besitzt, alles zu kaufen, indem es die Eigenschaft besitzt, alle Gegenstände sich anzueignen, ist also der Gegenstand im eminenten Sinn. Die Universalität seiner Eigenschaft ist die Allmacht seines Wesens; es gilt daher als allmächtiges Wesen… Das Geld ist der Kuppler zwischen dem Bedürfnis und dem Gegenstand, zwischen dem Leben und dem Lebensmittel des Menschen. […] So groß die Kraft des Geldes, so groß ist meine Kraft. Die Eigenschaft des Geldes sind meine - seines Besitzers - Eigenschaften und Wesenskräfte. Das, was ich bin und vermag, ist also keineswegs durch meine Individualität bestimmt. Ich bin hässlich, aber ich kann mir die schönsten Frauen kaufen. Also bin ich nicht häßlich, denn die Wirkung der Häßlichkeit, ihre abschreckende Kraft ist durch das Geld vernichtet. […]“3

Mit diesen Worten beschrieb Marx das Wesen von Geld, der deutsche Ökonom Otmar Issing definierte Geld etwas pragmatischer, wie folgt: „In der Nationalökonomie wird der Geldbegriff heute allgemein von den Geldfunktionen her bestimmt: Alles was Geldfunktionen ausübt, ist Geld.“

Die von Herrn Issing zugesprochenen Funktionen, sind die Aufgaben als Tausch- und Zahlungsmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Recheneinheit. Als Tauschmittel besteht die Aufgabe des Geldes darin, den Austausch von Gütern zu vereinfachen. Diese Funktion ist jedoch nicht nur auf Güter beschränkt, sondern greift auch bei Finanztransaktionen. Bezüglich der Verwendung des Geldes als Zahlungsmittel, muss die Form des Geldes allgemein akzeptiert werden.

Wird Geld abstrakt betrachtet, kann es allgemein als Bezugsgröße ausgedrückt werden, um mit seiner Hilfe Güter- und Vermögenswerte zu vergleichen. Damit hat das Geld die Funktion einer Recheneinheit bzw. eines Wertmaßstabs. Das vereinfacht den täglichen Handel, da nicht mehr die zahllosen Austauschverhältnisse aller Güter untereinander bestimmt werden müssen.4

Verrichtete Arbeit lässt sich häufig nicht konservieren. Die meisten Dinge des täglichen Lebens sind kurzlebig und müssen stetig neu erarbeitet werden. Durch Geld lässt sich der Kauf und Verkauf zeitlich voneinander trennen. Somit lassen sich die verrichtete Arbeit und ihr Wert konservieren. Das Geld hat dadurch eine Wertaufbewahrungsfunktion.5 Der Gegenstand der diese Funktionen erfüllen soll, muss gut teilbar, in seinem Wert beständig und allgemein akzeptiert sein.

Juristisch wird Geld als beglaubigter Wertträger, der zum Umlauf im öffentlichen Verkehr bestimmten Zahlungsmittel, definiert, das vom Staat oder einer durch ihn ermächtigten Institution geschöpft und in Umlauf gebracht wird.

1.2 Geldarten

Wie oben erwähnt, kann alles, was Geldfunktion ausübt, Geld sein. Ganz gleich ob es sich um Muscheln, Papierscheine oder Zigaretten handelt. Die vielen verschiedene Formen von Geld lassen sich in drei Arten gliedern: Naturalgeld, Repräsentativgeld und Fiatgeld.

Naturalgeld ist die älteste und simpelste Form von Geld. Das Material oder der Gegenstand selbst spiegelt die Werthaltigkeit wieder. Beispiele für Naturalgeld sind Gold- oder Silbermünzen. Bemerkenswert an dieser Form des Geldes ist die Tatsache, dass keine Zentralgewalt den Wert festlegt, sondern lediglich der Käufer und der Verkäufer die Naturalien zum Zahlungsmittel werden lassen. Dadurch ist es jeder Person möglich, Naturalgeld dezentral und spontan zu schöpfen, ohne dass es von einer Zentralgewalt kontrolliert werden kann.6

Repräsentativgeld unterscheidet sich insofern von Naturalgeld, da es sich nicht mehr um den Gegenstand selbst handelt, sondern eine verbriefte Form, also das Versprechen den Brief gegen den Gegenstand jederzeit eintauschen zu können. Der Goldstandard ist ein Beispiel für diese Form des Geldes. Diese Form des Geldes ist nicht mehr ohne weiteres mit Dritten handelbar, da sich der Nennwert durch Vertrauen in die Person und die Einlösbarkeit des „Gutscheins“ zusammensetzt.7

Geld, so wie es heute genutzt wird, lässt sich als Fiatgeld bezeichnen. Fiatgeld hat weder intrinsischen Wert, noch bezeichnet es Anspruch auf tatsächliche Werte. Es wird von einer Zentralgewalt hergestellt und dessen Werthaltigkeit wird per Beschluss bestimmt. Fiatgeld funktioniert nur wenn die Zentralgewalt dieses als gesetzliches Zahlungsmittel festsetzt und so die Annahme vorschreibt.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Geldarten9

1.3 Geldmenge

Wird von Geldmengen gesprochen, muss definiert werden, welche Geldmenge damit in den Focus gerückt wird, die Literatur unterscheidet die Geldmengen in drei korrelierende Klassen. Die folgende Abbildung zeigt wie sich die Geldmengen gliedern.

Dabei handelt es sich lediglich um Geldbestand, der sich nicht in Bankbesitz befindet. Die Geldmenge wird nach ihrer Verfügbarkeit gegliedert von M1, liquide Mittel, bis M3, längerfristige Finanzgeschäfte. Das „M“ steht dabei für Money. Die Menge M1 verdeutlicht, wie eben erwähnt, die uneingeschränkten liquiden Mittel, dazu zählen Bargeld und täglich fällige Sichteinlagen, die kurzfristig zu liquiden Mittel transferiert werden können. Wird die Geldmenge M1 um mittelfristige Spar- und Terminanlagen erweitert, resultiert daraus die mittlere Geldmenge M2. Der Unterschied von den Termin- und Spareinlagen im Gegensatz zu den Sichteinlagen ist der, dass sie nicht wie Bargeld uneingeschränkt liquide sind, sich jedoch in relativ kurzer Zeit in Komponente der Geldmenge M1 umwandeln lassen. Wird die Geldmenge M2 um Beträge aus Repogeschäften, Geldmarktpapiere und Bankschuldverschreibungen erweitert, wird von der Geldmenge M3 gesprochen. Die M2 sowie M1 umfassende

Geldmenge M3, steht bei monetären Lageeinschätzungen häufig im Vordergrund.10 Wie die Abbildung 2 zeigt, sind es keine drei einzelne Geldmengen, sondern in einander übergreifende Teile eines Ganzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Geldmenge11

Jedoch ist es in der Realität häufig nicht möglich die Geldmengen so wie in Abbildung zwei klar zu definieren und voneinander abzugrenzen. Deshalb wird in der Praxis derjenige Geldbegriff in den Vordergrund gerückt, der zur Erfüllung der geldpolitischen Ziele am besten geeignet erscheint.

Das Folgende Kapitel beschäftigt sich mit dem Abkommen, dass in Bretton Woods diskutiert und verabschiedet wurde. Des Weiteren geht es der Frage nach, wie der US-Dollar in seine hegemoniale Position gebracht wurde, dabei werden zwei Hauptcharaktere und ihre Beziehung zueinander erläutert.

2. Bretton-Woods Abkommen

Die alliierten Mächte mussten an die Zeit nach dem 2. Weltkrieg denken, es sollte eine Währungsreform erarbeitet werden um den Wiederaufbau und die Hilfen für die Staaten zu finanzieren. Dafür wurde im Juli 1944 in Bretton Woods (New Hampshire, USA) eine Konferenz einberufen.

Die britische Vertretung bei dieser Konferenz war u.a. der Öko-nom und Mathematiker John Maynard Keynes. Dieser wollte den britischen Vorschlag einer Internationalen Clearing Union durch-setzen. Der Plan bestand aus zwei zentralen Säulen, zum einen sollte der Handel zwischen den Nationen nicht mehr gegen Geld, sondern im Austausch gegen Güter gehandelt werden, zum an-deren sollten die getauschten Güter in der neu geschaffenen, supranationalen Währung Bancor gehandelt werden.12 Der Gü tertausch hat den großen Vorteil, dass jede Nation Güter der Gemeinschaft über eine Clearingstelle zur Verfügung stellt und wiederrum Güter, die es benö-tigt, aus der Clearingstelle entnehmen darf. Über die Clearingstelle kann sichergestellt wer-den, dass die Länder mit der Gemeinschaft als Ganzes im Gleichgewicht stehen, denn es kann nur so viel entnommen werden wie auch geliefert wurde. Die Währung hätte nur noch eine untergeordnete Rolle, die Güter mit einander zu verrechnen.13

Die amerikanische Vertretung, unter dem Ökonom Harry Dexter White, hatte einen anderen Plan. Dieser bestand ähnlich wie der britischen Entwurf auch auf zwei Säulen. Allerdings plädierte White im Gegensatz zu Keynes gegen den Gütertausch und schlägt stattdessen das Prinzip des freien Marktzugangs vor. Nach diesem Wirtschaftsprinzip sollen Güter nicht mit Gütern, sondern mit Geld bezahlt werden, was der Leit-währung eine wesentlich höhere Bedeutung zukommen lassen würde. Außerdem war er gegen eine supranationale Währung und setzte sich dafür ein, dem US-Dollar die Rolle der Weltleitwährung zuerkenne, zu der die anderen Währungen in einem festen Wechselkurs14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Gegenüberstellung der Pläne von Keynes und White15

Whites US-amerikanischer Plan sollte demokratisch auf einer Konferenz beschlossen werden. Für die amerikanische Vertretung war das Ziel der Konferenz von vornherein beschlossen und sollte lediglich von den anderen Nationen angenommen werden. White sah nur in Großbritannien und damit in Keynes einen Verhandlungspartner auf Augenhöhe. Er verehrte Keynes als Ökonom, hatte jedoch großen Respekt vor seinen überlegenen rhetorischen Fähigkeiten. White war bewusst: je stärker der britische Pfund im internationalen Handel vertreten war, desto größer sei der Einfluss der britischen Vertretung auf einer internationalen Konferenz. Damit war er gedanklich der Konferenz von Bretton Woods acht Jahre voraus.16

Ein inoffizielles anglo-amerikanisches Abkommen sollte die wichtigsten Punkte abhandeln, jedoch wurde bei dessen Erarbeitung stets darauf geachtet, zu keiner formellen Einigung zu gelangen. Dadurch sollte die Präsentation vollendeter Tatsachen vor Konferenz vermieden werden. In einen Brief an Sir Richard Hopkins schilderte Keynes, dass vorab Vereinbarungen mit White getroffen wurden:

„Die Methode bestand darin, in keiner Angelegenheit zu einer Formellen Einigung zu gelangen, da White sehr besorgt war, in Bretton Woods mit einem fait accompli oder der gestrichelten Linie für die Unterschrift aufzutreten. Daher haben wir, theoretisch gesprochen, lediglich eine Reihe verschiedener Vorschläge erhalten, die einige Delegationen gerne vortragen würden, und diese in einem Dossier in einer passenden Reihenfolge eingeheftet; in Wirklichkeit haben wir jedoch natürlich, wie oben angedeutet, sehr viel mehr als nur das getan.“17

Bei der Konferenz wurde jedoch nicht wie von Keynes angenommen, das vorgefertigte Abkommen von ihm und White bearbeitet, sondern viel mehr Whites Vorstellungen eines zukünftigen nach US-amerikanischen Interessen gestalteten Finanzsystems.

In den drei Wochen andauernden Verhandlungen nutze White die Rolle der USA als Veranstalter der Konferenz, um sie nach seinen Absichten zu manipulieren. Die Konferenz wurde in diverse Kommissionen unterteilt, deren Vorsitzt ausländische Nationen antraten. Es wurden, jedoch ausschließlich US-amerikanische Schriftführer eingesetzt, die zu dem auf einer Übungskonferenz speziell für ihre Aufgabe, jeden einzelnen Punkt der US-amerikanischen Position verteidigen zu können, geschult wurden. Wie bereits erwähnt, war Keynes durch sein internationales Ansehen und seine außergewöhnliche Überzeugungskraft die größte Gefahr für Whites Vorhaben. Aus diesem Grund teilte White die Konferenz in zwei parallel laufende Themenbereiche. Zum einen den Bereich Bank, dessen Vorsitz er an Keynes überwies und zum anderen den Bereich Währung, zu dessen Vorsitzenden er sich selbst erklärte. Durch diese simple Aktion konnte Keynes erst gar nicht in die Währungsdebatten eingreifen. Ein weiteres Werkzeug von White war die Möglichkeit eine in den offenen Gesprächen zu komplexe Problemstellung an ein „Spezialkomitee“ zu übergeben, das er mit seinen eigenen Mitarbeiter besetzte und die selbstverständlich zu seinem gewünschten Ergebnis übereinkamen. Diese Spezialkomitees nutze White ebenfalls mit dem Ziel unbemerkt und unwissend von den anderen Delegierten, in den Dokumenten das Wort Gold durch die Worte Gold oder US-dollar zu ändern. Dies war ihm möglich, da das Spezialkomitee nur aus ihm und seinen engsten Mitarbeitern bestand. Dadurch erlangte er die vollständige Kontrolle über die Formulierung der Dokumente.18

Durch diese Handlung setze er den US-Dollar mit Gold gleich, die USA wäre somit in der Lage Gold zu ‚drucken‘. Drei Tage vor Ende der Konferenz wurde eine abendliche Sitzung einberufen, zu der Keynes aus gesundheitlichen Gründen nicht erscheinen konnte. Im Verlauf dieser Sitzung wurde bekannt gegeben, dass ein Spezialkomitee damit beginnen werde, alle Ausarbeitungen der Kommissionen und Unterkommissionen, zu dem endgültigen Bretton-Woods-Vertag auszuformulieren. Des Weiteren wurde beschlossen, dass dieser Final Act nicht mehr geändert, sondern nur noch von den Delegierten unterschrieben werden sollte.

Die Konferenz von Bretton Woods endete am 22. Juli 1944 mit einem Galadiner. Das Abkommen lag während der Feier in einem Nebenraum. Es war den Delegierten nicht möglich Geldschöpfung den Vertrag vorher zu lesen. Der 96-Seitige Vertrag war sehr komplex und kompliziert formuliert, wodurch ein Überfliegen des Textes keinesfalls möglich wäre. Viele der Delegierten unterschrieben den Vertrag noch am selben Abend, ohne Kenntnisse von dem genauen Inhalt zu haben, andere am nächsten Morgen bevor sie abreisten.19

Erst Wochen später wurden die Vertragsinhalte veröffentlich. Worauf Keynes sofort mit einer Mitteilung an das britische Schatzamt reagierte, diesen Vertrag nicht anzunehmen, da sich die widersprüchlichen Inhalte um ein Versehen handeln müssen. White machte, nach einer Kontaktaufnahme durch Keynes, deutlich, dass es sich nicht um einen Fehler handelt. Nachdem allen Beteiligten bewusst wurde, dass es sich bei den Inhalten nicht um Fehlformulierungen handelt, weigerte sich Großbritannien den Vertag zu unterzeichnen.

Nach dem der Krieg jedoch nach der Kapitulation von Japan ein Ende fand, kündigten die Vereinigten Staaten den Lend-Lease-Act plötzlich und unerwartet. Großbritannien, das über 4.500 Milliarden US-Dollar Reserven vor dem Krieg verfügte, stand nach dem Krieg am Rand der Zahlungsunfähigkeit und war auf amerikanische Hilfe angewiesen.20

Keynes bereitete sich im Auftrag der britischen Regierung auf den Weg nach Washington, um von der US-amerikanischen Regierung Hilfen in Höhe von 5.000 Milliarden US-Dollar zu erbitten. Nach längerer Wartezeit unterbreitete die Regierung der Vereinigten Staaten Keynes ein Angebot über 3.750 Milliarden US-Dollar unter der Bedingung, dass Großbritannien den Bretton Woods Vertrag ratifiziert. Gezeichnet vom zweiten Weltkrieg hatte die britische Regierung wenig mögliche Alternativen, so wurde den Bedingungen zugestimmt. Im Monat darauf wurde das Kreditabkommen unterzeichnet und damit der Bretton Woods Vertrag ratifiziert.

Alle angeschlossenen Währungen waren von nun an in einem festen Wechselkursverhältnis an den US-Dollar gebunden, der wiederum an Gold gebunden war. Aufgrund ihrer überragenden politischen Macht war es der USA möglich, ihre Interessen während der Konferenz von Bretton Woods durchzusetzen und den US-Dollar in seine Sonderrolle zu erheben.21

3. Geldschöpfung

Das folgende Kapitel befasst sich mit der Schöpfung des Geldes. Der erste Teil handelt von der Geldschöpfung wie sie nach Lehrbuch praktiziert werden sollte, der zweite Teil beschäftigt sich mit der Geldschöpfung wie sie von den Vereinigten Staaten von Amerika betrieben wurde, im weiteren Verlauf wird der Frage nachgegangen wie es in solch einem Ausmaße zu der Finanzkrise ab 2007 kommen konnte und welche Rolle dabei die Geldschöpfung spielte.

3.1 Geldschöpfung sachgemäß

Eine essenzielle Eigenschaft von Geld, ist die begrenzte Verfügbarkeit. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass keine schweren Schädigungen und Werteverluste auf den Märkten auftreten. Wächst die Geldmenge auf ein Maß an, welches den Wert vorhandener Produkte und Dienstleistungen weit übersteigt, kann es zu marktschädigenden Effekten kommen.

Die folgende Grafik verdeutlicht die Erzeugung von Giralgeld. In einem Fallbeispiel werden vereinfacht der Weg, sowie die wichtigsten Stationen des Gelds veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Schaubild Geldschöpfung22

Es wird angenommen eine Person benötigt eine bestimmte Menge Kapital, die sie nicht verfügbar hat. Im ersten Schritt nimmt diese Person einen Kredit bei einer Bank in Anspruch. Für dieses Geld wird von der Bank ein „Hartwert“ als Sicherheit verlangt. In diesem Beispiel gibt die Person das Haus der Eltern als Sicherheit, die Bank akzeptiert dies und bucht der Person den Kreditbetrag auf dessen Konto. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Bank dieses Geld auszahlt ohne es tatsächlich zu besitzen. Es handelt sich nur um einen Buchungsvorgang. Dazu sind lediglich zwei Gegebenheiten notwendig. Zum einen der Kreditnehmer, der den Kredit in Anspruch nimmt, zum anderen die vorgegebene Mindestreserve, die sich in Europa seit dem 18. Januar 2012 auf einen Prozent beläuft.23 Daraus ergibt sich, dass mit nur einem Euro Mindestreserve eine Bank in der Lage ist, 100 Euro Kredit zu gewähren, was der hundertfachen Menge entspricht.

Mit diesem geliehen Geld kann die Person, so wie die Abb. 6 zeigt, Dienstleistungen und Material bezahlen, um im Gegenzug sein Haus zu erhalten. Besonders zu beachten ist, dass das Giralgeld durch den direkten Zusammenhang zwischen Geld und Arbeit24, sich zu verdientem Geld wandelt, da Handwerker, Lieferanten und Architekt dieses Geld als Lohn ihrer Arbeit erhalten.

Der letzte Schritt ist die Tilgung des Kredites. Mit diesem Schritt ist der Kreditnehmer nicht nur schuldenfrei und seine Sicherheit aus der Verpfändung gelöst, sondern auch das Buchgeld ist damit „vernichtet“. Es hat seine Aufgabe erfüllt und beim durchlaufen der einzelnen Posten wurde mit dem Geld ein Mehrwert geschaffen. Die Geldschöpfung nach dieser Methode wird kontrolliert durch die oben genannte Mindestreserve und durch die begrenzte Anzahl an geeigneten Sicherheiten.25 Durch die gerade erläuterten Begebenheiten, befindet sich dieses System im Gleichgewicht, da das Geld den Kreislauf von der Entstehung durch den Kredit, bis hin zur Vernichtung durch die Tilgung durchläuft.

3.2 Geldschöpfung ohne Wertschöpfung

Die oben genannt Geldschöpfung, beruht auf dem wichtigen Grundsatz, dass Banken nur so viel Geld herausgeben, wie akzeptable Sicherheiten geboten werden. Daraus folgt, dass die Anzahl an kreditwürdigen Personen in einer Volkswirtschaft begrenzt ist, durch die begrenzte Anzahl an verpfändbaren Sicherheiten. Diese Beschränkung ist äußerst wichtig für das Gleichgewicht im System.

[...]


1 Vgl. Riese, Hajo: Geld: Das letzte Rätsel der Nationalökonomie, Marburg: Metropolis-Verlag 2013.

2 ebd.

3 Marx, Karl und Engels, Friedrich: Ökonomisch-philosophische Manuskripte, Ergänzungsband, Erster Teil, S. 563, Berlin: Dietz Verlag 1968.

4 Vgl. Deutsche Bundesbank: Geld und Geldpolitik, S.10, Frankfurt a. Main 2014.

5 Vgl. Haisenko, Peter: Bankraub globalisiert, 2. Auflage, S.19, Angermünde: Arrival Verlag 2006.

6 Vgl. Zoche, Georg: Welt Macht Geld, 2. Auflage, S.26, München: Blumenbar Verlag 2009.

7 Vgl. Zoche, Georg: Welt Macht Geld, 2. Auflage, S.28, München: Blumenbar Verlag 2009. 4

8 Vgl. Zoche, Georg: Welt Macht Geld, 2. Auflage, S.29, München: Blumenbar Verlag 2009.

9 Grafik des Autors, Quelle: Deutsche Bundesbank

10 Vgl. Deutsche Bundesbank: Geld und Geldpolitik, S.72 f., Frankfurt a. Main: 2014.

11 Grafik des Autors, Quelle: Deutsche Bundesbank

12 Vgl. Zoche, Georg: Welt Macht Geld, 2. Auflage, S.92, München: Blumenbar Verlag 2009.

13 Vgl. Zoche, Georg: Welt Macht Geld, 2. Auflage, S.46, München: Blumenbar Verlag 2009.

14 Vgl. Zoche, Georg: Welt Macht Geld, 2. Auflage, S.100, München: Blumenbar Verlag 2009.

15 Grafik des Autors

16 Vgl. Steil, Benn: The Battle of Bretton Woods, John Maynard Keynes, Harry Dexter White, and the Making of a New World Order, S. 49 ff., New Jersey: Princeton University Press 2013.

17 Keynes, John Maynard: Brief an Sir Richard Hopkins, 20. Juni 1944, zitiert nach Zoche, Georg: Welt Macht Geld, 2. Auflage, S.111, München: Blumenbar Verlag 2009.

18 Vgl. Zoche, Georg: Welt Macht Geld, 2. Auflage, S.119. München: Blumenbar Verlag 2009

19 Vgl. van Dormael, Armand: Bretton Woods: Birth of a Monetary System, S. 222, London: Macmillan 1978.

20 Vgl. Steil, Benn: The Battle of Bretton Woods, John Maynard Keynes, Harry Dexter White, and the Making of a New World Order, S. 101 ff., New Jersey: Princeton University Press 2013.

21 Vgl. Zoche Georg: Welt Macht Geld, 2. Auflage, S. 157, München: Blumenbar Verlag 2009. 10

22 Grafik des Autors, Quelle: Deutsche Bundesbank

23 Vgl. Deutsche Bundesbank: Mindestreserven, Online im Internet: http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Aufgaben/Geldpolitik/Mindestreserven/mindestreserven.html (eingesehen am 18.06.2015).

24 Vgl. Marx, Karl und Engels, Friedrich: Ökonomisch-philosophische Manuskripte, Ergänzungsband, Erster Teil, S. 454, Berlin: Dietz Verlag 1968.

25 Vgl. Deutsche Bundesbank: Geld und Geldpolitik, S.74 ff., Frankfurt a. Main 2014. 12

Details

Seiten
56
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668059887
ISBN (Buch)
9783668059894
Dateigröße
6.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307661
Institution / Hochschule
Fachhochschule Bielefeld
Note
1,0
Schlagworte
Geld Geldpolitik Bretton Woods Goldstandard Wirtschaftskrise Währung Leitwährung Triffin-Dilemma WeCash alternative Währungen Kaufkraft

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Titel: Analyse der globalen Wertigkeit von Währungen im Hinblick auf die reale Kaufkraft