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Der Körperkult als Folge fragwürdiger Schönheitsideale in den Massenmedien

Ein Vergleich von vormoderner und moderner Zeit

von Marlena Groschen (Autor)

Hausarbeit 2014 10 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Körperformen im Wandel der Zeit
2. 1. Schönheitsideale in der Vormoderne
2. 2. Schönheitsideale in der Moderne

3. Massenmedien im Wandel der Zeit
3. 1. Medien in der Vormoderne
3. 2. Medien in der Moderne

4. Körperbild und Körperkult in der modernen Gesellschaft

5. Die Wirkung der Medien

6. Neue Krankheitsbilder
6. 1. Körperdysmorphe Störung
6. 2. Dorian-Gray-Syndrom
6. 3. Essstörungen

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Körper hat innerhalb der letzten Jahre zunehmend an Bedeutung gewonnen. Das wird an den Unmengen von Medienangeboten sichtbar, die sich heutzutage mit Wellness und dem Schönheitsideal beschäftigen.1

Schon in der Vormoderne gab es gesellschaftliche Schönheitsideale, die schädlich für die Gesundheit waren. Ab dem 12. Jahrhundert beispielsweise kamen die Lotus-Füße in China in Mode. Hierfür wurden die Füße von Kindern mit Binden stark eingeschnürt und dadurch abgequetscht. Das Ziel war das Erreichen der 7,5 cm kurzen goldenen Lotusfüße im Erwachsenenalter, die das meistverfolgte Schönheitsideal waren und gute Chancen auf dem Heiratsmarkt brachten. Dieses Abquetschen brachte neben unerträglichen Schmerzen auch andere gesundheitsschädigende Nebenwirkungen wie das Ablösen der Haut und Absterben der Füße mit sich.2 Gleichermaßen gab es im europäischen Raum einige fragwürdige Schönheitstrends. So war es 600 Jahre lang ein gesellschaftliches Muss, sich in ein enges Korsett zu schnüren um einen V-förmigen Körper präsentieren zu können. Das Ideal galt als erreicht, wenn die Taille mit den Händen umfasst werden konnte. Die Korsetts führten zu Verstümmelungen innerer Organe, zu Lungenkrankheiten und manchmal sogar zum Tod.3

Allerdings wurden derartige Schönheitsideale der Vormoderne vor allem in gehobenen Schichten erwartet und somit entsprechende Maßnahmen in diesen Schichten nach dem Willen der Eltern, unabhängig von dem Wohlbefinden der Kinder, praktiziert. In der Moderne hingegen sind die Kinder aller Schichten selbst vom Schönheitswahn betroffen. Dies wird deutlich bei der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2006, bei der 8.656 Mädchen im Alter von 11-17 Jahren nach ihren Essgewohnheiten befragt wurden. Bei Befragung wurden bei 20,2 % der 11-jährigen und 35,2 % der 16-jährigen Mädchen Hinweise auf Essstörungen gefunden.4

Im Folgenden soll erläutert werden, inwiefern sich die Schönheitsideale im Laufe der Zeit verändert haben und inwieweit der Wandel der Massenmedien zu einem Ausbreiten des Körperkults geführt hat. Dazu wird insbesondere auf das weibliche Schönheitsideal eingegangen, da dieses im Laufe der Zeit die größeren Änderungen durchlaufen hat.

2. Körperformen im Wandel der Zeit

Im Folgenden sollen die verschiedenen Schönheitsideale miteinander verglichen werden. Hierfür werden sowohl auf Schönheitsideale der vormodernen Gesellschaft als auch auf Schönheitsideale der modernen Gesellschaft eingegangen.

2. 1. Schönheitsideale in der Vormoderne

Die ersten Schönheitsideale sind aus der Steinzeit bekannt. Es wird davon ausgegangen, dass in der Steinzeit das Schönheitsideal sehr üppig, wenn nicht sogar adipös war, da entsprechende Tonfiguren aus diesem Zeitalter gefunden wurden. Ein Beispiel hierfür ist die „Venus von Willendorf“.5 Vermutlich hatten üppige Frauen eine bessere Überlebens- und Fortpflanzungschance, die in der Steinzeit von großer Bedeutung waren. Die Üppigkeit und die betonten Geschlechtsmerkmale demonstrierten die Fruchtbarkeit, von der die Sippe abhing. Durch die Fettpolster die als Vorrat dienen konnten, entstand den üppigen Menschen ein evolutionärer Überlebensvorteil. So konnten die „Nahrungsvorräte“ am Körper getragen werden, was bei einer ungesicherten Ernährungslage ein entscheidender Vorteil war. Außerdem bot die Fettschicht einen guten Schutz vor Kälte. Auch heutzutage ist in manchen ärmeren Gegenden ein üppiger Körper bei Frauen erwünscht.6

Auch in der griechischen Klassik waren fruchtbare Frauen erwünscht. Ein klassisches Vorbild hierfür ist die Venus von Milo. Insgesamt sollte die Frau mütterlich und reif wirken, mit fruchtbaren Brüsten und Hüften. Das Schönheitsideal war nicht mehr adipös wie in der Steinzeit, sondern wohlproportioniert. Nichtsdestotrotz würden die Frauen im Vergleich zu heute recht stämmig wirken.7

In der Renaissance wurden die Formen wieder üppiger, vor allem ein betont rundes Bäuchlein war für jede Frau ein Muss. Dieses demonstrierte den gehobenen Lebensstil, der durch reichliches Essen und Trinken zum Ausdruck gebracht wurde.8

Im Barock schließlich wurde die körperliche Größe und Korpulenz noch wichtiger. Somit wandelte sich das Schönheitsideal von betont rundem Bäuchlein zur Rubensfigur, da dies den privilegierten Lebensstil zum Ausdruck brachte. Dieses Schönheitsideal wurde durch reichlich essen und extreme Turmfrisuren erreicht.9

2. 2. Schönheitsideale in der Moderne

Waren doch in der vormodernen Zeit vor allem üppige und weibliche Frauenkörper gefragt, gab es ab dem 19. Jahrhundert medikamentöse Therapiemaßnahmen gegen Übergewicht.10

Mit Beginn der Industrialisierung im Jahr 1760 fand eine Umstrukturierung der Gesellschaft statt, bei der die bürgerliche Schicht als tragende Klasse aufstieg. Es entstand ein Anspruch auf Natürlichkeit. Die Antike wurde als Vorbild für das klassische Schönheitsideal genommen, so galten antikisierende, durchscheinende Gewänder ohne Einschnürung durch Korsetts als schön, Körper sollten wohlproportioniert und antik sein.11

Nach dem zweiten Weltkrieg gab es zum ersten Mal Vorbilder, die nicht nur der gehobenen Gesellschaft in Form von Kunst zugänglich war. Es entstanden die heutzutage viel diskutierten „role models“, "Rassefrauen" wie Marilyn Monroe oder Sophia Loren. Diese verkörperten das Schönheitsideal von rassigen Frauen mit langen wohlgeformten Beinen, schmaler ausgeprägter Taille und üppigen Brüsten.12

Heutzutage entspricht das Schönheitsideal der Barbiepuppe, schön und jung mit einer Stupsnase, Wespentaille und steil aufragender Brust.13

[...]


1 Vgl. Bleicher und Lampert (2003; S. 347).

2 Vgl. Ligget und Ligget (1990; S. 150–152).

3 Vgl. Ligget und Ligget (1990; S. 46–48).

4 Vgl. Robert-Koch-Institut (2006; S. 50).

5 Vgl. Balke und Nocito (2013; S. 77-78).

6 Vgl. Grauer und Schlottke (1987; S. 132–133).

7 Vgl. Grauer und Schlottke (1987; S. 135–137).

8 Vgl. Grauer und Schlottke (1987; S. 138–142).

9 Vgl. Grauer und Schlottke (1987; S. 144).

10 Vgl. Balke und Nocito (2013; S. 77).

11 Vgl. Grauer und Schlottke (1987; S. 146–147).

12 Vgl. Grauer und Schlottke (1987; S. 157).

13 Vgl. Mang (2010; S. 16).

Details

Seiten
10
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668058941
ISBN (Buch)
9783668058958
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307629
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Lehrstuhl für Corporate Sustainability Management
Note
2,0
Schlagworte
schönheitsideal körperkult massenmedien normativität selbstbild beeinflussung vormoderne moderne entwicklung geschichtlicher hintergrund krankheitsbilder essstörung dorian-gray-syndrom

Autor

  • Marlena Groschen (Autor)

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