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Popliterarische Ambitionen und Imitation von blogtypischem Schreiben in Sven Regeners „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“

Eine Gattungsanalyse

Hausarbeit 2015 14 Seiten

Germanistik - Gattungen

Leseprobe

Inhalt

1 Vorbemerkung

2 Imitation von blogtypischem Schreiben
2.1 Die Bedeutung der Imitatio
2.2 Über medientypisches Schreiben in Blogs

3 Popliteratische Ambitionen

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis
5.1 Primärtexte
5.2 Sekundärliteratur

1 Vorbemerkung

Sven Regeners Buch „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“ umfasst acht seiner im Zeitraum von 2005 bis 2010 verfassten Blogs. Im Untertitel werden diese Blogs als „Logbücher“ bezeichnet. Das Buch beinhaltet mehrere Tour-Blogs von Regeners Band Element of Crime, sowie Blogs, die in deutschen und österreichischen OnlineAusgaben von Tages- oder Wochenzeitungen erschienen sind und ein Blog des Musikmagazins Laut.de. Sven Regener ist ein deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und Musiker. Als Literat trat er bis dato besonders durch die Veröffentlichungen seines Erfolgsromans Herr Lehmann und dem Drehbuch zum gleichnamigen Film in Erscheinung. „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“ ist damit sein erstes Buch, welches sich aus Internet-Blogs speist. Interessant erscheint die Bezeichnung der Texte als Logbücher. Es stellt sich die Frage, wie sich diese, aus dem Internet entnommenen Texte eigentlich einordnen lassen. Handelt es sich um einen (Pop-)Roman, um Logbücher, oder ist der Transfer von im Internet in einem Blog veröffentlichten Texten in ein Buch ganz anders einzuordnen?

Im folgenden Aufsatz soll untersucht werden, ob „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“ von Sven Regener medientypisches, genauer blogtypisches Schreiben nachahmt, ob es popliterarische Ambitionen in diesem Buch gibt und welchem Genre es sich zuordnen lassen könnte. Diese Fragen bieten sich schon deshalb an, weil Regener das Schreiben in Blogs und die damit einhergehenden Konventionen in seinen Texten immer wieder reflektiert und damit diese Fragen zwangsläufig aufwirft.

Da es zu „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“ bis dato noch keine Forschungsliteratur gibt und es bisher auch nur sehr wenig Forschung zum literarischen Schreiben in Blogs gibt, muss hierauf verzichtet werden. Auf Grund des Umfanges dieser Arbeit kann die technische Seite des Bloggens keine eingehendere Berücksichtigung finden. Unter Zuhilfenahme der einschlägigen Fachliteratur wird zunächst die Imitation von blogtypischem Schreiben am Text Regeners diskutiert, der anschließend auf seine popliterarischen Ambitionen hin analysiert wird.

2 Imitation von blogtypischem Schreiben

Zunächst soll geklärt werden, was im nachfolgenden Text unter Imitation zu verstehen ist und welche Elemente blogtypisches Schreiben auszeichnen könnten. Außerdem wird erläutert, was mich zu der Annahme bringt, dass Regener in „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“ blogtypisches Schreiben bloß imitiert und welche Effekte hiermit einhergehen.

2.1 Die Bedeutung der Imitatio

Das Reallexikon der Literaturwissenschaft bezeichnet als Imitatio ein „poetologisches Prinzip zur Herstellung von Texten, mit bewusstem Rückbezug auf ältere Vorbilder und diese Herstellung selbst.“1 Aus literaturwissenschaftlicher Sicht werden zwei Bedeutungsrichtungen unterschieden:

Imitatio (1) als pädagogische Technik, die 'klassische' Autoren als Vorbild und Übungsobjekt für die eigene Schreibpraxis empfiehlt; (2) allgemeiner als ein Verfahren künstlerischer Textherstellung, das sich fremde Werke mehr oder weniger vollständig aneignet (→Intertextualität).2

Ist in dieser Arbeit von Imitatio die Rede, wird sich der ersten Bedeutungsvariante insofern nur teilweise angeschlossen, da sich in den Blogs nicht an den „klassischen Autoren“ sondern vielmehr an einem medientypischen Schreiben oder möglicherweise auch an popliterarischen Vorlagen orientiert wird. Diese Fragen gilt es im Folgenden noch zu beantworten. Medientypisches Schreiben soll in diesem Kontext bedeuten, dass ein Medium gewisse technische Voraussetzungen mit sich bringt, welche es dem Textproduzenten erlauben, auf eine bestimmte Art und Weise Texte zu verfassen und zu veröffentlichen. Diese Verfahren ermöglicht das Medium, erzwingt sie aber nicht. Häufig passen sich die Texte dem Medium, in dem sie entstehen, an.

2.2 Über medientypisches Schreiben in Blogs

Problematisch bei der Beschäftigung mit Blogs ist, dass es bisher kaum literaturwissenschaftliche Forschungsliteratur auf diesem Gebiet gibt. Offenbar herrscht noch keine Einigkeit darüber, ob und in welchem Umfang Texte in Blogs als literarisch anzusehen sind. Auffallend oft werden diese nur dann als literarisch bewertet, wenn der Autor bereits vorher als Verfasser literarischer Texte in Erscheinung getreten ist. In diesem Fall erschienen Blogs in gedruckter Form als Buch. Durch die Übertragung von Literatur aus dem Internet zu Literatur in Buchform nimmt das Werk heute (noch) eine gewisse Sonderstellung ein.

Es fällt deshalb nicht leicht, festzulegen, was eigentlich medientypisches Schreiben in einem Blog auszeichnet. Auch erscheint bei der Vielfalt der Möglichkeiten der Gestaltung von Blogs eine Konventionalisierung des Schreibens in diesem Medium problematisch. Trotzdem soll hier zu definieren versucht werden, was blogtypisches Schreiben ausmacht. Definiert werden sollen jedoch nur textlastige Blogs, welche weder journalistischer Natur sind, noch im wesentlichen Bild- oder Videoquellen enthalten, wenngleich sie durchaus Bilder oder Videos enthalten können. Alexander Friedrich beschreibt in seinem Aufsatz „Das Internet als Medium und Metapher“ die metaphorische Ebene des Bloggens:

Bezeichnender Weise ist im Begriff des Bloggers die nautische Metaphorik, die ihm noch zugrunde lag, kaum mehr zu erkennen: Das aus der Kreuzung von World Wide Web und Logbuch entstandene Weblog wurde zum Blog verkürzt. Blogger verstehen sich auch eher als Journalisten oder Entertainer denn als Seefahrer oder Surfer.3

Man kann einen Blog also zumindest metaphorisch als eine Art Logbuch im Internet verstehen. Das Logbuch an sich ist zwar kein literarisches Format, jedoch scheint diese Metapher nicht (mehr) in allen Bedeutungskomponenten zutreffend zu sein.

[...]


1 ENTNER, HEINZ: Imitatio. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Neubear- beitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte. Hrsg. von HARALD FRICKE. Berlin [u.a.]: de Gruyter, 2000. S. 133. im Folgenden: ENTNER 2000.

2 ENTNER 2000, S. 133.

3 FRIEDRICH, ALEXANDER: Das Internet als Medium und Metapher. Medienmetaphorologische Perspektiven. In: ANNETTE SIMONIS, BERENIKE SCHRÖDER (HRSG.): Medien, Bilder, Schriftkultur. Mediale Transformationen und kulturelle Kontexte. Würzburg: Königshausen & Neujmann 2012, S. 21. Im Folgenden: FRIEDRICH 2012.

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668057425
ISBN (Buch)
9783668057432
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307528
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Institut für deutsche Philologie
Note
1,7
Schlagworte
Gattungsanalyse Sven Regener meine Jahre mit hamburg-heiner pop popliterarische ambitionen imitation blog

Autor

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Titel: Popliterarische Ambitionen und Imitation von blogtypischem Schreiben in Sven Regeners „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“