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Alltägliches Geographie-Machen. Werlens Theorie der alltäglichen Regionalisierung angewandt auf das Label „Original Thüringer Qualität“

Eine Fallstudie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 11 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sozialgeographie Alltäglicher Regionalisierung

3. Typen von Regionalisierung
3.1. Produktiv-konsumtive Regionalisierung
3.2. Normativ-politische Regionalisierung
3.3. Informativ-signifikative Regionalisierung

4. Fallbeispiel: „Original Thüringer Qualität“
4.1. Produktiv-konsumtive Regionalisierung
4.2. Normativ-politische Regionalisierung
4.3. Informativ-signifikative Regionalisierung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie jedes wissenschaftliches Fach, muss sich auch die Geographie mit der Frage nach einem Untersuchungsgegenstand beschäftigen, der in den Mittelpunkt gerückt wird. „Das Fach Geographie beschäftigt sich mit den Systemzusammenhängen zwischen den Einzelelementen der Geosphäre, wobei besonders die räumlich-relationalen Aspekte derartiger Systeme im Vordergrund stehen“ (SITTE / WOHLSCHLÄGL 2001, S. 182 f.). Folglich muss eine Hauptaufgabe des Faches die richtige Abgrenzung und Definition des Raumes sein. Für lange Zeit wurde in der deutschsprachigen Geographie vor allem der physische Raum durch politische oder natürliche Grenzen abgegrenzt und die Beeinflussung durch den Menschen beobachtet. In den letzten Jahren änderte sich diese Perspektive zusehends und physische wie auch politische Grenzen verlieren immer mehr an Bedeutung. Benno Werlen nahm dieses zum Anlass um eine neue Vorgehensweise zu etablieren und versucht in seiner Habilitationsschrift „Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierung“ aus dem Jahre 1994 den Fokus weg vom physischen Raum und hin zum Handeln und dem damit verbundenen alltäglichen Geographie-Machen der Menschen zu lenken. Für Werlen ist es in Zeiten von Globalisierung und den immer schneller wachsenden Kommunikationsnetzwerken wichtig, dass auch die Geographie ihre Sichtweise ändert und sich den aktuellen Gegebenheiten anpasst, um weiterhin als eigenständiges Fachgebiet wahrgenommen zu werden.

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll anhand des Fallbeispiels des vom Thüringer Agrarmarketings eingeführten Herkunftslabels „Original Thüringer Qualität“ untersucht werden, ob sich Werlens Theorie auch auf den Bereich der Lebensmittelindustrie projizieren und anwenden lässt. Als Grundlage dient dazu der Aufsatz von Thilo Felgenhauer aus dem Jahr 2007, der im dritten Band von Benno Werlens „Sozialgeographie Alltäglicher Regionalisierung“ erschienen ist. Dazu sollen zunächst die zur Beantwortung der Fragestellung benötigten Bestandteile der Theorie erläutert werden. Dabei wird der Fokus auf die drei Formen der Regionalisierung gelegt, die als Werkzeuge zur Untersuchung des Fallbeispiels und Klärung der Leitfrage zum Einsatz kommen. Nachdem Abarbeiten des Fallbeispiels mit den Werkzeugen der Theorie wird am Ende das Ergebnis in einem Fazit zusammengefasst und die Antwort auf die Leitfrage in einer Schlussthese festgehalten.

2. Sozialgeographie Alltäglicher Regionalisierung

Benno Werlens Theorie der Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierung soll als neuer Ansatz der Humangeographie verstanden werden, um auf die zunehmenden Entankerungsmechanismen der modernen Welt zu reagieren und bereits vorhandene Theorien anzupassen (WEICHHART 2008, S. 250). Unter dem Begriff Entankerungsmechanismus ist zum Beispiel die immer stärker und wichtiger werdende Globalisierung, als auch die immer weitergehende kommunikative Vernetzung gemeint. Für Werlen sind diese Vorgänge Anhaltspunkte, um über eine neue Sichtweise der Regionalisierung, also dem Abgrenzen eines Raumes, nachzudenken. Er versucht bereits bestehende Theorien, die lange Zeit ihre Gültigkeit in der Geographie hatten mit diesem neuen Baustein zu überarbeiten. Vor allem geht Werlen dabei stark auf die Schriften von Wolfgang Hartke ein und schenkt diesem in den Anfangssegmenten seines zweiten Bandes große Beachtung (WERLEN 1997, S. 27 f.). Er war der erste deutschsprachige Geograph, der sich in der Untersuchungsperspektive weg von Landschaft und Raum bewegt und für den es wichtiger war die menschlichen Aktivitäten und deren sozialkulturellen Hintergründe zu untersuchen. Dieses Handeln hinterlässt in der Landschaft Spuren, so dass diese als Registrierplatte sozialen Handelns zu sehen ist. Hartke verabschiedete sich so von der damals dominanten Länderkunde und forderte eine sinnvolle Abgrenzung von Räumen, die nicht nur auf natürliche oder politische Grenzen beruht.

Benno Werlen sieht zwar in Hartkes Sichtweise eine kopernikanische Wende der geographischen Perspektive (WERLEN 1997, S. 25), trotzdessen sieht er einigen Aktualisierungs- und Verbesserungsbedarf. Besonders infolge einer entankerten Welt, muss die Perspektive erneut angepasst werden. Es ist heute sehr schwierig, bis fast unmöglich auf der landschaftlichen Registrierplatte die Spuren zu lesen, da es in Zeiten von Globalisierung und Vernetzung nicht mehr nötig ist körperlich an dem Ort des Geographie-Machens zu sein. So sind regionale Beobachtungen nicht mehr Ausdruck von lokalen Verhältnissen, sondern von globalen Zusammenhängen. Ein Mensch der beispielsweise in einem kleinen Dorf lebt, kann Geographie machen ohne überhaupt mit den anderen Bewohnern in Kontakt zu kommen. Er ist in seinem Haus weltweit vernetzt und kann durch sein Handeln an ganz unterschiedlichen Orten Veränderungen bewirken.

Es entsteht also die Forderung weg zu gehen von der Definition des Raumes als reinen Containerraum (WERLEN 2008, S. 279). Das soziale Handeln und damit die Herstellung eines Weltbezugs erschafft Raum, der durch alltägliches Handeln immer wieder neu konstruiert und rekonstruiert wird. Die Humangeographie soll so nicht mehr als Wissenschaft des Raumes, die Handlungen in diesem untersucht, angesehen werden, sondern als Handlungswissenschaft, die die Handlung als Ursache für Strukturen untersucht (BATHELT / GLÜCKLER 2012, S. 33).

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Details

Seiten
11
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668057623
ISBN (Buch)
9783668057630
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307513
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,0
Schlagworte
Geographie machen Sozialgeographie Regionalisierung alltägliche Regionalisierung Benno Werlen lebensmittelindustrie

Autor

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Titel: Alltägliches Geographie-Machen. Werlens Theorie der alltäglichen Regionalisierung angewandt auf das Label „Original Thüringer Qualität“