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Anerkennung von Differenzen und Vielfalt in einer pluralistischen Lebenswelt

Untersuchungen und Konzepte

Referat (Ausarbeitung) 2015 10 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Skizzierung einiger zentraler Aspekte der ausgewählten Konzeptionen
2.1 Textbeitrag „Beziehungen in geteilten Welten - Bildungsprozesse in der Reflexion globalisierter Projektionen und Repräsentationen“ von Messerschmidt
2.2 Textbeitrag „Einführung in die Migrationspädagogik“ von Mecheril
2.3 Textbeitrag „Gender“ von Varela
2.4 Textbeitrag „Skizze einer kritisch-kontingenten Geschlechterpädagogik“ von Jäckle

3 Vergleich der vier ausgewählten Konzepte

4 Resümee und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Zusammenhang mit dem pluralistischen Lebensumfeld, der derzeitig diskutierten Flüchtlingsproblematik, den steigenden Flüchtlingszahlen in Deutschland, dem Neokolonialismus, dem „Kampf gegen den Terror“ und dem vermehrten Einzug rechtspopulistischer Parteien in europäische Nationalparlamente wird beispielhaft deutlich, dass die Organisation globalen Zusammenlebens ein zentrales, zu bewältigendes Schlüsselproblem ist. Es gilt hierbei, das globale und lokale Leben zwischen den verschiedensten Gesellschaften und Kulturen auf eine möglichst höherwertigere, ethisch-humane, sozial-gesellschaftliche Stufe zu bringen, um dem Ideal der „[...]Vollkommenheit der sittlichen Lebensgemeinschaften [...]“1 möglichst nahe zu kommen und damit ein friedfertiges, respektvolles Miteinander zu gewährleisten.

Daraus abgeleitet geht diese Ausarbeitung der Frage nach, ob die für diesen Beitrag vier ausgewählten Konzeptionen des gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskurses Denkansätze bieten, die es dem einzelnen Menschen ermöglichen, Differenzen gegenüber Menschen anderer kultureller, gesellschaftlicher, religiöser und herkunftsmäßiger Prägung wirklich anzuerkennen und eine Vielfalt zuzulassen, um, als bedingenden Faktor, ein sittlich-humanes Zusammenleben erreichen zu können und hierarchische Verhältnisse aufzuheben.

Anhand einer diskursanalytischen Betrachtung der Konzepte, schwerpunktmäßig in Bezug auf den Beitrag von Messerschmidt „Beziehungen in geteilten Welten - Bildungsprozesse in der Reflexion globalisierter Projektionen und Repräsentationen“ und überblicksartig in Hinblick auf die Publikationen „Einführung in die Migrationspädagogik“ von Mecheril, „Gender“ von Varela sowie „Skizze einer kritisch-kontingenten Geschlechterpädagogik“ von Jäckle, werden diese wissenschaftlichen Ansätze diesbezüglich in der vorliegenden Arbeit geprüft.

Um ein Grundverständnis für die ausgewählten vier Ansätze der veröffentlichten Beiträge bilden zu können, werden diese in der vorliegenden Ausarbeitung zunächst kurz erläutert, konzentriert auf Aspekte, die zielführend für die Beantwortung der Fragestellung sind. Danach folgt der Vergleich der ausgewählten Ansätze, der mit den in den Konzeptionen favorisierten Denkansätzen kritisch umgeht, um schließlich die Ergebnisse des Vergleichs in einem Resümee in Hinblick auf die Forschungsfrage zu bündeln und einen Ausblick auf gegenwärtiger Relevanz der Konzepte im Kontext des gesamtgesellschaftlichen Zusammenlebens zu geben.

2 Skizzierung einiger zentraler Aspekte der ausgewählten Konzeptionen

2.1 Textbeitrag „Beziehungen in geteilten Welten - Bildungsprozesse in der Reflexion globalisierter Projektionen und Repräsentationen“ von Messerschmidt

Messerschmidt umreißt in ihrer Ausarbeitung vielfältige Problemdimensionen wie z.B. Ressourcenausbeutung, Lebensraumzerstörung und Fluchtbewegungen, die sich aufgrund des global-kapitalistischen Gesellschaftssystems zwischen Industrienationen, Schwellen- und Entwicklungsländern herausgebildet haben. Sie erläutert, wie sich diese auch in die Bildungsprozesse manifestieren, da die Lehrenden und Lernenden immer in die Verhältnisse, je nach geographischem Standort entweder profitierend oder diskriminierend, verwoben sind und eine Art olympische Außenreflektion nicht erreicht werden kann. Durch perspektivgesteuerte Materialauswahl, individuelle Ansichten sowie Wunschvorstellungen, durch Entlastungs- und identitätsstiftende Strategien in der Abgrenzung zum Anderen, durch standortgebunden-gesellschaftliche Wertvorstellungen, wie dem als Ideal vermitteltem westlich-europäischem Menschenbild als überlegen und fortschrittlich suggeriertem anzustrebendem Lebenskonzept in deutschen Bildungsinstitutionen, sowie der Konkurrenz verschiedener Nationen wirkt es so, als kann eine Sensibilisierung für den Problemkomplex im derzeitigen Bildungskonzept nicht erreicht werden, ja ist sie gar nicht erwünscht.2

Um sich der Problemstellungen globalen Zusammenlebens in Bildungssettings anzunehmen, propagiert Messerschmidt ein Konzept des reflektierten Globalen Lernens in deutschen Schulinstitutionen, welches auf vier Reflexionsebenen der Lernenden beruht, die durch spezifische filmische Zugänge eingeleitet werden sollen.3 So ist ihre Vorstellung, dass ein für den Unterricht ausgewählter Film dem Anspruch gerecht werden muss, dass er Irritationen beim Lernenden bezüglich seiner Haltung und seiner Lebenswirklichkeit auslösen, Selbstreflexion hervorrufen, ihm seine Stellung im System der Weltverhältnisse offenbaren und damit einhergehend eine Auseinandersetzung mit der eigenen Integration in die Herrschaftsverhältnisse anbahnen soll.4 In Bezug auf die Reflexionsebenen soll ein solcher Film dafür den Blick öffnen, dass der Lernende sich auseinandersetzt:

- mit sich selbst, z.B. in Hinblick auf das eigene Profitieren beim Kauf von günstiger Kleidung, die durch Kinderarbeit hergestellt wurde oder der Wahrnehmung dafür, dass das Helfen eines hilflosen Gegenübers eigentlich nur zur Steigerung des Selbstwertgefühls dient,5
- mit sich selbst als „westlich-zivilisierten“ Mitteleuropäer, nämlich dem In-Frage-Stellen, ob das westlich-europäische Menschenbild das einzig angemessene Konzept ist, um ein ethisch-moralisch-verantwortungsvoller Weltbürger werden zu können,6
- mit sich selbst als „Urenkel“ der Kolonialherren, z.B. dem Bewusstwerden, dass Ausbeutung und Zerstörung in anderen Ländern die Voraussetzung unseres eigenen zivilisatorisch erreichten Lebensstils in Deutschland sind7
- und mit der eigenen Akzeptanz der bestehenden Verhältnisse, z.B. der Frage danach, ob sich der Lernende damit herausreden kann, dass er als Einzelner nichts an der bestehenden Welt-Ordnung verändern kann.8

2.2 Textbeitrag „Einführung in die Migrationspädagogik“ von Mecheril

Mecheril strebt an, um ein offeneres Miteinander gegenüber Migrationsanderen anzustreben, die vier in der Gesellschaft und im Bildungskontext konstruierten Typisierungen von Migrationsanderen einzeln, diskursiv und vergleichend kritisch zu analysieren, damit dekonstruierende Konzepte und mögliche Handlungsräume im Umgang mit den gesellschaftlichen Konstruktionen herausgearbeitet werden können.9

Laut Mecheril sind die vier in den Blick zu nehmenden Konstruktionsdimensionen erstens die Sicht auf den Migrationsanderen als in seiner kulturellen Identität Rückständigen10, zweitens die Betonung der Andersartigkeit des Migrationsanderen zwar als identitäts- und handlungsstiftende Ressource verstanden aber gleichzeitig einhergehend mit der Zuschreibung zum Anderssein und dem Vernachlässigen anderer identitätsbildender Elemente wie z.B. Klassenzugehörigkeit11, drittens der Verortung des Migrationsanderen in seiner verengenden strukturellen und kulturellen Umgebung12 und viertens die Analyse der eigenen Perspektive und Handlungsspielräume der Migrationsanderen13.

[...]


1 Langewand, 1994, S. 85.

2 Vgl. Messerschmidt, 2011, S. 197-202, 204 & 207-209.

3 Vgl. ebd., S. 202-207.

4 Vgl. Messerschmidt, 2011, S. 211.

5 Vgl. ebd., S. 198 & 205f..

6 Vgl. ebd., S. 199-202.

7 Vgl. ebd., S. 200.

8 Vgl. ebd., S. 199.

9 Vgl. Mecheril, 2004, S. 100 & 103-105.

10 Vgl. ebd., S. 100-102.

11 Vgl. Mecheril, 2004, S. 102f..

12 Vgl. ebd., S. 103f..

13 Vgl. ebd., S. 104f..

Details

Seiten
10
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668059306
ISBN (Buch)
9783668059313
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307501
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg) – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Migrationspädagogik Pluralität Vielfalt

Autor

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Titel: Anerkennung von Differenzen und Vielfalt in einer pluralistischen Lebenswelt