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Der Prozess der Entstehung und Stabilisierung der Nobilität durch die Ständekämpfe

Hausarbeit 2015 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ständekämpfe als historische Voraussetzung der Nobilität
2.1. Das Zwölftafelgesetz als Meilenstein zur Entstehung der Nobilität

3. Die Stabilisierung der Nobilität
3.1. Umbruch und Neuorientierung
3.2. Merkmale der Stabilisierung

4. Fazit

5. Bibliographie

1. Einleitung

Zu Beginn muss festgehalten werden, dass die Forschungslage zum Thema Nobilität sehr differenziert betrachtet werden muss, denn eine antike Begriffsbestimmung fehlt völlig. Dazu muss gesagt werden, dass die Nobilität in der Forschung als die Führungsschicht der mittleren und späten römischen Republik bezeichnet wird. Auch der Begriff Adel trifft nicht ganz zu, da es sich mehr um eine „Beamtenaristokratie“ handelt. Die Vor- und Frühgeschichte der Nobilität wurde im Allgemeinen nicht als eigenständiges Forschungsproblem thematisiert.[1]

Vorab soll auch gesagt werden, dass für diese Zeit ein außergewöhnliches politisches Leben in Rom herrscht, welches aber nur einer kleinen Gruppe die aktive Teilnahme daran ermöglicht. Die Eingrenzung dieser kleinen Gruppe fällt aber aufgrund der heutigen Quellenlage sehr schwer.

Zuerst werde ich die Entwicklung der Nobilität dahingehend analysieren, dass ein historischer Kontext als Voraussetzung geschaffen wird. Dem geht ein kurzer Abriss über die römische Geschichtsschreibung voraus.

Der Ständekampf wird nur am Rande in seinen Grundzügen und durch seine wichtigsten Stationen besprochen und immer hinsichtlich der entstehenden Nobilität interpretiert, nicht aber in seinem Verlauf ausführlich dargestellt.

Ein wichtiger Punkt dabei ist das Inkrafttreten des Zwölftafelgesetz, dessen Überlieferung und die Auswirkung auf die Ständekämpfe. Dies werde ich anhand eines expliziten Beispiels (Tafel sechs) erläutern und ebenfalls die daraus resultierende Problematik gezielt aufzeigen.

Der Begriff der Nobilität wird anschließend aufgegriffen und sein Ursprung dargestellt. Anschließend werde ich etwas genauer auf die Einteilung des Volkes in Centurien eingehen und die Probleme dieses Systems thematisieren.

Das weiterführende Eingehen auf die Stabilität der Nobilität geht der Beschreibung der Neuorientierung des Systems hinweg. Dabei wird die Homogenität der neu entstandenen Aristokratie als zentraler Punkt herausgegriffen und ausgeführt. Dies stellt einen weiteren zentralen Punkt der Abhandlung dar und wird dahingehend auch auf die territoriale Expansion des Imperiums interpretiert.

Bei dieser Arbeit soll gezeigt werden, dass die Entstehung der Nobilität kein Ereignis ist, sondern ein schleichender Prozess aus einer Vielzahl von Faktoren.

Eine Zusammenfassung der Erkenntnisse und ein Fazit runden anschließend die Arbeit ab.

2. Die Ständekämpfe als historische Voraussetzung der Nobilität

Die Entstehung der Nobilität sollte unbedingt im Zusammenhang mit den Ständekämpfen des 5. und 4. Jh. v. Chr. betrachtet werden. Der Kampf zwischen den Patriziern und Plebejern wird durch die Daten der ersten secessio plebis (494/493 v.Chr.) und der dritten und letzten secessio (287 v.Chr.) festgelegt. Dies führte unter anderem zur lex Hortensia. Als Anfang und Ende des Bürgerkriegs kann mach diese Auszuüge aus der Stadt Rom festlegen.[2]

Das Problem hierbei ist, dass die älteste geschichtswissenschaftliche Literatur in Rom die Ständekämpfe gar nicht kennt. Die antike Geschichtsschreibung begann im 5. Jhd. v. Chr. mit Herodot von Halikarnassos (490-425 v. Chr.), der schon von Cicero (Cic. de leg. 1,1,5) als „Vater der Geschichtsschreibung“ bezeichnet wurde. Er war der erste, der sich kritisch mit dem Gegenstand seines Werkes auseinandersetzte und Fragen nach dem Informationswert seiner Quellen stellte. Die römische Geschichtsschreibung begann etwas später, gerade aber die frühen Texte haben sich nicht oder nur in Fragmenten erhalten. Dies gilt etwa für die römische Geschichte des Fabius Pictor, die dieser auf Griechisch verfasste. Die frühesten heute noch erhaltenen Geschichtswerke in lateinischer Sprache sind die Werke des Sallust. Die monumentale römische Geschichte von Livius, die die Geschichte Roms von der Gründung bis in augusteische Zeit beschrieb, ist nur in Teilen erhalten. So fehlen die Bücher 11 bis 20 und 46 bis 142.

Allgemein setzt die römische Geschichte erst ab 200 v.Chr. ein und alle Autoren haben erzählt, was allgemein als „Römische Geschichte“ bekannt war. Erst allmählich entwickelte die römische Geschichtsschreibung das Bestreben, die Zeit der frühen Republik kontinuierlich zu erzählen und den Gegensatz zwischen den Patriziern und den Plebejern zu einem Grundprinzip der inneren Entwicklung zu erheben.[3]

In dieser Zeit kam es zu enormen sozialen und politischen Umwälzungen, welche sich im Besonderen in der Führungsschicht der römischen Republik aufzeigen lssen. Dieser Führungsschicht stand ursprünglich eine breite Masse der Bevölkerung rechtlos gegenüber. Diese soziale Kluft wurde im immer wichtiger werdenden Handels- und Agrarwesen vertieft, brachte jedoch die künftige erste classis zu Wohlstand und größerem Selbstbewusstsein.

Gestärkt vom wachsenden Selbstbewusstsein, wurde die Forderung nach politischem Mitspracherecht und das Verlangen nach einem Anteil an der Macht im Staat der wohlhabenden Bürger immer lauter. Die untere Schicht der Plebejer jedoch kämpfte eher für Sicherheit vor staatlicher Willkür durch die Magistrate und für Schutz vor Überschuldung, denn bei ihnen spielte vor allem die wirtschaftliche Ausbeutung, die Engpässe in der Versorgung und die drohende Schuldknechtschaft eine tragende Rolle.

Ein weiterer Anlass für die Forderungen nach politischem Mitspracherecht war die Veränderung im Heerwesen. Die neue Taktik verlangte jetzt nicht nur noch den Einsatz der "Adeligen", sondern vermehrt auch den Einsatz der Bürgerschaft.

Man veränderte die Kampftaktik dahingehend, dass man vom adeligen Einzelkampf zum Kampf in der Schlachtreihe überging (Hoplitenpoliteria). Dies forderte vor allem erfahrene Krieger, welche wegen des Selbstausrüstungsgebots ein gewisses Vermögen besitzen mussten.

„Da nach damaligem Denken der Waffendienst mit dem Besitz politischer Rechte verknüpft war, äußerte sich das neue Selbstbewusstsein als ein politisches Bewusstsein, das zwar nicht gegen die herrschende Sozialstruktur und damit auch nicht auf die Beseitigung des Adels, aber doch als Konsequenz der veränderten sozialen Bedingungen auf eine bessere Absicherung der persönlichen Existenz und auf eine Beteiligung an den politischen Entscheidungen gerichtet war.“[4]

[...]


[1] Vgl. Hölkeskamp, Karl-Joachim: Die Entstehung der Nobilität – Studien zur sozialen und politischen Geschichte der Römischen Republik im 4.Jhdt. v. Chr., Wiesbaden 1987, S. 12.

[2] Vgl. von Ungern- Sternberg, Jürgen: Die Wahrnehmung des ‚Ständekampfes‘ in der römischen Geschichtsschreibung. In: Eder, Walter (Hrsg.): Staat und Staatlichkeit in der frühen römischen Republik, Stuttgart 1990, S.92.

[3] Vgl. von Ungern- Sternberg, S. 98.

[4] Bleicken, Jochen: Geschichte der römischen Republik. Oldenbourg Grundriss der Geschichte, München 1982. S. 22.

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668060166
ISBN (Buch)
9783668060173
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307453
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,0
Schlagworte
Antike Krieg und MIlitär Nobilität Ständekämpfe Entstehung Zwölftafelgesetz

Autor

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