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Bismarck's fight against the Catholics. Entwurf für 3. Prüfungslehrprobe (Geschichte, 8. Klasse)

Unterrichtsentwurf 2015 31 Seiten

Geschichte - Didaktik

Leseprobe

Inhalt

1 Zur Klassensituation

2 Methodisch-didaktische Vorüberlegungen
2.1 Einordnung in den Lehrplan
2.2 Stellung der Lehrprobenstunde innerhalb der Unterrichtssequenz
2.3 Lernziele der Lehrprobenstunde
2.4 Sachanalyse
2.4.1 Deutsches Kaiserreich
2.4.2 Otto von Bismarck
2.5 Aufbau der Lehrprobenstunde

3 Überblick über den geplanten Stundenverlauf

Literaturverzeichnis

Anlageverzeichnis mit Quellennachweisen.

1 Zur Klassensituation

Die Klasse 8abc des xxx setzt sich aus 14 Schülern zusammen, wobei es zwei Mädchen und 12 Jungen gibt. Keinerlei Probleme bereitete die Übernahme der Klasse im Februar; die Schüler begegneten der Lehrkraft stets höflich, äußerst freundlich, hilfsbereit und nicht zuletzt respektvoll. Durch die gegenseitige Sympathie besteht eine sehr positive Lernatmosphäre. Außerdem herrscht ein angenehmes Arbeitsklima, was vor allem dadurch zustande kommt, dass die Schüler meist motiviert sind und sich schnell für neue Themen interessieren. Die zwei Mädchen und auch der Schüler xxx sind im Allgemeinen etwas ruhiger als die Jungen, jedoch zeigen beide Geschlechter eine relativ gute Mitarbeit. Im Fach Geschichte bilingual ist die Leistung der Klasse heterogen. Auffallend ist der leistungsstarke Schüler xxx, welcher zu den meisten Themen ein enormes Vorwissen mitbringt. Ein eher leistungsschwacher Schüler ist xxx. Dies kann einerseits auf ein geringes Interesse am Fach Geschichte zurückzuführen sein, aber auch auf Verständnisschwierigkeiten, die sich durch die Sprachbarriere ergeben. Außerdem ist zu beachten, dass der Schüler xxx an einer Erkrankung der Augen leidet, woran er leider im Laufe der nächsten Jahre erblinden wird. Aus diesem Grund werden für diesen Schüler gesonderte Arbeitsblätter mit großer Schriftgröße und auch groß gedruckte farbige Folien ausgeteilt. Vermutlich wegen dieser Einschränkung ist er im Unterricht eher zurückhaltend. Sein Banknachbar xxx hat ihn bisher stets bei Sehproblemen unterstützt und wird dies sicherlich auch weiterhin tun. In der Klasse 8abc bestehen keinerlei Disziplinschwierigkeiten. Es soll angemerkt werden, dass sich die Klasse während Unterrichtsbesuchen eher zurückhaltend verhält, was sicherlich auf die geforderte englische Ausdrucksweise zurückgeführt werden kann.

Besondere Freude bereitet es, wenn die Jugendlichen sowohl vor als auch nach den Unterrichtsstunden Kontakt suchen und ein privates Wort wechseln wollen.

Ein Sitzplan der Klasse ist unter Anlage 4 zu finden.

2 Methodisch-didaktische Vorüberlegungen

Mir ist bewusst, dass sich nicht alle Lehrplaninhalte im Sachfach Geschichte gleichermaßen für die Bearbeitung in der Fremdsprache eignen, wie dies auch auf der Homepage für bilingualen Unterricht in Bayern (www.bayern-bilingual.de) konstatiert wird.1 Die Auseinandersetzung mit dem Kulturkampf ist ein integraler Bestandteil der Deutschen Geschichte. Daher basiert das entsprechende Quellenmaterial auf deutschen Texten. Jedoch werde ich dennoch dieses Thema im bilingualen Geschichtsunterricht behandeln. Die Zielsprache wird weitest gehend Englisch sein, die Sicherung an der Tafel und die Sicherung auf das Arbeitsblatt werden in Englisch erfolgen, jedoch auf Grundlage von deutschen Quellen.

Weiter möchte ich kurz auf die Rolle der Muttersprache im bilingualen Sachfachunterricht eingehen. „Wer bilingual sagt, muss auch zweisprachig meinen.“2 Dieses Zitat zeigt, dass die Muttersprache nach wie vor ihren berechtigten Platz im bilingualen Unterricht einnimmt. Dieser Forderung wird in der Lehrprobenstunde dadurch Rechnung getragen, dass sowohl bei sprachlichen als auch bei inhaltlichen Verständnisschwierigkeiten in die Muttersprache gewechselt wird.

Auch auf das code switching, den „spontane[n] Wechsel in die jeweils andere Sprache, ohne dass dies ursprünglich geplant war“3, möchte ich kurz eingehen. Ich werde immer dann, wenn die Kommunikation im Unterricht zusammenbricht, auch ungeplant zwischen den zwei Sprachen wechseln; jedoch werde ich wahlloses language hopping vermeiden.

Zum Abschluss noch ein kurzes Wort zur Fehlerkorrektur in der Mündlichkeit. Ich werde die Schüler bei inhaltlich falschen Aussagen oder auch bei sprachlicher Unverständlichkeit korrigieren. Auf der Homepage über den bilingualen Sachfachunterricht in Bayern wird hierfür von sogenannten „harten Ausschlusskriterien“ gesprochen. Jedoch liegt mein Augenmerk im bilingualen Unterricht darauf, dass die hohe fremdsprachige Kommunikationsbereitschaft der Schüler im „angstfreien“ Raum nicht beeinträchtigt wird.4

2.1 Einordnung in den Lehrplan

Das gewählte Prüfungsthema erfüllt mehrere Kriterien des Lehrplans. Im allgemeinen Fachprofil Geschichte ist festgehalten, dass die Schüler „vertiefte Erkenntnisse über Strukturen, Entwicklungen, Ereignisse und Persönlichkeiten, welche die Vergangenheit geprägt haben und damit auch das Leben in der Gegenwart beeinflussen“5 erhalten sollen. Durch die sich über mehrere Unterrichtsstunden erstreckende Auseinandersetzung mit der Person des Reichskanzlers Otto von Bismarck einerseits und mit verschiedenen Facetten des Kaiserreichs andererseits werden diesen Zielen des Lehrplans Rechnung getragen.

Gleichzeitig erhalten die Schüler eine Orientierungshilfe für ihre eigene Lebenswelt, da sie sich mit den Zusammenhängen zwischen Vergangenheit und Gegenwart beschäftigen. Die Spuren aus dieser vergangenen Epoche des Kaiserreichs begegnen den Schülern immer noch und sogar in ihrer unmittelbaren Lebenswelt. So gibt es zahlreiche Bismarck-Denkmäler und -Türme, wie zum Beispiel am Prinzregentenufer in Nürnberg, in Hamburg, in Bremen und in Goslar. Diese Denkmäler beschränken sich nicht nur auf den deutschen Raum, sondern sind auch im heutigen Dänemark, Frankreich, Polen und sogar in Russland zu finden. Durch einen Einblick in das Wirken des deutschen Reichskanzlers können diese Formen der „öffentlichen Geschichts- und Erinnerungskultur“6 und auch die Verehrung für diesen Mann besser verstanden und auch eingeordnet werden. Auch das heutige staatlich geregelte und beaufsichtigte Schulsystem geht auf den preußischen Ministerpräsidenten zurück. Ebenso kann die Canossa-Säule bei Bad Harzburg, die als Folge von Bismarcks berühmtem Ausspruch: „Nach Canossa gehe ich nicht“ entstanden ist, nur durch die Beschäftigung mit der Vergangenheit verstanden werden.

Außerdem sollen die Schüler durch das Fach Geschichte „zur selbständigen problemorientierten Beschäftigung mit historischen Vorgängen befähigt“7 werden. Diesem Punkt wird speziell durch meine Lehrprobenstunde über Bismarcks Kulturkampf Geltung verschafft. Überdies kann ein Auseinandersetzen mit Geschichte „nie kritiklos“8 erfolgen. Meine Stunde ist so konzipiert, dass ich Fähigkeiten, wie komplexe Zusammenhänge zu verstehen und auch dazu persönlich Stellung zu nehmen, im Besonderen fördern werde.

Ein weiterer im Fachprofil für Geschichte formulierter Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der Schüler besagt, dass die „historische Methodenkompetenz, insbesondere die Fähigkeit zum überlegten Sammeln, Gliedern und Auswerten von Datenmaterial sowie [das] rationale Argumentieren“9 für die Lebensbewältigung von grundsätzlicher Bedeutung sind. Speziell in der Lehrprobenstunde werden die Schüler aufgefordert, aus ausgewählten Texten, aus Kartenmaterial und auch aus Bildmaterial Daten zu sammeln, zu gliedern und anschließend auszuwerten. Zum Abschluss der Stunde sollen die Schüler auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse über den Begriff Kulturkampf reflektieren.

Zuletzt spricht der Jahrgangsstufenlehrplan davon, dass sich die Schüler der achten Klasse „mit den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen im deutschen Kaiserreich auseinandersetzen“10 sollen. Durch vorhergehende Geschichtsstunden zur Reichsgründung von oben, zur Verfassung des Kaiserreichs im Vergleich mit unserem heutigen Grundgesetz, zur Parteienlandschaft sowie durch die Beschäftigung mit dem Kulturkampf in der Lehrprobenstunde, wird diesem Aspekt Beachtung geschenkt.

2.2 Stellung der Lehrprobenstunde innerhalb der Unterrichtssequenz

Das Thema „Bismarcks Kulturkampf“ ist Teil der Unterrichtseinheit zum Deutschen Kaiserreich, die in der Woche nach den Osterferien begann. Dabei wurde in der ersten Stunde auf die Reichsgr ü ndung von oben eingegangen. Zunächst wurde hierzu das berühmte Gemälde zur Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles von Anton Werner aus dem Jahre 1885 aufgelegt und besprochen. Anschließend folgte ein Quellentext zur Proklamation des Königs Wilhelm I. von Preußen. Hierzu wurden die näheren Umstände der Reichsgründung und auch die Unterschiede zum Jahr 1848 durch einen Lehrervortrag ergänzt. Als nächstes erfolgten eine eingehende Betrachtung der Größe des Deutschen Staates und eine Problematisierung der Großdeutschen Lösung. Die Schüler sollten erkennen, dass eine Großdeutsche Lösung für den preußischen Ministerpräsidenten Bismarck keine annehmbare Lösung gewesen wäre, da er in erster Linie die Vorherrschaft Preußens sichern wollte. Abschließend wurden die unterschiedlichen Urteile zum neuen Deutschen Kaiserreich näher betrachtet; dies erfolgte mit zwei Quellentexten des SPD Abgeordneten August Bebel und des britischen Oppositionsführers Benjamin Disraeli. Mit einem sehr anschaulichen Tafelbild zur Reichsgründung wurde die Entstehung des Reichs abgeschlossen.

In der zweiten Stunde wurde das Thema Die Verfassung des Kaiserreichs bearbeitet. Hierzu wurden aus dem Originaldokument zur Verfassung ausgewählte Artikel auf einem Arbeitsblatt ausgeteilt. Anhand dieses Quellentextes und eines zusätzlich ausgeteilten Verfassungsschemas sollten die Schüler nun die Verfassung des Kaiserreichs nachempfinden. Abschließend erfolgte eine kritische Reflexion darüber, ob dieser entstandene Staat als demokratisch bezeichnet werden kann. Außerdem wurde über die Unterschiede zu unserer heutigen Verfassung diskutiert.

Die dritte Unterrichtsstunde beschäftigte sich mit der Parteienlandschaft im Kaiserreich. Hierzu wurde unter anderem auf die Besonderheiten der Wähler und auf die Zielsetzungen der einzelnen Parteien eingegangen. Auch wurde über Bismarcks Einstellung zum parlamentarischen System diskutiert. Zum Schluss wurden die damaligen Parteien mit unserer heutigen Parteienlandschaft verglichen. Die Schüler sollten unter anderem erkennen, dass sich die Christlich Demokratische Union Deutschlands aus der Zentrumspartei entwickelt hat; jedoch heute eine Volkspartei darstellt und daher ebenso Wähler unterschiedlicher oder keiner Konfessionen zu verzeichnen hat. Besonderes Augenmerk wurde hier auch auf die Entwicklung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gelegt.

In der vierten Unterrichtsstunde wird sich die Klasse mit dem Militarismus im Kaiserreich beschäftigen. Hierzu wird zunächst als Motivation eine wahre Geschichte über den arbeitslosen Schuster und Gewohnheitsverbrecher Wilhelm Voigt vorgelesen. Dieser hatte sich im Berliner Vorort Köpenick mit Hilfe einer gebrauchten Hauptmannsuniform als Hauptmann verkleidet und das Kommando über Wachsoldaten übernommen. Anschließend ließ er das Köpenicker Rathaus besetzen und raubte die Stadtkasse, mit der er sich auf die Flucht begab. Nach einer kurzen Analyse dieses Vorfalls wird sich die Klasse mit der Frage beschäftigen, wie sich der Militarismus im Kaiserreich darstellte. Als Grundlage dienen hierfür Quellenauszüge zum Beruf des Offiziers. Eine zentrale Aufgabe der immer präsenten Soldaten war, das Reich und den Kaiser vor den sogenannten Reichsfeinden zu schützen. Diese Tatsache dient als idealer Anknüpfungspunkt für die Lehrprobenstunde, in der wir uns genau mit einer Gruppen von Reichsfeinden näher beschäftigen werden. Zum Abschluss der Stunde über den Militarismus im Kaiserreich wird ein Bogen zur politischen Situation in Nordkorea geschlagen. Die Schüler sollen erkennen, dass es immer noch Länder gibt, in denen ein starker Militarismus herrscht.

Mit der Lehrprobenstunde beginnt die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema Innenpolitik Bismarcks. Dies erfolgt durch eine arbeitsteilige Gruppenarbeit zu ausgewählten Texten zum Thema Kulturkampf.

In der Unterrichtsstunde nach der Lehrprobenstunde wird sich die Klasse weiter mit der Innenpolitik Bismarcks beschäftigen. Hierzu wird zunächst auf die Lehrprobenstunde zurückgegriffen. Danach wird Bismarcks Einstellung gegenüber den Sozialdemokraten geklärt. Anschließend sollten die Schüler den Inhalt des Sozialistengesetzes herausarbeiten und über die möglichen Konsequenzen des Gesetzes spekulieren; hierzu wird auch auf die Lehrprobenstunde Bezug genommen. Anschließend erfolgte die Auseinandersetzung mit der Sozialgesetzgebung. Die Schüler sollen begreifen, wie Bismarck in der Innenpolitik agiert und dass er mit Zuckerbrot und Peitsche arbeitet. Danach wird sich als Vertiefung ein Rollenspiel anschließen, in welchem einzelne Arbeiter zu Wort kommen werden.

Diese Arbeiter äußern sich in einem fiktiven „Stammtischgespräch“ kritisch über die negativen Auswirkungen der Sozialgesetzgebung. Die Schüler sollen erkennen, dass Bismarcks Versicherungssystem zwar einmalig und äußerst fortschrittlich in Europa war, dass aber zugleich die Arbeiter finanziell zusätzlich belastet wurden. Außerdem hat kaum ein Arbeiter das 70. Lebensjahr erreicht, ab welchem die Altersversicherung ausbezahlt worden wäre und zusätzlich war der ausbezahlte Betrag der Invalidenversicherung sehr gering, so dass die Arbeiter davon nicht leben konnten.

2.3 Lernziele der Lehrprobenstunde

In der Lehrprobenstunde werden folgende Lernziele angestrebt:

- Förderung der Analyse- und Interpretationsfähigkeit der Schüler durch Bildquellen und Kartenarbeit
- Förderung des Leseverstehens durch die Auseinandersetzung mit Quellentexten
- Förderung der kommunikativen Kompetenz in der Gruppenarbeitsphase
- Förderung der kommunikativen Kompetenz in der Zielsprache durch ein Rollenspiel
- Förderung der Kompetenz der Perspektivübernahme durch ein Rollenspiel
- Kennenlernen des Kulturkampfes
- Kennenlernen der Vorgehensweise Bismarcks in seiner Innenpolitik

Mit der Hausaufgabe werden folgende Lernziele angestrebt:

- Förderung des schriftlichen Ausdrucksvermögens in der Zielsprache
- Förderung der Fähigkeit einen geschichtlichen Begriff auch auf aktuelle Situationen und Phänomene anzuwenden
- Förderung einer vertieften und kritischen Auseinandersetzung mit dem Begriff Kulturkampf

2.4 Sachanalyse

2.4.1 Deutsches Kaiserreich

Das Thema des Deutschen Kaiserreichs ist vor allem aufgrund seiner Bedeutung für die spätere deutsche Geschichte ein faszinierendes Kapitel der Weltgeschichte. „Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs war am 18. Januar 1871 der erste deutsche Nationalstaat entstanden“.11 Dieser Nationalstaat wurde im Spiegelsaal von Versailles mit der Kaiserproklamation des preußischen Königs Wilhelm I. eingeleitet. Das entstandene Reich war eine konstitutionelle Monarchie mit Kaiser Wilhelm I. als Monarchen. Er wiederum setzte Otto von Bismarck als ersten Reichskanzler ein. Nur wenn sich die Schüler mit dem Thema des Deutschen Kaiserreichs auseinandersetzen, können sie die Bedeutung des Spiegelsaals von Versailles auch für spätere wichtige historische Ereignisse, wie der Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrags nach dem Ende des ersten Weltkriegs richtig einordnen und verstehen. Nur in der Auseinandersetzung mit der Gründungsgeschichte des Kaiserreichs können die Schüler die spätere Bedeutung von Elsass und Lothringen, auch für die Entstehung des zweiten Weltkriegs nachvollziehen. Des Weiteren kann nur durch die Beschäftigung mit den Kriegen, die der Reichsgründung vorausgingen, die sich entwickelnde „Erbfeindschaft“ zwischen Deutschen und Franzosen eingeordnet werden. Durch die Auseinandersetzung mit dem Kaiserreich können die tieferen Ursachen für den Ausbruch des zweiten Weltkriegs erst verstanden werden.

Des Weiteren ist die Beschäftigung mit der Außenpolitik während des Kaiserreichs unter Bismarck unerlässlich, wenn man den Kurswechsel hin zum Imperialismus verstehen möchte. All diese Gründe zeigen, dass die Beschäftigung mit wichtigen Aspekten des Deutschen Kaiserreichs für ein umfassendes Geschichtsverständnis unerlässlich ist.

Die "verspätete Nation", wie es Helmut Plessner ausdrückt, hatte einen „obrigkeitsstaatlichen, militaristischen Charakter, dessen Fürsten- und Adelsherrschaft im Widerspruch zu den dynamischen Basisprozessen einer sich rapide industrialisierenden und modernisierenden Gesellschaft stand“.12 Nur wenn sich die Schüler mit Aspekten der deutschen Geschichte auseinandersetzen, könne sie die Folgen der Reichspolitik hin zu einer Radikalisierung der Politik verstehen. Außerdem kann auch nur so die Behinderung des Aufbaus einer demokratischen Staatsordnung nach 1918 verstanden werden.

Auch die Bedeutung des Scheiterns der Revolution von 1848/49 und dessen Folgen, können nur durch eine intensive Auseinandersetzung mit der Welt des Kaiserreichs, seiner Verfassung und seiner Parteienlandschaft begriffen werden.

2.4.2 Otto von Bismarck

„Am Anfang war Bismarck.“ Mit dieser sehr provokanten Behauptung beschreibt der Historiker Thomas Nipperdey Bismarcks führende Rolle hinsichtlich der Reichsgründung und des politischen Geschehens ab etwa 1850.13 Die kontroverse Sichtweise über den preußischen Reichskanzlers reicht von offener Verehrung für den genialen Staatsmann und Politiker bis hin zu Kritik an den undemokratischen Strukturen der damaligen Verfassungs- und Gesellschaftsordnung.14 Das Bild des preußischen Reichskanzlers Otto von Bismarck kennt beinahe jeder Deutsche. Er gilt allgemein als die schillernde Person des Deutschen Kaiserreichs. Seine Ideen und Maßnahmen haben den Charakter des Kaiserreichs und sogar des Kontinents nachhaltig geprägt.

Das Leben und Wirken Ottos von Bismarcks wurde bereits mehrfach verfilmt. Außerdem gibt es unzählige Monografien über diesen Realpolitiker. Dies zeigt, dass das Interesse an dieser schillernden Figur ungebrochen ist und dass ihr „historisches Erbe“ von tragender Bedeutung ist.

Hinzu kommt der Aktualitätsbezug des Themas, da sich der Geburtstag des „Eisernen Kanzlers“ am 1. April 2015 zum 200. Mal jährte. Aus diesem Anlass besuchen zahlreiche Touristen die vielen Bismarck-Denkmäler, die auf damaligem deutschem Boden errichtet wurden und heute über die deutschen Grenzen hinausgehen. Manche Schüler sind bereits durch Familienausflüge indirekt mit der Person Ottos von Bismarck in Berührung gekommen.

Otto von Bismarck kann als Realpolitiker bezeichnet werden. Sein Handeln in der Politik hat sich meistens an der Zweckmäßigkeit orientiert. Dies zeigt auch sein Umgang mit Reichsfeinden. Seine Kämpfe gegen die Reichsfeinde beginnen immer mit starken Sanktionen, Gesetzen und Repressionen. Geht diese Strategie nicht auf, so schlägt Bismarck einfach einen anderen Kurs ein. Beim Kampf gegen die Katholiken, die Zentrumspartei und auch gegen den Papst in Rom, sieht man genau dieses Schema. Auch der sich anschließende Kampf gegen die Sozialdemokraten geht in dieselbe Richtung. Hierfür kann er sogar alle vorhergehenden Meinungsverschiedenheiten überwinden und verbündet sich sogar mit den ehemaligen Reichsfeinden, nämlich der Zentrumspartei und dem Papst in Rom. Zunächst lässt er das Sozialistengesetz verabschieden, als dieses nicht die gewünschte Wirkung erzielt, reagiert Bismarck mit der Sozialgesetzgebung. Um Bismarcks Schaukelstuhlpolitik begreifen zu können, ist es unerlässlich, sich mit seiner Innenpolitik am Beispiel des Kulturkampfes und auch am Beispiel des Sozialistengesetzes näher zu betrachten.

Außerdem kann das Erbe dieses preußischen Ministerpräsidenten, nämlich die staatliche Schulaufsicht, die standesamtliche Eheschließung und auch unser heutiges Sozialversicherungssystem nicht ohne die Beschäftigung mit der Innenpolitik Bismarcks verstanden werden. Die Schüler lernen somit die Zusammenhänge zwischen Vergangenheit und Gegenwart kennen und sie lernen die Entstehungsgeschichte der Grundlagen unseres Staates kennen.

Aber auch das aktuelle Thema um den Kopftuchstreit an deutschen Schulen geht in dieselbe Richtung. Ohne den Kulturkampf und seinen Verlauf näher zu kennen, sind die Schüler nicht in der Lage, den von der Tageszeitung Die Welt und auch von Spiegel Online verwendeten Begriff eines „neuen Kulturkampfes“ zu verstehen und richtig einzuordnen.15

2.5 Aufbau der Lehrprobenstunde

Vorab ist zu erwähnen, dass zu Beginn der Unterrichtsstunde auf eine Rechenschaftsablage verzichtet wird. Außerdem werde ich den Unterricht vorrangig in der Zielsprache durchführen und im Falle von Verständnisschwierigkeiten in die Muttersprache wechseln.

Als EINSTIEG in die Lehrprobenstunde habe ich eine relativ unbekannte spanische Karikatur mit dem deutschen Titel „Der große Kampf des Jahrhunderts“ gewählt. Die Schüler sollen die Karikatur zunächst beschreiben. Hierbei wird Wissen aus den vorhergehenden Stunden zum Thema Militarismus, Kaiserreich und zum Reichskanzler Otto von Bismarck aktiviert. Außerdem wird das Grundwissen zum Thema Insignien wiederholt. Auf der Karikatur (Anlage 1), welche ich über den Tageslichtprojektor präsentieren werde, ist rechts ein Mann mit übergroßer Pickelhaube abgebildet und links ein Mann mit einer übergroßen päpstlichen Tiara auf dem Kopf. Beide Kopfbedeckungen sind so gewählt, dass die Gesichter der Männer nicht erkannt werden können. Diese zwei Personen befinden sich offensichtlich in einem Kampf miteinander, daher tragen sie Schilde und ein Schwert bzw. eine Ferula. Diese Darstellung bietet sich sehr gut für den Einstieg an, da durch die gewählten Symbole sehr gut erkannt werden kann, wer sich mit wem im Streit befindet. Diese Darstellung ermöglicht es mir, wie bereits erwähnt, Grundwissen abzurufen, Vorwissen zu aktivieren und andererseits auch auf das eigentliche Thema meiner Lehrprobenstunde überzuleiten: Bismarck ’ s fight against the Catholics.

Für die Lehrprobenstunde habe ich mich für das Präsentationsmedium Tageslichtprojektor entschieden. Dieses Medium bietet sich unter anderem für eine Bildbeschreibung an, da das Bild groß, relativ klar und relativ hell an der Wand sichtbar ist. Die Aufmerksamkeit der gesamten Klasse ist somit nach vorne gerichtet. Außerdem habe ich so die Möglichkeit mittels Laserpointer oder Zeigestab auf Einzelheiten hinzuweisen und auf diese näher einzugehen. Außerdem ist hier zu erwähnen, dass ich auf eine Bildunterschrift verzichtet habe, um die Frage nach den dargestellten Personen an die Schüler weitergeben zu können.

Zum Ende des Einstiegs werde ich auf das Thema der Lehrprobenstunde überleiten: Bismarck ’ s fight against the Catholics. Das Thema wird durch das Aufklappen der Tafel als Überschrift an der Innenseite zu sehen sein. Dieses wird für die Schüler während der gesamten Unterrichtsstunde immer präsent an der Tafel stehen.

[...]


1 Vgl. http://www.bayern-bilingual.de/gymnasium/userfiles/Allgemeine_Informationen/Elemente_einer_Didaktik_1.pdf (Seite 4)

2 http://www.bayern-bilingual.de/gymnasium/userfiles/Allgemeine_Informationen/Elemente_einer_Didaktik_1.pdf (Seite 5)

3 http://www.bayern-bilingual.de/gymnasium/userfiles/Allgemeine_Informationen/Elemente_einer_Didaktik_1.pdf (Seite 9)

4 Vgl. http://www.bayern-bilingual.de/gymnasium/userfiles/Allgemeine_Informationen/Elemente_einer_Didaktik_1.pdf (Seite 10)

5 http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26390 (Stand: 18.4.2015)

6 http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26390 (Stand: 18.4.2015)

7 http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26390 (Stand: 18.4.2015)

8 http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26390 (Stand: 18.4.2015)

9http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26390 (Stand: 18.5.2015)

10 http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26260 (Stand: 18.4.2015)

11 http://blog.zeit.de/schueler/2010/09/01/thema-das-kaiserreich-1871-1918/ (Stand: 25.4.2015)

12 http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/kaiserreich/138902/einfuehrung (Stand: 25.4.2015)

13 Vgl. Coenen, Andreas, Bismarck. Persönlichkeit. Wirkung. Nachwirkung, in: Geschichte betrifft uns, 2009, S. 1

14 Vgl. Coenen, Andreas, Bismarck. Persönlichkeit. Wirkung. Nachwirkung, in: Geschichte betrifft uns, 2009, S. 1

15 Vgl. http://www.welt.de/politik/deutschland/article138662440/Kulturkampf-in-deutschen-Klassenzimmern.html (Stand 24.4.2015)

Details

Seiten
31
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668056640
ISBN (Buch)
9783668056657
Dateigröße
802 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307438
Note
1,0
Schlagworte
bismarck catholics entwurf prüfungslehrprobe geschichte klasse

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Titel: Bismarck's fight against the Catholics. Entwurf für 3. Prüfungslehrprobe (Geschichte, 8. Klasse)