Lade Inhalt...

Psychosoziale Belastungen durch Schichtarbeit im Pflegeberuf

Möglichkeiten und Grenzen der betrieblichen Gesundheitsförderung

Seminararbeit 2015 13 Seiten

Medizin - Gesundheitswesen, Public Health

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Begrifflichkeiten und theoretische Grundlagen
2.1 Biopsychosoziale Gesundheit und betriebliche Gesundheitsförderung
2.2 Schicht- und Nachtarbeit im Setting Betrieb

3 Schichtarbeit und betriebliche Gesundheitsförderung
3.1 Auswirkungen von Schichtarbeit und Handlungsempfehlungen für die Zielgruppe
3.2 Interventionspraxis und Möglichkeiten betrieblicher Gesundheitsförderung
3.3 Interventionspraxis im Franziskus Hospital Bielefeld
3.4 Grenzen betrieblicher Gesundheitsförderung und bestehende Probleme

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Möglichkeiten und Grenzen betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) im Kontext von psychosozialen Belastungen durch Schichtarbeit im Pflegeberuf. Dabei orientiert sich die Struktur am Public Health Action Cycle (Rosenbrock, 1995, S. 142). Es wird zunächst ein Überblick zum Problemhintergrund gegeben, dann der Handlungsbedarf abgeleitet, Strategiemöglichkeiten anhand der Interventionspraxis erläutert und schließlich eine Evaluation dieser Maßnahmen mit abgeleiteten Handlungsempfehlungen für die Praxis durchgeführt.

Schichtarbeit spielt im Pflegesektor eine große Rolle und hat gesundheitliche, sowie psychosoziale Auswirkungen auf die Beschäftigten (Paridon, Ernst, Harth, Nickel, Nold, Pallapies, 2012, S. 11). Durch geringen Einfluss der Arbeitnehmer auf ihre Arbeitszeit im vollkontinuierlichen Dreischichtsystem, welches im stationären Sektor am weitesten verbreitet ist, kommt es zu einer biologischen und gesellschaftlichen Desynchronisation (ebd.). Folge sind Schlafstörungen, chronische Erkrankungen und vor allem auch soziale Probleme (Wiener, 2014, S. 20). Insbesondere Frauen erleben hier eine Doppelbelastung durch familiäre und arbeitsbezogene Anforderungen (Fergen & Böhm, 2012). Es besteht Handlungsbedarf in Form von Maßnahmen zur Verbesserung der Work-Life-Balance im Setting Betrieb. In der Praxis sind jedoch nur wenige solcher Interventionen dokumentiert.

Ein Beispiel guter Praxis ist die Schaffung eines Servicebüros im produzierenden Gewerbe am Chemiestandort Leuna, welches Beratung bei psychosozialen Problemen anbietet und von den Beschäftigten als sehr hilfreich empfunden wird (Wiener, 2013, S. 257). Ein Praxisgespräch im Franziskus Hospital Bielefeld gibt Hinweise darauf, dass es im Pflegesektor an solchen Ansätzen fehlt. MitarbeiterInnen wünschen sich dort mehr Einflussmöglichkeiten auf ihre Arbeitszeiten. Ein geringer Personalschlüssel und damit wenig Flexibilität in der Dienstplanung werden als Hemmnisse erlebt. Es zeigt sich außerdem, dass im Franziskus Hospital wenig Wissen über „gesunde Schichtgestaltung“ an Stationsleitungen vermittelt wird.

Insgesamt ist ein Bedarf an weiterer Forschung im Bereich betrieblicher Gesundheitsförderung gegeben. Besonders mangelt es an Studien, die auch unternehmerischen Gewinn durch die Einführung betrieblicher Gesundheitsförderung belegen, um Anreize zu schaffen derartige Interventionen einzuführen. Bei vorhandener Implementierung von Angeboten muss an deren Bekanntheit im Unternehmen gearbeitet werden. Im Kontext der demografischen Entwicklung benötigen wir zukünftig mehr Fachpersonal in der Pflege (Bühler & Kuhlmey, 2014, S. 269). Daher sollte, mit Hilfe der betrieblichen Gesundheitsförderung, an einem attraktiven Image der Branche, durch eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gearbeitet werden.

1 Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage inwieweit psychosoziale Belastungen aufgrund von Schichtarbeit im Pflegeberuf, durch Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung, beeinflusst werden können.

Infolge eines erhöhten Bedarfs am „Rund-um-die-Uhr-Service“ im Dienstleistungsbereich, nimmt Schichtarbeit dort immer weiter zu (Paridon et al., 2012, S. 77). Mit 1,94 Millionen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen, arbeitet ein Großteil schichtarbeitender Beschäftigter im stationären Pflegesektor, 79% davon sind Frauen (Statistisches Bundesamt, 2013, S. 14). Jene sind, aufgrund traditioneller Rollenverteilungen, besonders betroffen von psychosozialen Belastungen durch Schichtarbeit und der Doppelbelastung Beruf und Familie (Fergen & Böhm, 2012). Schichtarbeit hat damit nicht nur Auswirkungen auf die Gesundheit, sondern auch auf soziale Verpflichtungen und die Teilhabe. Grund dafür ist eine gesellschaftliche Desynchronisation (Paridon et al., 2012, S. 119). Aufgrund der Zunahme pflegebedürftiger Menschen, durch die demografische Entwicklung in Deutschland, wird der Bedarf an Pflegepersonal zukünftig steigen (Bühler & Kuhlmey, 2014, S. 169).

Insgesamt lässt sich daher ableiten, dass dieses Themengebiet eine hohe Relevanz für den Bereich der öffentlichen Gesundheit aufweist.

Ziel dieser Arbeit ist es zu erörtern, inwieweit Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung die psychosozialen Auswirkungen von Schichtarbeit beeinflussen können.

Für die Erarbeitung dieses Sachverhalts erfolgte die Recherche zunächst im Bereich der amtlichen Statistik, bei Sozialversicherungsträgern und Verbänden, um allgemeine Daten zu Betroffenen zu erhalten. Ergänzend wurde eine systematische wissenschaftliche Recherche in der Literaturdatenbank der Universität Bielefeld vorgenommen und eine Schlüsselwortsuche über die Rechercheoberfläche „PubMed“ durchgeführt. Die Ergebnisse wurden dann, anhand ihrer Zusammenfassungen, bezogen auf ihre Relevanz für diese Arbeit, sondiert.

In ihrem Aufbau orientiert sich diese Arbeit an der Struktur des Public Health Action Cycle (Rosenbrock R. , 1995, S. 142). Dazu werden zunächst relevante Begriffe definiert, um einen theoretischen Rahmen zu schaffen. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Schichtarbeit und auftretenden Problemen. Davon ausgehend wird der Handlungsbedarf für die Zielgruppe abgeleitet und mit der Interventionspraxis abgeglichen. Ergänzend wurde auch ein Praxisgespräch zum Thema im Franziskus Hospital Bielefeld geführt. Schließlich erfolgt eine Bewertung der Maßnahmen, um im Fazit Handlungsempfehlungen für die zukünftige Interventions- und Forschungspraxis abzuleiten.

2 Begrifflichkeiten und theoretische Grundlagen

Im Folgenden werden die zentralen Begrifflichkeiten „biopsychosoziale Gesundheit“, „betriebliche Gesundheitsförderung“ und „Schichtarbeit“ für den weiteren Verlauf dieser Arbeit definiert und ein Überblick zu durch Schichtarbeit besonders betroffenen Branchen gegeben.

2.1 Biopsychosoziale Gesundheit und betriebliche Gesundheitsförderung

Der biopsychosoziale Gesundheitsbegriff ist für das Verständnis relevant, auf welche Art und Weise sich Schichtarbeit auf die Gesundheit auswirken kann. Er wurde maßgeblich durch den Psychiater George L. Engel geprägt und beschreibt Gesundheit und Krankheit als dynamische Zustände, welche durch die Interaktion biologischer, psychischer und sozialer Faktoren beeinflusst werden können (Engel, 1979, S. 63).

Auf diesem multifaktoriellem Gesundheitsmodell basiert auch die Definition von Gesundheitsförderung der World Health Organization (WHO, 1986, S. 425), welche in der Ottawa Charta festgehalten ist. Darauf aufbauend beschreiben Hurrelmann, Klotz und Haisch (2014, S. 13) Gesundheitsförderung als Maßnahme, die der Stärkung der individuellen Ressourcen zur Lebensbewältigung dient.

Die gesetzliche Grundlage betrieblicher Gesundheitsförderung findet sich in §20a Absatz 1 bis 3 fünftes Buch Sozialgesetzbuch. Dort erhalten die gesetzlichen Krankenkassen den Auftrag: „Leistungen zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten (...) zu erbringen und Vorschläge (...) zur Stärkung der gesundheitlichen Ressourcen und Fähigkeiten zu entwickeln“. Die betriebliche Gesundheitsförderung umfasst demnach verhaltens- und verhältnispräventive Maßnahmen. Eine Beteiligung ist für Krankenkassen verpflichtend und für Betriebe, sowie ihre Mitarbeiter, freiwillig.

2.2 Schicht- und Nachtarbeit im Setting Betrieb

In der Einleitung dieser Arbeit wurde bereits die besondere Relevanz des Pflegesektors im Bereich der Schichtarbeit herausgestellt. Es gibt unterschiedliche Bezeichnungen und Klassifikationen dieses Arbeitsbegriffs. Für diesen Bericht wird die Definition nach Ruthenfranz und Knauth (1982, S. 10) verwendet, demnach ist Schichtarbeit jene Arbeit, die zu wechselnder Zeit oder zu konstanter, aber ungewöhnlicher Zeit ausgeführt werden muss. Dabei werden für diese Arbeit Studien berücksichtigt, welche sich auf die Arbeit im vollkontinuierlichen Zweischicht- und Dreischicht-System beziehen.

Schichtarbeit spielt nicht nur im Pflegesektor, sondern auch in anderen Bereichen eine große Rolle. Der Anteil an schichtarbeitenden Beschäftigten in Deutschland nimmt zu (Paridon et al., 2012, S.77). Ursächlich dafür sind ein erhöhter Bedarf an „Rund-um-die-Uhr-Versorgung“ im Dienstleistungsbereich, aber auch ein erhöhter Bedarf an durchgehendem Betrieb in der Produktion, um konkurrenzfähig zu bleiben (ebd.). Laut einer Umfrage der European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions von 2007, unter 30 000 Befragten aus 27 EU-Ländern, sind die häufigsten von vollkontinuierlicher Schichtarbeit betroffenen Branchen: Das Gesundheitswesen (35%), das Hotel- und Gaststättengewerbe (30%), sowie das verarbeitende Gewerbe (26%) (European Foundation, 2007, S. 109 -113).

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668052901
ISBN (Buch)
9783668052918
Dateigröße
44 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307305
Note
1,0
Schlagworte
BGM BGF Betriebliche Gesundheitsförderung Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz Betriebliches Gesundheitsmanagement Psychosoziale Belastungen Health Communication Arbeit und Gesundheit

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Psychosoziale Belastungen durch Schichtarbeit im Pflegeberuf