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Zur gesundheitlichen Bedeutung von Energy Drinks im Kindes- und Jugendalter

Examensarbeit 2015 103 Seiten

Gesundheit - Ernährungswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 GESUNDHEITLICHE RISIKEN IM KINDES- UND JUGENDALTER
2.1 Übergewicht/Adipositas -Definition und Diagnostik
2.2 Auswirkungen gesundheitlicher Risiken
2.2.1 Psychosoziale Auswirkungen
2.2.2 Physische Auswirkungen
2.3 Determinanten gesundheitlicher Risiken
2.3.1 Körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen
2.3.2 Trinkverhalten von Kindern und Jugendlichen
2.3.3 Verzehr von Energy-Drinks
2.3.4 Definition von Energydrinks
2.3.5 Inhaltsstoffe und ihre Wirkung auf den Körper
2.3.5.1 Zucker
2.3.5.2 Koffein
2.3.5.3 Taurin
2.3.5.4 Glucuronolacton
2.3.5.5 Inosit
2.3.6 Gesundheitsbezogene Auslobungen von Enrgy-Drinks
2.4 Trinkverhalten und körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland
2.4.1 Ergebnisse KIGGS-Studie
2.4.2 Ergebnisse HBSC Studie

3. PLANUNG UND DURCHFÜHRUNG EINER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG
3.1 Methodisches Vorgehen
3.2 Datenerhebung/Datenaufbereitung
3.3 Ergebnisse der empirischen Untersuchung
3.3.1 Körpergewicht der untersuchten Schülerinnen und Schüler
3.3.2 AllgemeinesTrinkverhalten
3.3.3 Trinkverhalten in Bezug auf Energy-Drinks
3.3.4 Körperliche Aktivität

4 DISKUSSION

5 SCHLUSSBETRACHTUNG

6 LITERATUR

ANHANG

1 Einleitung

„Der Boom koffeinhaltiger Energy Drinks ist ungebrochen. Handel und Hersteller freuen sich über den stetig wachsenden Absatz. Doch auch die Kritik an den Powerbrausen wächst. Jetzt weisen erstmals Forscher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufdie schädlichen gesundheitlichen Wirkungen von Energy Drinks hin. Besonders Kinder und junge Erwachsene sind gefährdet.“ (Stiftung Warentest, 2014)

Energy Drinks gelten schon längst nicht mehr als Trendgetränk bei Kindern und Jugendlichen, sondern werden immer häufiger als Durstlöscher getrunken und ohne die Beachtung der Verzehrhinweise konsumiert. Besonders verlockend für Kinder und Jugendliche sind Energy Drinks auf Grund ihres hohen Zuckergehalts und des süßen Geschmacks, welcher den bitteren Geschmack des in hohen Mengen vorkommenden Koffeins, überdeckt (vgl. Stiftung Warentest, 2014). Energy Drinks sollen zudem die Konzentration erhöhen, die Leistungsfähigkeit steigern und länger wach halten oder wie es einer der bekanntesten Energy Drink Hersteller bewirbt „Flügel verleihen“. Unbeachtet bleiben jedoch unerwünschte Wirkungen durch den Verzehr von Energy Drinks. Auf Grund des erhöhten Zucker- und Koffeingehalts von Energy Drinks haben sie psychische wie auch physische Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Der Konsum von zuckergesüßten Getränken führt zudem zu einer erhöhten Energiezufuhr sowie einer Zunahme des Körpergewichts (Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 2011, S. 33). Zudem kann es durch eine Überdosierung Koffein zu Herzrasen, Bluthochdruck, Erbrechen, Übelkeit und Krämpfen kommen (vgl. Stiftung Warentest, 2014). Laut des Bundesinstituts für Risikobewertung (2008) kam es in der Vergangenheit sogar zu Todesfällen, welche in einem möglichen Zusammenhang mit dem Verzehr von Energy Drinks in Verbindung mit sportlicher Aktivität stehen können, wobei eine Kausalität jedoch nicht bewiesen werden konnte. Zudem zählen Energy-Drinks zu den mit Zucker gesüßten Getränken. Da der Konsum zuckerhaltiger Getränke stetig wächst, besteht ein Zusammenhang zwischen der Gewichtszunahme sowie der Entwicklung von Krankheiten eines metabolischen Ungleichgewichts, wie dem Typ 2 Diabetes und einer generell nährstoffarmen Ernährung (vgl. HBSC-Team Deutschland, 2011b, S. 1). Darüber hinaus belegen weitere Studien, dass die Entstehung und Entwicklung von Übergewicht und Adipositas durch den Konsum energiereicher Getränke, in Kombination mit übergewichtsassoziierten Verhaltensweisen, wie z.B. eines inaktiven Lebensstils, gefördert wird.

Ein Augenmerk dieser Arbeit liegt daher auf der Entstehung von Übergewicht und Adipositas, durch die Indikatoren Trinkverhalten, Konsum von Energy Drinks sowie der körperlichen Aktivität von Kindern und Jugendlichen. Der zentrale Punkt dieser Arbeit fokussiert die gesundheitliche Bedeutung von Energy Drinks im Kindes- und Jugendalter.

Im zweiten Kapitel werden zunächst die Definition und Begriffsbestimmung sowie das Diagnostikverfahren von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter dargestellt sowie daraus resultierende physische und psychosoziale Auswirkungen auf die Gesundheit zusammengefasst. Hierzu werden im Besonderen die Determinanten körperliche Aktivität, das Trinkverhalten sowie der Verzehr von Energy Drinks bei Kindern und Jugendlichen betrachtet, welche durch Ergebnisse aktueller Studien belegt werden. Weiterführend wird auf die Definition des Energy Drinks sowie die Inhaltsstoffe und ihre Wirkung auf den Körper eingegangen.

In Kapitel drei wird die Planung und Durchführung der empirischen Untersuchung dargestellt. Es folgt die Erläuterung des methodischen Vorgehens sowie die Vorstellung der Ergebnisse der empirischen Untersuchung, mit anschließender Diskussion und Schlussbetrachtung der gewonnenen Erkenntnisse.

Das Ziel der Arbeit ist eine Darstellung des Trinkverhaltens, insbesondere der Konsum von Energy Drinks im Kindes- und Jugendalter mit folgendem Vergleich aktueller empirischer Studien. Es stellt sich die Frage, welchen Stellenwert das Trinkverhalten, insbesondere der Konsum von Energy Drinks, in der Lebenswelt der befragten Schülerinnen und Schüler einnimmt und ob geschlechtsspezifische Unterschiede zu erkennen sind. Zudem wird versucht ein Überblick über die körperliche Aktivität der Schülerinnen und Schüler darzustellen.

2 Gesundheitliche Risiken im Kindes- und Jugendalter

2.1 Übergewicht/Adipositas - Definition und Diagnostik

Nicht selten werden Übergewicht und Adipositas als synonyme Begriffe genutzt. Jedoch sollte es vom medizinischen Standpunkt eine deutliche Unterscheidung der Begriffe geben. Der Begriff Übergewicht bezieht sich zunächst auf ein erhöhtes Körpergewicht in Bezug auf die Körpergröße (vgl. Wabitsch et al., 2005, S. 4). Besonders im Kindes- und Jugendalter entsteht Übergewicht durch eine dauerhaft zu hohe Energiebilanz, da häufig über die Sättigungsgrenze hinaus Nahrung zu sich genommen wird (vgl. Petermann/Häring, 2003, S. 263). Der Energieverbrauch wird durch drei Komponenten, dem Grundumsatz, der diätinduzierten Thermogenese sowie der aktivitätsinduzierten Thermogenese, bestimmt (vgl. Platte, 2003, S. 48). Unter Grundumsatz ist die Energieproduktion zu verstehen, welche ausschließlich zur Erhaltung der Organfunktionen benötigt wird, welche bei 65-70% des Gesamtenergieverbrauchs liegt. Die diätinduzierten Thermogenese tritt nach einer Mahlzeit ein und erhöht den Energieverbrauch, welcher für die Verdauung und die Verstoffwechselung der Nahrung benötigt wird, um 5-10%. 10-25% des Gesamtenergieverbrauchs macht die aktivitätsinduzierte Thermogenese aus, welche durch körperliche Aktivität ausgelöst wird (vgl. Platte, 2003, S. 48f). Nach Holub et al. (2003) können verschiedene Faktoren auf die Entstehung und Entwicklung von Übergewicht und Adipositas Einfluss nehmen. Dazu zählen genetische Faktoren, wie z.B. Diabetes mellitus während der Schwangerschaft, fetale Mangelernährung oder nicht gestillte Kinder, ein inaktiver Lebensstil, eine Ernährung mit zu hoher Energiebilanz, welche sich in Kombination besonders negativ auf die Körpergewichtsentwicklung auswirken sowie psychosoziale Faktoren. Eine Adipositas liegt vor, wenn der Anteil des Körperfettes der Gesamtkörpermasse einen definierten Punkt kritisch überschreitet (vgl. Wabitsch et al., 2005, S. 4).

Um eine genaue Einteilung des Körpergewichts vorzunehmen bestehen verschiedene Möglichkeiten. Auf internationaler Ebene hat sich der Body Mass Index (BMI) zur Bestimmung der Gewichtsklassifikation bei Erwachsenen sowie bei Kindern und Jugendlichen durchgesetzt (vgl. ebd). Um den BMI berechnen zu können, müssen nur das Körpergewicht und die Körpergröße angegeben werden. Die Formel zur Berechnung des BMI setzt sich wie folgt zusammen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Erwachsenenalter wurde der BMI-Wert für Übergewicht bei >25 kg/m2 und für Adipositas bei >30 kg/m2 festgelegt (vgl. ebd). Auf Grund des Wachstums sowie der Pubertätsentwicklung und den daraus resultierenden Veränderungen der Körperzusammensetzung wird der BMI im Kindes- und Jugendalter von geschlechtsspezifischen Veränderungen beeinflusst und die BMI Grenzwerte für Erwachsene können hier nicht eingesetzt werden. Deswegen muss laut der Arbeitsgemeinschaft Adipositas bei der Beurteilung besonders auf das Alter und das Geschlecht Rücksicht genommen werden (vgl. Arbeitsgemeinschaft Adipositas, 2014, S. 21). Die folgenden Abbildungen zeigen die Werte der Perzentilen (P3., P10., P25., P50., P75., P90., P97., P99,5. BMI-Perzentile) des BMI bei Mädchen und Jungen im Alter von 0-18 Jahren, welche nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Adipositas zur Beurteilung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen heran gezogen werden sollen (vgl. Arbeitsgemeinschaft Adipositas, 2014, S. 23).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Perzentilen für den BMI bei Mädchen im Alter von 0-18 Jahren.

Quelle: Kromeyer-Huaschild et al., 2001, S. 811

Abb. 2: Perzentilen für den BMI bei Jungen im Alter von 0-18 Jahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Abbildungen 1 und 2 geben an, wann Mädchen und Jungen im Alter von 0-18 Jahren untergewichtig, normalgewichtig, übergewichtig oder adipös sind und beziehen sich ausschließlich auf die Körpergewichtsentwicklung deutscher Kinder und Jugendlicher. Liegt der Wert Innerhalb des 10. und 90. Perzentils, bewegen sich die Kinder und Jugendlichen, alters- und geschlechtsspezifisch, im Bereich des Normalgewichts. Fällt der Wert unterhalb des 10. Perzentils weisen, sie Untergewicht auf. Als Grenzwert zur Definition von Übergewicht, Adipositas und extremer Adipositas gibt die Arbeitsgemeinschaft Adipositas folgende BMI-Perzentile an.

Tab.1: Definition von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: ArbeitsgemeinschaftAdipositas, 2014, S. 23

Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder und Jugendliche, welche bereits in frühen Jahren an Übergewicht und Adipositas leiden, auch im Erwachsenenalter ein zu hohes Körpergewicht haben, ist nicht auszuschließen (vgl. Wabitsch et al., 2005, S. 11). Im Anschluss an die Definition und das Diagnoseverfahren für die Feststellung von Übergewicht und Adipositas werden Auswirkungen gesundheitlicher Risiken dargestellt.

2.2 Auswirkungen gesundheitlicher Risiken

Übergewicht und Adipositas sind schon lange keine ungewünschten gesundheitlichen Erscheinungen bei Erwachsenen mehr. Die Entstehung und Entwicklung von Übergewicht und Adipositas findet bereits seit einigen Jahren in besorgniserregendem Maße im Kindes- und Jugendalter statt und wird auf Grund des Ausmaßes als ein „Public-Health-Problem“ eingeschätzt (vgl. Kurth/Schaffrath Rosarlo, 2010, S. 645).

Neben motorisch funktionellen Einschränkungen sowie psychosozialen Beeinträchtigungen weisen Kinder und Jugendliche, welche an Übergewicht und Adipositas leiden, ein besonders hohes Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko im Vergleich zu Kindern und Jugendlichen mit Normalgewicht auf (vgl. Kiess et al., 2009, S. 107). Um einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und einer erhöhten Mortalität festzulegen, fehlen jedoch kontrollierte Studien. Es ist jedoch unumstritten, dass ein Zusammenhang besteht (vgl. Dieterle/Landgraf, 2006, S. 148).

Eine zusätzlich negative Gewichtsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht bzw. Adipositas kann durch somatische und psychosoziale

Folgeprobleme verursacht werden (vgl. Hartmann/Hilbert, 2013, S. 534). Im Allgemeinen kann von psychosozialen und physischen Auswirkungen gesprochen werden.

2.2.1 Psychosoziale Auswirkungen

„Viele kulturelle Zeugnisse, insbesondere der Malerei und Literatur, belegen, dass noch im letzten Jahrhundert auch in Deutschland „Wohlbeleibtheit“ oft mit „Wohlsituiertheit“ einherging.“ (Wirth, 2008, S. 56).

Heutzutage werden Menschen mit Übergewicht und Adipositas als negativ wahrgenommen und beide Phänomene sind ein Problem der sozialen Unterschicht (vgl. Wirth, 2008, S. 56). Adipositas und Übergewicht haben nicht nur körperliche Folgen, sondern können sich auch auf die seelische Verfassung auswirken. Dabei können psychische Störungen (Angststörungen, affektive Störungen etc.), psychische Auffälligkeiten (geringes Selbstwertgefühl) und eine verringerte gesundheitsbezogene Lebensqualität hervorgerufen werden (vgl. Warschburger, 2009, S. 206f). Von der Gesellschaft wird Adipositas als ein Zeichen von Bequemlichkeit und geringer Willenskraft gesehen. Dieses negative Bild von adipösen Menschen macht sich bereits im frühen Kindesalter durch soziale Vorurteile und Ablehnung bemerkbar (vgl. Reinehr, 2008, S. 380). Bereits im Kindergarten werden übergewichtige und adipöse Kinder gehänselt und mit Beschimpfungen wie „fette Sau“ oder „Speckmonster“ konfrontiert. In den weiterführenden Schulen sind sie dem Spott und der sozialen Ausgrenzung ihrer Mitschülerinnen ausgesetzt, wodurch ihr Selbstwertgefühl sinkt. Besonders im Sportunterricht werden übergewichtige und adipöse Kinder und Jugendliche auf Grund ihres Körpergewichts abgewiesen und werden häufig als letztes bei Spielen gewählt, da sie das Idealbild der Mitschülerinnen nicht erfüllen (vgl. Gawlik, 2010). Die Folge solcher Situationen ist, dass sich die betroffenen Kinder und Jugendlichen immer mehr zurückziehen und keine sozialen Beziehungen zu gleichaltrigen aufbauen können. Zudem wird mit zunehmendem Alter die Lebensqualität durch Einschränkungen der körperlichen Aktivität auf Grund des hohen Körpergewichts in vielen Bereichen (Sport, Beziehung, Freundschaften, Beruf etc.) verringert und die soziale Teilhabe wird weiter eingeschränkt (vgl. Warschburger, 2009, S. 206).

2.2.2 Physische Auswirkungen

Durch die Entwicklung einer Adipositas im Kindes- und Jugendalter entstehen erhebliche gesundheitliche Risiken und Folgen im Erwachsenenalter. Das höhere Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko im Erwachsenenalter ist wissenschaftlich erwiesen „wobei die Manifestation bereits im Kindesalter einen von der Komorbidität unabhängigen und zusätzlichen ungünstigen Einfluss hat“ (Kiess et al., 2009, S. 107). Besonders häufig treten durch mit Übergewicht und Adipositas assoziierte Krankheiten auf, welche das kardiovaskuläre System sowie die metabolischen und hormonellen Funktionen beeinträchtigen. Zu den Krankheiten, welche das kardiovaskuläre System beeinflussen, zählen Hypertonie, koronare Herzkrankheit, linksventrikuläre Hypertrophie, Herzinsuffiziens und venöse Insuffiziens. Metabolische und hormonelle Funktionen werden durch Diabetes mellitus Typ2, Dyslipidämie, Hyperurikämie und Hyperandrogenämie beeinflusst. Zudem kann es durch die Erkrankung des gastrointestinalen Systems zu einer Cholezystolithiasis (Gallensteine), Refluxösophagitis (Sodbrennen) und der Entstehung einer Fettleber führen (vgl. Wirth, 2008, S. 44). Weitere Folgen auf Grund von Übergewicht und Adipositas können zudem den Bewegungs- und Haltungsapparat betreffen und zu einer Überbelastung der Gelenke führen. Diese sollten nicht unerwähnt bleiben, da diese Folgen besonders die körperliche Aktivität übergewichtiger und adipöser Kinder und Jugendlicher beeinträchtigen.

2.3 Determinanten gesundheitlicher Risiken

Im folgenden Kapitel werden die Auswirkung der körperlichen Aktivität, des Trinkverhaltens sowie der zunehmende Konsum von Energy-Drinks als Determinanten für die Körperentwicklung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland dargestellt. Dabei soll erschlossen werden, warum einige Kinder und Jugendliche an Übergewicht oder Adipositas leiden. Weitere Determinanten für die Entstehung und Entwicklung von Übergewicht und Adiposotas können einen zu starker Medienkonsum, ein falsches Ernährungsverhalten, aber auch soziale Faktoren darstellen.

2.3.1 Körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen

„Gesundheitszustand und Lebensführung stehen unter dem Einfluss körperlicher Aktivität, die für jeden Menschen zur täglichen Routine gehören sollte. Angesichts der Zunahme von Übergewicht und Fettleibigkeit und der damit verbundenen Gesundheitsprobleme ist körperliche Aktivität heute wichtiger denn je.“ (EUFIC, 2008, S.3)

Bei dem Begriff „körperliche Aktivität“ ist besonders darauf zu achten, diesen nicht mit dem Begriff der „sportlichen Aktivität“ zu verwechseln oder als ein und denselben Begriff zu verstehen. Während körperliche Aktivität jede alltägliche körperliche Bewegung beinhaltet, welche durch die Skelettmuskulatur und Muskelstränge ausgeführt wird, ist die „sportliche Aktivität“ als eine Untergruppe der körperlichen Aktivität zu verstehen. Dabei ist es das Ziel durch gezieltes Training, Wettkämpfe und Spaß an der Bewegung höhere körperliche Leistungen zu erreichen, welche über die Leistungen der körperlichen Aktivität heraus führen (vgl. Robert Koch-Institut, 2005, S. 7). Regelmäßige körperliche Aktivität ist jedoch nicht nur für die Gesundheit und das persönliche Wohlbefinden von Vorteil, sondern kann gezielt zur Prävention von Krankheiten eingesetzt werden und sich positiv auf die psychische Gesundheit, die

Lebensqualität sowie die personalen und sozialen Ressourcen auswirken (vgl. Lampert et al., 2007, S. 634). Darüber hinaus liegt diese Empfehlung der WHO für eine moderat-intensive körperliche Aktivität für Kinder und Jugendliche bei mindestens 60 Minuten pro Tag. Zusätzlich sollte diese Empfehlung durch sportliche Aktivitäten erweitert werden, um auch im Erwachsenenalter gesundheitlich davon zu profitieren (vgl. Janssen et al. 2010, S. 2). Abbildung 3 zeigt, dass sich körperliche Aktivität und der Gesundheitszustand im Kindesalter gegenseitig beeinflussen können (A).

Abb. 3: Zusammenhang zwischen körperlicherAktivität und Gesundheit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Rohman, 2007, S.14

Zudem kann sich eine regelmäßige körperliche Aktivität in der Kindheit positiv auf die Aktivität sowie auf die Gesundheit im Erwachsenenalter bemerkbar machen (C/B). Erwachsene, welche bereits während ihrer Kindheit bzw. Jugend häufig körperlich oder sportlich aktiv waren, weisen auch im Alter eine höhere Aktivität auf, im Gegenteil zu Erwachsenen, welche in ihrer Kindheit bzw. Jugend nicht bzw. nur wenig körperlich aktiv waren. Zudem wird die Anfälligkeit für chronische Erkrankungen und Beschwerden im Erwachsenenalter deutlich gesenkt (vgl. Robert Koch-Institut, 2014a, S. 1). Auch im Erwachsenenalter zeigt eine regelmäßige körperliche Aktivität positive Konsequenzen auf den Gesundheitsstatus (D). Die aus der körperlichen Aktivität resultierende Gesundheit in der Kindheit kann wiederum die Gesundheit im Erwachsenenalter beeinflussen (E) und in Kombination mit der körperlichen Aktivität zu einer verbesserten Lebensqualität beitragen.

Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt sich besonders im jungen Alter präventiv auf die physische sowie die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen aus. Bevor man sich jedoch körperlich aktiv bewegen kann, müssen zunächst die Grundtätigkeiten der Bewegung, wie z.B. greifen, gehen, laufen, springen, klettern etc. erlernt werden, welche die Basis der Bewegungsvoraussetzung für körperliche bzw. sportliche Aktivitäten bilden (vgl. Bahret al., 2012, S. 99). Zudem werden durch „Bewegungsaktivitäten im Kindesalter [...] nicht nur die Leistungsfähigkeit des Herz­Kreislauf- und Immun-Systems, sondern insbesondere die Kräftigung der Muskulatur und Körperhaltung zur Vorbeugung gegen Haltungsschwächen und -Störungen“ gefördert (Bahr et al., 2012, S. 100f). Aber nicht allein die körperliche Aktivität beeinflusst den Zustand der körperlichen Gesundheit, sondern auch das Ernährungsverhalten der Kinder und Jugendlichen (vgl. ebd).

Das folgende Kapitel wird sich im Speziellen mit dem Trinkverhalten von Kindern und Jugendlichen befassen.

2.3.2 Trinkverhalten von Kindern und Jugendlichen

Die Gründe für Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter lassen sich einer mangelnden körperlichen Aktivität sowie einem ungünstigen, energiereichen Ernährungsverhalten zuordnen. Demnach kann auch die Vermutung vorliegen, dass es auch einen Zusammenhang zwischen dem Trinkverhalten und der Entstehung von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter gibt. Dies gilt besonders für den Verzehr von zuckerhaltigen Getränken, da diese über einen besonders hohen Energieanteil verfügen (vgl. Robert Koch-Institut, 2013, S.1). Nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) „Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE“ sollten pro Tag ungefähr 1,5 Liter Flüssigkeit getrunken werden. Dies sollte bevorzugt durch Wasser oder energiearme Getränke, wie z.B. ungesüßte Früchtetees oder durch mit reichlich Wasser verdünnte Säfte geschehen.

Abb. 4: Mengenverhältnisse des Getränkekonsums bei Kindern und Jugendlichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Robert Koch-Institut, 2013, S. 4

Abbildung 4 veranschaulicht den Getränkekonsum von Kindern und Jugendlichen im alter von 11-17 Jahren. Bei den Mädchen ist zu erkennen, dass etwas mehr als die Hälfte des Getränkekonsums durch die Aufnahme von Wasser abgedeckt wird. Besonders auffällig ist, dass der Konsum von energiereichen Getränken (Erfrischungsgetränke, Sportgetränke, Säfte) bei den Jungen signifikant höher ist als bei den Mädchen. Zudem wird mehr als ein Viertel des Getränkekonsums bei Jungen durch Erfrischungsgetränke (Limonaden, Cola, Eistee, etc.) abgedeckt. Getränke wie Kaffee und Tee werden nur in den seltensten Fällen konsumiert. Laut optimiX (vgl.

Tab. 2), einem Ernährungskonzept des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund, sollte die Trinkmenge von Kindern und Jugendlich im Alter von 13-14 Jahren bei Mädchen 1200 ml / Tag und bei Jungen 1300 ml / Tag betragen.

Tab. 2: Auszug aus der Tabelle: Empfohlene Lebensmittelverzehrmengen in der Optimierten Mischkost „optimiX“, Kategorie Getränke.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Alter von 15-17 Jahren sollte die empfohlene Menge bei Mädchen auf 1400 ml/Tag und bei Jungen auf 1500 ml/Tag angehoben werden.

Aus der EsKiMo-Studie (s. Kapitel 2.6.1) geht hervor, dass die empfohlenen Trinkmengen bei den Jungen in allen Alterskategorien überschritten werden. Dabei liegt der Getränkekonsum bei den 13-14 jährigen Jungen in etwa 0,5 Liter und bei den 17 jährigen sogar 1 Liter über den Empfehlungen von optimiX (vgl. Mensink et al., 2007, S. 53). Bei den Mädchen zeichnet in allen Alterskategorien ein ähnliches Bild ab. Eine Ausnahme bilden hier jedoch die 6 Jährigen sowie die 7-9 Jährigen, bei denen der Getränkekonsum ca. 50ml/Tag unter den Empfehlungen liegt. Mit steigendem Alter steigt die Menge aber auch bei den Mädchen auf ca. 0,5 Liter Pro Tag über den Empfehlungen an (vgl. ebd).

Tab. 3: Prozentanteil der Teilnehmer, die die Optimix-Empfehlungen erreichen, Kategorie Getränke.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Mensink et al., 2007, S.124

Abbildung 6 zeigt, wie viel Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 12-17 Jahren den optimiX Empfehlungen für die optimale Trinkmenge nachkommen. Von besonderer Signifikanz ist, dass 27% der Mädchen und sogar 21% der Jungen den täglichen Bedarf der Trinkmenge erfüllen. Zudem überschreiten die 12-17 jährigen Mädchen und Jungen ebenfalls die DACH-Referenzwerte der empfohlenen Menge an Flüssigkeit, welche ausschließlich über Wasser dem Körper zugeführt werden soll (vgl. ebd). Trotz der positiven Bilanz der Trinkmengen, trinken Kinder und Jugendliche, mit zunehmenden Alter, immer häufiger Süßgetränke, aber auch Energy-Drinks (s. Anhang, Tab. 8). Aus geschlechtsspezifischer Sicht trinken Jungen signifikant mehr Süßgetränke und Energy-Drinks als Mädchen in der gleichen Alterskategorie (vgl. Mensink et al., 2007, S. 614). Von einem zu starken Verzehr von Süßgetränken und Energy-Drinks sollte aus ernährungsphysiologischer Sicht abgesehen werden.

Weiterführend wird auf den Verzehr von Energy-Drinks sowie auf deren Inhaltsstoffe und die Wirkung auf den Körper bei Kindern und Jugendlichen eingegangen.

2.3.3 Verzehr von Energy-Drinks

Vor ca. 20 Jahren wurde der erste Energy-Drink (RED BULL) für den deutschen Getränkemarkt zugelassen. In den letzten Jahren stieg der Konsum von Energy­Drinks besonders drastisch an. Allein die Marke RED BULL verkaufte im Jahr 2014 weltweit 5,621 Milliarden Dosen von ihrem Getränk und hat den Absatz um 4,2% gegenüber 2013 gesteigert (vgl. Red Bull). Wie bereits in Kapitel 2.5.2 erwähnt wurde, steigt der Konsum von Energy-Drinks im Kindes- und Jugendalter mit zunehmendem Alter an und wird häufiger von Jungen als von Mädchen verzehrt. Genaue Daten vom Verzehr von Energy-Drinks im Kindes- und Jugendalter in Deutschland liegen kaum vor. Zwar geht aus allgemeinen Marktanalysen, wie der Markt- und Medienanalyse (2015), hervor, dass etwas mehr als 30% der ab 14-jährigen mindestens selten Energy-Drinks verzehren, jedoch fehlt es an Studien und Analysen aus Deutschland zum hohen Verzehr von Energy-Drinks sowie im Zusammenhang mit gesundheitlichen Risiken (vgl. BfR, 2013, S. 6). In den USA werden Energy-Drinks sogar unter den Nahrungsergänzungsmitteln aufgeführt und ermöglicht so einen einfacheren Erwerb der Getränke für Kinder und Jugendliche und werden als energieliefernde, leistungssteigernde und als unterstützend bei der Gewichtsabnahme angepriesen (vgl. Goldman, 2013, S. 947). Besonders problematisch ist der Verzehr von Energy-Drinks bei Jugendlichen in Kombination mit Alkohol. Dieses Trinkverhalten taucht vor allem dann auf, wenn Jugendliche auf Partys gehen oder sich mit gleichaltrigen treffen. Zudem kann es bei Kindern und Jugendlichen, welche nicht an Koffein gewöhnt sind, zu einer starken toxikologischen Wirkung führen (vgl. ebd). Ein übermäßiger Verzehr von Energy-Drinks kann zu einer erhöhten Koffeinaufnahme führen und innere Unruhen, Zittern, Schlaflosigkeit, Magenbeschwerden, Schweißausbrüche oder Herzrasen auslösen. In manchen Fällen wird sogar von Personen berichtet, welche nach dem Konsum von einer oder mehreren Energy-Drinks gestorben sind oder Herzattacken erlitten haben (vgl. Goldman, 2013, S. 948). Der Koffeingehalt von Energy-Drinks reicht von moderaten 50 mg bis zu einer alarmierende Menge von 505 mg pro Dose oder Flasche (vgl. Reissig et al. 2009, S. 1). Laut § 4 und § 5 der Verordnung über Fruchtsäfte, einige ähnliche Getränke, Fruchtnektare und koffeinhaltige Erfrischungsgetränke (2013) dürfen Energy-Drinks in Deutschland die folgenden Mengen an Koffein und weiteren Stoffen nicht überschreiten.

Tab. 4: Höchstmengen für bestimmte Stoffe in koffeinhaltigen Erfrischungsgetränken und Energy-Drinks.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz, 2014

Aus dem Bericht „Anlassbezogene Befragung von Hochverzehrern von Energy Drinks“ vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, 2013, S. 67) geht hervor, dass besonders Jugendliche und junge Erwachsene Energy-Drinks verzehren. Zudem werden Energy-Drinks sehr häufig bei körperlich inaktiven Verhaltensweisen, wie z.B. auf LAN-Partys oder während des Videospielens verzehrt sowie während des Besuchs von Discotheken, Musikfestivals oder Sportevents (vgl. BfR, 2013, S.67f). Das Hauptmotiv für den Verzehr von Energy-Drinks ist die Möglichkeit, über einen langen Zeitraum wach zu bleiben und eine bestimmte Leistung abrufen zu können. Dies steht in Verbindung mit mehrstündigen körperlichen Anstrengungen, wie z.B. dem Radfahren bei Sportveranstaltungen, dem Tanzen in Discotheken und auf Musikfestivals. Einzig die Konsumenten auf LAN-Partys weisen die geringste körperliche Aktivität vor (vgl. BfR, 2013, S. 71). Im Verhältnis vom sehr hohen Verzehr von Energy-Drinks zum Problembewusstsein gegenüber Energy-Drinks der Konsumenten zeigen sich jedoch signifikante Defizite. Dass der Verzehr von Energy­Drinks nicht völlig ohne Risiken ist, ist ihnen zwar bewusst, jedoch besitzen Kinder und Jugendliche kaum Wissen über die gesundheitlichen Auswirkungen sowie ein verantwortungsvoller Umgang mit diesen Getränken. Dabei werden Verzehrhinweise von den Herstellern kaum beachtet und es wird davon ausgegangen, dass der Verzehr von Energy-Drinks für die eigene Person unproblematisch sei und es keine Auswirkungen auf die eigene Gesundheit habe (vgl.ebd). Eine aktuelle Studie der Lebensmittelbehörde EFSA belegt, dass besonders Kinder und Jugendliche, welche Energy- Drinks verzehren, zu viel Koffein zu sich nehmen (vgl. foodwatch, 2015). Aufbauend auf diesem Kapitel wird erläutert, was Energy-Drinks sind, welche Inhaltsstoffe sie enthalten und wie diese sich auf den Körper sowie die Gesundheit auswirken können. Im Anschluss daran werden Werbemaßnahmen sowie die Zielgruppe von Energy-Drinks vorgestellt.

2.3.4 Definition von Energydrinks

„Energydrinks sind Getränke, die Koffein, meist mit den Stoffen Taurin, Inosit und Glucuronolacton, oft in hohen Konzentrationen enthalten.“ (BfR, 2008, S. 1)

Der Name der Getränke weist nicht auf den Energiegehalt des Getränks hin, sondern viel mehr auf die hohe Dosierung an Koffein, welche den „Kick“ der Energydrinks versprechen soll (vgl. Melville, 2015). Eine Portion des Energydrinks „MONSTER“ entspricht 500ml und enthält 160 mg Koffein pro 500 ml, was doppelt so viel entspricht wie einer Tasse Kaffee (80 mg / 100 ml). Neben der hohen Dosierung Koffein kommen in der Regel Inhaltsstoffe wie Wasser, Zucker oder Süßstoff, Taurin, Glucuronolacton, Inosit, Vitamine (häufig B-Vitamine), Mineralstoffe, Aroma- und Farbstoffe, seltener auch Ginseng, Ginko Biloba oder L-Carnitin in Energydrinks vor (vgl. Bechthold, 2011, S. 17). Auf Grund der Zutaten, aber besonders wegen der starken Koffeindosierung, sind Energydrinks nicht für Kinder, Schwangere, Stillende und Koffein-empfindliche Personen zu empfehlen (vgl. Bfr, 2008, S. 14f).

Tab. 5: Nährwertangaben von 500ml Monster Energy Drink.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Tabelle 5 zeigt die durchschnittlichen Nährwerte einer 500ml Dose Monster Energy Drink. Nach den D-A-CH-Referenzwerten für Schülerinnen und Schüler im Alter von 13-15 Jahren liegt der Richtwert für die Energiezufuhr bei 2450 kcal / Tag (vgl. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), 2013, S. 34). Bereits durch den Verzehr von nur einer Dose Monster Energy Drink mit 237kcal / 500ml sind bereits knapp 10% des Tagesbedarfs an Energie gedeckt. Durch den besonders hohen Zuckergehalt von 60g / 500ml wird überflüssige Energie geliefert und nur ein sehr geringer Anteil an essenzieller Nährstoffe (vgl. DGE, 2011, S. 28).

Im Folgenden werden Inhaltsstoffe von Energydrinks und ihre Wirkung dargestellt.

2.3.5 Inhaltsstoffe und ihre Wirkung auf den Körper

2.3.5.1 Zucker

Unter Zucker sind alle süß schmeckenden, wasserlöslichen Kohlenhydrate zu verstehen. In Energydrinks kommt Zucker meist in Form von Saccharose und Glukose vor und stellt dem Körper schnellverfügbare Energie zur Verfügung (vgl. Bechthold, 2011, S. 17). 1 g Zucker liefert etwa 4 kcal. Nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte die Aufnahme von zugesetztem Zucker weniger als 10% der Gesamtenergiezufuhr betragen und soll weiter auf weniger als 5% gesenkt werden (vgl. DGE, 2015, S. 1). 10% zugeführter Zucker der Gesamtenergiezufuhr beträgt bei Mädchen und Jungen im Alter von 15-19 Jahren 50-60 g Zucker pro Tag (vgl. Bechthold, 2011, S. 17). Bei dem Verzehr von nur einer 500ml Dose Monster Energy Drink ist demnach die Zufuhr zugesetzten Zuckers bereits gedeckt (vgl. Tab. 5). Nach den 10 Regeln der DGE (2013) sind zuckerreiche Lebensmittelt und Getränke nur in Maßen zu verzehren. Besonders zuckergesüßte Getränke sollten auf Grund ihres hohen Energieanteils nur sehr selten getrunken werden, da sie bei gesteigerter Aufnahme die Entstehung von Übergewicht und Adipositas fördern können.

2.3.5.2 Koffein

Der Inhaltsstoff Koffein wirkt als einziger Zusatzstoff im Energy Drink leistungssteigernd und sorgt für eine Stimulierung des Zentralnervensystems. Je nach Dosierung kann es sich auch auf das vegetative Nervensystem, Herzkreislauf-, Atem- und Nierensystem auswirken. Zudem wirkt sich Koffein auf das Konzentrationsvermögen, die Wachheit sowie auf die Leistungsfähigkeit aus (vgl. Bechthold, 2011, S. 17f). Der Höchstwert, für die zugelassene Menge an Koffein in Energy-Drinks, beträgt 32 g pro 100 ml (vgl. Tab. 4). Eine Dose Monster Energy Drink enthält demnach bereits 160 mg Koffein pro 500 ml. Bei Erwachsenen können bereits bei einer Zufuhr von 200mg Koffein unerwünschte Nebenwirkungen, wie z.B. Nervosität, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, erhöhte Herzschlagfrequenz etc. auftreten (vgl. Bechthold, 2011, S. 18). Besonders beim Verzehr von Energy Drinks kann es zu einer erhöhten Aufnahme von Koffein kommen, da diese Getränke häufig in größeren Mengen und schneller getrunken werden als traditionelle Genussmittel wie Kaffee oder Tee. In Kaffee oder Tee entwickelt Koffein einen bitteren Geschmack, welcher Kinder und Jugendliche davon abhält, sie in großen Mengen zu verzehren. Der hohe Anteil an Koffein in Energy Drinks kann auf Grund des hohen Zuckeranteils, der Säuerungsmittel und der Aromen nicht durch den Geschmack bestimmt werden und wird deshalb häufig konsumiert (vgl. ebd.). Nach § 6 der Verordnung über Fruchtsäfte, einige ähnliche Getränke, Fruchtnektare und koffeinhaltige Erfrischungsgetränke müssen Erfrischungsgetränke, deren Koffeingehalt mehr als 150 mg Koffein pro Liter beträgt, durch die Angabe „erhöhter Koffeingehalt“ sowie der Menge an Koffein in mg pro 100ml gekennzeichnet werden (vgl. Bundesministerium derJustiz und fürVerbraucherschutz, 2013, § 6).

2.3.5.3 Taurin

Eine ebenfalls leistungssteigernde Wirkung soll der Inhaltsstoff Taurin haben. Taurin ist eine im menschlichen Körper vorkommende Aminosäure, welche beim Abbau von Eiweiß bzw. bestimmter Aminosäuren in ausreichender Menge vorkommt. Die Aufnahme von Taurin bei einer gemischten Kost beträgt pro Tag maximal 400 mg (vgl. Bechthold, 2011, S. B18). Von einer gesundheitsgefährdende Wirkung von Taurin als Inhaltsstoff von Energy Drinks ist durch Untersuchungen der EFSA nicht auszugehen. Zudem konnte eine körperliche und mentale leistungssteigernde Wirkung durch die Zufuhr von Taurin wissenschaftlich nicht belegt werden und gilt somit als nicht anerkannte Wirkung (vgl. Rempe,Thielking, 2015).

2.3.5.4 Glucuronolacton

Glucuronolacton ist ein natürliches Stoffwechselprodukt des menschlichen Körpers, welches aus Glukose gewonnen wird und auch in geringen Mengen in Lebensmitteln vorkommt (vgl. ebd.). Es soll den Körper bei der Entgiftung von Umweltschadstoffen unterstützen und die Ermüdung des Körpers bei körperlichen Aktivitäten verlangsamen (vgl. Pankert, 2003, S. 18). Auch durch die zusätzliche Aufnahme von Glucuronalacton ist keine leistungssteigernde Wirkung auf den Körper wissenschaftlich belegt. Die zugelassene Höchstmenge an Glucuronolacton in Erfrischungsgetränken liegt bei 2.400 mg /1 (vgl. Rempe,Thielking, 2015).

2.3.5.5 Inosit

Inosit ist ein Zuckeralkohol, welcher in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln sowie im menschlichen Körper vor kommt und kann aus Glukose selbst synthetisiert werden (vgl. Bechthold, 2011, S. B18). Inosit spielt eine Rolle im Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel und soll die Fettverbrennung sowie die Gedächtnisleistung steigern. Jedoch ist auch hier die Wirkung durch die zusätzliche Aufnahme von Inosit wissenschaftlich nicht belegt (vgl. ebd.)

2.3.6 Gesundheitsbezogene Auslobungen von Enrgy-Drinks

Energy-Drinks werden häufig durch hervorgehobene Auslobungen in der Werbung angepriesen. Wird den Werbeversprechen geglaubt, verleihen Energy-Drinks Kraft und Energie, machen fit und gute Laune, fördern die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit, steigern die Leistungsfähigkeit und Ausdauer, erhöhen die Aufmerksamkeit, stimulieren den Kreislauf etc. und verleihen laut eines der marktführenden Hersteller „Flügel“. Ein Großteil der Werbung stellt jedoch eine gesundheitliche Auslobung von Energy-Drinks dar, welche als sogenannte Health Claims gelten. Aussagen, welche eine Förderung der Gesundheit betreffen, sind nach der Health Claims-Verordnung nur zugelassen, wenn diese auch wissenschaftlich nachgewiesen werden können (vgl. DGE, 2007). Auf einer handelsüblichen Dose RED BULL beispielsweise steht auf der Vorderseite „Belebt Geist und Körper“ und auf der Rückseite „RED BULL Energy Drink - weltweit geschätzt von Spitzensportlern, Studenten, in stark fordernden Berufen sowie bei langen Autofahrten.“ und ist daher nur schwer durch die Health Claims-Verordnung anfechtbar, da diese Definition kaum unter „gesundheitsbezogene Auslobungen“ fallen. Durch die Auslobung „von Spitzensportlern geschätzt“ erweckt RED BULL jedoch den Anschein, dass der Energy Drink mit einem Sportgetränk gleichzusetzen ist. Wissenschaftler warnen jedoch davor, Energy Drinks in Kombination mit Sport oder schwerer körperlichen Aktivitäten zu konsumieren, da schwerwiegende Nebenwirkungen nicht auszuschließen sind (vgl. foodwatch, 2013, S. 4). Die Hersteller des Monster Energy-Drinks bewerben ihre 500ml Dose als den „gewaltigsten Energy-Drink auf Erden“, welcher die richtige Mischung an Zutaten enthalte um den Job zu erledigen „nur so wie es MONSTER kann“. Durch das Adjektiv „gewaltig“ und das Nomen „Monster“ kann davon ausgegangen werden, dass dieser Energy-Drink große Kraft und Ausdauer verleihen soll. Zudem werden auf der Dose „Athleten, Musiker, Punk Rocker, Studenten, Road Warrior, Head Banger, Nerds und Biker“ aufgezählt, welche den Energy-Drink trinken mit dem Zusatz „Du wirst es auch“. Anders als bei RED BULL ist bei Monster nicht nur der Spitzensportler, der Student oder der schwere Beruf angesprochen, sondern viel mehr eine bestimmte Gruppe an Personen, welche vom Musiker über den Studenten bis hin zu Bikern reicht. Es erweckt den Anschein, dass egal wer den Energy-Drink konsumiert, einen Teil dieser Gruppen darstellt und zu den Gruppenmitgliedern gehört.

Neben Werbespots aus dem TV kennt man Energy-Drinks wie RED BULL oder MONSTER besonders von Sportevents, aus dem Extremsport, dem Motorsport, Tanzveranstaltungen, Konzerten und weiteren Veranstaltungen, welche besonders von jüngeren Menschen besucht werden. Die größte und populärste Werbeaktion war jedoch der Stratosphärensprung des Österreichers Felix Baumgartner, welcher Millionen Zuschauer weltweit erreicht hat.

2.4 Trinkverhalten und körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland

2.4.1 Ergebnisse KIGGS-Studie

Die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS), durchgeführt vom Robert Koch-Institut (RKI), hat das Ziel, Daten zur gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu erheben. Von 2003 - 2006 fand die erste KiGGS - Basiserhebung unter der Bezeichnung Kinder- und Jugendgesundheitssurvey statt und es lagen erstmals umfassende und bundesweit repräsentative Gesundheitsdaten für Kinder und Jugendliche vor. Diese Arbeit wird sich auf die KiGGS - Welle 1 des RKI von Juni 2009 bis Juni 2012 beziehen. Bei der

KiGGS - Welle 1 wurden 12368 Kinder und Jugendliche im Alter von 0-24 Jahren zu folgenden inhaltlichen Schwerpunkten befragt:

- körperliche Gesundheit
- psychische Gesundheit
- Gesundheitsverhalten
- Rahmenbedingungen für Gesundheit (bio-psycho-soziale Umwelt)

Wie schon bei der Basiserhebung wurden die Teilnehmer/-innen aus bundesweit 167 Städten und Gemeinden perZufallswahl ausgewählt.

Aus der KiGGS - Studie geht hervor, dass in Deutschland 15% der Kinder und Jugendlichen an Übergewicht leiden. Dabei wurde bei einem Drittel der Betroffenen Adipositas festgestellt. Die Ergebnisse der KiGGS - Studie zeigen, dass die von der WHO empfohlenen 60 Minuten körperlicher Aktivität pro Tag von 27,5% der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren eingehalten werden. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen, welche den Empfehlungen der WHO weniger als an zwei Tagen nachkommen, beträgt 6,3% (vgl. Robert Koch-Institut, 2014a, S. 1). Im Alter von 14 bis 17 Jahren sticht vor allem die Differenz der körperlichen Aktivität zwischen Mädchen und Jungen heraus, welche seltener als an zwei Tagen pro Woche 60 Minuten körperlich aktiv sind. Nach den Ergebnissen kommen 14,8% der Mädchen und bei den Jungen nur 4% nicht den Empfehlungen der WHO nach. Eine stetige Abnahme der körperlichen Aktivität bei Mädchen und Jungen, welche mindestens 60 Minuten pro Tag körperlich aktiv sind, ist mit zunehmendem Alter zu verzeichnen. Eine Zunahme derer, die weniger als an zwei Tagen pro Woche 60 Minuten körperlich aktiv sind, findet mit zunehmendem Alter jedoch nur bei den Mädchen statt (vgl. Robert Koch-Institut, 2014a, S. 3). Kein signifikanter Zusammenhang ist zwischen der täglich körperlichen Aktivität und dem Sozialstatus der Kinder und Jugendlichen ersichtlich. Jedoch gilt, je niedriger der soziale Status ist, desto höher ist der Anteil der Mädchen und Jungen, welche seltener als an zwei Tagen pro Woche 60 Minuten körperlich aktiv sind (vgl. ebd.).

Zusätzlich zu der körperlichen Aktivität üben 77,5% der Kinder und Jugendlichen eine gezielte sportliche Aktivität aus, davon sind 59,7% aktiv in Sportvereinen engagiert. Die KiGGS - Studie zeigt, dass 76,1% der Mädchen und 78,8% der Jungen in etwa gleich häufig sportlich aktiv sind. Die einzige Auffälligkeit hierbei ist, dass 62,5% Jungen signifikant häufiger eine Aktivität im Sportverein ausüben als Mädchen mit 56,8%, was besonders auf die Alterskategorie von 14 bis 17 Jahren zurückzuführen ist (vgl. Robert Koch-Institut, 2014b, S. 3). Ein signifikanter Zusammenhang besteht auch zwischen dem Sozialstatus und der Ausübung von sportlichen Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen. Es ist besonders deutlich zu erkennen, je niedriger der Sozialstatus ist, desto geringer ist der Anteil an Mädchen und Jungen, welche eine sportliche Aktivität ausüben bzw. in einem Sportverein aktiv sind (vgl. ebd.)

Um einen kurzen Überblick über das Trinkverhalten von Kindern und Jugendlichen zu geben, werden Daten der EsKiMo-Studie einbezogen, welche ein Zusatzmodul der KiGGS - Studie ist und im Jahr 2006, zeitversetzt zur KiGGS - Studie, erhoben wurde. Für die EsKiMo-Studie wurden nochmals Kinder und Jugendliche befragt, welche zuvor an der KiGGS-Studie teilgenommen haben. Es wurden mindestens 2400 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 17 Jahren ausgewählt und zwar aus jedem Altersjahrgang 100 Mädchen und 100 Jungen. Aus den Ergebnissen der EsKiMo-Studie geht hervor, dass Wasser das mengenmäßig wichtigste Getränk bei Kindern und Jugendlichen ist. Im Mittel werden von 45% und 51% der Kinder und Jugendlichen beider Geschlechter angeben, Wasser zu konsumieren, gefolgt von Säften mit 27% an zweiter Stelle und Limonaden mit 17% an dritter Stelle (vgl. Mensink et al., 2007, S. 51). Besonders auffällig ist, dass bei Jungen ab 12 Jahren häufiger Limonaden als Obst- und Gemüsesäfte getrunken werden und somit nur noch drittwichtigste Getränkequelle bei den Jungen sind. Tee und Kaffeegetränke haben in den befragten Alterskategorien nur eine geringe Bedeutung, was auch mit zunehmendem Alter zu verzeichnen ist (vgl. ebd.). Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, welche Limonaden trinken, steigt besonders bei den Jungen mit zunehmendem Alter an, was bei Mädchen mit zunehmendem Alter nicht zu verzeichnen ist (vgl. Mensink et al., 2007, S. 52).

2.4.2 Ergebnisse HBSC Studie

Die Kinder- und Jugendgesundheitsstudie „Health Behaviour in School-aged Children“ (HBSC) beschäftigt sich mit den gesundheitsbezogenen Wahrnehmungen, den Einstellungen und Verhaltensweisen von Schülerinnen und Schülern im Alter von 11 bis 15 Jahren der 5., 7. und 9. Klasse. Für diese Studie wurden im Schuljahr 2009/2010 deutschlandweit mehr als 5000 Schülerinnen und Schüler befragt. Die Ergebnisse der HBSC-Studie bilden die Basis der Entwicklung von Maßnahmen der Prävention sowie der Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen.

Die Auswahl der Vergleichsparameter wird sich auf die Themen Körpergewicht, Konsum von Softdrinks und körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland eingrenzen, um einen zielgerichteten Vergleich der Ergebnisse zu gewährleisten.

Die Hauptergebnisse der HBSC-Studie veranschaulichen, dass in allen untersuchten Altersgruppen Jungen tendenziell eine stärkere Prävalenz bezüglich Adipositas und Übergewicht aufweisen als Mädchen. Als adipös bzw. übergewichtig werden insgesamt 8,5 % der Mädchen und 10,8 % der Jungen eingestuft (vgl. HBSC-Team Deutschland, 2011a, S. 1). Entgegengesetzt verhält es sich bei Kindern und Jugendlichen mit Untergewicht. Hier werden 15,1 % der Mädchen und 10,9 % der Jungen als untergewichtig eingestuft, wobei der Geschlechtsunterschied in allen Alterskategorien ähnlich groß ist (vgl. HBSC-Team Deutschland, 2011a, S. 1). Weiterhin zeigt die HBSC-Studie auf, dass ein leichter Anstieg von 0,4 % bei den übergewichtigen bzw. adipösen Jungen im Alter von 13-15 Jahren zu verzeichnen ist. Ein Anstieg von 2,6 % ist bei übergewichtigen bzw. adipösen Mädchen im Alter von 11 bis 13 Jahren zu verzeichnen, welcher in der Alterskategorie von 13-15 Jahren wieder um 1,1% sinkt (vgl. HBSC-Team Deutschland, 2011a, S. 3). Werden die Kinder und Jugendlichen in den Alterskategorien von 11 und 15 Jahren verglichen, ist zu erkennen, dass die Prävalenz untergewichtiger Mädchen und Jungen in beiden Fällen abschwächt. Bei den untergewichtigen Mädchen sinkt der Anteil von 20,5% im Alter von 11 Jahren auf einen Anteil von 11,7% im Alter von 15 Jahren. In derselben Altersspanne sinkt der Anteil untergewichtiger Jungen von 14,5% auf 6,8 % (ebd.). Bei der Betrachtung von Übergewicht/Adipositas im Zusammenhang mit dem familiären Wohlstand fällt auf, dass Mädchen und Jungen aus Familien mit höherem Wohlstand seltener übergewichtig oder adipös sind, als Mädchen und Jungen aus Familien mit einem geringeren Wohlstand. Ein Zusammenhang von Untergewicht und dem familiären Wohlstand macht sich nur bei den Mädchen bemerkbar. Je höher der familiäre Wohlstand, desto höher der Anteil an untergewichtigen Mädchen (vgl. HBSC-Team Deutschland, 2011a, S. 3).

Wie bereits aus Kapitel 2.4.2 hervorgeht, konsumieren besonders Kinder und Jugendliche, wenn sie trinken, Softdrinks oder andere gesüßte Getränke. Des Weiteren ist ein weltweiter Anstieg des Konsums zuckerhaltiger Getränke, wie z.B. Softdrinks zu verzeichnen. Ein enger Zusammenhang zwischen dem Konsum von Softdrinks und der Gewichtszunahme sowie der Entwicklung von Krankheiten wie dem Typ 2 Diabetes werden immer häufiger. Die Hauptergebnisse der HBSC-Studie belegen, dass ein täglicher Konsum von Softdrinks bei 16,9% der Mädchen und 23,7% der Jungen stattfindet (vgl. HBSC-Team Deutschland, 2011b, S. 1) Ein deutlicher Unterschied zwischen Mädchen und Jungen zeigt sich dabei im zunehmenden Alter. Bei den Mädchen nimmt der tägliche Konsum von Softdrinks von 12,8% im Alter von 11 Jahren auf 19,7% im Alter von 15 Jahren um 6,9% zu. Ein wesentlich höherer Anstieg ist bei den Jungen zu erkennen, wo der tägliche Konsum von 17,5% im Alter von 11 Jahren auf 27,7% im Alter von 15 Jahren sogar um 10,2% zunimmt. Der verhältnismäßig größte Anstieg ist jedoch bei den Mädchen und Jungen im Alter von 11-13 Jahren zu beobachten. Hier steigt der tägliche Konsum von Softdrinks bei Mädchen von 12,8% auf 18,0% um 5,2% und bei den Jungen von 17,5% auf 26,5% um 9,0% an (vgl. HBSC-Team Deutschland, 2011b, S. 3). Relativ klein ist der Anteil von Mädchen 12,5% und Jungen 8,3%, die nie Softdrinks konsumieren. Am größten ist der Anteil Jugendlichen, welche mindestens ein Mal pro Woche Softdrinks konsumieren. Dies sind bei den Mädchen 44,4% und bei den Jungen 49,1% Auch hier ist ein leichter Anstieg des Konsums von Softdrinks im Alter von 11-15 Jahren bei Mädchen und Jungen zu beobachten (ebd.). Ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Softdrinks bei Mädchen und Jungen und dem familiären Wohlstand zeigt ein ähnliches Muster. Je höher der familiäre Wohlstand, desto weniger Mädchen und Jungen konsumieren Softdrinks. Besonders auffällig ist dies bei den Mädchen. 27,8% der Mädchen mit niedrigem familiären Wohlstand konsumieren täglich Softdrinks. Dieser Wert fällt um 13,0% Prozentpunkte auf 14,8% der Mädchen mit einem hohen familiären Wohlstand (ebd.) Insgesamt wird mit Hilfe der HBSC-Studie deutlich, dass der Konsum von Softdrinks bei Jungen tendenziell höher ist als der Konsum von Softdrinks bei Mädchen.

In Kapitel 2.3.1 wurde bereits die Definition von körperlicher Aktivität erläutert, als körperliche Bewegung, welche durch die Skelettmuskulatur erbracht wird und einen erhöhten Energieverbrauch auslöst. Aus den Hauptergebnissen der HBSC-Studie geht hervor, dass die körperliche Aktivität von Jungen deutlich höher ist als die der Mädchen. Demnach gehen 14% der Mädchen und 20% der Jungen den Empfehlungen der WHO von 60 Minuten gesundheitswirksamer Aktivität pro Tag nach. Jedoch zeigt der Trend, dass mit steigendem Alter der Mädchen und Jungen, auch ein Rückgang der gesundheitswirksamen Aktivität zu verzeichnen ist. Nur 8,6% der Mädchen und 13,6% der Jungen im Alter von 15 Jahren sind aus gesundheitswirksamer Sicht ca. eine Stunde pro Tag körperlich aktiv (vgl. HBSC- Team Deutschland, 2011c, S. 1). Nie oder höchsten an ein bis zwei Tagen 60 Minuten körperlich aktiv pro Tag sind bei den Mädchen im Altervon 11-15 Jahren 24,8% und bei den Jungen in derselben Altersgruppe 18,5%. Sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen steigt die Anzahl derer, welche nie oder höchsten an ein bis zwei Tagen 60 Minuten pro Tag körperlich aktiv sind, mit steigendem Alter an (vgl. HBSC-Team Deutschland, 2011c, S. 3). An mindesten fünf bis sieben Tagen 60 Minuten pro Tag körperlich aktiv sind 45,9% der Mädchen und 53,9% der Jungen im Alter von 11 Jahren. Die Tendenz zeigt jedoch, dass mit steigendem Alter bei Mädchen sowie den Jungen, welche mindesten fünf bis sieben Mal 60 Minuten pro Tag körperlich aktiv sind, die körperliche Aktivität deutlich sinkt. Bei den Mädchen sinkt die Anzahl von 45,9% im Alter von 11 Jahren auf 29,3% im Alter von 15 Jahren. Auch bei den Jungen ist ein deutlicher Rückgang von 53,9% im Alter von 11 Jahren auf 39,3% im Alter von 15 Jahren zu erkennen (vgl. ebd.). Ein Zusammenhang zwischen höherem familiären Wohlstand und dem Aktivitätsniveau ist bei beiden Geschlechtern erkennbar, jedoch ist es in der Tendenz bei den Mädchen deutlich ausgeprägter als bei den Jungen (vgl. HBSC-Team Deutschland, 2011c, S. 1).

Während unter körperlicher Aktivität alle Bewegungen verstanden werden, welche durch das gesamte Skelett- und Muskelsystem ausgelöst werden, ist die sportliche Aktivität eine körperliche Aktivität mit dem Ziel, durch geplante, strukturierte und wiederholende Bewegungen die körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern bzw. zu verbessern. Die Hauptergebnisse der HBSC-Studie belegen, dass 5,3% der Jugendlichen nicht sportlich aktiv sind und 31% der Jugendlichen mindestens vier Stunden pro Woche sportlich aktiv sind (vgl. HBSC-Team Deutschland, 2011d, S. 1). Vergleicht man die sportliche Aktivität von gleichaltrigen Mädchen und Jungen, ist zu erkennen, dass Jungen aktiver sind als Mädchen. Auch mit höherem Alter steigt die Differenz sportlicher Aktivität von Mädchen und Jungen an. Im Alter von 15 Jahren sind 72,9% der Jungen und 57% der Mädchen mindesten zwei Stunden pro Woche gesundheitswirksam sportlich aktiv. Trotzdem ist ein Anstieg bei Mädchen und Jungen, welche mindestens zwei Mal pro Woche sportlich aktiv sind, mit zunehmenden Alter erkennbar (vgl. HBSC-Team Deutschland, 2011d, S. 2). Auch die Daten des Zusammenhangs zwischen familiären Wohlstand und sportlicher Aktivität zeigen, dass Mädchen und Jungen, mit höherem familiären Wohlstand, deutlich aktiver sind als Mädchen und Jungen mit niedrigerem familiären Wohlstand, welche mindestens vier Stunden pro Woche körperlich aktiv sind. Die Differenz zwischen einem niedrigem und hohem familiären Wohlstand bei Mädchen und Jungen, welche mindestens vier Stunden pro Woche sportlich aktiv sind, liegt bei den Mädchen mit 16,7% und bei den Jungen mit 11,2% (vgl. HBSC-Team Deutschland, 2011d, S. 3).

3. Planung und Durchführung einer empirischen Untersuchung

Der erste Teil dieser Arbeit dient dazu, einen Überblick über die derzeitige Situation sowie die daraus entstehenden Probleme von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter zu veranschaulichen. Mit Hilfe von Studien wie der KiGGS- und HBSC-Studie wird der gegenwärtige Forschungsstand zu den Ursachen der epidemischen Verbreitung von Übergewicht und Adipositas dargestellt. Zudem wird das Konsumverhalten von Kindern und Jugendlichen in Bezug auf Energy-Drinks sowie deren Bedeutung für gesundheitliche Risiken veranschaulicht. Basierend auf diesem erarbeiteten theoretischen Rahmen folgt im zweiten Teil dieser Arbeit die daraus resultierende empirische Untersuchung.

3.1 Methodisches Vorgehen

Bei dieser empirischen Untersuchung handelt es sich um eine Querschnittstudie. Mit Hilfe der vorgestellten KiGGS- und HBSC-Studie sowie des Endberichts des BfR „Anlassbezogene Befragung von Hochverzehrern von Energy-Drinks“ wurde der für die Befragung notwendige Fragebogen erstellt. Der Fragebogen ist in die Kategorien Fragen zur Person, allgemeines Trinkverhalten, Trinkverhalten in Bezug auf den Konsum von Energy-Drinks und körperliche Aktivität als Determinanten für Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter gegliedert. Für die Untersuchung wurde eine Gesamtschule sowie ein Gymnasium aus dem Kreis Paderborn ausgewählt. Bei jeder Schulform wurde jeweils der komplette 8. Jahrgang untersucht. An der Gesamtschule haben insgesamt 155 Schülerinnen und Schüler im Alter von 13-15 Jahren, mit zwei Ausnahmen von 16 Jahren, an der Befragung teilgenommen, wovon 70 Mädchen und 85 Jungen waren. Am Gymnasium haben insgesamt 119 Schülerinnen und Schüler im Alter von 13-15 Jahren an der Befragung teilgenommen wovon 61 Mädchen und 58 Jungen waren. Beide Schulen sind in der Nähe von Wohngebieten angesiedelt. Der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und/oder niedrigerem familiären Wohlstand, der befragten Schulformen, ist an der Gesamtschule höher als am Gymnasium.

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Details

Seiten
103
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668053397
ISBN (Buch)
9783668053403
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307280
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,3
Schlagworte
Energy Drinks Energy Drink Energydrinks Energydrink Gesundheit gesundheitliche Bedeutung Taurin Koffein

Autor

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Titel: Zur gesundheitlichen Bedeutung von Energy Drinks im Kindes- und Jugendalter