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Epitaphien als Ausdruck zahlreicher Botschaften an die Nachwelt

Ein Essay

Essay 2015 10 Seiten

Geschichte - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklungsgeschichtlicher Überblick des Epitaphs

3. Formaler Aufbau

4. Repräsentation und Religion

5. Erläuterung am Beispiel eines Epitaphs von St. Peter in München

6. Schluss

Bibliographie

Abbildungsverzeichnis

„ Von allen Grabdenkmaltypen bot einzig das Epitaph genügend Spielraum für den individuellen [] Ausdruck des Auftraggebers [.].“[1]

1. Einleitung

Beim genaueren Betrachten der Außenwände der Pfarrkirche von St. Peter fallen dem Betrachter sofort zahlreiche steinerne Platten ins Auge, die um die ganze Kirche verteilt sind. Solche Gedenkplatten, genannt Epitaphien, sollen die Nachwelt an den Verstorbenen erinnern, welcher meist an anderer Stelle begraben liegt. Im Fall der Pfarrkirche von St. Peter in München erstrecken sich diese über mehrere Epochen bis ins 19. Jahrhundert hin und sind von verschiedenster Gestalt. Die Ausprägungen dieser Gattung der (Grab-) Denkmäler sind Thema des vorliegenden Aufsatzes im Rahmen des Seminars zum Pfarrarchiv von St. Peter. Im Verlauf des Semesters wurden mehrere Sitzungen im Archiv der Kirche abgehalten, um Originaldokumente im Zusammenhang kirchlicher Angelegenheiten näher zu untersuchen. Diese reichten von päpstlichen Urkunden bis über das königliche Wappenbuch, in das sich jeder neue Herrscher Bayerns eintragen ließ.

Die vorliegende Arbeit soll einen kurzen Überblick über die Entwicklungsgeschichte des Epitaphs, das seinen Ursprung im 14. Jahrhundert hat, geben. Anschließend wird dessen formaler Aufbau genauer beleuchtet und detaillierter über Inhalt, Aufbau und Ikonographie berichtet. Ein weiteres nicht zu vernachlässigendes Thema in diesem Zusammenhang ist die Pfarrei als Ort bürgerlicher Repräsentation. Was kann ein Epitaph über den Auftraggeber an die Nachwelt berichten? Welche Botschaft sollte überbracht werden? Neben Repräsentation und Informationscharakter gab es jedoch noch die religiöse Komponente, auf die ich ebenfalls eingehen werde. Abschließend werden die bis dato zusammengetragenen Ergebnisse an einem konkreten Beispiel genauer dargestellt und erläutert.

2. Entwicklungsgeschichtlicher Überblick des Epitaphs

Aufgestellte Grab- bzw. Denkmäler gibt es schon seit frühester Zeit, etwa in der Form von Grabplatten, freistehenden Tumben-Grabmälern, Gedenk- sowie Stiftungstafeln mit Gedächtnisinschriften. Früheste Funde deuten auf eine Ausprägung des Epitaphs als gesonderte Gattung der Denkmäler in der Spätgotik[2] hin, wo es aller Wahrscheinlichkeit nach aus der Standfigur hervorging und speziell im deutschen und niederländischen Raum anzutreffen ist. Der Begriff „Epitaph“ findet seinen Ursprung im griechischen, und bedeutet so viel wie „zum Grab bzw. Begräbnis gehörig“ Die Inschrift war zu dieser Zeit noch dem Grabmal selbst recht ähnlich, der merklichste Unterschied war die Nennung einiger Verwandter, die aber natürlich nicht direkt am Ort des Grabes selbst bestattet sind, sondern nur der Vollständigkeit halber genannt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Epitaph für drei früh verstorbene Kinder derer von Helmstatt: Johann Adam († 1605), Pilipp Ludwig († 1617) und Maria Agnes († 1619); Totenkirche Neckarbischofsheim

Im 14. Jahrhundert kommt zu der bereits standardmäßig verwendeten Phrase „anno domini obiit“ noch die Ergänzung um die Fürbittenformel „cuius anima requiescat in pace“[3] hinzu, welche zum Gebet und an das Gedenken an den Verstorbenen aufrufen soll.

Außerdem setzt sich die Platzierung an einer Wand, also hängend, durch. Vereinzelt werden im 16. Jahrhundert noch Standepitaphe ausgemacht. War deren Gestaltung zunächst, wie in Abbildung 1, eher schlicht, so gab es beispielsweise in der Renaissance viele Größen und Formate, die architektonisch gerahmt waren, also einen Giebel besaßen. Im Zeitalter des Barock tauchten immer fantasievollere Gesamtumrisse auf. Ebenfalls im 16. Jahrhundert gelangt man von der Einzelszene zum sehr detaillierten Bildprogramm, in die der Stifter fast immer integriert ist, ansonsten wurde er stehend daneben dargestellt. Eine Wende ist deutlich im Übergang vom 16. Zum 17. Jahrhundert erkennbar, als dass vollplastische Bildbestandteile merklich räumlich heraustreten. Seit Ende des 19. Jahrhundert gibt es auch eine offizielle Unterscheidung zwischen Grabmal und Epitaph, letzteres wird nun als Sonderform von Totengedächtnismalen geführt und ist somit funktional vom Grabmal differenziert zu sehen. Eine faktische genaue Abgrenzung ist jedoch in den meisten Fällen eher schwierig, da Grabmäler und Gedenksteine oft versetzt wurden und heute nicht immer an ihrem ursprünglich angedachten Platz stehen bzw. hängen.

3. Formaler Aufbau

Material der Epitaphien war vornehmlich Stein, gefolgt von Ton, Stuck und Metall. Es gibt aber auch Exemplare, welche auf Holz oder Glas gemalt oder graviert wurden, sogar auf Tuch und in Teppichen sind sie zu finden, obgleich die prominentesten Vertreter dieser Gattung jedoch aus steinern und an Kirchenmauern angebracht sind. Inhaltlich war als Textsprache bis ins 14. Jahrhundert stets das Latein verwendet worden, im 15. Jahrhundert setzte sich dann auch die Volkssprache im deutschen Raum durch. Anfangs handelte es sich um kunstvoll gereimte Texte, die dann metrischen Inschriften für vor allem hohe geistliche Würdenträger wichen. Im Barock konnte sich dann das Grabgedicht neuer Blüte erfreuen. Essentiell waren stets der Name des Verstorbenen, das Todesdatum, sein gesellschaftlicher Stand sowie Titel oder Berufsbezeichnung. Quellengeschichtlich ist das Epitaph insofern außergewöhnlich, als dass es sich in den meisten Fällen um Unikate handelt, die ortsgeschichtlich sehr aussagekräftig sein können; während es bei z.B. schriftlichen Quellen durchaus angefertigte Kopien geben kann, die den Ort und Besitzer wechseln können. In den ersten Exemplaren sind Wappen oft obligatorischer Bestandteil, sowie eine Figur des Toten in standesüblicher Tracht. Noch im späten 17. Jahrhundert wurden Adelige in voller Rüstung inklusive Helm und Zierde dargestellt, während städtische Amtsträger die jeweils moderne Straßenkleidung trugen. Bereits im 16. Jahrhundert war es üblich, Familiengrabmäler zu gestalten, sodass teilweise zwei Generationen von toten und lebenden Familienmitgliedern auf dem Epitaph des Verstorbenen zu sehen sind. Zentral sind stets der Leichentext, indem die persönlichen Angaben nebst Lebensstationen standen, sowie Fürbitten und Botschaften der Toten an die Lebenden.

4. Repräsentation und Religion

Zweifelsohne sollte eine öffentlich sichtbare Gedenktafel auch dem Zweck der Repräsentation des Toten und seiner Familie dienen. Die Stellung des Stifters in der Gesellschaft war am Ort der Platte (also im Innenraum der Kirche oder an den Außenwänden), der Größe und der Gestaltung ersichtlich. Beispielsweise konnte im Chorraum der Kirchen nur der Klerus Platten anbringen. Nur ein kleiner Kreis aus Adeligen und wohlhabenden Bürgern konnte sich gegen hohe Gebühren einen Platz im Innenraum sichern, die dazu oftmals noch monumental ausgestaltet waren und eine architektonische Rahmung aus Stein aufwiesen. Auf diese Weise konnte der Status für die Nachwelt festgehalten werden und trug zum Prestige der jeweiligen Familie bei. Die Preise waren also gestaffelt, vom Chorraum bis hin zur Außenwand oder gar im Kirchhof. Angehörige der Unterschichten konnten sich meistens gerade so eine Grabstelle im örtlichen Friedhof leisten, ohne eine Gedenkplatte erwerben zu können. Neben dem Repräsentationsgedanken stand im religiösen Zusammenhang das Seelenheil des Stifters im Mittelpunkt, dass er sich durch die Geldspende für sein Epitaph erhoffte. Hinzu kam, dass der öffentlich zugängliche Ort der Epitaphien Passanten und Hinterbliebene dazu auffordern sollte, ein Gebet oder eine Fürbitte für den Stifter zu sprechen. Neben dieser Aufforderung war zudem oftmals – konfessionsübergreifend - eine Mahnung im Sinne des „Memento-Mori-Gedankens“[4] enthalten. Dieser Spruch der Toten an die Lebenden lautete oft „quod tu es ego fui, id quod sum tu eris“. [5] Das späte Mittelalter und auch die frühere Neuzeit waren beide sehr vom Tod und Sterben geprägt. Der Tod als solches stellte eine massive Bedrohung der Lebenden dar, der im christlichen Empfinden nur durch die Glaubensgewissheit und Frömmigkeit der Lebenden zu meistern war.

5. Erläuterung am Beispiel eines Epitaphs von St. Peter in München

Abbildung 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das steinerne Denkmal aus rötlichem Marmor weist einen architektonisch typischen Giebel auf sowie einen verzierten Außenrand. Am oberen Ende der Platte ist das Wappen des Kurfürsten ersichtlich, am unteren Ende eine florale Verzierung und darüber der typische Fürbittenspruch „requiescat in pace“ – ruhe in Frieden. Den meisten Platz nimmt der obligatorische Leichentext ein. Dieser beschreibt zunächst die gesellschaftliche Stellung des Toten (nämlich Kurfürst) sowie seinen Abstammungsort bzw. in diesem Fall den Stammsitz der Familie. Ein weiterer Satz verkündet dessen Stellung im Heer (Obrist Lieutenant), sowie sein Sterbedatum. Das Geburtsdatum zu nennen war eher untypisch, vielmehr wurde das erreichte Lebensalter hinzugefügt. Im Allgemeinen entspricht diese eher nüchterne Form sehr dem Typus des 18. Jahrhunderts. Nachfolgend angeordnet sind noch weitere Beispiele von Epitaphien der Pfarrkirche von St. Peter.

Abbildung 4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Hengerer, Mark. Macht und Memoria. Begräbniskultur europäischer Oberschichten in der Frühen Neuzeit. Köln u.a. 2005, S. 37.

[2] Epoche der Kunst und Architektur, um 1140 in Frankreich entstanden und bis etwa 1550 in Mitteleuropa präsent.

[3] Deutsche Übersetzung: „Er starb im Jahr…“ und „seine Seele in Frieden ruhe“.

[4] Deutsche Übersetzung: „Bedenke, dass du stirbst!“

[5] Deutsche Übersetzung: „Was du bist, bin ich gewesen; was ich bin, wirst du sein!“

Details

Seiten
10
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668052666
ISBN (Buch)
9783668052673
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307148
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Bayerische Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
St. Peter München Epitaphien Grabdenkmäler Denkmäler Grabplatten Memento Mori Grabkultur Gedächtniskultur Pfarrarchiv Gesellschaft Leichentext

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