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„..sollst sanft in meinen Armen schlafen“. Das Todesmotiv im frühen Liedwerk Franz Schuberts

von Marc Felsbrecher (Autor)

Hausarbeit 2012 9 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Analyse früher Schubertlieder
1.1 „Der Jüngling und der Tod“ (D.545)
1.2 „Der Tod und das Mädchen“ (D.531)

2 Das Todesmotiv in den frühen Liedern Schuberts

3 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Der Tod ist in Schuberts Vorstellung keine biblische Strafe, keine verdiente Züchtigung unserer Sünden. Der Vertraute und Trostbringer tut uns die Pforten zur anderen Welt auf. Das Skelett aus den mittelalterlichen Totentänzen, das seine Fratzen in solchen Gedichten noch schneiden darf, die Schubert aus der Epoche vor der Aufklärung in jungen Jahren übernimmt, weicht der Figur aus griechischen Kulten, der eleuischen Religion oder der des Pythagoras. Der schöne Jüngling der Grieche, der eine zu Boden gesenkte Fackel in der Hand hat, ist ein Doppelgänger jenes „Schlafes Bruder“, der dem jungen Mädchen die tröstlichen Worte ins Ohr raunt.“[1]

- Dietrich Fischer-Dieskau

Das Frühjahr 1817 stellte einen Einschnitt im Leben des erst 19-jährigen Franz Schubert dar: War er erst im Herbst 1816 aus dem elterlichen Haus in Wien ausgezogen, so wohnte er jetzt mit seinem Freund Franz von Schober in der Landskrongasse und wurde, der Aufsicht des Vaters entkommen, von diesem in den musikalischen Zirkel von Wien eingeführt.[2]

Er machte Bekanntschaft mit Leopold von Sonnleithner, Johann Michael Vogl und Josef von Spaun, der mit seinem Gedicht „ Der Jüngling und der Tod“ die Textvorlage für Schuberts gleichnamiges Kunstlied liefern sollte.[3]

In besagtem kreativem Umfeld schrieb Schubert seine frühen Lieder „ Der Tod und das Mädchen“ (Februar 1817, D.531, op.7/3) sowie „Der Jüngling und der Tod“ (März 1817, D. 545, WoO). Während das erstgenannte Werk auf einem Gedicht von Matthias Claudius beruht, ist das zweite Lied reaktionär, also als ein Gegenstück zu „ Der Tod und das Mädchen“, nach einem Gedicht von Schuberts Freund Josef von Spaun entstanden.[4]

Entsprechend der korrespondierenden Thematik und Entstehungszeit weisen besagte Lieder starke inhaltliche sowie musikalische Parallelen auf. Ziel dieser kurzen Abhandlung soll es sein, eine vergleichende musikalische Analyse dieser Lieder mit besonderem Blick auf das von Schubert verwendete Todesmotiv („Wie wird der Tod musikalisch dargestellt?“) durchzuführen. Meine Ausführungen beziehen sich hierbei immer auf die Notenausgabe von Breitkopf und Härtel (Franz Schuberts Werke: Kritisch durchgesehene Gesamtausgabe XX/5, 1895, No.312b bzw. No.302).

1 Analyse früher Schubertlieder

1.1 „Der Jüngling und der Tod“ (D.545)

Das vorliegende Lied für Singstimme in Begleitung des Pianoforte lässt sich grob in eine Strophe des Jünglings (T. 4-25) sowie in eine Strophe des Todes (T. 27-33) unterteilen, hinzu kommt eine kurze Klavierüberleitung (T. 24-26) sowie ein Vor- und Nachspiel. Das Lied ist durchgängig im alla breve Takt notiert und in einem „sehr langsamen“ (Schubert bezeichnete das Tempo in seinen Liedern stets auf deutsch[5] ) Metrum vorzutragen. Die Gesamtlänge beträgt 35 Takte, es handelt sich um ein auskomponiertes Lied ohne notierte Wiederholungen.

Inhaltlich vertont das Klavierlied ein Gedicht Joseph von Spauns. Das lyrische Ich (der Jüngling) fleht hier den Tod an, es von seinem irdischen Leid zu erlösen und „in schönere Welten zu ziehen“. In der folgenden Strophe des Todes erhört dieser wohlwollend die Bitte des lyrischen Ichs und bietet an „sich seiner Qual zu erbarmen“.[6]

Das Lied beginnt mit einem Klaviervorspiel in cis-moll, der Tonart „der heißen Sehnsucht und des innigsten Verlangens[7] “. Das Motiv, dominiert von doppelt punktierten Vierteln mit scharfen Sechtzehntelnoten, weckt die Erinnerung an einen Trauermarsch. Auffällig ist auch die absteigende Lamentobasslinie, die der Einleitung einen klagenden Charakter gibt.

Es folgt die Strophe des Jünglings, die, beginnend in A-Dur (T. 5), viel Modulation aufweist. In den Takten 5-9 erinnert die Singstimme rhythmisch an das Motiv aus der Einleitung; im Bass der Begleitung findet sich ebenfalls der punktierte Rhythmus wieder. Harmonisch bewegt sich Schubert über verminderte Akkorde (T. 7,8) zu einem offenen E-Dur Dominantseptakkord, der mit einer Fermate gehalten wird (T. 9).

[...]


[1] Dietrich Fischer-Dieskau, „ Auf den Spuren der Schubert-Lieder“, S. 105, Z.1

[2] Vgl. Hans A. Neunzig, „ Lebensläufe der deutschen Romantik“, S. 91f

[3] Ebd.

[4] Vgl. Marie-Agnes Dittrich, „Für Menschenohren sind es Harmonien. Die Lieder“, in: W.Dürr, A.Krause, „ Schubert Handbuch“ S. 203

[5] Vgl. Dietrich Fischer-Dieskau, „ Auf den Spuren der Schubert-Lieder“, S. 105

[6] Vgl. Dietrich Fischer-Dieskau, „ Auf den Spuren der Schubert-Lieder“, S. 122

[7] Vgl. Marie-Agnes Dittrich, „Für Menschenohren sind es Harmonien. Die Lieder“, in: W.Dürr, A.Krause, „ Schubert Handbuch“ S. 203

Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668054332
ISBN (Buch)
9783668054349
Dateigröße
804 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307092
Note
1,3
Schlagworte
Franz Schubert Analyse vergleichende musikalische Analyse frühe Lieder Motiv Tod

Autor

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    Marc Felsbrecher (Autor)

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