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Reality-TV als Aushandlungsort der eigenen Lebensführung. Das Reality-TV-Format "Der Bachelor"

Eine Analyse der gesellschaftlichen Relevanz

Hausarbeit 2013 21 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung von Reality-TV im deutschen Fernsehen

3. Darstellungsmittel und Charakteristika von Reality-TV-Formaten und Reality Soaps
3.1 Darstellungsmittel und Charakteristika von Reality-TV
3.2 Darstellungsmittel und Entwicklung von Reality Soaps im deutschen Fernsehen

4. Die Gesellschaftliche Relevanz von Reality-TV und die Thematisierung des Alltags

5. Exemplarische Analyse der Reality Soap Der Bachelor
5.1 Der Bachelor
5.2 Exemplarische Analyse von Episode 5, Staffel 2

6. Fazit

7. Filmverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Er hat Geschmack, eine romantische Ader und ist auf der Suche nach der wahren Liebe“ (o.V.,RTL, 2012). So kündigt der Fernsehsender RTL den Start der zweiten Staffel der Reali- ty-TV Sendung Der Bachelor im Januar 2012 an. Von Kritikern als „Spuk“ mit „schlecht aus- gesuchten Protagonisten“ in „plumper Inszenierung“ (Hoff, 2012) betitelt, wird das Format ein Erfolg mit durchschnittlich 4,7 Millionen Zuschauern (vgl. o.V., Werben und Verkaufen, 2012). Formate wie Der Bachelor, die dem Reality-TV zugeordnet werden können dominie- ren das Programmangebot der Privatsender und sind heute ein etablierter und wirtschaftlich bedeutender Bestandteil der deutschen Fernsehlandschaft. Diese Tendenz belegen eben- falls Zahlen: Der Anteil von Reality-TV Sendungen im Jahr 2011 lag bei den Fernsehsendern VOX und RTL bei 40 und 38 Prozent (vgl. o.V. Hamburger Abendblatt, 10.04.2012). Dane- ben sendeten VOX und RTL an einem durchschnittlichen Tag jeweils etwa neun Stunden Reality-TV Sendungen (vgl. ebd.). Dabei kommen immer wieder neue Formate auf den Markt, die sich mit anderen Genres wie Spiel- und Gameshows, Soaps oder auch Dokumen- tationen vermischen. Reality-TV ist einem stetigen Wandel unterzogen und besteht, wie ein Blick in das aktuelle Programmangebot der Fernsehsender beweist, aus einem Konglomerat verschiedenster Formate, die heute ebenfalls einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor für Pri- vatsender bilden. Sendungen wie Deutschland sucht den Superstar (RTL, 2002) oder Bauer sucht Frau (RTL, 2005) werden bereits in der zehnten und achten Staffel ausgestrahlt und haben bis zu 32,4 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe1 (vgl. RTL Presse- mitteilung 2011).

Doch welche strukturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen sind für den großen Erfolg von Reality-TV Sendungen verantwortlich, dass die Inszenierung des Alltags Nichtprominen- ter beim Rezipienten trotz des schlechten Images auf so viel Aufmerksamkeit stößt? Diese Frage versucht die vorliegende Arbeit anhand theoretischer Grundlagen zu ergründen. Zu- nächst werden die Entwicklung von Reality-TV Formaten in Deutschland beschrieben und die Merkmale von Reality-TV und Reality Soaps als Subgenre herausgearbeitet. Hier werden insbesondere die Arbeiten von Klaus (2003), Lücke (2002), Keppler (1995), Hill (2005) sowie Oulette und Murray (2005) als theoretische Grundlage dienen. Im Anschluss soll eine Erklä- rung für die gesellschaftliche Relevanz und den Erfolg von Reality-TV Sendungen als auch deren erfolgreiche Thematisierung des Alltags anhand von Schriften zur Individualisierung von Beck (1983, 1986), Müller (1995) und dem Verständnis von Fernsehen als Mikropolitik und Teil der eigenen Lebensführung (Seier, 2009) gefunden werden. Anschließend erfolgt die Anwendung der theoretischen Erkenntnisse exemplarisch auf eine Folge der zweiten Staffel der Reality Soap Der Bachelor (RTL, 2012) mit einer abschließenden Diskussion im Fazit.

2. Die Entwicklung von Reality-TV Formaten im deutschen Fernsehen

Erstmals erschienen Reality-TV Formate auf dem amerikanischen Markt. Clissold identifiziert das amerikanische Versteckte-Kamera-Format „Candid Camera“ aus dem Jahre 1948 als erste Form eines Reality-TV Programms: „Candid Camera set the industry standard for cap- turing individuals in unguarded moments using an unobstrusive camera while it also helped to reinforce [...] an aesthetic to which recent Reality-TV programming is indepted.“ (Clissold, 2004: 33). Seit 1988 wurden amerikanische Reality-TV-Formate immer erfolgreicher und es wurden weitere Formate des Genres wie beispielsweise Rescue 911 oder A current Affair produziert, die auch für deutsche Sendungen als Vorlage dienten (Vgl. Wegener, 1994: 18). In der vorliegenden Arbeit soll zwar ausschließlich die Entwicklung von Reality-TV-Formaten in Deutschland betrachtet werden, dennoch hatten die Strukturen des amerikanischen Mark- tes beträchtlichen Einfluss auf den deutschen Fernsehmarkt und führten zu einer „neuen Form der Amerikanisierung des deutschen Fernsehprogramms“ (Vgl. Hallenberger, 1995a: 13).

Dabei gibt es verschiedenste Ansätze, Reality-TV zu definieren. Grimm (1995) definiert Rea- lity-TV breit gefasst als „Programmform“, die „mit dem Anspruch auftritt, Realitäten im Sinne der alltäglichen Lebenswelt anhand von Ereignissen darzustellen“ und „die das Gewohnte der Alltagsroutine“ durchbrechen (Grimm, 1995: 81). Für Grimm steht dabei das „kritische Lebensereignis, das mit der gewohnten Alltagsroutine kontrastiert“ (ebd.) wird, im Zentrum seiner Überlegungen. Andrea Keppler (1994) hingegen differenziert zwischen „performativen Realitätsfernsehen“ (Keppler, 1994: 8), zu dem sie auch Unterhaltungssendungen des Reali- ty-TV zählt, und dem „narrativen Realitätsfernsehen“ (ebd.: 8), in dem der Zuschauer mit der „authentischen oder nachgestellten Wiedergabe tatsächlicher Katastrophen“ (ebd.) unterhal- ten wird. Für die in Kapitel fünf folgende Analyse der Reality Soap „Der Bachelor“ (RTL 2012) soll das Verständnis Kepplers als Grundlage dienen, da diese Reality Soap dem per- formativen Realitätsfernsehen zugeordnet werden kann und die Definition Kepplers damit eine breit angelegte Basis für die Analyse der vielfältigen Reality-TV Format darstellt.

Schon bevor Reality-TV Formate Einzug in die deutschen Haushalte hielten, hat sich die Fernsehlandschaft mit der Einführung des dualen Rundfunksystems 1984 (vgl. Hickethier, 1998: 414) und einer damit verbundenen neuen „Kanalvielfalt“ (Hallenberger/Schulze, 2000: 14) in Deutschland zunehmend heterogen entwickelt. Hallenberger und Schulze betrachten diesen entscheidenden Wandel von ausschließlich öffentlich-rechtlichen Sendern hin zu ei- ner Mischform mit kommerziell orientiertem Privatsenden als Basis für die Entwicklung einer neuen Kanal- und Programmvielfalt und eines „individualisierten Fernsehens“ (ebd. 14) in Deutschland. Im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen sind private Sender von Anfang an auf die kommerzielle Nutzung von Fernsehinhalten anhand von Werbeeinnahmen angewie- sen und die „(...) Geburt der privat-kommerziellen Sendeanstalten markiert [aber] den Be- ginn einer systematischen Vermarktung des Fernsehens“ (Schwäbe, 2004: 213). Durch eben diese zunehmende Kommerzialisierung des deutschen Fernsehens und dem daraus resultie- renden hohen Bedarf an Werbeeinnahmen wuchs auch die Nachfrage nach neuartigen und günstig zu produzierenden Programmkonzepten in den 1990er Jahren in Deutschland, die oftmals eine Adaption von amerikanischen Formaten darstellten (vgl. Lünenborg et. al., 2011: 18; vgl. hier auch: Hallenberger, 1995b: 11). Ganz nach amerikanischem Vorbild wur- den zunehmend Game- und Talkshows von privaten Sendern ausgestrahlt, die für den Zu- schauer unterhaltsam und für den Werbekunden durch die Möglichkeit vieler Werbeunter- brechungen attraktiv waren (vgl. Hallenberger, 1995b: 11). Für die neue Programmstruktur trat auch eine neue Bezeichnung des „Programmformats“ hervor, die eine Veränderung oder Vermischung von bestehenden Genres bewirkte (vgl. Lücke, 2011: 19). Aus der kommerziel- len Nutzung und der systematischen Vermarktung von Programminhalten ging Anfang der 1990er-Jahren ein in Deutschland noch unbekanntes Programmformat, das Reality-TV her- vor. Geebnet hatte diesen Weg bereits die Entwicklung des Programms öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten Ende der siebziger Jahre mit einem vermehrt unterhaltungsorientierten Pro- grammangebot. Man hatte erkannt, dass der Zuschauer mehr durch das Fernsehen unter- halten werden wollte (vgl. Hickethier, 1998: 341). Bereits seit 1967 wird die Reality-TV- Sendung Aktenzeichen XY...ungelöst im ZDF gezeigt. Diese kann somit als erste deutsche Reality-TV Sendung betrachtet werden (vgl. Wegener, 1994: 21). Nach dem Boom von Rea- lity-TV-Sendungen 1988 im amerikanischen Fernsehen entstanden auch in Deutschland kurz darauf Adaptionen ihrer amerikanischen Schwestern. Im Verlauf des Jahres 1992 folgten Polizeireport Deutschland (Tele5), Notruf (RTL), Auf Leben und Tod (RTL) und Retter (SAT1) (vgl. ebd. 21f.). Während Polizeireport Deutschland, Notruf und Auf Leben und Tod echte Einsätze von Rettungskräften und Polizei mit Schauspielern und Beteiligten nachspiel- ten und durch Interviews kommentieren ließen, zeigte die SAT1 Sendung Retter wirkliche Aufnahmen vom Unfallort.

Aufgrund des großen Erfolges von Reality-TV-Sendungen im deutschen Fernsehen hat sich das Genre schnell weiterentwickelt und neue Formate wie Daily Talkshows hervorgebracht, die eine emotionalisierte Darstellung des Privaten und Intimen der Protagonisten in das öf- fentliche Fernsehen brachten. Die alltägliche Lebenswelt der Zuschauerinnen und Zuschauer wurde durch die teilweisen sehr privaten Themen angesprochen (vgl. Klaus/Lücke, 2003: 196). Durch die Mischung und Koppelung verschiedenster Genres gewann das Reality-TV an großer Vielfalt. Klaus und Lücke (2003) definieren Reality-TV daher als „Genrefamilie“ (Klaus/Lücke 2002: 201), die aus vielen Genres und Formaten zusammengesetzt sind. Cas- tings-Shows, Doku- und Reality-Soaps, Beziehungs-Gameshows und Gerichtsshows sind an dieser Stelle nur einige Beispiele für die Genrevielfalt des Reality-TV. Klaus und Lücke (2003) sprechen von einer „Hybridisierung des Fernsehens“ (Klaus/Lücke, 2003: 201, vgl. hier auch Bleicher, 1999: 132) seit den 90er-Jahren, bei dem sich verschiedene Genres zu neuen Formaten vermischen. Als besonders prägnantes Beispiel können an dieser Stelle vor allem „Doku Soaps“, die „ zu beobachtende Menschen in ihrer gewohnten privaten und beruf- lichen Umgebung begleiten [Hervorh. i. O.] (Lücke, 2002: 63) und „Reality Soaps“, die da- gegen ihre Protagonisten in ein „ künstlich arrangiertes soziales Setting [Hervorh. i. O.]“ (ebd.) setzten, genannt werden. Demnach kann Reality-TV durch dessen Vielfalt im Pro- grammangebot nicht als eine alleinstehende Gattung, sondern als Hybridgenre2 bezeichnet werden, da es viele „Gattungs- und Genrecharakteristiken“ (Klaus/Lücke, 2003: 196) mitei- nander verbindet und neue Programmformate schafft.

Der Wandel und die Hybridisierung von Reality-TV zu einem Konglomerat verschiedenster Formen lässt sich vor allem anhand der Presse nachvollziehen: wurden anfangs Aktenzei- chen XY...ungelöst (ZDF) oder Notruf (RTL) als Reality-TV bezeichnet, vollzog sich Ende der 90er-Jahre eine Ausdifferenzierung des Begriffs. Neue Sendeformate wie Big Brother (RTL, 2000) oder beispielsweise das vom Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL (Broder, 2003) als Doku Soap bezeichnetes Programmformat Mein Baby (RTL, 2003) kamen auf den Markt und wurden von den Medien als Reality oder Doku Soap unterschieden (vgl. Lücke, 2002: 50). Es hat sich demnach gezeigt, dass Reality-TV aus sehr vielfältigen und unterschiedlichen Genres zusammengesetzt ist. Trotz der Differenz und teilweisen Divergenz der unterschied- lichen Sendeformen besitzen jedoch alle sich überschneidende Charakteristika, wie Hill (2005) zusammenfasst und die Hybridität des Genres betont: „(...) the reality genre is made of a number of distinctive and historically based television genres, such as lifestyle, or docu- mentary. These television genres have merged with each other to create a number of hybrid genres that we now call reality TV (...)“ (55). Diese Merkmale, Charakteristika und Darstel- lungsmittel sollen im folgenden Kapitel, vor allem bezogen auf die Form der für die nachfol- gende Analyse relevanten Reality Soap Der Bachelor (RTL, 2012), näher beschrieben wer- den.

3. Darstellungsmittel und Charakteristika von Reality-TV-Sendungen und Rea- lity Soaps

Im Folgenden sollen die verschiedenen Darstellungsmittel von Reality-TV erläutert werden. Anschließend soll eine Definition des vorher in der vorliegenden Arbeit noch nicht definierten Genres „Reality Soap“ vorgenommen werden.

3.1 Darstellungsmittel und Charakteristika von Reality-TV

Keppler (1994) identifiziert als ein bedeutendes Merkmal des Reality-TV den Eingriff in die konkrete „Alltagswirklichkeit“ (ebd.: 8) des Menschen. Die Protagonisten in Reality-TV Sen- dungen treten demnach nicht als Schauspieler auf, die eine andere Rolle einnehmen, son- dern stellen sich selbst dar und sind „Akteure ihres eigenen Lebens“ (ebd., vgl. hier auch: Oulette/Muray, 2009: 3). Die Akteure von Reality-TV-Sendungen bewältigen ein alltägliches Ereignis und stehen somit als Subjekt ihres realen Lebens im Mittelpunkt der Sendung (vgl. Oulette/Murray: 11). Auch Hill verweist auf die Laiendarsteller als ein wichtiges Darstel- lungsmittel, jedoch gibt es für sie noch weitere Merkmale, die Reality-TV von anderen For- maten abhebt: „(...) non-professional actors, unscripted dialogue, surveillance footage, hand- held camera, seeing events unfold as they are happening in front of the camera“ (Hill, 2005: 55). Während Hill sich vor allem auf die strukturellen Merkmale konzentriert, sind bei Lücke (2002) inhaltliche Merkmale, wie „ Personalisierung, Emotionalisierung, Intimisierung, Stereo- typisierung, Dramatisierung, Live-Charakter, die Mischung von Fiktion und Realität, Informa- tion und Unterhaltung sowie Authentizität und Inszenierung [Hervorh. i. O.]“ (Lücke, 2002: 52) von Bedeutung, um Reality-TV zu charakterisieren. Durch einen inhaltlichen Fokus auf intime und private Details entsteht eine verstärkte emotionale Bindung des Zuschauers an das Gezeigte und es wird ein intimes Setting geschaffen, an dem sich der Zuschauer mit seinen eigenen Lebensvorstellungen orientieren kann (vgl. ebd. 55ff.). Um diesen Prozess weiter zu unterstützen, erfolgt in Reality-TV Sendungen eine klare Stereotypisierung der ver- schiedenen Charaktere. Dies fördert nicht nur den Erzählverlauf des Gezeigten und erleich- tert, den Erzählsträngen zu folgen, sondern schafft ebenfalls einen Wiedererkennungswert der Darsteller (vgl. ebd.). Beispielsweise werden in der Reality Soap Der Bachelor (RTL, 2012) gleich zu Beginn der Sendung in Form von Interviews die verschiedenen Charakterei- genschaften der Kandidatinnen gegenübergestellt, in dem die häusliche Sissi sich ein „Haus und Kinder“ (Staffel 2, Folge 1, Min. 11:12) wünscht, während die offensive und selbstbe- wusste Katja sagt: „ ich weiß meine Reize einzusetzen und zur Not strippe ich auch“ (Staffel 2, Folge 1, Min. 6:53). So erfolgt eine Stereotypisierung der Protagonisten und es wird ein Wiedererkennungswert für den Zuschauer geschaffen, welcher diesen an die gezeigten Cha- raktere der Serie bindet. Zwar werden in Reality Soaps wie Der Bachelor (RTL, 2012) keine gewaltzentrierten Szenen dargestellt, jedoch wird auch in diesen eine gewisse Dramatisie- rung der zu erzählenden Geschichte vorgenommen. Beispielsweise wenn sich Kandidatin Jinjin mit Natalie am Pool streitet (Staffel 2, Folge 7, Min: 18:31-22:45), spielt spannungsge- ladene Musik im Hintergrund und die Szene wird von eingeblendeten Interviews der beiden untermalen, in denen sie retroperspektiv den Streit kommentieren. Dabei ist die „möglichst dramatische Darstellung des Ereignisses“ (Lücke, 2002: 56) anhand von verschiedensten Gestaltungsmitteln ein weiteres wichtiges Merkmal von Reality-TV. Das Beispiel der Reality Soap Der Bachelor (RTL, 2012) ist auch für den Authentizitäts- und Inszenierungsaspekt ein prägnantes Beispiel. Authentizität liegt durch den „realen“ Protagonisten Paul in der Serie vor. Somit lässt die Serie als inhaltsgebenden Rahmen die „Menschen wahre Geschichten (mit authentischen Emotionen) [Anm. JF] selbst erzählen, mehr oder weniger eingebunden in eine feste Dramaturgie.“ (Lücke, 2002: 60). Die feste Dramaturgie der Serie besteht in dem gesamten „Auswahlprozess“ der Kandidatinnen an dessen Höhepunkt der Bachelor seine letzte Rose verteilt. Jede Sendung endet mit einer Eliminierungsrunde, bei der eine Kandidatin gehen muss. Hier zeigt sich eine klare Inszenierung der Abläufe, die im drama- turgischen Kontext der Sendung immer identisch verlaufen (vgl. ebd.).

Die Frage nach der Authentizität ist demnach eine bedeutende, da Reality-TV, wie der Name bereits zeigt, für sich einen Anspruch erhebt, die Realität abzubilden (vgl. ebd.: 58). Wie au- thentisch ist das Dargestellte und wie wird Realität repräsentiert? Wie oben bereits anhand des Zitates von Lücke erläutert, ist die Mischung von Authentizität und Inszenierung eine wichtige Charaktereigenschaft des Reality-TV. Aufgrund des Dargestellten im Reality-TV muss somit das Beziehungsgefüge „between ‚reality’ and it’s representation“ (Oulet- te/Murray, 2009: 7) hinterfragt werden. Jedoch ist bei einigen Reality-TV Formaten ein künst- liches Setting die Voraussetzung für die Durchführung der Sendung. So leben beispielsweise Kandidaten der Reality Soap Big Brother (RTL, 2000) in einem künstlich geschaffenen Raum, dem auf dem Sendegelände aufgestellten „Container“. Die Realität wird somit nicht zur Voraussetzung für die Handlung, ist jedoch ein „(...) discursive, visual and technological claim [Hervorh. JF] to the real“ (vgl. Oulette/Murray, 2005: 9). Ebenfalls Escoffery erkennt, dass Authentizität nicht die Voraussetzung für ein Reality Format sein muss, dennoch wer- den durch die soziale Interaktion der Protagonisten und die übertriebene Darstellung „Wahr- heiten“ vermittelt: „(...) there is an implied sense that the social interactions presented (...) are simply exaggerated versions of things we all do at work (...) in any social setting“. (...) but we presumably learn some ‚truths’ about human interaction.“ (Escoffery, 2006: 3).

[...]


1 Dies geht aus einer Pressemitteilung des Privatsenders RTL hervor. Die Show Deutschland sucht den Superstar erreichte im Jahr 2011 demnach einen Marktanteil von 32,4 Prozent (vgl. o.V.: RTL Pressemitteilung, 2011).

2 Hybridgenres erklären sich dadurch, dass sie unterschiedlichste Weisen der Darstellung und Konventionen verschiedenster Genres miteinander verbinden. Die Verknüpfung verschiedener Fernsehgattungen wie beispielsweise der Soap Opera und dem Reality-TV zur Reality Soap lassen neue Formate entstehen, die in ihrer Form Elemente anderer Gattungen aufweisen und sich nicht an traditionellen Genrekonventionen orientieren, sondern sich frei verschiedener Gattungsmuster bedienen (Vgl. Klaus/Lücke, 2003: 196, vgl. hier auch: Mikos, 2002: 30).

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Titel: Reality-TV als Aushandlungsort der eigenen Lebensführung. Das Reality-TV-Format "Der Bachelor"