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Corporate Social Responsibility. Eine kritisch analytische Betrachtung mit Fokus auf Emerging Markets

Diplomarbeit 2014 115 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Danksagung

Gleich zu Beginn möchte ich mich bei Herrn o. Prof. Mag. Dr. Franz Strehl, MBA, dafür bedanken, dass er mir ermöglicht hat diese Diplomarbeit zu verfassen. Des Weiteren will ich besonders die tatkräftige Unterstützung - sowohl bei inhaltlichen als auch organisatorischen Fragen - von Frau Mag. Manuela Breuer hervorheben.

Besonderer Dank gilt natürlich meiner Familie, welche mich während meiner gesamten Studienzeit unterstützt und motiviert hat. An dieser Stelle möchte ich meine Eltern Ulrike und Herbert Schwaiger sen. sowie meine Großeltern Margaretha und Gustav Schwaiger sen., welche es mir überhaupt ermöglicht haben das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Johannes Kepler Universität Linz zu absolvieren, herausheben.

Abschließend möchte ich mich noch bei meiner Cousine Ines Friedmann bedanken, welche mich durch Korrekturlesen bei dieser Diplomarbeit unterstützt hat.

Executive Summary

Diese Diplomarbeit über Corporate Social Responsibility behandelt spezifische Teile dieser Welt auf unterschiedlichen Kontinenten. Die ausgewählten geografischen Regionen fokussie- ren sich hierbei auf sogenannte Emerging Markets. Diese Länder weisen allesamt spezifische Kriterien auf, welche eine essenzielle Unterscheidung verglichen mit Entwicklungsländern möglich bzw. notwendig macht. Daher gilt es in einem ersten Schritt aufzuzeigen inwiefern sich die Begrifflichkeit Emerging Market (EM) von jenem eines Entwicklungslandes (DC) differenziert bzw. definiert. Der Autor dieser Arbeit versucht diese erforderliche Abgrenzung in vereinfachter Weise abzubilden, damit eine Unterscheidung für den Leser nachvollziehbar und verständlich erscheint.

Nachdem dieses Basiswissen geschaffen ist, kann verstärkt der CSR-Fokus dieser Diplomarbeit aufgezeigt werden. Hierbei werden wie bereits erwähnt verschiedene Schwerpunkte auf dieser Welt gesetzt, um eine eingehende und übersichtliche Darstellung der unterschiedlichen CSR-Sichtweisen veranschaulichen bzw. abbilden zu können. Der Fokus wurde somit exemplarisch auf Indien, China, Südafrika, Mexiko und Brasilien gesetzt. Diese Länder sind somit Vertreter der jeweiligen Kontinente und gelten daher als Musterbeispiele, da eine integrativere Analyse den Rahmen einer Diplomarbeit übersteigen würde. Daraus ergibt sich eine Art Gesamtbild bzw. Portfolio der in diesen Ländern vorherrschenden CSR-Konzepte, welche durch Zwischenfazits abgerundet bzw. zusammengefasst werden.

In einem nächsten Schritt werden regionsspezifisch Unternehmen herausgefiltert, welche CSR Aspekte in deren Unternehmensaktivitäten bzw. entlang der Supply Chain versuchen zu im- plementieren. Dem Autor war es von zentraler Bedeutung diese Fallbeispiele aus einer Art Case Study Fokus abzubilden, um die bereits dargelegten CSR-Sichtweisen mit praxisorien- tierten Beispielen belegen zu können. Die in dieser Diplomarbeit abgebildeten Unternehmen entsprechen einer Momentaufnahme und unterliegen natürlich einem stetigen Wandel.

Den Abschluss bildet eine Gesamtbetrachtung, in welcher die verschiedenen Sichtweisen mit- einander nochmals abgebildet werden. Natürlich wird die Thematik Corporate Social Respon- sibility mit Fokus EMs durch ein sogenanntes Gesamtfazit bzw. kritisches Resümee abgerun- det.

1 Einleitung

1.1. Ausgangslage

Die Weltwirtschaftskrise hat in eindrucksvoller Art und Weise dazu beigetragen, dass Emer- ging Markets (EMs) zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen haben. Im Speziel- len werden diese Märkte von Unternehmen als erstrebenswert erachtet, da die operationalen Kosten durch verantwortliches Wirtschaften gesenkt werden können.1 Durch nachhaltiges Wirtschaften können in EMs beispielsweise die Leistungsfähigkeit, die Beziehung zu Stake- holdern sowie die wettbewerbsmäßige Widerstandsfähigkeit gegenüber Konkurrenten verbes- sert werden.2 Dennoch erweisen sich Investitionen bzw. Expansionen in solche zwar aufstre- bende aber noch keinesfalls an westliche Standards angepasste Märkte als große Herausforde- rung. Vor allem die mit einer Markterweiterung einhergehenden hohen Aufwendungen, um in diesen EMs Unternehmensaktivitäten und folglich auch CSR-Aspekte zu integrieren, stellen sich häufig als beträchtlicher und mit Bürokratie verbundener Kostentreiber heraus.

Die Frage nach der Effektivität und Effizienz in puncto Implementierung von CSR- Maßnahmen ist deshalb mehr als notwendig. Zahlreiche Beispiele aus der Wirtschaft belegen, dass sich Unternehmen häufig über Vorgaben und Richtlinien hinwegsetzen, um in der Folge Ausgaben einsparen zu können. Es sind unter anderem die mediale Berichterstattung und der damit einhergehende Imageschaden durch öffentliche Skandale, wie beispielsweise "En- ron/Arthur Anderson", weshalb für Unternehmen die Bedeutung von nachhaltigerem Wirt- schaften stetig zunimmt. Des Weiteren kann auch der Erdölkonzern "BP" mit der Bohrinsel "Deepwater Horizon" (am Standort Golf von Mexiko) genannt werden, wo laut internen Be- richten zufolge schon Monate vor dem Eintritt der Erdöl-Katastrophe die Sicherheitsmaß- nahmen stark vernachlässigt wurden.3 Die Folge war, dass Stakeholder nicht nur einen Wert auf die finanzielle Performance, sondern auch auf nicht-finanzielle Erfolge, wie beispielswei- se die Reduzierung des ökologischen Fußabdruckes von Unternehmen legten. Diese beein- trächtigenden Eingriffe in die Ökologie machten ein Einschreiten durch Regierungen notwen- dig. Es ist daher wichtig aufzuzeigen, wie die agierenden Unternehmen wirtschaften und in- wiefern dieses Handeln der Umwelt und Gesellschaft - vor allem in Emerging Marketsschaden oder auch helfen kann.4

Aufstrebende Märkte neigen häufig dazu gar keine bis sehr marginale Corporate Governance Richtlinien, Eigentums- und Patentrechte einzufordern bzw. diese umzusetzen. Aus diesen Gründen ist eine Verbesserung von CSR und Corporate Governance Maßnahmen unaus- weichlich bzw. essenziell notwendig, um in weiterer Folge Nutzenpotenziale für verschieden- ste Anspruchsgruppen zu stiften. Des Weiteren könnten zahlreiche Konzerne die Chance er- greifen etwas Gutes für die Gesellschaft, Ökologie und Mitarbeiter in Emerging Markets zu vollbringen. Durch diese integrativen Maßnahmen würden vor allem die gesellschaftliche Akzeptanz und folglich das Image der agierenden Unternehmen in EMs ansteigen und sich somit positiv auf die Unternehmensperformance auswirken. Da bereits viele westliche Märkte gesättigt sind, fokussieren sich viele Unternehmen auf EMs. Um jedoch auf diesen Märkten langfristig erfolgreich zu sein, ist es notwendig die dortigen sozialen und gesellschaftspoliti- schen Herausforderungen wahrzunehmen bzw. die damit einhergehenden Bedürfnisse zu be- friedigen. Es müssen somit die Unternehmensaktivitäten im Einklang mit den Anspruchs- gruppen vor Ort abgestimmt werden.5

Ein substanzieller Aspekt muss auch der unterschiedliche Zugang bzw. die Wahrnehmung und Akzeptanz von CSR-Praktiken in EMs sein. CSR-Themen wurden bzw. werden sehr stark von westlichen (insbesondere USA) Sichtweisen geprägt. Von großer Relevanz können jedoch auch neue Ansätze für die jeweiligen EMs sein, um somit nicht auf vorherrschende Konzepte zurückzugreifen, sondern von Beginn an zu überlegen, wie man den Problemen adäquat in Emerging Markets begegnen kann.6 Es gilt daher das unterschiedliche CSRVerständnis bzw. die Sichtweisen in den definierten Ländern zu beleuchten, Gemeinsamkeiten hervorzuheben und in der Folge logisch aufzubereiten.

1.2. Ziele der Diplomarbeit

Primäres Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist es, spezifische CSR-Sichtweisen in ausge- wählten EMs darzustellen. Dabei soll ein besonderer Fokus auf die drei Kontinente Asien, Afrika und Amerika gesetzt werden. Diese Auswahl wurde getroffen, um einen Überblick über CSR-Sichtweisen in selektierten EMs aufzuzeigen. Die Grundlage für die Erarbeitung dieser Diplomarbeit bildet die zum Zeitpunkt der Verfassung vorherrschende wissenschaftliche Fachliteratur. In einem nächsten Schritt werden diese theoretischen Erkenntnisse durch konkrete Fallstudien in den jeweiligen EMs untermauert.

1.3. Vorgangsweise

Die vorliegende Diplomarbeit ist eine reine Theoriearbeit, welche auf dem aktuellen Stand der Forschung sowie auf zahlreichen Fallstudien basiert. Mittels dieser Informationen kann ein umfassendes Verständnis in Bezug auf CSR-Aktivitäten in Emerging Markets herausgearbeitet werden. Des Weiteren werden die Ziele dieser Arbeit und die aufgeworfenen Forschungsfragen beantwortet. Abschließend kann auch eine kritische Betrachtung der verwendeten CSR-Konzepte aufgezeigt bzw. ein Ausblick auf Zukünftiges vermittelt werden. Die im Zuge dieser Diplomarbeit verwendeten Informationen basieren auf Büchern, Sammelwerken, Studien, Fallbeispielen, Fachzeitschriften, Magazinen und Internetquellen.

1.4. Aufbau

Der folgende Abschnitt soll den Aufbau dieser Diplomarbeit für den Leser näher beschreiben und anhand einer graphischen Darstellung visualisieren. Dazu beleuchtet der Autor zu den jeweiligen Hauptkapiteln die wichtigsten Aussagen, um somit einen besseren Überblick über den weiteren Verlauf der Arbeit zu vermitteln.

Diese Diplomarbeit ist grundsätzlich in einen theoretischen und praxisorientierten Teil gegliedert. Dadurch kann ein Basiskonstrukt erarbeitet werden, welches für das weitere Verständnis förderlich ist. Nachfolgend werden die einzelnen Kapitel anhand einer übersichtlichen grafischen Veranschaulichung in prägnanter Form dargestellt.

Wie man Abbildung 1 entnehmen kann, bildet die Basis die Definition von Emerging Markets. Dabei gilt es die Abgrenzung zu Entwicklungsländern aufzuzeigen bzw. abzubilden. Dieser Bereich soll die Grundlagen der folgenden Diplomarbeit vermitteln. Daran anknüpfend werden spezifische Regionen auf verschiedenen Kontinenten ausgewählt, analysiert und in verständlicher Art und Weise aufbereitet. Um für ein besseres Verständnis Sorge zu tragen werden die unterschiedlichen CSR-Sichtweisen durch adäquate Unternehmensbeispiele in den ausgewählten Regionen unterstrichen.

Exemplarisch für den asiatischen Raum stehen die beiden Länder Indien und China. Der Grund hierfür liegt nicht nur in der Größe der jeweiligen Volkswirtschaften, sondern auch in der zentralen Vorreiterrolle und strategischen Wichtigkeit in puncto Warenproduktion und Arbeitskräftepotenzial für viele Fertigungsunternehmen. Aufgrund der Zugänglichkeit von Informationen wurde als Vertreter für den afrikanischen Kontinent das Land Südafrika aus- gewählt. Vor allem das historische Erbe in puncto Apartheid prägte dieses Gebiet auf be- trächtliche Art und Weise. Schlussendlich bildet die dritte Region, welche analysiert wird, die Region Lateinamerika. Dabei wird zuerst Mexiko und daran anknüpfend Brasilien und die dort vorherrschenden CSR-Sichtweisen beschrieben. Abgerundet werden diese Länderbei- spiele durch die Vorstellung von Unternehmen, welche in diesen Regionen wirtschaftliche Aktivitäten unter CSR-Fokus gesetzt haben. Die nachfolgende Abbildung 1 vermittelt einen generellen Eindruck bzw. Überblick über den strukturellen Aufbau dieser Diplomarbeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Aufbau der Arbeit (eigene Darstellung)

A Theoretischer Teil

2 Developing Countries vs. Emerging Markets

Es wurde bereits anfangs kurz angedeutet, dass eine Unterscheidung zwischen Developing Countries (=DCs) und Emerging Markets (=EMs) vorgenommen werden muss. Wirft man einen Blick auf die einschlägige Literatur, so erkennt man, dass die Begrifflichkeiten DCs und EMs häufig synonym verwendet werden, wenngleich nicht von selbigen die Rede sein kann. In einem ersten Schritt ist es daher essenziell eine Abgrenzung zwischen diesen beiden Be- griffen vorzunehmen. Vorneweg soll noch erwähnt werden, dass es viele verschiedene Defini- tionen sowohl für EM als auch für DC gibt. Es gibt somit keine eindeutige und richtige Versi- on über die Auffassung was EMs bzw. DCs betrifft. Im Zuge dieser Diplomarbeit wird ver- sucht auf das Verständnis der Weltbank in puncto Definition EM/DC Bezug zu nehmen. Da- bei zieht der Autor gewisse Kriterien heran, unter welchen ein EM/DC subsumiert bzw. auf- gefasst werden kann.

2.1 Developing Countries

Im ersten Abschnitt soll sogleich ein Fokus auf das begriffliche Verständnis von DCs gelegt werden. Dazu bedarf es in erster Linie einer Heranziehung von gewissen Kriterien bzw. Maß- größen, unter welchen ein DC verstanden werden kann. Daraus kann eine Art Definition ab- geleitet werden, welche für das weitere Vorgehen als hilfreich erscheint. Wie bereits ange- führt, ist es nicht möglich die "eine richtige Definition" aufzustellen.7 Deshalb wird das Sicht- feld eingegrenzt und mittels gewisser Eigenschaften der Blick auf DCs geschärft. Das Bun- desministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beruft sich seinerseits auf die Daten der OECD. Somit können in Abbildung 2 gewisse Kriterien zusammengefasst bzw. abgebildet werden, welche für das Bestehen eines DC maßgeblich sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Kriterien Developing Countries8

Die Weltbank bezieht sich bei der Definition des Begriffs Entwicklungsland auf das Bruttona- tionaleinkommen pro Kopf gemäß der Atlas Methode.9 Es fallen somit Länder, welche einen Wert kleiner als 11.905 US-Dollar aufweisen in die Kategorie Entwicklungsland.10 Folgt man dieser Definition, so fallen Indien (1.570 US-$), China (6.560 US-$), Südafrika (7.190 US-$), Mexiko (9.949 US-$) und Brasilien (11.690 US-$) in den Bereich von Entwicklungsländern.11

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass sich DCs in einem stetigen Wandlungsprozess befinden und aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung einen Aufschwung erleben. Deshalb entspricht die Abbildung von DCs in dieser Diplomarbeit einer Momentaufnahme und kann sich daher in der Zukunft noch durchaus verändern. Generell kann angeführt werden, dass sich in den letzten Jahren das Pro-Kopf-Einkommen in DCs zwar gesteigert hat, jedoch die sozialpoliti- sche Entwicklung in keinster Weise mit den wirtschaftlichen Wachstumsraten einhergegan- gen sind.12

2.2 Emerging Markets

Das Hauptaugenmerk dieser Diplomarbeit liegt auf den sogenannten Emerging Markets, wel- che neuerlich keiner einheitlichen Definition zugeführt werden können. Wenngleich angeführt werden kann, dass wie im bereits erwähnten Fall der Developing Countries auch die soge- nannten Emerging Markets ein sehr marginales bis mittleres Pro-Kopf-Einkommen pro Jahr aufweisen (bis zu 12.195 US-Dollar).13 Grundsätzlich kann man somit konstatieren, dass die- se EMs den DCs in Sachen Performance den entscheidenden Schritt voraus agieren. Damit beinhalten beispielsweise EMs jene Länder, welche ein besonders hohes wirtschaftliches Wachstum, geprägt durch starke Exportorientierung, aufweisen. Es kann daher festgehalten werden, dass Emerging Markets auf globaler Ebene eine entscheidende Rolle sowohl in wirt- schaftlicher, politischer als auch sozialpolitischer Hinsicht zukommt.14 Diese Länder beliefern beispielsweise weite Teile dieser Welt mit deren reichhaltigen Vorkommen an Erdöl, Metall und Holz.15 Schließlich muss noch aufgezeigt werden, dass im Falle von EMs das Pro-Kopf- Einkommen etwas höher angesetzt ist, da wie bereits erwähnt, diese aufstrebenden Länder im Vergleich zu Entwicklungsländer in wirtschaftlicher, sozialer und politischer Hinsicht eine Art Voreiterrolle einnehmen.

Betrachtet man die bereitgestellten Informationen des internationalen Währungsfonds, so lässt sich daraus ableiten, dass wie bereits eingangs erwähnt EMs mit DCs synonym verwendet werden. Dies kommt vor allem in einem Gesamtausblick der Weltwirtschaft, welche kontinu- ierliche Steigerungsraten in diesen EMs-Regionen zum Ausdruck bringt, zum Vorschein.16

Die nachfolgende Abbildung 3 zeigt eine überblicksmäßige Auswertung einer durchgeführten Online Befragung der Strategic Market Intelligence and Advisory Group zum Thema Unter- nehmenstätigkeit in Emerging Markets. Es handelt sich dabei um eine Prognose bzw. Ein- schätzung, wie stark der Fokus auf bestimmte Regionen dieser Erde verlagert werden wird. Im Detail besagen die Prozentwerte, mit welchen Umsatzanteil (2012-2017) die befragten Unternehmen (N=427) in den jeweiligen EMs rechnen werden. Dabei nehmen Indien, China und Brasilien mit Werten weit über 60 % eine zentrale Rolle aus Sicht der befragten Unter- nehmen ein. Südafrika (22 %) und Mexiko (18,3 %) rangieren hingegen im unteren Bereich der Auswertungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Top 10 Emerging Markets 2012-201717

Die Ergebnisse der durchgeführten Befragung liefern eine erste Hilfestellung, welche Länder in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Aus diesem Grund werden folgende Länder für eine detaillierte Recherche im Zuge dieser Diplomarbeit herangezogen und in Sachen CSR untersucht bzw. analysiert:

- Indien und China
- Südafrika
- Mexiko und Brasilien
- Mexiko und Brasilien

Bevor mit der Analyse der einzelnen Regionen begonnen werden kann, soll noch erwähnt werden, dass für eine erste Einschätzung ein gewisses volkswirtschaftliches Datenmaterial der ausgewählten Länder präsentiert wird. Dies soll dazu dienen, ein Gefühl für die behandelte Region und damit einhergehend einen ersten Eindruck über die Größe, Komplexität und sozioökonomische Beschaffenheit des jeweiligen Landes zu erhalten. Dieses Vorgehen wird für jedes einzelne Land gesondert ausgewiesen bzw. angeführt.

3 Darstellung ausgewählter CSR-Sichtweisen

Wie bereits kurz angedeutet, soll der Einstieg in den jeweilig landesspezifischen Abschnitt durch eine kurze Übersichtschart der wichtigsten volkswirtschaftlichen Maßgrößen erleichtert werden. Der Gedanke des Autors liegt darin begründet, dass der Leser durch dieses Vorgehen einen adäquaten Überblick und somit einen verständlichen Einstieg bzw. eine erste Einschät- zung über die Größe und Dimension der behandelten Region erhält. Es soll zu Beginn er- wähnt werden, dass in jedem spezifischen Land statistische Daten, wie beispielsweise Ein- wohner, Fläche, Anzahl an HIV-Infizierte, Armutsgrenze, Arbeitslosigkeit und Purchasing Power Parity auf jeden Fall herangezogen werden. Die Zahlen über Kinderarbeit wurden auf die jeweilige Verfügbarkeit hin angegeben.

Die vorliegende Diplomarbeit setzt einen besonderen Fokus auf Corporate Social Responsibility (siehe Definition Kap. 3.1.1) in Emerging Markets. Wenn man von CSR spricht, kann man mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich auch um Nachhaltigkeitsthemen handelt (siehe Definition Kap. 3.1.2). Auf diese Thematik wird in den folgenden Kapiteln näher eingegangen. Der Autor will eine Abgrenzung der Begrifflichkeiten CSR vs. Nachhaltigkeit und damit die Verwendung in dieser Diplomarbeit herausarbeiten. Es wird der Gedanke verfolgt, dem jeweiligen Leser ein konsistentes Begriffsverständnis zu gewährleisten und somit missverständliche Interpretationsspielräume zu unterbinden.

3.1 Definitionen

3.1.1 Corporate Social Responsibility

Der Ausgangspunkt des CSR-Verständnisses liegt in den 1930er Jahren. Zu dieser Zeit wurde erstmals das fundamentale Werk "The Functions of the Executive" von Barnard verfasst. In diesem Buch ging es ganz generell um die Übernahme von Verantwortung durch Personen in Managementfunktionen innerhalb sozialer Systeme.18 Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts be- schäftigten sich fortan zahlreiche Autoren mit der wissenschaftlichen Auseinandersetzung rund um CSR. Allerdings wurde der Grundstein für CSR in den Vereinigten Staaten von Amerika gelegt. Von dort aus entstammt ein Großteil der heute anerkannten und verwendeten wissenschaftlichen Literatur.19

Das gegenwärtige Verständnis von CSR wurde durch eine Vielzahl von Entwicklungspfaden geprägt und folglich weiter verfeinert. Diese Entstehung der Begrifflichkeit CSR lässt sich anhand von Abbildung 4 entsprechend illustrieren. An dieser Stelle muss angeführt werden, dass alle Beschreibungen bzw. Definitionen in Bezug auf CSR einen gemeinsamen Nenner, welcher sich durch einen dezidierten Stakeholderbezug auszeichnen, aufweisen.20 Der Ausgangspunkt jeglicher CSR-Definitionen wurde allerdings von Barnard im Jahre 1938 - durch das bereits erwähnte Basiswerk - geschaffen und prägte maßgeblich die nachfolgenden Entwicklungsstufen bis zum heutigen Zeitpunkt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Historische Entwicklung des CSR-Begriffs21

Eine allgemein gültige Abgrenzung über CSR begründet sich durch die Definition, welche im Jahre 2001 von der EU-Kommission kodifiziert wurde. „ [Corporate Social Responsibility ist] [...] ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenst ä tigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren. “ 22 Diese Beschreibung über CSR wird als einleuchtend und sinnvoll erachtet und gilt daher auch als Arbeitsdefinition für sämtliche Ausführungen, wenn von CSR in dieser Diplomarbeit die Rede ist.

In der Folge wird ein zweiter Begriff näher beschrieben. Diese Begrifflichkeit wird im Zuge dieser Diplomarbeit auch sehr häufig verwendet und bedarf daher einer eigenen Definition. Es handelt sich dabei um die "Nachhaltigkeit". Was darunter zu verstehen ist, wird in Kapitel

3.1.2 Nachhaltigkeit

Zu Beginn soll erwähnt werden, dass das Konzept der Nachhaltigkeit grundsätzlich an Wertschätzungen anknüpft und folglich normativ ausgerichtet ist. Dabei bildet ein wesentliches Kernelement die Gerechtigkeit.23 Es gibt zwei verschiedene Arten von Gerechtigkeit. Die erste Form der Gerechtigkeit wird auch als die intergenerative Gerechtigkeit bezeichnet und zielt auf das Wohlergehen zukünftiger und gegenwärtiger Generationen ab. Die zweite Form der Gerechtigkeit wird auch als intragenerative Gerechtigkeit bezeichnet, welche auf die Balance zwischen Entwicklungs- und Industrieländern ausgerichtet ist.

Wie man anhand von Abbildung 5 erkennen kann, gliedert sich das Framework "Nachhaltig- keit" in drei unterschiedliche Dimensionen. Diese drei Säulen "ökologisch", "ökonomisch" und "sozial" werden zum sogenannten Dreisäulenmodell subsumiert. Der Kerngedanke liegt darin begründet, allen drei Dimensionen eine gleichwertige Bedeutung beizumessen. Die zen- trale Aussagekraft dieses Dreisäulenmodells geht davon aus, dass eine gleichzeitige Sozial- und Umweltverträglichkeit unter Berücksichtigung von wirtschaftlichen Erfolg möglich ist.24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Dreisäulenkonzept25

Auch diese Definition ist wesentlich und muss daher eine berechtigte Anwendung in dieser Diplomarbeit vorfinden. Anhand des Dreisäulenmodells bzw. der vorangegangen Definition über CSR kann man erkennen, dass beide Begrifflichkeiten eine substanzielle Aussagekraft in dieser Diplomarbeit haben. Wenngleich das heutige Verständnis mehr oder minder beide Begriffe umschließt bzw. durch die historische Entwicklung ineinander verwoben sind. Durch die gegenseitige Verwurzelung bzw. fortwährende Entstehung im Lauf der vergangenen Jahrzehnte werden die Begriffe "CSR" und "Nachhaltigkeit" als Synonyme verwendet. Wenngleich der Autor - mit den vorangegangenen Definitionen - die besonderen Merkmale und das historische Fundament beider Begriffe aufzeigen wollte.

Initiativen zur Förderung von CSR

An dieser Steller sollen ganz spezifische Rahmenwerke in Bezug auf CSR hervorgehoben werden. In der Vergangenheit wurde eine Reihe von sogenannten "Best-Practice" Richtlinien entwickelt, welche Unternehmen in Emerging Markets in den folgenden Bereichen Unterstüt- zung bieten sollten:

- Ethik
- Gesellschaftliche Investitionen
- Ökologie
- Good Governance
- Menschenrechte
- Gleichstellung und Fairness am Arbeitsplatz26

Im Detail wurden zentrale Rahmenwerke geschaffen, wie beispielsweise die "UN Global Compact", die "OECD Guidelines for Multinational Enterprises" und die "Global Reporting Initiative". Die "OECD Guidelines for Multinational Enterprises" beinhalten eine Reihe von Prinzipien und Standards, welche auf verantwortungsvolles Wirtschaften in den Bereichen Menschenrechte, Wertkette, Umwelt, Wettbewerb, Steuern und Bekämpfung von Bestechung, abzielen. Allerdings sollten auch Modelle, wie zum Beispiel die "Canadian Business for Soci- al Responsibility" oder die "Good Company Guidelines" Erwähnung finden. Diese zielen auf ganz spezifische Regionen ab und machen es sich zur Aufgabe CSR weiterzuentwickeln bzw. Unternehmen bei der Umsetzung zu unterstützen. Die große Vielfalt an Initiativen unter- streicht die aufkeimende Signifikanz von CSR, wenngleich viele dieser nur auf freiwilliger Basis durchgeführt werden und somit keinen verpflichtenden Charakter besitzen.27

3.1.3 Statistisches Datenmaterial

In den nachfolgenden Kapiteln wird zu Beginn ein erster Überblick der wichtigsten volkswirt- schaftlichen Maßgrößen gegeben. Dies soll den Einstieg in die Thematik erleichtern und dem Leser einen Eindruck über die Dimension der jeweils ausgewählten Region vermitteln.

Einwohner: Dieser Eintrag gibt eine Schätzung des US-Statistikamts, basierend auf Statistiken aus Volkszählungen, Bevölkerungsstatistiksystemen oder Stichprobenerhebungen aus der jüngsten Vergangenheit und Annahmen über zukünftige Trendentwicklungen.28

Fläche: Dieser Eintrag umfasst drei Teilbereiche. Zum einen die Gesamtfläche, welche die Summe aller Land und Wasserflächen - durch internationale Grenzen und/oder Küstenlinien begrenzt - ist. Weiters die Grundstücksfläche, welche die Summe aller durch internationale Grenzen und/oder Küstenlinien begrenzte Oberflächen beinhaltet. Schließlich ist die Wasser- fläche die Summe der Flächen der Binnengewässer wie Seen, Stauseen oder Flüssen, welche durch internationale Grenzen und/oder Küstenlinien begrenzt sind.29 Die Daten über Einwoh- ner und Fläche sollen eine grundsätzliche Vorstellung bzw. einen ersten Überblick vermitteln. Dadurch kann sich der Leser ein Bild von der Dimension der bearbeiteten Region machen.

HIV/Aids: Dieser Eintrag gibt eine erste Einschätzung aller Menschen (Erwachsene und Kinder), welche mit einer HIV-Infektion im jeweiligen Land leben.30 Der Wert ist sehr wichtig, da die Anzahl der Personen, welche mit dem HIV-Virus infiziert sind, einen ersten Eindruck über die Häufigkeit dieser Viruserkrankung gibt. Die Erkrankung an HIV ist hauptsächlich in ärmeren Ländern einer Problematik unterworfen.

Kinderarbeit: Dieser Eintrag gibt Auskunft über den prozentuellen Anteil an Kinderarbeit. Damit sind Kinder, welche sich im Alter von 5-14 Jahren befinden, gemeint. Die CIA defi- niert "Kinderarbeit" als Arbeit, die Kinder ihrer Kindheit beraubt, ihr Potenzial schmälert, ihre Würde angreift und schädlich für die körperliche und geistige Entwicklung ist. Kinderarbeit bezieht sich auf Tätigkeiten, die geistig, körperlich, sozial schädlich und moralisch gefährlich für Kinder sind. Solche Arbeitsverrichtungen beschränken die Möglichkeit eine Schule zu besuchen bzw. werden die Kinder dazu genötigt die Ausbildung vorzeitig zu verlassen. In seiner extremsten Form werden Kinder versklavt, von ihren Familien getrennt und während ihrer arbeitstechnischen Tätigkeiten ernsthaften Gefahren und Krankheiten ausgesetzt.31 In vielen Emerging Markets werden die geringen Lohnkosten bzw. die ausbeuterische Vorgehensweise gegenüber Kindern eingesetzt. Deshalb ist es wichtig einen Überblick zu bekommen, mit welcher Anzahl Kinderarbeit im jeweiligen Land zu Buche schlägt.

Armutsgrenze: Nationale Schätzungen des Anteils der Bevölkerung unterhalb der Armuts- grenze basieren auf Erhebungen von Sub-Gruppen. Diese resultieren auf gewichteten Ergeb- nissen nach der Anzahl der Personen in der jeweiligen Gruppe. Die einzelnen Definitionen von Armut unterscheiden sich erheblich zwischen den Nationen. Zum Beispiel weisen reiche Nationen großzügigere Maßstäbe für die Berechnung von Armut auf als Entwicklungslän- der.32

Arbeitslosigkeit: Dieser Eintrag gibt die Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung, welche im Alter von 15-24 Jahren als arbeitslos gemeldet sind, an.33

Kaufkraft (PPP): Dieser Eintrag zeigt das Bruttoinlandsprodukt der Kaufkraftparität zum 1. Juli p.a. geteilt durch die Bevölkerung.34 Speziell Emerging Markets sind den entscheidenden Schritt gegenüber Entwicklungsländern voraus. In diesen Ländern herrscht somit eine größere Kaufkraft. Anhand der ausgewählten Länder kann diese Tendenz beobachtet werden, womit steigender Wohlstand zu einer größeren Konsumnachfrage führt. Diese Kaufkraft geht in wei- terer Folge mit zusätzlicher Produktion einher, welche Menschen zu mehr Arbeit veranlasst und ihnen dadurch mehr Einkommen bzw. erhöhte Konsumnachfrage beschert.

3.2 Asiatischer Kontinent mit Fokus Indien

Die erste Region, welche dargestellt werden soll, behandelt den asiatischen Kontinent mit einem ausschließlichen Fokus auf die parlamentarische Bundesrepublik Indien. Dieses Land ist ein sogenannter Emerging Market und rangiert auf dem 13. Platz in Bezug auf ausländi- sche Direktinvestitionen.35 Bei sämtlichen Ausführungen in den nachfolgenden Kapiteln han- delt es sich um eine Veranschaulichung der dort vorherrschenden CSR-Sichtweisen, - praktiken und -theorien. Der Fokus liegt hierbei auf den jeweilig landesspezifischen Gege- benheiten. Es ist daher logisch, dass die fortfolgenden Ausführungen für jedes Land einzigar- tig sein werden.

3.2.1 Statistisches Datenmaterial

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten36

3.2.2 Einleitung

In der parlamentarischen Bundesrepublik Indien leben in etwa 1,23 Mrd. Menschen auf einer Gesamtfläche von weit über 3,2 Mio. km2. Leider sind in Indien mehr als 2 Mio. Menschen an HIV/Aids erkrankt und benötigen daher spezielle medizinische Versorgung und Betreu- ung.37 Dies bedeutet logischerweise auch, dass die Arbeitgeber auf die sozialen Bedürfnisse und Spezifika der einzelnen Arbeitnehmer in puncto Krankheitsbild HIV/Aids und deren Be- handlung eingehen müssen.

Weiters muss erwähnt werden, dass in Indien einer wachsenden Mittel- bzw. Oberschicht noch immer mehr als 800 Millionen Personen (entspricht in etwa 65 % der Gesamtbevölke- rung), welche mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag ihren Lebensunterhalt bestreiten müs- sen, gegenüberstehen. Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf entspricht in etwa 1.570 USDollar.38 Für viele Unternehmen sind die beträchtlichen Lohnunterschiede - verglichen mit europäischen Standards - ein entscheidender Motivationsgrund, ihre Produktionsstätten in Indien anzusiedeln. Die logische Folge ist Fertigungsbetriebe unter Heranziehung von billigen Arbeitskräften aufzubauen, um in weiterer Folge Marktaktivitäten durchführen zu können. Interessant ist, welche Nachhaltigkeitsaspekte diverse Unternehmen (konkrete Fallbeispiele siehe Kapitel 4) bei diesem Wirtschaften umsetzen bzw. nicht umsetzen. Es wird daher äu- ßerst essenziell sein, jenen Nachhaltigkeitsgedanken bzw. wirtschaftlichen Aktivitäten auf den Grund zu gehen. Dies ist notwendig um aufzuzeigen, welche Tätigkeiten dort agierende Konzerne setzen bzw. nicht setzen, um den Bedürfnissen der jeweiligen Gesellschaft gerecht bzw. nicht gerecht zu werden.

3.2.3 CSR-Sichtweisen

3.2.3.1 Vergangenheit und Entstehung von CSR

Für Indien ist das Konzept Corporate Social Responsibility nicht ungebräuchlich bzw. neuartig. CSR hatte somit schon immer einen gewissen Einfluss auf wirtschaftlich tätige Familienunternehmen, Regierungen und die sozialen Verhältnisse innerhalb dieser großen Wirtschaftsnation.39 Große indische Unternehmen wie beispielsweise "Tata Steel" waren von Beginn an darauf bedacht, Indien in sozialen Belangen zu unterstützen, als das ausschließlich Profite gemacht werden.40 Man kann daher konstatieren, dass "Tata Steel" - lange bevor der Begriff CSR Indien erreicht hatte - sich bereits mit den sozialen Herausforderungen auseinandergesetzt hat, um die Situation im Land zu verbessern.41

Generell gibt es in Indien vier Ansätze bzw. Modelle, welche sich im Verlauf der Zeit entwickelt haben und somit von zentraler Bedeutung sind:

1. Das ethische Modell
2. Das staatliche Modell
3. Das liberale Modell
4. Das stakeholderorientierte Modell42

Die nachfolgende Tabelle 1 fasst diese vier Modelle von CSR nochmals überblicksmäßig zusammen, anschließend werden diese genauer ausgeführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Die vier Modelle von CSR in Indien43

In der Folge werden diese vier Modelle, welche in Indien vorherrschend sind, kurz und prägnant erläutert. Damit soll dem Leser ein genereller Eindruck vermittelt und ein Bezug auf die wesentlichsten Kernaussagen genommen werden.

Das ethische Modell findet seinen Ursprung im 19. Jahrhundert in den philanthropischen Be- mühungen der "Cadbury Brothers" in England (Schokolademanufaktur und Vertrieb im Jahre 1847) und der "Tata Family" in Indien (Stahlproduzent). Es erhöhte sich folglich der Druck auf die indischen Industriellen, welche dazu aufgefordert wurden, ihren Teil zu sozialer Wei- terentwicklung beizusteuern. Dieser Ansatz verstärkte sich vor allem durch die "Trusteeship Notions" von Gandhi. Diese forderten ein freiwilliges Engagement von wohlhabenden Eigen- tumsbesitzern in Bezug auf die Gesundheit der allgemeinen Gesellschaft ein. Der Einfluss Gandhis hat indische Unternehmen dazu bewogen, sich beim Aufbau des Landes sowie der sozioökonomischen Entwicklung zu engagieren. Die philanthropischen Gedanken indischer Unternehmen umfassten schließlich Investitionen in das Gemeinwesen, in den Schulbau und in den Aufbau von Krankenanstalten und Spitälern.44 Man kann daher anführen, dass beim ethischen Modell die Motivation sich an CSR zu beteiligen beim jeweiligen Unternehmen freiwillig, ohne das Zutun des Staates erfolgt. Das bedeutet der Staat muss weniger in Form von Gesetzen, Umweltauflagen und Richtlinien eingreifen.

Das staatliche Modell entstand im Jahre 1947, nach der indischen Unabhängigkeit von der britischen Kolonialmacht. Indien entschied sich folglich für eine soziale und gemischte Volkswirtschaft, welche durch einen großen öffentlichen Sektor und Unternehmen in Staats- besitz geprägt ist. Die Grenzen zwischen dem Staatswesen und der Gesellschaft wurden zu- gunsten des Staates klar definiert. Es wurden unterschiedliche Regelungen, wie beispielsweise das Arbeitsrecht und Management von Grundprinzipien, installiert. Man findet das staatliche Modell auch heute noch in öffentlichen Betrieben, welche im Zuge der Privatisierungswelle der 1990er Jahre nicht erfasst wurden.45

Der Ausgangspunkt für das liberale Modell war der weltweite Privatisierungs- bzw. Deregulierungstrend. Dieser Ansatz wurde maßgeblich von Milton Friedman geprägt und fokussiert einzig und alleine die Eigentümer (Shareholder) eines Unternehmens. Ein Unternehmen soll sich demnach nur auf einen sehr engen Radius begrenzen. Jene Anspruchsgruppen, welche nicht in direktem Bezug zum jeweiligen Unternehmen stehen, werden nicht vom Radar erfasst. Viele Akteure aus der Unternehmenswelt werden sich mit diesem Grundgedanken identifizieren können. Vor allem deswegen, weil es kostengünstiger ist sich lediglich auf gesetzliche Mindeststandards zu beschränken und die restlichen Unternehmensgewinne nicht in die Gesellschaft, sondern in firmeninterne Investitionen zu tätigen.46

Schließlich gibt es noch ein viertes Modell, welches für Indien exemplarisch erwähnt werden muss. Dabei handelt es sich um das stakeholderorientierte CSR-Modell, welches vor allem seinen Ursprung in den Ausführungen von R. Edward Freeman findet. Wie der Name schon verrät, handelt es sich hierbei um die Bedürfnisse des erweiterten Kreises der Anspruchsgrup- pen (Stakeholder) eines Unternehmens. Der Ausgangspunkt für diesen Ansatz war die Globa- lisierung und die zunehmenden wirtschaftlichen Rechte. Vor allem diverse Bürgerkampagnen gegen unverantwortliches Unternehmertum waren für das Aufkommen des stakeholderorien- tierten Modells maßgeblich. Allerdings waren auch internationale Handelspartner von indi- schen Unternehmen dafür verantwortlich, dass diese ihr Radar von einem Shareholderansatz auf einen Stakeholderansatz erweiterten. Dabei ging es nicht nur mehr um das Erfüllen von gesetzlichen Mindeststandards, sondern das großflächige Eingehen auf die Bedürfnisse des erweiterten Kreises der Stakeholder. Diese spezifischen Gruppen können beispielsweise Kun- den, Beschäftigte, Medien oder auch ganz allgemein die indische Gesellschaft selbst darstel- len.47

Das Gandhische, Nehruvianische bzw. Stakeholderorientierte Modell finden zwar eine breite Akzeptanz in Indien, wenngleich das zentrale Modell jenes von Milton Friedman (Liberales Modell) ist.48 Leider gibt es noch eine relativ marginale Anzahl an Unternehmen, welche das stakeholderorientierte Modell versuchen umzusetzen. Wenn es jedoch Anwendung findet, dann trägt es maßgeblich zu einer integrativen Verbesserung in Bezug auf die soziale Entwicklung Indiens bei.49 In der Folge wird auf das für Indien wichtige liberale Modell nach Friedman bzw. dessen Grundaussagen etwas genauer eingegangen.

Das liberale Modell nach Friedman:

Die Grundaussage von Milton Friedman in Bezug auf CSR ist darin verankert, dass das Sinnwesen von Unternehmen in der Maximierung von Gewinnen, unter Heranziehung der Shareholderinteressen, begründet ist. Jegliche andere Tätigkeiten sind nicht gewinnbringend und machen das Unternehmen weniger attraktiv für Eigentümer, Beschäftigte und Gesell- schaft.50

Diese Kernaussage wurde unter anderem in einem Artikel der New York Times ("The Social Responsibiltiy of Business Is to Increase Its Profits") und Friedmans häufig zitierten Buch "Capitalism and Freedom" abgedruckt. Aufbauend auf seinen Grundaussagen lässt sich Friedmans Position folgendermaßen zusammenfassen. "A corporation ’ s only social responsi- bility is 'to make as much money as possible' (i.e., maximize profits) while conforming to the 'rules of the game' or 'basic rules of the society' in which the firm is operating which include:

(1) obeying the 'law'; (2) conforming to 'ethical custom' (i.e., business norms where you do business); and (3) acting 'without deception or fraud'." 51

In weiterer Folge geht es schließlich darum die entscheidenden CSR-Treiber herauszufinden, unter welchen indische Unternehmen bereit sind, sich in puncto Nachhaltigkeit zu engagieren bzw. welche Motive dahinter verborgen sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Grundhaltungen CSR zu betreiben52

Obige Abbildung 6 soll einer Veranschaulichung der Grundhaltungen - CSR in Indien zu betreiben - dienen. Das langfristige Motivationspotenzial liegt vor allem darin begründet, CSR im Hinblick auf Profitsteigerung zu betreiben. Sprich durch ein zusätzliches Engagement erwartet man sich einen monetären Nutzen, welcher sich langfristig positiv auf die Unternehmensperformance auswirken soll. Wenngleich dies die Integration von sozialen, ethischen und wirtschaftlichen Aspekten in den jeweiligen Prozessabläufen und Entscheidungshierarchien zusammenfasst. Die entscheidende Motivation profitorientiert CSR zu betreiben, ist daran geknüpft durch CSR einen monetären Nutzen und in der Folge ein verbessertes Image bei Kunden, Beschäftigten und Shareholdern zu erreichen.53

Andere Unternehmen agieren vielmehr aus einer gesellschaftspolitisch bzw. fürsorgeorientierten Perspektive heraus. Dadurch soll im Speziellen die Gesellschaft selbst der Nutzenempfänger sein und die monetären Auswirkungen bleiben eher sekundär. Diese zusätzliche Gesellschaftsverantwortung, für welche Unternehmen einstehen, geht über das gesetzlich geforderte Maß hinaus und trägt entscheidend zu einer nachhaltigen Entwicklung eines Landes bei. Die Motivation dahinter ist also vielmehr der harmonische Ausgleich zwischen den Individuen, sozialer Verantwortung und der Ökologie.54

Anhand von nachfolgender Abbildung 7 kann man zusammenfassend folgende Motivationsgründe anführen, welche maßgeblich sind, wenn sich Unternehmen in Indien dafür entscheiden CSR-Aspekte zu implementieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Motivationsgründe CSR zu betreiben55

Obige Abbildung 7 zeigt beispielsweise, dass die Verbesserung der Gesellschaft, Stake- holderbeziehungen, Einbindung in das rechtliche Rahmenwerk und der Ausbau in Bezug auf Corporate Reputation einige der Motivationsgründe CSR zu betreiben sind. Der hier verwen- dete Begriff Corporate Reputation kann als positiver Wahrnehmungsfaktor eines bestimmten Unternehmens definiert werden. Im Detail bedeutet eine Umsetzung von CSR-Aktivitäten einen durchwegs positiven Effekt auf Anspruchsgruppen, Produkte, Leistungen und Services einer Unternehmung.56

Nun gilt es die wichtigsten Gründe, weshalb eine Implementierung von CSR-Aktivitäten als schwierig erachtet wird, herauszuarbeiten. Die nachfolgenden Aufzählungen sind die Hauptbarrieren, warum CSR in Indien eine sehr marginale bis gar keine Anwendung findet:

- Korruption in Regierungskreisen
- Wettbewerb
- nachlässige Vorschriften
- übermäßige Bürokratie
- unprofessionelles Management57

[...]


1 Vgl. Lowitt, E. (2014), S. 69

2 Vgl. Lowitt, E. (2014), S. 69

3 Vgl. Urbina, I. (2010), o.S.

4 Vgl. The Economist (2008), o.S.

5 Vgl. Weyzig, F. (2006), S. 79f.

6 Vgl. Dobers, P. & Halme, M. (2009), S. 246

7 Vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2014), o.S. 15/115

8 Vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2014), o.S.

9 Vgl. The World Bank (o.J.), o.S.

10 Vgl. The International Statistical Institute (2014), o.S.

11 Vgl. The World Bank (2013), o.S.

12 Vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2014), o.S.

13 Vgl. HSBC Global Asset Management (2011), o.S.

14 Vgl. HSBC Global Asset Management (2011), o.S.

15 Vgl. HSBC Global Asset Management (2011), o.S.

16 Vgl. International Monetary Fund (2011), o.S.

17 Strategic Market Intelligence and Advisory Group (2012), o.S. 18/115

18 Vgl. Barnard, C. I. (1968), S. 258ff.

19 Vgl. Waßmann, J. (2014), S. 3

20 Vgl. Waßmann, J. (2014), S. 10

21 Waßmann, J. (2014), S. 9

22 EU-Kommission (2001), S. 7

23 Vgl. Corsten, H. & Roth, S. (2012), S. 1

24 Vgl. Corsten, H. & Roth, S. (2012), S. 1

25 Corsten, H. & Roth, S. (2012), S. 2

26 Vgl. Acutt, N. J. et al. (2004), S. 303

27 Vgl. Acutt, N. J. et al. (2004), S. 303

28 Vgl. Central Intelligence Agency (2014), o.S.

29 Vgl. Central Intelligence Agency (2014), o.S.

30 Vgl. Central Intelligence Agency (2014), o.S.

31 Vgl. Central Intelligence Agency (2014), o.S.

32 Vgl. Central Intelligence Agency (2014), o.S.

33 Vgl. Central Intelligence Agency (2014), o.S.

34 Vgl. Central Intelligence Agency (2014), o.S.

35 Vgl. Jayakumar, T. (2013), S. 66

36 Vgl. Central Intelligence Agency (2014), o.S.

37 Vgl. Central Intelligence Agency (2014), o.S.

38 Vgl. The World Bank (2013), o.S.

39 Vgl. Balasabrumanian, N. K. et al. (2005), S. 79ff.

40 Vgl. Singh, J. (2008), S. 124f.

41 Vgl. Singh, J. (2008), S. 118

42 Vgl. Kumar, R. et al. (2001), S. 1ff.

43 Vgl. Kumar, R. et al. (2001), S. 2

44 Vgl. Kumar, R. et al. (2001), S. 2

45 Vgl. Kumar, R. et al. (2001), S. 2

46 Vgl. Kumar, R. et al. (2001), S. 3

47 Vgl. Kumar, R. et al. (2001), S. 4f.

48 Vgl. Balasabrumanian, N. K. et al. (2005), S. 80f.

49 Vgl. Kumar, R. et al. (2001), S. 19

50 Vgl. Friedman, M. (1988), S. 218ff.

51 Schwartz, M. S. & SAIIA, D. (2012), S. 6

52 Vgl. Eigene Darstellung in Anlehnung an Van Marrewijk, M. (2003) S. 102

53 Vgl. Eigene Darstellung in Anlehnung an Van Marrewijk, M. (2003) S. 102

54 Vgl. Van Marrewijk, M. (2003) S. 102

55 Vgl. Balasabrumanian, N. K. et al. (2005), S. 86f.

56 Vgl. Fombrun, C. J. & Wiedmann, K. P. (2001), S. 46

57 Vgl. Balasabrumanian, N. K. et al. (2005), S. 3

Details

Seiten
115
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668046634
ISBN (Buch)
9783668046641
Dateigröße
2.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v306878
Institution / Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz – Strategisches Managemnt
Note
Gut
Schlagworte
corporate social responsibility emerging markets eine betrachtung

Autor

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Titel: Corporate Social Responsibility. Eine kritisch analytische Betrachtung mit Fokus auf Emerging Markets