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Vergleich verschiedener Rentenalternativen im Hinblick auf staatliche Förderung für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte

Riester, bAV, Privatvorsorge

Examensarbeit 2013 43 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Rahmenbedingungen
a. Anlegerklassifizierung
b. Gesetzliche Regelungen
i. Steuerliche Vorschriften
ii. Gesetzliche Rentenversicherung
iii. Gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung
iv. Arbeitslosenversicherung
v. Gesetzliche Unfallversicherung
c. Rentenalternativen
i. Private Altersrente
ii. Betriebliche Altersvorsorge
iii. Riesterrente

3. Analyse
a. Vor Rentenbeginn
i. Private Altersrente
ii. Betriebliche Altersrente
iii. Riesterrente
b. Nach Rentenbeginn
i. Gesetzliche Altersrente
ii. Private Altersrente
iii. Betriebliche Altersvorsorge
iv. Riesterrente

4. Empfehlung und Fazit
a. Single-Verbraucher
i. Vor Rentenbeginn
ii. Nach Rentenbeginn
iii. Empfehlung
b. Verbraucher mit Familie
i. Vor Rentenbeginn
ii. Nach Rentenbeginn
iii. Empfehlung
c. Fazit

1. Einleitung

Aufgrund der Sozialversicherungspflicht im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland beziehen die meisten Arbeiter und Angestellte ab Beginn Ihrer Altersrente eine Leistung aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Die gesetzliche Rente reicht oft nicht aus, den finanziellen Bedarf im Alter zu decken1. Aufgrund des umlagefinanzierten Systems ist eine zusätzliche Vorsorge gerade für die jüngere Generation unerlässlich2.

In den letzten zehn Jahren wurden diverse Formen von Anlagemöglichkeiten seitens des Gesetzgebers neu aufgelegt oder die Vorsorgemöglichkeit erweitert. Inzwischen steht der Verbraucher vor undurchsichtigen, vielschichtigen Angeboten. Die richtige Vorsorgealternative zu finden gestaltet sich aufgrund der oft nicht ausreichenden finanziellen Ausstattung für den Verbraucher als schwierig.

Hier soll diese Analyse helfen, die richtige Alternative zu finden. Hauptaugenmerk wird auf der privaten Altersvorsorge, der betriebliche Altersvorsorge (bAV) und der 2001 geschaffenen Riesterrente3 liegen. Die Alternativen unterscheiden sich durch verschieden ausgeprägte staatliche Förderungen, die während der Ansparphase und in der Rentenphase signifikante Unterschiede aufweisen.

Dieser Vergleich bedingt die Ausarbeitung der Rahmenbedingungen aufgrund der Gesetzlage4 und die Auswertung empirischer Angebote der jeweiligen Durchführungswege.

Vorhandene Untersuchungen beschäftigen sich ausschließlich mit einzelnen Aspekten der Vorsorge. So stellt Kiesewetter einen Vorteil der Riesterrente aufgrund steuerlicher Betrachtung fest5. Westerheide vergleicht die Kostenstruktur zwischen privater Vorsorge und Riesterrente6. Weitere Untersuchungen vergleichen die Rendite der Riesterrenten7. Wissenschaftliche Vergleiche, die die spätere Gesamtnettorente des Verbrauchers aus gesetzlicher Renten und zusätzlicher Versorgung errechnen, gibt es zur Zeit nicht. Für den Sparer, der eine Rentenalternative sucht, ist diese Gesamtnettorente entscheidendes Kriterium.

2. Rahmenbedingungen

2.a Anlegerklassifizierung

Die Anlegerklassifizierung stellt einen wichtigen Bestandteil der Beratung des Verbrauchers dar. Der Gesetzgeber hat für den Abschluss einer Rentenversicherung vorgeschrieben, dass jeder Verbraucher vor Vertragsabschluss komplette Informationen über den gewählten Versicherungsschutz erhält8. Dabei müssen drei verschiedene Modellrechnungen erstellt werden, die dem Kunden gemäß seiner Anlegerklasse Auskunft über die mögliche Ablaufleistung bieten9. Diese sind ausschließlich nach Altersklassen eingeteilt. Neben dieser Alterseinstufung gibt es weitere Anlegerklassifizierungen des Gesetzgebers, die wiederum ausschließlich auf den Erfahrungen der Kunden ausgerichtet sind10.

Diese Klassifizierungen reichen einzeln nicht aus, den komplexen Rahmen der staatlichen Förderung zu erfassen. Entscheidend für die staatliche Förderung sind das sozialversicherungspflichtige Einkommen und die Familiensituation des Verbrauchers11. Daher orientiert sich die Anlegerklassifizierung in diesem Vergleich an fiktiven Verbrauchern mit unterschiedlichen Einkommens- und Familiensituationen12. Es werden zwei verschiedene Grundtypen untersucht: Der Verbraucher in einem Singlehaushalt („Single-Verbraucher“) und der Verbraucher aus einem Familienhaushalt („Verbraucher mit Familie“). Da Kinder bei der staatlichen Förderung berücksichtigt werden, werden bei der Berechnung des Familienhaushalts 2 Kinder angenommen (geboren 2005 und 2009). Der fiktive Verbraucher ist am 01.01.1973 geboren und wird mit 67 im Jahr 2040 in Rente gehen. Durch die verschiedenen Klassifizierungen wird die unterschiedliche Förderung deutlich. Dabei sind für die Verbraucher die steuer- und sozialversicherungspflichtigen Grenzen maßgeblich, die die jeweiligen Einkommen betreffen. Neben der Beitragsgrenze für die Kranken- und Rentenversicherung sind dies die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung sowie der Grenzsteuersatz. Daher werden für die Klassifizierung vier verschiedene Einkommensgrößen angenommen.

Der Vergleich beruht auf einer Belastung des Nettoeinkommens in Höhe von 100,- EUR. Dies ergibt bei den geförderten Alternativen (Riester und bAV) einen höheren Bruttobeitrag, der von der individuellen Förderung abhängt. Es werden von fünf Versicherungsanbietern für die Rentenalternativen und jeweiligen Anlegerklassen anhand des Bruttosparbeitrages Angebote eingeholt, aus denen jeweils Durchschnittsrenten gebildet werden. Daran folgt die Analyse der Auswirkungen vor und nach Rentenbeginn für den Verbraucher mit einer abschließenden Empfehlung.

2.b Gesetzliche Regelungen

2.b.i Steuerliche Vorschriften

Grundlage für diesen Vergleich bildet das Lohnsteuersystem für sozialversicherungspflichtig Angestellte gemäß Einkommenssteuergesetz13. Dort heißt es: „Natürliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, sind unbeschränkt einkommensteuerpflichtig“14. Das Einkommen des Verbrauchers wird zu einem progressiven Lohnsteuersatz versteuert. Je höher das erwirtschaftete Bruttoeinkommen, desto höher der Steuersatz, mit dem das Einkommen versteuert werden muss15. Dabei gilt als Grundlage der sog. Grenzsteuersatz, der angibt, mit welchem Steuersatz der letzte Euro des Gehaltes versteuert werden muss.

Die Lohnsteuer wird wie alle anderen vom Angestellten zu tragenden Sozialabgaben direkt vom Lohn abgezogen. Der Verbraucher bekommt seinen Nettolohn ausgezahlt16. Dabei werden dem Verbraucher einige Aufwendungen mit Freibeträgen in Abzug gebracht17. Am Ende des Jahres hat der Verbraucher zusätzlich die Möglichkeit eine Einkommenssteuererklärung abzugeben. Darin kann er bestimmte Aufwendungen, die die Freibeträge übersteigen angeben und so eine Steuerrückerstattung bekommen18. Bei diesem Vergleich werden keinerlei zusätzlichen Steuererstattungen berücksichtigt.

Ab Rentenbeginn bildet die gesetzliche Rente die Grundlage der Steuerlast des Verbrauchers19. Die gesetzliche Rente wird bei Rentnern, die nach dem 01.01.2040 in die gesetzliche Altersrente gehen, voll versteuert. Geht der Verbraucher vor diesem Datum in Rente, wird seine gesetzliche Rente nur anteilig versteuert20. Dieser Anteil wird bei Rentenbeginn für den Rentner festgeschrieben und ändert sich nicht mehr. So muss ein Rentner der 2020 in Altersrente geht lediglich 80 % seiner gesetzlichen Rente versteuern.

Sowohl für Arbeitnehmer als auch Rentner gilt, dass weiter Einkünfte (Mieteinnahmen, Zinsen, etc.) zusätzlich versteuert werden müssen. Dabei gibt es diverse Regelungen im Steuerrecht (Vgl. Kapitalertragssteuer, Rentenbesteuerung), auf die hier nur verwiesen werden soll.

2. b.ii Gesetzliche Rentenversicherung

Die gesetzliche Altersrente ist der grundlegende Rentenbaustein für alle sozialversicherungspflichtig Angestellten in Deutschland. Von dem Bruttogehalt des Angestellten wird der Beitrag zur Rentenversicherung berechnet. Der Beitragssatz liegt aktuell bei 18,9 % des Bruttolohns21. Der Beitrag wird jeweils hälftig von Arbeitnehmer und Arbeitgeber gezahlt. Die eingezahlten Gelder werden verwendet, um jetzigen Rentenbeziehern die Rente auszuzahlen22. Aufgrund dieses Umlageverfahrens spricht man von einem „Generationenvertrag“.

Der Beitrag wird dem Beitragskonto des Angestellten gutgeschrieben. Je Beitrag erhält der Arbeitnehmer Entgeltpunkte. Dabei gilt: je höher der Beitrag, desto höher die gutgeschriebenen Punkte. Ein Entgeltpunkt entspricht der hälftigen Beitragsbemessungsgrenze. Der Beitrag ist begrenzt auf die Beitragsbemessungsgrenze, die jedes Jahr angepasst wird23. Im Jahr 2013 liegt die Beitragsbemessungsgrenze bei 69.600 EUR p.a24 Aus den persönlichen Entgeltpunkten berechnet sich die individuelle Rente25:

Persönliche Entgeltpunkte x Rentenartfaktor x aktueller Rentenwert = Monatsrente Der Rentenwert für die alten Bundesländer liegt aktuell bei 28,07 EUR monatlich, der Rentenwert für das Beitrittsgebiet Ost (neue Bundesländer) bei 25,74 EUR26. Der Rentenartfaktor gibt Auskunft über die Rentenart, die dem Bezieher zusteht. Aufgrund der verschiedenen Rentenarten wird für diesen Vergleich nur die Altersrente West berücksichtigt27.

Die Altersrente wird dem Angestellten monatlich gezahlt, sobald er bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Diese sind sehr umfangreich und unterliegen ständiger Anpassungen durch den Gesetzgeber. Hauptkriterium war das Erreichen des 65. Lebensjahres. Durch die Rentennovellierungen wurde das Renteneintrittsalter schrittweise für zukünftige Rentner erhöht, so dass für alle ab 1964 Geborene das Erreichen des 67. Lebensjahres zum Bezug der Altersrente festgesetzt wurde28. Wird einmal eine Altersrente bezogen, wird diese ein Leben lang gezahlt. Die Altersrente ist aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze in 2013 auf 2.200,- EUR Brutto begrenzt. Zusätzlich zur Altersrente gibt es die Erwerbsminderungsrente. Fällt ein Arbeitnehmer aufgrund längerer Krankheit für mindestens sechs Monate oder länger aus, so kann er eine Rente wegen Erwerbsminderung beantragen. Dabei wird durch unabhängige Ärzte die Arbeitsfähigkeit des Angestellten festgestellt. Kann dieser einer Arbeitstätigkeit für mindestens sechs Stunden am Tag nachgehen, erhält er keine Leistung. Liegt die Arbeitsleistung zwischen drei und sechs Stunden am Tag, erhält er die halbe Erwerbsminderungsrente. Nur wenn ein Angestellter weniger als drei Stunden täglich irgendeine auf Erwerb ausgerichtete Tätigkeit ausüben kann, erhält er die volle Erwerbsminderungsrente29.

Steigende Lebenserwartungen, eine älter werdende Gesellschaft und nicht genug Beitragszahler führten in der Vergangenheit immer wieder zu Rentensenkungen30: so soll das Rentenniveau von aktuell 49,7 % weiter auf 46,2 % des Bruttolohnes im Jahr 2023 sinken31. Im Jahr 1994 lag das Rentenniveau noch bei 54,7 %. Dies verdeutlicht nochmals die Notwendigkeit, ergänzende Vorsorgealternativen für das Rentenalter aufzubauen.

Jeder Arbeitnehmer erhält ab dem 27. Lebensjahr eine Rentenauskunft, in der die Höhe der zu erwartenden Rente aufgrund der vergangenen Beitragsjahre hochgerechnet wird32. Diese Hochrechnung dient im weiteren Vergleich als Basis der Versorgung im Rentenalter.

2.b.iii Gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung

In Deutschland gibt es seit dem 1995 eine Pflicht zur Pflegeversicherung33. Zusätzlich hat der Gesetzgeber in 2009 eine Pflicht zur Krankenversicherung eingeführt. Jeder sozialversicherungspflichtig Angestellte ist pflichtversichert in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung solange das Bruttojahreseinkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze von derzeit 52.200 EUR nicht übersteigt34. Liegt der Verdienst über dieser Entgeltgrenze, so hat der Angestellte die Wahl zwischen einer freiwilligen Mitgliedschaft in der gesetzlichen oder dem Wechsel zu einer privaten Kranken- und Pflegeversicherung. Private und gesetzliche Versicherung unterscheiden sich deutlich in Beitrag und Leistung. Auf eine nähere Erläuterung wird im Hinblick auf die begrenzte Aufgabenstellung verzichtet und der Fokus ausschließlich auf die gesetzliche Versicherungsform gerichtet. Der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung wird einheitlich anhand des Beitragssatzes berechnet, der aktuell bei 15,5 % des jeweiligen Bruttolohns liegt35. Von diesen 15,5 % trägt der Arbeitgeber 7,3 % und der Angestellte 8,2 %. Der Arbeitgeber zahlt zusätzlich in eine Umlagekasse ein. Hier sind die Beitragssätze je nach Krankenversicherung unterschiedlich und für diesen Vergleich ohne Relevanz. Zusätzlich zu dem Beitrag zur Krankenversicherung wird ein Beitrag zur Pflegeversicherung erhoben. Dieser wird hälftig von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen. Für Angestellte mit eigenen Kindern liegt der Beitrag bei 2,05 % des Bruttolohns, Angestellte ohne Kinder müssen einen Zuschlag von 0,25 % zahlen und ohne Arbeitgeberanteil finanzieren36. Die Beitragssätze sind auf ein Einkommen von 47.200 EUR (Beitragsbemessungsgrenze 2013) begrenzt37.

Der nicht arbeitende Ehepartner sowie Kinder, für die der Beitragszahler Kindergeld bezieht, sind beitragsfrei mitversichert38.

Neben der Versorgung bietet die gesetzliche Krankenversicherung weitere Leistungen an. Relevant ist vor allem das sogenannte Krankengeld. Der Arbeitnehmer erhält im Falle einer Erkrankung sein reguläres Gehalt vom Arbeitgeber gezahlt. Im Regelfall zahlt nach 6 Wochen andauernder Krankheit oder Erkrankung nicht mehr der Arbeitgeber, sondern die gesetzliche Krankenversicherung an den Angestellten39. Dabei wird das durchschnittliche Bruttoeinkommen der letzten 12 Monate als Grundlage genommen. Liegt dies über der Beitragsbemessungsgrenze wird für die Berechnung das Bruttoeinkommen auf Höhe der Beitragsbemessungsgrenze begrenzt. Der Arbeitnehmer erhält 70 % vom Bruttoeinkommen - maximal 90 % vom Nettoeinkommen - als Versicherungsleistung40. Diese Entgeltersatzleistung ist Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherungspflichtig. Für den Beitrag zu den Sozialversicherungen werden 80 % der Ersatzleistung berücksichtigt41. Die entstehende Einkommenslücke steigt progressiv mit steigendem Einkommen. Angestellte, deren Bruttogehalt über Beitragsbemessungsgrenze liegt, haben zusätzliche Nachteile, da es einen Höchstsatz gibt:

(Beitragsbemessungsgrenze x 70 %) - 11,975 % (Sozialabgaben)

Die Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung ist also auf 2.426,19 EUR monatlich begrenzt.

2.b.iv gesetzliche Arbeitslosenversicherung

Die Arbeitslosenversicherung ist für alle Arbeitnehmer in Deutschland eine soziale Pflichtversicherung42. Der Beitragssatz von momentan 3 % des Bruttolohns wird hälftig von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen43. Höchstgrenze ist die Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Rentenversicherung44. Der Arbeitnehmer erhält im Falle der Arbeitslosigkeit neben Beratungs-, Vermittlungs- und Schulungsangeboten eine Entgeltersatzleistung. Diese ist auf 12 Monate begrenzt und beträgt bei Verheirateten mit Kindern 67 %, bei Kinderlosen 60 % des pauschalierten Nettoentgeltes der letzten 12 Monate45. Die Höchstgrenze des Arbeitslosengeldes wird durch die Beitragsbemessungsgrenze vorgegeben46, so dass höhere Einkommen bei Bezug aus der Arbeitslosenversicherung größere Einkommensverluste hinnehmen müssen.

2.b.v Gesetzliche Unfallversicherung

Die gesetzliche Unfallversicherung ist ein weiterer Teil der gesetzlichen Sozialversicherungen und eine Pflichtversicherung für jeden Angestellten47. Neben Angestellten sind weitere Personenkreise pflicht- und freiwillig versicherbar, auf die dieser Vergleich jedoch nicht zielt und die daher vernachlässigt werden48. Die Unfallversicherung hat die Aufgabe der Prävention von Unfällen und Berufskrankheiten, Rehabilitation oder Entschädigung der Leistungsfähigkeit49. Die Beiträge werden ausschließlich durch den Arbeitgeber getragen. Diese sind anteilig anhand der Bruttoeinkommen der Angestellten zu entrichten50. Der Angestellte wird für Unfälle (im direkten Zusammenhang mit der Berufstätigkeit) oder Berufskrankheiten51, die eine (auch teilweise) Erwerbsminderung nach sich ziehen, mit einer lebenslangen Rentenzahlung entschädigt. Die Rentenzahlung richtet sich nach dem Jahresarbeitsverdienst des Angestellten52. Die genauen Zahlungsarten, Ausführungen, Beschränkungen und Vorgaben sind für diesen kompakten Vergleich zu vielfältig und würden die Aufgabenstellung sprengen.

2.c Rentenalternativen

2.c.i. Private Altersrente

Um ergänzende Rentenleistungen oder im Alter eine Kapitalzahlung zu erhalten haben viele Angestellte in den letzten Jahrzehnten auf eine Lebens- oder Rentenversicherung zurückgegriffen53. Bei der Lebensversicherung wird ein vertraglich festgelegter Todesfallschutz von Vertragsbeginn an garantiert, die Rentenversicherung sieht im Todesfall die Rückzahlung des Vertragsguthabens vor54. Grundlage beider Tarife ist ein Beitrag, den der Kunde an den jeweiligen Versicherer leistet. Von diesem zieht der Versicherer die Kosten für Vertragsführung, Todesfallschutz (Lebensversicherung) sowie für Abschluss- und Vertrieb ab. Nach Abzug der Kosten verbleibt der Sparanteil des Kunden. Der Kunde kann bei Vertragsabschluss wählen, ob eine klassische oder fondsgebundene Variante gewählt werden soll. Bei der fondsgebundenen Anlage wird der Sparanteil direkt in einen Fonds investiert. Der Versicherer verwaltet lediglich die Fondsanteile für den Kunden und stellt eventuelle Versicherungsleistungen (Beitragsgarantie, Todesfallschutz). Die klassische Anlage unterliegt staatlichen Vorschriften: Der Versicherer muss dem Kunden eine garantierte Verzinsung bieten, die über die gesamte Laufzeit gewährt werden muss55. Diese wird jeweils an die durchschnittliche Rendite zehnjähriger Staatsanleihen angepasst - wobei der Höchstrechnungszins 60 % dieser Rendite nicht übersteigen darf56. Zusätzlich muss der Versicherer dem Kunden an den entstehenden Überschüssen und stillen Reserven beteiligen57. Zum Ablauf der Versicherung hat der Kunde ein Wahlrecht zwischen lebenslanger Renten- oder einmaliger Kapitalauszahlung.

Die jeweiligen Tarife der Lebens- oder Rentenversicherung sind Grundlage für die Tarife der betrieblichen Altersvorsorge sowie der Riesterrente. Aufgrund schwankender Renditen in den letzten Jahren am Aktienmarkt58 werden für diesen Vergleich klassische Tarife herangezogen, deren Leistung vergleichbar ist. Verglichen werden muss die Gesamtrente eines jeden Tarifes, da nur hier die Riesterförderung eingerechnet wird.

2.c.ii. Betriebliche Altersvorsorge

Als Ergänzung zu den Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung hat seit 2002 jeder Angestellte das Recht auf eine betriebliche Altersvorsorge (bAV)59. Dabei kann der Beitrag sowohl vom Arbeitgeber (Arbeitgeberfinanziert) als auch vom Arbeitnehmer (Arbeitnehmerfinanziert) geleistet werden. Bei der arbeitgeberfinanzierten bAV bezahlt die Firma für den Angestellten zusätzlich zu den Gehaltszahlungen eine Summe für den Arbeitnehmer, bei der arbeitnehmerfinanzierten bAV verzichtet der Angestellte auf einen Teil seines sozialversicherungspflichtigen Gehaltes („Entgeltumwandlung“). Diese Summe wird angelegt und steht dem Angestellten bei Renteneintritt als zusätzliche Rente zur Verfügung. Während der Beitragszahlung („Aufschubphase“) sind im Regelfall keine Steuer oder Sozialabgaben fällig, der Arbeitnehmer muss im Renteneintritt diese Leistungen selber nachholen. Der Arbeitnehmer erhält in der Regel mit Ablauf der Versicherung ein Kapitalwahlrecht.

Es gibt fünf verschiedene Durchführungswege, die sich durch die Art der Anlagemöglichkeit unterscheiden60.

Die Direktzusage wird durch den Arbeitgeber gestellt und schlägt sich in der Bilanz des Unternehmens als Pensionsverpflichtung nieder, was sich bei Refinanzierungen am Kapitalmarkt oft negativ auswirkt.

Die Unterstützungskasse ist an eine eigene rechtsfähige Versorgungseinrichtung gebunden, die entweder neu gegründet werden muss, oder der sich der Angestellte anschließen kann. Die Unterstützungskasse kann die Gelder frei anlegen. Sie selber gewährt keinen Rechtsanspruch auf die Versorgungsleistung. Dies muss der Arbeitgeber dem jeweiligen Arbeitnehmer gewähren61.

Aufgrund dieser Einschränkungen werden die beiden vorgenannten Durchführungswege in der Praxis nur für langjährige oder geschäftsführende Mitarbeiter angewandt62.

Der dritte Durchführungsweg ist der Pensionsfonds63. Es wird eine eigenständige Aktiengesellschaft (AG) oder ein Pensionsfondsvereins auf Gegenseitigkeit (VVaG) gegründet, der die Gelder für die Kunden verwaltet und anlegt. Die Gelder werden direkt am Kapitalmarkt angelegt, so dass eine höhere Rendite erwartet werden kann. Die in Deutschland meist gewählten Durchführungswege in der bAV sind jedoch die Direktversicherung und Pensionskasse64.

[...]


1 Vgl. beispielsweise Doetsch et al. (2010), S.11

2 Vgl .Blank F (2011) S. 109-115

3 Gesetz zur Reform der gesetzlichen Rentenversicherung und zur Förderung eines kapitalgedeckten Altersvorsorgevermögens vom 26..06.2001 - AVmG

4 AVmG, EStG, SGB V + VI

5 Vgl. Kiesewetter 2010a, S.68-74

6 Westerheide el. 2010

7 Hagen/Kleinlein 2011, S. 104-14, Finanztest 2009, S.12-14

8 Versicherungsvertragsgesetz - VVG § 62

9 VVG § 154

10 Einstufung anhand der Erfahrungen beim Kauf von Wertpapieren - Gesetz über den Wertpapierhandel - WpHG § 31 Abs. 4 und 5

11 AVmG § 79,84-89

12 Tabelle 1: Verbrauchertypen

13 Einkommenssteuergesetz EStG § 19 - nichtselbständige Arbeit

14 EStG § 1 (1) Satz 1

15 Abbildung 1: . Einkommensteuertarife - Steuerprogression bei Lohnsteuerklasse I

16 EStG § 39 b - Einbehaltung der Lohnsteuer

17 EStG § 31 - 35 b

18 EStG § 36 (4) Satz 2 - Entstehung und Tilgung der Einkommensteuer

19 EStG § 22 - sonstige Einkünfte

20 Abbildung 2: Versteuerung der gesetzlichen Rente

21 Statistik der Deutschen Rentenversicherung, aktuelle Daten 2013

22 Sozialgesetzbuch - SGB VI. Buch § 153 (1) - Umlageverfahren

23 SGB VI. Buch - § 159 - Beitragsbemessungsgrenzen

24 Statistik der Deutschen Rentenversicherung, aktuelle Daten 2013

25 SGB VI. Buch - § 64 - Rentenformel für Monatsbetrag der Rente

26 Statistik der Deutschen Rentenversicherung, aktuelle Daten 2013

27 Tabelle 2: Rentenarten und deren Rentenfaktor

28 Abbildung 3: Veränderung Renteneintrittsalter

29 Abbildung 4: Erwerbsminderungsrente

30 Abbildung 5 : Entwicklung des Rentenniveaus und Prognose für die Zukunft

31 Vgl.: BT-Drucksache 17/52 S.8

32 SGB VI. Buch § 109 - Renteninformation und Rentenauskunft

33 SGB XI. Buch § 20 - Versicherungspflicht in der sozialen Pflegeversicherung für Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung

34 SGB V. Buch § 5 Versicherungspflicht

35 AOK, Beitragssätze 2013

36 AOK, Beitragssätze 2013

37 AOK; Beitragssätze 2013

38 SGB V. Buch - § 10 - Familienversicherung

39 SGB V. Buch - § 44 - Krankengeld

40 SGB V. Buch § 47 - Höhe und Berechnung des Krankengeldes

41 SGB III § 345 Nr. 5, SGB VI § 166 Abs. 1 Nr. 2, SGB XI § 57 Abs. 2

42 SGB III § 24 - 28 Beschäftigte, Sonstige Versicherungspflichtige

43 AOK, Beitragssätze 2013

44 SGB II § 341 - Beitragssatz und Beitragsbemessung

45 SGB II § 149, 150

46 SGB II § 151 Abs. 1 Satz 1

47 SGB VII § 2 Abs. 1 Satz 1

48 Vgl. SGB VII § 2 - 6

49 SGB VII § 1 - Prävention, Rehabilitation, Entschädigung

50 SGB VII § 153 - Berechnungsgrundlagen

51 SGB VII § 7 (1)

52 SGB VII § 56 - Voraussetzungen und Höhe des Rentenanspruchs

53 Abbildung 6. Bestand an Altersrentenversicherungen

54 Vgl. Kurzendörfer

55 Abbildung 7: Entwicklung Garantiezinssatz

56 Gesetz über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen VAG § 65 - Deckungsrückstellungen

57 VAG § 56 a - Überschussbeteiligungen

58 Abbildung 8: Dax Verlauf der letzten 10 Jahre

59 Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersvorsorge- BetrAVG § 1 a - Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung

60 Tabelle3: Unterschiede der betrieblichen Altersvorsorge

61 Gesetz zur betrieblichen Altersvorsorge - BetrAVG § 1 Satz 3

62 Abbildung 9: Entwicklung und Anzahl aktiver bAV-Anwartschaften 2001-2011

63 VAG § 112 - Definition

64 Abbildung 10: Verteilung betriebliche Altersvorsorge im Mittelstand

Details

Seiten
43
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668046757
ISBN (Buch)
9783668046764
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v306876
Institution / Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Essen
Note
2,0
Schlagworte
vergleich rentenalternativen hinblick förderung beschäftigte riester privatvorsorge

Autor

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Titel: Vergleich verschiedener Rentenalternativen im Hinblick auf staatliche Förderung für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte