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Interkulturelle Kompetenzen in der Sozialberatung

Der Sozialberater inmitten fachlicher und interkultureller Vielfalt

Bachelorarbeit 2015 58 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Sozialberatung
2.1 Notwendigkeit der Sozialberatung
2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen
2.3 Das Beratungsangebot
2.4 Ablauf
2.5 Ziele der Sozialberatung

3. Interkulturelle Kompetenzen des Sozialberaters
3.1 Definition von interkulturellen Kompetenzen
3.2 Kultur und interkulturelle Kompetenzen
3.3 Notwendigkeit in der Sozialberatung
3.4 Voraussetzungen für die Sozialberatung

4. Ansätze für die Einteilung kultureller Unterschiede
4.1 Ethische Ansätze
4.2 Emische Ansätze

5. Praxisbeispiele
5.1 Die Kulturbrille
5.2 Russische Eigenschaften
5.3 Türkische Eigenschaften

6.Fazit

7.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der interkulturellen Kompetenzen in der Sozialberatung, mit dem Fokus auf die allgemeine Sozialberatung. Die allgemeine Sozialberatung wird von öffentlichen Trägern und von freien Trägern angeboten. Öffentliche Träger sind behördliche Träger der Jugendhilfe und der Sozialhilfe. Im weiten Verständnis sind Sozialleistungsträger nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) und Träger der Sozialhilfe gemeint.[1] *

Diese Arbeit behandelt in erster Linie freie Träger wie die Caritas oder die Arbeiterwohlfahrt. Es sind Anlaufstellen für Menschen, die sich mit einer schwierigen sozialen Situation konfrontiert sehen und aus eigener Kraft keinen Ausweg mehr sehen. Man kann sich die Sozialberatung als eine Art von Hausarzt vorstellen, allerdings nicht auf körperliche Mängel bezogen, sondern auf soziale Situationen. Die gut vernetzte Fachkompetenz solcher Anlaufstellen kann vielen Menschen helfen. Jeder kann zur Sozialberatung kommen, sie ist kostenlos und freiwillig. Häufig kommen Menschen, die überschuldet sind, Probleme mit der Handhabung von Bescheiden, der Kindererziehung, oder Familienprobleme haben. Der Ursprung vieler dieser Probleme ist in der sich ausbreitenden Armut zu finden. Wenn Ratsuchende tiefer gehende Probleme haben, die nicht vor Ort gelöst werden können, werden sie an weitere Fachstellen weitergeleitet. Zum Beispiel, Personen mit Alkohol-, Drogen-, oder Spielsucht können zu einer Fachambulanz für Suchtkranke oder Familien mit Kleinkindern, beziehungsweise werdende Mütter, zur Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen weitergeleitet werden.[2]

Viele Menschen haben anfangs Bedenken sich Hilfe bei derartigen Beratungsstellen zu suchen. Dies liegt an Schamgefühlen oder dem Gedanken, dass sie sich auch selbst aus den Schwierigkeiten befreien können. Allerdings ist die Sozialberatung in Deutschland mittlerweile gut besucht, da Hilfesuchende viele Vorteile von einem Besuch in einer derartigen Einrichtung ziehen könne. „Trennungen, Verluste, Arbeitslosigkeit, finanzielle Notsituationen, Krankheiten, Unfälle, aber auch seelische Ausnahmesituationen können massive Krisen darstellen. Aus Unsicherheit, Scham oder Stolz können sich Menschen dann oft niemandem mehr anvertrauen.“[3]

Der Sozialberater trägt ein hohes Maß an Verantwortung für die Ratsuchenden. Es kommen Menschen, die aufgrund ihrer finanziellen Probleme auch ein hohes Maß an psychischen Belastungen schultern müssen. Es kommen Menschen aus verschiedenen Ländern, mit verschiedenen Glaubensrichtungen und verschiedenen Sprachen. Dies verlangt dem Sozialberater ein gewisses Maß an interkulturellen Kompetenzen ab, da ohne diesen der Hilfeversuch scheitern würde. Interkulturelle Kompetenzen sind Fähigkeiten, die es dem Berater ermöglichen mit Menschen anderer Kulturen auf Augenhöhe zu kommunizieren. „Die Fähigkeit, effektiv mit Menschen, die über andere kulturelle Hintergründe verfügen, umzugehen und zusammenzuarbeiten, wobei die Effektivität auf beiden Seiten als solche empfunden werden sollte, wird mit interkultureller Kompetenz beschrieben. Wichtig sind dabei die emotionale Kompetenz und die interkulturelle Sensibilität, die es uns erlauben, die Konzepte der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens und Handelns der Fremdkultur bei unserem Handeln zu berücksichtigen.“[4] In dieser Arbeit soll die Forschungsfrage beantwortet werden, welche interkulturellen Kompetenzen in der Sozialberatung erforderlich sind, sowie welchen Stellenwert sie besitzen.

Um das Thema der interkulturellen Kompetenzen in der Sozialberatung adäquat zu behandeln wird in erster Linie, sprich im zweiten Kapitel, ein Blick auf die Sozialberatung im Allgemeinen gelegt. Es wird zunächst die Notwendigkeit (2.1) dieser Form von Beratung besprochen, wobei das Augenmerk, so wie in der Fachliteratur, hauptsächlich auf die Arbeitslosigkeit und Armut als Auslöser sozialer Schwierigkeiten gelegt wird. In Kürze werden die rechtlichen Rahmenbedingungen (2.2), das Beratungsangebot (2.3) und der Ablauf (2.4) einer Beratung angeführt, bevor im Unterkapitel 2.5 die Ziele der Beratung wieder ausführlicher behandelt werden. Das dritte Kapitel widmet sich den interkulturellen Kompetenzen des Sozialberaters. Hier, im Hauptkapitel dieser Arbeit, soll zunächst eine ausführliche Definition (3.1) von interkulturellen Kompetenzen erarbeitet werden, um ein gutes Fundament für die weitere Arbeit zu erhalten. Folglich sollen die Kultur und interkulturellen Kompetenzen (3.2), die Notwendigkeit solcher Kompetenzen in der Sozialberatung (3.3) und die Voraussetzungen solcher Kompetenzen in der Sozialberatung (3.4) diskutiert werden. Im vierten Kapitel folgen Ansätze für die Einteilung kultureller Unterschiede. Abschließend werden im fünften Kapitel Praxisbeispiele angeführt, welche die Wichtigkeit von interkulturellen Kompetenzen des Sozialberaters unterstreichen sollen und im sechsten Kapitel wird ein Fazit verfasst, in dem die Forschungsfrage beantwortet werden soll.

2. Die Sozialberatung

Die Sozialberatung kann als ein Teil der Sozialarbeit betrachtet werden, der für sie immer schon charakteristisch war. Dies ist leicht nachzuvollziehen, da die Klienten der Sozialarbeit in den vergangenen hundert Jahren in erster Linie Menschen aus der armen Bevölkerung waren. Die Armutsproblematik hat sich in Deutschland in den letzten Jahren/ Jahrzehnten verschärft, worauf im späteren Verlauf der Arbeit noch näher eingegangen werden soll. „Dies ist verbunden mit einer Abhängigkeit erheblicher Teile der Bevölkerung von knappen gesellschaftlichen Transferleistungen. Gleichzeitig gibt es eine massenhafte Zunahme fehlerhafter Verwaltungsentscheidungen. Hieraus erklärt sich der ständig steigende Bedarf an Unterstützung durch Sozialberatung.“[5] Obwohl die Sozialberatung ein wichtiger Teil der Sozialarbeit ist, existiert bis heute nur wenig Literatur über dieses Thema, sowie die Sozialberatung auch in der Öffentlichkeit nicht besonders intensiv kommuniziert wird.

Die Sozialberatung ist für Menschen jeder Herkunft, jedes Glaubens und jedes Alters offen, für Alleinstehende, Alleinerziehende und Familien. Die Beratung erfolgt kostenlos, anonym und vertraulich. Egal welches soziale Problem der Ratsuchende mit sich trägt, er kann Hilfe bei der Sozialberatung suchen. Als zentrales Thema der Einrichtungen wird allerdings das soziale System bearbeitet, sowie die Lösungssuche von Problemen der Klienten mit diesem System.[6] Obwohl die Sozialberatung, diese schließt auch die sozialrechtliche Beratung ein, keinerlei juristische Beratung darstellt, darf sie auch als solche funktionieren. „Insoweit ist eine rechtliche Beratung zwar nicht das Hauptanliegen der Beratung, aber ein unverzichtbarer Teilaspekt. Hierfür gilt, soweit die Beratung nicht durch eine qualifizierte fachkundige Person mit juristischer Ausbildung (Rechtsanwalt oder Volljurist) erfolgt, dass die im Rahmen der allgemeinen Sozialberatung der Volkssolidarität gegebenen Hinweise und Antworten keine individualisierte Rechtsberatung darstellen. [...] Unsere Informationen und Ratschläge können eine rechtliche und/oder anwaltliche Beratung nicht ersetzen.“[7] Dies wird ebenfalls weiter unten, im Unterkapitel 2.2, genauer behandelt.

Das grundlegende Ziel der allgemeinen Sozialberatung ist, dass bedürftige Menschen einen möglichst unkomplizierten Zugang zur Hilfe in sozialen Problemen erhalten. „Sozialarbeiter/innen fungieren in der Sozialberatung i.d.R. zwischen dem Sozialstaat und den armen Menschen, sie erstellen eine Brücke zwischen abstrakten Vorgaben und situationsbedingten Unerlässlichkeiten.“[8] Als Zuhörer, Ratgeber und Mentor versucht die Sozialberatung Menschen zu helfen, die sich im Dschungel der angebotenen, gesetzlichen Hilfen und Ansprüche nicht zurechtfinden. Viele Menschen haben nicht nur mit einem Problem zu kämpfen, sondern mit vielen verschiedenen gleichzeitig. Oft ist es die Komplexität der Situation, welche die Ratsuchenden zur Verzweiflung bringt, weshalb die Klienten auch häufig zu unterschiedlichen Fachstellen weitergeleitet werden müssen.[9]

2.1 Notwendigkeit der Sozialberatung

Die Notwendigkeit der Sozialberatung ergibt sich in erster Linie aus der steigenden Anzahl an armen Menschen in Deutschland. „Armut wird ein immer bedeutenderes Thema in der Gesellschaft, in der Politik, aber auch in der Sozialen Arbeit.“[10] Zwar muss in Deutschland kein Mensch mehr verhungern, „wenn man sich dieses Thema jedoch genauer ansieht, wird deutlich, dass Armut nicht nur dann besteht, wenn ein Mensch um sein körperliches Überleben kämpft, sondern dass sie auch in vielen anderen Bereichen sichtbar wird.“[11] So wie Menschen mit körperlichen Leiden und aufkommenden Krankheiten einen Hausarzt besuchen, so besuchen Menschen mit sozialen Problemen die Sozialberatung, welche zunächst als erster Ansprechpartner, Clearingstelle und Zuhörer agiert, bevor Lösungen erarbeitet werden.

Armut ist ein schwer zu definierender Begriff, da Armut nicht homogen ist. Sie ist ein dynamisches Phänomen, welches unterschiedliche Verläufe und Situationen umfasst. Meistens werden die Übergänge zwischen unterschiedlichen Formen von Armut wenig berücksichtigt und Ärmste, Arme und mittelmäßig Arme werden unter einem Begriff zusammengefasst. Für die Sozialberatung ist die Unterscheidung der unterschiedlichen Formen grundsätzlich für die Arbeit. „Armut wird subjektiv wahrgenommen und lässt sich nur schwer objektiv bemessen, da es bspw. darauf ankommt, welche Menschengruppen miteinander verglichen werden. Außerdem wird der Armutsbegriff sehr stark von den jeweils geltenden sozialstaatlichen Rahmenbedingungen geprägt.“[12]

Eine Form von Armut kann durch die Arbeitslosigkeit entstehen. Im Januar des Jahres 2015 ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland um 268.000 auf über drei Millionen gestiegen.[13] Verglichen mit anderen europäischen Ländern, aber auch weltweit, hat Deutschland eine sehr geringe Arbeitslosigkeit.[14] Dies muss zu Beginn dieser Arbeit deutlich gemacht werden, bevor über die Armut in Deutschland gesprochen werden kann. „Auch mehr als sechs Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise nimmt die Arbeitslosigkeit weltweit immer noch zu. Die Zahl der Menschen ohne Job werde bis 2019 von derzeit 201 Millionen auf dann 212 Millionen steigen, warnte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos.“[15]

[...]


[1] Vgl. Krüger, Rolf (2011): Sozialberatung. Werkbuch für Studium und Berufspraxis. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, S. 58.

*Öffentliche Träger sind für die Organisation und Umsetzung der Sozialleistungen zuständig. Zu diesen zählen Agentur für Arbeit, Jobcenter, die Krankenkassen, Pflegekassen, Jugendämter, Sozialämter und etc. Zusätzlich sind sie verpflichtet die Menschen über ihre Pflichte und Rechte zu informieren und zu beraten (§§13-15 SGB I).

[2] Vgl., Ebd., S. 47ff.

[3] Rodemeier, Anke: Allgemeine Sozialberatung. In: http://www.diakonisches-werk-rhauderfehn.de/allgemeine_sozialberatung vom 20.05.2015.

[4] Reeb, Alexander: Interkulturelle Kompetenzen.

In: http://www.ikud.de/glossar/interkulturelle-kompetenz-definition.html vom 20.05.2015.

[5] Krüger, Rolf (2011): Sozialberatung. Werkbuch für Studium und Berufspraxis. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, S. 13.

[6] Vgl., Soziale Schuldnerberatung im Landkreis Stade: Sozialberatung. In: http://www.schuldnerberatung-stade.de/pages/sozialberatung.php vom 27.03.2015.

[7] Volkssolidarität (2009): Sozialberatung in der Volkssolidarität . Handreichung. Volkssolidarität Bundesverband e.V., Berlin, S.9.

[8] Krüger, Rolf (2011): Sozialberatung. Werkbuch für Studium und Berufspraxis. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, S. 41.

[9] Vgl. Ebd., S. 47ff.

[10] Ebd., S. 14.

[11] Ebd., S. 14.

[12] Krüger, Rolf (2011): Sozialberatung. Werkbuch für Studium und Berufspraxis. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, S. 14.

[13] Vgl. Spiegel-Online: Wintersaison: Arbeitslosigkeit steigt auf mehr als drei Millionen. In: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/januar-arbeitslosigkeit-steigt-auf-mehr-als-drei-millionen-a-1015604.html vom 28.03.2015.

[14] Vgl. Länderdaten: Arbeitslosenquote. In: http://www.laenderdaten.de/wirtschaft/arbeitslosenquote.aspx vom 28.03.2015.

[15] Süddeutsche Zeitung-Online: Weniger Wachstum, mehr Arbeitslose. In:http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/weltweite-wirtschaftsentwicklung-weniger-wachstum-mehr-arbeitslose-1.2312401 vom 28.03.2015.

Details

Seiten
58
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668051294
ISBN (Buch)
9783668051300
Dateigröße
861 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v306749
Institution / Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel – Fachhochschule
Note
2,3
Schlagworte
interkulturelle kompetenzen sozialberatung sozialberater vielfalt

Autor

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Titel: Interkulturelle Kompetenzen in der Sozialberatung