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Sklavenhaltung in der römischen Kaiserzeit. Die Positionen von Plinius dem Jüngeren und Martial

Bachelorarbeit 2012 35 Seiten

Klassische Philologie - Latinistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Sklavenfrage zur Kaiserzeit

III. Plin. epist. 5,19: die humanitas Pliniana

IV. Mart. 1,101: die persona Martialis

V. Fazit

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die beiden Schriftsteller aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert legten in ihren Werken auch ihr Verhältnis zu den Sklaven dar. Plinius (um 62-113 n. Chr) tat dies in einigen seiner Briefe, von denen ich epist. 5,19 analysieren möchte. Martial (um 39-102 n. Chr.) spricht die Sklavenfrage in einigen seiner Epigramme an. Hier soll das Grabepigramm I, 101 die Grundlage meiner Analyse sein.

Ziel der Arbeit ist es, den Motiven und Begründungen dieser Schriftsteller nachzugehen sowie die literarischen Mittel aufzuzeigen, mit denen sie ihre Vorstellungen den Lesern vermitteln wollten. Verfolgten sie mit der Betonung ihrer humanitas mehr pragmatische Ziele wie allgemeines Ansehen, beste Nutzung der Arbeitskraft der Sklaven und persönliche Sicherheit oder stand bei ihnen eine menschenfreundliche Gesinnung gegenüber Sklaven im Vordergrund? Worin unterscheiden sich die Motive dieser Literaten?

Um die beiden Schriftsteller zu verstehen, bedarf es zunächst eines kurzen Abrisses der Sklavensituation zur Kaiserzeit.

II. Die Sklavenfrage zur Kaiserzeit

Seit jeher war die Stellung von Sklaven umstritten. Dies ergab sich aus der Spannung zwischen ius civile und ius naturale. Die Digesten des Corpus Iuris Civilis von Ulpian (um 170-223 n. Chr.) sagen hierzu: Quod attinet ad ius civile, servi pro nullis habentur: non tamen et iure naturali, quia, quod ad ius naturale attinet, omnes homines aequales sunt (Ulp. dig. 50,17,32,0)[1]

Einerseits galt ein Sklave juristisch als Sache, die als Eigentum seines Herrn der patria potestas unterstand. Zwischen dem Herrn und seinen Sklaven herrschte ein patriarchalisches Verhältnis. So fanden sich im älteren Recht auch noch keine Vorschriften zum Schutz der Sklaven (wie das Verbot der willkürlichen Tötung), welche erst im klassischen Recht aufkamen[2]. Cato d.Ä (234-149 v. Chr.), der traditionell als Ideal eines pater familiae galt[3], sah in seinem Werk De agricultura Sklaven neben anderen materiellen Dingen als bloße Produktionsfaktoren an[4]. Offensichtlich hat er seine Sklaven auch dementsprechend hart bestraft. Jedenfalls berichtet Plutarch, dass sich ein Sklave Catos aus Angst vor Bestrafung durch seinen Herrn erhängt haben soll[5]. Andererseits konnte der Sklave mit Erlaubnis seines Herrn ein eigenes Sondervermögen (peculium) erwerben sowie Berufe verschiedenen Ranges ausüben, die ihm durchaus auch Ansehen verschaffen konnten[6].

In der Kaiserzeit durften die Sklaven regelmäßig ein besseres Schicksal erwarten als in den beiden letzten Jahrhunderten der Republik. Spätestens seit dem augusteischen Juristen Fabius Mela galt der Sklave ausdrücklich nicht mehr als Ware[7]. Gründe für diese Tendenz waren ethische Überlegungen, aber auch pragmatische Gründe[8]: Man hatte erkannt, dass mildere Sklavenbehandlung neben größerer Sicherheit für den Herrn auch effizientere Arbeit der Sklaven mit sich brachte. Sogar Seneca (um 0-65 n. Chr.) sprach in seiner Sklavenepistel 47 den konkreten Nutzen an:

Sic fit ut isti de domino loquantur quibus coram domino loqui non licet. At illi quibus non tantum coram dominis sed cum ipsis erat sermo, quorum os non consuebatur, parati errant pro domino porrigere cervicem, periculum imminens in caput suum avertere; in conviviis loquebantur, sed in tormentis tacebant (4)[9].

Weiter hatten die sizilischen Sklavenkriege gezeigt, dass die Behandlung von Sklaven als bloße Sachgüter verheerende Auswirkungen für die Gesellschaft haben konnten[10]. Seit dem Prinzipat wollte die Oberschicht durch die Betonung ihrer humanitas vor allem ihren herausgehobenen Status rechtfertigen, der politisch durch das Kaisertum, finanziell durch die steigende Zahl Freigelassener in Frage gestellt wurde[11].

Mit der Freilassung erhielt der Sklave in der Regel den Status eines cliens und der Herr den eines patronus[12] Da die Freilassungen unter Augustus zum Schaden des Staates überhandgenommen hatten, beschränkte dieser sie wieder durch zwei Gesetze (Lex Aelia Sentia, Lex Fufia Caninia)[13].[14]

III. Piin. epist. 5,19: die humanitas Pliniana

C. Plinius Caecilius Secundus gehörte zu den reichsten Mitgliedern der römischen Oberschicht[15]. Nicht zuletzt aus seinen Villenbriefen geht hervor, dass er viele Sklaven, sowie „verschiedene Landgüter in Oberitalien, Etrurien und an der Küste von Latium“[16] besaß. Das Verhältnis zu seinen Sklaven behandelte er neben epist. 8,1; 8,16; 9,21 und 9,24 auch in epist. 5,19 an seinen Freund Valerius Paulinus[17]. Diese soll zur Ermittlung möglicher Gründe des Plinius für die Darstellung seiner humanitas gegenüber seinen Sklaven herangezogen werden. Dass Plinius diesen Brief wie die ersten neun Büchern seiner Briefsammlung selbst veröffentlichte, zeigt, dass er über die persönliche Botschaft an den Briefadressaten hinaus einen allgemeinen Beitrag zu der öffentlichen Diskussion über die Sklavenfrage leisten wollte.

Die humane Sklavenbehandlung der Briefpartner bildet kommunikative Grundlage des Briefes. Davon ausgehend entwickelt Plinius sein eigentliches Anliegen erst zum Ende des Briefes: die Bitte an Paulinus, seinem an Tuberkulose erkrankten Zosimus einen Erholungsurlaub auf dessen Landgut zu gewähren.

Der Aufbau zeigt die für Plinius typische Ringkomposition, die die thematische Geschlossenheit unterstützt: Der erste und die letzten beiden Paragrafen wenden sich direkt an den Adressaten, im Mittelteil (2-6) nennt Plinius seine Bitte an Paulinus und bietet eine Charakterzeichnung des Zosimus[18].

Der erste Satz ist weiter in engem Anschluss an den Eingang von Senecas Sklavenbrief 47 konstruiert: Video quam molliter tuos habeas (Plin. epist. 5,19,1) im Vergleich mit Libenter ex iis qui a te veniunt cognovi familiariter te cum servis tuis vivere (Sen. epist. 47,1). Wortwahl und Duktus zeigen schon hier, dass Plinius dem Denken Senecas nahe stand. Auch ließ diese indirekte, aber dem gebildeten Leser erkennbare Bezugnahme auf die Autorität Senecas Plinius erhoffen, ein geneigteres Publikum zu finden. Seneca war indessen der Literat, dessen allgemeingültigen ethischen Überlegungen eine nicht auf bloßem Gefühl beruhende Aufforderung an alle Sklavenhalter enthielten, sich gegenüber Sklaven human zu verhalten[19].

Der Briefeingang Video (1) ist typisch für Plinius: Häufig beginnt er seine Briefe mit der Bemerkung einer erstaunlichen Tatsache oder mit einem Prädikat in der ersten oder zweiten Person, um das Interesse des Adressaten und des Lesers zu wecken[20]. Die Erwähnung der Milde gegenüber Sklaven am Anfang des Briefes zeigt demnach, dass diese in solchem Maß noch nicht üblich war[21].

Gleichzeitig zeigt dieser erste Satz aber auch, dass Plinius mit seiner humanitas Sklaven gegenüber nicht allein dastand, wendet er sich doch an einen Gleichgesinnten. Ebenso sah auch Seneca auf seiner Seite seinen Freund Lucilius sowie die prudentes und eruditi: hoc prudentiam tuam, hoc eruditionem decet (epist. 47,1)[22]: Das Satzende (-ter tuos habeas) fällt durch die Klausel 2βδ ins Gewicht[23]. Plinius‘ freundschaftliche Haltung gegenüber Sklaven spiegelt sich auch in der Bezeichnung dieser als mei oder hier im Hinblick auf Paulinus‘

Sklaven als tui wider, wie man auch seine Angehörigen und Freunde bezeichnete[24]. Darin folgte Plinius erneut Seneca, der die Sklaven in der Nachfolge der maiores nostri, wie er sagt, als familiares bezeichnete: Non illud quidem videtis, quam omnem invidiam maiores nostri dominis, omnem contumeliam servis detraxerint? Dominum patrem familiae appellaverunt, servos - quod etiam in mimis adhuc durat - familiares (47,14).

Auch die Verwendung von molliter ist im Hinblick auf Plinius‘ Einstellung aufschlussreich: Plinius verwendete das Wort zweimal in seinen Briefen in der Verbindung molle et humanum (4,14,10; 5,16,10)[25]. In 4,14,10 steht molle et humanum im Kontrast zu durum. Auch in der vorliegenden Epistel bildet molliter in Verbindung mit humanitas den Gegensatz zu durior (5,19,2), weshalb Letzteres als „hartherzig“ gegenüber molliter im Sinne von „sanftmütig“ zu verstehen ist. Diese Bedeutungsrichtung passt auch zu epist. 5,16, in der Plinius seiner Trauer über den Tod der Tochter des Fundanus Ausdruck verlieh und den Briefpartner Marcellinus bat, Fundanus Trost zu spenden, und zwar non quasi castigatorium et nimis forte, sed molle et humanum (10). Da Plinius in dem vorliegenden Brief kurz nach molliter von indulgentia (1) spricht, ist auch der Bezug zu epist. 8,11 deutlich, in der er die Tante seiner Frau Calpurnia möglichst schonungsvoll über die Fehlgeburt ihrer Nichte unterrichtete: Cum adfectum tuum erga fratris filiam cogito etiam materna indulgentia molliorem, intellego prius tibi, quod est posterius, nuntiandum, ut praesumpta laetitia sollicitudini locum non relinquat (1). Wie indulgentia hier für familiäre Zuneigung steht, möchte Plinius seine milde Sklavenbehandlung als väterlich verstanden wissen. Außerdem klingen in molliter auch ähnliche Adverbien Senecas zum Umgang mit Sklaven an: Servis imperare moderate laus est (clem. 1,18,1) sowie Vive cum servo clementer, comiter quoque (epist. 47,13). Diese maßvolle und freundliche Milde, von der Seneca spricht, schwingt in Plinius‘ molliter mit und zeigt ein weiteres Mal, dass sich Plinius diesem in der Sklavenfrage nahe fühlte.

Dass Plinius seine Sklaven ebenso mild wie Paulinus behandelte, spiegelt sich formal in dem parallelen Aufbau der Sätze wider. Video wird in confitebor aufgegriffen, molliter in qua indulgentia, tuos in meos und habeas in tractem. Confitebor - betont am Kolonende platziert - zeigt, dass sich Plinius gedrängt fühlte, das Maß seiner Milde als Normüberschreitung zu rechtfertigen. Plinius‘ Zwiespalt zwischen seinen Gefühlen und gesellschaftlicher Norm lässt sich auch in dem thematisch verwandten Brief 8,16 erkennen: Verum de his plura fortasse quam debui; sedpauciora quam volui (5), wobei debui auf die gesellschaftlichen Normen, volui auf Plinius‘ Einstellung bezogen ist.

Plinius zieht zur Objektivierung seiner gelebten humanitas ein Homer-Zitat heran und überträgt es durch pater familiae auf die römische Gedankenwelt[26]. Damit konnte er sein Verhalten auch objektiv als richtig darstellen und vor diesem Hintergrund seinen Brief fortsetzen. Das Homer-Zitat steht recht zu Beginn des Briefes, was der Thematik Gewicht verleiht[27]. Das griechische Zitat wird mit illud, die römische Titulatur mit hoc eingeführt, wodurch Plinius deutlich macht, dass das Griechische aus seiner Sicht als Römer den ferner liegenden, das Römische den näher liegenden Bereich darstellt[28]. Die Verbindung der Geisteswelten ist durch das Wortspiel πατήρ und pater auch klanglich dargestellt[29]. Das griechische Zitat verwendet Homer zweimal: in der Ilias 24,770 und in der Odyssee 2,47[30]: In der Ilias-Episode versucht Odysseus‘ Begleiter Mentor die Gefolgsleute zu ermutigen, gegen die Freier vorzugehen, die sich gerade am Hofe des Odysseus befanden. Im zweiten Buch der Odyssee spricht Telemach traurig darüber, dass sich keiner mehr erinnere, wie gütig Odysseus über Ithaka geherrscht habe. Plinius verfährt als pater familiae mit seinen Sklaven und Freigelassenen ebenso mild wie Odysseus mit seinen Untertanen. So nutzt er diesen Vergleich auf doppelter Ebene: Er, als Herr über seine Sklaven, vergleicht sich mit einem Vater im Kleinen, wie es Telemach und Mentor auch mit Odysseus taten, im Großen mit dem Herrscher über ein Volk, wie Odysseus einer war. Expressis verbis zieht Plinius den Staat-Haushalt­Vergleich erneut in der oben schon angeführten epist. 8,16: nam servis res publica quaedam et quasi civitas domus est (2), der in dieser durch die iuxta-Position von civitas und domus besonders eindrücklich gestaltet ist. Weiter greift Plinius auch erneut auf den 47. Brief Senecas, seines Vorreiters im Kampf für humane Sklavenbehandlung, zurück: domum pusillam rem publicam esse (14). Und auch bei Cicero (106-43 v. Chr.) finden wir diesen Vergleich: est autem non modo eius , qui sociis et civibus, sed etiam eius, qui servis, qui mutis pecudibus praesit, eorum, quibus praesit, commodis utilitatique servire (Ad Q. fr. 1,24-25)[31].

Plinius greift also auf einen im römischen Denken traditionellen Gedanken sowie auf allbekannte Autoren zurück, um Verständnis für sein ungewöhnliches Handeln zu erlangen[32].

Am betonten Satzende steht pater familiae, auf den auch Seneca in dem oben zitierten 14. Paragrafen seines 47. Brief eingegangen war. Plinius versteht sich in seiner milden Behandlung von Sklaven in der Nachfolge der maiores nostri, obwohl er gerade für das Ideal der Vorzeit, wie es Cato d.Ä. verkörperte, zu weich war. In pater familiae sieht Plinius wohl wörtlicher eine fürsorgliche Liebe zu der Hausgemeinschaft, wie sie ein Vater gegenüber seinen Kindern haben sollte[33]. Dieser Gedanke wird auch durch die oben genannte familiäre Komponente in dem Verweis von molliter und indulgentia auf Plinius‘ epist. 8,11 unterstützt. Mit diesem Titel spielt Plinius weiter gerade in Zusammenhang mit dem Staat-Haushalt­Vergleich auf den ähnlich klingenden Titel pater patriae an, mit dem er Trajan in seinem Panegyricus ausstattete: soli omnium contigit tibi, ut pater patriae esses, antequam fieres (21,3)[34]. Diese Verbindung wird dadurch nahegelegt, dass Plinius Trajan in dem Panegyricus mehrfach für seine humanitas lobte[35].

Den zweiten Paragrafen konstruierte Plinius in engem Anschluss an seine epist. 8,16, in der er sein Selbstverständnis als homo deutlich macht:

Quod si essem natura asperior et durior, frangeret me tamen infirmitas liberti mei Zosimi, cui tanto maior humanitas exhibenda est, quanto nunc illa magis eget (5,19,2).

Sed quamquam his solaciis adquiescam, debilitor et frangor eadem illa humanitate, quae me ut hoc ipsum permitterem induxit. Non ideo tamen velim durior fieri. Nec ignoro alios eius modi casus nihil amplius vocare quam damnum, eoque sibi magnos homines et sapientes videri. Qui an magni sapientesque sint, nescio; homines non sunt. Hominis est enim adfici dolore sentire, resistere tamen et solacia admittere, non solaciis non egere (8,16,3f.).

[...]


1Vgl. Knoch (2005) 22, auch Anmerkung 3.

2Vgl. Schiemann (2000a) 394f.: „Die Befugnis zur Herrschaftsausübung [sc. des pater familias] reicht bis zum ,Recht über Leben und Tod‘ (ius vitae necisque, Gell. 5,19,9). Erst unter Constantinus [1] d.Gr. (306-337 n.Chr.) ist diese Befugnis definitiv überwunden“.

3Ich verwende im Laufe meiner Arbeit den Begriff pater familiae und nicht den alten Genitiv pater familias, da auch Seneca und Plinius in ihren Schriften von pater familiae sprechen und ich mich der der Einheit willen an einen Begriff halten möchte.

4Vgl. Cat. agr. 2: Pecus [sc. pater familiae] consideret. Auctionem uti faciat: vendat oleum, si pretium habeat; vinum, frumentum quod supersit, vendat; boves vetulos, armenta delicula, oves deliculas, lanam, pelles, plostrum vetus, ferramenta vetera, servum senem, servum morbosum, et si quid aliud supersit, vendat. Patrem familias vendacem, non emacem esse oportet. Vgl. auch Cat. agr. 10f.. Vgl. Heinrichs (2001) 628.

5Vgl. zu der Plutarchstelle Knoch (2005) 53. Vgl. auch Knoch (2005) 53: „Als konkretes Beispiel für einen paterfamilias ursprünglicher Art begegnet in der Literatur allen anderen voran immer wieder Cato d.Ä. (...)“.

6Vgl. zu dem möglichen Ansehen eines Sklaven Knoch (2005) 27. Der Begriff peculium kommt vom lateinischen Wort pecus und bezeichnete ursprünglich Vieh, welches von dem Hausherrn als Vermögenswert zum Beispiel Sklaven überlassen wurde. Die Bedeutung hat sich auf allgemeines Sondervermögen ausgeweitet. Vgl. Varro rust. 1,2,17: non solum adimis domino pecus, sed etiam servis peculium, quibus domini dant ut pascant. Vgl. dazu OLD 1316f. s.v. peculium. Vgl. Heinrichs (2000) 461f..

7Vgl. Knoch (2005) 34f..

8Vgl. Heinrichs (2001) 629: „Von Philos. und Rel. gingen ebenfalls Impulse aus, die dazu beitrugen, die Unterschiede zw. Freiheit und Unfreiheit zu nivellieren“. Knoch (2005) 35-38 unterscheidet zwischen dem praktischen Naturrecht, was auf utilitaristischen Überlegungen beruhe, und dem philosophischen Naturrecht, was aus ethischen und philosophischen Überlegungen heraus die Sklaverei in Frage stellte.

9Vgl. dazu auch Knoch (2005) 62. Beispiele für solche Opferbereitschaft der Sklaven für ihre Herren zählt Seneca selbst an anderer Stelle auf (benef. 3,23ff.). Richter (1958) 213, Anmerkung 51, verweist noch auf weitere solche Kataloge.

10Vgl. Knoch (2005) 23.

11Vgl. Knoch (2005) 81: „Die humanitas, an der sich auch die Sklavenbehandlung ausrichtete, war eine Art Ehrenkodex, der die Funktion einer Adelstugend erfüllte und mittels dessen sich die alte Elite sozial abzugrenzen versuchte, um so ihren herausgehobenen Status, der finanziell durch den großen Reichtum vieler Freigelassener und politisch durch das Kaisertum in Frage gestellt war, zu bestätigen“.

12Heinrichs (2001) 628. Vgl. zu den verschiedenen Möglichkeiten der Freilassung Schiemann (1998) 654f..

13Vgl. Schiemann (1998b) 655.

14Ich folge dem Text der kritischen Edition von Mynors (1963).

15Unter Trajan fand seine Karriere als Provinzstatthalter von Bithynien seinen Höhepunkt, nachdem unter Anderem im Jahre 100 Suffektkonsul gewesen war.

16Bütler (1970) 119.

17Es handelt sich um Valerius Paulinus aus Forum Iulii, consul suffectus im Jahre 107 unter Trajan. Dass er eng mit Plinius befreundet war, legen die an ihn gerichteten Briefe (2,2; 4,16; 5,19; 9,3; 9,37) nahe und die mehrfache Nennung seines Namens an weiteren Stellen von Plinius‘ Briefcorpus (4,9,20; 10,104; 10,105). Vgl. dazu Philips; Giebel (2010) 848.

18Vgl. auch Lefèvre (2009) 190.

19Vgl. dazu auch Richter (1958) 215: „Wir können mit Sicherheit nur dies eine sagen, daß Seneca die humanitäre Strömung seiner Zeit mit ehrlichem Herzen bejaht hat und für ihre Anwendung auf die Sklaven über das persönlich Verhalten hinaus als einziger Schriftsteller generell das Wort geredet hat“.

20Nur einige Beispiele für solche Eingänge möchte ich hier nennen: Vidistine (1,5), Vide (1,7), Mirum est (1,9), Miraris (2,17), Meministine (3,20), Audistine (4,9), Accepi (5,3), Incredibile est (7,5,1), Confecerunt infirmitates meorum (8,16,1).

21Sherwin-White (1966) 350 spricht von: „not the general custom”. Sherwin-White führt auf dieser Seite noch andere Beispiele an, die ebenfalls „ahead of the age“ waren: Plin. epist. 8,16, Sen. epist. 47 und Sen. Clem. 1,18.

22Zu Plinius vgl. Lefèvre (2009) 190 und Knoch (2005) 76 zu der Seneca-Passage in diesem Sinne vgl. Richter (1958) 202.

23Bei allen in dieser Arbeit aufgeführten Klauseln lege ich Primmer (1968) zu Grunde.

24Vgl. Bütler (1970) 111, Anmerkung 16: „Plinius nennt sein Gesinde übrigens normalerweise nicht ,servi‘, sondern schlicht ,mei‘ (1,4,3; 2,17,24; 5,19,1; 8,16,1; 9,36,4)“.

25 Vgl. ThLL VIII, 1376,63-66 s.v. mollis.

26Vgl. auch Prutscher (1977) 28.

27Aus diesem Grund führt Plinius wohl häufiger Zitate aus dem griechischen und römischen Bereich an. Vgl. Albrecht (21994) Bd. 2, 911: „Dichterworte schmücken die Briefe; mit Vorliebe zitiert Plinius Homer, zuweilen im griechischen Original“. Als Beispiele führt Albrecht folgende Briefe an: 1,20, 22; 5,19, 2.

28Vgl. zu illud und hoc Kühner; Stegmann (21912) Bd. 2, 619f..

29Vgl. auch Lefèvre (2009) 190.

30Das Zitat kann übersetzt werden mit „Er war mild wie ein Vater“. Vgl. Blank-Sangmeister (2000) 24.

31 Vgl. Knoch (2009) 52.

32Vgl. Philips; Giebel (2010) 891, Anmerkung 58: „Nach altrömischer Auffassung stellt jede familia einen Staat im kleinen dar, an dessen Spitze der pater familias steht, der ebenso wie der milde Herrscher für das Wohl der Seinen sorgt“.

33Vgl. Knoch (2005) 51: „Kurz gesagt sollte er [sc. der pater familias] einerseits ein autoritäres, aber gerechtes Regiment führen und hatte andererseits eine Fürsorgepflicht ihnen gegenüber zu erfüllen“. Bei Plinius steht die Fürsorgepflicht jedoch deutlich im Vordergrund.

34Vgl. Bütler (1970) 112.

35Vgl. ThLL VI 3, 3081,43-45 s.v. humanitas: paneg. 2,7 steht unter dem Kapitelüberschrift: alluditur ad naturam humanum. Damit diese Parallelen zu dem Titel pater patriae und zu Seneca, der von pater familiae gesprochen hatte, deutlicher hervortreten, hat sich Plinius wohl für den Genitiv familiae statt familias entschieden. Daher folge ich der Lesart, die Mynors (1963) gewählt hat. Im kritischen Apparat führt Mynors die von der Handschrift I überlieferte Lesart des alten Genitivs familias an, die ich aus den oben genannten Gründen für unwahrscheinlicher halte.

Details

Seiten
35
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668046238
ISBN (Buch)
9783668095908
Dateigröße
643 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v306742
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Klassische Philologie
Note
1,3
Schlagworte
plinius‘ jüngere martials haltung sklaven

Autor

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Titel: Sklavenhaltung in der römischen Kaiserzeit. Die Positionen von Plinius dem Jüngeren und Martial