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Der methodische Zweifel René Descartes. Eine Untersuchung des cartesischen Zweifels und seiner Grenzen

Seminararbeit 2014 17 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Kern von wissensskeptischen Theorien
2.1 Der Methodische Zweifel
2.2 Wege aus dem Skeptizismus

3. Der cartesische Dämon
3.1 Descartes Wahrheitskriterium
3.2 Konsequenzen für den methodischen Zweifel

4. Résumé

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die „Meditationes de prima philosophia“ von René Descartes sind für die Philosophie, insbesondere auf dem Gebiet der Erkenntnistheorie von großer Bedeutung. Obgleich das Werk im Jahre 1641 erschien, enthält es einen wichtigen Denkansatz, der bis in die Moderne erhalten geblieben ist. Es ist der fundamentale Zweifel an der Möglichkeit von Wissen und den Umständen unter denen man zu Wissen gelangen könnte. Der Skeptizismus Descartes findet seine Erfüllung im methodischen Zweifel, welcher gleich in der ersten Meditation Gegenstand seiner Untersuchungen wird. Bemerkenswert ist dabei Descartes Gedankenexperiment welches sich eines Dämons bedient und für das Werk von zentraler Bedeutung ist.

Mit dieser Arbeit soll untersucht werden inwiefern das Gedankenexperiment mit dem cartesischen Dämon Schwächen des methodischen Zweifels offenbart. Dazu wird im zweiten Kapitel der methodische Zweifel näher betrachtet, indem eine allgemeine Erläuterung von wissensskeptischen Theorien erfolgt. Ebenso findet sich an dieser Stelle eine Skizzierung der Struktur des methodischen Zweifels und eine knappe Darstellung der zweiten bis sechsten Meditation. Im dritten Kapitel soll dann eine genaue Untersuchung des besagten Gedankenexperiments erfolgen. Dazu gehört eine Analyse der problematischen Aspekte und eine Einschätzung der daraus resultierenden Folgen für den methodischen Zweifel. Dabei soll gezeigt werden, dass Descartes Skeptizismus unvollständig ist und nicht ohne Vorannahmen auskommt, die er eben nicht bezweifelt. Schließlich soll im vierten Kapitel über die gewonnenen Erkenntnisse ein Fazit gezogen werden.

Als literarische Grundlage der Arbeit dienen die „Meditationes de prima philosophia“ in deutscher Übersetzung. Neben dem Hauptwerk von Descartes kommt dem Buch „René Descartes“ von Dominik Perler eine besondere Bedeutung für die Arbeit zu, findet sich doch hier eine konzise Analyse des methodischen Zweifels, von der das zweite Kapitel der Arbeit stark profitiert. Das Buch „Descartes' Meditationen“ von Gregor Betz sowie der Band „Wissen“ von Elke Brendel liefern ebenfalls wertvolles Material. Selbstverständlich sind alle verwendeten Bücher detailiert im Literaturverzeichnis der Arbeit aufgelistet.

2. Der Kern von wissensskeptischen Theorien

Obgleich die Meditationen von René Descartes als Beginn des modernen Skeptizismus bezeichnet werden können, ist die philosophische Strömung des Skeptizismus deutlich älter. So finden sich bereits in der Antike bei den Vorsokratikern, bei Sokrates selbst und bei den Sophisten, skeptische Positionen.1 Diese antiken Ansichten sind von dem Vorhaben, welches Descartes mit seinen Meditationen verfolgt grundsätzlich verschieden. Ziel der antiken Philosophie war es einen Bezug zur Lebenspraxis herzustellen und es dem Menschen zu ermöglichen ein ideales, glückliches Leben zu führen.2 So lag beispielsweise der Schwerpunkt des pyrrhonischen Wissensskeptizismus darin, Gleichgültigkeit gegenüber der Möglichkeit von Wissen zu zeigen, um so zu einer wahren Seelenruhe zu gelangen.3 Descartes hingegen war davon bewogen epistemologische Untersuchungen anzustellen, mit denen er ein Fundament für den Bestand und für den Gewinn von Wissen legen wollte. Im eigentlichen Sinne wollte er den Skeptizismus sogar widerlegen.4

Ausgangspunkt für Descartes Überlegungen war der Gedanke alles hinterfragen zu wollen und nichts als wahr zu akzeptieren, denn zu oft hatte er sich mit seinen Meinungen getäuscht und diese revidieren müssen.5 Dies war mit der Zielsetzung verbunden, herauszufinden wie Wissensbestände fundiert werden können. Es ist wichtig zu verstehen, dass es ihm nicht nur um den Zweifel an einzelnen Wissensbeständen ging, sondern um einen fundamentalen Zweifel, der alle Wissensbestände umfasste.6

Somit erhebt Descartes den Zweifel zur Methode, mit dem Ziel etwas zu finden an dem nicht gezweifelt werden kann. Um schließlich das Unanzweifelbare als Fundament für alle Wissensbestände verwenden zu können. Im Zuge dessen entwickelt er, als dritten Schritt seiner Methode ein Gedankenexperiment, welches von einem Dämon handelt. Descartes nimmt an, dass der allmächtige Dämon in der Lage sei ihm alles vorzutäuschen, so das Descartes keiner Sinneswahrnehmung und auch keinem Verstandeswissen mehr trauen könne.7

Ausgehend davon, dass alles eine Täuschung des Dämons seien könnte, außer das er - Descartes - als denkendes Wesen existieren muss, kommt er schließlich zu dem berühmten Schluss des „Ego cogito, ergo sum“.8

Jahrhunderte später wurden die Grundzüge dieses Gedankenexperiments erneut aufgegriffen und es kam zu einer Neuauflage. Die moderne Version sieht vor, dass Wissenschaftler ein Gehirn in einem Tank halten und es dort mit Drähten an einen Computer anschließen.9 Der Computer versorgt das Gehirn über Impulse mit Sinneseindrücken über seine Umwelt, sogar über den eigenen Körper.10 Somit wird aus dem Dämon, ein Wissenschaftler und aus der Illusion, erschaffen durch Allmacht, ein technisches, fiktives Experiment.

Wie die beiden Beispiele zeigen, ist allen wissensskeptischen Positionen gemein, dass sie die Möglichkeit sicherer Erkenntnis radikal bezweifeln. Die Ähnlichkeit, bzw. Verwandtschaft der beiden Gedankenexperimente zeigt, dass der Wissensskeptizismus eine wichtige wiederkehrende Rolle in der Epistemologie einnimmt. Die Reaktionen auf den skeptizistischen Ansatz fallen durchaus verschieden aus. Das Spektrum reicht von Ablehnung bis Akzeptanz. So war beispielsweise David Hume, der den Skeptizismus selbst nie vertrat, der Ansicht, dass man ihn als unlösbares Problem akzeptieren muss.11

2.1 Der Methodische Zweifel

Descartes formuliert seinen methodischen Zweifel systematisch und in der ersten Person. Dabei vollzieht er drei wesentliche Schritte, wovon der dritte bereits Erwähnung fand. Dominik Perler fasst alle drei treffend zusammen:

„ 1. Zweifel hinsichtlich meiner kognitiven Grundlage …
2. Zweifel hinsichtlich meines kognitiven Zustandes …
3. Zweifel hinsichtlich meiner kognitiven Autonomie … „ 12

Im ersten Schritt versucht Descartes also zu überprüfen, auf welcher Grundlage sich seine Meinungen bilden und ob diese Grundlage zuverlässig ist. Dabei prüft er insbesondere die Zuverlässigkeit von Sinneswahrnehmungen und Descartes kommt zu dem Schluss, dass diese immer wieder Ursache für Täuschungen sein können.13 Es muss ergänzt werden, dass jeder Zweifel Descartes immer mit der Annahme verbunden werden muss über keine erste wahre Meinung zu verfügen. Andernfalls könnte man eine Sinnestäuschung beispielsweise dadurch auflösen, dass ein Sinn den anderen bezüglich seiner Wahrnehmung korrigiert.14 Jedoch bräuchte man dafür ein Beurteilungskriterium welcher Sinn dem anderen vorzuziehen ist. Dieses Kriterium wird aber nicht von den Sinnen selbst geliefert, sondern bedarf einer Meinung. Da Descartes alles anzweifeln will, bis er zu einer ersten wahren Meinung kommt, stellt empirisch erlangtes Wissen für ihn keine gesicherte Grundlage da.

Der zweite Schritt den Descartes vollzieht, ist in seinem Zweifel wesentlich radikaler als der erste Schritt. Der Zweifel an den kognitiven Grundlagen stellt in erster Linie die Qualität, der Meinungen in Frage, die auf Sinneswahrnehmungen beruhen. Es wird also weder bezweifelt, dass es Gegenstände gibt, die wir wahrnehmen und auch nicht, dass wir in unmittelbarer Relation zu ihnen stehen.15 Auch Meinungen, die einer empirischen Grundlage entbehren, wie beispielsweise solche, die auf Grundlage der Mathematik oder Logik zustande kommen, werden nicht angezweifelt. Erst mit dem Zweifel an seinem kognitiven Zustand stellt Descartes in Frage, ob es materielle Gegenstände wirklich gibt.

Im Zuge dessen stellt er Überlegungen an, inwiefern sich die Wirklichkeit von einem Traum unterscheiden lässt.16 Erstaunlich ist hierbei, dass Descartes in diesem zweiten Schritt mathematische Propositionen von seinem Zweifel ausnimmt. Für Descartes macht es keinen Unterschied, ob eine solche Proposition im Wachzustand oder im Traum erfasst wird. Ausschlaggebend ist nur ob sie klar und deutlich erfasst werden kann.17 Wird ein Objekt rein geistig erfasst, dann kann man sich nicht irren, weil weder die Sinne noch die Vorstellungskraft in der Lage sind den Betrachter zu täuschen.18 Erst im dritten und letzten Schritt seines methodischen Zweifels geht Descartes dazu über einen radikaleren Zweifel zu formulieren, als es bis dahin in der skeptischen Tradition der Fall war. Er führt das Gedankenexperiment des cartesischen Dämons ein. Der Dämon verkörpert mit seiner Allmacht und Verschlagenheit den ultimativen Zweifel, denn er kann Täuschungen vollbringen, die Descartes in den ersten beiden Schritten nicht thematisieren kann. Es ist der Versuch alles in Frage zu stellen:

„ Ich will also annehmen, dass nicht Gott, der in h ö chstem Ma ß e gut und die Quelle der Wahrheit ist, sondern irgendein b ö ser D ä mon, der h ö chst m ä chtig und schlau ist, seinen ganzen Flei ß darauf gesetzt hat, mich zu t ä uschen. Ich werde glauben, dass Himmel, Luft, Erde, Farben, Figuren, Kl ä nge und alles Ä u ß ere nichts anderes ist als ein Spiel der Tr ä ume, durch das er meiner Leichtgl ä ubigkeit eine Falle gestellt hat: mich selbst werde ich betrachten, als h ä tte ich keine H ä nde, keine Augen, kein Fleisch, kein Blut, keinerlei Sinn, sondern als glaubte ich f ä lschlicherweise, all das zu haben “ 19

[...]


1 Vgl. Brendel (2013): S. 81-82

2 Vgl. Brendel (2013): S. 82 u. Perler (1998): S. 81

3 Vgl. Brendel (2013): S. 81-82 u. Perler (1998): S. 81

4 Vgl. Perler (1998): S. 69-70

5 Vgl. Descartes (2011): S. 51 u. 53

6 Vgl. Perler (1998): S. 68

7 Vgl. Descartes (2011): S. 65

8 Siehe Descartes (2011): S. 70

9 Vgl. Brendel (2013): S. 81

10 Vgl. Ebd.: S. 81

11 Vgl. Ebd.: S. 84-87

12 Siehe Perler (1998): S. 74

13 Vgl. Perler (1998): S. 74-77

14 Vgl. Ebd.: S. 74-77

15 Vgl. Ebd.: S. 77-80

16 Vgl. Ebd.: S. 79-80

17 Vgl. Ebd.: S. 79-80

18 Vgl. Ebd.: S. 80

19 Siehe Descartes (2011): S. 65

Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668043855
ISBN (Buch)
9783668043862
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v306460
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Philosophie
Note
1,7
Schlagworte
Descartes René Descartes Philosophie Skeptizismus Erkenntnistheorie Epistemologie Theoretische Philosophie cartesianischer Zweifel

Autor

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Titel: Der methodische Zweifel René Descartes. Eine Untersuchung des cartesischen Zweifels und seiner Grenzen