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Eine Zusammenfassung des Werks "Die Geschichte des Rechts" von Uwe Wesel

Zusammenfassung 2015 9 Seiten

Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte

Leseprobe

Die Geschichte des Rechts

Autor Klaus Hofmann

Mit der Eingliederung des gesellschaftlichen Lebens in die verschriftlichten Normen und Prinzipien einer herrschaftlichen Bürokratie wird auch die Bedeutung von Rechtsnormen immer größer. Über anfänglich nur einfache Gesetze und Herrschaftsverträge kulminiert diese Entwicklung schließlich in der Konstituierung einer Verfassung.

In modernen Demokratien dienen rechtliche Normen ganz allgemein zur Herstellung einer modernen gesellschaftlichen Ordnung. Es wird dabei auch als wichtig erachtet, dass alle Staatsbürger garantierte Grundrechte haben, vor dem Gesetz gleich behandelt werden und darüber hinaus auch für Ordnung im Staat gesorgt wird. Das wird erreicht durch eine staatliche Macht, die vom Volk gewählt wird, aber ihrerseits auch einer Kontrolle unterliegen muss. Verantwortlich dafür ist letztendlich eine Staatsverfassung als oberste Gesetzesnorm. Sie garantiert in bestmöglichster Form die Rechte jedes einzelnen Menschen.

Rechtliche Richtlinien stehen immer schon auch in engem Zusammenhang mit Moral, Religion und Sitte. Im Laufe der Zeit verändert sich daher der Charakter des Rechts, weil es durch die jeweilige Herrschaft, an die es angebunden ist, selbst verändert. „Mit der Entstehung von Herrschaft und Staat erhält es eine andere Funktion.“[1] Mit der Entstehung des Staates wird von „oben“ her bestimmt, das Recht wird vorgegeben von Fürsten, Königen etc. Derart wird es zum Steuerungsinstrument der Politik, kurz: ein Herrschaftsinstrument.

In vorstaatlichen Ordnungen bestimmt die Gesellschaft selbst die Regeln, die Lösung von Konflikten wird durch Konsens erreicht, notfalls auch mit Gewalt. Mündlich überlieferte Normen haben Ordnungs- und Gerechtigkeitsfunktion. Durch die zunehmende Produktivität gewinnt auch das „Privateigentum“ an Bedeutung. Streitigkeiten entstehen zunehmend, anfänglich vorwiegend im Zusammenhang mit Frauen (Brautpreise, Mitgift), die man durch Vermittlung zu regeln versucht bzw. Kompromisse anstrebt. Je höher der Grad der sozialen Dichte wird, desto intensiver werden religiöse Vorstellungen und ihre Organisationen (Ahnenkult, diverse Riten, Ordale, Hexerei, Zauberei, Magie). Ansätze von Herrschaft bilden sich aus. Sogenannte Älteste, Schamanen, oder anders Ausgezeichnete nehmen oft schon Führungspositionen ein. Mündliche Vereinbarungen bilden noch das Prinzip der Rechtmäßigkeit.

Nach diesen anfänglichen Entwicklungen macht Uwe Wesel in einem nächsten Schritt in der Entwicklung zum Rechtsstaat die sogenannten Protostaaten aus . Gemeint sind nun schon Staaten mit einem Oberhaupt und einem Rechtssystem. Allgemein entsteht Herrschaft in den meisten Fällen als Radikalisierung der segmentären Verwandtschaftsstruktur. Eng verbunden mit der Entstehung von Herrschaft ist auch die Begründung von Eigentum am Land. Allmählich gibt es Abgaben für die Benutzung von Land und in den dadurch nach und nach entstehenden Klassengesellschaften geht der Landbesitz dann regelmäßig auf einige wenige, zumeist aristokratische Familien über.[2]

Zusammenfassend kann man festhalten, dass sich die Protostaaten durch Entsegmentarisierung auch im Hinblick auf das Eigentum entwickeln. Nun gibt es bei Auseinandersetzungen keinen Konsens mehr, auch keine Selbsthilfe, sondern es wird von einer Zentralinstanz aus autoritär entschieden. Daraus resultiert auch das Ende der agnatischen Verwandtschaftsstruktur. Der direkte Zugriff des Staates auf das Individuum bildet sich heraus und dadurch sukzessive ein allgemein gültiges Rechtssystem. Ein erstes Strafrecht entsteht, das anfänglich überaus hart war, wie z.B. bei den Azteken.[3]

Als universellen Faktor der Verrechtlichung von Gesellschaft ist deren schriftliche Fixierung anzusehen. Im Gegensatz zu mündlicher Überlieferung von Regeln und Ordnungsrechten der segmentären Gruppen und Stämme, wird im kollektiven Bewusstsein einer auf Schrift basierenden Ordnung verschriftlichtes, veröffentlichtes Recht bindend, allgemein gültig und dient zur Herstellung von Organisation in der Gesellschaft. Als Folge können die Gesetzesinhalte auch den nachfolgenden Generationen weitergegeben werden, was vor allem auch für eine geregelte Erbfolge unerlässlich ist, die wiederum Herrschaft auf Generationen hinaus legitimiert. Die Bedeutung verschriftlichter Texte zur Fixierung von Gesetzen in ihrem reziproken Verhältnis zur jeweiligen Staatsform soll am Beispiel einiger antiker Gesellschaftsformationen verdeutlicht werden:

- Als historisch ältestes aufgeschriebenes Recht kann man das Keilschriftrecht bezeichnen, beginnend mit den Sumerern im Süden Mesopotamiens. Sie entwickeln die Keilschrift etwa im 3. Jahrtausend v. Chr., die sich dann weiter nach Babylon und zu den Assyrern ausbreitet. Damals herrscht bei den Sumerern vor allem die Tempelwirtschaft vor. Es werden vorwiegend Texte für Zwecke der Bürokratie und für Verträge auf Ton- und Steintafeln gemeißelt. Ältestes bekanntes sumerisches Gesetz ist der „Codex Urnammu“ aus dem Jahr 2100 v. Chr.[4] „Insgesamt erscheint das sumerische Recht als Prototyp eines archaischen Rechts in den ersten Phasen seines Übergangs zur Staatlichkeit.“[5] Als weiteres historisch bedeutsames Artefakt gilt der „Codex Hammurabi“ vom babylonischen König Hammurabi um 1750 v. Chr. Auch aus dieser Zeit werden vorwiegend Urkunden und Verträge gefunden.[6]
- Die Ägypter schaffen um etwa 4. Tausend v. Chr. eine staatliche Ordnung, basierend auf einer eigenen Schrift (Hieroglyphen). Es herrscht eine zentralistische Ordnung mit schroffen Hierarchien, eine Domänenwirtschaft. Da zu dieser Zeit viel auf Papyrus geschrieben wurde, ist nicht viel erhalten geblieben. Aus archäologischer Sicht sind kaum verschriftliche Artefakte vorhanden. Allerdings konnte man im Grab eines Wesirs ein großes Bild mit einem langen Text, der eine Gerichtsverhandlung zeigt, finden. Der Wesir war der höchste Beamte des Reiches und nach dem Pharao auch der höchste Richter.[7]
- Bei den Hebräern stellt die Quelle des Rechts das Alte Testament dar. Fundament ihres geschriebenen Rechts ist der Dekalog, die 10 Gebote Gottes, die Moses am Berge Sinai in Stein gemeißelt von Gott erhalten hat. Und auch das Bundesbuch, in dem gewisse Rechtsbestimmungen und Ermahnungen enthalten sind, gehört zu ihrem geschriebenen Recht. Nirgendwo sonst sind Recht und Religion so eng verbunden wie bei den Hebräern.[8]

[...]


[1] Wesel (1997), S. 47.

[2] Vgl. Wesel (1997), S. 55ff.

[3] Vgl. Wesel (1997), S. 61.

[4] Ebenda, S. 71f.

[5] Wesel (1997), S. 81.

[6] Vgl. Wesel (1997), S. 71.

[7] Vgl. Wesel (1997), S. 93.

[8] Ebenda, S. 104.

Details

Seiten
9
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668044227
ISBN (Buch)
9783668044234
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v306303
Note
Schlagworte
Recht Geschichte Gesellschaft Schrift Verfassung Normen

Autor

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