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Diskriminierung oder Akzeptanz? Männliche Homosexualität im Wandel der Gesellschaft

Hausarbeit 2014 15 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Allgemeiner Teil
2.1 Definition von Homosexualität
2.2 Verbreitung von Homosexualität

3 Homosexualität und die Gesellschaft
3.1 Historischer Wandel der Homosexualität
3.2 Angekommen im Hier und Jetzt

4 Diskriminierung von Schwulen in Deutschland
4.1 Intersektionale Diskriminierung/ Diskriminierung im Alltag
4.2 Motive und Ursachen von Diskriminierungen
4.3 Folgen von Diskriminierungen: Auswirkungen auf die Psyche, Gesundheit und Lebenswelt

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis
6.1 Elektronische Quellen:
6.2 Zusätzlich recherchierte Literatur:

1 Einleitung

„Werde, der du bist!“

Mit diesen Worten animierte bereits Friedrich Nietzsche die Menschheit zur Selbstverwirklichung - der Prozess der Personwerdung, in der jeder einzelne seine Anlagen entfaltet und seine Ziele versucht umzusetzen. Doch ist dies in unserer Gesellschaft überhaupt möglich? In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, den Stand männlicher Homosexueller in unserer Gesellschaft zu analysieren. Die Medien erzeugen das Bild einer bunten, tolerierten, akzeptierten sowie integrierten Gruppe, die in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Eine „Frau“ mit Bart gewinnt den Eurovision Song Contest, Prominente Persönlichkeiten wie Klaus Wowereit, Guido Westerwelle oder Thomas Hitzlsperger werden als Aushängeschilder für eine zunehmend tolerante Gesellschaft herangezogen. Die Frage, wie männliche Homosexuelle wirklich in unserer liberalen Gemeinschaft aufgenommen werden und ob es wirklich diese Normalität gibt, die augenscheinlich da zu sein schein, liegt also nahe.

Denn immer noch gibt es Berichte über Diskriminierungserfahrungen, Stigmatisierung und Ausgrenzung. Demnach muss das Erkennen einer eigenen Homosexualität auch einen Prozess mit sich ziehen, in dem der Einzelne lernt damit umzugehen. Das soll der Kern der dieser Arbeit sein. Wie lebt es sich als Homosexueller im 21. Jahrhundert in Deutschland? Welche Arten der Ausgrenzung lassen sich noch beobachten und wie hat sich dies im Laufe der Zeit verändert? Auf all diese Fragen werde ich versuchen eine Antwort zu finden.

Wie der Titel schon deutlich macht, geht es in dieser Arbeit um männliche Homosexuelle. Auch wenn zwischendurch weibliche Homosexuelle erwähnt werden, so geschieht das auf Grund der Gemeinsamkeiten eines sexuellen Stigmas.

Zu Beginn der Arbeit werde ich den Begriff Homosexualität definieren und erläutern. Im Anschluss daran wird versucht ein Blick auf die Verbreitung dieser zu werfen, was sich als schwierig erweist, da man nie alle Homosexuellen statistisch erfassen kann, möglicherweise auf Grund eines ausstehenden Outings. Im nächsten Schritt erfolgt ein historischer Rückblick, beginnend mit der Situation von Homosexuellen in der Antike bis hin zur Gegenwart. Im Anschluss daran werden Formen von gegenwärtigen Diskriminierungen und deren Motive erläutert. Ein letzter Abschnitt erfolgt im Hinblick auf die Folgen und die Auswirkungen bezüglich der Psyche, Gesundheit und der Lebenswelt der männlichen Homosexuellen.

Abschließend werden alle Ergebnisse noch einmal zusammengeführt und es wird versucht, einen Ausblick zu geben. Der Versuch dieser Arbeit ist es, die Lebenswirklichkeit und die Lebensumstände männlicher Homosexueller zusammenfassend darzustellen und einen Einblick in die Nische einer Randgruppe zu ermöglichen, die eine Gesellschaft innerhalb der Gesellschaft bildet, die sich lange verstecken musste und sich heute aufgrund rechtlicher Grundlagen und veränderter gesellschaftlicher Wahrnehmungen an die Öffentlichkeit trauen kann.

2 Allgemeiner Teil

„Homosexualität ist gewiß kein Vorzug, aber es ist nicht etwas, dessen man sich schämen muß, kein Laster, keine Erniedrigung und kann nicht als Krankheit bezeichnet werden […]“ (Isay 1990:11) Das erste inhaltliche Kapitel soll zunächst in die Thematik Homosexualität einführen. Die Frage nach der Bedeutung von Homosexualität soll beantwortet werden. Des Weiteren wird auf die Verbreitung dieser eingegangen.

2.1 Definition von Homosexualität

Was ist eigentlich Homosexualität? Wenn man von Homosexualität oder auch Homophilie spricht bezieht sich dies immer auf die sexuelle Orientierung von Individuen, die Romantik, Liebe und sexuelles Begehren vorrangig, meist auch ausschließlich, gegenüber Personen des eigenen Geschlechts empfinden (vgl. JuraForum).

Homosexualität ist eine hybride Wortneuschöpfung aus dem 19. Jahrhundert, welche durch den Schriftsteller Karl Maria Kertbeny geprägt wurden ist. Das aus dem griechischen stammende Wort „ hom oios“ bedeutet soviel wie gleich und gleichartig, dazu ergänzte man aus dem lateinischen das Wort „ sexus “ welches jeweils das männliche oder weibliche Geschlecht beschreibt.

Homosexuelle Männer werden auch als schwul bezeichnet. Ursprünglich abwertend gebraucht, wurde die Bezeichnung “schwul“ später im Rahmen der Emanzipationsbewegung von der Schwulenszene selbst, auch als politischer Kampfbegriff, übernommen und damit die abwertende Bedeutung so weit zurückgedrängt, dass sie heute sogar im Sprachgebrauch der Gesetzgebung auftaucht. In der Jugendsprache findet sich das Wort schwul dagegen immer noch als Schimpfwort, das als Synonym für langweilig, weichlich bzw. enervierend benutzt wird. Im englischsprachigen Raum setze sich gay, was so viel bedeutet wie bunt oder fröhlich, als oberster Begriff für homosexuelle Männer durch, da sie sich von dem Ausdruck „Queer“, der mit komisch und seltsam übersetzt werden kann, distanzieren wollten.

Die Ursachen der Homosexualität sind unbekannt; es werden zwar immer wieder körperliche oder psychische Faktoren entdeckt, die sich aber im Allgemeinen nicht empirisch belegen lassen. Inzwischen geht die Wissenschaft davon aus, dass die sexuelle Orientierung schon vor der Geburt angelegt wird (ebenso wie die Geschlechtsidentität); erst im Lauf des Lebens führen dann auslösende Ereignisse zur Ausprägung der homosexuellen Neigung (vgl. Issay 1990).

Die genauen Ursachen und Voraussetzungen für die Entscheidung unserer Sexualität kann niemand so genau bestimmen, wichtiger ist, dass unsere Gesellschaft versteht, dass es sich nicht um eine Krankheit oder eine psychische Störung handelt.

2.2 Verbreitung von Homosexualität

Schätzungen variieren beträchtlich und werden auf Grund von unterschiedlichen Definitionen des Gegenstand sehr verkompliziert.

In Umfragen liegt der Anteil von Homosexuellen in der Bevölkerung zwischen 1% bis 10%, dies ist aber sehr abhängig von den jeweiligen gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen.

Der Mikrozensus beschreibt, dass es ungefähr 63.000 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften gibt, davon leben in etwa 19.000 in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, das sind ungefähr 0,2% aller Lebenspartnerschaften. Daraus resultieren um groben 8.300 Kinder, das sind 0,04%. Nach Schätzungen des statistischen Bundesamt gibt es ca. 177.000 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften und daraus resultieren in etwa 25.000 Kinder. Schätzungen ergaben, dass 4% aller Männer schwul und ca. 2% Frauen lesbisch sind (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2010).

Man geht davon aus, dass höchstens die Hälfte aller Homosexuellen bekennend leben. Um sich zu outen sind zwei Phasen von Nöten. Zum einen die „sich -selbst- bewusst -werden“ oder „sich- selbst- eingestehen“ - Phase, die unter Umständen erst im hohen Alter eintreten kann. Das ist abhängig vom sozialen und kulturellen Umfeld des Einzelnen und seiner persönlichen Entwicklung. Mit unter leben viele Homosexuelle nur in der ersten Phase, der Übergang zur zweiten, der „sich- erklären“ – Phase, bedarf sehr viel Mut. Ob gelungen oder nicht ist auch hier wieder abhängig vom sozialen Umfeld der Person (vgl.Grassmann 2000:98ff.).

3 Homosexualität und die Gesellschaft

„ Frauen werden von Frauen und Männer werden von Männern seit Jahrtausenden begehrt. Wie dieses Begehren jedoch erlebt und eingeordnet wird, bestimmt die jeweilige Kultur oder Epoche.“ (Sigusch 2010: 3ff.)

3.1 Historischer Wandel der Homosexualität

Homosexualität hat es zu jeder Zeit gegeben. Bereits in der griechischen Antike wird darüber berichtet und auch in den nachfolgenden Epochen war dieses Thema präsent ­ mal mehr, mal weniger. Auch der Umgang änderte sich: ,,In manchen Gesellschaften wurde die gleichgeschlechtliche Anziehung allgemein akzeptiert oder sogar in Ehren gehalten. Zu anderen Zeiten und an anderen Orten wurde sie als unmoralisch abgelehnt" (Aldrich 2007: 8). Schon zwischen den antiken Griechen und den Römern ist ein Bedeutungswandel zu beobachten. In beiden Kulturen aber war es gleich, dass der (erwachsene) Mann sich nicht penetrieren ließ, da dies als schwach und weibisch galt (vgl. Hupperts 2007: 29-55). Dennoch hatte Homosexualität in beiden Kulturen den Stellenwert von Normalität, weil es gesellschaftlich sichtbar und vorhanden war.

Im Mittelalter wurde der Begriff Sodomie geprägt. Was heute den Geschlechtsakt mit Tieren beschreibt war damals die Beschreibung von widernatürlichen Sexpraktiken, wie zum Beispiel Analverkehr. Man bezeichnete dies als „stumme Sünde“ oder „Last wider die Natur“. Der Ausdruck wurde aus dem alten Testament abgeleitet. Bis zum Hochmittelalter galt Analverkehr im christlichen Bereich als Sünde, aber noch nicht als schwerwiegendes Verbrechen, die Sünder mussten Kirchenbuße ableisten aber im weltlichen Sinne gab es noch keine Bestrafungen. Ab dem 13.Jahrhundert galt in großen Teilen Europas Analverkehr zwischen Männern als Sodomie und wurde nun durch weltliche Gesetze mit dem Scheiterhaufen bedroht. Aufgrund dieser Gesetzesgrundlage kam es im Spätmittelalter bis zum Ende des 18.Jahrhunderts zur Sodomitenverfolgung in ganz Europa.

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Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668040809
ISBN (Buch)
9783668040816
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v306051
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
Homosexualität Akzeptanz Diskriminierung Stigmatisierung Ausgrenzung Gesellschaft Toleranz

Autor

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Titel: Diskriminierung oder Akzeptanz? Männliche Homosexualität im Wandel der Gesellschaft