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Arbeitsbedingungen, Unterbringung und Hilfsmaßnahmen für die Emigranten der Französischen Revolution in den Jahren 1791 und 1794

Ein Vergleich am Beispiel von Konstanz und Koblenz aus sozialwissenschaftlicher Perspektive

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 16 Seiten

Geschichte - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Inhalt
1.1 Historischer Hintergrund
1.1.1 Konstanz
1.1.2 Koblenz:
1.2 Arbeitsbedingungen
1.2.1 Konstanz
1.2.2 Koblenz
1.3. Unterbringung
1.3.1 Konstanz
1.3.2 Koblenz
1.4 Hilfsmaßnahmen
1.4.1 Konstanz
1.4.2 Koblenz

III. Zusammenfassung

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die bedeutenden Ereignisse der Französischen Revolution haben, beginnend mit dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789, zu gewaltigen sozialen und politischen Umwälzungen geführt. Der Ruf nach Freiheit und Gleichheit der Menschen wurde vor allem von den gebildeten Eliten positiv aufgenommen. Jedoch unterstützten nicht alle Bürger Frankreichs die Forderungen der Revolutionäre. In der Zeit zwischen 1789 und 1801 verließen daher zahlreiche Bürger das Land. Bei der ersten großen Flüchtlingswelle ab dem Jahre 1789 handelte es sich noch um eine freiwillige Auswanderung der hohen Aristokraten, die mit dem Verlassen des Landes eine Protesthaltung gegen die neuen „Herrscher“ ausdrücken wollten. Dagegen setzen Historiker mit dem Jahr 1792 die zweite große Auswanderungswelle an. Diese Auswanderungsbewegung war von Geistlichen geprägt, die das Land verlassen mussten, da sie im November 1791 zu einer Eidesleistung auf die Verfassung gezwungen wurden und somit in einen Loyalitätskonflikt zur Kirche gerieten. Hier handelt es sich um eine durch die Umstände erzwungene Flucht. Die vorliegende Hausarbeit soll sich nun mit den Arbeitsbedingungen, der Unterbringung und den Hilfsmaßnahmen für die Emigranten der Französischen Revolution in den Städten Konstanz und Koblenz beschäftigen. Es sollen vor allem die geflohenen Geistlichen und, wo möglich, die weltliche Mittelschicht in Konstanz, sowie der Hochadel in Koblenz näher beleuchtet werden.

Zunächst jedoch erscheinen ein paar Worte zur Quellenlage über die Alltagsgeschichte der französischen Emigranten notwendig. Diese kann als negativ bewertet werden. Es existieren zwar zahlreiche persönliche Erinnerungen von Emigranten über ihr Leben im Exil, jedoch beschränken sich diese meist auf die geistlichen oder adeligen Flüchtlinge. Hier wäre das Tagebuch der Verbannungsreise von Abt Henry zu erwähnen. Geistliche und auch Adelige verfügten jedoch meist nur über einen eher einseitigen Blickwinkel, da sie oft keine Erfahrung bezüglich Arbeitsbeschaffung oder auch Unterbringung machen mussten. Dies bedeutet, dass Egodokumente nur sehr eingeschränkt als Quelle herangezogen werden können. Abgesehen davon findet sich nur wenig in der „Memoirenliteratur zum normalen, täglichen Leben vor allem derjenigen Emigranten, die nicht zum Hochadel oder den Führungszirkeln der Koblenzer Gesellschaft gehörten“[1]. Außerdem haben Historiker bisher die Alltagsgeschichte der französischen Emigranten nur sehr marginal behandelt, so dass sich vor allem die Forschungslage bezüglich der Lebensbedingungen von „einfachen“ weltlichen Emigranten in Koblenz und Konstanz als sehr schwierig darstellt. Entscheidend für die Auswahl von Koblenz und Konstanz war, dass hier im Vergleich zu anderen Orten, die Quellenlage und auch die Literatur über die Städte selbst als relativ gut bezeichnet werden kann. Die vorliegende Hausarbeit soll nun, soweit dies möglich ist, einen Vergleich zwischen Arbeitswelt, Unterbringung und Hilfsmaßnahmen für die französischen Emigranten in den zwei Städten durchführen. Hier werde ich mich auf zwei unterschiedliche Gruppen von Emigranten beziehen, einerseits die altständische Gesellschaft, welche in Koblenz den Hochadel und in Konstanz die Geistlichkeit umfasst und andererseits die weltliche Mittelschicht, vor allem die Handwerker in der Stadt Koblenz. Wieso sich zahlreiche französische Emigranten für Koblenz entschieden haben, hängt wohl mit der relativen Nähe zur Französischen Grenze zusammen, denn nahezu alle Emigranten, unabhängig von ihrer sozialen Schicht, rechneten lediglich mit einem kurzen Aufenthalt im Exil und wollten so bald wie möglich wieder in ihre alte Heimat zurück. Außerdem durften sich die Emigranten in Vorderösterreich nur in bestimmten Städten, wie Villingen, Rottenburg, Ehingen und auch Konstanz aufhalten, um besser unter Kontrolle gehalten zu werden.[2] Des Weiteren spielten vermutlich konfessionelle Gründe eine Rolle. Die Stadt Koblenz war bis 1783 rein katholisch geprägt und selbst nach dem „Duldungsedikt“ anderer Glaubensrichtungen waren etwa 98% der Bevölkerung katholisch.[3] Danach durften sich nur „vermögende, mit guten Zeugnissen versehene“ und diejenigen Protestanten, welche sich mit Fabriken oder Handel „abgaben“, in der Stadt niederlassen.[4] Auch für Konstanz sprachen konfessionelle Gründe, da die Stadt ein Bistum war. In beiden Städten wurden also die ankommenden französischen Emigranten zumindest anfänglich gut von ihren Glaubensbrüdern aufgenommen. Des Weiteren hatte Koblenz Hauptstadtfunktion und lag an einem strategisch wichtigen Knotenpunkt an den Flüssen Rhein und Mosel. Dort befanden sich die einflussreichsten Adelsfamilien und hohe Beamte.[5] Als weiteren möglichen Grund für die Attraktivität der Stadt Koblenz für französische Emigranten wäre die Begünstigung und auch materielle Förderung durch den Kurfürsten Clemens Wenzeslaus anzusehen. Eine Emigrantin berichtet hierzu: „Die Emigranten, die in ganz Europa Hilfe such[t]en, f[a]nden bei dem Kurfürsten von Trier die beste Aufnahme[…]“.[6] In Konstanz konnten die französischen Emigranten mit der Unterstützung und dem Interesse des österreichischen Stadtkommandanten Franz von Blanc rechnen. Dieser setzte sich aktiv für die Niederlassung von Emigranten ein.[7] Die Geschichte der Emigrantenkolonie in Koblenz beginnt mit der Ankunft der beiden Brüder des französischen Königs im Jahre 1791 und endet mit der Einnahme der Stadt durch die republikanischen Truppen am 22. Oktober 1794, daher erscheint mir dieser Eingrenzungszeitraums sinnvoll.

II. Inhalt

1.1 Historischer Hintergrund

1.1.1 Konstanz

Die Geschichte der französischen Emigrantenkolonie in Konstanz beginnt im Jahre 1792, als in Frankreich die Fluchtwelle ihren ersten Höhepunkt erreicht hatte. In Konstanz prägten vor allem einfache Landpriester, ziviler Adel und einige Bischöfe das allgemeine Erscheinungsbild der Flüchtlinge. „Um die Bischöfe in Konstanz scharten sich noch mehr gewesene Inhaber hoher Ämter in der französischen Kirche, Äbte, Kanoniker, Generalvikare und dergleichen. Konstanz stellte zu Recht das „Zentrum der geistlichen Emigration in Europa dar“.[8] Für Konstanz bedeutet das Jahr 1798 den Höhepunkt der Flüchtlingswelle. In diesem Jahr befanden sich neben 4000 Einwohnern etwa 2000 Emigranten in der Stadt.[9] Für das Territorium Vorderösterreichs und somit auch für die Stadt Konstanz galt gegenüber den weltlichen Emigranten das Prinzip der begrenzten Duldung bei starker Kontrolle.[10] Dies bedeutete konkret, dass man versuchte völlig verarmte Emigranten von der Stadt fernzuhalten, so dass möglichst wohlhabende weltliche Emigranten zur Wirtschaft in Konstanz beitragen konnten. Diese Kontrolle erfolgte ab Juli 1792 durch Emigrantenlisten, welche nach Freiburg geschickt werden mussten. „In immer dickeren Kladden verzeichneten Konstanzer Beamte nach dem Anfangsbuchstaben geordnet Namen, Hausnummer der Wohnungen, Geburtsorte und Geburtsprovinzen, Standeszugehörigkeit oder Profession, die Zahl mitgereister Familienangehöriger“[11] und Dienstboten. Aus diesem Grunde kamen teilweise weltliche Emigranten nach Konstanz, die viel Kapital in die Stadt brachten. Das Aussehen der Stadt verbesserte sich deutlich. 1799 endete die französische Emigrantenkolonie in Konstanz, da die Stadt erneut von französischen Regierungstruppen besetzt wurde. In dieser Zeit blieben nur wenige schwerkranke Emigranten dort. Als der letzte Besatzungsoffizier im Jahre 1801 die Stadt verließ, befanden sich nur noch Rückreisende, Alte und Kranke sowie Angehörige der royalistischen Emigrantenarmee in Konstanz.[12] Über mehrere Jahre hinweg bestand also ein Fünftel bis ein Viertel der Stadtbewohnerschaft aus französischsprachigen „Fremden“.[13] 1802 kehrten aufgrund der Amnestie unter der Herrschaft Napoleons die meisten Emigranten zurück nach Frankreich.

[...]


[1] vgl. Henke, Christian, Coblentz. Symbol für die Gegenrevolution. Die französische Emigration nach Koblenz und Kurtrier 1789-1792 und die politische Diskussion des revolutionären Frankreichs 1791-1794. Stuttgart 2000, 106.

[2] vgl. Moser, Arnulf, Die französische Emigrantenkolonie in Konstanz während der Revolution (1792-1799). Sigmaringen 1975, 19.

[3] vgl. Etienne, François, Koblenz im 18. Jahrhundert. Zur Sozial- und Bevölkerungsstruktur einer deutschen Residenzstadt. Göttingen 1982, 23.

[4] vgl. Bellinghausen, Hans (Hg.), 2000 Jahre Koblenz. Geschichte der Stadt an Rhein und Mosel. Boppard am Rhein 1971, 198.

[5] vgl. Etienne, Koblenz im 18. Jahrhundert, 21.

[6] Pernoud, Georges/Flaissier Sabine (Hg.), Die Französische Revolution in Augenzeugenberichten. München 1976, 126.

[7] vgl. Moser, Die französische Emigrantenkolonie in Konstanz, 14.

[8] Burkhardt, Martin, Die französischen Réfugiés in Konstanz am Ende des 18. Jahrhunderts. In: Les Migrations. De L’antiquité á nos jours. Strassburg 1996, 62.

[9] Burkhardt, Martin, Konstanz im 18. Jahrhundert. In: Martin Burkhardt, Wolfgang Dobras, Wolfgang Zimmermann (Hg.). Konstanz in der frühen Neuzeit. Reformation, Verlust der Reichsfreiheit, Österreichische Zeit. Konstanz 1991, 414.

[10] vgl. Burkhardt, Martin, Konstanz im 18. Jahrhundert. In: Konstanz in der frühen Neuzeit, 413.

[11] Ebd., 413.

[12] vgl. Burkhardt, Die französischen Réfugiés in Konstanz am Ende des 18. Jahrhunderts, 61.

[13] Ebd., 62.

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668038219
ISBN (Buch)
9783668038226
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v305900
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Historisches Institut Abteilung Geschichte der Frühen Neuzeit
Note
1,7
Schlagworte
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Titel: Arbeitsbedingungen, Unterbringung und Hilfsmaßnahmen für die Emigranten der Französischen Revolution in den Jahren 1791 und 1794