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Kritische, kommentierte Übersetzung der Reportage "Iles Eparses, paradis originel"

Bachelorarbeit 2012 54 Seiten

Dolmetschen / Übersetzen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Aufgabenstellung

3.) Ausgangstext

4.) Analyse des Ausgangstextes
4.1) Die situative Dimension
4.2) Die diskursive oder intertextuelle Dimension
4.3) Die funktionale Dimension
4.4) Die thematische Dimension
4.5) Die sprachliche Dimension

5.) Zweiter geeigneter Übersetzungsauftrag
5.1) Übersetzungsstrategische Schlussfolgerungen

6.) Rechercheergebnisse

7.) Kommentierte Übersetzung

8.) Zusammenfassung

Bibliographie

1.) Einleitung

Bei der vorliegenden Abschlussarbeit handelt es sich um eine kritische, kommentierte Übersetzung des Textes „Ȋles Éparses, paradis originel“, der im August 2009 in der französischen Ausgabe der Zeitschrift National Geographic erschienen ist. Der Aufbau dieser Arbeit entspricht den einzelnen Punkten der Aufgabenstellung. Das Ziel ist dabei eine möglichst vollständige Dokumentation des Übersetzungsprozesses.

Zunächst werden die Aufgabenstellung und der Ausgangstext wiedergegeben, da diese die Grundlage für die darauf folgenden Schritte darstellen.

Im vierten Kapitel folgt die Analyse des Ausgangstextes nach den von Adamzik (2010) formulierten Gesichtspunkten. Es wird zunächst ein Vergleich zwischen den Ansätzen von Adamzik (2010) und Nord (2009) angestellt, um aufzuzeigen, dass es mehrere sinnvolle Analysemethoden gibt. Ziel der Ausgangstextanalyse ist, Übersetzungsstrategien für jeden der untersuchten Bereiche festzulegen, die später bei der Erstellung des Zieltextes hilfreich sein werden. Daher werden am Ende jedes Abschnitts die sich aus der Analyse ergebenden Konsequenzen für die Übersetzung formuliert.

Im fünften Teil der Arbeit wird ein zweiter geeigneter Übersetzungsauftrag definiert und es wird erklärt, in welchen Punkten der Zieltext bei diesem Auftrag von dem im Rahmen dieser Arbeit tatsächlich erstellten Zieltext abweichen müsste. Dies verdeutlicht, dass die übersetzungsrelevanten Entscheidungen beim Erstellen des Zieltextes stark vom Übersetzungsauftrag abhängig sind. Außerdem zeigt dieses Vorgehen die große Bedeutung der situativen und funktionalen Dimension für die sprachliche und thematische Gestaltung des Zieltextes.

Darauf folgt im sechsten Kapitel eine Darstellung der Rechercheergebnisse zu Informationen, die für eine gelungene Übersetzung von Bedeutung sind, aber im Ausgangstext selbst nicht enthalten sind.

Im Anschluss wird auf der Grundlage der Ergebnisse aus den vorangegangenen Kapiteln der Zieltext erstellt. Er wird durch Kommentare ergänzt, die konkrete Übersetzungsentscheidungen näher erklären, besonders in Bezug auf die in der Aufgabenstellung genannten Faktoren Übersetzungsauftrag, Übersetzungsstrategie, Adressatenspezifik und Funktionsgerechtigkeit.

2.) Aufgabenstellung

UNIVERSITÄT HILDESHEIM - INSTITUT FÜR ÜBERSETZUNGSWISSENSCHAFT UND FACHKOMMUNIKATION

BA-Abschlussarbeit „Kritische, kommentierte Übersetzung des Textes « Îles éparses, paradis originel »,

erschienen in National Geographic août 2009“ (Amelie Landschulz)

Wintersemester 2011/2012

Übersetzungsauftrag: Übersetzen Sie den vorliegenden Text für das April-Heft von National Geographic Deutschland

Aufgabenblatt:

1. Analysieren Sie den Ausgangstext nach den Prinzipien einer übersetzungswissenschaftlichen Textanalyse (vgl. z. B. Adamzik, Kirsten (2004): Sprache: Wege zum Verstehen. 2., überarb. Aufl. Tübingen: Francke) und formulieren Sie die sich daraus ergebenden übersetzungsstrategischen Überlegungen.
2. Definieren Sie einen zweiten geeigneten Übersetzungsauftrag für den vorliegenden Text und erläutern Sie, welche unterschiedlichen übersetzungsstrategischen Schlussfolgerungen sich aus den beiden Übersetzungsaufträgen ergeben.
3. Stellen Sie die für die Übersetzung notwendigen Informationen zusammen und kommentieren Sie ihre Relevanz für die Übersetzung. Vergessen sie nicht, auch jeweils die Quelle anzugeben, aus der sie stammen.
4. Übersetzen Sie den Text gemäß dem oben gestellten Übersetzungsauftrag und kommentieren Sie Übersetzungsentscheidungen, bei denen Faktoren wie Übersetzungsauftrag, Übersetzungsstrategie, Adressatenspezifik oder Funktionsgerechtigkeit eine besondere Rolle gespielt haben.
5. Erstellen Sie eine Bibliographie aller verwendeten Hilfsmittel (einschl. Wörterbüchern, Internetquellen, Schriftwechsel mit Experten usw.) nach den für wissenschaftliche Arbeiten geltenden Konventionen (s. z. B. PDF Vorgehen bei Zitaten und Literaturangaben unter http://www.uni-hildesheim.de/de/13239.htm).

3.) Ausgangstext

Der Ausgangstext ist online unter https://www.yumpu.com/fr/document/view/16825143/national- geographic-quotiles-eparses-paradis-originelquot-aout-2009-taaf zu finden.

LISON, Céline; DALEX, Grégory (2009): „les Éparses, paradis originel.“ National Geographic France n°119. Août 2009. 40-51.

4.) Analyse des Ausgangstextes

Die Textanalyse bezieht sich auf das in „Sprache. Wege zum Verstehen“ (2010: 283 ff.) von Kirsten Adamzik vorgestellte Modell. Zusätzlich wird zur genaueren Erläuterung der Analysedimensionen das Werk „Textlinguistik. Eine einführende Darstellung“ der gleichen Autorin (2004) hinzugezogen. Es ist jedoch sinnvoll, Adamziks Vorgehensweise mit einem anderen häufig aufgegriffenen Ansatz, in diesem Fall dem von Nord (2009: 39 ff.) zu vergleichen, um sich der Stärken und Schwächen der gewählten Analysemethode bewusst zu werden.

Adamzik (2010: 283ff.) fasst Texte als mehrdimensionale sprachliche Zeichen auf. Sie unterscheidet dabei die thematische, die situative, die sprachliche, die funktionale und die intertextuelle Dimension. Adamzik (2004: 59) zufolge stehen alle diese Dimensionen in einer wechselseitigen Beziehung zueinander. Sie bilden daher ein komplexes Ganzes und lassen sich nicht klar voneinander abgrenzen.

Die intertextuelle Dimension wird bei Nord (2009) nicht untersucht. Sie ist jedoch mit Hinblick auf eine Übersetzung von großer Bedeutung, da bei der Erstellung des Translats entschieden werden muss, ob die intertextuellen Bezüge des Ausgangstextes auch in der kommunikativen Situation des Zieltextes relevant sind bzw. verstanden werden oder gestrichen werden müssen.

Bei Nord (2009: 39 ff.) ist vor allem die kommunikative Funktion des Textes von Bedeutung. Die Autorin trennt bei den Bereichen der Textanalyse textexterne und textinterne Faktoren, weist jedoch wie Adamzik darauf hin, dass alle untersuchten Faktoren miteinander verknüpft sind (Nord, 2009: 83). Der Vorteil dieser Trennung liegt darin, dass der Übersetzer im Sinne einer funktionskonstanten Übersetzung zunächst ein klares kommunikatives Ziel auf der Grundlage des Übersetzungsauftrags formulieren und sich dann verschiedener sprachlicher Möglichkeiten zu dessen Umsetzung bewusst werden kann. Der Nachteil gegenüber dem Modell von Adamzik besteht in der Gefahr, dass durch die strikte Trennung die verschiedenen Bezüge zwischen den Faktoren vernachlässigt werden könnten.

Die textexternen Faktoren beschreiben die kommunikative Situation des Textes, während unter den textinternen Faktoren deren konkrete Umsetzung durch Sprache und nonverbale Elemente zu verstehen ist. Der Autorin zufolge sind die textinternen den textexternen Faktoren untergeordnet, da ein Text unter Umständen auch eine kommunikative Funktion erfüllen kann, wenn er gegen die Regeln der Kohärenz und Kohäsion verstößt (Nord, 2009: 39). Die verschiedenen Analysekriterien für die textexternen Faktoren lassen sich mit den Leitfragen „wer übermittelt wozu wem über welches Medium wo wann warum einen Text mit welcher Funktion?“ zusammenfassen, während die Analyse der textinternen Faktoren Antworten auf die Fragen „worüber sagt er was (was nicht) in welcher Reihenfolge, unter Einsatz welcher nonverbalen Elemente in welchen Worten, in was für Sätzen, in welchem Ton, mit welcher Wirkung?“ liefert (Nord, 2009: 40). Der Ansatz von Nord hat daher den Vorteil, dass er eine bessere Veranschaulichung anhand der detaillierten Einteilung in konkrete W-Fragen bietet.

Die Ansätze der beiden Autorinnen unterscheiden sich auch in der Reihenfolge, in der die Analysekriterien behandelt werden. Adamzik (2010: 283) beginnt mit der thematischen Dimension, da dieser "Aspekt […] wohl für den normalen Sprachteilhaber der bedeutendste ist". Sie befürwortet also eine induktive Vorgehensweise (Adamzik, 2010: 286), um voreilige Schlüsse aufgrund der Zuordnung des Textes zu Kategorien, wie etwa bestimmte Textsorten oder stilistische, thematische oder funktionale Kategorien zu vermeiden, da diese der Vielfältigkeit, die innerhalb von Textsorten und einzelnen Texten vorliegt, nicht gerecht werden. Nord (2009) geht jedoch umgekehrt vor, da für sie die kommunikative Funktion wie erwähnt im Vordergrund steht. Der Aufbau ist bei ihrem Modell deduktiv. Durch das weiter unten beschriebene Prinzip der Rekursivität werden jedoch besagte fehlerhafte aus der Kommunikationssituation gezogene Schlüsse korrigiert. Da die vorliegende Analyse sich auf Adamzik (2012) bezieht, wird ein induktives Vorgehen gewählt, wobei die gemachten empirischen Beobachtungen mit den allgemeinen Beschreibungen der Textsorte Reportage nach Haller (1997) und Lüger (1995) verglichen werden. Es wird jedoch nach der Reihenfolge in „Textlinguistik. Eine einführende Darstellung.“ (Adamzik, 2004) vorgegangen, denn es ist sinnvoll, die situative Dimension als erstes zu analysieren, da sie einen grundlegenden Rahmen für die übrigen Dimensionen darstellt.

Trotz dieser Unterschiede lässt sich der Schluss ziehen, dass sich die untersuchten Bereiche in beiden Analysemodellen stark überschneiden. In dieser Arbeit wird also keine vollständige zweite Textanalyse durchgeführt, weil große Teile davon redundant wären. Stattdessen werden bei Adamzik (2010) vernachlässigte Bereiche, wie die Bedeutung der nonverbalen Elemente oder die Trennung von Senderintention und Textfunktion sowie von Textfunktion und Wirkung in die Textanalyse integriert. Zusätzlich gibt Nord (2009: 83) mit dem von ihr vorgestellten Prinzip der Rekursivität den Hinweis, dass aufgrund der Interdependenz der Faktoren bereits gemachte Feststellungen zu Erwartungen führen, was die anderen Faktoren angeht und diese dann überprüft werden müssen. Daher ist sind oft mehrere Analysedurchgänge und eine Revision früherer Ergebnisse nötig, falls bei der Überprüfung der Erwartungen Widersprüche festgestellt wurden.

4.1 Die situative Dimension

Eine Analyse der situativen Textdimension liefert die „objektiven Daten“, die im Zusammenhang mit dem Text stehen. Wie Adamzik (2004: 61) anmerkt, sind es jedoch die aus diesen Daten resultierenden Erwartungen der Leser an den Text, die von Interesse sind.

Die Autorin des ersten Teils des vorliegenden Textes ist die Französin Céline Lison, eine fest angestellte Reporterin in der Redaktion des französischen „National Geographic“. Sie besitzt einen Masterabschluss (maîtrise) in Journalismus und wissenschaftlicher und technischer Kommunikation an der Université Paris VII. Lison verfügt über 14 Jahre Erfahrung als Reporterin und Redakteurin bei dem französischen Presseunternehmen Prisma Presse, insbesondere bei der von diesem Unternehmen herausgegebenen Zeitschrift „National Geographic“. Zu ihren wichtigsten Interessengebieten gehören Umwelt und Biodiversität (LinkedIn, 2011). Es handelt sich somit um eine kompetente und fachkundige Autorin, die sowohl ein privates als auch ein berufliches Interesse an der Thematik der Ȋles Éparses hat.

Der Textabschnitt mit dem Titel „Les Robinsons Noirs de l’Océan Indien“ wurde jedoch von einem anderen Autoren, dem Franzosen Grégory Dalex, geschrieben. Dalex hat Journalismus und ein Jahr lang Archäologie an der Universität Paris-Sorbonne studiert und ist seit 1997 als Taucher im Team des bekannten Unterwasserarchäologen Franck Goddio tätig. Als Journalist hat er bereits mehrere Artikel im Zusammenhang mit Tauchen und Archäologie verfasst. (Franck Goddio Society, 2012) Auch dieser Autor ist daher ein Spezialist auf dem in seinem Artikel behandelten Themengebiet.

Der Text ist in der französischen Ausgabe der Zeitschrift „National Geographic“ erschienen, die damit den Sender des Textes darstellt. Ein Auftrag von „National Geographic“ war vermutlich auch der Anlass für die Erstellung beider Texte. Die Zeitschrift ist die offizielle Publikation der amerikanischen „National Geographic Society“, einer gemeinnützigen wissenschaftlichen Gesellschaft, die sich mit Naturwissenschaften, darunter vor allem mit Archäologie, Geographie und Umweltschutz, befasst. (National Geographic Society, 2012a) Neben der Unterstützung verschiedener Forschungsprojekte und eigenen TV Kanälen in mehreren Ländern setzt die Gesellschaft diese monatlich erscheinende Zeitschrift ein, um bei der Bevölkerung ein größeres Interesse an der Geographie und anderen Naturwissenschaften zu wecken sowie den Bildungsstand hinsichtlich dieser Themengebiete zu fördern. Das Magazin erscheint in 30 Ländern in Nord- und Südamerika, Asien und Europa (National Geographic Society, 2012b). Auch bei dem Sender handelt es sich damit um eine renommierte Gesellschaft, die vielen Lesern bereits bekannt sein dürfte und bei ihnen die Assoziation weckt, dass die Beiträge generell gut recherchiert sind, sich mit wichtigen aktuellen Themen befassen und verlässliche Informationen bieten. Auch an die Thematik gibt es wahrscheinlich bereits Erwartungen, da die Artikel sich üblicherweise mit den oben angesprochenen Themengebieten befassen.

Damit lassen sich drei Senderintentionen identifizieren: erstens durch eine interessante Gestaltung des Artikels den Leser anzusprechen und einen Kaufanreiz zu wecken, da die National Geographic Society den daraus erzielten Gewinn zur eigenen Finanzierung benötigt, zweitens den Lesern im Sinne des Bildungsauftrags Informationen im Zusammenhang mit dem Textthema zu liefern und drittens, ein Bewusstsein für Umweltschutz zu schaffen, das idealerweise zu einer weiteren Unterstützung der National Geographic Society oder ähnlicher Organisationen führt. Es lässt sich jedoch feststellen, dass der Autor die zusätzliche Intention der Selbstdarstellung hat, um einen guten Ruf zu erlangen und eventuell neue Aufträge zur erhalten. Bei Lison ist dies weniger wichtig, da sie schon eine Festanstellung bei einer renommierten Zeitschrift besitzt. Für sie kommt es eher darauf an, den bereits hohen Erwartungen an die von ihr produzierten Artikel zu entsprechen. Bei Dalex kann diese Intention durchaus eine Rolle spielen, falls er seine journalistische Tätigkeit als zweites Standbein neben dem Beruf als Taucher ausweiten möchte.

Der Text wurde im August 2009 veröffentlicht. Große Teile des Textes sind nicht zeitgebunden, da es sich oft um allgemeine Beschreibungen der geographischen Beschaffenheit sowie der Tier- und Pflanzenwelt der Inseln handelt, die zu jeder Zeit von Interesse sind. In einigen Abschnitten liegt jedoch durchaus eine Zeitgebundenheit vor, zum Beispiel wenn die Thematik der aktuellen politischen Lage und Verteidigung der Inseln behandelt wird. Besonders auffällig ist hier der Satz, in dem die Hoffnungen auf einen zukünftigen Status von Europa als Meeresschutzgebiet erwähnt werden (Bildunterschrift S. 45). Auch in dem zweiten Teiltext „Les Robinsons Noirs de l’Océan Indien“ gibt es zeitgebundene Passagen, die sich auf den aktuellen Stand der Ausgrabungen beziehen. Einige der im Text gemachten Aussagen sind daher bereits veraltet. Beispiele für auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung bezogene deiktische Ausdrücke sind „jusqu‘ici“ (Z. 2), „pour autant“ (Z. 44), „pour l’heure“ (Z. 77) oder „futurs“ (Z. 280).

Eine Ortsgebundenheit ist dagegen nur in sehr geringem Maße vorhanden. Es lässt sich annehmen, dass die Ȋles Éparses und besonders ihre politische Situation Franzosen direkter betreffen und daher für sie noch etwas interessanter sind als für Menschen aus anderen Ländern, da die Inseln zu Frankreich gehören. Die Einzigartigkeit der Gebiete und ihre daraus resultierende große Bedeutung als Naturerbe und Forschungsobjekt macht sie jedoch weltweit zu einem interessanten Thema. Auch die Kommunikationsform muss nicht unbedingt ein Zeitschriftenartikel sein. So könnte der gleiche Text zum Beispiel auch in eine Webseite integriert werden. Es sollte sich dabei jedoch immer um ein Medium handeln, das für journalistische Texte üblich ist.

Der vorliegende Text ist also ein Medientext, der in gedruckter Form veröffentlicht wurde. Er ist zusätzlich im Pressearchiv des Internetauftritts der französischen Süd-und Antarktisgebiete (TAAF) zu finden (Lison, & Dalex, 2009). Der Text liegt in schriftlicher Form vor.

Da der Text über ein Medium verbreitet wird, handelt es sich um öffentliche Kommunikation. Theoretisch ist er einem sehr breiten Publikum zugängig, denn zur Zeit seines Erscheinens in „National Geographic“ konnte er gegen einen geringen Kostenaufwand von jedem gelesen werden, der Zugang zu einem Zeitschriftenhandel hatte, der das französische „National Geographic“ verkaufte. Heute ist der Zugang zur gedruckten Version des Artikels deutlich schwerer, da die veraltete Ausgabe von August 2009 vermutlich nur noch in Archiven von einigen Bibliotheken oder in Privathaushalten zu finden ist. Theoretisch ist jedoch immer noch ein breites Publikum für die Online-Version im Webauftritt der TAAF vorhanden, da jeder, der einen Internetanschluss besitzt, diese lesen könnte. Außerdem kann diese Version abgespeichert, kopiert, gedruckt oder verschickt und so sehr weit verbreitet werden. Daher steht der Artikel theoretisch einem sehr breiten französischsprachigen Publikum aller Alters- und Bildungsschichten offen.

Tatsächlich werden ihn jedoch vor allem Personen mit einem Interesse an Umweltschutz, und Geographie lesen, also Personen mit einem eher hohen Bildungsniveau. Für den zweiten Teiltext kommen auch besonders Leser in Frage, die sich für Archäologie, insbesondere Unterwasserarchäologie interessieren. Dabei gibt es keine Altersbeschränkungen und auch Menschen, die Französisch als Fremdsprache erlernt haben, könnten auf den Text stoßen. Der Text ist sowohl für Wissenschaftler und Politiker, die sich im professionellen Leben mit Umweltschutz, Biologie, Geographie, Archäologie oder der politischen Lage der französischen Überseegebiete befassen als auch für Menschen mit einem privaten Interesse an solchen Themen von Interesse. Die Autoren kennen aufgrund der vorliegenden Massenkommunikation ihre Leser nicht. Besonders bei regelmäßigen Lesern von „National Geographic“ könnte es jedoch sein, dass diesen Céline Lison bereits bekannt ist, da sie bei der Redaktion fest angestellt ist und bereits viele Artikel für die Zeitschrift verfasst hat. Daraus folgen entsprechende Erwartungen an den Stil und die Qualität des Artikels, die dem Ruf Lisons entsprechend hoch sein dürften. Experten und interessierte Laien auf dem Gebiet des Tauchsports und der Unterwasserarchäologie könnten auch bereits Grégory Dalex kennen, da dieser wie bereits erwähnt Teil des Teams eines renommierten Unterwasserarchäologen ist. Daher liegen auch bei ihm eventuell hohe Erwartungen vor.

Übersetzungsstrategische Schlussfolgerungen Der Zieltext wird einen ähnlichen situativen Kontext haben, da auch er in der Zeitschrift National Geographic, diesmal in der deutschen Ausgabe, erscheinen wird. Es ist also ein ähnlicher Leserkreis wie bei der französischen Ausgabe zu erwarten. Allerdings sollten kulturspezifische Ausdrücke dem deutschen Leser durch ergänzende Hinweise erklärt werden, zum Beispiel, dass es sich bei dem Ifremer um ein französisches Institut handelt. Auch die Senderintention wird gleich bleiben, da es der ZT-Sender die deutsche Entsprechung des AT-Senders ist. Auch das Medium bleibt daher gleich. Im Falle der deiktischen Ausdrücke muss überprüft werden, in wie fern diese auch zum Veröffentlichungszeitpunkt des Zieltextes zutreffend sind.

4.2 Die diskursive oder intertextuelle Dimension

Im Rahmen einer übersetzungsrelevanten Textanalyse ist es notwendig, die intertextuellen Bezüge des Ausgangstextes zu identifizieren, um feststellen zu können, inwiefern sie auch beim Zieltext vorliegen und umgesetzt werden sollten.

Aus Sicht der Textsorte steht der vorliegende Text in einer langen Tradition von Reportagen. Dies macht die Definition einer Textsorte überhaupt erst möglich, da sich Texte nur über konventionell vorhandene Gemeinsamkeiten in Kategorien einordnen lassen (Adamzik, 2010: 276).

Zunächst gibt es durch die thematische Verwandtschaft und die Tatsache, dass beide Texte direkt hintereinander abgedruckt wurden, einen impliziten Bezug zwischen den beiden Teiltexten von Lison bzw. Dalex, wobei jedoch kein expliziter Verweis stattfindet (siehe 4.4).

Beide Teiltexte stehen zudem in einem diskursiven Zusammenhang zu den von den Journalisten bei der Recherche verwendeten Dokumenten, die dem Übersetzer in diesem Fall jedoch unbekannt sind. Direkte Verweise auf andere Texte finden sich nur in Zeile 54 („arrêt préfectoral“) und in Zeile 362 („témoignages, plan manuscrit, correspondances, récits des voyageurs“).

Ebenso weisen die unter 4.4 genannten Präsuppositionen auf einen intertextuellen Zusammenhang hin, da vorausgesetzt wird, dass die Leser die entsprechenden Informationen schon an anderer Stelle rezipiert haben. Dies entspricht den typischen Eigenschaften einer Reportage, die Haller (1997: 18) zufolge eine Verbindung zwischen altbekannter und neuer Information herstellt, wobei das Altbekannte für eine möglichst große Authenzität und Anschaulichkeit der neuen Informationen aus der Sicht der Leser sorgen soll.

Zusätzlich ist zu beachten, dass die gedruckte Version des Textes im Zusammenhang mit den anderen Artikeln der betreffenden Ausgabe von „National Geographic“ rezipiert wird. Von daher bringt der Leser aufgrund des bei der Zeitschrift vorherrschenden Stils und Informationsgehalts Erwartungen an den Text mit.

Wie in Kapitel 4.3 erklärt wird, kann die appellative Funktion des Textes außerdem Anlass zur Produktion weiterer Texte im Zusammenhang mit den behandelten Themengebieten, wie zum Beispiel Leserbriefe, sein.

Übersetzungsstrategische Schlussfolgerungen Beim Zieltext sollten genau wie beim Ausgangstext implizite intertexuelle Bezüge zwischen den beiden Teiltexten vorliegen, damit die beiden Teile ein kohärentes Ganzes ergeben. Bei den Bezügen, die den Präsuppositionen zugrunde liegen, muss bei der Erstellung des Tranlats jedoch der Wissenshintergrund des deutschen Rezipientenkreises beachtet werden (siehe 4.4). Auch deutsche Leser verbinden mit der Textsorte der Reportage bestimmte Konventionen und Erwartungen, denen der Zieltext entsprechen sollte, um auf Akzeptanz zu stoßen. Gleichzeitig kommen die typischen Erwartungen an das deutsche „National Geographic“, wie ein anspruchsvoller Stil und verlässliche Informationen, hinzu, denen ebenso entsprochen werden muss. Auch bei einem deutschsprachigen Publikum kann der Text als Anlass zur weiteren Textproduktion dienen.

4.3 Die funktionale Dimension

Zu einer Analyse der funktionalen Dimension eines Textes gehört die Bestimmung der Textfunktionen, das heißt des kommunikativen Zwecks des Textes, den er als Sprachhandlung erfüllt (Adamzik, 2010: 290 f.). In der Sprechakttheorie werden die illokutionären Klassen Deklarationen (etwas in Kraft setzen), Direktiva (Aufforderungen), Kommissiva (Selbstverpflichtungen), Repräsentativa (Informationen) und Ritualia unterschieden. Adamzik (2010: 290 f.) weist jedoch darauf hin, dass innerhalb einzelner Abschnitte mehrere Sprechakttypen zur Umsetzung der Gesamtfunktion des Textes verwendet werden können. In dem vorliegenden Text kommen allerdings nur Repräsentativa, also Aussagesätze, als illokutionäre Sprechakte vor, was auf einen hohen Informationsgehalt schließen lässt.

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Details

Seiten
54
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668040885
ISBN (Buch)
9783668040892
Dateigröße
904 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v305850
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
Note
1,7
Schlagworte
Übersetzung Übersetzen Fachübersetzung Französisch Iles Eparses National Geographic Textanalyse Christane Nord Kirsten Adamzik Sprachwissenschaft Übersetzungswissenschaft kommentierte Übersetzung

Autor

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Titel: Kritische, kommentierte Übersetzung der Reportage "Iles Eparses, paradis originel"