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Indirekte Einstellungsmessung zur Homosexualität anhand des Impliziten Assoziationstests

Hausarbeit 2015 28 Seiten

Psychologie - Medienpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

2. Einstellungen
2.1 Explizite Einstellungen
2.2 Implizite Einstellungen
2.3 Zentrale Erkenntnisse

3. Einstellung zum Thema Homosexualitat
3.1 Homosexualitat
3.2 Nutzen von impliziter Messung
3.3 Bisheriger Forschungsstand

4. Messmethodik
4.1 Auswahl der Messmethodik
4.2 Implizite Assoziationstest (IAT)
4.3 Der Implizite Assoziationstest zur Einstellungsmessung gegenuber Homosexualitat
4.4 Ergebnisse und Statistische Auswertung
4.5 Kritik

5. Stellungnahme und Einschatzung zum zur Machbarkeit des Impliziten Assoziationstests

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abstract

People have different attitudes towards homosexuality. While some countries have equal laws, others refuse to implement gay marriage. But even in liberal countries, people still face homophobia. It seems that the concious approach of a society does not necessarily correlate with the individual approach of a person within. Psychological methodology differentiates between concious and unconscious approaches. There are numerous methods to measure both terms in order to obtain knowledge of human behaviour. The scientific world of unconscious behaviour is still very much emerging and often methods have been criticised for not being empirical provable. The object of investigation in this assignment is the implicit association method (IAT) in reference to the topic of homosexuality.

1. Einleitung

In den USA wurde unlangst die Gleichstellung und somit die EheschlieBung von homosexuellen Paaren per Gesetz verabschiedet. Zur gleichen Zeit wurde zu dieser Thematik auch im deutschen Bundestag abgestimmt und sich gegen eine Gesetzesanderung ausgesprochen. Dies fand in den USA sowie auch in Deutschland auf rein politischer Ebene statt (Muller, 2015). In Irland wurde hingegen ein Volksreferendum einberufen, da man von einer rein politischen Entscheidung absehen wollte. Dabei sprach sich die Mehrheit der Burger fur die Ehe zwischen homosexuellen Paaren aus (Bolzen, 2015). Aber in wieweit spiegelt ein solches Referendum die tatsachlichen Einstellungen der Menschen zu diesem Thema wieder? Aus einem Referendum geht namlich nicht hervor, ob die Wahler abgestimmt haben, weil Homosexualitat tatsachlich immer groBere gesellschaftliche Akzeptanz erfahrt, sie vorab durch politische Kampagnen beeinflusst oder tatsachlich von der Gleichstellung hetero- und homosexueller Menschen uberzeugt sind. Die Mehrheit der irischen Gesellschaft hat sich bewusst fur das Gesetzt entschieden aber wie steht es generell mit der unbewussten Einstellungen zur Thematik der Homosexualitat?

Mit dieser Fragen beschaftigt sich unter anderem die Einstellungsforschung, die ein Teil der Personlichkeitspsychologie ist. Ausschlaggebend ist hierbei die Feststellung, dass Einstellungen von Menschen nicht nur bewusst und direkt abfragbar, sondern dem Bewusstsein gar nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen zuganglich sind (Asendorpf & Neyer, 2012). Die vorliegende Hausarbeit widmend sich daher dem Thema der unbewussten beziehungsweise impliziten Einstellungen von Menschen zum Thema Homosexualitat.

Zunachst wird der Begriff der Einstellung naher beleuchtet und die Unterschiede zwischen explititen und impliziten Einstellungen herausgestellt. Darauf folgt die implizite Einstellungsmessung zum Thema Homosexualitat und die entsprechende Begriffserklarung. Zudem werden zentrale Erkenntnisse aufgefuhrt und ein Uberblick uber den aktuellen Forschungsstand gegeben. Nach der Vorstellung verschiedener Messverfahren, wird dann der Implizite Assoziationstest vorgestellt und die Thematik dann mit einer Handlungsempfehlung sowie einer Stellungnahme abgeschlossen.

2. Einstellungen

Einstellungen werden als individualtypische Bewertung von Objekten der Wahrnehmung oder Vorstellung auf positiver oder negativer Dimension verstanden. Das Konzept der Einstellungen von Menschen ist ein bedeutender Teil der Psychologie, denn es wird angenommen, dass Einstellungen das Verhalten beeinflusst (Asendorpf & Neyer, 2012). Ob beispielsweise Politiker, die versuchen positive Einstellungen zu ihrer eigenen Person zu erzeugen, die Analyse von Konsumentenverhalten einer Werbefirma oder das Gruppenverhalten von Jugendlichen, Einstellungen spielen eine wichtige Rolle in unserem alltaglichen Leben und dienen der Verhaltenserklarung sowie der Verhaltensvorhersage (Stahlberg & Frey, 1992). Hierbei wird zwischen expliziten, also bewussten und impliziten, unbewussten Einstellungen unterschieden. Um aussagekraftige Ergebnisse in der Einstellungsmessung zu erhalten, gibt es jeweils entsprechend angepasste Messmethoden.

2.1 Explizite Einstellung

Explizite Motive geben die bewussten Selbstbilder einer Person wieder und konnen durch Befragungen heraus gestellt werden. Wenn beispielsweise eine Versuchsperson von sich selbst glaubt besonders leistungsorientiert zu sein, wird sie die Kategorie Motivation in einem Fragebogen als „besonders gegeben“ bewerten (Fetchenhauer, 2013). Explizite Einstellungen sagen jedoch tatsachliches Verhalten nur maBig voraus, da das Verhalten eventuell stark sozial erwunscht oder unerwunscht ist und der Probant seine Antwort demenstpreched anpasset beziehungsweise verschonert (Asendorpf & Neyer, 2012). Demnach sind explizite Einstellungsdaten zwar relativ einfach und direkt zu erheben aber in ihrer tatsachlichen Aussagekraft nicht zwingend reprasentativ fur das jeweilige Verhalten, denn sie beruhen auf impliziten Einstellungen plus individuellen Antworttendenzen (Asendorpf & Neyer, 2013).

2.2 Implizite Einstellung

Wahrend die expliziten Einstellungen sich auf die kognitive, beziehen sich die impliziten Einstellungen auf die affektive Ebene. Die Erfassung von impliziten Einstellungen ist deshalb besonders herausfordernd, da Menschen introspektiv keinen Zugang zu diesen affektiven Motiven haben (Fetchenhauer, 2013). Das bedeutet, dass die Einstellung eines Menschen demnach nicht nur bewusst und damit direkt erfragbar, sondern teilweise dem Bewusstsein nicht oder nur in bestimmten Fallen zuganglich ist (Asendorpf & Neyer, 2013). In einem Testversuch gaben Schuler beispielsweise explizit an, dass sie das Fach Mathematik ablehnen wurden, aber auf impliziter Ebene hatten sie eine positive Einstellung dazu (Aronson, Wilson & Akert, 2008). Die groBe Herausforderung in der Einstellungsforschung ist deshalb die Messmethodik. Um hier an aussagekraftige, empirische Ergebnisse zu gelangen, mussten Methoden gefunden werden, die es moglich machen, unbewusste implizite Einstellungen indirekt zu messen.

2.3 Zentrale Erkenntnisse

Man geht bei der Einstellungsmessung davon aus, dass das menschliche Gehirn uber zwei verschiedene Systeme der Informationsverarbeitung verfugt. Das Areal des expliziten Systems ist hierbei begrenzt und arbeitet langsamer als das implizite, welches unbewusst, automatisch und somit schneller fungiert (Lorenz & Heinsen, 2011).

Zudem stellte man fest, dass oftmals das gezeigte Verhalten von der vorher explizit gemessenen Einstellung abweicht. Darauf folgende Experimente konnten aufzeigen, dass zwischen erfragter Einstellung und dem danach gezeigten Verhalten oftmals nur ein geringer Zusammenhang besteht (Asendorpf & Neyer, 2012). Daraufhin entwickelten Wissenschaftler Testverfahren um die impliziten Einstellungen zu messen, um somit verbesserte Verhaltensvorhersagen machen zu konnen. Werth und Mayer (2008), fuhrende Wissenschaftler im Gebiet der Einstellungsforschung, kategorisieren in reaktionsbasierende und physiologische Testverfahren. Eine Auswahl von Testverfahren werden nun folgend genannt wobei der Implizite Assoziationstest (IAT) im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit naher betrachtet wird.

Reaktionsbasierende Testverfahren:

- Evaluative Movement Assessment - Zuordnung von positiven und negativen Worter zum eigenen Vornamen (EMA; Brendl, Markman & Messner, 2005)
- Extrinsic Affective Simon Task - Implizite Messmethode anhand einer einzigen Aufgabe (EAST; De Houwer, 2003)
- Implicit Association Test (IAT) - Implizite Messmethode anhand meherer Aufgaben (Greenwald, Mc Ghee & Schwarz, 1998)
Psychophysiologische Testverfahren:
(vergleiche Fahr & Hofer, 2013)
- Herzrate - EKG (Messung von physischer Aktivierung anhand der Herzfrequenz - Entwickelt von Einthoven 1903)
- Die elektrodermale Aktivitat - EDA (Messung von Leitfahigkeit und Potentialanderungen der Haut - Boucsein, 1988)
- Pulsvolumenamplitude - PVA (Messung von Veranderungen der Blutvolumina)

3. Einstellung zum Thema Homosexualitat

Homosexualitat gilt immer noch als kontroverses Thema in unserer Gesellschaft. Aus einer veroffentlichten Europastudie in der Suddeutschen Zeitung im Jahre 2013 geht hervor, dass Homosexuelle noch immer starken Diskriminierungen ausgesetzt sind. Darin berichteten 55 Prozent der befragten Frauen und 46 % der Manner, in den vergangenen funf Jahren korperlich oder verbal aufgrund ihrer Homosexualitat angegriffen worden zu sein. Besonders hoch sind die Zahlen in den osteuropaischen Landern (etwa 60 Prozent). Deutschland liegt mit etwa 46 Prozent im Mittelfeld. Besonders stark ist die negative Einstellung gegenuber Homosexualitat bei Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren. Uber 90 Prozent der Betroffenen gaben an in der Schule Diskriminierung ausgesetzt gewesen zu sein. Kite und Whitley (1998) stellten fest, dass im Allgemeinen die Einstellungen gegenuber homosexuellen Mannern negativer ist, als die gegenuber homosexuellen Frauen. Des Weiteren schreiben sie, dass Frauen gegenuber Lesben oftmals negativer eingestellt sind als gegenuber schwulen Mannern. Bei heterosexuellen Mannern war dies genau umgekehrt. Demnach waren sie gegenuber homosexuellen Mannern weitaus negativer eingestellt als gegenuber homosexuellen Frauen. Simon (2008) fand im Auftrag des Lesben- und Schwulenverbands in einer Studie heraus, dass noch andere Grunde auf die Einstellung gegenuber Homosexuellen Einfluss haben. Die Herkunft und das kulturelle Umfeld wirken massiv auf die Einstellungen gegenuber Homosexualitat ein (Pommerenke, 2015). Diese Beispiele zeigen auf, dass sich die Einstellung eines Menschen gegenuber Homosexualitat aus mehreren Faktoren zusammensetzt.

3.1 Homosexualitat

Im Lexikon (wissen.de, 2015) wird Homosexualitat (homophilie) als Neigung zum eigenen Geschlecht bezeichnet. Der Begriff wird fur Frauen (Lesben) und Manner (Schwule) benutzt. Schmidt (2009) beschreibt, dass A. Kinsey in seinen Sexualforschungen herausfand, dass etwa 4% aller Manner und etwa 2% aller Frauen ausschlieBlich homosexuell sind. Kinsey stellte zudem fest, dass der Anteil mit gelegentlichen homosexuellen Kontakten hingegen wesentlich groBer sind. Laut Meyers (2008) gibt es bis heute keine Erklarung fur die Ursachen von Homosexualitat. Man geht aber davon aus, dass bestimmte fruhkindliche Pragungen gepaart mit genetischen Komponenten dazu fuhren.

Fruher wurde Homosexualitat als medizinisch-psychiatrisches Problem und sozial schadlich angesehen. Erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zum Wandel gegenuber der allgemeinen Einstellung (wissen.de, 2015).

Homosexualitat stand in Deutschland Jahrzehnte lang unter Strafe (§ 175 StGB) und wurde, nicht zuletzt wie im Nationalsozialismus, verfolgt (Bleibtreu-Ehrenberg, 1981). Das Gesetz wurde erst 1994 aufgehoben und ein Lebenspartnerschaftsgesetz im Jahre 2001 verabschiedet (Onmeda-Redaktion, 2011).

3.2 Nutzen von impliziter Messung

Von impliziten Messungen werden Verbesserungen in der Verhaltensvorhersage erwartet, da sie durch unbewusste Prozesse gesteuert werden (Asendorpf & Neyer, 2012). Implizite Einstellungsmessungen konnen somit weniger verfalscht werden, da die Antworten so schnell gegeben werden, dass der Testperson keine Zeit bleibt bewusst uber ihre Entscheidung nachzudenken. Durch implizite Messungen verspricht man sich prazisere und vor allem zuverlassige Forschungsergebnisse. Gerade im Bezug zum Thema Homosexualitat konnen somit die tatsachliche Einstellung von Menschen gemessen werden, ohne dass diese durch Einflusse bewusst verfalscht werden.

3.3 Bisheriger Forschungsstand

Die erfassten Einstellungen gegenuber homosexuellen Mannern und Frauen werden durch empirische Studien erfasst, um beispielsweise die Akzeptanz von Homosexuellen innerhalb einer Gesellschaft zu beschreiben. Seise, Banse und Neyer (2002) beschreiben eine mogliche Verzerrung von Ergebnissen durch die Tendenz von sozialer Erwunschtheit, die sich vor allem bei der expliziten Erfassung von Einstellungen gegenuber Minderheiten durchsetze. Um die Tendenz von soziales Erwunschtheit zu minimieren, haben die Autoren in ihrer Untersuchung den Impliziten Assoziationstest (IAT) sowie einen selbst entwickelten Fragebogen zur Erfassung der affektiven und kognitiven Einstellungen verwendet. Verglichen wurden die Einstellungen von heterosexuellen Frauen und Mannern sowie homosexuellen Mannern und lesbischen Frauen (N=110). Dabei stellte man fest, dass heterosexuelle Frauen und Manner negativere implizite und explizite Einstellungen zur Homosexualitat aufwiesen als homosexuelle Frauen und Manner. Heterosexuelle Frauen hatten jedoch eine positivere implizite Einstellung zur Homosexualitat als heterosexuelle Manner. Lesbische Frauen zeigten eine positivere explizite und implizite Einstellung zur Homosexualitat als homosexuelle Manner. AuBerdem waren die affektiven Einstellungen heterosexueller Frauen und Manner gegenuber Homosexuellen des eigenen Geschlechts negativer als gegenuber Homosexuellen des anderen Geschlechts. In Bezug auf interkulturelle Unterschiede fand Denger (2008) im Vergleich zwischen Deutschland und Mexiko heraus, dass der Kulturkreis eines Landes ebenfalls starken Einfluss auf die Einstellung der jeweiligen Testperson hat.

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Details

Seiten
28
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668037007
ISBN (Buch)
9783668037014
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v305748
Institution / Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
1,1
Schlagworte
Markt- Werbe- und Medienpsychologie homosexuell indirekte einstellungsmessung impliziter Assoziationstest

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Titel: Indirekte Einstellungsmessung zur Homosexualität anhand des Impliziten Assoziationstests