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Glück, Freiheit und Freundschaft bei den Bremer Stadtmusikanten. Unterrichtsplanung Ethik, Klasse 7

Unterrichtsentwurf 2010 11 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Sachanalyse

2 Didaktische Analyse
2.1 Formulierung und Begründung der Lernaufgabe aus dem Lehrplan
2.2 Didaktische Reduktion
2.3 Einbettung der Stunde in die Unterrichtseinheit

3 Lernziele
3.1 Kognitive Lernziele
3.2 Affektive Lernziele
3.3 Methodische Lernziele

4 Methodische Analyse

5 Verlaufsplan

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Sachanalyse

„Märchen sind keine Produkte der Wissenschaft, sondern poetische Gebilde; sie sprechen eine symbolische Sprache und lassen sich hermeneutischen Theorien niemals exklusiv unterstellen. Sie entziehen sich definitorischer Setzungen, wie auch Symbole sich keinen Definitionen fügen, sondern über das je bewußt Gewordene hinaus einen unbewußten Fundus haben, der letztlich unausschöpflich ist.“1 Mit diesen Worten beginnt der Beitrag über Märchen im Unterricht von Hubertus Halbfas in dem von Kristin Wardetzky herausgegebenen Werk „Märchen in Erziehung und Unterricht heute“. Hierbei werden neben der Abgrenzung von der Wissenschaft besonders die Zeitlosigkeit der Märchen und deren Bearbeitungsmöglichkeiten im Unterricht deutlich. Halbfas unterscheidet dabei zwischen der Sprachbildung, der Selbsterfahrung und der Spiritualität in Märchen.2

Zu dem in der Stunde behandelten Märchen sollen kurz die ersten beiden genannten Aspekte erläutert werden. Bei der Sprachbildung im Zusammenhang mit Märchen gehe es nicht nur um die „Verstehensfähigkeiten für die Sprache der Märchen [...] , sondern auch um Überlegungen, wie sich über das Verständnis für die Wahrheit des Märchens zugleich Verstehenszugänge zu anderen Formen symbolischer Sprache öffnen"3. Die Selbsterfahrung in Märchen soll den Menschen vor allem dazu bringen, „zu eigenen Lösungen zu kommen, wenn er darüber nachdenkt, was die erzählte Geschichte über ihn und seine inneren Spannungen zu diesem Zeitpunkt enthält“4, und ihn nicht über die Welt belehren.

Bei der Frage danach, an wen Märchen gerichtet sind, kann die Antwort nach Hermann Bausinger nur lauten, dass sie sowohl für Erwachsene, als auch für Kinder geschrieben wurden. Ursprünglich waren Märchen zwar Erzählungen für Erwachsene, haben sich dann jedoch, besonders durch die Brüder Grimm, zu Geschichten für Kinder entwickelt5. Zu der Botschaft von Märchen lässt sich sagen, dass es aufgrund ihrer Vielfältigkeit und Widersprüchlichkeit nicht die eine Botschaft des Märchens gibt. Als eine wichtige Botschaft wird allerdings beschrieben, „daß es Ausweglosigkeiten nicht gibt oder nicht geben sollte, daß es jedenfalls sinnvoll ist, gegen Beengungen und Schwierigkeiten anzugehen. Der Mut dazu aktiviert auch Hilfen. Sie kommen im Märchen von außen, in Gestalt mythischer Wesen, freundlicher Tiere, zauberkräftiger Dinge. Aber diese hilfreichen Gestalten und Instrumente stehen auch für die inneren Kräfte, die mobilisiert werden - in der Sicherheit, daß am Ende das Glück steht.“6 Dieses Glück ist erfahrbar in verschiedener Art und Weise, nur muss man als Leser dafür offen sein. Da Märchen keine komplizierten Zugangswege fordern und da es in der Natur des Menschen liegt, nach Glück, welcher Art und Weise dieses Glück auch sein mag, zu streben, ist es für alle Menschen gleich verständlich.7 Zur Verdeutlichung der Bedeutung von Märchen für Kinder sei kurz Gerlinde Ortner zu erwähnen, welche in ihrem Buch „Märchen, die Kindern helfen“ therapeutische Geschichten für Kinder zur Bewältigung verschiedenster Lebenssituationen niedergeschrieben hat. Am Ende eines jeden Kapitels findet sich jeweils ein abschließender Abschnitt darüber, was Eltern zu der beschriebenen Situation beachten müssen.8

Das Märchen der Bremer Stadtmusikanten beginnt mit dem Auftritt eines Esels, der aufgrund der Ahnung, dass sein Herr ihn wegen seiner schwindenden Kräfte umbringen will, das Vorhaben äußert, nach Bremen zu ziehen, um dort Stadtmusikant zu werden. Also bricht er auf und begegnet unterwegs zunächst einem Hund, der ebenfalls seinem Herrn, und somit dem Tod, entflohen ist. Er begeistert ihn von seinem Vorhaben und gemeinsam treffen sie auf eine Katze, die sich den beiden aus Furcht vor dem Tod ebenfalls anschließt. Zuletzt kommen die drei Landesflüchtigen, wie sie in dem Märchen bezeichnet werden, an einem Hof vorbei, auf dem sie einen krähenden Hahn, der am folgenden Tag geschlachtet werden soll, ansprechen. Auch er wird mit den Worten, etwas Besseres als den Tod finde er überall, in der Gruppe aufgenommen. Da sie die Stadt Bremen innerhalb eines Tages nicht erreichen können, machen sie am Abend Rast in einem Wald, wobei der Hahn ein Haus voller Räuber entdeckt. Die vier Tiere vertreiben diese, indem sie sich vor dem Fenster des Hauses der Größe nach aufeinanderstellen und auf ein Zeichen hin gemeinsam schreien, bellen, miauen und krähen. Sie lassen es sich in dem Haus gut gehen, während sie die übriggelassenen Speisen der Räuber aufessen und sich schließlich, jeder an einem anderen Ort, zur Ruhe legen. Als die Räuber sehen, dass das Licht im Haus erloschen ist, schicken sie einen von ihnen los um nachzusehen, ob die Gefahr vorüber sei. Als dieser versucht, in das Haus einzudringen, greifen ihn die Tiere an und verscheuchen ihn aufs Neue. Daraufhin waren die Räuber nie wieder an dem Haus gesehen worden.9

Gliedern kann man das Märchen folglich in drei Ereignisabschnitte. Im ersten wirbt der Esel seine Kameraden. Darauf folgend wandern sie zu viert in die Nacht und beziehen das Haus, und zuletzt versuchen die Räuber vergeblich, in das Haus zurückzukehren.

2 Didaktische Analyse

2.1 Formulierung und Begründung der Lernaufgabe aus dem Lehrplan

Laut dem rheinland-pfälzischen Lehrplan für das Fach Ethik der Sekundarstufe I lässt sich die Thematik am ehesten in der Jahrgangsstufe 5/6 behandeln. In der im Lehrplan beschriebenen Matrix lässt sich das Stundenthema in den Erfahrungshorizonten dem Bereich „Heimat für uns“ und in den Weisen des Erfahrungserwerbs dem Gliederungspunkt des „Wertschätzens“ zuordnen.10 Die Eingliederung der Schüler11 in eine neue Klassengemeinschaft nach der Grundschule oder auch die Erfahrung neuer Unterrichtsfächer stellen für diese eine besondere Herausforderung dar. Aufgrund dessen bilden sich neue Freundschaften und Freundschaftsgruppierungen innerhalb der neuen Klassengemeinschaft heraus. Somit kann die Behandlung der Unterrichtsthematik in der sechsten Jahrgangsstufe eine besondere Form der Reflexion der Schüler darstellen. Die pädagogischen Leitgedanken der Schüler in dieser Entwicklungsphase werden weiterhin so dargestellt, dass sie bis zum Ende der sechsten Klasse „in der moralischen und weltanschaulichen Orientierung in der Regel noch den vertrauten Autoritäten, primär ihren Eltern“ folgen. „Weltsicht und Lebensperspektive werden in anschaulich-narrativer Weise dargestellt.“12 Somit stellt die Behandlung von Märchen in dieser Form der Entwicklung eine angemessene und sinnvolle Einführung in moralische Grundfragen dar.

2.2 Didaktische Reduktion

Die Behandlung eines Märchens im unterrichtlichen Kontext ist so umfangreich, dass nur wesentliche Punkte der Erzählung der Bremer Stadtmusikanten im Ethikunterricht herausgearbeitet werden können. Darum beschränkt sich die beschriebene Unterrichtsstunde auf die Themen Glück, Freiheit und Freundschaft. Des Weiteren werden keine Märcheninterpretation sowie die Behandlung märchentypischer Stilmittel durchgeführt, da dies vorrangig dem Deutschunterricht zuzuordnen ist. Es geht vielmehr um das Verständnis der Thematik und die Reflexion bekannter vergleichbarer Situationen und deren Bewältigung. Eine weitere Form der didaktischen Reduktion bildet die Gruppenarbeit, da hierbei der zu bearbeitende Inhalt unter den Schülern selbstständig aufgeteilt wird.

2.3 Einbettung der Stunde in die Unterrichtseinheit

In der vorherigen Stunde wurden die Schüler zunächst in die Märchenthematik der Bremer Stadtmusikanten eingeführt. Hierzu wurde ein Bild der vier übereinander stehenden Tiere auf den Diaprojektor aufgelegt, welches die Schüler beschreiben und nach Möglichkeit zuordnen sollten. Dies diente der Aktivierung von Vorwissen, da dieses Märchen einigen Schülern bereits vertraut war. Danach wurde das Märchen in gekürzter und didaktisch reduzierter Form gelesen. Der stellenweise etwas altmodische Schreibstil der Brüder Grimm wurde an einigen Stellen durch modernere Ausdrucksweisen ersetzt, sodass für die Schüler ein schnelleres und leichteres Verständnis der Thematik vorlag. Anschließend wurden Verständnisfragen geklärt und die wesentlichen Aspekte des Märchens in Gruppen herausgearbeitet. Zuletzt sollten die Schüler ein alternatives Ende des Märchens ab dem Zeitpunkt der Entdeckung des Räuberhauses schreiben.

Der beschriebenen Unterrichtsstunde folgt eine weitere Stunde, in welcher die thematische Vertiefung einer der in den vorherigen Stunden herausgearbeiteten drei Hauptaspekte, bestehend aus Glück, Freiheit und Freundschaft, erfolgt. Die Auswahl dieses Themas orientiert sich an dem Fortschritt und der Identifizierung der Schüler mit einem der drei Aspekte im Verlauf der vorliegenden Stunde.

3 Lernziele

3.1 Kognitive Lernziele

1. Die Schüler sollen unterschiedliche Themengebiete des Märchens herausarbeiten und rekapitulieren können.
2. Die Schüler sollen sich mit den Glücks-, Freiheits- und Freundschafts- vorstellungen der Bremer Stadtmusikanten auseinandersetzen können.
3. Die Schüler sollen die Glücks-, Freiheits- und Freundschaftsvorstellungen deslMärchens der Bremer Stadtmusikanten mit den eigenen vergleichen können.
4. Die Schüler sollen verstehen, dass man gegen viele scheinbar aussichtslose Situationen, ebenso wie die Bremer Stadtmusikanten, etwas unternehmen kann.

3.2 Affektive Lernziele

1. Die Schüler empfinden Freude am Philosophieren.
2. Die Schüler erleben Philosophie ganzheitlich.

3.3 Methodische Lernziele

1. Die Schüler üben sich in der Form des Märchens ein.
2. Die Schüler sollen sich zusammen mit ihren Partnern auf ein gemeinsames Ergebnis einigen.

4 Methodische Analyse

Zu Beginn der Unterrichtsstunde erfolgt eine Wiederholung der vorangegangenen Stunde, indem die Schüler gemeinsam in einem gelenkten Unterrichtsgespräch eine Inhaltsangabe des Märchens der Bremer Stadtmusikanten anfertigen und die drei wesentlichen thematischen Aspekte des Märchens aufzählen.

[...]


1 Halbfas 1997, S. 3

2 vgl. Halbfas, 1997

3 Halbfas, 1997, S. 4

4 Halbfas, 1997, S. 14

5 vgl. Bücksteeg & Dickerhoff, 1999

6 Bücksteeg & Dickerhoff, 1999, S. 236

7 vgl. Bücksteeg & Dickerhoff, 1999

8 vgl. Ortner, 1999

9 vgl. Bausinger, 1980

10 vgl. Lehrplan Ethik der Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz, 2000

11 Im Folgenden schließt die männliche Form die weibliche wertfrei mit ein.

12 Lehrplan Ethik der Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz, 2000, S. 35

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668045422
ISBN (Buch)
9783668045439
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v305666
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Philosophie
Note
Schlagworte
Unterrichtsplanung Unterrichtsentwurf Bremer Stadtmusikanten Glück Freiheit Freundschaft 7. Klasse Märchen Ethik Philosophie

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