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Geragogik. Das Miteinander zwischen Generationen aus sozialpädagogischer Perspektive

Wie gelingt es den Generationen, voneinander zu lernen?

Seminararbeit 2015 14 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sozialpädagogik
2.1 Definition
2.2 Soziale Arbeit
2.3 Soziale Arbeit mit älteren Menschen

3. Von und mit der anderen Generation lernen
3.1 Das Miteinander zwischen Generationen fördern

4. Diskussion

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Allgemeine Pädagogik“ habe ich eine Präsentation zum Thema „Geragogik als Sozialpädagogik“ gehalten. Meine Seminarkollegin und ich haben uns mittels unterschiedlichster Literatur in das Fachgebiet eingelesen. Eine Schwierigkeit war es den Bereich zu strukturieren. Es gibt viel Literatur wobei es nicht leicht ist das wichtigste herauszufiltern, sodass das Thema in einem doch übersichtlichen Zustand bleibt. Beim Einlesen bin ich auf den Bereich des intergenerationellen Lernens gestoßen. Aus persönlichem Interesse habe ich mich daraufhin verstärkt mit dem Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen auseinandergesetzt, denn während des Studiums begegneten mir in meinen Praktika die unterschiedlichsten Altersgruppen, von Kleinkindern und Jugendlichen bis hin zu PensionistInnen. Dabei stellte ich mir in alltäglichen Gesprächen die Frage, ob die Art und Weise mit der ich kommuniziere angemessen ist? Immerhin zeichnen jede Generation unterschiedliche Kenntnisse und Erfahrungen aus.

Die jüngere Generation kennt sich vor allem mit neuen Medien gut aus, die ältere tut sich damit schwerer. Die Wissensvermittlung ist in beide Richtungen möglich und beeinflusst die Aneignung von Fähigkeiten. Nebenbei ist es möglich das Verständnis zur anderen Generati- on zu öffnen, denn durch die Weitergabe eigener Erfahrungen oder Kenntnisse lernen Indivi- duen einander schätzen (vgl. Meese 2005, S.37-38). Eine Aufgabe der Geragogik ist es den gegenseitigen Austausch zwischen den Generationen zu fördern (vgl. Stepanek 2011, S. 163). Aber was können SozialpädagogInnen nun konkret machen um intergenerationelle Begegnungen zu unterstützen? Was und wie lernen Generationen voneinander um als Sozi- alpädagogIn adäquat darauf einzugehen?

Unter anderem werde ich diese Fragen im Folgenden Schritt für Schritt kritisch betrachten. Um meine Fragestellung zu beantworten gehe ich zu Beginn auf den Begriff der Sozialpäda- gogik ein. Die Definition ist wichtig um an das Thema heranzuführen. Ebenso erläutere ich den sozialpädagogischen Beitrag für die Geragogik. Danach zeige ich auf, wie es Sozialpä- dagogInnen gelingen kann, das Verständnis zwischen den unterschiedlichen Generationen zu fördern. Im Kapitel „Diskussion“ setze ich mich mit einem aktuellen Zeitungsartikel zum Thema Lernen im und für das Leben im Alter auseinander. Ich führe diese Seminararbeit nicht wie im gewohnten Schema, lediglich mit Zitationen aus, sondern bringe meine eigenen Erkenntnisse und Reflexionen verstärkt ein. Durch Auswertung der gewählten Literatur und in Anmerkung meiner Überlegungen komme ich zum Ergebnis. Das Ergebnis soll Pädago- gInnen eine Hilfestellung in der Arbeit mit Personen aus verschiedensten Generationszuge- hörigkeiten sein.

2. Sozialpädagogik

2.1 Definition

Unterschiedlichste Autoren bemühten sich den Bereich Sozialpädagogik zu konkretisieren, dazu zählte beispielsweise Klaus Mollenhauer. Trotz der vielen Versuche blieb die Disziplin aber auch nach dem zweiten Weltkrieg widersprüchlich (vgl. Thole 2012, S. 135). Genauso wie in anderen Disziplinen gibt es über die Sozialpädagogik eine Vielzahl von Definitionen.

Lothar Böhnisch beschreibt die Wissenschaft im Jahre 1994 als interaktive Bedingung und Chance sozialer Hilfe. Er meint, dass Sozialpädagogik unterstützend bei Menschen mit Be- wältigungs-und Integrationsproblemen wirkt. Er inkludiert verschiedenste Lebensphasen, soziale Situationen sowie Kontexte. Das Individuum selbst steht mit seinen persönlichen Be- dürfnissen im Vordergrund und niemand wird ausgeschlossen. Seine Definition orientiert sich an der Lebenswelt der Menschen und zielt darauf ab gegebene Umstände zu verbessern (vgl. Thole 2012, S. 42). Die Lebenswelt wurde in der Sozialpädagogik sogar derart bedeu- tend, dass sich die Idee von Böhnisch als eigener Ansatz etablierte. Jede/-r hat ein Recht darauf, sein Leben zu genießen. Es gilt die dafür nötigen Ressourcen zu aktivieren. Die Bür- gerInnen sind autonom und nehmen ihr Leben und deren Aufgaben selbst in den Griff. Dafür gibt es diverse Hilfsangebote, welche bei Bedarf angenommen werden können (vgl. Thole 2012, S. 43).

Neben dieser Definition gibt es zum Beispiel auch den zeitlich jüngeren Capability-Ansatz (vgl. Thole 2012, S. 43). Dieser stammt von Amartya Sen und bringt soziale Ungleichheiten in den Blick. Eigene Werte und Entscheidungen haben für Amartya Sen einen hohen Stel- lenwert. Zentraler Kern in seiner Theorie ist es, herauszufinden inwieweit die Entwicklung für eine Person wahrhaftig jene ist, welche sie sich selbst wünscht. Er gibt Information darüber, dass es nicht das persönliche Gehalt, die Befriedigung mittels Kauf von Gütern oder die ge- nerelle Zufriedenstellung eigener Bedürfnisse sind die dem Leben an Bedeutung geben (vgl. Babic, Bauer, Posch, Sedmak 2011, S. 7). Der Ansatz ist darauf ausgelegt den einzelnen Menschen besser in die Gemeinschaft zu integrieren. Die Sozialpädagogik ist gekennzeich- net durch unterstützend wirkende Handlungen und das Anbieten von Hilfestellungen für Menschen unserer Gesellschaft. Wenn sich der/die Einzelne wohlfühlt, dann möchte er/sie auch aktiv an seinem Umfeld teilhaben. Beteiligungen in der Gesellschaft sollen steigen und Isolationen sinken (vgl. Thole 2012, S. 43-44). Die Theorie weist darauf hin, dass die Gesell- schaft aus vielen einzelnen Individuen besteht und wenn sich die einzelne Person wohlfühlt, möchte etwas zur Gesellschaft beigetragen werden.

In beiden Definitionen sticht hervor, dass jeder Mensch wichtig ist. Keine/-r wird ausge- schlossen. Bei Böhnisch ist vor allem das Alter betont. Er weist darauf hin, dass sich die So- zialpädagogik mit jedem Lebensalter beschäftigt. Dies können Kinder, sowie ältere Personen sein. Alle sind ein Teil unsere Gesellschaft, niemand wird ausgeschlossen.

Hier möchte ich anmerken, dass dies in der Praxis leider nicht der Fall ist. Verhält sich je- mand nicht nach der Norm oder sieht etwa anders aus, so wird man ausgeschlossen. Diese Tatsache ist geschichtlich in allen Kulturen erkennbar. Zum Beispiel war es die Verbrennung von Hexen im Mittelalter. Auch in der Gegenwart ist dies der Fall, wenn ein Mädchen bei- spielsweise Tag für Tag dasselbe Gewand trägt, da die Familie einfach nicht genug Geld besitzt. Das sind die traurigen Seiten unserer Gesellschaft, welche in unseren Tageszeitun- gen zusätzlich verstärkt propagiert werden. Meist stecken dahinter Unwissenheit und Angst.

2.2 Soziale Arbeit

Ein zentraler Begriff in der Sozialpädagogik ist die Soziale Arbeit. Seit dem 20. Jahrhundert versteht sich Sozialarbeit eher begleitend und unterstützend als „Kunst des Helfens zur Kunst des Lebens“. Die Sozialarbeit entwickelte sich aus dem Armenwesen und wurzelt in der Fürsorge für Arme, Kranke, Behinderte und Alte im mittelalterlichen Klöstern, Bürgerspi- tälern und Gemeinden. Seit den 1970er Jahren hat sich in Deutschland die Bezeichnung Soziale Arbeit als zusammenfassender Ausdruck für die beiden Begriffe Sozialarbeit und Sozialpädagogik durchgesetzt. In Österreich existieren beide Formen noch nebeneinander, dies macht vor allem die akademische Ausbildung deutlich (vgl. Aner, Karl 2010, S. 225).

Die Schwierigkeit den Begriff einzugrenzen zeigt sich nicht nur bei der Ausbildung, sondern auch in der Praxis. Soziale Arbeit meint in der Praxis das Anbieten von Beratungen und Hilfen. Verschiedene Sichtweisen bringen ein anderes Verständnis mit, wenn es darum geht festzustellen was denn Soziale Arbeit eigentlich sein soll. Beispielsweise ist sie politisch oder soziologisch gesehen jeweils etwas anderes (vgl. Thole 2012, S. 20). Bezüglich der Aufgabenfelder ist ein deutlicher Anstieg der Fall (vgl. Thole 2012, S. 23).

Die Soziale Arbeit unterscheidet sich in historischer Hinsicht von der Sozialpädagogik. Wenn die Unterscheidung auch umstritten ist, ist sie im geschichtlichen Sinne sinnvoll. Die Sozialarbeit hat sich aus der Sozialhilfe etabliert. Die Sozialpädagogik hingegen hat ihre Wurzeln in der Pflege für Jugendliche sowie in der frühkindlichen Pädagogik. Das Problem in der Unterscheidung liegt einerseits darin, dass die Aufgabenfelder in der Praxis nicht getrennt werden können und andererseits gibt es keine strikten Perspektiven für die beiden Begriffe. Daraus kann entnommen werden, dass es keinen klar erkennbaren Unterschied gibt. Lediglich die Wurzeln sind andere (vgl. Thole 2012, S. 20).

2.3 Soziale Arbeit mit älteren Menschen

Da die Soziale Arbeit generell schwierig abzugrenzen ist spiegelt sich dies auch in konkrete- ren Bereichen wieder, mitunter in der Sozialen Arbeit mit älteren Menschen. Es ist eines von vielen Aufgabenfeldern in der Sozialen Arbeit und wird von SozialarbeiterInnen sowie von SozialpädagogInnen ausgeführt. Früher nannte man die Personen, welche in diesem Gebiet arbeiteten SozialgerontologInnen. Die Berufsbezeichnung hat sich jedoch nie durchgesetzt. Das Tätigkeitsfeld wird auch als Soziale Altenarbeit oder Soziale Altenhilfe bezeichnet, ge- meint ist trotz der unterschiedlichen Bezeichnungen das gleiche Aufgabengebiet (vgl. Lö- ckenhoff 2000, S. 61).

Ziel ist es auf die unterschiedlichen Lebensentwürfe im Alter einzugehen und die damit ein- hergehenden Probleme aufzugreifen (vgl. Aner, Karl 2010, S. 225). Lebensabschnitte befin- den sich im Wandel, denn unsere Gesellschaft verändert sich ständig. Alternde Personen empfinden sich nicht mehr als hilfsbedürftig. Im Gegenteil, sie fühlen sich autonom und neh- men ihr Leben selbst in die Hand. Notwendig sind dabei die passenden Rahmenbedingun- gen. Diese Tendenz ist in der Altenarbeit sowie in der verstärkten Nachfrage von Dienstleistungs-und Bildungsangeboten erkennbar. SozialpädagogInnen gehen auf Bedürf- nisse ein und sprechen sich bewusst mit diversen Fachleuten ab, um neue Ausprägungen der Altenarbeit zu eruieren. Zum Beispiel gehören dazu eigene Projekte, Bürgerinitiativen, Unterstützung von Selbsthilfegruppen, Unternehmungsgruppen oder Lerngruppen (vgl. Lö- ckenhoff 2000, S. 61).

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Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668036093
ISBN (Buch)
9783668036109
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v305620
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft
Note
2
Schlagworte
geragogik miteinander generationen perspektive

Autor

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Titel: Geragogik. Das Miteinander zwischen Generationen aus sozialpädagogischer Perspektive