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Kosten der Besteuerung. Definitionen und Aufgaben der Steuergestaltungslehre

Kritische Analyse

Seminararbeit 2015 28 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen der Steuergestaltungslehre

3 Aufgaben und Aufgabenrealisierung
3.1 Entwicklung optimaler Gestaltungsalternativen und Handlungsempfehlungen
3.2 Phasen der Steuergestaltung
3.2.1 Vorphase
3.2.2 Erforschung und Analyse der Ausgangssituation
3.2.3 Formulierung der Zielfunktion
3.2.4 Alternativengenerierung
3.2.5 Steuerrechtliche und quantitative Analyse der Alternativen
3.2.6 Vorlage eines entscheidungsfähigen Alternativenpakets
3.3 Herausforderungen in praxi

4 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Systematik der Steuerplanung

Abbildung 2: Überblick der einzelnen Prozessphasen

Abbildung 3: Systematisierung steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten

Abbildung 4: Grenzen des Aktionsraums

Abbildung 5: Übersicht ausgewählter Quantifizierungsansätze und Modelle

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Aufgabe der Betriebswirtschaftslehre ist es vor allem, Unternehmen bei ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen.[1]Unter Berücksichtigung der Besteuerung im Rahmen der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre werden die Unternehmensentscheidungen komplettiert.[2]

Nach herrschender Meinung stellt die Betriebswirtschaftliche Steuerlehre ein Teilgebiet der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre dar,[3]da allgemein die Auswirkungen der Besteuerung und die darauf basierenden Unternehmensentscheidungen untersucht werden. Die Aufgaben liegen in den Bereichen der

- Steuerrechtsnormendarstellung,
- Steuerwirkungslehre,
- Steuergestaltungslehre und
- Steuerrechtsgestaltungslehre.[4]

Diese Unterscheidung ist nicht unproblematisch, da vielfache, gegenseitige Abhängigkeiten zwischen den Bereichen bestehen.

Das Ziel der Arbeit ist es, die Definitionen und Aufgaben der Steuergestaltungslehre herauszuarbeiten und kritisch zu analysieren. Damit einhergehend sind die folgenden Forschungsfragen zu beantworten:

1. Wie lässt sich ein ordnungsgemäßer Steuergestaltungsprozess beschreiben?
2. Welche Probleme ergeben sich im Rahmen der modellgestützten Steuergestaltungslehre?
3. Vor welchen Herausforderungen steht die Steuergestaltungslehre in praxi und wie können diese bewältigt werden?

Um die Erarbeitung von Problemlösungen für Entscheidungssituationen von Unternehmen zu ermöglichen, liegt der Ausarbeitung als theoretisches Konzept die normative Entscheidungstheorie zugrunde.[5]

Nach der Ermittlung des Forschungsstands ist zu konstatieren, dass sich die ab den 1960er-Jahren entwickelten Konzeptionen zunehmend auf Aspekte der Steuerwirkungs- und Steuergestaltungslehre fokussieren.[6]

Wöheverwendete 1962 den Terminus der Steuergestaltungslehre und das Begriffspaar derbetrieblichen SteuerplanungundSteuerpolitiksynonym.[7]Hinsichtlich der inhaltlichen Ausrichtung und Aufgabenerfüllung derSteuerplanungführtenWagner/Dirriglim Jahr 1980 sowieRoseim Jahr 1992 explizit zur Steuergestaltungslehre aus, man könne diese eng und weit fassen.[8]Zugleich konstatierteRose, dass die Steuerplanung bis dahin keine terminologische und somit auch keine inhaltlich allgemeingültige Definition erfuhr.

Schneiderskonträre Auffassung aus dem Jahr 1983 zurUnternehmens-besteueungbeinhaltet eine ökonomische Analyse des Steuerrechts.[9]Insgesamt gehtSchneidersogar so weit, dass er die Steuergestaltungslehre grundsätzlich ablehnt.[10]Der Ansatz zielt thematisch allerdings stark in den Bereich der Finanzwissenschaft, so dass eine klare Abgrenzung zur Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre nicht erkennbar ist.

In seiner Dissertation aus dem Jahr 1991 unterteiltRödderdieSteuerplanungin Steuereinplanung und Steuergestaltung.[11]Unter Ausarbeitung eines Phasenmodells legt er den Schwerpunkt seiner Untersuchungen auf die Ermittlung von Steuergestaltungsalternativen, so dass insb. die steuerrecht-liche und ökonomische Analyse nicht hinreichend betrachtet wird.

König/Wosnitzastellen in ihrem Werk aus dem Jahr 2004 heraus, dass sich die Analyse von Steuerwirkungen in einendeskriptivenund einennormativenAspekt unterteile, gewisse Interdependenzen und verschiedenartige Probleme bei der Aufgabenrealisierung bestünden.[12]

Dieser Unterteilung folgtSchneelochin seinem Aufsatz aus dem Jahr 2011. DieSteuerplanung (betriebliche Steuerpolitik)berücksichtige nach seiner Ansicht die gezielte Nutzung von steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten.[13]

Insgesamt ist zu konstatieren, dass verschiedene Termini und Definitionen sowie Ausführungen zu den Aufgaben der Steuergestaltungslehre existieren. Eine aggregierte und kritische Auseinandersetzung mit diesen Ansätzen ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorhanden.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in 4 Kapitel. Nach einer grundsätzlichen Einführung in den Themenkomplex werden im 2. Kapitel Ansätze zur Konkretisierung und Definition der Steuergestaltungslehre auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin untersucht. Ziel ist es, eine möglichst allgemeingültige, griffige Definition zu geben.

Kapitel 3 beinhaltet eine ausführliche Darstellung und kritische Analyse der Aufgaben der Steuergestaltungslehre. Der Herausarbeitung der zentralen Aufgaben schließt sich die den Schwerpunkt dieses Kapitels bildende Erläuterung der dynamischen Aufgabenrealisierung an. Dieser Teil ist in mehrere Unterabschnitte gegliedert, in denen die einzelnen Phasen erörtert werden. Das Kapitel endet mit einem Überblick zu in praxi auftretenden
Herausforderungen der Steuergestaltung und zeigt zugleich mögliche Lösungsansätze auf.

Im Fokus des 4. Kapitels steht die Beantwortung der aufgeworfenen Forschungsfragen. Den Abschluss bildet ein Ausblick zu weiterführenden Analysen.

Aufgrund des umfassenden Themenkomplexes und um in der konkreten Bearbeitung genügend präzise werden zu können, erfolgt eine Schwerpunktsetzung in der Gestalt, dass lediglich das unternehmerische Oberziel der Endvermögensmaximierung als Ausgangspunkt berücksichtigt wird, da dieses im Gegensatz zur Konsum- oder Wohlstandsmaximierung allgemeingültig bestimmbar ist.[14]

2 Definitionen der Steuergestaltungslehre

NachWöhesoll im Rahmen der Steuergestaltungslehre, welche er synonym zu den Termini derbetrieblichen SteuerplanungundSteuerpolitikverwendet, die Frage beantwortet werden,welcheEntscheidungen zu treffen sind,umbestimmte Steuerwirkungen auszulösen.[15]

Wagner/Dirriglstellen bei ihrer Begriffsbestimmung heraus, dass dasrichtigeVerhalten des Unternehmens bezüglich der Besteuerung im Hinblick auf die Ziele und Umweltdaten der Untersuchungsgegenstand der Steuergestaltungslehre sei und betonen dieMittel-Zweck-Beziehung, mithin die Gestaltung von Zusammenhängen.[16]

Rosezielt in eine ähnliche Richtung derMittel-Zweck-Beziehungund formuliert treffend: „Wennjene Steuerwirkungen gewünscht sind,so[Hervorhebungen nicht im Original] sollten diese Dispositionen getroffen werden.“[17]An anderer Stelle führt er zurSteuerplanungslehreundSteuerpolitiklehreaus, man könne diese eng und weit fassen. Bei enger Fassung würden lediglich die Entscheidungen bezogen auf Steuern bzw. Besteuerungsfolgen berücksichtigt, hingegen bei weiter Fassung die Besteuerung im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes, die sämtliche Unter-nehmensentscheidungen tangiert.[18]

Siegelsetzt die Steuergestaltungslehre mit derLehre von der Steuerpolitikgleich und definiert den Gegenstand der Steuergestaltung derartig, dass, sobald eine unternehmerische Handlungsalternative steuerlich beeinflusst ist, eine Aufgabe der Steuergestaltung vorliege und die optimale Steuergestaltung zu wählen sei.[19]

NachKönig/Wosnitzaverfolgt die Steuergestaltungslehre einennormativenZweck, wobei untersucht wird,wiesich Unternehmen unter Berücksichtigung der Besteuerung und ihrer Ziele richtig verhalten sollen.[20]

Schneelochdefiniert unter Verwendung des Terminus derSteuerplanung (betriebliche Steuerpolitik)diese als die gezielte Nutzung von steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten, wobei er nach steuerlich orientierten Sach-verhaltsgestaltungen sowie steuerlichen Wahlrechten und Ermessens-spielräumen differenziert.[21]An anderer Stelle fasst er die Steuerwirkungs- und Steuergestaltungslehre unter dem Oberbegriff derSteuerplanungzusammen.[22]

Rödderdefiniert die Steuergestaltung alsagierendenBereich der Steuerplanung.[23]Die entsprechende Systematik derSteuerplanungist in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1: Systematik der Steuerplanung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung anRödder, T.(1991), S. 5.

Es ist zu konstatieren, dass ungeachtet unterschiedlicher Termini hinsichtlich der Konkretisierung und Definition der Steuergestaltungslehre im Schrifttum im Wesentlichen Übereinstimmung darin besteht, dass die Steuergestaltungslehre

- einen Teilbereich derex antedurchzuführenden Steuerplanung darstellt,
- einennormativenCharakter hat,
- danach fragt,welcheEntscheidungen getroffen werden sollen,umbestimmte, zielorientierte Steuerwirkungen auszulösen (Mittel-Zweck-Beziehung) und
- Entscheidungsempfehlungen unter Berücksichtigung der Besteuerung für Unternehmen erarbeitet.

3 Aufgaben und Aufgabenrealisierung

3.1 Entwicklung optimaler Gestaltungsalternativen und Handlungsempfehlungen

Wöhe/Biegerarbeiten als Hauptaufgabe der Steuergestaltungslehre die Entwicklung der zweckmäßigsten Entscheidungsalternativen in Bezug auf die Realisierung der Zielsetzungen des Unternehmens.[24]

Pointiert formuliertErichsen: „Es geht hier um die entscheidungstheoretische Frage, potentielle Geschäftsfälle steuerrechtlich und betriebswirtschaftlich prognostizierend zu gestalten und aus den Handlungsalternativen die beste auszuwählen.“[25]

Kußmaulstrukturiert die Aufgaben der Steuergestaltungslehre dahingehend, dass auf Basis von betriebswirtschaftlichen Wirkungsanalysen für den Unternehmer Gestaltungsalternativen im Sinne einer Steuerplanung und -politik abzuleiten und zu erarbeiten seien.[26]

Ebenso sehenFischer/Schneeloch/Siglochdie Ausarbeitung von Entscheidungsregeln und Kriterien für rational begründbare Gestaltungsmaßnahmen unter Berücksichtigung der Besteuerung als die vorrangige Aufgabe an.[27]

NachRosegehören zum Aufgabenfeld der Steuerplanung die Entwicklung von Alternativen und anschließend die Vorlage eines entscheidungsfähigen Alternativenpakets.[28]

Planungbeinhaltet stets die Vorbereitung von Entscheidungen.[29]Entscheidungenkönnen allgemein als Auswahl einer von mehreren möglichen Alternativen definiert werden.[30]EinEntscheidungsproblemliegt daher nur vor, wenn aus einer Menge von Alternativen – also mindestens zwei – ausgewählt werden kann.

Die Aufgabenrealisierung der Steuerplanung und speziell der Steuergestaltung ist als dynamischer Prozess zu verstehen. Dieser beinhaltet mehrere gedankliche Phasen, die in den Unternehmensablauf integriert und mit dem gesamten Zielsystem des Unternehmens abgestimmt werden sollten.[31]

Die Abbildung 2 beinhaltet einen Überblick der einzelnen Prozessphasen.

Abbildung 2: Überblick der einzelnen Prozessphasen

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung anRödder, T.(1991), S. 12.

Die Ausführungen im nächsten Abschnitt orientieren sich anRödder.[32]Wenn im Folgenden von Steuerplanung die Rede ist, so ist (zumindest auch) diesteuergestaltendeAktivität gemeint.

3.2 Phasen der Steuergestaltung

3.2.1 Vorphase

Steuergestaltungsaktivitäten setzen einen Impuls sowie einen Gestaltungs-anreiz voraus. Impulse können sich derivativ ergeben – z. B. aufgrund geänderter oder neuer unternehmerischer Vorhaben – oder originärer Natur sein, insb. aufgrund der Analyse des Steuerrechts.

Gestaltungsanreize ergeben sich bspw. aus der Möglichkeit, wirtschaftlich identische Vorgänge unterschiedlich besteuern zu lassen.[33]Eine Systematisierung der steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten einschließlich prägnanter Beispiele ist in Abbildung 3 dargestellt.

Abbildung 3: Systematisierung steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

Die Gestaltungsmöglichkeiten sind zahlreich und überdies auch zahlreich kombinierbar. Weiterhin unterscheiden sich die Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich der Dauer der Steuerbelastungswirkungen. Allgemein können sich kurzfristige (bis zu einem Jahr), mittelfristige (bis zu fünf Jahren) und langfristige (über fünf Jahre) Planungszeiträume ergeben.[34]

[...]


[1]Vgl. Kaminski, B. & Strunk, G.(2012), S. 3.

[2]Vgl. Wagner, F. W. & Dirrigl, H.(1980), S. 1.

[3] Vgl. exemplarisch für die herrschende Meinung Wöhe, G., Bieg, H. & Kneip, C. (1995),
S. 3 und Kußmaul, H. (2014), S. 1.

[4]Vgl. Kußmaul, H.(2014), S. 1 f.

[5]Vgl. Seibold, S.(2002), S. 29 f.

[6]Vgl. Wöhe, G.(1988), S. 13–17 mit weiteren Nachweisen.

[7]Vgl. Wöhe, G.(1988), S. 25.

[8]Vgl. Wagner, F. W. & Dirrigl, H.(1980), S. 3 undRose, G.(1992), S. 19.

[9]Vgl. Schneider, D.(1983), S. 21.

[10]Vgl. Schneider, D.(1983), S. 27–30.

[11]Vgl. Rödder, T.(1991), S. 5.

[12]Vgl. König, R. & Wosnitza, M.(2004), S. 1–6.

[13]Vgl. Schneeloch, D.(2011b), S. 245.

[14]Vgl. Schneeloch, D.(2009), S. 67 f.

[15]Vgl. Wöhe, G.(1988), S. 25.

[16]Vgl. Wagner, F. W. & Dirrigl, H.(1980), S. 2 f.

[17]Rose, G.(2006), S. 209.

[18]Vgl. Rose, G.(1992), S. 19.

[19]Vgl. Siegel, T.(1982), S. 16.

[20]Vgl. König, R. & Wosnitza, M.(2004), S. 1.

[21]Vgl. Schneeloch, D.(2011b), S. 245 f.

[22]Vgl. Schneeloch, D.(2011a), S. 421.

[23]Vgl. Rödder, T.(1991), S. 4 f.

[24]Vgl. Wöhe, G., Bieg, H. & Kneip, C.(1995), S. 1.

[25]Erichsen, M.(1968), S. 384.

[26]Vgl. Kußmaul, H.(1995), S. 9.

[27]Vgl. Fischer, L., Schneeloch, D. & Sigloch, J.(1980), S. 700.

[28]Vgl. Rose, G.(1992), S. 19.

[29]Vgl. Wacker, W. H.(1979), S. 16 f.

[30]Vgl. Laux, H., Gillenkirch, R. M. & Schenk-Mathes, H. Y.(2012), S. 3.

[31]S. dazu ausführlichSeibold, S.(2002), S. 119–124.

[32]S. dazuRödder, T.(1991), S. 12 und 105.

[33]Vgl. Rödder, T.(1991), S. 34–37.

[34]Vgl. Eisenach, M.(1974), S. 80.

Details

Seiten
28
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668034389
ISBN (Buch)
9783668034396
Dateigröße
964 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v305566
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,0
Schlagworte
Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Steuergestaltungslehre Kritische Analyse Definitionen und Aufgaben

Autor

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