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Anglizismen in jugendspezifischen Zeitschriften am Beispiel der BRAVO

Hausarbeit 2014 22 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Jugendsprache
2.1 Ein Überblick
2.2 Der Markerbegriff

3. Die Entlehnung
3.1 Das Lehnwort
3.2 Das Fremdwort
3.3 Der Anglizismus

4. Die Korpora
4.1 Beschreibung
4.2 Begründung

5. Die Analyse
5.1 Die Häufigkeitsanalyse
5.1.1 Häufigkeitsuntersuchung nach Wortarten
5.1.2 Häufigkeit nach Kategorien und Kommunikationsbereichen
5.2 Integrationsuntersuchung
5.2.1 Allgemeines
5.2.2 Die Schreibweise
5.2.3 Flexion von Nomen im Korpus
5.2.4 Pluralform und Endungen
5.2.5 Flexion von adjektivischen Anglizismen im Korpus
5.2.6 Konjugation von verbalen Anglizismen
5.2.7 Kompositionen

6. Funktionsanalyse
6.1 Der Einfluss
6.2 Die Sprachökonomie
6.3 Die Wirkung
6.4 Die Situationsgebundenheit

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Seit 2010 wird der Anglizismus des Jahres durch die Aktion „Anglizismus des Jahres“, gegründet von Anatol Stefanowitsch, Professor an der Freien Universität zu Berlin, gewählt. Kriterien für die Anwartschaft eines Wortes sind, dass das Wort aus dem Englischen abstammt und im Wahljahr in den gebräuchlichen deutschen Wortschatz übergegangen ist. Für das Jahr 2013 wurde die Nachsilbe '-gate', wie etwa in 'watergate' vor 'fake' und 'whistleblower', auf den ersten Platz gewählt. Diese Wahl verdeutlicht uns exemplarisch den voranschreitenden Sprachwandel, indem sie hervorhebt, welche Worte neu in das Deutsche integriert wurden (Vgl. Stefanowitsch 2014)

Viele Anglizismen wie 'Hobby' oder 'Internet' sind schon in den alltäglichen Sprachgebrauch übergegangen und werden kaum noch als solche erkannt. Der Einzug des fremden Wortguts erfolgt besonders heute, durch fortschreitende Globalisierung und dem daraus resultierenden Einfluss der englischen Sprache, sowie die neuen Medien, viel schneller als noch vor 50 Jahren. Insbesondere der Sprachgebrauch der Jugend scheint offen für Anglizismen.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob sich in Jugendzeitschriften mehr Anglizismen finden als in solchen mit erwachsener Zielgruppe und vor allem, welche Funktionen ihnen zukommen.

Zunächst wird ein kurzer Überblick zur Jugendsprachforschung gegeben und der Begriff des 'Markers' erläutert. Weiter werden verschiedene Arten der Entlehnungen vorgestellt und der Begriff Anglizismus definiert.

Das zu analysierende Korpus bildet ein Heft der Zeitschrift Bravo, das mit einer Ausgabe des Magazins Freizeit Revue verglichen wird. Dieser Vergleich liefert zunächst rein quantitative Ergebnisse über die Nutzungshäufigkeit der Anglizismen. Darauf folgen eine Integrations- und eine Funktionsuntersuchung der Anglizismen in den Bravo Artikeln.

Untersucht wird die Integration anhand der Flexion von Nomen und Adjektiven, der Konjugation von Verben und der Schreibweise der Anglizismen. Andere grammatische Schwerpunkte wie die Wortbildung können nicht gesetzt werden, da das Korpus nur eine begrenzte Anzahl an Untersuchungsmöglichkeiten bietet. Die Funktionsuntersuchung wird anhand verschiedener Motive, die für die Verwendung der Anglizismen verantwortlich sind, durchgeführt. Zunächst soll kurz geklärt werden, warum überhaupt Anglizismen in der Bravo genutzt werden.

2. Die Jugendsprache

2.1 Ein Überblick

Seit über drei Jahrzehnten wird sich mit dem Phänomen der Jugendsprache beschäftigt (Vgl. Neuland 2008:1). Schon damals erkannte Gloy (1985), dass esdieJugendsprache als Untersuchungsgegenstand gar nicht gibt oder geben kann. Sehr wohl aber gäbe es „dasSprechenvon Jugendlichen“ (Gloy 1985:116). DiesesSprechenist allerdings viel weniger homogen, als es zum Beispiel die Autoren von jugendsprachlichen Wörterbüchern darstellen.

Der Begriff Jugend beschreibt den Zeitraum der Adoleszenz, der sich nicht in konkrete zeitliche Abschnitte unterteilen lässt, auch wenn es in der Forschung verschiedene Modelle dazu gibt. Nach deutschem Recht zum Beispiel gilt eine Person zwischen dem 14. und 18. Lebensjahr als jugendlich und ist noch nicht voll geschäftsfähig. Erst mit dem Erreichen des 14. Lebensjahres wird der Jugendliche strafmündig und bekommt somit die Verantwortung für sein Handeln selbst zugesprochen (Vgl. Jugendgerichtsgesetz §3).

Aber auch abseits von der Gesetzgebung ist die Jugend eine Zeit der Umstrukturierung in biologischer, psychischer und soziokultureller Hinsicht. Das Fortschreiten der Entwicklung hängt allerdings vom einzelnen Individuum ab (Vgl. Pauli 2010:11/12). Dies zeigt, dass es auchden Jugendlichennicht gibt und dass es somit keine homogene Sprache, die Personen in einer bestimmten Altersgruppe nutzen, geben kann. Der Jugendliche wird neben seinem persönlichen Entwicklungsstand von verschiedenen gesellschaftlichen Einflüssen, wie Politik, Religion und Erziehung mitgeprägt.

Jugendliche beginnen sich eine eigene soziale Identität zu bilden, in der vor allem das Gruppen- und Rollenverhalten von großer Bedeutung ist (Vgl. Neuland 2008:39). Daher beschäftigt sich die neuere Forschung mit Jugendsprache als Gruppensprache.

2.2 Der Markerbegriff

Wie Neuland (2008) in ihrem Buch präzise schildert, gibt es tatsächlich sprachliche Formen und Besonderheiten, die speziell von Jugendlichen auffällig häufig gewählt werden.

Oft definieren sich Jugendliche über die Zugehörigkeit zu einer Clique, im Sinne eines Freundeskreises, eines Vereins oder auch einer Klasse. Innerhalb dieser Gruppe bildet sich üblicherweise ein gruppenspezifisches Sprechen, das an verschiedenen Stellen vom Standard abweicht. Beate Henn-Mennheimer (2008:26-27) weist in ihrem Aufsatz darauf hin, dass die meisten Sprecher je nach Situation vom Standard abweichen, obwohl sie diesen durchaus sprechen können. Das bedeutet, der kompetente Sprecher wählt sich bewusst oder unbewusst die für ihn angemessen wirkende Variation und verfolgt damit eine Absicht. Henn-Mennheimer (2004:27) schreibt: „Sie setzen diese Form als sog. Marker ein, d.h. sie benutzen sie als Hinweise, und so werden sie im Allgemeinen auch verstanden“. Henn-Mennheimer meint mit 'sie' zugegebenermaßen nicht implizit Jugendliche, sondern Menschen an sich. Der Begriff des Markers lässt sich allerdings auch gut in den Kontext der Jugendsprachuntersuchung einbinden, da Jugendliche ihr Sprechen als Hinweis zu einer bestimmten Gruppe zu gehören, nutzen, beziehungsweise, um sich andererseits von einer anderen Gruppe zu distanzieren.

3. Die Entlehnung

Das Deutsche bedient sich schon immer Entlehnungen aus anderen Sprachen wie dem Französischen, dem Englischen oder früher vor allem dem Lateinischen. Es gilt daher als eine klassische Nehmersprache.

Der Begriff Entlehnung bezeichnet die Transferenz von sprachlichen Einheiten aus einer Geber- in eine Nehmersprache, durch Kontakt zwischen den Sprachen, beziehungsweise den Sprechern miteinander (Vgl. Eisenberg 2011: 96). Fremdes Wortgut kann in der Nehmersprache als Fremd- oder Lehnwörter vorkommen, wobei das Fremdwort zum Lehnwort werden kann. Die Zeit ist hierfür ein wesentlicher Faktor. Die meisten entlehnten Wörter fallen zunächst durch ihre fremden Worteigenschaften auf.

Der deutsche Gesamtwortschatz besteht nicht nur aus dem Erbwortschatz. Besonders Lehnwörter haben ihren Zugang zur deutschen Sprache gefunden und können teilweise kaum noch vom Erbwortschatz unterschieden werden. Diese sind fest im Sprachsystem verankert und aus diesem nicht mehr wegzudenken. Bei Fremdwörtern ist der Einfluss von außen in der Regel noch klar zu spüren, aber teilweise sind die Grenzen zwischen Lehn- und Fremdwort auch schon fließend.

3.1 Das Lehnwort

Einige einst entlehnte Wörter haben sich im Laufe der Zeit völlig ins deutsche Wortgut integriert. Diese werden von der Bevölkerung nicht mehr direkt als fremd erkannt, da sie sich nicht von den Wörtern des Kernwortschatzes unterscheiden, beziehungsweise, da sie zum Teil des Kernwortschatzes geworden sind (Vgl. Eisenberg 2011:32). Die Anpassung erfolgte sowohl auf phonologischer, morphologischer, semantischer und schriftbildlicher Ebene. Diese assimilierten Wörter nennt man Lehnwörter (Vgl. Nübling 2010:139). Bespiele hierfür sind 'Tisch' oder 'Fenster'.

3.2 Das Fremdwort

Dem Lehnwort gegenüber steht das Fremdwort, unter das auch Anglizismen fallen. Bei diesen Wörtern ist es offenkundig, dass sie nicht aus dem Erbwortschatz des Deutschen stammen können, sondern aus einer anderen Sprache entnommen sind. Sie unterscheiden sich phonologisch und/ oder morphologisch und/ oder semantisch und/oder graphematisch vom deutschen Kernwortgut. Sie sind also (noch) nicht, oder nur teilweise ans Deutsche angepasst (Vgl. Nübling 2010:139). Ein Beispiel für ein Fremdwort ist das aus dem Englischen stammende Wort 'Peeling'. Auffallend ist hier der Doppelvokal <ee>, der anders als im Deutschen üblich als [i:] gesprochen wird.

3.3 Der Anglizismus

Bislang gibt es keine einheitliche Definition für den Begriff 'Anglizismus'. Es scheint schwierig ihn in seiner ganzen Komplexität und Ausprägung zu erfassen und beschreiben (Vgl. Plümer 2000:19).

Plümer (2000:17) schlägt vor 'Anglizismus' als „Oberbegriff für Entlehnungen aus dem Britischen Englisch (BE) und Amerikanischen Englisch (AE) (…)“ zu verstehen. Eisenberg (2011:2/3) präzisiert: „Ein Fremdwort aus dem Englischen bezeichnet man als Anglizismus und bringt damit zum Ausdruck, dass es sich nicht um ein Wort des Englischen handelt, sondern um eins, das ganz oder in Teilen aus dem Englischen stammt“.

Laut Eisenberg sind Anglizismen zwar Wörter des Deutschen, allerdings gehören sie nicht zum deutschen Kernwortschatz (Vgl. ebda.)

4. Die Korpora

4.1 Beschreibung

Den Untersuchungen liegt die Ausgabe Nr. 29, erschienen am 09.07.2014, der Jugendzeitschrift Bravo zugrunde. Untersucht wurden die Seiten fünf bis sieben aus der Kategorie „Trends und Lifestyle“, Thema: „HOT OR NOT“, die Seiten acht bis elf aus der Kategorie „Stars“, Thema: „Stars erwischt“, sowie die Seiten 56-57 aus der Kategorie „Real Life“, Thema: “Report-Serie“.

Als Vergleichskorpus zur Häufigkeitsanalyse wird das Heft Nr. 26 der Wochenzeitschrift Freizeit Revue herangezogen. Untersucht werden die Seiten acht und neun aus der Rubrik „Star Revue“, Thema: „Promis im Blitzlicht“, die Seiten 16-19 aus der Kategorie „Gesund & fit“ Thema: „Mode und Beauty“, sowie die Seiten 14 und 15 aus dem Bereich „Star Revue“, Thema: „Reportaktuell“.

Gezählt werden alle abgedruckten Anglizismen auf einer Seite, abgesehen von Markennamen. Zur Vereinfachung werden die Kategorien der beiden Zeitschriften unter einem Arbeitsnamen zusammengefasst:

- „Trends undLifestyle“ zusammen mit „Gesund und fit“ unter „Lifestyle“,
--„Stars“ zusammen mitStar Revue“ unter „Stars
- -„Real Life“ mit „Star Revue/ Report aktuell“ unter „Reportage“.

Bei der quantitativen Analyse wird nicht zwischen neuem oder alten Lehnwort unterschieden.

Da Markennamen von der Analyse ausgenommen sind, wurden diese, sowie alle Namen, auch bei der Zählung der gesamten, abgedruckten Wörter nicht mit berücksichtigt.

4.2 Begründung

Die Bravo wurde als Untersuchungsgegenstand gewählt, da sie seit über 60 Jahren mit einer Reichweite von 0,79 Mio. (Stand 2014) die meistverkaufte Jugendzeitschrift in Deutschland ist.

Die größten Zielgruppen sind mit jeweils 27 % die 14-19 jährigen, sowie die 20-29 jährigen. Die Bravo wird von 54% weiblichen und von 46% männlichen Konsumenten gekauft (Vgl. Bauer Media Group 2014). Als Vergleichskorpus wurde die Publikumszeitschrift Freizeit Revue gewählt, die eine Reichweite von ca. 2,5 Mio. Leserinnen und Lesern hat. Grund dieser Auswahl ist die Ähnlichkeit des Aufbaus der Zeitschriften und die gute Vergleichbarkeit der behandelten Themen.

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Details

Seiten
22
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668034068
ISBN (Buch)
9783668034075
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v305543
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Germanistik
Note
1,7
Schlagworte
Anglizismus BRAVO Jugendsprache Sprachwandel.

Autor

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