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Vergleich der Piraterie am Horn von Afrika und in Südostasien

Hausarbeit 2015 12 Seiten

VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A: Kurze Einführung

B: Hauptteil I: Methodenteil
Hauptteil II
Definition der zu untersuchenden Gebiete
Historische Entwicklung der Piraterie am Horn von Afrika
Historische Entwicklung der Piraterie in Südosasien
Organisationsgrad und räumliche Verortung am Horn von Afrika
Organisationsgrad und räumliche Verortung in Südostasien
Motivation und Interessen der Piraten am Horn von Afrika
Motivation und Interessen der Piraten in Südostasien
Abschließender Vergleich und Zusammenfassungacith.

C: Schluss: Neueste Trends und ein kurzer Ausblick

Bibliographie

A: Kurze Einführung

In der öffentlichen Wahrnehmung europäischer Gesellschaften galt die Piraterie lange Zeit als ein weit zurückliegendes Phänomen mit welchem man nur noch in Film und Fernsehen konfrontiert war. Obwohl sie nie ganz gebannt war und in Südostasien ab dem Jahre 1975 in Bezug auf Brutalität und Quantität einen ihrer traurigen Höhepunkte erreichte, war im Westen hiervon wenig zu spüren, da man schlicht nicht betroffen war.[1]

Die geographische Entfernung war groß und die Gewalt richtete sich weniger gegen Frachtschiffe, die Waren für den westlichen Markt transportierten als gegen Flüchtlinge aus dem Vietnam. Dies änderte sich erst als Seeräuber vor der Küste Somalias mit spektakulären Überfällen und Entführungen von Handelsschiffen samt deren Besatzung auf sich aufmerksam machten.

In der folgenden Hausarbeit werde ich diese beiden Piratenhotspots am Horn von Afrika und in Südostasien systematisch miteinander vergleichen und die Frage beantworten, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den jeweiligen Piratenorganisationen bestehen.

B: Hauptteil I: Methodenteil

Anfangs möchte ich in einem kurzen Theorie- und Methodenteil den Aufbau meiner Arbeit näher erläutern. Um einen möglichst übersichtlichen Vergleich bieten zu können, soll zunächst die Situation in den jeweiligen Gebieten bezüglich einzelner Vergleichskriterien wie Organisationsgrad oder Motivation beschrieben werden.

Diese Kriterien sollen die zentralen Charakteristika seeräuberischer Organisationen erfassen und miteinander kombiniert dem Leser ein möglichst vollständiges Bild davon liefern, was die jeweiligen Piratengruppen ausmacht, was sie verbindet und was sie voneinander unterscheidet.

Am Ende des Hauptteils wird ein abschließendes Fazit die bereits bekannten Informationen bündeln und miteinander verknüpfen, aber auch einige zusätliche Aspekte und Informationen liefern.

So sollen darin beispielsweise kurz die staatliche Maßnahmen gegen die Piraterie beschrieben werden, welche zuvor gar nicht behandelt wurden, da sich die Arbeit auf die Piraten als handelnde Akteure konzentriert.

Hauptteil II

Definition der zu untersuchenden Gebiete

Zu Beginn möchte ich die zu vergleichenden Gebiete geographisch kurz definieren, indem ich die jeweils zugehörigen Staaten aufzähle und das Gebiet eindeutig eingrenze. Dies ist notwendig, da bei der Abgrenzung der Seegebieten teilweise großer Diskussionsbedarf besteht und die Berichte und Publikationen in dieser Frage erheblich voneinander abweichen.[2]Die Definition des Gebiets am Horn von Afrikas ist dabei eindeutiger und unumstrittener als diejenige Südostasiens.

Als Horn von Afrika soll in der folgenden Arbeit jenes Gebiet im Nord-Osten Afrikas bezeichent werden, welches im Osten durch das rote Meer, im Süd-Osten durch den Indischen Ozean und im Westen durch das Nilbecken eingegrenzt wird.[3]Es besteht aus den sechs Länder Dschibuti, Eritrea, Äthiopien, Kenia, Somilia und Sudan mit einer Gesamtfläche von 4968000 km² und hat eine Bevökerung von insgesamt 170 Millionen Menschen.[4]

Das Gebiet Südostasiens umfasst die elf Staaten Brunei, Indonesien, Kambodschao, Laos, Malaysia, Myanmar, Singapur, Thailand, Vietnam, Ost-Timor und die Philippinen.[5]

Während über die Grenzen zu Land dabei weitestgehend Einigung besteht, ist die Abgrenzung südostasiatischer Gewässer zu anderen Nachbarregionen teilweise hochumstritten.[6]Doch auch zwischen den einzelnen Staaten innerhalb Südostasiens gibt es zum Teil Streitigkeiten bezüglich der Grenzziehung zu Wasser. Dies liegt unter anderem an den zahlreichen, den Küsten vorgelagerten Erhebungen im Meer, wie beispielsweise den Spratly- und Paracel Inseln im Südchinesischen Meer, deren Besitzverherhältnisse bis heute unklar sind. Ein weiterer gewichtiger Grund für die vielen Grenzkonflikte Südostasiens ist die Tatsache, dass sich die 200 nm breite „Ausschließliche Wirtschaftszone“, die eine „logische Konsequenz der politischen Abgrenzung der Landflächen darstellen“[7]würde, mit den territorialen Ansprüchen der Nachbarstaaten überschneidet.[8]

Für diese Arbeit möchte ich Südostasien wie folgt definieren:

Die westliche Grenze Südostasiens wird durch die Seegrenze Indonesiens mit Indien definiert, imSüdwesten reichen die südostasiatischen Gewässer 200 nm in den Indischen Ozean hinein und im Osten ergibt sich die Begrenzung durch die Grenzziehung Indonesiens mit seinen benachbarten Staaten.[9]

Ebenfalls wird hier der westliche Teil des Golfs von Tonking, der Großteil des Südchinesischen Meers sowie die philippinischen Gewässer in ihren historischen Grenzen zu Südostasien gezählt.[10]

Diese Definition entspricht zwar den Maximalforderungen der südostasiatischen Staaten, erscheint mir aufgrund der vielen Unklarheiten bezüglich der Grenzziehung jedoch am praktikabelsten.

Historische Entwicklung der Piraterie am Horn von Afrika

Bevor ich mich in den folgenden Kapiteln der Analyse der zeitgemäßen Piraterie widmen werde, möchte ich zuvor die Entwicklung der historischen Seeräuberei (sehr) kurz beschreiben.

Dies soll es ermöglichen, die aktuelle Piraterie in ihrem Gesamtkontext betrachten und dadurch besser nachvollziehen zu können.

Trotz der Tatsache, dass einige Dokumente über Piraterie in jener Zeit vorhanden sind, ist eine genaue Rekonstruktion nur eingeschränkt möglich.[11]Dennoch lassen sich einige zuverlässige Aussagen über die Geschichte der Piraterie treffen.

So ist bespielsweise bekannt, dass sich bereits die ägyptischen Flotten, die um 2500 v. Chr. nach Puntland segelte, vor Überfällen von „Subsistenzpiraten“ schützte.[12]

Das goldene Zeitalter der Seeräuberei vor der Küste des Horns von Afrika entwickelte sich dann im 16. und 17. Jahrhundert, als sich England und Holland einen permanenten Seebäutekrieg mit Portugal lieferten[13]und aus der Karibik stammende Piraten vor der Küste Somalias Angst und Schrecken verbreiteten. Allgemein wurde die Piraterie „von den aufstrebenden europäischen Staaten im 17. und 18. Jahrhundert gefördert, gestützt und genützt“[14], die damit den „Grundstein für den bürgerlichen Reichtum in Europa“[15]legten. So kann man am Horn von Afrika auf eine lange Tradition von Kaperei und Piraterie zurückblicken.

Historische Entwicklung der Piraterie in Südosasien

Auch hier existierte die Piraterie bereits lange vor dem Erscheinen der Kolonialmächte.[16]

Zum Beispiel wissen wir aus Überlieferungen von Seeräubern, die im 5. Jahrhundert n. Chr. in südostasiatischen Gewässern auf Beutezug gingen.[17]

Schon damals stellte die Straße von Malakka das Zentrum der Angriffe dar.[18]

Im 18. und 19. Jahrhundert erlangte die Seeräuberei ihre Hochphase mit dem Auftauchen der eurpäischen Großmächte in den Gewässern der Region.[19]

Zu einem weiteren Höhepunkt der seeräuberischer Aktivität kam es ab dem Jahr 1975 als aus Vietnam fliehende Boatpeople massenhaft überfallen, ausgeräubt und ermordet wurden.[20]

„Gemeinsamkeiten zwischen der Piraterie vergangener Jahrhunderte und moderener Piraterie lassen sich sowohl in der Brutalität vieler Überfälle ausmachen als auch bedingt im Einfluss auf Staaten und Regierungen.“[21]

Dieser war früher sogar noch höher, als Seeräuber „maßgeblichen Einfluss am Niedergang von Herrschaftshäusern hatten, Piraterie als Mittel diente, Machtansprüche zu erlangen und Macht mit Hilfe der Piraterie erhalten wurde.“[22]

Organisationsgrad und räumliche Verortung am Horn von Afrika

Anders als häufig angenommen ist die Piraterie kein generelles, alle Staaten der Region gleichermaßen betreffendes Phänomen am Horn von Afrika. Dies gilt sowohl für die finanziellen und personellen als auch die geographischen Aspekte.[23]Selbst im berüchtigten Somalia, welches häufig pauschal als „Land der Piraten“[24]bezeichnet wird, ist Piraterie kein gesamtstaatliches Problem, sondern konzentriert sich auf vor allem auf Dörfer und Häfen in Puntland und Zentralsomalia, die den Piraten aufgrund fehlender staatlicher Strukturen und der Sympathie der lokalen Bevölkerung[25]als sicherer Rückzugsort dienen.[26]Dennoch ist Somilia das am stärksten in Seeräuberei verstrickte Land am Horn von Afrika, weshalb ich mich bei der Analyse dieser vornehmlich auf aus Somalia ausgehende Piraterie fokussieren werde.

Die geographische Verortung der Angriffe auf zivile Schiffe ist eng mit dem Organisationsgrad der Clans verbunden. Ein höherer Organisationsgrad geht dabei mit einer Erweiterung des Operationsgebiets und einer verbesserten Erfolgsquote der Angriffe einher, was wiederum zwangsläufig zu einer größeren Beute führt.

Bezüglich des Organisationsgrads lässt sich die jüngere Entwicklung der Piraterie vor dem Horn von Afrika in drei Phasen einteilen.

[...]


[1]Mischuk, Georg (2009): Piraterie in Südostasien. Eine Analyse der beteiligten politischen Akteure sowie der Bedrohung für die kommerzielle Schifffahrt. In: Geoinformationsdienst der Bundeswehr. Köln: Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr, S.51

[2]Mischuk, Georg (2009): Piraterie in Südostasien. S. 52

[3]Mesfin, Berouk (2011): The Horn of Africa security complex. In: Regional Security in the post-Cold War Horn of Africa. Washington: Institute for Security Studies, S .3

[4]Ebd. S. 5

[5]Mischuk, Georg (2009): Piraterie in Südostasien. S. 52

[6]Ebd. S. 51

[7]Ebd. S. 53

[8]Ebd. S. 53

[9]Ebd. S. 55

[10]Mischuk, Georg (2009): Piraterie in Südostasien. S. 55

[11]Ebd. S. 56

[12]Ehbrecht, Jürgen (2011): Die Piraterie in Somalia samt einer kurzen Geschichte des Landes und seiner Ökonomie. Göttingen. S. 35

[13]Kempe, Michael (2012): Schrecken der Ozeane. Eine kurze Globalgeschiche der Piraterie; In: Aus Politik und Zeitgeschichte/48. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 5

[14] Mahnkopf, Birgit (2010): Piratenhatz am Horn von Afrika. Zur politischen Ökonomie eines Piratenkonflikts und seiner geopolitischen Bedeutung. In: Internationale Politik und Gesellschaft 1/2010. Berlin: Friedrich-Ebert- Stiftung. S. 59

[15]Ebd. S. 60

[16]Mischuk, Georg (2009): Piraterie in Südostasien. S. 57

[17]Ebd. S. 57 zitiert aus Moorhead 1957

[18]Ebd. S. 57

[19]Ebd. S. 57

[20]Ebd. S. 59

[21]Ebd. S. 60

[22]Ebd. S. 60

[23]Hansen, Stig (2012): The Dynamics of Somali Piracy; In: Studies in Conflict & Terrorism, 35. Taylor & Francis Group. S. 523

[24]http://www.spiegel.de/kultur/tv/im-land-der-piraten-ard-reportage-ueber-somalia-a-852260.html (04.03.2015)

[25]Matthies, Volker (2010): Piratenjagd am Horn von Afrika. Betrachtungen zu Beute, Jägern und Gejagten; In: Roith Roithner, Thomas(Hrsg.): Söldner, Schurken, Seepiraten. Von der Privatisierung der Sicherheit und dem Chaos der „neuen“ Kriege. Berlin: LIT-Verlag, S. 78

[26]Petretto, Kerstin; Petrovic, David (2012): Fernab der Romantik – Piraterie vor der Küste Somalias; In: Aus Politik und Zeitgeschichte/48. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 11

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668034181
ISBN (Buch)
9783668034198
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v305468
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
Schlagworte
vergleich piraterie horn afrika südostasien

Autor

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Titel: Vergleich der Piraterie am Horn von Afrika und in Südostasien