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Sprache im Beruf des Politikers

Der Abgeordnete und die politische Sprache im Parlament

Essay 2005 5 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Die Sprache in der Politik

Politik ist nicht denkbar ohne Sprache! Sprache ist und bleibt das fortwährende „Haus des Seins“ (Heidegger). Die Sprache im Beruf des Politikers ähnelt dabei dem Verhältnis von Romeo & Julia, „Wetten dass...?“ & Thomas Gottschalk oder Michael Knight&K.I.T.T. – alles ist getrennt ohne das Pendant nicht denkbar. Seine berufliche Existenz ist davon abhängig, inwieweit der Politiker Botschaften sprachlich kommunizieren kann. Kann er es nicht, ist er zugeknöpft, einsilbig und schweigsam, wird seine Karriere noch schneller zu Ende sein, als sie begonnen hat. In der heutigen Präsentations- und Mediendemokratie, in der jeder zwangsläufig sich gut artikulieren und darstellen muss, wird der sprachlose Politiker gnadenlos scheitern.

„Die Redekunst bedarf der angestrengtesten Arbeit, eines unablässigen Eifers, verschiedener Übung, vielfacher Erfahrung, der höchsten Klugheit, eines geistesgegenwärtigen Urteils.“ (Quintilian)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Denn nicht jeder geborene Politiker ist auch ein geborener Redner, schon Seneca übte am Strand gegen die Brandung an seine Reden mit Steinen im Mund. Heute sollten doch einige auch diese Übung nachvollziehen, denn allzu viele erreichen nicht das Niveau einer Gedanken- und Wortführung, das von den politischen Repräsentanten verlangt wird.

Sprachanlass und Sprachsituation, sowie Kommunikationsumgebung und Kommunikationszeck, sind bei einem Politiker stets dafür entscheidend, wie er die Sprache differenziert. Mal verfeinert er sie, mal verziert er sie mit rhetorischen Figuren, mal sinkt er auf ein niedriges Niveau ab. Der Job des Politikers verlangt von ihnen die Beherrschung verschiedener Sprachstile. Es macht daher einen Unterschied: ob es sich um ein 1:30 Fernsehinterview für ein Nachrichtenmagazin oder die Begrüßungsrede beim Karnickelzüchterverein handelt; ob der Fraktionsvorsitzende eine Ansprache an seine Fraktion hält oder eine Ansprache im Bierzelt; ob ein Parteivertreter ein Fachreferat beim Arbeitgeberverband oder eine Wahlkampfrede vor der Belegschaft eines Unternehmens vorträgt.

Die politische Sprache im Parlament

Obgleich noch viele Bundestagsabgeordnete nicht oder nicht sicher genug frei sprechen können, bleibt doch immer die Sprache ihr wichtigstes Rüstwerkzeug. Innerhalb des Parlaments - als „Redeschule der Nation“ - ist das Wort und damit die Sprache ein mächtiges Mittel der Politik. Dieses Mittel wussten die großen Politiker meisterlich einzusetzen, wie etwa Adenauer (CDU) und Strauß (CSU), der eine subtil mit der Mundart spielend, der andere bierzelthaft direkt, dabei aber rhetorisch perfekt. Überboten wurden sie vom Altmeister Wehner (SPD), der in einer 15-minütigen Rede nur einen verschachtelten Satz gebrauchte, der zudem grammatikalisch perfekt war. Die Sprache der Abgeordneten ist folglich ein Instrument politischer Führung - eingeforderte politische Führung wird über Sprache artikuliert und Führungskompetenz mit personalisierter rhetorischer Stärke suggeriert. Anhand verwendeter Metaphorik, Semiotik und rhetorischem Geschick, sowie der Technik der Unbestimmtheit („Kunst des Nichtsagens“), kann die Debatten- und Streitkultur gepflegt werden, aber auch durch bildliche Sprache die Reduktion von Komplexität - aufgrund der Komplexität der Wirklichkeit - vollzogen werden.

Einer der berühmtesten Sprachschätze in der Bundestagsgeschichte, dessen Inhalt keinesfalls aufgrund zu hoher Komplexität missverstanden werden konnte, kam von dem aus dem Amt scheidenden Außenminister Joschka Fischer (B90/G), der die berühmteste Entgleisung hervorbrachte. Als er im Oktober 1984 vom Bundestagspräsidenten aufgrund „ungebührlichen Benehmens“ von der Sitzung ausgeschlossen wurde, fluchte Fischer im Hinausgehen „ Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch.

„Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch. “ (J. Fischer)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nicht nur im außerparlamentarischen Raum unterscheiden sich die Sprachfelder und Sprachebenen - in denen das Wort wandelbar bleibt - und stets anpassungsfähig an die notwendige Konstellation. Wenn man bedenkt wie unterschiedlich Redebeiträge einerseits im Bundestagsausschuss oder andererseits Wortmeldungen in der Plenumsdiskussion sein können, ist der sprachliche Kontext im Parlament immer als ein kommunikatives Duo aus routinisierter Funktionalität und darstellerischer Öffentlichkeitsorientierung zu betrachten. Sowohl parlamentarische Sprache als auch ihre Symbolik besitzen dabei eine konstitutive Rolle für demokratische Legitimitätsgewinnung und Informationsvermittlung. Dies geschieht mithilfe eines riesigen Repertoires an kommunikativen Möglichkeiten und sprachlichen Methoden: markanten oder witzigen Sprüchen, Beschimpfungen oder verbalen Ausfällen, Euphemismus oder schlagwortartiger Derbheit, kraftvoller Beredsamkeit und aufreizender Agitationskunst, Polemik und Überspitzung oder sprachlicher Camouflage. Egal welches sprachliche Instrument politischer Führung zum Einsatz kommt - die Wörter einer Sprache interpretieren die Wirklichkeit immer in subjektiver Weise. Dass mithin die politische Sprache hochsensibel ist, konnte so mancher Politiker oftmals erfahren (zum Beispiel Bundestagspräsident Jenninger [CDU]).

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Details

Seiten
5
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783668058101
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v305354
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Institut für Politikwissenschaft
Note
keine Benotung
Schlagworte
Sprache Politik Beruf Parlament politische Sprache Soziolekt

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Titel: Sprache im Beruf des Politikers