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Max Weber und der Begriff der Rationalisierung. Der Zusammenhang zwischen religiöser Idee und materieller Lebensführung

Essay 2011 7 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Im Alltag wird oft rational im Gegensatz zu emotional verwendet, da die Emotionalität als unvernünftig gilt. In der Soziologie ist Rationalisierung ein wichtiges Prinzip für individuelles und soziales Handeln.[1] Es ist eine auf das Leben gerichtete systematische Ordnung und Anwendung von Ressourcen, Handlungsprinzipien und Wissensbeständen auf soziale Prozesse.[2] Der Begriff der Rationalisierung spielt in Max Webers Analyse gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse ebenfalls eine zentrale Rolle. Dabei sah er einen engen Zusammenhang zwischen religiöser Idee und materieller Lebensführung. Im Folgenden soll erörtert werden, was Weber hierunter genau versteht und anschlie- ßend worin die Besonderheit des Rationalisierungsgeschehens in den westlichen Gesellschaften besteht.

Weber versucht in seiner Rationalisierungstheorie den von ihm sogenannten okzidentalen Rationalismus zu erklären. Er sah vor allem in der Rationalisierung gesellschaftlichen Verhaltens Kern und Ursprung des Modernisierungsprozesses. Dabei war er der Überzeugung, dass der rationalistische Ethos nicht nur die Lebensführung und das wissenschaftliche Denken sondern auch das wirtschaftliche Leben beeinflusst.

Die „schicksalsvollste Macht unseres modernen Lebens“[3], der okzidentale Kapitalismus löst sich von allen traditionellen Vorgaben und ist auf Steigerung der Produktion und Produktivität gerichtet. Er unterscheidet sich somit von der vorherigen traditionellen Form des Wirtschaftens, welche in fast allen Kulturkreisen bis dahin dominierte.[4] Das traditionelle Wirtschaften dient lediglich der Bedarfsdeckung, wobei darüber hinausgehende Bedürfnisse nicht weiter von Bedeutung sind. Bei dem „Abenteuerkapitalismus“, eine besondere Form des kapitalistischen Wirtschaftens, richtet sich das Ziel darauf, mit möglichst wenig Aufwand viel Gewinn zu erwirtschaften, um im Endeffekt ein Luxusleben zu führen. Dabei darf auch Gewalt angewendet werden. Eine weitere Form des kapitalistischen Wirtschaftens ist der moderne abendländische Kapitalismus. Bei diesem steht vor allem die Steigerung der

Rentabilität der Unternehmen und ebenso die Gewinnerzielung im Vordergrund. Hierbei werden die erwirtschafteten Gewinne nicht ausgegeben sondern reinvestiert. Gerade diesem Punkt steht Weber jedoch kritisch entgegen. Für ihn ist es irrational den durch andauernden Arbeitseifer wirtschaftlichen Überfluss reinvestieren anstatt konsumieren zu wollen. Hierfür suchte er nach einer motivierenden Kraft oder Welthaltung, die er schließlich im Protestantismus bzw. dem Calvinismus fand. Die Besonderheit des Rationalisierungsgeschehens in den westlichen Gesellschaften besteht demnach in der Frage: Inwieweit hat der Protestantismus zur Entstehung und Verbreitung des Kapitalismus beigetragen? Bevor ich diese Frage beantworte, äußere ich mich erst einmal zu den charakteristischen Merkmalen, zur weiteren Entwicklung und zu den Folgen des okzidentalen Kapitalismus.

[...]


[1] vgl. Treibel 2006, S.176

[2] 2 vgl. Rosa/Strecker/Kottmann 2007, S.58

[3] 3 Weber 1920, S.4

[4] vgl. Rosa/Strecker/Kottmann 2007, S.55

Details

Seiten
7
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668047792
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304768
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Soziologie
Note
Schlagworte
Max Weber Rationalisierungstheorie Rationalisierung Soziologie religiöse Idee materielle Lebensführung

Autor

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Titel: Max Weber und der Begriff der Rationalisierung. Der Zusammenhang zwischen religiöser Idee und materieller Lebensführung