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Schizophrenie. Symptome und deren Auswirkungen auf das soziale Umfeld

Hausarbeit 2015 16 Seiten

Medizin - Neurologie, Psychiatrie, Süchte

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Bezeichnung nach ICD-10

3 Symptome
3.1 Positivsymptome
3.1.1 Formale Denkstörungen
3.1.2 Wahn
3.1.3 Sinnestäuschungen
3.1.4 Ich-Störungen
3.2 Negativsymptome
3.2.1 Störungen der Affektivität
3.2.2 Antriebs- und psychomotorische Störungen
3.2.3 Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen
3.2.4 Sonstige Symptome

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Personen mit mehreren Identitäten, welche abwechselnd und unkontrolliert zutage treten und meistens durch ein Trauma entstanden sind; es ist eine Erkrankung, mit der wohl jeder Mensch in irgendeinem Kontext schon einmal konfrontiert wurde. Ob nun durch einen tatsächlich Betroffenen im näheren Umfeld, die Medien, wie z.B. einen Kinofilm, ein Buch (bspw. Dr. Jekyll und Mr. Hyde) oder die Tageszeitung, oder auch durch eine scherzhafte Anspielung im Freundeskreis, wenn einmal Selbstgespräche geführt werden. Schizophrenie ist offenbar keine unbekannte Krankheit.

Dennoch ist den meisten Menschen nicht bewusst, dass es sich hierbei um einen großen Irrtum handelt. Weit verbreitet ist nämlich die Annahme, Schizophrenie sei gleichbedeutend mit einer „gespaltenen Persönlichkeit“. In Wirklichkeit handelt es sich bei den oben genannten Beispielen jedoch nicht um eine Schizophrenie, sondern um eine „dissoziative Identitätsstörung“.

Entstanden ist diese falsche Annahme vermutlich durch die Übersetzung des Begriffs „Schizophrenie“ aus dem Griechischen, da dieser etwa mit „Seelenspaltung“ übersetzt werden kann.

Was also ist Schizophrenie wirklich? Dieser Frage soll ausführlich nachgegangen werden. Gegenstand dieser Hausarbeit soll die Erarbeitung der typischen Symptome sowie die damit verbundenen Folgen der Erkrankung im Alltag sowie für Beziehungen, Freundschaften und andere soziale Kontakte des Betroffenen sein. Es ist davon auszugehen, dass ein Ausbruch der Erkrankung nicht nur den Erkrankten selbst betrifft, sondern auch auf das soziale Umfeld erhebliche Auswirkungen hat. Wie sehen diese konkret aus und inwieweit verändert sich dadurch das bisherige Leben?

Dazu wird im Vorfeld eine kurze Definition nach ICD-10 vorgestellt, um einen ersten Überblick zu bekommen. Anschließend wird ausführlich auf die verschiedenen Symptome der Erkrankung eingegangen, um parallel dazu mögliche Auswirkungen auf das soziale Umfeld näher zu beleuchten. Hierbei soll unter anderem überprüft werden, wie der Patient im Alltag und im Umgang mit seinem Krankheitsbild unterstützt werden kann.

2 Bezeichnung nach ICD-10

Die „Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD, englisch: „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems”) beschreibt Schizophrenie als eine psychische Erkrankung, die durch „grundlegende und charakteristische Störungen von Denken und Wahrnehmung sowie inadäquate oder verflachte Affekte“ (Dilling/Freyberger 2012, S. 93) gekennzeichnet ist. Dabei ist der Patient im Normalfall bei klarem Bewusstsein und auch die intellektuellen Fähigkeiten sind nicht eingeschränkt (vgl. ebd.). Typisch für das Krankheitsbild sind „Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung oder Gedankenentzug, Gedankenausbreitung, Wahnwahrnehmung, Kontrollwahn, Beeinflussungswahn oder das Gefühl des Gemachten, Stimmen, die in der dritten Person den Patienten kommentieren oder über ihn sprechen, Denkstörungen und Negativsymptome“ (ebd.).

Möglich ist sowohl ein Krankheitsverlauf mit regelmäßig wiederkehrenden Krankheitsepisoden als auch eine vorübergehende vollständige oder teilweise Symptom-Freiheit (vgl. ebd.).

Unterschieden werden mehrere Untertypen der Schizophrenie. Am häufigsten treten davon die paranoide, die hebephrene und die katatone Schizophrenie auf.

Kennzeichnend für eine paranoide Schizophrenie sind häufige Wahnvorstellungen, akustische Halluzinationen und Wahrnehmungsstörungen, wohingegen sich eine hebephrene Schizophrenie durch Störungen der Affekte, also des Gefühls- und Gemütslebens, auszeichnet. Bewegungen und Verhalten des Patienten sind dabei unvorhersehbar, die Sprache und das Denken ungeordnet und Gefühlsregungen verflacht. Meist geht eine Erkrankung dieses Subtyps mit der sozialen Isolation einher. (vgl. ebd., S. 96f.)

Vordergründig treten bei der katatonen Schizophrenie psychisch bedingte Probleme der Bewegungsabläufe auf. Dabei zeigen sich sowohl Starre- oder Erregungszustände als auch sofortiges Ausführen von Befehlen oder Befehlsverweigerung. Ebenso können lebhafte Halluzinationen erlebt oder andauernde Zwangshaltungen eingenommen werden. (vgl. ebd., S. 98)

3 Symptome

Schizophrenie ist eine Erkrankung, bei der eine Ansammlung von Störungen auftritt. Somit gibt es nicht „das typische“ Symptom, anhand dessen eine Schizophrenie diagnostizierbar wäre, sondern erst das Auftreten mehrerer Symptome ist entscheidend für die Diagnose.(vgl. Lambert/Naber 2004, S. 15)

Dabei wird unterschieden zwischen Positivsymptomen und Negativsymptomen. Positivsymptome treten vor allem in der akuten Phase der Krankheit auf und stellen eine „übersteigerte“ Funktion dar. Negativsymptome treten hingegen als Funktionsminderung, bis hin zum Funktionsverlust, auf. (vgl. Gaebel/Wölwer 2010, S. 8f.). In den folgenden Kapiteln wird noch ausführlicher auf die verschiedenen Symptome eingegangen.

3.1 Positivsymptome

Gekennzeichnet ist die Erkrankung durch die Positivsymptome „formale Denkstörungen“, „Wahn“, „Sinnestäuschungen“ und „Ich-Störungen“. (vgl. Lambert/Naber 2004, S. 15)

Da sie, wie bereits erwähnt, eine „übersteigerte“ Funktion darstellen, sind sie einfacher zu diagnostizieren als die Negativsymptome, was jedoch nicht automatisch bedeutet, dass die Positivsymptome den Patienten mehr beeinträchtigen als die Negativsymptome (vgl. ebd., S. 19).

3.1.1 Formale Denkstörungen

Unter dem Begriff der „formalen Denkstörungen“ wird ein sprunghaft-zerfahrener Gedankengang verstanden, bei dem plötzliche Unterbrechungen im Denken auftreten (vgl. Süllwold 1995, S. 12). Dabei können Störungen bei der Geschwindigkeit, der Sinnhaftigkeit und dem Zusammenhang des Denkens zutage treten, sodass auch der Sprachfluss beeinträchtigt sein kann (vgl. Lambert/Naber 2004, S.15).

Hierbei gibt es verschiedene Ausprägungen und Arten, die unter anderem unter Denkbeschleunigung/Denkhemmung, Denkzerfahrenheit, Gedankenabreißen und Gedankendrängen zusammengefasst werden können (vgl. ebd.).

Die Störung der Denkbeschleunigung oder -hemmung lässt die Patienten ihre Gedankengänge als beschleunigt oder verlangsamt wahrnehmen, wobei es zu starken Auswirkungen auf die Sprache, bis hin zur psychisch bedingten Verstummung (Mutismus), kommen kann. (vgl. ebd.).

Erlebt der Patient einen sprunghaften Gedankenablauf mit unzusammenhängenden Denkinhalten, bezeichnet man dies als Denkzerfahrenheit (vgl. ebd.). Erkennbar ist dies für Außenstehende an nebeneinanderstehenden Aussagen des Patienten, die keinerlei Zusammenhang aufweisen (vgl. Hahlweg 1998, S. 2).

Weitere Ausprägungen davon sind zum Einen das Vorbeireden, bei dem der Patient nicht auf gestellte Fragen eingeht, und die Schizophasie, bei dem den Patienten das Bilden zusammenhängender Sätze nicht mehr möglich ist (vgl. Lambert/Naber 2004, S.15).

Unterschieden wird außerdem zwischen dem „Gedankenabreißen“, das sich dadurch auszeichnet, dass ein Gedankengang im Kopf des Betroffenen plötzlich unterbrochen wird, und dem „Gedankendrängen“, das den Patienten durch sich überstürzende Gedanken oder Ideen stark belasten kann (vgl. Deister/Möller 1998, S. 65).

Stark erschwert wird durch die formalen Denkstörungen die Kommunikation mit anderen Menschen, da diese große Schwierigkeiten damit haben können, den Gedankengängen des Betroffenen zu folgen und nachzuvollziehen, was dieser mitteilen möchte. Dies kann beim Patienten wiederum ein Gefühl von Enttäuschung, Hilflosigkeit, Überforderung oder Scham auslösen und dazu führen, dass das Gespräch mit anderen gemieden wird.

Im sozialen Umfeld des Patienten kann dieses Symptom unter Umständen zu Missverständnissen, fehlender Akzeptanz und im schlimmsten Fall zu sozialer Ausgrenzung führen, da die Pflege sozialer Kontakte stark erschwert wird und es dem Patienten gegebenenfalls unangenehm ist, sich unter diesen Bedingungen mit anderen Menschen zu unterhalten oder seine Erkrankung zu offenbaren.

3.1.2 Wahn

Als „Wahn“ wird eine „argumentativ unkorrigierbare falsche Überzeugung von der Realität“ (Gaebel/Wölwer 2010, S. 8) bezeichnet.

Hierbei ist das Entscheidende jedoch nicht die falsche Beurteilung der Realität, sondern die absolute Überzeugung des Betroffenen, dass seine Sichtweise der Wirklichkeit tatsächlich existent ist. Dafür benötigt er keine Beweise und er lässt sich nicht von seiner Meinung abbringen, sodass die Wahnvorstellungen auch starke Auswirkungen auf die Handlungsweise des Patienten haben, z.B. durch Rufen der Polizei, in einer Situation, die eine derartige Reaktion überhaupt nicht erforderlich macht. (vgl. Deister/Möller 1998, S. 59)

Am häufigsten tritt dieses Symptom als Verfolgungs- bzw. Beeinträchtigungswahn zutage. Die Patienten haben dabei das Gefühl, andere Menschen wollten ihnen Schaden zufügen, oder sie würden verfolgt, beobachtet oder beleidigt. Eine andere Variante ist der Beziehungswahn, der den Betroffenen dazu bringt, verschiedene Ereignisse auf sich selbst zu beziehen, die eigentlich an die Allgemeinheit gerichtet sind. (vgl. Gaebel/Wölwer 2010, S.8) Hierbei werden Radio- und Fernsehnachrichten, Zahlenfolgen und ähnliches als geheime Botschaften verstanden, die speziell an den Betroffenen gerichtet sind und z.B. als Aufforderungen, etwas bestimmtes zu tun, oder als persönliche Zukunftsprognose betrachtet werden.

Weitere Formen des Wahns sind die Wahnstimmung, die dem Patienten das Gefühl gibt, es ginge allgemeine etwas Merkwürdiges vor sich, und der Größenwahn, der dem Erkrankten suggeriert, er sei eine besonders wichtige Person oder habe außergewöhnliche Fähigkeiten (vgl. Hahlweg 1998, S. 6f.).

Selten auftretende Wahninhalte sind zudem der hypochondrische Wahn, der Eifersuchtswahn und der Schuldwahn. Ersteres zeigt sich in der Vorstellung, krank oder sogar dem Sterben nahe zu sein. Entgegen aller Beweise glaubt ein Patient mit Eifersuchtswahn, sein Partner ginge ihm fremd oder hintergehe ihn auf andere Weise. Der Schuldwahn vermittelt das krankhafte Gefühl, gegen Gott oder eine höhere Macht gesündigt oder in anderer Weise regelwidrig gehandelt zu haben. (vgl. Deister/Möller 1998, S. 61f.)

Somit sorgt das Symptom „Wahn“ dafür, dass Patienten von ihrer Umgebung als merkwürdig und unbegreiflich wahrgenommen werden, was natürlich wiederum das Knüpfen oder Aufrechterhalten sozialer Kontakte sehr erschwert. Beispielsweise durch den Verfolgungswahn fühlen sich Freunde und Angehörige des Erkrankten gegebenenfalls den Anschuldigungen ausgesetzt, sie wollten diesem etwas antun oder ihn verfolgen.

Der Partner oder andere sehr nahestehende Familienmitglieder können in seltenen Fällen damit konfrontiert werden, dass sie des Fremdgehens oder anderweitigen Hintergehens beschuldigt werden, obwohl sie nichts dergleichen getan haben. Damit richtig umzugehen und es nicht zu persönlich zu nehmen, stellt eine große Herausforderung dar.

Auch der Beziehungswahn mag für Angehörige schwer nachzuvollziehen sein und setzt diese unter Druck, besonders auf den Betroffenen achtzugeben, damit dieser sich und andere nicht durch an ihn gerichtete „versteckte Aufforderungen“ in Gefahr bringt oder ein großes Chaos anrichtet.

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Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668368378
ISBN (Buch)
9783668368385
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304712
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,4
Schlagworte
schizophrenie symptome auswirkungen umfeld

Autor

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Titel: Schizophrenie. Symptome und deren Auswirkungen auf das soziale Umfeld