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Schulhunde in der Regelschule. Eine sinnvolle pädagogische Unterstützung?

Hausarbeit 2015 19 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Tiergestützte Pädagogik und Hunde in der Schule
2.1. Warum werden überhaupt Tiere zur pädagogischen Unterstützung (in der Schule) eingesetzt?
2.2. Der Schulhund im Einsatz – Anforderungen, Ausbildung und Ausführung
2.3. Warum ist der regelmäßige Einsatz von Schulhunden auch an der Regelschule sinnvoll?

3. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob ein regelmäßiger Einsatz von Schulhunden zur pädagogischen Unterstützung auch an Regelschulen sinnvoll ist beziehungsweise unter welchen Umständen und Voraussetzungen dieser sinnvoll sein kann.

Hierzu wird zunächst erläutert, warum überhaupt Tiere zur pädagogischen Unterstützung in der Schule eingesetzt werden. Zudem wird dargelegt, warum Tiere in den letzten Jahren, ob gezielt oder einfach durch Anwesenheit, vermehrt Einzug in die Schulen finden. Hierfür werden einführend auch einige Begriffe eingeführt, geklärt und erklärt.

Der nächste Teil beschäftigt sich näher mit dem Einsatz von Schulhunden. Dieser Teil beschäftigt sich chronologisch zunächst mit der Frage, unter welchen Umständen vor allem der Hund, aber auch der Schulhundeführer für einen Einsatz als Schulhund-Team geeignet sind. Anschließend wird die Ausbildung des Schulhund-Teams thematisiert. Zuletzt wird noch die Ausführung in der Schule betrachtet. Hier wird auf Hygienebestimmungen, Gesundheitsaspekte und allgemein Regelungen zur Organisation eingegangen.

Im anschließenden Teil rückt die grundlegende Fragestellung in nähere Betrachtung. Dafür werden zunächst Exekutive Funktionen im Zusammenhang der Schulhund-Thematik erläutert. Anschließend wird der Einsatz des Schulhundes in verschiedenen Regelschulformen betrachtet.

Am Ende der Arbeit werden die wichtigsten Aspekte noch einmal zusammengefasst, die Fragestellung noch einmal resümiert und ein Fazit gezogen. Zudem wird ein Forschungsausblick gegeben.

Für die vorliegende Arbeit sind vor Allem die Arbeit von Lydia Agsten HuPäSch: Hunde in die Schulen - und alles wird gut!? und das Werk Hunde im Schulalltag von Andrea Beetz relevant. Auch die Ausführungen in Der Schulhund von Meike Heyer und Nora Kloke werden berücksichtigt. Darüber hinaus ist der Leitfaden zum Einsatz von Hunden in der Schule des Österreichischen Bundesministeriums für Bildung und Frauen für die Arbeit von Interesse und wird dementsprechend mit einbezogen.

Anmerkung: In der folgenden Arbeit werden zum Zweck der besseren Lesbarkeit die Bezeichnungen Schüler, Lehrer, Schulleiter, Hund, etc. synonym für beide Geschlechter verwendet.

2. Tiergestützte Pädagogik und Hunde in der Schule

2.1. Warum werden überhaupt Tiere zur pädagogischen Unterstützung (in der Schule) eingesetzt?

Tiere werden bereits seit Langem zur psychischen Unterstützung bei Menschen eingesetzt. Erste Dokumentationen darüber gibt es bereits aus dem 18. Jahrhundert, wo Patienten gezielt in die Betreuung und Versorgung von Tieren eingebunden wurden. Gezielt dokumentiert werden therapeutische Einsätze von Tieren allerdings erst seit etwa 1960.[1]

In Deutschland wird die Arbeit mit Tieren zur Unterstützung in psychischen, physischen und sozialen Bereichen erst seit etwa zwanzig Jahren populärer und rückt somit in nähere Betrachtung der Öffentlichkeit und infolgedessen auch in den Blick der Wissenschaft. Pferde werden schon etwas länger in der Therapie eingesetzt und sind bis heute die am häufigsten eingesetzten Tiere in der Therapie.[2]

Ab dem Jahr 2000 wurden verstärkt Gründungen von Vereinen, Organisationen und Verbänden zur Ausbildung von Therapiehunden festgestellt. Eine standardisierte Ausbildung beziehungsweise Eignungsüberprüfung gibt es allerdings bis heute nicht. Seit 2005 wurden Netzwerke, Vorträge und Kongresse initiiert, um Tiere auch verstärkt zur Unterstützung in der Pädagogik einzubeziehen.[3]

Dass Menschen schon vom Kindesalter an Kontakt zu Tieren suchen, ist keineswegs erstaunlich. 1984 stellte Edward O. Wilson dazu die Biophilie-Hypothese auf.[4] „Menschen haben über 99% ihrer stammesgeschichtlichen Entwicklung in engem Kontakt zu Natur und Tieren gelebt und es ist ihnen ein Bedürfnis, Kontakt, ja sogar Beziehungen zu Tieren, herzustellen […] Die biophile Veranlagung des Menschen hat ihm möglicherweise einen Überlebensvorteil eingebracht […].“[5] Dieser Überlebensvorteil gründet sich auf neun Aspekten, die 1993 von Kellert herausgestellt wurden. Der utilitaristische Aspekt beschreibt eine nützliche Verbundenheit zum Beispiel auf Grund von Nahrung. Nach dem naturalistischen Aspekt bringt eine natürliche Verbundenheit Entspannung. Durch die Analyse von Tieren und deren Leben wird Wissen geschaffen, was durch den ökologisch-wissenschaftlichen Aspekt beschrieben wird. Der humanistische Aspekt beschreibt eine tief erlebte emotionale Verbundenheit mit Tieren. Durch den moralischen Aspekt werden Ehrfurcht und Verantwortungsgefühl des Menschen angesprochen. Die Beherrschung der Natur drückt sich durch den Dominanz-Aspekt aus. Im negativistischen Aspekt manifestiert sich eine Angst vor bestimmten Aspekten der Natur. Schließlich gibt es auch noch einen ästhetischen und einen symbolischen Aspekt. Diese Aspekte kommen teilweise bei der tiergestützten Intervention zum Tragen.[6]

Auch der Gedanke, Tiere in der Schule zu halten beziehungsweise einzusetzen, ist nicht neu. Bereits in den 1960er Jahren publizierte der Psychotherapeut Boris Levinson seine positiven Erfahrungen mit seinem Hund im gezielten Einsatz in der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen. Seit Levinsons Publikationen nahm der Einsatz von Tieren zur Unterstützung in verschiedenen Einsatzbereichen zu. In vielen Schulen werden Tiere gehalten. Man findet dort unter anderem Fische, Insekten, Vögel oder verschiedene Nagetiere, wie Kaninchen, Hamster oder Meerschweinchen. Meist dienen die Tiere hier als praktische Anschauungsobjekte für den Biologieunterricht oder einfach der Freude der Schüler. Allerdings wirkt sich die Anwesenheit der Tiere auch positiv auf das psychische Wohlbefinden und die Übernahme von Verantwortung bei den Schülern aus.[7]

Zudem gibt es eine Vielzahl weiterer positiver Auswirkungen von Tieren, speziell Hunden auf Menschen. Diese Auswirkungen sind durch einige Studien empirisch erforscht und nachgewiesen worden. So zeigt die Studienlage, „dass sich Heimtiere, vor allem Hunde, positiv auf die Gesundheit des Menschen auswirken können“[8]. Zudem wurde festgestellt, dass Tiere zu einer positiveren Wahrnehmung und mehr Aufmerksamkeit gegenüber der Person beitragen, die sie begleiten. Außerdem können Tiere die soziale Interaktion und Kommunikation zwischen Menschen fördern.[9] Vor allem den sozialen Aspekt hierbei kennt wohl jeder Hundehalter: Ist man mit seinem Hund unterwegs, bekommt man deutlich mehr Aufmerksamkeit durch den Hund, kommt eher mit anderen Menschen ins Gespräch und es können sich sogar tiefer gehende soziale Kontakte entwickeln.

Des Weiteren wurde durch einige Studien konstatiert, dass die Anwesenheit eines Hundes das Vertrauen der Person gegenüber fördert, die den Hund bei sich hat. Darüber hinaus können Hunde auch einen stimmungsaufhellenden Effekt[10] auf Menschen haben und die „Interaktion mit Tieren [kann] bei Menschen Angst reduzieren und sie beruhigen“[11]

Ebenfalls konnte eine stressreduzierende Wirkung von Tieren medizinisch bestätigt werden. So können sowohl die bloße Anwesenheit eines Hundes als auch Körperkontakt zum Hund nachweislich Blutdruck und Herzfrequenz senken, was zur Reduzierung von Stress und in Abwesenheit von Stress zur Entspannung beiträgt. Dieser Effekt ist deutlicher ausgeprägt, je besser die Einstellung gegenüber Tieren allgemein ist.[12]

Die Anwesenheit von Hunden und der Kontakt zu ihnen trägt außerdem zur Senkung des Kortisolspiegels bei, welches ein Stresshormon ist. Dessen Senkung trägt gleichermaßen zur Reduzierung von Stress und zur Entspannung bei.[13]

Aus diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen lassen sich einige positive Auswirkungen von Tieren und speziell Hunden auf Schüler und das schulische Umfeld ableiten, auf die im weiteren Verlauf der Arbeit noch näher eingegangen wird.

Abschließend sollen in diesem Kapitel noch einige Begriffe geklärt und erläutert werden. Der Begriff der „tiergestützten Pädagogik“ ist von der tiergestützten Therapie abzugrenzen. Die tiergestützte Pädagogik wird von einer Fachkraft mit einer pädagogischen Ausbildung und Fachwissen über die eingesetzte Tierart durchgeführt. Die Intervention ist auf ein pädagogisches beziehungsweise erzieherisches Ziel ausgerichtet. Zu den Zielen gehört die Förderung von sozio-emotionalen und kognitiven Fähigkeiten. Die Tiere sollten eine spezielle Eignung und Ausbildung für den Einsatz mitbringen. Es kann hin und wieder zu Überschneidungen mit der tiergestützten Therapie kommen. Die tiergestützte Therapie wird von einem Therapeuten mit Fachwissen über die eingesetzte Tierart durchgeführt. Hierbei stehen therapeutische Ziele im Vordergrund und die Tiere müssen ebenfalls entsprechend geeignet und ausgebildet sein. Die hundegestützte Pädagogik ist eine Form der tiergestützten Pädagogik, die rein auf Hunde ausgerichtet ist. Innerhalb dieser Kategorie ist noch zwischen Schulhunden und Schulbesuchshunden zu unterscheiden. Ein Schulbesuchshund besucht Schulklassen lediglich. Die Hunde werden dabei von einem externen, also nicht zu Schule gehörenden, Hundeführer begleitet. Das Team wird auf diese Einsätze hin ausgewählt und ausgebildet. Hierbei steht die Vermittlung des richtigen Umgangs mit Hunden und allgemeiner Wissensvermittlung über Hunde im Vordergrund, wie es sich zum Beispiel die Organisation Helfer auf vier Pfoten (www.helfer-auf-vier-pfoten.de), zum Ziel gesetzt hat. Schulbesuchshunde können jederzeit über die verschiedenen Organisationen von der Schule angefordert werden. Hiervon zu unterscheiden ist der Schulhund. Der Schulhund ist ein Präsenzhund, der die Lehrkraft, der er gehört, bei pädagogischen Zielsetzungen unterstützt. Er wird spezifisch für diesen Einsatz ausgebildet und seine Eignung wird ständig im praktischen Einsatz überprüft. Der Schulhund verbringt regelmäßig Zeit im Unterricht beziehungsweise im Klassenraum.[14]

2.2. Der Schulhund im Einsatz – Anforderungen, Ausbildung und Ausführung

In diesem Kapitel soll es zunächst um die Anforderungen an Schulhunde und deren Schulhundeführer gehen. Hierbei gibt es einige grundlegende Eigenschaften, die der Hund von Natur aus mitbringen muss, da sie nicht zu erlernen sind, weshalb diese am Anfang des Kapitels erläutert werden sollen. Dabei wird das Drei-Stufen-Modell der Schulhundeausbildung, das von Heyer/Kloke definiert wurde, dargestellt und näher erläutert. Danach soll es um die Ausbildung und ständige Weiterbildung von Hund und Hundeführer gehen. Hierbei wird vor allem auch auf Möglichkeiten zur Qualitätssicherung in der hundgestützten Pädagogik eingegangen. Zum Abschluss des Kapitels wird es um die konkrete Ausführung und Planung eines Schulhundeeinsatzes gehen, bei dem auch die Rahmenbedingungen mit einbezogen werden.

Bundesweit gibt es in Deutschland nach wie vor keine einheitlichen Standards zur Therapiehundeausbildung, geschweige denn zur Ausbildung von Schulhunden. Verschiedenste Organisationen bieten daher Aus- und Fortbildungen an, die von einer bloßen Eignungsüberprüfung bis hin zu kompletten berufsbegleitenden Fortbildungen für Hund und Hundeführer reichen. Die Ausbildung sollte immer im Mensch-Hund-Team erfolgen, da auch später der Schulhundlehrer immer gemeinsam mit seinem Schulhund im Einsatz ist.[15]

[...]


[1] Vgl. Agsten, Lydia (2009): HuPäSch: Hunde in die Schulen - und alles wird gut!?. Norderstedt, Books on Demand-Verlag, S. 20.

[2] Vgl. Agsten, Lydia (2009), S. 22.

[3] Vgl. Agsten, Lydia (2009), S. 23.

[4] Vgl. Agsten, Lydia (2009), S. 31.

[5] Beetz, Andrea (22013): Hunde im Schulalltag. Grundlagen und Praxis. München, Ernst Reinhardt Verlag, S. 90.

[6] Vgl. Agsten, Lydia (2009), S. 29 f.

[7] Vgl. Beetz, Andrea (22013), S. 12 f.

[8] Beetz, Andrea (22013), S. 61.

[9] Vgl. Beetz, Andrea (22013), S. 63.

[10] Vgl. Beetz, Andrea (22013), S. 64.

[11] Beetz, Andrea (22013), S. 65.

[12] Vgl. Beetz, Andrea (22013), S. 66-68.

[13] Vgl. Beetz, Andrea (22013), S. 68 f.

[14] Vgl. Agsten, Lydia (2009), S. 23-29 und S. 36 und Beetz, Andrea (22013), S. 14-17.

[15] Vgl. Heyer, Meike und Kloke, Nora (22013): Der Schulhund. Eine Praxisanleitung zur hundgestützten Pädagogik im Klassenzimmer. Nerdlen/Daun, Kynos Verlag, S. 25.

Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668028807
ISBN (Buch)
9783668028814
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304637
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
12
Schlagworte
schulhunde regelschule eine unterstützung

Autor

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