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Ist eine Patientenverfügung für Muslime in Deutschland relevant?

Hausarbeit 2014 14 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Islamwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Die Patientenverfügung

3. Der Islam
3.1. Das Krankheitsverständnis
3.2. Der Jenseitsglaube
3.3. Qadar
3.4. Tawakkul

4. Patientenverfügung für Muslime
4.1. Kultursensible Patientenverfügung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit soll erarbeitet werden, inwieweit die Patientenverfügung in die muslimische Gesellschaft Deutschland integriert werden kann und sollte. Zu Anfang der Hausarbeit werde ich die Patientenverfügung allgemein erläutern und den Sinn und Zweck einer solchen Patientenverfügung darlegen. Nachdem ich diese Punkte aufgezeigt habe, werde einen Einblick in die Religion des Islam geben. Dieser Einblick in die Religion ist deshalb von großer Bedeutung, da sie dadurch ein Verständnis und Gespür für die Handlungs- und Entscheidungsweise der Muslime und Musliminnen bietet. Die Präferenzen und religiösen Ansichten agieren nämlich in alltäglichen Bereichen jedes Gläubigen, und somit auch im Bereich der Krankheit und infolgedessen der potentiellen Patientenverfügung. Im Bereich des Islam gehen wir ausführlich auf die Glaubenssätze und theologischen Aspekte wie Schicksalsglauben, Gottvertrauen und Jenseitsglauben ein. Der Islam hat ein ganzheitliches Charakteristikum und diese umfasst alle Lebensbereiche eines gläubigen Muslims. Diese Einsicht soll hervorheben, wie stark diese Standpunkte der Muslime und Musliminnen ihre Vorgehensweise und Entscheidungsfindung in ihrer Rolle als mögliche Patienten beeinflussen. Weiterhin soll es das Erfordernis des Wissens eines nichtmuslimischen Arztes über die Religiosität seines Patienten darstellen, um somit dem Patienten gerecht werden zu können und den kultursensiblen Aspekt der Patientenverfügung zu verstehen. Bei der Verfassung meiner Hausarbeit diente mir das Buch ÄDer muslimische Patient - Medizinethische Aspekt des muslimischen Krankheitsverständnisses in einer wertpluralen Gesellschaft (2002)“ von Herrn Prof. Dr. Ilkılıç als Basis und Primärquelle. Zu guter Letzt werde ich einen zusammenfassenden Blick auf die dargestellten Informationen darlegen und meine persönliche Meinung als eigenhändige Muslimin dazu ausbreiten.

2. Die Patientenverfügung

Im Falle einer Krankheit dürfen Ärzte und Ärztinnen sie nur dann behandeln, wenn sie der Behandlung vorab zugestimmt haben. Dieses Patientenrechtsgesetz steht jedem Patienten zu.1 Falls es jedoch zu dem Fall einer schweren Krankheit oder Unfalls kam und man sich nicht mehr selbst für oder gegen die lebensverlängernden Maßnahmen oder alternativen Behandlungen entscheiden kann, tut dies ihr gesetzlicher Vertreter. Ein gesetzlicher Vertreter kann ein Betreuer oder ein Bevollmächtigter sein. Sie können diese Entscheidung aber auch vorsorglich selbst mit einer Patientenverfügung treffen.2 Auf diese Weise kann man sich das Recht auf Selbstbestimmung wahren, auch wenn man zum Zeitpunkt der Behandlung nicht ansprechbar sein sollte.3 Das Recht zur Selbstbestimmung ist im Gesetzesbuch unter der Menschenwürde, des allgemeinen Persönlichkeitsrechts und im Recht auf körperliche Unversehrtheit verankert.4 Das Selbstbestimmungsrecht gilt für alle Menschen, egal ob krank oder gesund. Somit darf jeder für sich selbst entscheiden, ob er behandelt werden möchte oder nicht. Jede Handlung gegen den Willen des Patienten gilt als Körperverletzung.5 Wenn ein Patient die Behandlung ablehnt und diese unvernünftig erscheint, dann gerät das Selbstbestimmungsrecht in ein Spannungsverhältnis. Nichtsdestotrotz ist das Selbstbestimmungsrecht höher zu bewerten als die Sorge anderer Menschen um den Patienten. Die Selbstbestimmung dient auch vielen Menschen zur Vollbringung eines würdevollen Todes, den man möglicherweise durch die lebensverlängernden Maßnahmen vielleicht nicht erlangt hätte.6 Eine schriftlich verfasste Patientenverfügung dient zur rechtsgültigen Dokumentierung der Bestimmung und Wille des Patienten, falls dieser sich zu dem Zeitpunkt nicht selbst äußern kann. Eine Patientenverfügung muss durch die jeweilige Person schriftlich verfasst und mit der eigenhändigen Unterschrift oder einer notariell beglaubigten Unterschrift versehen werden, damit sie gesetzlich anerkannt werden kann.7 Mündliche Äußerungen sind deshalb natürlich nicht wirkungslos. Die Patientenverfügung dient, wie schon erwähnt, vielmehr für den Fall, dass man als Patient selbst nicht mehr seinen Willen und seine Wünsche äußern kann. Die Verfassung einer solchen Patientenverfügung steht jedem Bürger der Bundesrepublik Deutschland frei zur Verfügung und ist keine Verpflichtung.8 Diese Patientenverfügung kann jederzeit verändert oder auch formlos dementiert werden.9

Die Patientenverfügung als Medium zur Selbstbestimmung wiederfährt auch Kritik: Man stellt sich die Frage, ob die Person zuvor als gesunder Mensch wirklich fähig war, den Ernstfall einer möglichen Krankheit wahrhaftig einschätzen zu können.10 Oder ob der Patient vielleicht noch hatte seine Patientenverfügung vor dem unglücklichen Unfall oder der Krankheit ändern wollen. Abgesehen von derartigen Fragen, ist es nicht zu leugnen, dass ein Mensch im Ernstfall anders reagieren könnte und würde. Weiterhin muss man bedenken, dass die Entscheidung des Patienten von inneren und äußeren Faktoren beschränkt, durch Unwissenheit über Palliativmedizin, durch die Umstände im Krankenhaus, kommunikative Hilfslosigkeit usw. hätte anders entscheiden können.11 Beim Erstellen einer Patientenverfügung sollte man sich deshalb viel Zeit nehmen und sich über seine sozialen Präferenzen, Wertvorstellungen, religiösen Ansichten und familiären Beziehungen Klarheit verschaffen. Man sollte sich in der Patientenverfügung genauestens zu bestimmten möglichen Situationen äußern und keine allgemeinen Aussagen machen. Es gibt viele Muster für Patientenverfügungen im Internet, von denen ich einige zur Veranschaulichung als Anlage beigelegt habe.

[...]


1 Vgl. BGB § 630d

2 Vgl. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Patientenverfügung - Leiden - Krankheit - Sterben - Wie bestimme ich, was medizinisch unternommen werden soll, wenn ich entscheidungsfähig bin?; Stand: Januar 2014) S. 4

3 Vgl. Ebd. S. 9

4 Vgl. Nationaler Ethikrat: Patientenverfügung - Stellungnahme; S. 9

5 Vgl. Ebd. S. 9

6 Vgl. Ebd. S. 10

7 Vgl. BGB §126 Absatz 1

8 Vgl. BGB § 1901a Patientenverfügung Absatz 4

9 Vgl. BGB § 1901a Patientenverfügung Absatz 1

10 Vgl. Kellner, Martin: Islamische Rechtsmeinungen zu medizinischen Eingriffen an den Grenzen des Lebens - Ein Beitrag zur kulturübergreifenden Bioethik; S. 79 f.

11 Vgl. Ebd. S. 80

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668029408
ISBN (Buch)
9783668029415
Dateigröße
908 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304588
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Islamische Studien
Note
1,7
Schlagworte
bioethik islam patientenverfügung

Autor

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