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Adoleszenzfilme. Das „Freundschaftsverhältnis“ im Film „Crazy“

Seminararbeit 2015 15 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Freundschaften im Jugendalter

2. Das „Freundschaftsverhältnis“ zwischen Benjamin und Janosch
2.1 Anfangsphase der „Freundschaft“
2.2 Initiationsritus
2.3 Janosch als Leitfigur
2.3.1 Peergruppen
2.3.2 Janosch als„Anführer“der Clique
2.4 Konflikt zwischen Janosch und Benjamin
2.4.1Konkurrenz um Malen
2.4.2Benjamins Emanzipation

3. Fazit

4. Quellenverzeichnis
4.1 Literaturverzeichnis
4.2 Internetquellen
4.3 Filmografie

1. Freundschaften im Jugendalter

Der Begriff Freundschaft beschreibt das auf gegenseitiger Zuneigung beruhende Verhältnis von Menschen zueinander.1 Für deutsche Jugendliche ist Freund- schaft der wichtigste Wert in ihrem Leben. Dies ergab die Jugend-Shell-Studie im Jahr 2010, in der 97% der Jugendlichen angaben, dass „Gute Freunde zu haben“ ein unverzichtbarer Wert in ihrem Leben sei.2 Im Rahmen der Identitätsfindung und der Loslösung von der Familie werden gleichaltrige Freunde sowie die Zu- gehörigkeit zu einer Clique immer wichtiger für die Heranwachsenden.3 Sie ver- binden mit dem Begriff Freundschaft vor allem Vertrauen, Intimität und gemein- same Aktivitäten.4 Damit übernehmen Freundschaften im Jugendalter eine we- sentliche Rolle bei der Bewältigung bestehender Probleme und stellen in der Regel eine wichtige soziale Ressource dar. Freunde bieten den Jugendlichen in dieser unsicheren Zeit der Identitätsfindung Sicherheit und zeigen Verständnis.5 Im Adoleszenzfilm CRAZY wird vor allem das „Freundschaftsverhältnis“ zwi- schen Benjamin und Janosch thematisiert. Der 16-jährige Benjamin ist halbseitig gelähmt und sucht, nach erneutem Schulwechsel, Anschluss im Internat Neusee- len. Nachdem er von seinem Zimmerkameraden Janosch in die Clique aufge- nommen wurde, genießen die sechs Freunde ihre gemeinsame Zeit im Internat. Die Mutproben innerhalb der Gruppe sowie das „Erkunden des anderen Ge- schlechts“ schweißt die Jungs zusammen. Dies sind typische Merkmale von Freundschaften zwischen Gleichaltrigen im Jugendalter.6

Als sich sowohl Benjamin als auch Janosch in die Klassenkameradin Malen verliebt, ist ihre Freundschaft gefährdet. Hierbei stellt sich vor allem die Frage, welche Auswirkungen die entstehende Konkurrenz zwischen Benjamin und Janosch auf das Verhältnis zwischen den beiden Jungen haben wird.

Im Folgenden soll nun das „Freundschaftsverhältnis“ im Adoleszenzfilm CRAZY zwischen den beiden Jungen genauer analysiert werden. Hierbei wird beschrieben, wie sich ihr Verhältnis zueinander entwickelt und verändert.

Im Gliederungspunkt 2.3 werden die Merkmale einer Peergruppe beschrieben und Janoschs Position als „Leitbild“ der Gruppe charakterisiert. Darauffolgend werden die Konfliktpunkte beider Jugendlicher behandelt. Dabei wird auf das Konkurrenzverhalten zwischen Janosch und Benjamin eingegangen. Abschließend wird analysiert, inwiefern die Clique, aber auch speziell Janosch, Einfluss auf Benjamins Entwicklung genommen hat.

2. Das „Freundschaftsverhältnis“ zwischen Benjamin und Janosch

2.1 Anfangsphase der „Freundschaft“

Zunächst wird die Anfangsphase des „Freundschaftsverhältnisses“ der beiden Jugendlichen näher betrachtet.

Benjamin und Janosch lernen sich als Zimmerkameraden im Internat Neuseelen kennen, als Benjamin das Zimmer bezieht (TC 0:04:10). Man würde davon aus- gehen, dass Janosch seinen neuen Mitbewohner begrüßen wird, alsbald er den Raum betritt; jedoch schenkt er Benjamin nur wenig Beachtung. Obwohl Benja- min unsicher und schüchtern ist, versucht er den Kontakt zu Janosch aufzubau- en, indem er sich ihm vorstellt und das Gespräch sucht (TC 0:04:45). Er ist höf- lich, macht den ersten Schritt und geht auf Janosch zu. Dieser verhält sich im Gegenzug abweisend, kühl und desinteressiert. Dieses Verhalten verdeutlicht, dass Janosch zunächst kein Interesse daran zeigt, Benjamin näher kennenlernen zu wollen.

Obwohl sich die beiden Jungen ein Zimmer teilen, in die selbe Klasse gehen und im Unterricht nebeneinander sitzen, kommt es zunächst zu keiner freundschaftlichen Annäherung zwischen Janosch und Benjamin.

Normalerweise könnte man durch den Mere-Exposure-Effekt davon ausgehen, dass sich die beiden aufgrund der räumlichen Nähe anfreunden. Dieser besagt, je mehr Kontakt Menschen miteinander haben (auch zufällig), desto wahrscheinlicher werden sie auch Freunde.7

Die Situation zwischen den beiden Jungen zeigt dieses Phänomen jedoch nicht auf. Daraus lässt sich schließen, dass sich die Freundschaft zwischen den beiden nur langsam entwickeln wird, und dass sowohl Benjamin als auch Janosch sich nicht unbedacht anderen Personen anvertrauen wird.

2.2 Initiationsritus

Benjamin ist das Verhältnis zu seinem Zimmerkameraden sichtlich unangenehm. Als er am Morgen im Waschraum neben Janosch tritt , begrüßen sie sich nicht. Die beiden Jugendlichen haben sich nichts zu sagen und die Situation wirkt an- gespannt wie zeigt sich das? Gesicht, oder Augen? (TC 0:10:46). Als sich die Blicke der beiden treffen, Janosch Benjamin jedoch nur einen abwertenden Blick zuwirft, ergreift Benjamin die Initiative und wird aktiv. Er spricht Janosch an und bittet ihn, ganz normal behandelt zu werden, „so wie alle anderen auch“ (TC 0:10:47).

Da Benjamin noch nie wahre Freunde hatte und „eigentlich schon froh ist, wenn sich niemand über ihn lustig macht“ (TC 0:07:55), zeigt diese Situation deutlich, dass es ihm wichtig ist, von Janosch trotz seiner Behinderung akzeptiert und respektiert zu werden.

Janosch geht auf Benjamins Bitte ein, ihn ab sofort „ganz normal“ zu behandeln. Dies erfolgt jedoch anders, als Benjamin es erwartet. Die Clique um Janosch zerrt ihn unter die Dusche, um ihn mit Wasser nass zu machen. Benjamin gibt hierbei verbal deutlich zu verstehen, dass er Schmerzen hat, doch die Gruppe hat offenbar Spaß daran ihn zu quälen (TC 0:11:27).

Es wird gezeigt, dass Janosch die treibende Kraft der Gruppe ist, da er Benjamin erneut unter das Wasser schubst (TC 0:11:25), obwohl die anderen Jungen schon von ihm abgelassen hatten. Sowohl der Vorfall im Waschraum, als auch Janoschs Verhalten hat Benjamin sichtlich enttäuscht. Aufgrund dessen sucht er Trost bei seiner Mutter, die er telefonisch kontaktiert. Hierbei interveniert Janosch und rechtfertigt sein Verhalten, indem er Benjamin erklärt, dass die Situation un- ter der Dusche das Aufnahmeritual der Gruppe sei, das jeder Neue durchmachen muss.

In der Adoleszenzphase dienen solche Rituale den Jugendlichen als Bestätigung, jemand Neuen in der Gemeinschaft aufzunehmen.

Man erfährt im Film CRAZY durch Benjamins Off-Stimme, dass er seine Mutter nicht zurückgerufen hat und sich dadurch aktiv dafür entschieden hat, ein Teil der Gruppe werden zu wollen.

Somit hat er die Kriterien zur Aufnahme in die Gruppe erfüllt. Ab diesem Moment ist er ein Mitglied der Clique um Janosch und die beiden nähern sich einander an (TC 0:12:19). Dies bildet die Grundlage für die Entwicklung der Freundschaft zwischen den beiden Jugendlichen.

[...]


1 Siehe http://www.duden.de/rechtschreibung/Freundschaft (abgerufen am 14.01.2015).

2 Siehe http://www.shell.de/aboutshell/our-commitment/shell-youth-study/2010.html (abgerufen am 09.01.2015).

3 Siehe Mietzel, Gerd:Wege in die Entwicklungspsychologie. Kindheit und Jugend. Weinheim 2002, S. 351ff.

4Siehe Hartup, Williard:Adolescents and Their Friends. In: B. Laursen (Hg.).: New Directions for Child Development. Close Friendships in Adolescence. San Francisco 1993, S. 3-22.

5 Siehe Liebisch, Katharina (Hg.):Jugendspziologie.Über Adoleszente, Teenager und neue Generationen. München 2012, S. 156f.

6 Siehe ebd., S. 158.

7 Siehe Moreland, Richard / Zajonc, Robert: Exposure effects in person perception. Familiarity, similarity, and attraction. Journal of Experimental Social Psychology. Pittsburgh 1982. S. 395-415.

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668039575
ISBN (Buch)
9783668039582
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304427
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Schlagworte
Adoleszenzfilme Freundschaft Jugendliche "CRAZY" „Freundschaftsverhältnis“

Autor

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